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Full text of "Schweizerisches Archiv für Volkskunde. Vierteljahrsschrift .."

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I 
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r.    7-  f 


Sohweizerisdj|e  Gesellschaft    ftlr    Volkskunde. 
Sociöfö  Sufsse  des  Traditioiis  Populaires. 


Sehweizerisehes 

Archiv  für  Volkskun  de. 


Vierteljahrsschri  ft 

unter    Mitwirkung    des    Vorstandes    herausgegeben 


Ed.  Hoffmann-Krayer^ 

Redaktor  für  den  deutschen  T«m1. 

HIrxbodcnwer  91,  BawL 


Jules  Jeanjaqueff 

K«Mlaktnr  tVir  den  romHoischeD  Teil. 


Siebenter  Jahrgang. 

Mit  7  Illustrationen  im  Text,  3  inonneliroiucn  nnd  1   polychromen  Tafel. 


ZÜRICH 
Druck  voD  .luchli  &  Beck 

«ona.  Rmil  Cotti 

1903. 


INHALT. 

Seite 

E.  Hoffmann-Krayer,     Schatzgräberei    in    der    Umgebung 

Basels  (1726  und  1727) 1 

Vittore  Pellandini,  Spigolatnre  di  Folklore  ticinesi  .  2S 
A.   Schaer,     Balthasar    Han*s    und    Hans    Heinrich   Grob's 

^  Schützenausreden" 29 

J.  Focke,  Die  hölzernen  Milchrechnnngen  des  Tavetschthals 

(Oraubünden)                  36 

Arthur  Rossat,  Chants  patois  jurassiens  81.  241 
£.  Hoffmann-Krayer,    Nenjahrsfeier    im   alten    Basel   und 

Verwandtes 102.  187 

6.  Züricher  und  M.  Reinhard,  Allerhand  Aberglauben  aus 

dem  Kanton  Bern 131 

F.  \V.  Sprecher,  Yolkskundliches  aus  dem  Taminathal  143.  210 
A.  Daucourt,  Traditions  populaires  jurassiennes  .  169 
E.  Finkenhofe r,  Sprüche  und  Lieder  aus  dem  Entlebuch  .  269 
J.  L.  Arnold,  Das  ^Giritzenmoos*"  in  Dagmersellen  (Kt.  Lu- 

zern) 29& 

Miszellen. 

Anton  Küchler,  Ein  maccaronisches  Sennengedicht  yonrUütfer- 

walden 42 

Anton  Küchler,  Recepte  von  Dr.  Jakob  Jenner  aus  Kerns  46 

5.  Gfeller,  Zaubermittel 50 

6.  Züricher,  Hansinschriften  aus  dem  Berner  Oberland  53 
Peter  Fnrrer,   Wie  man  in  Ursern  gegen  die  Kleidermode 

kämpfte 56 

E.  Hoffmann-Krayer,  Bonaparte  und  der  Schwyzerjoggeli  58 

Anna  Ithen,  Neujahrswünsche  im  Muotatal          ...  59 

Anna  Ithen,  Einige  Rätsel  aus  dem  Kanton  Zug  60 

A.  Parner,  Aberglauben 61 

S.  Singer,  Zur  Volkskunde  vergangener  Zeiten  (Nachtrag)  .  61 

G.  Züricher,   Amulet 62 

G.  Jenny,  Vom  Tierkreis  und  den  Gestirnen        ...  62 

E.  Hoffmann-Krayer,  , Volkssage  im  Entlebuch"  63 


IV 


Inhalt 


Nikiaus  Emmenegger  yoq  Wichy   (richtiger  Agy)   und  Anna 

Maria  geb.  Wicht,  seine  Frau        .         .         .         . 

J.  Jeanjaquet,  Prince  frangais  amateur  de  cor  des  Alpes  au 

XVI*  siecle 

J.  Bolte,  Zum  Glucksrad 

K.  Dürr  er,  Volksmedizin 

E.  Hoffmann-Krayer,  Die  arme  Gred  (Nachtrag) 
A.  Scbaer,  Ueber  Spielmannsschilde     .... 
Die  Einderlosen  im  Genfer  Fastnachtsbrauch 
E.  A.  Stückelberg,  Die  Kirchen patrocinien  Basellands 
A.  Itben,  Das  böse  Weib.    Aargauisches  Lied 

D.  Imesch,   Ein    eigentümlicher   Gebrauch    bei  den  Richter 

wählen  in  Brig      ...... 

Chanson  ......... 

Eugene  Ritter,    Emploi   de   sortileges   contre   Tavancement 

des  glaciers 

O.  Bundi,  Das  Totenvolk  im  Engadin  .... 
O.  Jenny  u.  A.  v.  B.,  Von  fünf  Leiden  Mariae  . 
Vittore  Pellandini,  Storielle  ticinesi 

A.  Ithen,  Passionsgebet 

A.  Itben,  Bauernregeln  aus  dem  Kanton  Zug 

E.  A.  Stückelberg,   Translationskostüme 
Fr.  Kestenholz,  Mittfastenlied  aus  Oberwil  (Kt.  Baselland) 
J.  Wirit-,;-ßi*die  Brückenkette  beissen  .... 

BOcheranzeigen. 

Das  Bauernhaus  in  der  Schweiz  III — V.  (E.  Hoffmann-Krayer) 

Reuschel,  K.,  Volkskundliche  Streifzüge.  (E.  Hoffmann- 
Krayer)        

Kleeberger,  C,  Volkskundliches  aus  Fischbach  i.  d.  Pfalz. 
(E.  H.-K.) 

Züricher,  G.,  Kinderlied  undKinderspiel  im  Kant  Bern.  (E.  H.-K.) 

Brunner,  Dr.  K.,  Die  Verwundeten  in  den  Kriegen  der  alten 
Eidgenossenschaft.   (E.  Hoffmann-Krayer) 

Kaindl,  R.  P ,  Die  Volkskunde.    (E.  H.-K.).  .         .         . 

John,  A.,  Oberlohma.    (E.  H.-K.) 

Riehl,  W.  H.,  Kulturstudien  aus  drei  Jahrhunderten.  (E.  H.-K.) 

de  Cock  en  Teirlinck,  Kinderspel  en  Kinderlust  in  Zuid-Neder- 
land.    (E.  H.-K.) 

Socin,  A.,  Mittelhochdeutsches  Namenbuch.  Nach  oberrheini- 
schen Quellen  des  XII.  und  XIII.  Jahrhunderts. 
(E.  Hoffmann-Krayer) 


64 

65 

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66 

66 

159 

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162 

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163 
164 

165 
165 
298 
300 
302 
303 
304 
305 
305 

68 
69 

70 
70 

165 

1«7 
168 

168 


224 


Inhalt.  V 

RiDgholz,  0.,    Geschichte   des   fürstlichen    Benediktinerstiftes 

U.  L.  F.  von  Einsiedeln.    (E.  A.  8.)        .         .         .  225 

Sartori,  P.,  Die  Speisung  der  Toten.  (E.  Hoffmann-Krayer)  306 

Zürcher,  J.  B.,  St.  Wendelinsbuch.    (E.  A.  S.)         .         .         .  307 
Ebermann,  0.,   Blut-    und  Wundsegen   in  ihrer  Entwicklung 

dargestellt.    (E.  H.-K.) 307 

Newell,  W.  W.,  The  Legend  of  the  Holy  Grail  and  the  Perce- 

va)  of  Chrestien  of  Troyes.    (E.  H.-K.)                  .  308 
Drechsler,  P.,   Sitte,   Brauch   und  Volksglaube   in    Schlesien. 

(E.  H.-K.) 308 

Reinisch,  L.,  Die  Somali-Sprache  (E.  H.-K.)  .309 
Stehler,  F.  G.,  Alp-  und  Weidewirtschaft.  (E.  H.-K.)  .  .  309 
Stehler,  F.  G.,  Das  Goms  und  die  Gomser.  (E.  H.-K.)  .  310 
Fient,  G.,  Das  St.  Antöoiertal  (E.  H.-K.)  .  .  .310 
Stückelberg,  E.  A.,  Die  Schweizerischen  Heiligen  des  Mittel- 
alters.   (E.  H.-K.) 311 

Das  Bauernhaus  im  Deutsehen  Reiche.  YHI    (E.  H.-K.)        .  311 
Riehl,  W.  H.,  Wanderbuch.    (E.  Hoffmann-Krayer)           .  312 
Gempeler-Sehletti,  D.,  Heimatkunde  des  Simmentais.  (E.  Hoff- 
mann-Krayer;       312 

Kleine  Chronik. 

Volkslied  im  Kanton  Bern 67 

Elsässisches  Museum -  \ '•'        .67 

Die  „Pierre  ä  Niton"   in  Genf  und  Nuton-Neptunus  67 

Die  Gemeindechroniken  des  Kaotons  Zürich  ....  313 

Volkskunde  der  UmgebuDg  Frankfurts 313 

Volkskunde-Museen 313 

^Volks-Überlieferungeu"  und  Bauernmuseum  in  Mecklenburg  313 


Bibliographie  für  1902.    (E.  Hoffmann-Krayer).                   .  71 

Jahresbericht  1902   (E.  A.  Stückelberg)                                 .  226 

Jahresrechnung  1902    (E.  Richard) 227 

Bericht  über  die  achte  Generalversammlung  (E.  A.  S  t  ü  c k  e  1  b  e  r g)  228 

Mitglieder- Verzeichnis 229 

Nekrolog  auf  Maler  Ernst  Stückelberg  (E.  H.-K.).  .314 

Register 315 

Verzeichnis  der  Mitarbeiter 320 


Schatzgräberei  in  der  Umgebung  Basels 
0726  und  1727). 

Mitgeteilt  von  E.  Hoffmann-Krayer  in  Basel. 

Die  im  Folgenden  auszugsweise  abgedruckten  Akten  liegen 
auf  dem  Basler  Staats-Arcbiv  unter  Criminalia  4,  Fasz.  23.  Sie 
scheiden  sich  in  Bezug  auf  die  Beteiligten  in  zwei  Haupt-Gruppen : 
1)  die  Schatzgräberei  in  Jakob  Abbts  Erautgarten  zu  Aristorf 
(1726),  2)  die  auf  der  Spittelmatte  bei  Basel,  in  Angst  und 
anderwärts  (1727). 

Die  Yerhandlungen  yerdienen  nicht  nur  wegen  der  Schatz- 
gräberei, sondern  auch  wegen  des  übrigen  darin  Yorkommenden 
Aberglaubens  eine  YeröfFentlichung. 

L  Schatzgräberei  in  Aristorf. 

1. 
Erster  Brief  des  Yerwesers  Seb.  Spörlin  an  Bürger- 
meister und  Rat  von  Basel. 
Dat.  Yarnspurg,  den  27.  Juni  1726,  verlesen  am  29.  Juni. 
Sp.  berichtet,  man  habe  letzten  Samstag  und  Sonntag  nachts 
Licht  bei  Jakob  Abbt  gesehen,  wesshalb  der  üntervogt  [Salathe] 
am  Montag  nach  Abbt  geschickt  und  ihn  hierüber  ausgefragt 
habe.  Dieser  erzählt,  ein  gewisser  Berner  Mann  [H.  U.  Bächler], 
der  Metzger  Ueinr.  Martin  von  Äugst,  der  Schuhmacher  Wilh. 
Oysin  von  Liestal,  ein  Posamenter  [Fiechter]  „auffem  gstadig 
allda"*  und  Hans  Joggi  Eeigel  von  Füllinsdorf  seien  zu  ihm 
gekommen,  „mit  vermelden,  dass  an  zweyen  Orthen  in  seim 
Krautgarten,  und  zwar  an  einem  Orth  nur  4  schueh  tieff  2000  fl., 
an  dem  anderen  Orth  aber  8  schueh  tieff  eine  grosse  Quantitet, 
so  sich  zu  gewissen  Zeiten  sehen  lasse,  verborgen  lige,  und  sie 
nun  desswegen  zu  Ihme  kommen ,  umb  diesen  verborgenen 
Schatz  ausszugraben,  versprechend,  Ihme  auch  einen  Theil  davon 
zukommen  zu  lassen.  Wie  nun  Er,  Abbt,  diesen  Männeren  zu 
graben  erlaubt,  hätten  sie  am  Sambstag  nach  Mitternacht  umb 
2  Uhren  und  am  Sonntag  Nachts  umb  12  Uhren  dieses  Geschafft 


2  Schatzgräberei  in  der  Umgebung  Basels  (1726  und  1727). 

verrichtet,  ob  sie  aber  etwas  ergraben,  das  könne  Er,  Untervogt^ 
nicht  sagen,  maassen  Abbt  mit  der  Sprach  nicht  recht  herauss 
wollen"  etc. 


Zweiter  Brief  Desselben  an  Dieselben. 
Dat.  10.  Juli  1728,  verlesen  17.  Juli. 

Sp.  berichtet,  er  habe  verschiedene  Personen  über  die 
Sache  einvernommen. 

Wir  heben  einige  interessantere  Aussagen  hervor. 

Heini  Häring,  der  „einte"  Geschworene,  erzählt,  die 
Schatzgräber  seien  auf  einen  viereckigen  Stein  gestossen,  „so 
in  der  Mitten  ein  Loch  gehabt,  worauff  ein  Berner-Mann... 
befohlen,  mann  sollte  dieses  Loch  öffnen,  und  gleich  darauff 
fieyen  nicht  allein  Ihre  zwey  zu  diesem  Schatzgraben  gebrauchte 
Liechter  wie  kleine  Liechtlin  von  Schwefel  worden,  sondern  es 
seye  auch  ein  starckher  Geruch  herauss  gestiegen^.  Darauf 
phabe  der  Bern  er  befohlen,  mann  sollte  d^n  Stein  gar  hinweg 
thun,  da  seye  gleich  alles  in  c.  v.  Rossmist  verwandlet  worden". 

Claus  Strub,  der  andere  Geschworene,  sagt  u.  A.  aus,  sie 
hätten,  „ehe  Sie  zum  Werckh  geschritten,  fünff  Capitel  aus  den 
Bücheren  Mosis  und  den  91.'  Psalmen  aus   den    alten  gelesen". 

Joh.  Claus  Bowald  sagt  u.  A.  aus,  sein  Sohn  habe  nachts 
^in  Joggi  Abbten  Erautgarten  Liechter  wahrgenommen,  sich 
•derohalben  dahien  verflieget,  umb  zu  sehen,  was  alldorten  vor- 
gehe. Wie  er  sich  nun  allda  ein  wenig  verweilet,  seye  er  eines 
«chwartzen  Hunds  gewahr  worden,  der  Ihne  je  länger  je  grösser, 
ja  endtlich  gar  wie  ein  c.  v.  Pferdt  dunckhte  und  Ihme  einen 
solchen  Schreckhen  eingejaget,  dass  er  sich  ohnverzuglich  davon 
und  nacher  Haus  begeben". 

Der  Schneider  Jakob  Abbt,  Besitzer  des  betr.  Krautgartens, 
erzählt  den  ganzen  Hergang  wie  folgt:  ,;Es  sey  ongefehr  40 
Jahr,  dass  seine  Frauw  in  Ihrem  Erautgarten  etwas  gesehen 
und  vermeint,  es  seye  ein  Häufflein  Geld,  seye  derowegen  freuw- 
dig  in  das  Haus  geloffen  und  habe  Ihrer  Mutter  angekündet, 
es  gläntze  alles  im  Krautgarten  von  Gold.  Wie  sie  nun  mit- 
^inanderen  in  Erautgarten  kommen,  seie  nichts  mehr  da  ge- 
wesen. Vor  ohngefehr  12  Jahren  habe  seine  Frauw  bei  Niclaus 
Brüederlin  zu  Liechstal  gedient  und  damahlen  in  einer  Reben, 
:allwo  sie  gehackhet,   eine  Dnplonen  hervor  gescharret,  welche 


Schatzgi^berei  in  der  Umgebung  Basels  (1726  und  1727).  3 

sie  Ihrem  Heister  gezeiget,  und,  da  derselbe  Ihre  bedeutet,  sie 
sollte  solche  nur  für  sich  behalten,  habe  sie  sich  aoff  die  Gassen 
begeben  und  in  Beyseyn  etlicher  Liechstaleren  gesagt,  wann  sie 
nur  dassjenige  Gelt,  so  sie  in  Ihrem  Erautgarten  zu  Arristorf 
gesehen,  auch  also  finden  könnte.  Diese  Liechstaler  fragten  sie, 
ob  sie  dann  Gelt  gesehen,  denen  sie  mit  Ja  antwortete.  Letst- 
verstrichenen  Winter  [1725/26]  seye  des  Ziegl^  Hanns  Joggelins 
Sohn,  Rudi  genannt  [Rud.  Mangold],  yon  Liechstal  nacher 
Arristorif  zu  Ihme  kommen  und  habe  sein  Frau  gefragt,  wie 
lang  es  seye,  dass  sie  das  Gelt  in  Ihrem  Erautgarten  gesehen, 
deme  sie  geantwortet,  es  seye  ohngefehr  40  Jahr  und  habe  sie 
seither  nichts  mehr  gesehen.  Da  sagte  er,  er  wüste  einen  Mann, 
der  solches  finden  könnte,  wann  sie  suchen  lassen  wollte.  Die 
Frauw  erwiederte,  sie  wäre  dessen  wol  zufrieden,  massen  sie 
sehr  mangelbahr  an  Gelt  seye,  auf  welche' Erklärung  hin  er 
wieder  fortgegangen.  Zween  Tag  hernach  seye  er  wieder 
kommen  und  habe  Heinrich  Fiechter,  den  Passamenter  zu 
Liechstal,  einen  Bern  er  und  einen  frömbden  Zimmermann 
[Christoph  Schaub  ?]  mitgebracht,  welche  in  sein,  Abbten,  Ab- 
wesenheit in  dem  Krautgarten  gegraben.  Wie  er  nun  heim- 
kommen, hätte  der  Bern  er  Ihme  bedeutet,  es  seye  für  dieses 
mahl  nichts  auszurichten,  dann  solches  zu  nahe  am  Weeg  lige, 
und  sich  darauif  wieder  davon  begeben.  Vergangenen  Sambstag, 
den  23.  Junii,  da  er,  Abbt,  auff  seinem  Ackher  gehackhet, 
seye  Wilhelm  Gysin,  der  Schumacher  von  Liechstal,  Morgens 
früeh  zu  Ihme  auff  den  Ackher  kommen,  sagend,  Er  hätte  etwas 
von  Heinrich  Fiechter,  dem  Passamenter  vernommen  und  wäre 
anjetzo  wieder  ein  Berner-Mann M  im  Land,  der  das  bewusste 
Gelt  in  seinem  Erautgarten  finden  könnte,  wanns  noch  vor- 
handen wäre,  worauff  er,  Abbt,  Ihme  zur  Antwort  gab,  es  seye 
freylich  noch  da,  und  wann  solches  Ihme  ohne  Schaden  gefunden 
werden  könnte,  so  mochte  ers  wol  leyden,  dann  er  das  Gelt 
wol  brauchte.  Gysin  fragte  Ihne  ferners,  ob  sie  dann  kommen 
dörffen,  sie  wollten  Ihme  den  Schaden  wol  3  oder  4  fach  wieder 
verbesseren  und  das  Gelt  mit  der  Hülff  Gottes  schon  herfür 
bringen;  \folle  derowegen  jetzung  den  Berner  suchen  und 
diesen  Abend  mit  Ihme  nacher  Arristorff  kommen,  wann  ers 
leyden  möge.     Er,   Abbt,   erwiederte   nochmahlen.   Er   möge   es 


>^  Dieser  zweite  -Bemer-Mann**  ist  nun  wol  Hans  Ulr.  Bach  1er. 


4  Schatzgräberei  in  der  Umgebung  Basels  (1726  und  1727;. 

wol  leyden,  wanns  nur  ohne  seinen  Schaden  geschehen  könne. 
Wie  nun  er,  Abbt,  selbigen  Sambstag  mit  seinen  Lenthen  in 
der  Euchin  am  Nachtessen  begriffen  wäre  und  sich  mit  Claus 
Bowald  ersprachet,  käme  einer  an  die  einte  Haussthüren, 
klopffte  an  und  schrye  Holla  ho,  und  da  Abt  die  Thüren  auf- 
gethan,  seye  es  Heinrich  Martin,  der  Metzger  zu  Angst,  ge- 
wesen, welcher  Ilfbe  gefragt,  ob  er  seine  Schaaff  noch  habe,  er 
wollte  solche  kauffen,  darauff  Abbt  Ihme  zur  Antwort  gab: 
Nein,,  er  habe  keine  mehr,  auff  welche  Antwort  hin  er  wieder 
fortgegangen  und  habe  er,  Abbt,  damahlen  wahrgenommen,  dass 
zween  beyeinaoderen  waren.  Nicht  lang  hernach  seye  Hanns 
Joggi  Keigel  von  Fühlinstorff  zur  andern  Thüren  kommen  und 
habe  angeklopft,  auch  zugleich  die  Thüren  eröffnet  und  sich  in 
die  Euchin  begeben,  fragend,  ob  nicht  ein  Schneider  da  wohne, 
und  alss  Abbt  Ihme  bedeutet,  dass  ers  seye,  habe  er  Ihne  her- 
auss  berufen,  deme  er  auch  nachgefolgt  und  habe  Toraussen  den 
Berner  angetroffen,  welcher  Ihne  gleich  mit  diesen  Worten 
angeredt:  Höre  gueter  Freund!  Ich  habe  yernommen,  es  seye 
so  viel  Gelt  umb  dein  Hauss  herumb  yerborgen,  wann  man  sol- 
ches finden  könnte«  warestu  es  zufrieden?  Abbt  erwiederte: 
Freylich,  wanns  Ihme  keinen  Schaden  bringen  und  er  seinen 
Nutzen  auch  darvon  ziechen  würde.  Der  Berner  führe  fort  und 
sagte:  Habe  keinen  Zweifel,  es  wird  dir  keinen  Nachtheil  bringen 
und  dich  (!)  auch  nichts  schaden.  Nun  wollen  sie  hurtig  lugen, 
ob  etwas  ausszurichten ;  seye  etwas  da,  so  wollen  sie  es  mit  der 
Hülff  Oottes  schon  bekommen,  darauff  sie  sich  in  die  Euchin 
begeben.  Wie  sie  nun  etwas  wenig  Zeit  allda  verharret,  kamen 
Wilhelm  Gysin  der  Schumacher,  Heinrich  Fiechter  der  Passa- 
menter  von  Liechstal  und  Heinrich  Martin  der  Metzger  von 
Äugst  auch  in  die  Euchin  getretten,  und  gieugen  samtlich  in  die 
Stuben;  weilen  es  aber  finster  waar,  fragten  sie  Abbten,  ob  er 
keine  Liechter  habe.  Abbt  antwortete:  Nein  er  habe  keine  im 
Hauss.  Einer  under  Ihnen  sagte  darauff:  Hat  man  dann  dem 
Metzger  nicht  befohlen,  dass  er  Liechter  mitbringen  sollte?  Da 
zöge  Heinrich  Martin  der  Metzger  von  Äugst  2  halbe  Eertzen 
aus  seinem  Sackh  und  zündete  eine  davon  an.  Der  Berner 
thate  das  einte  Fenster  in  der  Stuben  auff  und  fragte  den  Abbt, 
ob  das  der  Erautgarten  seye?  Abbten  Schwieger,  welche  da- 
mahlen schon  im  Betth  gelegen,  erwiederte  Ihme:  Wir  haben 
sonsten   keinen.     Der   Berner   sprach   hierauff  zu   Hanns   Joggi 


Schatzgräberei  Di  der  Umgebung  Basels  (1726  und  1727).  5 

Keigel:  Eomme,  Hanns  Joggi,  wir  wollen  dann  go  lagen,  wo 
solches  Gelt  seyge!  seyen  auch  miteinanderen  in  den  Kraut- 
garten  gangen.  Die  anderen  Drey  aber  seyen  jndessen  in  der 
Stuben  geblieben,  üeber  ein  kleine  Weil  käme  der  Berner 
wieder  in  die  Stuben,  sagend:  Ja,  wann  der  Mann  das  Gelt 
hätte,  so  in  seinem  Erautgarten  vergraben  ligt,  er  wurde  ein 
schon  neuw  Hauss  bauwen  können  und  doch  noch  Gelts  genug 
haben.  Die  andern  fragten  Ihne  auff  diese  Reden  hin,  ob  es 
auch  der  Werth  seye  und  wie  tieff  solches  lige.  Er  erwiederte: 
Freylich  seye  es  der  Werth,  an  einem  Orth  ligen  nur  4  schueh 
tieff  über  2000  fl.  und  an  dem  andern  Orth  noch  viel  mehr  ver- 
graben; aber  das  letstere  könne  man  diessmahlen  nicht  herauss 
graben,  dann  es  lige  8  starckher  Werckschueh  tieff  im  Boden. 
Hierauff  berathschlagten  sie  sich  under  einander,  sie  wollten 
dann  anjetzo  nur  dassjenige  anssgraben,  so  fast  oben  auff  lige, 
desswegeu  einen  Anfang  machen  und  zuvor  betten.  Sie  satzten 
sich  samtlich  zum  Tisch  und  sprach  der  Berner:  Nun  wolan, 
Willhclm  Gysin,  fang  an!  Du  weisst  wol,  was  du  zuthun  hast. 
Da  habe  er,  Gysin,  allerhand  Spruch  auss  der  heyl.  Schrifft 
ausswendig  daher  gesagt,  solchemnach  den  91/  Psalm  aus  den 
alten  und  zuletst  das  Unser  Yatter  gebetten,  deme  die  andern 
nachgesprochen.  Nachdeme  sie  nun  solches  verrichtet,  habe  der 
Berner  den  Gysin  und  Eeigel  mit  sich  in  die  Euchin  genommen 
und  etwas  heimliches  mit  Ihnen  geredt.  Darnach  seyen  sie 
wieder  in  die  Stuben  kommen  und  hatten  gesagt:  Ihr  andere 
Zween  kommt  jetzund!  wir  wollen  in  Erautgarten  gehen  und 
graben.  Du  aber,  Abbt,  kanst  gehen,  wohin  du  wilt;  gib  aber 
Achtung,  dass  du  nicht  fürwitziger  weiss  kommest  und  schauest, 
wass  wir  machen!  Worauff  sie  in  Erautgarten  gangen  und 
beyde  Liechter  brennend  mitgenommen.  Wie  nun  er,  Abbt, 
etwas  Zeits  in  der  Euchin  gewesen,  hätte  es  Ihne  wunder  ge- 
nommen, wass  sie  machen,  seye  zu  dem  ende  in  den  Weeg 
gegen  dem  Erautgarten  hinüber  gangen,  und  habe  gesehen, 
dass,  alldieweilen  Zween  gegraben,  der  Berner  allda  haurend 
[d.  i.  kauernd]  in  einem  Buch  gelesen  und  die  übrigen  Zween  vor 
dem  Garten  Schiltwacht  gestanden.  Alss  sie  ohngefehr  IV2 
Stund  Iftng  gegraben,  seye  der  Berner  mit  den  Zweyen,  so  ge- 
graben, wieder  in  sein,  Abbten,  Euchin  kommen,  sagende,  sie 
können  diessmahlen  nichts  aussrichten,  hätten  einen  Stein  an- 
getroffen,   so    nicht   hinweg    zubringen    seye.     Darauff   sie    den 


6  Schatzgräberei  'm  der  UmgebuDg  Basels  (1726  uod  1727). 

anderen  Zweyen  auch  in  die  Euchin  zugehen  zugerufFen  und 
der  Berner  sagte,  Zween  Ton  Ihnen  sollten  das  Loch  wieder 
mit  grund  bedeckhen.  Da  nun  solches  geschehen,  hatten  sie 
sich,  ohne  weiters  ein  Wort  zureden,  wieder  davon  gemacht. 
An  dem  daranff  gefolgten  Sonntag  Nachts  umb  12  Uhren 
seyen  alle  fünff  wieder  in  sein,  Abbten,  Hauss  kommen  und 
hatten  Eertzen  mit  Ihnen  gebracht,  selbige  beym  feur  ange- 
zündet und  das  nöthige  Geschirr  genommen,  vorgebend,  sie 
wollten  jetzund  das  verborgene  Gelt  gleich  haben,  zu  solchem 
ende  sich  wieder  zum  vorigen  Loch  in  den  Erautgarten  ver- 
fueget  und  angefangen  zugraben.  Noch  Yerlauff  ohngefehr  einer 
halben  Stund  seye  der  Berner  wieder  in  die  Euchin  kommen 
und  habe  etwas  in  Form  c.  v.  Rossmists  mitgebracht,  selbiges 
ins  Feuer  geworffen,  mit  einem  Rüethlin  wieder  aus  dem  Feur 
gesucht  und  endlich  sich  verlauten  lassen,  er  könne  nichts  mehr 
finden,  es  schmäckhe  gar  starckh,  und  glaube  er,  es  müesse  au  ff 
eine  Zeit  etwas  allhier  verbrunnen  seyn  und  sich  mit  c.  v.  Ross- 
mist vermischet  haben.  Solchemnach  habe  er  den  übrigen  auch 
herein  geruffen  und  seyen  sie  darauff  samtlich  wieder  davon 
gangen,  ohne  Ihme,  Abbt,  etwas  für  dassjenige,  so  sie  Ihme  im 
Erautgarten  verderbt,  zu  bonificieren*'. 

3. 
Verhör  von  Fiechter,  Gysin,  Martin  und  Abbt  durch  die 
Siebener-Herren. 
Verlesen  20.  Juli  1726. 
a)  Heinr.  Fiechter  (35  J.)  von  Liestal  sagt  aus,  ^des 
Abbts  Frau  seye  zu  Ihm  kommen  und  Ihm  erzellet,  sie  habe 
im  garten  um  Ihr  Hauss  herum  schon  zum  dritten  mahl  beob- 
achtet und  gesehen  etwas,  so  weiss  und  gelblecht  gewesen  und 
wieder  in  boden  geschloffen  seye,  mit  vermelden,  wan  der  Ver- 
haffte  nur  Jemand  zu  finden  wüste,  der  mit  der  Sach  umgehn 
könnte,  wäre  es  Ihre  lieb,  wan  Sie  es  überbekommen  thäte**. 
Als  bald  darauf  ein  Berner  zu  ihm  gekommen  sei,  habe  er 
mit  ihm  von  der  Sache  gesprochen,  und  dieser  habe  sich  sofort 
erbötig  gezeigt,  das  Geld  zu  heben.  Sie  seyen  dann  mit  An- 
dern an  Ort  und  Stelle  gegangen,  hätten  aber  mitten  im  Dorf 
bei  Tag  nicht  graben  wollen.  Etwas  später  sei  er  von  Hans- 
joggi  Eeigel  mit  einem  andern  Berner,  Hans  Uhli  Bächler 
aufgesucht  worden,  und  diessmal  hätten  sie  wirklich  eio  3  schuh 


Schatzgräberei  in  der  Umgebung  Basels  (1726  und  1727).  7 

tiefes  Loch  gegraben;  aber  nichts  gefanden.  „Wann  sie  zu 
graben  angefangen  haben ?^  —  „Sie  haben  erst  um  2.  ührenen 
nach  Mitternacht  zn  graben  angefangen;  haben  von  den  11.  Uhren 
biss  nm  2.  Uhr  die  Zeit  mit  betten  und  lesen  zu  gebracht/  — 
, Worin  sie  gelesen?**  —  „In  dem  neuen  Testament  und  im 
Psalmen  buch.^  —  „Was  für  Capitul  sie  gelesen?"  —  „Im 
Testament  2.  Marci  am  9/  und  den  91/  psalmen  haben  sie  ge- 
lesen.** —  „Ob  sie  nur  ein  Capitul  gelesen?"  —  Der  Berner 
habe  „aonoch  das  1'^*  Capitul  des  Evangelii  Johannis  gelesen.' 
Gefunden  hätten  sie  nichts.  „Die  folgende  Nacht  seyen  sie 
wiederumb  um  1.  Uhren  dahin  kommen,  haben  in  der  Stuben 
das  Gebett  verrichtet Das  Gebett  habe  Wilhelm  Gisi  ver- 
richtet und  habe  ein  gebett  allein  ein  gantze  Yiertelstund  gewährt; 
er  hab  sein  lebtag  kein  so  schön  gebätt  gehört."  —  „Was  der 
Inhalt  Ihres  gebätts  gewesen?**  —  „Dass  Gott  der  Herr  sie  vor 
allem  übel  bewähren  und  Sie  etwas  finden  lassen  möchte,  weil 
sie  gar  arme  leuth  seyen.**  Gefunden  hätten  sie  auch  dies- 
mal nichts. 

b)  Wilhelm  Gisi,  Schuhmacher  (31  J.)  von  Liestal  sagt 
aus,  er  sei  von  Fiechter  und  dem  Berner  verführt  worden, 
mitzumachen.  In  der  Stube  Abbts  habe  der  Bern  er  nach 
jungen  Zweigen  verlangt,  welche  ihm  jener  gebracht.  Ueber 
die  Gebete  sagt  er  Aehnliches  aus,  wie  Fiechter.  Die  Ruten 
seien  zweifelsohne  „gesteckt**  worden,  ^wüsse  aber  nicht  wohin**. 
Die  übrigen  Aussagen  stimmen  zu  denjenigen  Fiechters.  Auch 
er  glaubte  kein  böses  Werk  zu  thun  und  bittet  Gott  und  die 
Regierung  um  Verzeihung. 

c)  Heinrich  Martin,  Metzger  (33  J.)  von  Äugst  sagt  aus, 
Joggi  K  ei  gel  habe  ihn  von  der  Sache  unterrichtet.  Sonst 
stimmen  die  Aussagen  zu  den  vorigen. 

d)  Hans  Jakob  Abbt  (60  J.)  von  Aristorf.  Aussage  ohne 
neue  Momente. 

4. 
Beschluss  des  Rats  vom  20.  Juli  1726. 

, Sollen  alle  hier  VerhaflFte  mit  der  urphedt  Erlassen^ 
für  Einen  Ehrw.  Bahn  [Kirchen vorstand]  gewisen,  Rudi  Man- 
goldt  der  Ziegler  von  Liechstal,  auch  Hanss  Joggi  Keigel  von 
Fülistorf  gfänglich  hargeführt,  auch  von  den  Herren  Sieben  be- 
sprochen und  auf  den  Bern  er  fleissig  vigiliert,  dieser  auf  Be- 


8  Schatzgräberei  in  der  Umgebang  Basels  (1726  und  1727). 

trotten  angehalten,  beygfangt,  nnd  auch  yon  den  Herren  Sieben 
besprochen  werden.^     (Ratsprotokoll.) 


Verhör  von  Hans  Jakob  Keigel  nnd  Rud.  Mangold 

durch  die  Siebener. 

Verlesen    24.    Juli    1726. 

a)  Hans  Jakob  Eeigel  (60  J.)  von  Füllinsdorf ,  sagt 
aus,  der  Berner  habe  ihn  überredet,  bei  dem  Schatzgraben  mit- 
zumachen, er  habe  ihm's  gleichsam  angethan;  gegraben  hätten 
Wilh.  Gysin  und  er  selbst  und  zwar  auf  eine  Tiefe  von  ca. 
3  Fuss.  Er  habe  auch  gesehea,  wie  der  Bern  er  Rütlein  um 
das  Loch  herum  gesteckt  habe. 

b)  Rudolf  Mangold,  gen.  Ziegler  Rudi  (28  J.)  von 
Liestal  sagt  aus,  dass  er  nur  das  erste  Mal  mitgegangen  sei, 
aber  sich  gar  nicht  mit  der  Sache  zu  schaffen  gemacht  habe. 

6. 
Beschluss  des  Rats  vom  24.  Juli  1726. 
„Hanss   Joggi  Keigel    und    Ruedi    Mangelt  sollen  mit 
der  Urphed  Erlassen  and  für  Ein  Ehrw.  Bahn  gewiesen  werden. '^ 
(Ratsprotokoll.) 

II.  Schatzgräberei  auf  der  Spittelmatte  und  in  Äugst. 

1. 
Brief  von  Leonhard  Bartenschlag,  Pfarrer  von  St.  Mar- 

grethen  an  Bürgermeister  und  Rat  von  Basel. 
Dat.'  14.  März  1727,  verlesen  den  15.  März  1727. 

Zu  Gehorsamster  Folge  des,  bey  mündlich  abgelegten 
Unterthänigsten  bericht,  ertheilten  Hoch  zu  Ehrenden  Befehles 
an  mich,  habe  Ew.  Gn.,  was  fehrners  die  im  Spittahlhaus»  am 
Ende  der  Spittahl  Matten  ohnlängst  gehaltene  Nächtliche 
Ärgerliche  Zusammenkunfften  betreffendt  in  erfahrung  bringen 
mögen,  hiemit  unterthänigst  hinterbringen  sollen.  Was  gestalten 
neml.  dasige  zu  unseren  Kirchen-Versammlungen  und  Com- 
munionen  bei  St.  Margarethen  sich  haltende  haussleuthe  alss  mit 
Nammen  Hanss  Jacob  Honeckker  der  Mattenknecht  samt 
Moritz  Hagger  dem  Zeugdruckher  und  Anna  Saxerin  seiner 
Ehefrauwen  von  Altstetten  aussm  Rheynthal,  welche  von  Äugst 


Schatzgräberei  in  der  Umgebung  Basels  (1726  und  1727).  9 

hieher  gezogen,  schon  einige  Zeithen  nach  Teuffelsbeschwöreren 
and  Schatzgräberen  getrachtet,  endlich  onter  anderen  aufF  einen 
mit  Nammen  Jacob  Schaffner,  einen  noch  nicht  alten,  ledigen 
Schnmacher  knecht  von  Sasel  aus  dem  kleineu  Gärber  Gässlin 
ohnweit  Herrn  Hintenlangs  des  Färbers  Wohnung,  gerathen, 
der  daselbst  bey  seiner  alten  Muter  von  gleichem  Schlag,  doch 
das  Obrigkeitliche  Allmosen  geniessende,  sich  aufFhalten  und 
auss  allerhandt  abergläubischen  bücheren^  so  man  allda  finden 
wurde,  solch  Besehwörungshandwerckh  ins  geheim  Treiben  sollen, 
aufF  des  obgemeldten  Spittahlhausers  diessmahliger  Haussleuthen, 
sonderlich  des  Zeugdruckhers,  Einladung  aber  sich  eines  Tischs 
und  Betts  mit  diesen  letzteren  bedient,  darauffhin  bey  etlich 
Wochen  seine  Beschwörungen  gewohnlich  Nachts  von  10.  biss 
2.  und  8.  Uhren  in  der  Nebenkammer  gemachten  Circul  oder 
Zauberkreyss ,  mit  anruffung  der  drey  höchsten  Nammen, 
auch  bey  allen  bluts  Tropfen  Christi  und  durch  solche  den 
Satan  zu  anweisung  eines  Schatzes  zu  zwingen,  in  solang  ver- 
richtet, biss  verwichenen  Mittwochen  Morgens  den  12*'."  dises 
Merzen 8  der  Scheuren  Meyer  in  das  Spittahlhauss  kommen, 
den  beschwörer  in  des  Zeug  Druckhers  bett  angetroffen  und, 
ohnwissend  was  vorgegangen,  dergleichen  leuth  fortzuschaffen 
befohlen,  da  dan  solcher  erst  mitten  in  der  Nacht  darauff  samt 
seinen  Zauberschrifften  sich  salviert  und  den  Tag  darauff  nach 
Basel  retiriert  habe. 

Diesen  bericht  hat  erst  gestern,  alss  Donnerstag  abends 
den  13*'?  Mertzen,  sehr  hoch  bestetiget  Christina  Zuberin  von 
Affholtern  anssm  Emmenthal,  eine  baass  des  Druckers,  der  sie 
samt  ihrem  Mann,  Thomass  Dietrich  aus  dem  St.  Gallischen, 
einem  bergknappen.  von  Baden wyler  her,  da  sie  gearbeitet, 
unterm  schein,  das  Zeugdruckken  sie  zu  lehren,  beruffen,  allein 
vorgeblich  zum  schätz  graben  in  und  äussert  dem  Spittahlhauss 
gebrauchen  wollen,  maassen  diese  Weibspersohn  heimlich  zu  mir 
kommen,  und  mit  einem  rechten  abschüwen  zu  beruhigung  ihres 
gewissens  den  gantzen  Yerlauff  crzehlt,  auch  wo  obgemeldte 
haussleuth  sollten  gefänglich  eingezogen  werden,  über  alles  auss- 
fuhrliche  Nachricht  zu  geben  sich  selbsten  anerbotten,  so  das 
die  verhaffteten  es  ohnmöglich  wurden  läuguen  können  und  habe 
auch,  wie  diese  Christina  berichtet,  am  letztverwichenen  Mitt- 
wochen da  heimlich  vor  dem  Spittahlhauss  vorbey  passieret, 
durch  die  mir  Notierte  gebrochene  Scheiben  den  Zauber  oder 
Beschwörungskreiss  vollkommen  wahrgenommen. 


10  Schatzgräberei  in  der  UmgebuDg  Basels  (1726  und  1727). 

2, 
Verhör  von  Anna  Fink,  Uonecker,  Anna  Saxer,  Dorothea 
Schad  und  Schaffner  durch  die  Siebener. 
Verlesen  19.  März  1727. 
a)  Anna  Fink  (42  J.)  von  Unterschlatt,  Ehefrau  von  J. 
J.  Honecker  von  Pratteln.  ,,In  letztverwichener  Hess  sey  Ein 
Krömer  und  Einer,  dem(!)  Si  Steinmann  genannt,  fürs  Hauss 
kommen  und  gesagt,  Es  sey  Gelt  in  diesem  Stahl  und  wäre 
leicht  zu  bekommen,  auch  ein  Kuglen  aussm  Sackh  genommen 
und  gesagt,  wann  Si  so  wüst  thüe,  sey  gewüss  Gelt  vorhanden, 
worauff  Ihr  Hausfraw,  welche  ein  Fronfastenkind  sey,  gesagt, 
Sie  verspühr,  das  Ein  Geist  da  umb  ein  Ander  [in  der  Nähe]  seye, 
und  kommen  offters  die  Armen  Leuth  dergleichen  verborgen  Gelt 
eher  über,  als  andere;  Also  das  Sie  einige  Tag  hernach,  nämlich 
der  Willem  [Gysin]  von  Liechstal,  der  Drucker  [Hacker],  Jacob 
[Schaffner]  der  Schuhknecht  und  Ihr  mann  [Uonecker]  in  der 
Nacht  anfangen  graben,  aber  nichts  bekommen.  Da  Sie  folgendt 
Tags  das  Loch  in  der  Scheuren  offen  gesehen,  habe  Sie  selbige 
abgemahnt  und  Ihnen  zu  gesprochen,  dass  Sie  Es  sollen  bliben 
lassen,  mit  vermelden,  es  gehöre  nicht  Dorzu,  hab  Es  darauif 
auch  dem  Scheuren  Meyer,  welcher  hinauss  kommen,  ange- 
zeigt und  Ihne  gebetten,  Sie  davon  abzuhalten,  der  Ihnen  dann 
auch  zugesprochen,  worauif  sie  das  Loch  wieder  zugeworifen. 
Darauif  Sey  der  Stein  mann  wieder  hinauss  kommen  und  im 
Garten  herumb  gangen,  auch  abermahleu  sein  Kuglen  herauss- 
genommen,  und  als  Sie  die  Truckeren  gefragt,  was  Er  mache, 
hab  Sie  geantwortet.  Er  suche  ein  Brunnen.  Es  sey  aber,  wie 
Sie  hernoch  vernommen,  wieder  wegen  dem  Schatz  gewesen, 
weil  Sie  Sie  seither  vernommen,  und  Er  gesagt,  Es  sey  ein 
küstlin  mit  Gelt  Einer  Ellen  lang  in  dem  Garten  verborgen, 
welches  nicht  tieif  liege,  worauff  vorbesagte  Männer  wiederumb 
auff  den  Abend  etwas  weniges  nachgraben,  aber  wiederumb 
nichts  fundeu.  Sie  hab  Sie  abermahlen  abgemahnet,  weil  Sie 
geförchtet,  es  möchte  Ihnen  etwas  desswegen  beschehen,  der 
Steinemann  Sey  seither    nicht  mehr  kommen    und    Sie    haben 

Alles  wieder  zugemacht" Im   Zimmer   habe    er 

^ein  Gross  Papeyr  heraussgezogen  und  auf  den  Boden  gespreitet, 
hernach  Gebetten  oder  gelesen,  hab  auch  ein  Liecht  breunendt 
gehabt**.  Diess  sei  3  oder  4  Nächte  hintereinander  je  um  9  Uhr 
geschehen  und  habe  2  bis  3  Stunden  gewährt. 


Schatzgräberei  in  der  Umgebung  Basels  (1726  und  1727  j.  11 

b)  Job.  Jak.  Honecker  (ca.  40  J.)  von  Pratteln  nennt 
ausser  ihm  folgende  Beteiligte:  Jakob  Schaffner,  den  Drucker 
Ton  Liestal^),    Schäublin  den  Seiler  auff  der  Brücke  an  der 

Steinen    und  Christof  fei  [Schaub]    den  Zimmermann 

,Der  Schaffner  habe  gebetten,  nnd  Sie  haben  die  Hüth  abge- 
habt und  darumb  gestanden,  auch,  was  schöne  Better  geweseo, 
haben  Sie  dann  und  wann  nachgebetten.  Sie  haben  auch  drey 
Wachsliechter  ausher  dem  Loch  in  drey  Eckhen  brennend 
gehabt. 

c)  Anna  Saxer  (26  J.)  von  Altstetten  im  Rheintal  (die 
Druckeriu),  Ehefrau  von  Moritz  Hacker.  „Es  sey  Einer,  der 
zum  druckhen  logiert  gewesen  und  aus  dem  Bernerbiet 
[Steinmann?]  sey,  mit  Einer  Ruthen  zu  Ihnen  kommen  und 
gesagt,  hab  Ein  Ruthen,  die  die  Schätz  zeige;  auch  als  Er  selige 
mitgebracht,  hab  Sie  zweymahl  geschlagen,  darauff  Er  Sie  ver* 
sichert.  Es  werd  da  Ein  schätz  verborgen  sein,  worauff  Sie  nach- 
graben aber  nichts  funden.  Der  Berner  hab  Sie  hernach.  Als 
Er  Ihnen  das  Gelt  [angeblich  für  Wachs  und  Kerzen]  abgelusst, 
davon  gemacht;  Er  hab  Ihnen  auch  ein  Kuglen  zeigt,  sey  aber 
alls  Betrug  gewesen*"  ....  Als  ihr  ein  Halstuch  abhanden 
gekommen,  habe  ihr  Schaffner  gesagt,  „wenn  man  gewüsse 
Kräuter,  so  Osterkraut  heissen,  nemme  und  selbiges  under  das 
Kopfküssen  lege,  werd  der,  So  Es  gestohlen.  Einem  im  Traum 
vorkommen  *"  ....  ^Sonsten  hab  Er  gesagt,  man  müss  die 
Oeister  mit  Gottes  Wort  zwingen,  sonst  bekomme  man  Nichts ; 
wann  mann  grabe,  müss  mann  hernach  still  sein.^ 

d)  Moritz  Hacker  (30  J.)  Zeugdrucker,  aus  der  Nähe 
von  Altstetten  im  Rheintal.  »Zwey  Meydtlin  haben  seiner  Frauw 
gesagt,  es  sey  ein  Gespenst  wie  ein  Pfaif  im  Uauss,  und  Gelt 
verborgen,  darauff  sei  Hans  Georg  Steinmann  auch  mit  einer 
Kuglen  und  Ruthen  kommen  und  gleiches  gesagt^  .  .  .  Beim 
Graben  sei  auch  ^Martin,  der  Frau  Gessler  Lehenmann^  ein- 
mal dabei  gewesen.  Auf  dem  Papier,  das  sie  gebraucht  hätten 
.,8ei  etwas  gelegen,  darauff  der  Namen  Jesus  mit  güldenen 
Buchstaben  gestanden^.  Weiterhin  wollte  er  von  der  Sache 
abgeraten  haben,  er  habe  aber  erfahren,  dass  das  Schatzgraben 
im  Baselbiet  sehr  überhand  nehme. 


*)  Irrtum?    Ist  Hacker,  der   Drucker,  von  Altstetten,  oder  Gysin, 
der  Schuhmacher  von  Liestal,  gemeint?    Doch  vgl.  auch  e). 


12  Schatzgräberei  in  der  Umgebung  Basels  (1726  und  1727). 

e)  Dorothea  Schad ,  ^Fürkäuff leren"  (64  J.)  [Mutter 
Schaffners],  sagt  namentlich  von  Ihrem  Sohne,  der  auf  der 
Spitalmatte  angeblich  die  Zeugdruckerei  hätte  lernen  sollen,  dass 
er  Schatzgräberei  getrieben  habe,  doch  will  sie  über  das  Nähere 
nichts  wissen.  Gefragt  ob  er  auch  vor  dem  Aeschemer  Thor 
in  einem  Häuschen  gegraben,  antwortet  sie:  „Nein  .  .  .,  sondern 
die  Liechstaler  haben  gesagt.  Es  sey  der  Schäublin  .  .  .  und 
des  Herren  Hoffners  Sohn  gewesen,  Sie  hab  auch  .  .  .  gehört, 
dass  der  Wannenwetsch  in  seinem  Keller  graben,  worzu  Er 
ein  weiss  Hündlin  gebraucht.'' 

f)  Jakob  Schaffner,  Schuhknecht  (24  J.)  von  Basel  giebt 
vor,  seine  Zauberschriften  von  einem  Sachsen  zu  haben,  der 
sie  wiederum  von  einem  Venediger  erhalten.  Ausser  auf  der 
Spitalmatte  habe  er  „in  des  Scheidwassermachers  Hauss  zu 
Äugst  mit  einem  Aristorffer  Namens  Christoff  [Schaub],  und 
dem  Haussmeister,  Melcherhanss  [Zendner]  genannt  und  einem 
Liechstaler,  der  Ein  gelen  Rocke  habe  [Wilhelm  Gysin]  im 
Keller  gegraben**.  —  „Was  Er  dazu  gebraucht,  als  Er  zu  Äugst 
gegraben?^  —  „Nichts  als  drey  Kertzen,  und  hab  das  Erste 
Capitul  auss  dem  Evangelium  Joh.  Yiermahl  geschrieben  und 
selbige  auff  den  Boden  in  Vier  Eckhen  gelegt,  mit  dem  Degen 
hab  Er  ein  Creiss  gemacht;  und  die  drey  Liechter  in  drey  Eckhen 
gesteckt,  da  haben  Sie  anfangen  graben.^  Auf  die  Frage,  um 
welche  Zeit  das  geschehen  sei,  antwortete  er:  ,,Nachts  umb 
Neun  Uhren  haben  Sie  angefangen  und  geschafft  bis  Sie  müd 
gewesen.     Man  köndts  am  Tag   auch   machen,    man  würd    aber 

ehendter  verjagdt** „Ob  er  nicht  etwas  darauff  [auf  das 

Buch]    gelegt?**    —     „Ja,    ein    Pergament,    darauff  geschrieben 

stehe  S%ilariels,  habe  Er  darauff  gelegt** „Ob  Er  nicht 

auch  Kunst  könne,  die  Leuth  zu  stellen  oder  das  Gestohlene 
herbey  zu  bringen?  —  „Es  sey  wohl  etwas  im  Buch,  Er  habs 
aber  nie  brucht,  Er  hab  dem  Tuckher  Ein  Stuckh  Wax,  darauff 
etliche  Buchstaben  stehen,  geben;  im  Buch  stehe,  wann  Einer 
das  habe,  werd  der  Dieb  Einem  im  Traum  vorkommen.*'  — 
„Ob  er  nicht  ein  Mittel  habe,  dass  man  Einen  müess  lieb 
haben?*'  —  „Es  stehe  auch  etwas  davon,  wann  mann  Eisen 
Grut  [Kraut]  nemme.  Er  habs  aber  nie  probiert,  Er  sey  willens 
gewesen,  alle  Bücher  dem  Herrn  Ober  Pfarrer  zu  bringen  .... 
Die  Kerze,  die  Sie  zum  graben  gebraucht,  hätten  sie  selbst  aus 
Wachs  hergestellt  und  etwas  Salz  hineingeknetet.  *- 


Schatzgräberei  in  der  Umgebung  Basels  (1726  und  1727).  13 

3. 

Schreiben  des  Schultheissen  von  Liestal,  Bernh.  Strübin, 

an  Bügermeister  nnd  Rat  von  Basel. 

Dat.  20.  März  1727. 

Zeigt  die  Auslieferung  des  Schumachers  Wilhelm  Gysin 
an,  und  berichtet,  dass  auch  auf  dem  Burghaldenberg  bei 
dem  sog.  Schloss  Spuren  von  Schatzgräberei  zu  finden  seien. 

4. 

Verhör  von  Freuler,  Platner,  Bürgin,  Zendner,  Weibel, 

Hindenlang,  Anna   Fink,  Anna    Saxer,  Qysin,  Hacker, 

Honecker,  Abt,  Meyer  durch  die  Siebener. 

Verlesen  22.  März  1727. 

a)  Theophil  Freuler,  Seiler  und  gewesener  Bettelvogt 
im  Almosen,  sagt  ans,  er  habe  sich  einmal  beim  Graben  be- 
theiligt und  auch  aus  dem  „Buch  Salomons^  dem  Schuhmacher 
nachgebetet.  —  „Ob  sein  Enab  die  Geister  sehe,  wie  Sie  vor- 
geben?^ —  „Ja,  Er  sey  ein  Sonntagskind  und  sehe  alle  Geister 
in  den  Häusern  und  hab  auiFm  Spittal  Gut  auch  ein  weissn 
Oeist  gesehen  und  Es  dem  Jacob  [Schaffner]  angezeigt. 

b)  Ulrich  Platner,  der  Scheuernmeyer  sagt  aus,  er  habe 
die  Schatzgräberei  zufällig  entdeckt  und  scharf  getadelt.  Be- 
richtet, der  Drucker  [Hacker]  habe  ihm  gesagt,  ^man  sehe 
alzeit  eine  weisse  Jungfrau  im  garten^,  was  auf  einen  Schatz 
schliessen  lasse. 

c)  Martin  Bürgin,  Lehenmann  in  Angst  sagt  aus,  er 
habe  dem  Zeugdrucker  [Hacker]  ein  Halstuch  bringen  wollen 
nnd,  sei  dann  gleich  zum  Mitmachen  ermuntert  worden,  was  er 
auch  gethan.  —  Beim  Graben  sei  der  Drucker  „mit  Einem 
Glass,  darin  Sie  Wasser  gehabt,  herumb  gangen,  das  Licht  daran 
gehebt  und  gesagt:  hier  sey  der  Schatz,  da  sei  der.  Sie  haben 
aber  nichts  gesehen*^. 

d)  Hans  Zendner  von  Äugst  [Melcherhans]  sagt  aus,  der 
Zeugdrucker  [Hacker]  sei  V^  Jahr  in  seinem  Haus  gewesen, 
in  dem  es  gespuckt  habe.  Daraufhin  habe  die  Druckerin 
[Anna  Saxer]  das  Nachgraben  veranlasst.  Dabei  seien  gewesen 
der  Drucker,  der  Scheidwasserbrenner  [J.  Weibel],  Martin 
Bürgin  und  Wilhelm  [Gysin]  von  Liestal.  Mit  den  Ceremonien 
will  er  nicht  bekannt  sein. 


14  Schatzgräberei  in  der  Umgebung  Basels  (1726  und  1727). 

e)  Martin  Bürp:in  sagt  ans,  auch  in  des  Melcher- 
hansen  [Zendner]  Haus  [in  Äugst]  habe  er  gegraben  und 
dieser  habe  den  Ceremonien  beigewohnt. 

f)  Hans  Zendner  gesteht  ein,  er  habe  bei  den  Cere- 
monien mitgeholfen. 

g)  Jakob  Weibel,  Scheidwasserbrenner  in  Äugst,  will  mit 
der  Schatzgräberei  nichts  zu  thun  gehabt  haben.  Befragt,  was 
den  Anlass  dazu  gegeben,  sagt  er:  „Man  sehe  ein  Liechtlin  im 
Hauss  herumb  fahren,  wie  ein  angezündet  Schwebelhöltzlin.  Sein 
Fraw  und  Er  sehens  öffters  und  komme  des  Nachts  noch  alzeit 
biss  in  Ihr  Stuben**.  —  „Ob  mans  beim  Liecht  auch  sehe?*  — 
„Ja,  mit  und  ohne  Liecht.     Es  komme  zu  Zeiten  biss  los  Bett.^ 

h)  Emanuel  Hindenlang,  Färber  in  Basel  sagt  aus,  „er 
hab  vor  etwas  Zeit  zween  Modellschneider  und  Truckher 
bey  Ihme  im  Hauss  gehabt  .  .  .,  welche  gesagt,  Sie  hören  des 
Nachts  alzeit  ein  Känsterlin  [kleiner  Schrank]  auff  und  zu 
gehen,  es  werd  Ein  Geist  und  Geld  im  Hi^uss  verborgen  sein  .  .  . 
Etwas  Zeits  hernach  sey  Ein  Bergknapp  für  sein  Hauss 
kommen  .  .  .,  welcher  gesagt  habe,  Er  soll  das  Hauss  nicht  ver- 
kauffen,  es  sey  ein  Laden  mit  drey  güldenen  Eettenen  und 
andern  Kostbarkeiten  in  der  Mauren  .  .  .  Nachgehendts  sei  der 
Jacob  Schaffner  kommen  und  gesagt,  Sie  woUens  herauss  thun, 
haben  der  Jacob  und  die  Druckher  mit  seiner  Erlaubnuss  ein 
Loch  in  die  Mauren  gebrochen;  aber  nichts  entdeckt  .  .  .  Nach- 
gehendts haben  Sie  auch  gesagt,  es  sey  im  Färb  hauss  ein 
Schatz  und  böse  Geister,  desswegen  auch  alda  graben  .  .  .  Diese 
Kerle  haben  ihm  bey  50  S*  geschadet". 

i)  Anna  Finck,  Ehefrau  des  Mattenknechts  [Honegger]. 
Aussagen  ohne  neue  Gesichtspunkte. 

k)  Anna  Saxer  erzählt  weiterhin  „es  Sey  einmahl  zu 
Liechstal  ein  Modellschneider  bey  Ihnen  gewesen  und  hab 
Sein  Bruder  ein  Glass  gehabt,  darin  man  den,  der  Einem  etwas 
stehle,  sehe.  Als  nun  Ihr  mann  damahlen  ein  Par  schuh  ver- 
lehren,  hab  Sie  auch  darin  gelugt  und  den  Krummholtz  auff 
dem  Gstadig .  .  .  darin  gesehen.  Man  müss  aber  allerhand 
Zeichen  und  Wort  dazu  sprechen".  —  .  .  .  ^Ob  Sies  nicht  auch 
zu  andern  Sachen  brauche  ?"  —  „Ja,  Sie  habe  auch  darinn  ge- 
lugt, ob  Sie  den  Schatz  finde  oder  nicht.  Als  auch  einmabl 
jemand  vor  dem  Hauss  gewesen,  habe  Sie  auch  darin  gelugt, 
umb    zu    sehen,   wer  Es  seye,    Sie  habe  aber  nichts  darinn  ge- 


Schatzgräberei  in  der  UmgebuDg  Basels  (1726  und  1727).  15 

sehen  .  .  .  /  «Ob  Sie  nicht  aoch  den  Schatz  darin  besehen 
wollen?''  —  ^Ja,  Es  hab  Sich  ein  Kessel  mit  Gelt  schier 
later  Dublonen  darin  gezeigt,  wobey  ein  schwarzer  PfafF  ge- 
standen.*^ —  „Ob  Ihr  mann  nicht  auch  anderer  Orth  graben 
helfFen?"  —  ,In  Angst  in  Ihrem  Hanss,  da  Ein  Geist  sey, 
der  gantz  weiss,  hab  der  Melcherhanss  [H.  Zendner] 
graben.  Man  hab  schier  keine  Buh  darin.  Ihr  Mann  hab  Ein- 
mahl den  Geist  gesehen,  Sie  habe  in  der  Cammern  geschlaffen 
nnd  nicht  ruhen  können,  weil  bald  etwas  gefallen,  gebolderet 
oder  als  wenn  man  etwas  aussschütte  gewesen.''  —  „Ob  Sie  zu 
Angst  auch  ins  Glass  gelugt?"  —  „Ja,  und  hab  in  einem  Tröglin 
ein  güldenen  Scepter  und  Cron  gesehen." 

1)  Wilhelm  Gysin,  Schumacher  von  Liestal,  sagt  aus,  dass 
ihn  Schaffner  auf  die  Spitalmatte  geführt  habe;  er  sei  aber  gleich 
andern  Tags  wieder  fortgegangen.  Seine  letzte  Strafe  für  Schatz- 
gräberei  sei  Verweisung  „für  den  Bahn"  gewesen.  *) 

m)  Moritz  Hacker  sagt  aus,  der  Arx  Joggi  sei  auch 
dabei  gewesen,  als  man  in  Melcherhansens  Haus  [zu  Äugst] 
gegraben  „und  hab  sein  [Hackers]  Modelgraber  dazu  anlass 
geben,  weil  er  dergleichen  Bücher  gehabt  und  ein  Glass,  darin 
Sie,  wann  Sie  ein  Spruch  gesprochen,  den  Schatz  gesehen;  Er 
hab  aber  nichts  darin  sehen  können,  desswegen  gesagt,  Es  sey  ' 
Lumpensach  und  das  Glass  zum  Fenster  hinauss  in  Deuch 
[Mühlgraben]  geworffen'*  .... 

n)  Jakob  Schaffner.  Ueber  das  Glas  sagt  er  aus,  er 
er  habe  es  am  Spalenberg  gekauft,  es  sei  ein  Harnglas  ge- 
wesen. Einen  Spruch  habe  er  beim  Glasschauen  weder  sprechen 
wollen  noch  können,  da  solche  nicht  deutsch  seien.  Man  müsse 
auch  in  einem  gewissen  Planeten  geboren  sein,  um  etwas  in 
dem  Glas  zu  sehen. 

o)  Jacob  Honeckher  von  Pratteln.     Ohne  Belang. 

p)  Jacob  Abt  von  Aristorf  (61  J.).  War  schon  einmal 
„für  den  Bahn*  gewiesen  worden,  weil  er  gestattet  habe,  dass 
in  seinem  Garten  gegraben  werde.  ^)  Nach  Äugst  zu  den 
,neun  Thürmen**  sei  er  von  Wilhelm  Gysin  geholt  worden, 
da  dort  ein  goldene  Krone  und  ein  Szepter  verborgen  lige;  er 
habe  aber  dort  nicht  gegraben.  Beim  Melcherhans  [H.  Zendner] 
habe  er  nie  gegraben. 

*)  Siehe  die  erste  Verhandlung  Nr.  4.  —  ♦;  Erste  Verhandlung. 


16  Schatzgräberei  in  der  Umgebung  Baaels  (1726  und  1727). 

q)  Christoph  Meyer  von  Aristorf  war  in  Melcher- 
hansens  Haus  mehrmala  dabei,  hat  aber  nicht  mitgeholfen. 
Auch  nicht  bei  den  nenn  Thürmen. 

r)  Wilhelm  Qysin  von  Liestal.  Von  der  Stelle  am  Barg- 
haldenberg [s.  Nr.  3]  habe  ein  alter  Schmied,  namens  Hans  Hei- 
de 1  man  gesagt,  „es  bleib  kein  Schnee  da,  werd  gewiss  Qelt  da 
yerborgen  sein^.  Die  Gräberei  selbst  sei  ohne  Beschwörungs- 
zeremonien  yor  sich  gegangen.  Bei  den  „nenn  Thürmen^ 
hätten  sie  gebetet:  „Wer  Gott  vertraut,  hat  wohl  gebaut''  und 
„O  höchster  Gott*  und  „Unser  Lieber  Herr",  „welches  Er  auss 
einem  Psalmenbuch  Ständlingen  gelesen''. 

5. 

Bedenken  der  Herren  Geistlichen. 
„Geben  in  unsrem  Conventu''   29.  März   1727. 
jWohlweyser  Herr  Burgermeister, 
Hoch  Geacbte  und  Gnädig  Gebietende  Herren, 
Wir  haben  die  uns  zugestellte  Acta  in  der  forcht  des  Herren 
durchgangen  und  sovil  die  Eürtze  der  Zeit  es  zugelassen  unsere 
gedanken  darüber  walten  lassen. 

Wir  beklagen  und  beseuffzen  allervordrist  herzlich,  dass 
bei  so  hellem  Hecht  des  h.  Evangelii  der  Satan  noch  immer  so- 
vil gewalt  hat,  und  die  Leuthe  zu  solch  einem  entsetzlichen 
aberglauben  verleite,  dazu  aber  derselben  grosse  Unwissenheit, 
schlechte  forcht  Gottes,  müssigang  und  unzimliche  Begierd  nach 
Gelt  ihme  den  weg  trefflich  gebahnet. 

Die  sach  selbsten  bestehet  kürtzlich  darinnen :  Es  hat  Jacob 
Schaffner,  ein  schuhknecht  von  hier,  mit  Hülff  viler  anderer  zu 
verschiedenen  Zeiten  und  an  verschiedenen  orten:  als  auf  allhiesiger 
Spittal  Matten  vor  dem  Steinen  Thor,  desgleichen  zu  Äugst 
in  des  Scheidwasser  Brenners  [J.  Weibels]  Hauss  und  sonsten 
schätze  zu  graben  sich  unterstanden,  zu  dem  ende  bei  finsterer 
nacht  mit  dem  degen  einen  Creyss  auff  den  boden  gemacht,  dar- 
ein er  neben  anderen  gestanden,  sein  abergläubisches  Eunstbuch 
herfürgezogen  und  darauss  bey  dreyen  stunden  gebettet,  dabey 
hat  er  zugleich  das  erste  Capitel  des  Evangelii  Johannis  auf 
Papier  geschrieben  und  in  die  eken  des  gemachs  geleget,  zu 
jedem  ein  brennendes  Hecht  gethan  und  den  Anwesenden  sehr 
ernstHch  verbotten  etwas  zu  reden.  Darauf  haben  sie  in  dem 
nammen  Gottes  des  Yatters,  des  Sohns,  und  des  H.  Geistes  an- 


Schatzgräberei  in  der  Umgebung  Basels  (1726  und  1727).  17 

gefaDgen  zu  graben  und  würklich  ein  zimlich  grosses  loch  und 
gruben  gemacht;  aber  niemahlen  etwas  gesehen  noch  gefunden. 

Auss  den  Actis  erhallt  zugleich,  dass  Anna  Finckin  von 
Unterschlatt,  so  auf  der  Spittal  Matten  sich  aufgehalten,  in 
diesem  Handel  sich  auch  gewaltig  brauchen  lassen,  massen  sie 
auch  ein  Glass  gehabt,  darin  sie  ihrem  vorgeben  nach  sowol 
den  Geist  als  den  schätz  gesehen/ 

All  diese  Dinge  werden  als  sündlich  verdammt,  wie  auch 
das  Tragen  von  ,6ündtlin  mit  Kraut  angefüllt  und  mit  drey 
Creutzen  bezeichnet'.  Weiterhin  begegnen  die  Geistlichen  dem 
Einwand,  dass  die  Schatzgräber  doch  lauter  fromme  Worte  ge- 
braucht hätten  und  erwähnen  u.  A.  das  Beispiel  ,einer  ver- 
schreiten Zauberin,  Barbara  Dorea  genannt,  welche  A"^  1577  zu 
Paris  hingerichtet  worden,  dass  sie  eines  von  den  allerschönsten 
und  heiligsten  Worten  zusammengesetzten  Segens  gebrauchet; 
aber  endlich  bekant,  dass  ihro  der  Teufel  dene  von  Wort  zu 
Wort  dictieret  habe^ 

Als  Strafe  für  den  Hauptverführer  Schaffner  wird  der 
Pranger  und  eine  Leibesstrafe  vorgeschlagen,  die  Papiere,  Kerzen 
und  Bündel  sollen  verbrannt,  die  Zauberbücher  im  hintern  An- 
tistitium  aufbewahrt  werden. 

6. 
Nochmaliges  Verhör  von  J.  Schaffner  durch  die  Siebener. 
Verlesen  29.  März  1727. 
Jakob  Schaffner  gesteht  ein,  bei  seinem  Bruder  in  Neu- 
stadt (Neuveville)  ein  Zauberbuch  gesehen  zu  haben. „Ob 

sie  nicht  auch  auf  einer  Matten  enet  der  Biers  Bruckh 
gegraben.^  —  „Ja,  am  alten  neuwen  Jahr  (oder  am  Neu  wen 
Jahrs  Tag  nach  dem  alten  Calender)  haben  sie  Zwo  Nacht  noch- 
einander  daselbst  mit  den  andern  Verhafften  gegraben.^ 

7. 
Bedenken  der  Herren  Deputaten. 
Verlesen  2.  April  1727. 
Für  Jakob  Schaffner,  Anna  Saxer,  Wilhelm  Gysin 
und  Joggi  Abbt  werden  als  Strafen  vorgeschlagen:  Vorstellung 
in   der  Kirche   (^vor  öffentlicher  Gemeind   [die  beiden  Letztern 
in  Liestal]  vorgestellef^)  und,  ausgenommen  bei  Abbt,  Zwangs- 
arbeit   (^an  das  schellenwerck  geschlagen'^).    „Sintemalen    aber 


18  Schatzgräberei  in  der  Umgebung  Basels  (1726  und  1727). 

wegen  instehender  Charwoohen  die  Yorstellung  nicht  bald  Yor 
sich  gehen  könnte,  nnd  doch  diese  personen  nicht  so  lang  in 
der  gefängnns  zu  behalten  sind,  als  meinten  wir,  dass  die  drey 
gemelte:  Schaffner,  Gysin  nnd  Saxerin  sogleich  daran  geschlagen 
und  dan  die  Yorstellnng,  nach  welcher  sie  wiedernm  an  das 
schellenwerck  kämen,  bei  erster  gelegenheit  vorgenommen,  Abbt 
aber  indessen  inbehalten  oder  nach  Haus  gelassen  werden 
könnte"". 

Für  Moritz  Hacker  das  ,, Zuchthaus''^),  für  Theophilus 
Frenler,  Em\  Hindenlang,  H.  J.  Honecker,  Anna  Finck, 
Dorothea  Schad,  M.  Bürgin,  H.  Zendner,  Chr.  Meyer 
,, Stellung  für  den  Bahn"".®) 

Die  Zettel  und  Bücher  könnten  entweder  nach  dem  Vor- 
schlag der  Herren  Geistlichen  teilweise  aufbehalten  oder  sämmt- 
lich  verbrannt  werden. 

8. 

Beschluss  des  Rats  vom  2.  April  1727. 

Der  Rat  stimmt  dem  Vorschlag  der  Deputaten  bei.     ^Der 

Zirknl   und    abergläubische  Sachen   sollen   in   deren  [Deputaten 

oder  Delinquenten  P]  Gegenwart  auf  dem  heissen  Stein  ^  verbrannt, 

übrige  Schriften  aber  aufbehalten  werden''.     (Ratsprotokoll.) 

9. 
Brief  des  Schultheissen  Strübin  an  Bürgermeister  und 

Rat  von  Basel. 
Dat.    17.    April    1727. 
Heinrich  Fiecbter  sei  wegen  Schatzgrabens  verhört  wor- 
den.    Die  Akten  liegen  bei. 

10. 
Verhör  Heinrich  Fiechters  durch  den  Schultheissen 

Strübin. 
Dat.  17.  April  1727. 
Darin  wird   zuerst  von   dem   Zauberbuch   gesprochen,   das 
u.  A.  das  1.  Kapitel  des  Johannesevangeliums  und  den  91.  Psalm 

*)  Das  Z.  war  damals  im  Waisenhaus,  der  ehemaligen  Karthause.  — 
*)  Kirchliches  Gericht  zur  Ausübung  der  Sittenpolizei.  —  "')  Ueher  diese 
angeblich  aus  dem  Jahre  1376  stammende  Richtstätte  vgl.  Ochö,  Gresch.  v. 
Basel  VII,  281.  lieber  den  „heissen  Stein"  im  Kinderlied  s.  Brenner, 
Baslerische  Kinder-  und  Volksreime  Nr.  143. 


Schatzgräberei  in  der  Umgebung  Basels  (1726  und  1727).  19 

•enthalten  hat.  Ferner  sagt  der  Deponent  aas,  er  habe  seit 
seiner  Haft  in  Basel  bloss  einmal,  Yor  7^  Jahr,  bei  einer  Schatz- 
gräberei  assistiert,  die  sich  zn  Angst  bei  Stingelins  Reben  nicht 
weit  Tom  Hochgericht  Nachts  9  ühr  abgespielt  habe.  Er  selbst 
habe  jedoch  nicht  gegraben  nnd  sich  überhaupt  nicht  mehr  mit 
der  Sache  abgegeben,  während  Wilhelm  Gysi  im  ganzen  Land 
berum  nach  dergleichen  Dingen  geforscht  habe. 
Eine  Haussuchung  bleibt  resultatlos. 

11. 
Verhör  von  Heinr.  Fiechter  durch  die  Siebener. 
Verlesen  19.  April  1727. 
Heinrich  Füchter,  Posamenter  und  Taglöhner,  von  Liestal 
{36  J.)  sagt  aus,  er  habe  von  einem  Solothurner  ein  Zauber- 
büchlein gefordert,   das  dann  Yon  Mehreren  abgeschrieben  wor- 
den sei,  als  er  aber  gesehen  habe,  dass  man  trotz  des  Zaubers 
^nichts  als  Steine  genug"    finde,    habe  er's  verbrannt.     Er    sei 
nicht   der  Rädelsführer,   sondern    ,,die  Frau  [Anna  Saxer],  so 
am  Schellenwerck  gehe,   hab  sie  mit  ihrem  Glass  verfuhrt  und 
vorgeben,   wenn  sie  darein  sehe,    könne  sie  über  4  stund  weit 
entdecken,  wo  gelt  verborgen  lige^. 

12. 
Verhör  von  Heinr.  Fiechter  und  W.  Gysin  durch  die 

Siebener. 
Verlesen  23.  April  1727. 

a)  Heinr.  Füchter,  befragt,  ob  er  nicht  mit  Kapuzinern 
wegen  des  Schatzgrabens  sich  in  Beziehung  gesetzt,  antwortet, 
er  habe  dieselben  zufällig  getroffen  und  sie  nicht  ausgefragt. ' 
Er  habe  freilich  vor  anderthalb  Jahren  auf  dem  Calmen  ein 
Loch  gegraben,  „weil  es  daselbst  getönt ''.  Segen  habe  er  nie 
beim  Graben  ausgesprochen,  obschou  der  Solothurner,  von 
dem  er  das  Buch  habe,  ihm  anempfohlen  habe  „ein  Büschelein 
Bauten  zu  sich  zn  nehmen  und  sich  Gott  zu  befehlen^. 

b)  Wilh.  Gysin  von  Liestal  beschuldigt  Füchter  als 
Anstifter  der  Schatzgräberei.  Er  habe  auch  mit  Geistlichen 
von  Dornach  und  Ariesheim  und  dem  Nachrichter  von 
Hüningen  verkehrt.  „Diese  Geistliche  haben  daselbst  [auf 
dem  Feld  gegen  Selbisperg]  ein  Craiss  gemacht,  daraufhin 
haben  sie  gegraben;  was  aber  der  Nachrichter  darbey  zu  thun 


20  Schatzgräberei  in  der  Umgebung  Basels  (1726  und  1727). 

gehabt,  wisse  er  nicht,  und  seye  auch  in  sein  (!),  Füchters,  Haus 
ein  Bub  von  Wyl  mit  einem  Glass  gewesen,  darein  sie  gelugt.*" 
Gegen  10  Personen  habe  F.  so  verführt. 

Bei  der  Eonfrontation  gesteht  F.  ein,  dass  der  Nachrichter 
zu  ihm  ins  Haus  gekommen  sei  und  dort  den  Berner  bei  ihm 
getroffen  habe,  worauf  sie  graben  gegangen  seien.  Der  Bube 
von  Wyl  habe  auf  dem  Berg  ein  Glas  hervorgezogen  ^selbiges 
voll  Wasser  gefüllt,  welches  Wasser  er  in  einem  Häffelin  mit 
sich  genommen,  darnach  darein  geschaut  und  gesagt,  es  hab 
etwas  daherumb^.  Weiter  befragt,  ^was  sie  für  Ceremonien 
gebraucht,  und  ob  er  einige  Wort  gesprochen",  antwortet  er: 
„Sie  haben  nichts  gehört,  seyn  beyseits  gangen*'.  Fr.:  „umb 
welche  Zeit  das  gewesen",  Antw.:  „auf  den  Abend  bey  bettzeit 
herumb,  seye  schon  Nacht  gewesen".  Fr.:  ,,wie  er  dan  hab 
sehn  können,  was  der  Bub  mit  dem  Qlass  gemacht",  Antw.: 
„der  Nachrichter  hab  ein  Liecht  bey  sich  gehabt,  welches  er 
under  das  Glass  gehalten,  und  hab  der  Bub  von  oben  herab  in 
das  Glas  gelugt  und  gleich  gesagt,  da  seye  etwas  zu  finden". 
Fr.:  „wer  als  graben",  Antw.:  „der  Nachrichter,  der  Georg 
Marx  und  Er,  Verhafte;  weilen  er  aber  in  werendem  Graben  ge- 
redt, hab  er  darvon  müssen".  Fr.:  „Ob  Sie  nicht  begehrt,  auch 
in  das  Glass  zu  sehn."  Antw.:  „Ja,  aber  der  Bub  hab  sie  nicht 
wollen  lassen,  mit  dem  Vorgeben,  es  müss  einer  ein  Fronfasten 
Kind  seyn.  Er  hab  aber  vorher  in  der  Truckerin  glass  ge- 
schaut, aber  nichts  darin  sehen  können.^  Fr.:  „So  seye  er  ge- 
ständig, dass  er  der  Urheber  und  Angeber  dieses  Schatzgrabens 
seye,  wer  ihme  aber  darzu  anleitung  geben ?^  Antw.:  „Es  seye 
ein  c.  V.  Stier  der  ursächer  daran  gewesen,  dann  sein  Bruder  hab 
diesen  Stier  auf  dem  Berg  bei  Selbisperg  durchgeführt;  er 
hab  aber  nicht  können  darüber  bracht  werden  und  hab  es  auch 
daselbst  gedönt,  welches  dann  auch  der  Anfang  des  Schatz- 
grabens und  ihres  Unglücks  gewesen." 

13. 

Verhör  von  Erzberger,  Senn,  Schweizer,  Hertner, 

Schmidt,  Martin  durch  die  Siebener. 

Verlesen  23.  April  1727. 

a)  Christoph  Ertzberger  (40  J.)  von  Liestal   sagt   aus, 

dass  er  mit  verschiedenen  Andern,   worunter   auch   Gysin    und 

Füchter,    an    der    Burghalden    gegraben    habe.     Von    Zere- 


Schatzgräberei  in  der  UmgebuDg  Basels  (1726  und  1727).  21 

monien  hätte  er  nichts  beobachtet,  weil  er  und  Andere  anfangs 
eine  halbe  Stunde  lang  sich  abseits  gehalten  hätten. 

b)  Durs  Senn,  Müller  (37  J.),  wohnhaft  in  Liestal.  Aus- 
sage ohne  neue  Gesichtspunkte. 

c)  Heinrich  Schweitzer,  Posamenter  (50  J.)  von  Zifen. 
Ebenso. 

d)  Basche  Hertner  (51  J.)  von  Zifen.     Ebenso. 

e)  Christen  Schmidt,  Beck  und  Posamenter  (27  J.)  von 
Zifen.     Ebenso. 

f)  Heinr.  Martin,  Metzger  (33  J.)  von  Äugst  sagt  aus, 
dass  Füchter  „ein  Hasslene  Ruthen  gehabt,  die  er  so  gegen 
einem  Loch  gehalten,  so  ausgesehen  wie  ein  Rübloch,  und  hab 
sie  dargegen  geschlagen,  worauf  er  gleich  gesagt,  da  seje  etwas 
zu  finden".  —  „Ob  sie  nicht  etwas  abgelesen?^  —  nl^ör 
Füchter  hab  aus  einem  kleinen  Zedulein  oder  aus  ein  paar 
blättern  etwas  abgelesen,  es  habe  ihne  gedunckt,  es  seye  so  ein 

Catholisch  Affairen   gewesen.*    — „Ob   er   nicht  gesagt, 

was  das  Ablesen    z]^  bedeuten  habe?"    —    „Ja,    es    seye,    dass 

die  Böse  Geister  keine  macht  mehr  haben  sollen. '^  — ,0b 

sie  nicht  auch  ein  Glass  darzu  gebraucht?^  —  n^^ii^?  &ber  zu 
Äugst  haben  sie  eins  gebraucht."  —  »Wer  dann  dies  Glass 
gehabt?"  —  „Die  Truckerin,  und  habe  sie  zu  Äugst  ein  solch 
Glass  gehabt,  darinnen  Wasser  gewesen,  dardurch  sie  geschaut 
und  gesagt,  wan  sie  noch  ein  Blatten  hinweg  haben,  finden  sie 
deo  Schatz."  —  Ob  er  nichts  von  einem  Büchlein  wisse,  „so 
ihme  der  Füchter  abzuschreiben  gebracht?"  Auf  die  bejahende 
Antwort:  „Was  darin  gestanden?"  —  „Allerhand  Catholische 
Phantasien  Ton  Heiligen  Abgestorbenen  und  dergleichen." 

14. 
Beschluss  des  Rats  vom  23.  April  1727. 
„Sollen  Fiechter  und  Martin  Ton  Äugst  auch  an  das 
schellenwerk  geschlagen,  vom  nächsten  Sonntag  über  acht  dag 
80  dan  Gysin,  Fiechter,  Abbt  und  Martin  zu  Liechstal  ofent- 
lichen  vorgestellet  und  darauf  zu  tragung  des  lastersteckens  ^)  bis 
auf  begnadigung  angehalten,    übrige   vor    den    Bahn    gewiesen 

*)  Der  LastersteckeD  gehörte  in  die  Kategorie  der  Ehrenstrafen. 
Er  bestand  in  einem  weissen  Stab,  auf  dem  Baselstäbe  eingebrannt  waren, 
und  den  der  Delinquent  während  einer  bestimmten  Zeit  immer  mit  sich  zu 
führen  hatte,  wenn  er  ausgieng.    Vgl.  Rechtsquellen  II,  248. 


22  Schatzgräberei  in  der  Umgebung  Basels  (1726  und  1727). 

ottd  dass  sie  bei  der  TorBtellaog  in  der  Kirchen  seyen,  ihnea 
anbefohlen  werden.  Wegen  dem  Schaffner  aber  und  der 
Druckerin  solle  Herr  Pfarrer  zu  St.  Leonhard  ihrer  Religion 
und  des  erstem  Burgerrecht  halben  sich  informieren  und,  ob  mit 
denen  die  Vorstellung  vorgenommen  werden  könne,  berichten.^ 
(Rats-Protokoll.) 

15. 
Beschluss  des  Rats  vom  26.  April  1727. 
^Sollen  Jacob  Schaffner  sammt  seiner  Mutter,  Anna 
Saxerin  und  ihr  eheman  Moritz  Hacker  mit  aufgehobenen 
Stäben*)  zur  Stadt  hinausgeführet  und  bej  straf  der  ruhten  von 
Stadt  und  Land,  verwiesen  werden;  weilen  aber  des  Schafners 
Mutter  als  ein  Eäuflerin  viel  Sachen  hinder  sich  hat,  als  sollen, 
wie  auch  was  die  Druckerin  zu  verarbeiten  empfangen,  inven- 
tieret,  denen  proprietariis  ohne  entgelt  zugestellet  und  zu  dem 
end  die  alte  Schafnerin  in  dem  Zuchthaus  auf  acht  dag  inbe- 
halten werden.^     (Rats-Protokoll.) 

16. 
Schein  des  Leutpriesters  Joh.  Heinr.  Brucker. 
Dat.  Liestal,  28.  Febr.  1728, 
worin  er  sich  für  Heinr.  Piechter,   „welcher  den  4**"  May  des 
verwichenen   1727'**'"  Jahrs   öffentlich  vorgestellt  worden",  ver- 
wendet,  dass  ihm  die  Ehrenstrafe   des  Lastersteckens  von   nun 
an  möge  erlassen  bleiben. 

17. 

Schreiben  des  Schultheissen  vonLiestal,  Michel Strübin, 
an  Bürgermeister  und  Rat  von  Basel. 
Dat.  Liestal,  25.  Febr.  1728, 
worin  er  sich  ebenfalls  für  Heinr.  Fiechter  verwendet. 

18. 
Beschluss  des  Rats  vom  28.  Mai  1727. 
,, Schreiben  von  Varnspurg  bittet  für  Heinr.  Martin  von 
Äugst,  dass  ihme  der  Lasterstecken  möchte  abgenommen  werden. 
Erkannt:  Ist  dieser  M.  zur  Geduld  gewiesen,  und  solle  er  noch 
andere,  die  um  Begnadigung  anhalten,  ohne  Schein  ihres  Wohl- 
verhaltens von  ihren  Hrn.  Predigern  nicht  mehr  angehöret  werden." 
(Recutsqukllen  II,  248.) 

»)  Eine  symbolische  Strafe.    Vgl.  Grihm,  Rechtsaltertümer  *  II,  309. 


23 


Spigolature  di  Folklore  ticinese. 

Raccolte  per  Yittore  Pellandini  (Arbedo-Taverne). 
I.  Ninne-nanne. 


0  nanAa  popöo, 
YegnerA  la  mama, 
La  porterä  '1  coc6o. 

0  naniD,  popin  da  cüna, 
Vegnerä  '1  pap4 
AI  porterä  la  lüna. 

(Noranco) 

0  girum^ta  da  la  muntagna, 
Vurl  vegnl  al  piao? 
Si,  si,  che  veneria, 
Me  Vi:  trop  de  luntan. 

(Noranco) 


Fa  la  nanna  pargolefto, 
YerrX  la  mamma, 
Ti  porterä  un  novo. 

Fa  la  nanna,  bambin  da  cuna^ 
Verrä  '1  papä 
Ti  porterä  la  luna. 

0  girometta  della  montagna, 
Volete  venire  al  piano? 
Si,  si,  ch'io  verrei, 
Ma  h  troppo  di  lontano. 


II.  Cantifene  e  filastrocche. 


Oh,  oh,  ul  cttrat  da  Gambaröo 
AI  v6  miga  i  can  in  gesa, 
Parch^  i  pissa  sQ  pal  mür, 
I  spaciügan  i  pitür, 
I  fira  e  i  fara 
E  i  tuson  e  i  tusann  i  impara. 

(Noranco) 

Tik  e  tok,  cavalot, 
Quel  ch'e  sü  Te  ')  mfe  gagiot, 
Qnel  ch'd  giö  V^  senza  sella, 
Trota  via  pulincinella. 

(Noranco) 

Bei  pom  d'or  da  la  riveranza, 
Con  un  giovin  anderem  in  Franza. 
0  di  &  ml,  o  di  fa  ti, 
Bei  iK>m  d'or  da  la  val, 
Dent  ti. 

(Noranco) 

Chirieleisonn, 
Tiregh  gi6  la  pell  ai  donn; 
E  qnela  di  oman  laspela  stä, 
Che  Vv  bona  da  cunficiä. 

(Noranco) 


Oh,  oh,  il  curato  di  GambarOo 
Non  vuole  cani  in  chiesa, 
Perch^  pisciano  sui  muri, 
Ed  insudiciano  le  pitture, 
Si  moötraro  nel  loro  connubio 
E  gli  adolescenti  imparan,  senza 

[dubbio. 

Trotta  trotta,  cavallotto, 
Quel  ch'i''  8U  ^  il  mio  amoroso, 
Quel  ch'e  giü  6  senza  sella, 
Trotta  via  pulincinella. 

Bei  pomo  d'oro  della  riverenza, 
Con  un  giovin  andreino  in  Francia. 
Lo  faccio  io,  o  lu  fai  tu? 
Bei  pomo  d'oro  dolla  valle, 
Va  (lentro  tu. 

Chirieleisonne, 
Levate  la  pelle  alle  dünne; 
Ma  quella  degli  uomini  non  la  toccare, 
Ch'e  buona  da  conciare. 


24 


Spigolature  di  Folklore  ticinese. 


Lünedi  Vh  *\  di  di  spus, 
Martedi  V^  di  murus, 
Mercoldi  di  poch  da  bon, 
Giovedi  Yh  di  strioo, 
Venerdi  di  disperad, 
Sabat  di  inDemurad,    • 
£  dumeniga  di  passionad. 

(Taverne) 

0  cara  mamagranda, 
Cumprem  un  s'ciopetin, 
Che  possa  andar  in  Fi*ancia 
A  matzä  quel'  üseUn. 

Quer  üselin  che  canta, 

Che  caota  nodd  e  d\, 

0  cara  mamagranda 

Vöi  propri  matzal  mi. 

(Taverne) 

Lümaga,  lümaga, 
SciOscia  che  la  caga, 
Scittsciala  ben 
Che  vegnerA  föra  el  pien. 

(Noranco) 

Gri,  gri,  vegn  arent, 
Ga  vegD  el  tö  pä  con  na  sqv^Ia  da 
[fomient 
(Noranco) 

Togn,  Togn,  pelarogn, 
Pelarogn,  pelafigh, 
Capitani  di  fdrmigh, 
Capitani  da  la  gu^ra, 
Mangia  pan  e  dorm  in  t6ra. 


Magnan  da  töla, 
Ca  tira,  ca  möla, 
Ca  pissa,  ca  caga, 
Ca  mangia  paräda. 


(Taverne) 


(Noranco) 


El  puliröö  1  tö  8Ü  M  so  gerlu, 
El  va,  el  va  a  cercaa  i  öf; 
Si  Vä  incontrato  di  una  sposina 
I  öf,  i  öf,  i  öf  ga  jö  anca  mi. 

El  puliröö  el  met  giö  '1  so  gerlu, 
E  '1  comincia  a  pizzigaa,  a  pizzigaa, 
E  la  Hposina  per  sua  difesa 
In  sur  na  scesa  al  Vä  casciaa. 


Lunedi  e  il  di  degli  sposi, 
Martedi  ^  degli  amorosi, 
Mercoledi  fe  dei  birboni, 
Giovedi  6  degli  stregoni, 
Venerdi  6  dei  disperati, 
Sabato  ^  degli  innamorati, 
E  domenica  ^  degli  appassionati. 

0  mia  cara  nonna, 
Compratemi  uno  schioppettino, 
Clie  possa  andar  in  Francia 
Ad  amraazzar  queiruccellino. 

Queiruccellin  che  canta, 
Che  canta  notte  e  di, 
0  mia  cara  nonna 
Lo  voglio  ammazzar,  si,  si. 

Lumaca,  lumaca, 
Succhia,  che  fa  la  cacca, 
Succhia  ben  bene, 
Me  uscird  il  miele. 

Grillo,  grillo,  t'appressa  un  momento, 
Vien  tuo  padre  con  una  scodella 

[di  frumento. 

Tonio,  Tonio,  pelaronio, 
Pelaronio,  pelafichi, 
Capitano  delle  formiche, 
Capitano  della  guerra, 
Mangia  pane  e  dormi  per  terra. 

Ramajo  di  latta, 
Che  tira,  che  allenta. 
Che  piscia,  che  caca, 
Che  mangia  ^arada*  (grosso  tortello). 

II  pollivendolo  si  mette  la  sua  gerla, 
E  va  e  va  in  cerca  di  uova; 
Ha  incontrato  una  sposina: 
Le  uova,  le  uova,  le  uoya  le  ho  anch'io. 

II  pollivendolo  depone  la  sua  gerla 
Edincominciaadarpizziconi,pizziconi; 
E  la  sposina  per  sua  difesa 
Lo  manda  contro  une  siepe,  a  rotoloni. 


Spigolature  di  Folklore  ticinese. 


25 


El  puliröö  U  tö  8Ü  1  80  geriu, 
E  '1  va,  e  '1  va  tut  sanguinaa; 
La  sposina  si  mise  a  ridere 
TMmpareret  a  pizzigäa,  a  pizzigäa. 
(Noranco) 

Si  r^  M  murale  da  la  bianca  farina, 

Cui  Ö66  el  guarda,  cui  man  el  sgrafigna ; 

Olli  '666  el  guarda,  el  rimira  la  geot, 

E  Olli  man  el  sgrafigna,  el  sgratigna 

[M  furment. 

(Noranco) 

Per  far  indovinare  in  qua 
an  dato 


II  pollivendolo  si  mette  la  sua  gerla 
E  se  ne  va  tutto  sanguinante; 
La  sposina  si  mise  a  ridere : 
Cosi  iroparerai  a  pizzicare,  a  pizzicar. 

Quesf  e  il  mugnajo  dalla  bianca  farina 
Cogli  occhi  guarda,  colle  mani  rapina ; 
Cogli  ochci  guarda,  rimira  la  gente, 
Colle  mani  ruba,  ruba  il  frumento. 


Pin,  pin,  cavalin, 
Trfe  stera  dal  murin, 
Pan  cald, 
Pan  fresch, 
Tegn  ti  (^uest 
E  dam  a  mi  quest. 


le  delle  dne  mani  si  trovi 
oggetto. 

Pin,  pino,  cavallino, 
Tre  staja  del  mio  mulino, 
Pane  caldo, 
Pane  fresco, 
Tien  tu  questo, 
(Noranco)      E  da  a  me  questo. 

III.  Gluochi  infantili. 


Fare  al  bei  galante. 
I  ginocatori  formano  un  circolo.     Uno  entra  nel  mezzo  ed 
allora  quelli  del  circolo  ballano  intorno  intorno  tenendosi  per  le 
mani  e  canterellando : 


Bei  galante  entrato  in  ballo, 
Innamorato  senza  fallo, 
Gh*fe  qualcuno  che  vi  piace? 
Degh  la  man,  tirel  im  pas. 


Bei  galante  d  entrato  in  ballo, 
Innamorato,  senza  fallo, 
C'6  qualcuno  che  vi  piace? 
Dategli  la  mano,  prendetelo  in  pace. 


Quelle  nel  mezzo  del  circolo  si  sceglie  allora  un  ballerino 
0  una  ballerina,  a  piaeimento,  poi,  quelli  ballando  nel  mezzo  e 
gli  altri  in  giro,  canterellano  in  coro : 


Eceola  qui  che  IV)  trovata, 
Granda  e  grossa  e  ben  levata, 
Kccola  qui  che  la  bala  ben, 
Che  la  someja  un  mUgg  da  fen. 
Degh  un  gir,  intorno,  intorno, 
iMgan  un  altro,  amöra,  am6ra. 
M6ra,  m6ra,  lass^la  andä, 
M6ra,  m6ra,  lass^la  scapa. 

(Taverne) 


Eceola  qui  che  Tho  trovata, 
Grande  e  grossa  e  ben  allevata, 
Eceola  qui  che  balla  bene, 
Che  somiglia  un  mucchio  di  fieno, 
Date  un  giro,  intorno,  intorno, 
Datene  un  altro,  aniore,  amore. 
Amor,  jimor,  lasciatela  andare, 
Amor,  amor  lasciat<'la  scappare. 


La  Madonna  degli  angioli. 
Le  giuocatrici,  meno  una  che  si  tiene  in  disparte,  si  dis- 
poogono  in  circolo.     Una  di   esse   entra  nel   mezzo   del  circolo 


26  Spigolature  di  Folklore  ticinese. 

e  fange  da  Madonna.  Le  altre,  che  rappresentano  angioli,  \& 
si  gettano  ginocchioni  per  terra,  coUe  mani  ginnte,  in  atto  di 
adorazione. 

Qaella  in  disparte  si  avanza  allora,  e  fra  lei  e  la  Madonna 
ha  Inogo  il  segnente  dialogo : 

—  0  MadoDna  degli  angioli, 
Quante  figlie  voi  avete? 

—  lo  ne  ho  tante  tante 
Da  sposare  cavalier. 

—  Datemene  una  a  me. 

—  ISceglietela  pur  fuori. 

Qaella  in  disparte  fa  allora  il  giro  del  circolo  canterellando : 

Sceglierö  il  cavallo  bianco 
Che  mi  mena  al  camposaoto; 
Sceglierö  il  cavallo  nero 
Che  mi  mena  al  cimitero; 
Sceglierö  il  cavallo  grigio 
Clie  mi  mena  al  paradigio. 

Sceglie   dal  circolo    qnell'angiolo    che   meglio   le   aggrada, 
lo  prende  per  mano  e  se  lo  condace  via.     II  giuoco  h  finito. 

(Bedano) 

IV.  Nomignoli  di  paesi  ticinesi. 

Quii  da  Carona  i  gä  la  rogna, 
Quü  da  Ciöna  j^  pus  a  'n  sass, 
Quii  da  Carabia  i  ga  la  rabia, 
Quii  da  Pasciall  jh  sassarej, 
Quii  da  Marchin  j^  i  püssöe  bei, 
Quii  da  Calprin  je  i  Hö  da  zücch 
E  quii  da  Funtana  je  i  püss^e  brütt. 
A  Lamon  1'^  pus  a'n  sass, 
A  sta  ben  dumä  quii  che  nass, 
Se  ga  yegn  quaidün  da  furest^e 
I  yegn  negri  cumee  giüdee. 

Agn  (Agno):  purscej  (porci),  Airöö  (Airolo):  corbatt  (corvi), 
Arbed  (Arbedo):  asan  (asini),  Rus  (Arosio):  matt  (matti),  Artar 
(Artore) :  balabiot  (poverelli),  Ascona  (Ascona) :  gatt  (gatti), 
Baierna  (Baierna):  sgüra-medai  (bigotti),  Bedan  (Bedano):  goss 
(gozzuti),  Belinzona  (ßellinzona):  ciöd  (chiodi),  Biasca  (Biasca): 
goss  (gozzuti),  Biögg  (Bioggio):  sciuri  (signori),  Bironich  (Biro- 
nico):     scimas    (cimici) ,     Bosch   da    Lügan    (Bosco   Lüganese): 


Spigolature  di  Folklore  ticinese.  2T 

ureei  (uecellt),  Brion  s.  Minus  (Brion  s.  Minusio) :  müi  (muli),. 
Cany^e  (Cademario):  asan  (asini),  Cadempin  (Cadempino).:  tavan 
(t^fani),  Camignöö  (Camiguolo):  ho66  (becchi),  Carass  (Cara88o)r 
sajötri  (locuste),  Carass  (Carasso):  busard  (bugiardi),  Caslan 
(Caslano):  goss  (gozzati),  Castagnöla  (Castagnola) :  ratt  (ratti)^ 
Castel  8.  Pedru  (Castel  S.  Pietro):  c&uri  (capre),  Cagion  (Gas- 
tione):  sciatt  (rospi),  Cavian  (Caviano):  can  (cani),  Ciass  (Chiasso): 
oebiatt  (nebbiosi),  Clar  (Claro):  äsan  (asini),  Coldr6  (Coldrerio): 
raun  (rane),  C61a  (Colla):  magnao  (calderai),  Conton  (Contone)^ 
maja  scendra  (mangia  cenere),  Cur^ja  (Cureglia):  sbefard  (beffeg- 
giatori),  Cüri  (Curie):  lüf  (lupi),  Dar  (Daro):  müi  (muli),  Dar 
(Daro):  sbroja  botax  (scottapancia),  Oentilin  (Gentilino):  balarin 
(ballerini),  66ra  (Gerra  Gambarogno):  dsan  (asini),  Giübiasch 
(Giubiasco):  goss  (gozznti),  Giübiasch  (Giubiasco):  gambalanga 
(gambalunga),  Gnosca  (Gnosca):  goss  (gozznti),  Gürdün  (Gor- 
duno):  magnan  (calderai),  Grancia  (Grancia):  i  re  magi  (re  magi)^. 
Grayesan  (Gravesano):  maghitt  (piccoli  maghi),  Ison  (Isone): 
locon  (scapigliati),  Lamon  (Lainone):  bordoii  (rape),  Lamon  (La- 
mone):  sfam^e  (afFamati),  Locarn  (Locarno):  can  (cani),  Loson. 
(Losone):  goss  (gozzati),  Lügan  (Lugano):  sbroja  botax  (scotta- 
pancia),  Lümin  (Lumino):  masar6e  (macerati),  Majas  (Magliaso) : 
badöla  (badolla),  Mann  (Manno):  farinöj  (farinelli),  Medeja  vMe- 
deglia;:  lapägg  (chiaccberoni),  Mendris  (Mendrisio):  dormioni 
(dormiglioni)^  Mezzvicb  (Mezzoyico):  ci6ra  (ciora',  Minusio  (Mi- 
nusio): asan  (asini),  Morbi  da  sott  (Morbio  Inf.):  ranatt  (piglia- 
rane),  Morbi  da  sura  (Morbio  Sup.):  goss  (gozzuti),  Morcö  (Mor-^ 
cote):  pnrscej  (porci),  Müralt  (Muralto):  sböta  piss  (syentra  pesci), 
Negg  (Neggio):  picit  (forasiepe),  Noranch  (Noranco):  rann  (rane\ 
Noyazzan  (Noyazzano):  scarpa  can  (squarta  cani),  Urfi  (Origlio): 
capin  (attaccabrighe),  Urselina  (Orselina):  bareton  (berrettoni), 
Piazzögna  (Piazzogna):  majök  (mangioni),  Punt  da  Tresa  (Ponte 
Tresa):  müj  (muli),  Punt  (Ponte  Capriasca):  fiü  da  zücch  (fiori 
di  zucche),  Püra  (Pura):  berin  (montoni),  Ravecia  (Ravecchia): 
brüsa  cayaj  (brucia  cayalli),  Riyera  (Riyera):  barleta  (bariletti), 
Robasacch  (Robasacco) :  orök  '(allocchi),  S.  Nazzaro  (8.  Nazzaro) : 
tarnega  (bietoloni),  8ara  (8ala  Capriasca):  müj  (muli),  8alorin 
(8alorino):  gatt  (gatti>,  8.  Antiinin  (8.  Antonino):  matt  (pazzi), 
Sigirin  (8igirino):  asan  (asini),  8oldün  (Solduno):  ribelli  (ribelli), 
Tores^la  (Torriceila):  cduri  (capre),  Tavern  (Taverne):  becch 
(becchi),    Yescia  (Vezia):   buascftt  (vaccari),    Vira  (Vira):   salam 


HS 


Spigolatare  di  Folklore  ticinese. 


{salami),    Yira  da  Gambarögn  (Yira  Gambarogno) :  spelfeca  piööd 
•(Bcortica  pidocchi). 

V.  Proverbi. 


1.  Chi  che  tö  föra  i  pagD  prima 

[da  San  Vitur 
I  turnerä  a  m^ti-BÜ  cun  gran 

[dulur. 

^.  März  r^  fiöö  d'una  baltröca, 
In  sur  na  muntagna  el  piöf, 

In  SU  Faltra  el  fi6ca. 
S.  L*invemu  1  ä  mai  mangiad  ul  lüf. 


1.  Chi  8i  alleggerisce  di  vesti  prima 

[di  San  Vittore 
Tomerä  a  mettersele  con  gran 
[dolore. 

2.  Marzo  e  figlio  d'una  baldracca, 
Sopra  una  montagna  cade  la 

[pioggia, 
Su  di  un  altra  la  neve  a  braccia. 


3.  L'invemo  non  fii  mai  mangiato 
[dal  lupo. 
(L'estate  invemale  non  sarü  di  lunga  durata,  verranno  le  cattive  giomate.) 


4.  A  mangiäa  sa  teta, 

A  pagaa  sa  crepa. 

ö.  Vin  e  laöö,  fa  bon  quaöe. 

•6.  Agost,  setembru  et  otobar  j'6 

[trii  mes  da  Tann 
Che  nu  s'  conoss  n^  spus  n^. 

[tusann. 


4.  Chi  per  contentar  la  gola  compra 

[a  credito 
Sudar  poi  deve  per  pagar  il  debito. 

5.  Vino  e  latte  non  furon  mai  nemici. 

6.  Agosto,  settembre  et  ottobre  son 

[tre  mesi  delPanno 
In  cui  non  sai  distinguere  le 

[ragazze  dalle  maritate. 


vPer  le  scorpacciate  che  le  ragazze  fan  d'ogni  sorta  di  frutta.) 


7.  La  dona  giuvina  e  Tom  ve6ö 
J'mpieniss  la  cii  e  '1  teöö. 

8.  San  Bartulame, 

Frec^ö  innanz  e  fegn  indrö. 

9.  Chi  che  mazza  i  püras  marziröö 
I  mazza  la  mam  e  M  fiöö. 

10.  Qiiela  Bpusa  che  piang  miga 

[quand  la  va  a  mari 
La  piangera  pö  dopu  tüöc^  i  di. 

ll.I  paroll  j'^  cum6  i  sciüres, 
Dre  vüna  gan  vegn  drt*  des. 

12.  La  caura  la  8ta  miga  bogn 
Fin  che  nu  magra  la  xogn. 


7.  Giovane  moglie  e  vecchio  marito 
T'empion  la  casa  ed  ogni  sito. 

8.  A  San  Bartolomeo  non  cresce 

[piu  il  fieno. 

9.  Chi  uccide  le  pulci  in  mai'zo 
üccide  colla  madre  anche  i  figli. 

10.  Quella  spo»a  che  non  piange  il 
[d)  di  nozze 
Piangera  poi  depo  giomo  e  notte. 

ll.Le  parole  son  come  le  ciliegie, 
Da  una  ne  vengon  dieci. 

.12.  La  capra  non  e  contenta 
Fin  che  magra  non  diventa. 


(Chi  8i  lamenta  neH'abbondanza,  s'accorgerd  poi  nella  miseria  d'essersi 
lamentato  ingiustamente.) 


Balthasar  Han's  und  Hans  Heinrich  Grob's 
yySchUtzenausreden^^ 

Von  Dr.  A.  Scheer. 

Da  J.  Baechtold  in  seiner  Geschichte  der  deutschen  Litte - 
ratur  in  der  Schweiz  S.  417/8  und  Anmkg.  132,  wo  er  von 
Orob's  Schützenaasreden  spricht,  zwar  an  Hand  von  Qrobs 
eigenem  Bekenntnisse  in  der  Vorrede  zu  seinem  Gedichte  darauf 
hinweist,  dass  es  kein  Originalwerk  darstelle,  aber  doch  noch 
keine  Mitteilungen  über  Grobes  Vorlage  gemacht  hat,  erlaube 
ich  mir  an  dieser  Stelle  auf  die  unterdessen  aufgeklärte  Frage 
zurückzukommen.  Bei  Gelegenheit  meiner  fortgesetzten  Studien 
über  Fechtbücher,  Spielleutewesen,  Schützenfestlicbkeiten  und 
Pritschmeistertum  fiel  mir  im  Sommer  1901  in  der  Bibliothek  des 
Britischen  Museums  in  London  eine  Schrift  des  Heidelberger 
Fechtmeister's  Karl  VtTassmannsdorff  in  die  Hände,  welche 
sich  mit  diesem  Gegenstande  befasst  und  den  wie  mir  scheint 
unwiderlegbaren  und  einleuchtenden  Nachweis  geleistet  hat, 
welches  andere  Werk  die  direkt  benützte  Vorlage  der  Grob'schen 
Schützenausredeu  sei.  Es  sei  mir  gestattet^  da  die  erwähnte 
Schrift  wohl  nicht  überall  zugänglich  und  jedenfalls  nicht  all- 
gemein bekannt  sein  dürfte,  hier  kurz  über  ihre  Ergebnisse  zu 
berichten. 

Balthasar  Han^s  Ausreden  der  Armbrust-  und 
Büchsenschützen.  Aus  einer  Handschrift  des  16.  Jahrhunderts, 
herausgegeben  von  Dr.  K.  Wassmaxnsdorff,  Heidelberg  (K.  Groos) 
1887.  XXXIV  u.  27  S.  8^  (N«  11528.  k.  20.  [4.]  der  British- 
Museum-Library)  giebt  nebst  einer  einleitenden  litterarhistorischen 
Untersuchung  und  textvergleichenden  Anmerkungen  das  in  einer 
Wolfenbütteler  Handschrift,  die  speziell  Beschreibungen  Augs- 
burgischer Schützenfeste  enthält,  unter  dem  Jahre  1568  einge- 
tragene, ungedruckte  Reimwerk  Balthasar  Han's  im  Abdrucke 
wieder.  Das  Gedicht,  von  Blatt  224  a  bis  235  a  der  Handsißhrift 
reichend,  umfasst  dort  548  Verszeilen;  nach  Vers  294  ist  indessen 
eine  Zeile  ausgefallen,  wie  sich  aus  dem  fehlenden  Reim  er. 
giebt,  die  sich  aber  mit  Leichtigkeit  nach  der  späteren  Bear- 
beitung dieses  Werkes  durch  H.  H.  Grob  von  Zürich  ergänzen. 


•30         Balthasar  Han's  und  Hans  Heinrich  Grob's  „Schützenausreden". 

Iä88t.  Der  yollstäDclige  Titel  des  Han^schen  Spruches  lautet: 
„AuBzred  aller  Schützen,  |  was  sie  pflegen  zu  reden,  wann 
sie  nit  vill  {  treffen,  wie  sichs  zutragen  mag.  Es  sej  mit  |  arm- 
brost,  B&chsen,  Hanndtbogen  ^)  etc.  |  Mit  allerlaj  vrsachen,  vnnd  | 
Auszrede,  ganntz  nutzbar-  {  lieh  vnd  kurtzweillig  {  zu  lesen,  Ge- 
stelt I  durch  Balthasar  {  Han.  Burger  |  zu  Franck-  |  fürt/  Dar- 
unter steht  „P.  H.  M.  R.  |  1568.**,  das  heisst  „Paul  Hector  Mair 
Ratsdiener ^  von  Augsburg,  der  die  Sammlung  der  Denkwürdig- 
keiten angelegt  und  wohl  auch  selbst  geschrieben  hat.  1568  ist 
demnach  das  Datum  der  Eintragung,  vielleicht  auch  der  Abfassungs- 
zeit des  Gedichtes.  Wassmannsdorff  weist  sodann  durch  Yer« 
^leichung  des  Han'schen  Gedichtes  mit  den  Sohützenausreden 
des  Zürichers  Hans  Heinrich  Grob  vom  Jahre  1602  („getruckt  zu 
Zürych  |  bey  Rudolff  Weissenbach  1603.**)  nach  dem  Abdrucke  der- 
selben in  der  Zeitschrift  für  deutsches  Altertum  Bd.  HI,  Jg.  1843, 
S.  239 — 266  nach,  dass  das  Grob'sche  Büchlein  nichts  anderes  als 
eine  etwas  veränderte  und  teilweise  erweiternde  Ueberarbeitung  des 
Han'schen  Werkes  ist.  Dieser  Nachweis  wird  so  sorgfaltig  geführt 
und  giebt  so  bis  ins  Kleinste  gehende  Ergebnisse  einer  Abhängigkeit 
und  Nachahmung  des  späteren  Gedichtes  gegenüber  dem  früheren, 
däss  an  einer  beabsichtigten  Bearbeitung  Han*s  durch  Grob  bei 
einer  solchen  Fülle  von  einzelnen  Uebereinstimmungen,  wie  mir 
scheint,  nicht  mehr  gezweifelt  werden  kann. 

Yon  den  bis  ins  Detail  ausgeführten  Yergleichungen  gebe 
ich  hier  nur  einige  Hauptpunkte  wieder,  die  besonders  be- 
merkenswert sind.  Schon  die  beiden  Titel  von  Grob's  Gedicht 
zeigen  eine  merkbare  Anlehnung  an  seinen  Vorgänger  Han. 
GroVs  eigentlicher  Titel  lautet  —  die  anklingenden  Worte  in  ge- 
sperrter Schrift  hervorgehoben  —  folgendermassen :  „Auszreden 
vn  fürwort  |  der  loblichen  Büchsenschützen,  Darin-  |  nen  aller- 
hand vrsachen,  vnd  zufallende  gelegenhei  |  ten,  so  im  schiessen 
fürfallen.  Auch  in  was  gestalten  {  sich  die  zutragen  mögen,  er- 
zelt  vnd  beschriben  |  werden.  Gantz  kurtzwylig,  vnd  den 
Schützen  |  sonderlich  nutzlich  zu  läsen.  |  Gestell;.  |  Zu  Ehren 
vnd  wollgefallen  der  loblichen  Geselschafft  der  Buch-  {  senschützen, 
der  vralten  Statt  vnd  Landschafft  Zürych**.  Die  zweite,  unmittel- 
bar vor  Beginn  der  Verse  stehende  Ueberschrift,  eine  Art  Titel- 

'}  Der  Zusatz  „Hanndtbogen"  ist  insofern  unrichtig,  als  der  Verfasser 
in  seinem  Gedichte  ausschliesslich  die  Ausreden  der  Armbrust-  und  Büchsen- 
8chfltzen  behandelt  hat.  — 


Balthasar  Han's  nnd  Hans  Heinrich  Grob's  „SchfitzenausredAn".         31 

Wiederholung,  hat  bei  Grob  folgenden  Wortlaut:  ^AuBzreden 
▼nd  Fürwort  der  Loblichen  |  Gesellschafft  der  Büchsenschützen, 
wenn  |  sie  nit  vil  Träffen,  wie  sich  das  |  zutragen  mag.  | 
Auff  allerhand  vrsachen,  so  im  Schiessen  fürfal- 1  len  mögen, 
gestelt.  Ganz  nutzlich  vnd  kurtz- 1  wejlig  zu  läsen,  etc. 
Gedicht  durch  ein  liebhaber  {  dess  hochberümpten  Büchsen- 
schies- I  sens,  in  Zürych."  Wenn  ferner  Han's  Werk  mit  dem 
Verse  „Eins  mals  Ich  mich  auffmachen  thett^  beginnt  und  Grobes 
Gedicht  anfangt:  „Ich  thet  mich  auff  ein  zejt  auffmachen,  | 
zu  bschauwen  allerhand  weit  vrsachen  {.../,  und  es  in  dieser  Art 
Abhängigkeit  fast  Zeile  für  Zeile  weitergeht,  so  wird  man  sich 
mit  Wassmannsdorff  bald  überzeugt  haben,  wie  stark  Grob  die 
Han'sche  Vorlage  benützt  hat.  Eine  weitere  Uebereinstimmung 
findet  sich  in  der  Einleitung  der  beiden  Gedichte,  indem  Han 
sich  als  Besucher  des  von  Herzog  Christoph  von  Württemberg 
1560  in  Stuttgart  abgehaltenen  Schiessens  hinstellt  und  Vers  13/4 
dazu  bemerkt:  „Wiewol  Ich  doch  kain  Schütz  nit  bin,  |  Noch 
hab  Ich  dennocht  ein  lust  dahin*^;  während  Grob  sich  als  „ein 
liebhaber  dess  hochberümpten  Büchsenschiessens  in  Zürych^, 
womit  das  Züricher  Freischiessen  vom  Jahre  1504  gemeint  ist, 
ausgiebt  und  damit  seine  Schilderung  um  100  Jahre  zurück- 
•  datiert.  Grob  führt  im  Ganzen  142  Ausreden  an,  aber  nur 
solche  Yon  Büchsenschützen,  da  er  (Blatt  5a)  selbst  eingesteht: 
„Auff*s  armbrost  ich  mich  nit  verstund^.  Da  er  bei  Han  auch 
Ausreden  der  Armbrustschützen  vorfand,  gestaltete  er  diese 
Stellen  so  um,  dass  sie  für  die  Büchsenschützen  gelten  können. 
Ausserdem  finden  sich  auch  Han^s  Angaben  über  die  Geschichte 
des  Schützenwesens  in  Grobes  Gedicht  wiedergegeben,  doch 
können  diese  auch  noch  aus  anderen  Vorlagen  übernommen 
worden  sein,  da  sie  z.  B.  nachweislich  in  den  von  Wolff  Most 
über  das  Amberger  Schiessen  vom  Jahre  1596  verfassten  Reim- 
spruch teilweise  übergegangen  sind  und  wohl  auch  schon  in 
früheren,  vor  1560  entstandenen  Sprüchen  dieser  Art  in  gleicher 
oder  ähnUcher  Fassung  erscheinen.  Der  einzige,  wirklich  origi- 
nale Teil  in  dem  Grob*schen  Werke  sind  daher  nur  die  kurzen 
Schlussstellen,  im  Ganzen  30  Verse,  worin  er  seine  Ermahn- 
ungen zunächst  an  „die  schützen  der  Eidgnoschafft*^  und  so- 
dann an  seine  engeren  Landsleute  —  „Ir  Zürychschützen  thund 
euch  fleissen"  |  .  .  .  .  —  richtet,  sie  möchten  sich  der  edlen 
Schiesskunst  „dem  vatterland  zu  gut^   recht  wacker  annehmen. 


32         Balthasar  Han's  und  Hans  Heinrich  Grob's  „Schützenausreden **. 

üebrigens  muss  doch  noch  hervorgehoben  werden,  dass  Grob 
selbst  seine  Scbützenausreden  nicht  etwa  als  ein  Originaiwerk 
auszugeben  yersucht,  sondern  in  der  am  26.  Dezember  1602  an 
den  Zürcher  Zengherrn  Junker  Escher  gerichteten  Widmung  seinea 
Büchleins,  freilich  ohne  Nennung  bestimmter  Namen,  was  aber 
zu  jener  Zeit  nicht  Wunder  nehmen  darf,  ganz  offen  die  Be- 
nützung Ton  verschiedenen  Vorbildern  zugesteht.  Es  heisst  dort 
über  die  Entstehung  seiner  Schrift:  „Nach  dem  ich  disz  gedieht, 
vor  etwas  zeyts,  ausz  etliche  alten  vnd  neüwen,  getruckten 
ynnd  geschriebnen  brieffen,  vnd  zädlen,  zusamen  ge- 
tragen gemehret  vnnd  gebesret,  vnnd  auff  das  schieszen^ 

weiiches  Anno  Domini   1504  ( )  alhie  zu  Zürich  gehalten, 

gestelt  hab^, ;  und  es  ist  eine  immerhin  merkwürdige  und 

auffallige  Uebereinstimmung,  wenn  von  Hau  sein  Reimspruch 
mit  dem  gleichen  Ausdrucke  „Brief*  (vgl.  Hau,  Vers  523/4: 
„wellicher  dann  kain  vrsach  find,  |  Der  gugk  in  disen  ,briefr 
geschwindt,  |  .  .  .  .**)  bezeichnet  wird,  den  Grob  für  seine  Vor- 
lagen verwendet  hat,  während  er  zwar  an  derselben,  Han  nach- 
gebildeten Stelle  sagt:  „Vnd  welcher  schütz  ein  (lies:  kein) 
mangel  findt,  |  der  schaw  in  disz  gedieht  geschwind:  |.^ 

Es  ist  hier  der  Ort,  diejenigen  Werke  über  den  gleichen 
Gegenstand,  welche  Grob  vor  Abfassung  seines  Gedichtes  wohl 
teilweise  kennen  gelernt  hat,  namhaft  zu  machen,  soweit  uns 
solche  bekannt  geworden  sind.  Es  handelt  sich  um  gedruckte 
oder  nur  handschriftlich  aufgezeichnete,  um  solche,  die  zeitlich 
vor  oder  nach  Han's  Gedicht  entstanden  sind.  Von  diesen  Reim- 
sprüchen anderer  Verfasser  über  Schiesswesen  und  Schützenfeste 
kommen  natürlich  in  erster  Linie  diejenigen  von  Grob's  Lands- 
leuten hier  in  Betracht  und  erst  an  ^weiter  Stelle  auch  die 
Werke  der  ausländischen  Festdichter.  Zu  den  ersteren  gehören 
die  Beschreibung  des  Herrenschiessens  zu  Stuttgart  durch 
Heinrich  Gering  aus  Zürich  von  1560  (Stadtbibl.  Zürich, 
Simler'sche  Sanimlung  No.  98),  sowie  die  verschiedenen  Be- 
schreibungen des  Pritschenmeisters  Heinrich  Wirri  von  Aarau 
von  den  Schiessen  zu  Lauingen,  Schwaz  und  Passäu  aus  dem 
Jahre  1555,  dem  kaiserlichen  Schiessen  bei  Wien  vom  Jahre 
1568.  Zu  der  stattlichen  Zahl  der  Werke  ausländischer  Fest- 
dichter gehören  einmal  die  neun  Reimsprüche,  welche  der 
Pritschenmeister  Lienhart  Flexel  von  Augsburg^),  später  unter 

2)  Vgl.  Uhlaxi»,  Schriften  z.  Gösch,  d.  Dichtung  u.  Sage  V,  299.  — 


Balthasar  Hairs  und  Hans  Heinrich  Grob's  „Schützenausreden**.         33 

Beihilfe  seines  Sohnes  Valentin  von  den  Schiessen  zn  Heidel- 
berg (1554),  Passau  (1555),  Ulm  (1556),  Rottweil  (1558),  Stutt- 
gart (1560),  Wien  (1563),  Innsbruck  (1569),  Worms  (1575)  und 
München  (1577)  verfasst  hat.  Dazu  kommen  weiter  Balthasar 
John 's  Beschreibung  des  Schiessens  zu  Dresden  von  1582  (ge- 
druckt 1583),  des  Büchsenschifters  ^)  und  Kupferstechers  Peter 
Opel  Prosa-Schilderung  des  Schiessens  yon  Begensburg  vom 
Jahre  1586  (geschrieben  1587),  und  des  Pritschenmeisters  Caspar 
Lerff  poetische  Darstellung  des  gleichen  Schiessens  (gedruckt 
1587),  sowie  des  aus  Salzburg  gebürtigen  Pritschenmeisters 
Wolff  Most  Beimwerk  über  das  Schiessen  von  Amberg  vom 
Jahre  1596  (gedruckt  1596),  das  eine  äusserst  starke  Abhängig- 
keit von  der  Beimerei  seines  Fachgenossen  LerfF  aufweist,  end- 
lich M.  Stephanus  Schirmeister's  gereimte  Abhandlung  über 
das  Armbrnstschiessen  unter  dem  Titel  „Der  Armbrustschützen 
Praktika^,  gedruckt  1600  in  Eilenburg,  eiu  recht  interessantes 
Büchlein ,  das  WassmannsdorfF  neu  herauszugeben  gedachte^ 
wozu  er  leider  nicht  mehr  gekommen  ist.  Das  sind  die  jener 
Zeit  vor  der  Abfassung  der  Orob'schen  Schützenausreden  an- 
gehörigen,  mir  bekannt  gewordenen  Schrift-  oder  Druckwerke, 
von  welchen  Grob  selbst  natürlich  kaum  alle,  wohl  aber  yiel- 
leicht  einen  Teil  gekannt  haben  dürfte.^) 

Wie  weit  sich  diese  Kenntnis  Grobes  aber  erstreckte,  kann 
für  unsere  Betrachtung  insofern  ziemlich  gleichgültig  sein,  als 
wir  bereits  gesehen  huben,  dass  er  jedenfalls  weitaus  am  stärk- 
sten Yon  Han's  „Ausreden  aller  Schützen "^  von  1560  (?)  beein- 
flusst  war,  und  dass  sein  ganzes  Werk  eine  in  fast  sklavisch  zu 
nennender  Abhängigkeit  davon  vollzogene  Bearbeitung  oder  besser 
eine  nur  wenig  und  recht  dürftig  erweiterte  Nachahmung  seiner 
Vorlage  war. 

Damit  wäre  nun  allerdings  meine  Hauptabsicht,  nämlich 
den  Hinweis  auf  die  „restitutio  in  integrum^  des  Prioritäts- 
rechtes Han's,  als  des  fast  noch  unbekannten  Yorgänger's  von 

')  d.  i.  ein  Verfertiger  von  oft  mit  kunstreicher  Arbeit  eingelegten 
Bachsenschäften.  —  *)  Seither  habe  ich  bei  Gödeke,  Grundriss  2.  Aufl.  II, 
S.  325  ff.,  femer  bei  Bjesecke,  J.  Fischarts  glllckhaftes  Schiff,  Halle'sche  Neu- 
drucke No.  182,  S.  XIV— XXV,  ausserdem  in  Germania  Bd.  VIII,  462  ff., 
Archiv  für  Litteraturgeschichte  V,  137  ff.,  endlich  im  Jalirbuch  für  Münchener 
Geschichte  I,  324  u.  423  weitere  Zeugnisse  zur  Geschichte  des  PritÄchmeister- 
weseos  gefunden,  deren  Verwertung  ich  mir  für  eine  spätere  Arbeit  vor- 
behalten möchte.  — 

3 


34         Balthasar  Han^s  und  Hans  Heinrich  Grobes  „Schatzenausreden''. 

Orob,  zu  geben,  erreicht;  dooh  mag  es  mir  noch  gestattet  sein, 
bei  dieser  Gelegenheit ,  ebenfaHs  an  Hand  der  Wassmanns- 
dorff 'sehen  Schrift,  auf  einige  andere  interessante  Punkte  hin- 
zuweisen, die  mit  dem  vorhergehenden  Gegenstand  in  engster 
Berührung  stehen.  Wohl  eines  der  ältesten  Zeugnisse  von 
Schützenausreden  in  der  deutschen  Litteratur  findet  sich  in 
Sebastian  Brant's  1494  zum  ersten  Mal  gedruckten  ,,Narren- 
schiff*,  wo  der  Dichter  über  die  „[Ab-]wehrworte*  schlechter 
oder  wie  er  sie  nennt  ^  böser '^  Schützen  spottet.  Dort  findet  sich 
(vgl.  Zarncke's  Ausgabe,  Leipzig  1854,  S.  73)  im  75.  Haupt- 
stück,  „von  bösen  schützen^  überschrieben,  die  Stelle: 

^Keyn  schütz  so  wol  sich  yemer  rüst 
Er  fynd  allzyt,  das  jm  gebrüst*) 
Dann  diss,  dann  jhens,  do  mit  er  hett 
Eyn  wörwort*),  das  syn  glympflF')  errett 
Wann  er  nit  hett  gefälet  dran 
So  hett  er  fiy  die  gob  behan."^) 

Unmittelbar  vorher  ist  von  einigen  der  Mängel,  die  als  Ausreden  von 
den  Schützen  verwendet  zu  werden  pflegen,  gesprochen  worden. 
Han's  Ausreden  scheinen  auch  bei  anderen  Dichtern  seiner  Zeit 
Spuren  zurückgelassen  zu  haben.  So  ist  vielleicht  jene  Stelle  bei 
Johann  Fischart  in  seinem  „Gargantua^  (erste  Ausgabe  von 
1575),  wo  der  Held  der  Geschichte  von  seinem  Hofmeister  in 
der  Schiesskunst  unterrichtet  wird  und  von  verschiedenen  Män- 
geln, die  sich  in  dieser  ereignen  können,  die  Rede  ist,  auf  direk- 
ten oder  indirekten  Einfluss  von  Han  zurückzuführen.  Es  heisst 
dort  Kapitel  27  z.  B.  „.  .  .  .  Solche  mängel  verwirten  zuzeiten 
vnsern  jungen  Schützen,  die  klagt  er  seim  Hoimaister:  der  sagt 

jm  hinwider  solcher  faulen  ausreden  müsig  zustahn ^, 

oder  im  gleichen  Kapitel  die  andere  Stelle:  „da  waren  kain 
Päler,    eitel    Treffer,    es  wer    im    rechten    Berg    oder  [im] 

versüchrein ^,  wozu  die  entsprechenden  Zeilen  bei  Han 

(Yers  62 — 66):  «der  thet  all  sein  schüss  wol  treffen  |  Im 
versuech  reyen,  wie  er  was  gestelt;  \  Im  Rechten  waz  er  gar 
gefeit:  I  Der  versuech  reyen  hat  mich  betrogen,  |  Oder  hat 
der  Rechte  Bergk  gelogen  |^  doch  auffallend  gut  stimmen. 
Dass  der  Nürnberger  Pritschenmeister  Wol  ff  Most  in  seiner 
1596  von  dem  Amberger  Schiessen  verfassten  Beschreibung  bei 


*)  mangelt,  gebricht.   —    *)  Abwehrwort,  Ausrede.    ~    ')  guter  Ruf, 
Ehre.  —  ^)  die  Gabe,  den  Preis  erhalten.  -— 


BalthABar  Han's  nnd  Hans  HeiDrich  Grobes  ^ Schützenausreden*'.         35 

«einer  DarBtellnng  der  Oeschichte  des  SchützenweseiiB  an  die 
bei  Han  darüber  vorgefundenen  Angaben,  aber  viel  freier  als 
Orob  es  that  nnd  nur  teilweise,  sich  angeschlossen  hat,  wie 
Wassmannsdorff  durch  Yergleichung  der  betreffenden  Stellen 
nachwies,  habe  ich  bereits  kurz  erwähnt. 

Es  bleibt  somit  nur  noch  übrig,  das  Wenige,  was  uns  von 
der  Persönlichkeit  Balthasar  Han*s  bekannt  ist,  hier  noch 
beizufügen,  obschon  es  leider  sehr  unsichere  Angaben  sind.  In 
Flexel's  Reimspruch  über  das  Stuttgarter  Schiessen  von  1560 
steht  unter  den  Namen  der  Schützen  aus  „Franckhfortt*^  auch  ein 
„Balthasar  flann*^,  nnd  ebenso  wird  von  Flexel  in  seiner  Be- 
schreibung des  Wormser  Schiessens  vom  Jahre  1575  sogar  zwei- 
mal* ein  „Balthasser  Han  von  Frannckhfurt*  unter  der  Zahl  der 
Schützen  genannt,  so  dass  trotz  der  Versicherung  unseres  Dichters, 
er  sei  selbst  kein  Schütze  gewesen,  die  Vermutung  recht  nahe 
liegt,  dass  wir  es  hier  doch  mit  dem  Verfasser  der  Schützen- 
4iQsreden  zu  thun  haben,  um  so  mehr  da  die  Angaben  auch 
jBeitlich  sehr  wohl  zu  einer  solchen  Annahme  stimmen  würden. 
Möglich  ist  immerhin,  dass  der  hier  erwähnte,  als  Schütze  sich 
beteiligende  Besucher  der  beiden  Schiessen  nur  ein  Verwandter 
unseres  Dichters  wäre,  der  diesem  dann  wohl  allerlei  Mitteilungen 
über  das  Schiesswesen  nach  seinen  eigenen  Erfahrungen  darin 
beigesteuert  haben  würde.  Jedenfalls  ist  zu  beachten,  dass  sich 
unser  Balthasar  Han  selbst  auch  als  „Burger  zu  Franckfurf*  in 
der  Ueberschrift  seines  Reimbriefes  bezeichnet  hat.  Dagegen 
mochte  ich  die  Stelle  seines  Oedichtes  (Vers:  521/2): 

„vnd  lob  die  gut  geselschafft  baid,^) 
Inn  Irem  diennst  bin  Ich  bereit." 

im  Gegensatz  zu  Wassmannsdorff,  eben  weil  die  Pritschmeister 
in  ihren  Reimsprüchen  sich  öfters  als  „der  Schützen  Diener'' 
bezeichnen  und  weil  sich  dadurch  vielleicht  erklären  lässt,  warum 
Han  behauptet,  er  habe  nicht  zu  den  Schützen  gehört  ~  als 
Pritschmeister  brauchte  er  nicht  selbst  auch  ein  Schütze  zu  sein 
—  eher  dahin  gedeutet  wissen,  dass  Hau  selbst  ein  Pritschen- 
meister gewesen  ist  und  seineu  Beruf  gerade  mit  dieser  Wendung 
angeben  wollte,  die  man  so  oft  in  gleicher  oder  ähnlicher  Form 

»j  Bei  Grob  lautet  die  Stelle:  ^Und  lob  die  j?utten  gsellschafft 
beid,  I  io  jhrem  dienst  bin  ich  bereidt.  |**,  was  eigentlich  für  ihn  sinnlos  {«t, 
da  UDter  den  beiden  Gesellschaften  die  Armbrust-  und  die  BUehsen- 
schützen  zu  verstehen  sind,  Grob  aber  im  Gegensätze  zu  Ilan  in  seinem 
Werke  nur  die  Büchsenschützen  berücksichtigt  hat. 


36        Die  hölzernen  Milchrechnungen  des  Tavetschthals  (GraubQnden). 

in  den  GedichtBchlüssen  der  übrigen  Pritschmeister  Yorfindet. 
Bei  dem  Nachdichter  Grob  darf  man  natürlich  den  gleichen 
SchluBs  auf  sein  Handwerk  ans  dem  Wiederkehren  dieser  Stelle 
in  seinen  Schützenausreden  nicht  ziehen,  da  es  bei  ihm  reine 
Nachahmung  seiner  Yoriage  und  nichts  weiteres  bedeutet.  Be- 
merkenswert scheint  mir  noch  zu  sein,  dass  Grob  wohl  im  An- 
BchluBS  an  diese  Stelle  bei  Han  in  den  beiden  Ueberschriften 
seines  Gedichtes  yon  einer  «loblichen  Gesellschaft  der 
Büchsenschützen  ^  redet,  ein  neuer  Beweis,  wie  stark  seine  Ab- 
hängigkeit Yon  der  gegebenen  Vorlage  gewesen  ist. 

Mit  diesen  Betrachtungen,  die  nur  die  Pflicht  erfüllen 
sollten,  getreulich  jedem  das  Seinige  zu  teil  werden  zu  lassen, 
nehmen  wir  für  heute  von  dem  behandelten  Gegenstande  ^Ab- 
schied, nicht  ohne  darauf  hinzuweisen,  dass  wir  uos  auch  in 
Zukunft  mit  den  interessanten  Erscheinungen  des  Pritschen- 
meistertums  und  seiner  Vertreter  noch  weiter  zu  beschäftigen 
gedenken,  und  dass  uos  desshalb  jede  Anreguog  und  jeder  Bei- 
trag von  anderer  Seite  sehr  willkommen  ist  und  mit  bestem 
Danke  entgegengenommen  werden  wird. 


Die  hölzernen  Miichrechnungen  des  Tavetschthais 
(Graubiinden). 

Von  Dr.  J.  Focke,  Syndikus  in  Bremen. 

Das  von  romanisch  redender  Bevölkerung  bewohnte  Tayetsch- 
thal  mit  seinem  Hauptorte  Sedrun,  die  nach  allen  Seiten  yon 
hohen  Bergen  umschlossene,  oberste  Stufe  des  Vorderrheinthals^ 
hat  sich  bei  der  Bewirtschaftung  seiner  Alpen  in  den  hölzernen 
Milchabrechnungen  mit  den  Hausmarken  der  Viehbesitzer,  in  den 
„stialas  dil  latg"",  bis  zum  Jahre  1901  eine  Antiquität  bewahrt 
gehabt,  die  wegen  ihres  kulturgeschichtlichen  Interesses  mit  einigen 
Worten  in  der  Erinnerung  festzuhalten  sich  yerlohnen  dürfte.*) 

Das  Milchvieh  der  Gemeinde  Tavetsch  wird  auf  mehrere 
Jahre  hinaus  durch  vorherige  Bestimmung  auf  die  verschiedenen 
Alpen   so  verteilt,    dass   die  Kühe   des   einzelnen  Besitzers    auf 

»)  Weitere   Litteratur   über    „Tesseln"    s.    in   diesem    Archiv  III,    60 

(Nr.  V,  ö);  V,  74  (Nr.  V,  !•);  VI,  70  (Nr.  II,  6). 


Die  hölzeraeD  Mitehrechnungen  des  Tavetschthals  (Graubünden).        37 

«iner  Alp  yereinigt  sind.  Die  Alpen  werden  nicht,  wie  es  sonst 
überall  eingeführt  zu  sein  scheint,  Yon  berufsmässigen,  bezahlten 
Sennen,  sondern  noch  von  den  Bauern  selbst  bewirtschaftet. 
Die  ca.  300  Kühe  des  Tavetschthals  yerteilen  sich  auf  die  drei 
Alpweiden  Cayorgia,  Tgietlems  und  Tiarms.  Die  Alpen  Tgietlems 
und  Tiarms  haben  je  drei  Hütten,  Cavorgia  besitzt  nur  eine  Hütte. 
Auf  den  Alpen  Tgietlems  und  Tiarms  weiden  je  etwa  1 20  Kühe. 
Nach  einer  durch  das  Los  festgestellten  Reihenfolge  be- 
ziehen nun  die  an  der  betreffenden  Alp  mit  ihrem  Milchvieh 
beteiligten  Bauern  für  einen  oder  mehrere  Tage  die  Alp  und 
gewinnen  während  der  Zeit  ihres  Aufenthalts  für  sich  den  ge- 
samten Milchertrag  aller  Kühe  einer  Hütte.  Die  Länge  der 
Bewirtschaftungszeit  des  Einzelnen  richtet  sich  nach  der  Zahl 
seiner  Kühe  und  schwankt  gewöhnlich  zwischen  zwei  Tagen 
und  einer  Woche.  Nach  Ablauf  einer  Wirtschaftszeit  führt 
jeder  Bauer  die  gewonnene  Milch  in  Form  von  Butter  und 
Käse  zu  Thal  und  wird  sofort  von  seinem  Nachfolger  bei  der 
Bewirtschaftung  abgelöst. 

Ueber  den  Milchertrag  während  der  Wirtschaftszeit  jedes 
Bauern  wird  eine  Rechnung  aufgestellt,  aber  nicht  mit  Tinte 
oder  Bleistift,  mit  Namen  und  Zahlen  auf  Papier,  sondern  mit- 
telst Gewichtszeichen  und  Hausmarken  auf  vieleckigen,  rotge- 
farbten^  kurzen  Holzstäbchen.  Das  Aufstellen  der  Rechnungen, 
d.  h.  das  Schneiden  der  Stäbe,  erfolgt  durch  die  Hirtenjungen. 
Als  Material  dient  das  Holz  der  Erle,  die  sich  an  den  Bach- 
läufen entlang,  bis  nahe  zu  den  Alpweiden  hinauf,  in  Büschen 
vielfach  vorfindet.  Die  meist  2 — 4  cm.  im  Durchmesser  dicken 
und  7 — 15  cm.  langen  Stäbe  werden  je  nach  der  Zahl  der  be- 
teiligten Yiehbesitzer  mit  der  entsprechenden  Zahl  von  Flächen 
(5^  7,  8,  10;  gewöhnlich  findet  man  8  Flächen)  versehen  und 
dann  mittelst  feingeriebener  und  angefeuchteter  roter  Kreide  ge- 
färbt. Rote  Kreide  wird  auch  zu  andern  Zwecken,  besonders 
zum  Märken  des  Viehs,  auf  den  Alpen  ständig  gebraucht. 

Entfallen  auf  eine  Alphütte  beispielsweise  40  Kühe,  die 
flieh  auf  die  Eigentümer  so  verteilen,  dass  besitzen: 

7  Besitzer  je  eine  Kuh =     7 

4         „         «    drei  Kühe =   12 

2         „         ^    sechs     ,.     =   12 

1         „         „    neun      =     9  und  daher 

14  Besitzer    mit    dem   Ertrage   von    40  Kühen  auf  einem 


r* 


33        Die  hölzernen  Milchrechnungen  des  Tavetschthals  (Graubfinden). 

Stäbchen  dazustellen  sind,  so  bedarf  es  dazu  eines  Tfläcfaigea 
Stabes.  In  der  Mitte  des  Stabes  werden  nämlich  in  dem  ange- 
nommenen Falle  rings  um  den  Stab  in  zwei  Reihen  Ton  je  7 
Stück  die  14  yerschiedenen  Haasmarken  der  Besitzer  einge- 
f  schnitzt,  so  dass  für  jeden  die  Hälfte  einer  Stabfläohe  zum  Ver- 

merken des  Milchertrags  Terfagbar  ist.  Darauf  wird  neben  jeder 
Marke  nach  dem  Stäbchenende  hin  das  Milchgewicht  durch 
eingeschnittene  Striche  eingetragen,  und  zwar  erfolgt  die  Gc- 
wichtsberechnung  nicht  nach  dem  schon  bald  nach  1848  in  der 
Schweiz  eingeführten  metrischen  Gewichtssystem,  nach  Kilo  oder 
Pfund,  sondern  nach  dem  alten  Gewicht  der  crena^)  (Plural 
crenas)  =  ^4  Pfund. 

Ein  die  einzelne  Stabfläche  quer  überschneidender  Schnitt, 
durch  den  ein  Holzsireifchen  aus  dem  Grunde  herausgeschnitten 
wird,  so  dass  ein  heller  Strich  auf  dem  dunkleren  roten  Grunde 
entsteht,  bedeutet  10  crenas.  Ein  ebenso  langer,  blosser  Ein- 
schnitt, durch  den  kein  Holz  entfernt  wird,  bedeutet  5  crenas. 
Nach  den  Enden  zu,  und  zwar  nahe  den  Kanten  der  einzelnen 
Flächen,  sind  durch  kurze  Doppelschnitte  (durch  die  je*  ein  Holz* 
teilchen  herausgeschnitten  wird)  die  Einer  angegeben,  während 
ein  kleiner  Einschnitt  (der  kein  Holzpartikelchen  entfernt)  V<  crena 
bedeutet.  Auf  dem  einen  Querschnitt  des  Stäbchens  wird  oft 
noch  das  Zeichen  eingeschnitzt,  über  dessen  Wirtschaftszeit  der 
Stab  die  Rechnung  enthält.  Auf  dem  andern  Querschnitt  hat 
in  den  letzten  Jahren  auch  oft  der  Hirtenjunge  seine  Buchstaben 
(Marke)  eingetragen. 

Soll  der  Stab  über  die  Milch  der  Kühe  von  10  Eigentümern 
Auskunft  geben,  so  muss  er  fünf  Flächen,  soll  er  die  Milch- 
rechnung Yon  20  Eigentümern  angeben,  so  muss  er  zehn  Flächen 
haben.  Kommen  noch  mehr  Eigentümer  in  Frage,  so  werden 
zwei  oder  mehr  Stäbchen  geschnitzt  werden  müssen.  Bei  unge- 
rader Zahl  der  Eigentümer  wird  eine  halbe  Fläche  unbenutzt 
bleiben.  Ein  Milchhölzchen  der  gewönlichen  Art  ist  unter 
No.  1  der  beigefügten  Tafel  abgebildet. 

Die  Kuhbesitzer  und  Hirtenjungen,  welche  die  hölzernen 
Rechnungen  aufstellen,  sind  begreiflicherweise  besonders  gute 
Kenner  der  Hausmarken. 


2)  Heis8t  urspr.  „Kerbo";  vgl.  it.  portug.  crena,  franz.  cran,  crineauy. 
criner. 


Die  hölzeroen  MilchrechnuDgen  des  Tavetscbthals  (Graubfinden).        39 

Die  Haasmarke  yererbt  im  Tayetschthal  vom  Yater  auf  den 
jüngsten  Sohn,  was  yielleicht,  wenngleich  jetzt  dort  keinerlei 
Anerben-  oder  Höferecht  besteht,  vielmehr  gleiche  Teilung  des 
elterlichen  Nachlasses  unter  allen  Kindern  stattfindet,  auf  eine 
früher  bei  'Uebernahme  des  Bauernhofes  in  Qeltung  gewesene 
Bevorzugung  des  jüngsten  Sohnes  (Minorat)  hindeutet.  Die 
älteren  Sohne  wählen  sich  eine  beliebige  Marke,  die  jetzt  mei- 
stens einfach  aus  den  Anfangsbuchstaben  des  Ruf-  und  Familien- 
namens besteht,  womit  dann  das  Zeichen  den  Charakter  der 
Hausmarke  verloren  hat.  Da  stets  alte  Marken  in  Wegfall 
kommen  und  neue  Marken  hinzutreten,  so  ist  es  schwer,  einen 
zuverlässigen  Kenoer  aller  Marken  zu  findeo.  Vor  ein  paar 
Jduren  ist  daher  ein  Buch  mit  allen  Hausmarkeo,  das  beim  Qe- 
meindepräsidenten  des  von  etwa  900  Seelen  bewohnten  Tavetschr 
thals  hinterlegt  ist,  angefertigt. 

Ihre  bedeutsamste  Anwendung  finden  die  Hausmarken  in 
der  geschilderten  Weise  bei  der  Alp.wirtschaft.  Trifft  mao  auf 
alte  Thüren  in  den  Alphütteo,  so  findet  man,  dass  dieselben  mit 
eingeschnittenen  Marken  übersät  sind.  Man  sieht  aber  die 
Marken  auch  sonst  noch  vielfach.  Manche  Bauern  haben  ihr 
Orossvieh  mit  der  Hausmarke  auf  den  Hinterschenkeln  ge- 
zeichnet; das  Kleinvieh  wird  sonst  allgemein  mit  einfacheren 
Zeichen:  Einschnitt  an  den  Ohren  gemarkt,  ähnlich  wie  man 
bei  uns  an  den  Schwimmhäuten  die  Eoten  im  Blocklande  uod 
früher  die  Gänse  in  Borgfeld  zeichnete. 

Sehr  oft  sieht  man  gefällte  Holzstämme  uod  Bretter  im 
Wald  und  in  den  Dörfern  mit  Hausmarken  ia  roter  Kreide  ver- 
sehen. Ich  habe  die  Marken  ferner  an  hölzernen  Eimern,  an 
Heugabeln,  Harken,  Schaufeln,  Schabeisen,  an  Handtüchern,  ein- 
mal auch  an  einer  Futterschneidemaschine  gesehen.  Dagegen 
habe  ich  sie  oft  vergeblich  gesucht  an  den  Stielen  der  Sensen. 
Auch  die  grossen  leinenen  Laken,  in  denen  das  Heu  Von  den 
Wiesen  getragen  oder  gefahren  wird,  sind  fast  immer  markiert. 
An  Häusern  oder  Ställen  sind  die  Hausmarken  selten;  wenn 
sie  sich  dort  vorfinden,  so  stehen  sie  nicht  an  auffallender  oder 
bedeutsamer  Stelle,  sondern  sind  offenbar  mehr  zufallig  ange- 
bracht. 

Wenn  jeder  Kuhbesitzer  auf  seiner  Alphütte  einmal  ge- 
wirtschaftet hat,  die  erste  durchs  Los  ermittelte  Reihenfolge 
also  erledigst  ist,  erfolgt  für  die  an  der  Hütte  Beteiligten  eine 


40        Die  hölzerneD  lülchrechnungeD  des  Tavetschthals  (GraubQnden). 

gemeinschaftliche  Rechnungsablage.  Da  sieben  Hütten  auf  den 
Milchviehalpen  yorhanden  sind,  so  ergeben  sich  also  für  das 
ganze  Thal  sieben  yerschiedene  Abrechnungsgruppen.  Sonntags 
nach  dem  Gottesdienst  in  der  Hauptkirche  des  Thals  zu  Sedrun 
treten  die  an  jeder  Hütte  beteiligten  Bauern  auf  der  Strasse 
zusammen;  jeder  zieht  seine  hölzernen  Milchrechnun^en  aus  der 
Tasche  un4  nun  wird  miteinander  abgerechnet.  Wer  noch  am 
meisten  Milch  nach  Yerhältnis  seiner  Kühe  zu  gute  hat,  kommt 
nun  bei  der  zweiten  Reihenfolge  zuerst  zur  Bewirtschaftung  auf 
die  Alp;  wer  bei  der  ersten  Reihenfolge  am  besten  gefahren  ist, 
kommt  zuletzt  an  die  Reihe.  Je  nach  Bedarf  wird  die  Zeit  der 
Bewirtschaftung  verlängert  oder  verkürzt.  Die  Milcherträge  sind 
natürlich  je  nach  der  Witterung  sehr  verschieden  und  lassen 
sich  nicht  im  voraus  genau  bestimmen;  der  Bauer,  der  während 
seiner  sechstägigen  Bewirtschaftung  schlechtes  Wetter  und  Schnee- 
fall gehabt  hat,  erzielt  vielleicht  kaum  mehr,  als  ein  anderer, 
der  während  drei  Tage  bei  gutem  Wetter  wirtschaftete.  Nach 
Erledigung  der  zweiten  Reihenfolge  wird  dann  in  gleicher  Weise 
die  dritte  fortgesetzt.  Schliesslich  übrig  bleibende  Ungleichheiten 
werden  in  Oeld,  nach  einem  zu  Anfang  des  Sommers  festge- 
setzten Einheitspreise  für  die  Milch,  ausgeglichen.  Wenn  die 
hölzernen  Milchrechnungen  erledigt  sind,  so  werden  sie  quittiert, 
indem  jeder  von  seinem  Stäbchen  die  Gewichtsangaben  rund  um 
das  Stäbchen  wegschneidet,  so  dass  nur  die  Hausmarken  stehen 
bleiben.  Er  wirft  dann  das  quittierte  Hölzchen  fort,  welches 
nun  zum  Kinderspielzeng  wird.  Die  No.  2  der  Tafel  zeigt  ein 
quittiertes  Hölzchen. 

Um  Martini,  wenn  das  Vieh  die  Alpen  längst  wieder  ge- 
räumt hat,  wird  über  jede  Alp, .  über  die  Verpflegung  und  Be- 
zahlung der  Hirtenjungen,  über  etwaige  sonstige  Aufwendung, 
Reparaturen  u.  s.  w.  und  insbesondere  auch  über  die  Milcherträge 
eine  Generalabrechnung  gehalten. 

Im  Jahre  1901  wurde,  mit  Ausnahme  einer  Alp,  die  Milch- 
abrechnung auf  Papier  eingeführt.  Im  Jahre  1902  haben  die 
Holzstäbchen  auch  auf  der  letzten  Alp  dem  Papier  weichen 
müssen.  Charakteristisch  ist  aber,  dass  auf  den  Papierrechnungen 
anfangs  die  Namen  der  Kuhbesitzer  nicht  mit  Buchstaben,  son- 
dern nur  mit  den  Hausmarken  bezeichnet  sind,  bchon  im  Jahre 
1902  hat  man  aber  die  Hausmarken  in  den  Rechnungen  durch 
die  ausgeschriebenen    Namen  ersetzt.     Mehr  als   ein  Landmann 


Die  hölzernen  Milchrechnungen  des  Tavetschthals  (Graubiinden).        41 


No.  1. 


No.  2. 


No.  3. 


42  Miszellen.  —  Melange». 

hat  mir  indessen  seine  Ansicht  dahin  geäussert,  dass  doch  di& 
Abrechnung  mit  den  Stialas  dil  latg  viel  einfacher  sei,  als  die- 
jenige auf  Papier. 

Früher  wurden  die  Milchhötechen  aa  den  Enden  noch  mit 
Verzierungen,  Köpfchen  oder  Türmchen,  yersehen.  Mir  ist  in- 
dessen  nur  iein  einziges  älteres  Stück  dieser  Art  zu  Qesicht  ge- 
kommen. Ich  habe  mir  von  einem  Manne,  der  früher  als  Hirten- 
junge so  yerzierte  Stäbchen  (stiala  cun  tur  =  mit  Turm) 
yerfertigt  hat,  ein  solches  Stück  nachschnitzen  lassen.  Es  ist  in 
No.  3  der  Ansichtstafel  abgebildet.  Oben  in  der  turmartigen, 
durchbrochen  geschnitzten  Verzierung  ist  eine  rotgefärbte  kleine 
Holzkugel  eingelassen,  die  sich  in  der  Durchbrechung  frei  be- 
wegt. Beachtenswert  ist,  dass  bei  den  mit  einer  durchbrochenen 
Spitze  yersehenen  Stäbchen  die  Anordnung  der  Hausmarken 
und  der  Rechnung  anders  yorgenommen  wird,  als  bei  den  ge- 
wöhnlichen Milchhölzern.  Bei  jenen  richtet  sich  der  schnitzende 
Hirt  beim  Einschneiden  der  Marken  und  Milchgewichte  danach, 
dass  die  Stäbchen  ein  unteres  stumpfes  und  ein  oberes  spitzes 
Ende  besitzen;  bei  den  gewöhnlichen  Hölzchen  sind  die  beiden 
stumpfen  Enden  yöllig  gleichwertig  und  es  erfolgt  das  Ein- 
schneiden yon  der  Mitte  aus  nach  beiden  Enden  hin.  Man  yer- 
spürt  in  dieser  yerchiedenen  Behandlung  der  Stäbchen  ein  feinem 
urwüchsiges  Stilgefühl,  einen  Hauch  wirklicher  Volkskunst. 


Miszellen.  —  Melanges. 

Ein  maccaronisches  Sennengedioht  von  Unterwaiden. ') 

Ohara  Jovis  soboles  dicit  Sylvania  Sennen, 
Qui  sunt  geschähet  tecti  de  schmatzigen  Hosen; 
Gens  inimica  Brodo^  nee  bratene  vescitur  Hasen, 
Sed  farcit  Bauchuw  cum  Suti*)  Ziger  et  Anken 


*)  Dieses  Sennengedicht,  worin  die  Alpfahrt  und  das  Leben  der  Aelpler 
beschrieben  wird,  wurde  sehr  wahrscheinlich  von  Jos.  Anton  Omlin  verfasst. 
Dieser  wurde  geboren  zu  Stans  den  10.  Sept.  1739.  Domkaplan  zu  Konstanz 
wurde  er  1763  und  starb  daselbst  1801.  Schon  als  Student  verfasste  er  eia 
musikalisches  Vorspiel ;  s.  KCchler,  Chronik  v.  Sarnen  S.  164.  —  *)  Die 
nach  Entfernung  des  Quarks  im  Käsekessel  zurückbleibende  zum  zweiten 
mal  gesäuerte  FlU8sig:keit.  — 


MiszelloD.  —  Mölanges.  43. 

Vix  der  Frtthling  adest,  da  nehmens  d'Grabelen*)  hervor 

Bindend  Mntta«^)  et  Käslab-Kübelos^)  daranf 

(htm  Kessi,  Trankfass*),  Compellunt  undique  KYihaa, 

In  Reihen  steWunt,  prcecedit  ordine  Trinkler^); 

Vacca  $uperba  nimis,  tollena  ad  sidera  Kopfum. 

Post  sequitur  Mosli^),  Blessi,  Fachs,  Helmeli,  Weissfasa. 

Q^CB  fuü  im  Stechen  stärker,  prasc^it  in  Ordnung. 

Agmen  agit  Stieru«^  tenet  Haaros  undique  gmpplet.  *) 

In  Städtis  nunquam  vidi  tarn  kraaselte  Falsohhaar. 

Am  Kopf  est  banden  der  schön,  einfUssige  Melcbstahl. 

Sic  machend  Ordnung  melius,  quam  Bauren  in  Hochzeit 

Si  sauvoll  vix  aut  gar  nicht  heimplampera  *^)  possunt. 

Imbellem  gregem  sequitur  Kühgaumer'')  und  Handknab 

Ebere«  magtii,  Schweinlein  cum  Kalberen  Jährling.") 

Si  vehiunt  in  d'Alp  Schluchi,  vel  Sewli^  Brunnen^ 

Sörenberg,  Ami,  Schnabel,  Luss,  Dundäla,  Melchsee^') 

Vel  qumque  sit  |:  wollt'  um  d'Wahl  nid  falj^re  d'Stäg'  ab,  **> 

Aurea  quanta  patent  Sennorum  köstliche  Palläst 

QucB  in  nostro  Landbncho  dicuntur  Hütten. 

Nulla  fenestra  palet,  sed  bat  ein  offne  ThUre 

Um  und  um  rimas,  dass  könn  lucescere  d's  Taglicht. 

Unum  sed  restat,  prat  cunctis  schöneres  Zimmer, 

Est,  ubi  porcarum  grex  grunnit,  nomine  Vigler.  **) 

Deficit  auch  gar  nicht  domui  pretiosa  supellex; 

Regius  hie  lectus,  gut  deutsch  die  Daschtärä*^)  dictus 

Lectus  prcegrandis,  Riedgras  sunt  d'Federen,  Kohler 

Lavit  Leinlachen,  Schnäzel  ^^)  est  aurea  Dechin 

Nee  taceam  Senni  das  g'mablet'^)  schönere  Hemli. 

Hinc  Muttojj^  TausseP*),  Vollen*^)  cum  Melchteren **)  cemis, 

Käsbrächti«  ^  *),  Näpfli,  Göni*^),  Hosenkessi««*^)  adsunt 

Vollhäber**)  et  Vollschaub*'^),   Wando  Läcktäscha^^Me**)  pendet 

Ordine  jam  miro  pendent  grossschöpiige  Löffel, 

Cujus  erunt,  Stielo  portant  die  gstochenen  Namen. 


•)  Traggestell  für  den  Transport  auf  dem  Rücken.  —  ♦)  Milchgefässe. 

—  *j  Kabel  zur  Aufnahme  des  Käslabs  (Mi Ichscheidemittel.  —  *)  Behälter 
de»  „Tranks**  (saure  Molke,  die  der  Sirte  beigemengt  wird  zur  Scheidung 
derselben  in  Molke  und  Zieger).  —  ')  Trinkelkuh,  —  «)  Namen  von  Ktthen.  — 
•)  Haar  in  Gruppen  =  Büscheln.  —  '°)  heimwanken.  —  ")  Viehhüter.  — 
«)  Einjähriges  Rind.  —  ")  Namen  von  Alpen  in  verschiedenen  Gemeinden. 

—  *♦)  Die  Stiege  hinabfallen.  —  **)  Schweinestall,  welcher  der  Hütte  ange- 
baut ist  —  **)  Hirtenbett.  —  •')  Hobelspähne.  —  •^)  Mit  Kühdreck  gemahlet. 

—  •')  »Taussel"  und  ,,Melchteren":  Geschirre  ftlr  Flüssigkeiten.  —  *^)  Milch- 
trichter.  —  *•)  Käsbrächer:  kleiner  Tanngrotzen,  der  entrindet  und  dessen 
Aestchen  bis  auf  einige  Centimeter  zugestutzt  sind.   —  ^3)  Hölzerner  Löffel. 

—  ")  Kochgeschirr.  —  2*)  Traggestell  der  Folie.  —  '*)  Krissästchen,  womit 
die  Folie,  durch  welche  die  Milch  durchgelassen  wird,  gestopft  ist.  — 
»*^)  Tasche  zur  Aufbewahrung  von  Salz  zum  , Lacken**  für  das  Vieh.  — 


44  Miszellen.  —  Mölanges. 

Si  veniat  Gastus  tunc  optima  fercula  promunt 

Eauchziger")  c<  Käsfisch  2»),  Käsmettel«»),  Buldära»^),  Koieesalb«^ 

Nidläbrod,  Stangen wärmi^*)  cum  Füsterli  ***),  Kosi.") 

Si  sitis  est,  Keller  viridi  plenissima  Sufi, 

Ac  im  Speisgadä  prasgrandes  accipe  Napfos. 

His  potes  in  Suffi  fundo  disquirei'e  Ziger 

Teque  putes  Fischer,  qui  vidt  piacari  ex  Anglo 

Cemere  Tu  ein  Spiel,  si  vis,  pulchrosque  lahores. 

Huic  opus  im  Spicher  zu  schabere  et  salzere  Käsos ; 

nie  domum  portat,  die  ganz  voll  Gabälä  Alpspeis; 

Hie  blasat  Alphornum^  subtiles  Trillere«  macha^/ 

Im  Staffel  Klihö  forti  certamine  stechwn^. 

Hinc  ringunt  porci,  currunt  die  Kalber  et  illijic, 

Congregat  hie  Küha«,  forsan  vult  heAtere  Landsgmeind, 

Cantat  Kühreihum^  pendet  Läcktascba  sub  AchsU's. 

Jam  sapio,  vacccß  debent  nunc  läckere  Salzwm 

Allambunt  Sennwrn,  circumstant  ordine  toto. 

0  närsche  vacccef  Signum  non  majus  amoris    -^ 

Huic  dare  potestis  ac  ai  Sennu«  K&ihulus  esset 

Vesterf  Sed  faciet  cunctos  ein  Prügel  abire. 

MelchstuhUtm  tenet  hie,  manibus  gross  Melchteren  pendet 

Cantat  et  inclamans:  „Holob"  premit  ubera  vaeece 

Atque  faeit  Schamum^  Schumu«  replet  undique  Bränten, 

Post  bibit  et  Schumo  madet  angulus  oris  uterque. 

Plures  restarent  sehr  puhhras  cemere  Sachas. 

Tempfore  si  spato  Sennus  vult  machere  KäsuTTi, 

Tunc  post  Ellbogas  manicas  am  schmuzigä  Hemli 

Complicat  ac  magnos  Armos  in 's  russigi  Kessi 

Trudit,  eompdlit  Käswm^  magnoque  labore 

Extrahit,  extraetum  Steinorwm  jwndere  beladt. 

Herbst?i«  adest;  heimwm  redeunt  ad  Kilwene  Sennen 

Sind  köstlich  aufgeputzt,  *  nimium  nimiumque  süperbe. 

Est  Huto  Ma/u«^'),  cum  Läubliftus  undique  glitzernd^*) 

Leibschopfum  ^^)  peetus,  caligas^^)  brüschlederne  Galgen  ^^) 

Portat  et  ohn  Schuh w,  FUssos  Stumpstrilmpfms*®)  ambit. 

, 

2')  Gerauchertor  Zieger.  —  '^^)  Reste,  welche  nach  dem  Ausziehen 
'der  Küsniasse  in  der  Sirt<>  zurückgeblieben  sind.  —  ^Sj  Rand  des  Käses, 
welcher  nach  der  Belastung  über  den  Reif  hinausgepresst  und  dann  weg- 
geschnitten wird.  —  30)  i)i^  ZI,  kleinen  Körnern  zerbrochene  Käsmasse.  Zu 
dieser  Speise  wie  zu  den  Kästischen  nimmt  man  noch  einige  Sirte.  Wird 
der  „Buldärä"  „Nidel"  (Rahm)  hinzugefügt,  dann  nennt  man  es  ^Fusterli'*. 
„Kniesalb**  ist  etwas  ähnliches.  —  '')  Pjne  Aelplerspeise  der  Schwyzer; 
vgl,  Abchiv  I,  60  Anni.  2.  —  ")  „Kosi"  oder  „Kollermuos"  (Köhlermus) 
besteht  aus  Mehl,  Eiern.  Butter  und  Rahm.  —  *')  Auf  dem  Hut  ein  „MAien** 
(Strauss).  —  ^)  glitzern.  —  '*)  Weste.  —  **)  Holzschuhe  mit  Lederriemen 
an  den  Füssen  befestiget.  —  '")  Juchtenlederner  Hosenträger.  —  '^)  Kurze 
Strümpfe.  — 


Miszellen.  —  Mölanges.  45* 

Sic  pergunt  KWlwoa,  thun  mit  einander  schwingen'*); 
Ciröurnstant  reliqui  cum  Tabakpfeifen  in  ore. 
Is  tenet  unius,  tehet  hie  (dteriua  Roaos 
Et  circumtrampun^  et  longo  tempore  rilzant*®), 
Unu8  dum  socium  cum  Vorthel**)  et  impetu  stemit 
Rident  Hunds-Goschi«**)  ac  usque  ad  sidera  sohreiunf. 
Si  placet,  invitanf,  foT%an  steinstossöre  vultis  f 
Elsvat  hie  Steinum^  currit,  laafens^ue  propellit. 
Sic  fadunt  reliqui.  Steinwm,  qui  pellere  weiters 
Cum  Btosaando  potest,  cum  plauau  munera  portat 
Turba  simul  modo  Leibschopfum^  Strampfo^^ue^  Schaho^^^ua 
Exuit,  exspectat  Signum,  foto  agmine  laafef. 
Qv,i  prius  attingit  Zweckum  *'),  sit  muneri  K&äua. 
Hinc  alii  currunt,  tandem  cum  zäbeten**)  Füssts 
Springend,  qui  potuit  weiters,  huic  prcBmia  dantur. 
Perdit,  qui  Wasen*^)  naribus  nasove  referrit 
Victorea  adaint f  Laudem  et  zwei  Dicken**)  habebunt. 
Hi  Bäumo8  acandunt,  faciemx  l&Ax^umque  remonstrantj 
Immane  zännwni*^)  oribua  et  grüseli  brügunt  *') 
Qui  pejus  poterit  Frazen-Gsicht  machere^  portat  ^^) 
Risum,  judicioqiie  senum  pro  munere  Ziger. 
Vesper  adest  Ueimum  redeunt,  in  tramite  jnzgunt 
Conventum  celebrant,  tum  Säckelmeister  et  Ammann 
Statthalter JU6^  creant,  Fähnrich,  reliquosque  priores 
Qui  regant  Senno«^  studeant  et  jura  tueri, 
Concelebrant  festum  Sennorwm  nomine  Kilwi.  *®) 
Conveniunt  omnes'^^)  cum  Trummi«^  Pfeifen  und  Hackbrett 
Vestiti  köstlich  proReunt  Statthalter  et  Ammann 
Fähnrich  cum  Fahnen,  portans  Strausfeder  in  Huto 
Plamper^')  adest  lateri,  pendens  in  Schlingen  ab  AchsUs. 
Prodit  et  ein  Wild  mann  faunus  cum  zotteten  Haaren. 


^)  Es  werden  nun  verschiedene  Aelpl erspiele,  Schwingen,  Steinstoss, 
Laufen,  Springen  und  Zännen  beschrieben.  —  ♦<>)  ümherzehren.  —  ♦*)  Kunst- 
griff. —  ♦')  Hundsmäuler.  —  ♦*)  Ziel.  —  ♦*)  schnellen.  —  ^^)  Wer  auf  den 
Boden  hinausfällt,  verliert.  —  ♦*)  Sechsbätzler.  —  ♦')  Fratzen  schneiden.  — 
♦»)  weinet.  —  ♦*)  Vgl.  Archiv  I,  116.  Stalden  (Idiotikon  II,  464)  sagt 
hierüber:  „Ehemals  gab  es  auch  in  den  Kantonen  Luzern  und  Zug  ordent- 
liche Wettkämpfe  im  Gesichterschneiden,  wo  demjenigen,  welcher  die  lächer- 
lichsten und  seltsamsten  Grimmassen  vorzubilden  wusste,  der  Preis  zuerkannt 
wurde;  man  hiess  sie  Zäune te,  so  wie  in  England  grinning  matches,  die 
jetzt  noch  in  ehrenhafter  Uebung  sind".  —  ^^)  Die  Aelpler  feiern  an  einigen 
Orten  eine  doppelte  Kilbi,  die  eine  auf  der  Hochalp,  wo  die  Aemter  für 
die  Kilbi  nach  der  Rückkehr  in's  Thal  besetzt  werden.  An  einigen  Orten 
wurden  früher  bei  der  ersten  Kilbi  Aelplerspiele  vorgenommen,  an  anderen 
Orten  erst  bei  der  zweiten  oder  auch  gar  nicht.  —  *•)  Es  folgt  nun  die 
Beschreibung  der  Kilbi  nach  der  Heimkehr  von  der  Alp.  —  ")  Scheide  für 
die  Fahnenstange.  — 


-46  MiBzellen.  —  Mölanges. 

Horridus  in  manu  viridem  Taangrotzen  habet 
Ludit  ut  ein  sttUtus,  Gläohter  K\iTzwei\que  movet 
Cum  Fressen,  Saufen,  Springen  cum  Tanzen  et  Umzug 
Sicque  diem  noctemqvs  terunt  Fert  altera  [sc.  dies]  Kopfweh. 
Hinc  inde  auf  Bänkis  faulenzend  plegere^')  debent, 
Donec  den  Senntv  Rusobu«^^)  ceseabit  et  Kopfweh. 
Sic  schwebt,  bebt,  zäbt  ^%  frisst,  isst,  ludit  et  indyta  proles 
Sennorum.  Tritamis  Tritavum  imhuit  artibus  istis, 
Defidet  niemal  Sennorum  nigra^ propago, 
Dumque  manent  lixce,  dum  sunt  in  Weibern  rixce 
Dum  Kohler  est  koblweiss,  dum  sunt  in  Spichern  Spitzmaus 
Dum  klepftin^  d*Karrer,  dum  sunt  die  Geizigen  Sparrer 
Tamdiu  erunt  Sennen  Kerl,  wie  russige  Bennen. 
Kerns.  Anton  Küchler,  Pfarrhelfer. 


Recepte  von  Dr.  Jacob  Jenner  aus  Kerns.  ^) 

Zähne  ausziehen. 
Einen   Zahn   auszuziehen   ohne    Schmerzen   und   Instrument.     Nimm 
Schmalz   von   grünen   Laubfröschen,   die   auf  dem    ^Haslen   Laub**   sitzen. 
Salbe  die  „Bilder'^  damit,  dann  geht  er  gewiss  aus.    Ist  probiert. 


*')  faul  herumliegen.  —  ^)  Was  in  diesem  Gedicht  über  die  Trunksucht 
und  Unreinlichkeit  der  Aelpler  gesagt  wird,  passt  nicht  auf  die  Aelpler  der 
jetzigen  Zeit.  Wir  waren  oft  bei  der  Aelplerkilbi  und  haben  gesehen,  dass 
sie  sich  immer  ordentlich  und  anständig  betragen  haben.  Wir  können  uns 
auch  nicht  erinnern,  bei  diesem  Anlass  einen  Betrunknen  gesehen  zu  haben. 
Auch  von  den  Aelplem  früherer  Zeiten  kann  das  im  Allgemeinen  nicht  ge- 
sagt werden.  Dass  die  Aelpler  früher  etwas  weniger  gebildet  und  reinlich 
waren,  geben  wir  zu.  Als  ein  Vetter  des  Verfassers,  Dr.  Franz  Omlin,  ein- 
mal an  der  Aelplerkilbi  die  Mahlschenke  hielt,  wählte  er  zum  Vorspruch 
den  lateinischen  Text:  Circumdederunt  nie  vituli  multi:  tauri  pingues  ob- 
sederunt  me.  (Psalm  21,  12.)  Die  Aelpler  verstunden  es  nicht  und  die 
Gebildeten,  welche  es  verstunden,  lachten  und  wurden  deswegen  nicht  be- 
eidiget. So  sollen  auch  wir  die  wenigen  schärferen  Ausdrücke  im  Sennen- 
gedicht nicht  auf  der  Gold  wage  abwägen.  —  ^^)  zappelt. 

')  Dr.  Jakob  Jenner  wurde  zu  Kerns  im  Jahre  1736  geboren  und 
starb  1786.  Von  den  214  Rezepten,  die  er  in  einen  Quartband  geschrieben, 
haben  wir  vorzüglich  solche  ausgewählt,  die  etwas  Abergläubisches  ent- 
halten. Er  hat  sie  wahrscheinlich  grossenteils  aus  andern  Doktorbüchern 
zusammengeschrieben  und  sie  beim  unwissenden  Volk,  welches  zum  Aber- 
glauben geneigt  ist,  angewendet,  um  sich  dadurch  das  Zutrauen  desselben 
zu  erwerben  und  als  ein  sonderbarer  Mann  zu  gelten,  der  nicht  ist,  wie 
andere  Doktoren.  Er  selber  hat  an  diese  abergläubischen  Dinge  kaum  ge- 
glaubt. Fast  alle  übrigen  Rezepte  sind  frei  von  Aberglauben.  Wir  besitzen 
auch  Rezepte  von  Dr.  Caspar  und  Nikolaus  Jakob  und  Dr.  Job.  Jos.  Omlin, 
in  denen   nichts  Abergläubisches   enthalten   ist.    Ein   alter   Mann   hat   uns 


Miszellen.  —  Mölanges.  47 

Für  den  hiDfallenden  Siechtag. 

Ist  gar  oft  probiert.  Wenn  Jemand  das  fallende  Weh  von  Jugend 
snf  hat  und  doch  nicht  vom  Mutterleib  ererbt,  dem  gebe  man  nachfolgendes 
Pulver  alle  Morgen  und  Abend,  ein  halbes  Quintli  mehr  oder  weniger,  je 
nachdem  die  Person  mehr  oder  weniger  alt  ist.  Dieses  Pulver  gibt  man 
mit  Lindenblust  Wasser  oder  mit  Wein,  darin  Linden  „Bluost**  gesotten  ist. 
Dazu  nimm  „pemien"  Kömer,  Linden  Bluost  eine  Hand  voll,  Senfkörner  ein 
Lot  und  ein  wenig  weisse  Senfkörner  mit  2  Mass  Wein,  welcher  halb  ein- 
.gesotten  wurde.  Das  Pulver  soll  man  also  machen:  Nimm  Esels-myltzy  4 
Lot,  Maulwürfen  Herz  1  Lot.  Wenn  man  aber  nicht  so  viel  haben  kann, 
dann  nehme  man  weniger.  Ferner  nehme  man  von  der  vordem  Hirnschale 
von  einem  Mörder  oder  Dieb  2  Lot,  Senfkörner  1  Lot,  „corigierten'^  Regen- 
wurm, Pulver  und  Kreuzwurzel  je  6  Lot.  Diese  Stücke  pulverisiere  alle 
miteinander.  Dieses  Pulver  und  Trank  gebrauche,  wie  gesagt  wurde,  3  Tage 
vor  dem  Neumond  und  fortan  täglich  bis  zum  anderen  Tag  nach  dem 
Vollmond. 

Ist  das  fiiUende  Weh  vom  Mutterleib  ererbt,  dann  nimm  zu  dem 
vorigen  Pulver  Bartlimepulver  2  Lot  und  brauche  es,  wie  gesagt  ist,  doch 
mit  2  „Kandel"  voll  Wasser  und  2  Hand  voll  Kreuzwurzel  gestossen  und 
in  das  Wasser  gethan.  Lasse  es  8  Tage  an  der  Sonne  stehen.  Brenne  es 
nachher  aus  und  brauche  es,  wie  gesagt  wurde. 

Kommt  dieses  Siechtum  von  Zauberei  oder  Erschrecken  her,  dann 
thne  blaue  Jilgen  (Lilien)  Würzen  3  Lot  darin  und  doposy  Stein  dazu 
und  gieb  es  ihm  in  starkem  Wasser  zu  trinken.  Dieses  ist  oflmal  appro- 
biert für  alle  fallende  Weh. 

Blut  Bestellung. 

EÜne  Blut  Bestellung  mit  Worten  sprich  also:  Unsere  liebe  Frau  hat 
drei  Rosen  auf  ihrem  Herzen,  die  erste  ist  demütiglich,  die  andere  ist  sanft- 
mfitiglich  und  die  dritte  ist  Gottes  Will.  Blut  steh'  still.  Wenn  dieses  drei- 
mal gesprochen  wird,  dann  steht  es  still.    Probatum  est. 

Haarwuchs. 
Willst  du  Haar  machen,  dann  nimm  schwarze  ScUnecken,  thue  einen 
Angster  in  sie,  nimm  ein  wenig  Salz  dazu,   stelle   es   an  die  Sonne  und  es 
wird  Wasser  daraus.    Mit   demselben   bestreiche  dich,   wo    du  willst,  dass 
Hiuur  wachse  so  wächst  Haar  ohne  Zweifel. 

Gliedersucht. 
Nimm   Rehfaro   2    Hand   voll,   Edelsalbinen   eine   Hand   voll,   Wer- 
muolt,   was   man   mit   3  Fingern   fassen    kann,   Wurmsamen   für   12  Schi. 
Rosen-Marien-Samen  für  1  Schi.  3  A.   Hirse  ein  Löffel  voll   und   vermache 


einmal  erzählt,  wie  Dr.  Jenner  mit  dem  Teufel  im  Bund  gestanden  sei 
und  deshalb  mehr  wusste  als  ein  anderer.  Einmal  verlangte  er  von  einem 
Bauer  einige  Pfund  Anken.  Dieser  aber  hatte  eine  Bürde  in  Bereitschaft, 
nm  sie  in  Luzera  zu  verkaufen  und  erklärte,  er  gebe  keinen,  ausser  er 
kaufe  die  ganze  Bürde.  Bald  nachher  wurde  der  Bauer  krank  und  ver- 
langte von  Dr.  Jenner  Medizin.  Dieser  aber  erklärte,  dass  er  keine  Medizin 
gebe,  ausser  er  kaufe  die  ganze  Apothek. 


48  Miszellen.  —  M^langes. 

dieses  wohl.  Nachher  lasse  man  es  in  2  Mass  weissen  Wein  eine  Viertel- 
stande lang  sieden,  seihe  es  durch  und  klopfe  3  I^ffel  voll  Ankenmus» 
darunter.  Morgens  und  abends  jedesmal  ein  Glas  voll  warm  getrunken  und 
darauf  geschwitzt,  nimmt  alle  Giiedersucht  hinweg.    Probatum  est. 

Schärbock. 

Ein  Wasser  ftlr  den  Schärbock  und  alle  Räuden.  Nimm  4  Lot  Queck- 
silber und  l  Lot  Scheidwasser.  Mische  es  unter  einander,  stelle  es  in  den 
Ofen  bis  das  Quecksilber  verzehrt  ist.  Nachher  stelle  es  an  die  Kälte,  Iftss 
es  dick  werden  und  das  übrige  Quecksilber  davon  laufen;  nimm  die  fibrig 
gebliebene  „Maltery*"  und  thue  sie  in  eine  „gutteren'^.  Lasse  eine  halbe 
Mass  Brunnenwasser  daran  laufen  und  das  Wasser  ist  gemacht.  Je  älter 
es  ist,  desto  besser  ist  es. 

Brand. 

Den  Brand  zu  löschen,  wo  sonst  nichts  helfen  will.  St.  Lorenz  lag  auf 
dem  feiuigen  Kost.  Der  liebe  Herr  Jesus  Christus  kam  ihm  zu  Hülf  und  zum 
Trost  mit  seiner  göttlichen  Hand  und  löscht  ihm  den  Brand.  Dieses  muss^ 
dreimal  gesprochen  werden  und  es  muss  von  dem  Menschen  das  verbrannte 
Glied  in  die  Hand  genommen  werden.  Es  soll  dazu  das  Kreuz  gemacht 
und  ein  Vater  unser  und  Ave  Maria  gebetet  werden. 

Melancholei. 

Nimm  Benedikten  Wurzel  und  St.  Johanns  Wurzel.  Diese  Wurzel 
sammt  dem  Kraut  in  ein  seidenes  Tüchlein  gebunden  und  an  dem  Hals  ge- 
tragen,  ist  gut  Air  Melancholei,  macht  ein  gutes  Gedächtnis,  behaltet  den 
Menschen  bei  gutem  Verstand  und  guter  Gesundheit;  macht  ihn  geschickt 
zu  allen  Sachen,  vertreibt  die  Flttsse  aus  dem  Kopfe,  alle  Gespenster  und 
Geister.  Doch  soll  man  die  Zeit  wohl  merken,  wenn  man  die  Wurzel  graben 
soll.  Man  soll  sie  graben,  wann  die-  Sonne  im  dem  ersten  Grad  des  Löwen 
geht,  man  soll  sie  einmachen  und  binden,  wann  die  Sonne  in  dem  15.  Grad 
des  Fisches  ist  und  sie  anhängen,  wann  die  Sonne  in  dem  ersten  Grad  des 
Stieres  sich  befindet. 

Geschwtire. 

Nimm  Gerstenmehl   und  Geissbohnen,   mach'   die  Bohnen    zu  Pulver, 
nimm  von  beiden  gleichviel,  nimm  noch  guten  Weinessig  dazu,  mache  ein 
Brei  daraus  und  lege  ihn  auf  das  Geschwür.     Es  hilft. 
Gegen  Müdigkeit. 

Wenn  du  reisen  willst  und  nicht  müde  werden,  dann  nimm  Beifuss 
oder  Eisenkraut  zu  dir,  welches  8  Tage  vor  oder  nach  St.  Bartholomäus 
gegraben  wurde.  Du  wirst  nicht  müde  werden,  wenn  du  dieses  Kraut  bei 
dir  trägst. 

Blut  bestellen, 

wann  sonst  nichts  hilft.  Sprich:  Jesus  ist  geboren  zu  Bethlehem,  getauft 
im  Jordan  und  hat  gewohnt  zu  Jerusalem.  Ich  gebiete  dir  Blut!  dass  da 
still  stehest  in  dem  Namen  Gottes  des  Vaters  und  des  Sohnes  und  des  hl. 
Greistes.    Amen.    Dazu  muss  der  Namen  der  Person  gesprochen  werden.  *) 

2)  Das  Beten  und  der  Glaube,  dass  das  Beten  nützlich  sei,  ist  nicht 
Aberglaube;  dagegen  aber  ist  es  Aberglaube,  wenn  man  von  einem  Gebet 
unfehlbar  Heilung  von  einem  gewissen  üebel  erwartet. 


Miszellen.  —  Melanges.  49 

Marder  zu  fangen. 
Nimm  3  Eier  samt  den  Schallen  und  so  viel  gute  Milch,  eine  Ochsen 
Galle  und  klopfe  Alles  unter  einander.  Streiche  es  auf  3  Bretter  und  lege 
«e  10  Schritte  von  einander.  Wenn  sie  davon  fressen,  macht  es  ihnen  ganz 
trfimelig  und  sie  können  12  Stunden  nicht  von  der  Stelle  gehen.  In  dieser 
Zeit  kannst  du  sie  fangen. 

Gegen  das  Erbrechen. 

Wenn  ein  Mensch  die  Speisen  nicht  behalten  kann,  dann  nimm  Bro- 
samen von  einem  Eoggenbrod  und  abgestreiften  Wermuth,  siede  es  im  Bier, 
dass  es  werde,  wie  ein  Brei,  streiche  es  auf  ein  weisses  Tuch  und  lege  es 
über  den  Magen,  so  dass  der  Bauch  bedeckt  wird  und  so  warm,  als  man 
es  vertragen  mag.    Ist  vielfältig  probiert  worden. 

Versetztes  Blut. 

Wenn  ein  Mensch  gefallen  ist  oder  versetztos  Blut  in  dem  Leib  oder 
bei  dem  Herzen  hat,  dann  nimm  90  Regen wQrm,  wasche  sie  sauber,  lege 
alle  Tage  abends  9  in  ein  Glas  voll  weissen  Wein  und  thue  ein  wenig  ge- 
stossene  Nägelin  darin.  Lasse  es  durch  einen  Lumpen,  trinke  es  morgens 
nfichtem  und  faste  2  Stunden  darauf.  Wenn  du  das  9  Tage  nacheinander 
thust,  dann  hilft  es  gewiss.    Probatiuii  est. 

Geschwulst. 

Nimm  faulen  Käs  2  Lot,  Brod-Brosamen,  in  Milch  geweicht,  4  Lot, 
Nasskemen  3  Lot  und  mische  Alles  wohl  durcheinander  zu  einem  Pflaster, 
welches  sehr  dienlich  allerhand  Greschwulst  zu  erweichen   und  zu  zeitigen. 

Gegen  das  Fieber  kleiner  Kinder, 
welche  noch  nichts  einnehmen  können.  Nimm  den  Harn  von  diesem  Kinde, 
siede  ein  Ei  darin,  bis  es  dick  ist.  Nachher  nimm  das  Ei  heraus  und  thue 
es  in  einen  Waldhengsten-Haufen  mitten  hinein,  mache  den  Haufen  wieder 
zu  und  wenn  das  Ei  von  den  Hengsten  (Ameisen)  verzehrt  ist,  so  wird  dem 
Kind  das  Fieber  nacl(lassen. 

Augenflecken. 

Nimm  9  Schlehen,  die  an  St.  Johannes  Abend  am  Brach monat  ge- 
wonnen sind,  und  Pfaffenröhrli-W^ürzen.  Dieselben  muss  man  graben,  wann 
die  Sonne  in  der  Jungfrau  ist.  Am  besten  wäre  es  am  St.  Bartholomäustag 
.vor  dem  Sonnenaufgang.  Dazu  nimm  noch  Schnellkraut  sammt  der  Wurzel. 
Am  besten  wäre,  wenn  es  an  einem  Freitag  morgens  an  den  Hals  gehängt 
mid  dazu  5  Vater  unser  und  Ave  Maria  und  ein  Glaube  dazu  gebetet  wür- 
deo.  Das  nimmt  alle  Augenflecken  hinweg.  Probatum  est. 
Stich  (Lungenentzündung). 

Nimm  7  Nägel  aus  einem  Totenbaum,  worin  ein  Mensch  verwesen 
ist,  siede  die  Nägel  in  dem  Baumöl  und  von  diesem  Oel  gib  dem  Kranken 
7  Tropfen  und  salbe  ihn,  wo  es  ihn  sticht. 

Zittern  der  Glieder. 

Nimm  im  Braohmonat  die  unzeitigen,  weichen  Haselnüsse  sammt  den 
grflDen  Hiltschen  (Hülsen)  und  brenne  ein  Wasser  daraus.  Damit  schmiere  die 
Glieder  oder  iss  Haseohimi,  dann  wirst  du  an  Händen  und  Füssen  nicht 
mehr  zittero. 

4 


ÖO  Miszellen.  —  M^langes. 

Qegen  alle  Fieber. 
Nimm  3  schöne  Salbinenblätter  grün  ab  dem  Stock  und  trockne  sie, 
bis  du  kannst  darauf  schreiben.  Auf  dem  ersten  Blatt  schreibe  du:  Christus 
ist  gestorben.  Auf  dem  andern  Blatt  schreibe  du:  Christus  ist  von  den 
Todten  auferstanden.  Auf  dem  dritten  Blatt:  Christus  ist  gen  Himmel  ge- 
fEÜiren.  Ist  Alles  vollbracht.  Und  wenn  das  Fieber  kommen  will,  so  gib 
dem,  der  das  Fieber  hat,  das  erste  Blatt  zu  essen  und  wenn  das  Fieber 
wieder  kommt,  so  gib  ihm  das  andere  Blatt  zu  essen  und  wenn  das  Fieber 
noch  einmal  kommt,  so  gib  ihm  das  dritte  Blatt  zu  essen.  Und  diese 
Blätter  allemal,  wenn  das  Fieber  [kommt],  im  Warmen  oder  sonst  gässen  oder 
zerschnätzlet  oder  küwet  —  das  bestellt  gar  alle  Fieber.    Ist  approbiert. 

Wann  Jemand  Verstrüglet  und  Angeloffen 
eine  gewisse  und  approbierte  Kunst. 
Nimm   dazu    Meisterwurtzen  und  Hauswurzensaft.    Von  der   ersten 
die  Wurzel  und  von  der  zweiten  das  Saft  zu  einer  Salbe  gestossen  und  auf 
den  Schaden  Vberzwärig  (quer)  gesalbt,  hilft  gewiss. 

Gegen  Wanzen. 

Nimm  an  St.  Othmars-Tag  zwischen  Mittag  und  zwölf  Uhr  Rinden 
von  einem  Eschbaum  und  lege  sie  in  die  Zimmer,  so  müssen  sie  alle  daraus 
Ziehen.    Ist  bewährte  Kunst. 

Kerns.  Ant.  Küchler,  Pfiurhelfer. 


Zaubermittel. 

Aus  alten  handschriftlichen  Aufzeichnungen.^) 

Zu  lehren,  was  du  wilt. 

So  fach  Ein  widhopf  und   nim  ihm  die   Zungen   und   is  [iss]  si,   so 
kannst  du  lehren,  was  du  wilt. 

Wilt  du  Garn  stark  Seyn  im  Streit, 
so  fach  [fange]  Ein  Läbändiger  raph  [Rabe]    und   nimm   das  Harz  von   im 
und  Trags  bi  dir,  so  bist  du  stark  im  streit. 

Wilt  du  Eini  zu  dantzen  Machen, 
schreib  der  Namen  mit  fläder  müssen  blut  aufs  babir.    Wer  darüber  gaht, 
•der  Muss  dantzen  brobat. 

Dass  einer  Schlaffen  muss,  so  lang  du  wilt. 
Leg  einer  hülen  [Eulen?]  houpt  under  sin  houpt,  so  Schlafiet  er,  biss 
du  es  dännen  [weg]  Nimst. 

Wann  man  Fleisch  kocheU 
Nym  wall-würzen  oder  Sanikel,  du  [thue]  das  in  Ein  Hafen,  [so]  wachst 
das  Fleisch  an  Ein  andern. 


*)  Im  Besitze  von  fV.  Geissbühler,  Silberarbeiter  in  Grünenmatt. 


Miszellen.  —  MölaDges.  51 

Wann  da  Etwas  verlohren  hast  und  du  Garn  wüssen  wilt, 
war  dir  es  Genommen  hat. 
Nimm  issenkrut  [Eisenkraut],  leg  es  unter  dein  Haupt,  da  du  schlafest, 
80  komt  es  dir  für,  war  dirs  genomen  hat. 

Die  Schärhäüfen  zu  Vertreiben. 
Gang   an  Einer  ^Iten   fastnacht  am  Morgen  ob   die  sonn  aufstände, 
zerzüchst  die  Schärhäüfen,  so  stosst  dasssälbig  Jahr  keine  Mehr. 

Von  den  Flädermüsen. 
Nim  Ein  Flädermaus  und  leg  si  Läbändig  under  ein  stein,  lass  sie 
Nun  Tag  ligen,  denn  findest  du  dretl  steinli,  wo  Sie  gelegen  ist.  Der  erst 
ist  gut:  wan  du  in  bei  dir  hast,  das  mann  dich  nit  Geseht  [sieht].  Dar 
ander  ist  gut:  wann  du  Eini  darmit  anrürst,  so  mus  si  dich  haben.  Dar 
dritt  ist  gut:  wann  du  in  bey  dir  hast,  so  mag  man  dich  Nit  Ubermunden  [?]. 

Wann  Zwey  Ein  ander  Hold  sind,  dass  si  nit  können  von 

Einandern  Lassen, 

Nim  Ein  stein,  dass  ein  Hund  im  Mull  gehabt  hat,-  wann  mann  in  hön 

[böse]  Gremacht  hat.    Nym  der  stein  und  leg  in  zweyschen  Si  ihnen  [hinein], 

die  Ein  ander  hold  sind,  Gab  [ob]  si  sitzen  oder  si  standen,  wann  der  stein 

zweyschen  si  komt,  so  würden  si  Ein  andern  find. 

Eine  Kunst,  dass  Es  dir  keini  Versegen  [versagen]  mag. 
Nym  ein  drey  Jährigen  han  und  Stoss  ihn  in  Ein  Ungebrauchten 
hafen  und  bröü  ihn  im  hafen  bis  er  Tod  ist,  so  nym  den  der  Hafen  und 
nim  der  han,  vergrab  in  .ihn  ein  andbeisen  häufen,  bis  auf  acht  Tag,  den  so 
nym  der  hafen  wider  Aussen;  dan  findest  Ein  Stein  in  dem  Kopf.  Der  ist 
weis,  so  du  ihn  bei  dir  hast,  so  Magss  dir  keini  versagen. 

Wilt  du  Machen,  das  du  jeder  man  wol  gefalst  mit  Reden 
oder  sonst  mit  allem, 
so  Trag  bi  dir   unter  der   Zungen   ein   Schwalmen  Zungen,  so  ^Gefalst   du 
Jeder  man  wohl. 

Wilt  du,  dass  du  Jedermann  Lieb  Bist, 
so  Trag  bey  dir  Ein  Turteltauben  Harz,  So  gefalst  du  Jederman  wohl,    i 
Eine  Schöne  kunst  für  Hauen  und  Stächen. 
Du  Muflst  Von  einer  Schlangen   den  Kopf  oder  die  Zungen  Nähmen 
an  einem  sunttag  vor  Sonnen  aufgang.    Sie  mus  aber  Noch  Lebendig  sein, 
du  mnsst  die  Zungen  nehmen  und  zu  bulfer  machen.    Nims  Unter  den  lingen 
[linken]  ann,  dass  ist  gut  für  Hauen  und  Stechen. 

Dass  dich  niemand  gseht. 
Nim  ein  sohwarzi  katzen  herz  und  Vergrab  Es  in  dass  erdreich  3  Tag 
laog  und  wart  darzue.    So  findest  ein  fingerring;   leg  in   an   den   grossen 
finger  an  der  Lingen  Hand.    So  gset  dich  niemand;  ist  BeTwärt. 

So  dir  etwas  gestohlen  wird. 
So  sag  Niemand  nigs  und  gang  zu  einem  beinhaus  und  nim  ein  zang 
«OB  einer  schädelen  [Zahn  aus  einem  Totenschädel]  in  den  3  h.  N,    Du  der 


62  Miszellen.  —  Mölanges. 

Zang  in  Iflmpli,  leg  in  unter  dass  bet,  da  du  schlafest,  auch  in  den  3  h.  N.^ 
morgens  Trag  in  wider  an  das  ort,  da  du  ihn  genomen  hast,  so  komt  er 
dir  vor,  der  dir  gestohlen  hat. 

Das. dich  kein  Hund  anbilt. 
Nimm  ein  Zaunstecken,  der  in  demselben  gut  Staht  und  stell  Hn  in  den 
drey  H.  n.  unter  Oben  [verkehrt]  ins  Loch.  So  kan  k^  Hund  überdich  ballen. 

Ein  anderes. 
Du  musst,  wenn  der  hund  gegen  dich  lauft,  fest  laut  sprechen:  hund 
Stand  in  frau  frena  band,  frau  frena  ist  gut,  das  mir  Kein  Hund  nüt  Thut. 

Wan  du  wilt  ein  gewüssen  Schutz  Thun  und  treffen,  was  du  wilt. 
So  gang  hin  und  haue  £iner  Schlangen  den  Kopf  ab  und  Nim  dan 
drey  ärbs  [Erbsen]  und  Thu  ihren  ins  maull  und  setz  es  in  ein  Creüzweg, 
und  wan  die  ärbs  gewachsen  sind  ein  Spang  lang,  so  nim  Sie  ab  und  wan 
du  schiessen  wilt,  so  legst  in  unter  dass  röhr  in  den  Schaft,  so  trift  du,^ 
was  du  Wilt. 

Eine  Kunst,  dass  Sich  dass  weibervolk  muss  naket  entdecken 
*  Und  dass  gewand  aufheben. 
Nim  Ein  eichige  Span  oder  holz   Und  schreib  mit  Hassen  Bli\t  ihre» 
Namen  und  legs  auf  die  Schwellen,  das  sie  drüber  gan  muss  und  Wen  sie 
darüber  gath,  so  had  Sie  dass  gewand  auf  bis  auf  den  Nabel. 

So  du  drey  manns  Sterke  wilt  haben. 
So  fah  Ein  widhopf  und  haue  ihm  der  köpf  ab   und  brönne   ihn   zu 
bulfer  und  Trag  es  bei  dir  in  den  Schuhnen. 

Dass  du  am  Rächten  Nüt  verlierest. 
So  Trag  bei  dir  Wolfzäng  und  die  äugen   an   blosser   Haut.    So  ge- 
winnst du,  was  du  wilt. 

Wilt  du  wissen,  was  eine  Frau  gethan  hat, 
so  nim  ein  Schwarzen  hennen  hertz   und  nim  die  frau  in  die  Rächte  band, 
so  seit  sie  dir  alles,  was  sie  weis. 

Dass  die  gast  ob  einem  Mahl  Nicht  Esen  mögen. 
Nimm  eine   Nadlen,   dass   ein  Totten  mensch    ist   eingeuäit   worden. 
So  Nim  sie,  leg  sie  unter  dass  Tischlachen  im  anfang  dess  mahls.     So  mögen 
Sie  nit  essen,  will  Sie  darunter  ist. 

Wann  dich  Einer  erschiessen  will,  so  sprich: 
Büchsen  stand  Still  un<i  Halt  ein,  wie  Christus  der  Herr  gestanden  vor  dem 
Kreuz,  also  wenig  Solst  du  abgahn.    Im  nauien  Gottes  des  Vatters  und  des 
Sohns  und  des  Heiligen  Geistes.    Amen. 

Blut  zu  stellen:  So  sprich: 
•  *^ 

blut  gestand,  Vergis  deines  Gang,  Wie  gott  des  Mans,  der  am  gricht  sas, 
und  mit  Wtissen  ein  Falsche  urteil  Spricht  über  Wittwen  und  Weisen  und 
er  in  Seinem  Herzen  woll  ein  bessern  Wüsst.  Nun  gestand  blut,  wie 
Himmel  und  Erden  thut.    Stand  im  Namen  gottes  des  Vatters  etc. 


Miszellen.  -   M^langes.  58 

Das  dir  kein  Dieb  kein  Ding  aus  deinem  wählt  kan  und  mag 

Trägen. 

Wenn  er  schon  eine  BQrdi  gemacht  Häte,  dass  er  nit  köne  dan  drey 
Schritt  Wan  du  dissen  Seegen  Spricht,  So  hat  es  24  stund  Zeit.  Sprich  also  in 
Gottes  Namen :  Maria  in  der  Kindeli  [?]  lag,  drey  engel  ihren  [das  folgende 
unleserlich]  .  .  .  .,  der  erst  war  sant  michell  der  ander  sant  gabriel  und  der 
drit  sant  Haspiell  [!]  Da  sprach  sant  Peter  zu  unsern  lieben  Frauen :  Ich  Sich 
dert  drey  Dieben  ahen  [herunter]  gan,  wollen  dir  dein  lieben  Truzkindli  [trautes 
Kindlein]  Stälen  und  Töden.  So  Sprach  unsere  liebe  Frau :  Sant  beter  bind ! 
Sant  beter  bind  !  Sant  beter  bind  !  Sant  beter  Sprach  im  t  sprach  frau  frau  f 
ich  hab  gebunden  mit  Eisen  band  und  mit  Gottes  Selbs  Händen  und  mit  seinen 
H.  fünf  Wunden,  darmit  sig  mir  all  meiner  Sach  Verbunden,  der  Dieb  muss 
Stil  stahn  als  ein  Stock  und  muss  mir  zellen  alle  stärnen  die  am  Himmel 
8tan  und  Wachsen  und  alle  Schneefloken  und  alle  Regen  Tropf,  kann  er 
dass  aUs  nit  zellen,  So  stände  er  mir  still  zu  einem  pfand  bis  ich  komme 
mit  meinen  lieblichen  Augen  über  sich  und  mit  meiner  fleischlichen  Zungen 
urlub  giben  ins  Tüfels  namen.  Dass  zell  ich  zu  disser  Stund  allen  Dieben 
zu  einer  buss.   brobatum. 

Egg,  Lützelflüh.  S.  Gfeller. 


Hausinsohriften  aus  dem  Berner  Oberland.  0 

1.  Isaak  Lörtscher  Maria  Ulnian 

Chorrichter  sein  Ehgeniahl. 

Wandle  Redlich  und  Aufrichtig  Gedenke  wohl  in  allen  saehen 

vor  dem  Herrn  deinem  Gott,  Die  du  hast  auf  der  Welt  zu  machen, 

So  Zu  handien  bjst  du  pflichtig.  Dass  Gott,  der  alles  hört  und  siht 

Wann  du  willst  all  schand  und  spott  Auch  richte  was  von  dir  geschiht. 

von  dir  wenden  hier  und  dort, 

»  leb  aleo  fort  und  fort.  ««"  f  ^"f  «f'«^«  «*"" 

Und  die  dannnen  wohnen, 

Ach  Höchster  schreibe  deinen  Als  guts  zu  Seel  und  Leib 

In  unser  aller  Herzen  Ein,     [Willen  Ehr  Ihnen  lass  zukommen. 

Und  gibe  krafl  in  zu  erfüllen  1759    Wimmis 

Dann  diss  (g)  verleihest  du  allein. 

(Fortsetzung  zum  Teil  verwitterty  unleserlich,  weü  öfters  abgewaschen).    Vgl. 

^^^^er^  Das  Frutigland.  Bern  18S7  S.  1 ;   Hagen,  Einige  Häuserinschriften 

aus  der  Umgegend  von  Bern,  in:  ^Alpenrosen,  ein  schweizerisches  Sonntags- 

Wott»    Bd.  XI  (t881)  S.  850. 

2.  Wir  sind  hier  Nur  fremde  Gäste, 

Drum  ist  dies  Haus  nicht  schön  noch  Veste, 
Wer  Jesum  Liebt,  Hat  dort  ein  Haus 
Im  Himel,  das  sieht  anders  aus.  2  Corr.  5  Cap. 

^9^-  Bogen  S.  341.  1792    Wimmis. 

*)  Parallelen  habe  ich  aus  der  Schweiz  beigebracht,  soweit  niii*  solche 
«^Dglich  waren. 


I 


^  54  Miszeilen.  —  M^laDges. 

i" 
V.- 

\^\  3.  Gott  W61  Ale  Die  Sägne  Fin  4.  Hans  Widmer  und  Barbara  Roller 

l'^  Die  In  Däm  Hus  6aD  Us  Und  In.  han  lan  buwen  har 

¥^.  1655    Wimmis.  Im  1705  Jahr.  Wimmis. 

r;  5.  Ve  Got  vertrvw, 

1^^  Ve  kein  andern  Felsen  bvw 

t:  Vb  das  han  ich  LvdwigPos  gebvw. 

i\  '  Lateinische  Majtukeln.  1627    Wimmis. 

^  6.  £Ls  ist  kein  Mann  so  wis  und  alt, 

i  Das  er  könne  buwen,  das  jeder  Man  gefoUt. 

i^  •  Gefallt  es  doch  nit  jeder  Man, 

So  hab    (unvollständig) 
Michel  Regetz  der  Zit  Statthalter  und  Susanna  Marie   sin   Husfrov   hein 
'i'   "  lan  buwen  har  im  1660  Jahr.  Wimmis. 

ri  (Lateinische  Majuskdn.)     Vgl.  0.  Sutermeisier ,  Schweizer  Haussprüche  8.  24. 

■'  .  7.  SHst  kein  Mann  so  weis  noch  alt 

Das  er  buv,  das  jederman  gefalt 
:,  Gtefalt  es  schon  nit  jederman 

>  So  hab  ich  doch  mein  best  getan 

*  Jakob  Schmid,   derzit  Obmann   und  Susanna  Schwingruber   sin  Husfrov 

haben  dieses  Haus   buwen   har   im    1687  jähr   Da   Bendicht  Bäller  von 
Wattenwil  Zimmermeister  war.  Wimmis. 

(L(xt.  Majuskeln.)     Vgl.  Sutermeister  a.  a.  0. 

8.  Der  Herr  Bewahr  Mein  Auss  Und  In  Gang 
Von  nun  an  Biss  in  Ewigkeit. 
,  Gott  allein  die  Ehr. 

Gott  Auff  dein  Vertrauwen 
Dttn  Wir  hier  Ein  Wohnung  Bauwen 
Peter  Räber  hat  disers  Hus  gemath  im  1660  Jahr.  Wimmis. 

:.'  9.  Gott  allein  die  Ehr, 

Demselben  dank  ich  sehr, 

Der  Tadler  sich  bekehr. 

Auf  Gottes  Güti  und  Vertrauen 

Hat  David  WeissmUller  und  Madlena  Itten  hier  gebaue. 

Qott  es  alles  wohl  bewahr, 

0  gnadenreicher  Gott,  hast  dir  gefallen  lassen, 

Dass  ich  dies  Hauslin  hier  Gebauen  an  die  Strassen 

Dein  Gnad  und  Segen     —    —    —     —  Wimmis. 

10.  Hans  Bos,  Anna  Widmer  haben  har  gebuwen 
Mit  Gotts  Hilf,  dem  si  virthruwen 
Ir  Nachkomnen  u  Gut. 

Gott  erhalte  si  in  synem  Schutz,  Schirm  und  Hut. 
Gllick,  Gesundhit  wel  er  in  gäben, 
Nach  diser  Zit  das  ewig  Laben 
Nit  bis  ers  kann 
Ich  wünsch  ihn  mir  dan. 

Bewachen t  und  segen  si  Grott  der  Her.       1657  Jar. 
(Lateinische  Majuskeln;  die  Ligaturen  habe  ich  aufgelöst.)  Wimmis. 


Miszellen.  —  Mölanges.  55 

11.  MDCLXXXVII 

Wir  biiwen  hoch  und  vest 
Und  sind  dennoch  frömde  Gest, 
Da  wo  wir  ewig  sollten  sein, 
Da  buwen  wir  gar  wenig  ein. 
Der  Herr  behüte  deinen  Ausgang  und  Eingang  von  nun  an  bis  in  Ewigkeit, 
Amen,  Psalm  121  Soli  Deo  Gloria.  Wimmis. 

Vgl.  Sutermeisier    S.    65;    Hagen  S.   341.   363.   397;    RoehholZy    Aargaiier 
hüttorisches  Taschenbuch  S.  199;  SteUler  S.  287. 

12.  Wenn  Nid  und  Misgunst  brönten  wi  Für, 

So  war  das  Holz  nit  halb  so  thttr.  1777  Weissen  bürg. 
Vgl  SutermeisUr  S.  31.  69 ;  HofstäUer,  in  „Die  Schweig"  1858  S.  72;  Bochhdlz, 
Aanjauer  historisches  Taschenbuch  S.  105. 

13.  Dis  Hus  steit  i  Gotts  Gwalt, 
Vorne  nöü  und  hinde-n-alt; 
Hätti  der  Herr  ds  Galt  nit  groue, 
Hätt  er*s  ganz  nöü  lasse  boue. 

Soil  sich  an  einem  jetzt  abgerissenen  Haus  bei  Thun  befunden  haben.     Vgl. 
Sutermeister,  in  „Die  Schweiz*  1862  S.  30;  Rochholz  S.  109. 

14.  Liebe  Gott  über  alles,  liebe  deinen  Nächsten  als  dich  selbst. 

Willst  du  bei  Christo  sein  und  seinen  Himmels  erben 
So  halte  sein  Gebot,  bleib  treu  bis  in  dein  Sterben. 

Wir  bauen  allhier  stark  und  vest  Ein  Christ  und  Pilger  hier 

Und  sind  jedoch  nur  fremde  Bloss  nur  Herberg  bestellt, 

[Gast.  Weil  dort  sein  Vaterland, 

^.        ,     1      ^.     *  «  So  eylt  er  aus  der  Welt. 

Mensch  thu  die  Augen  auf, 

Sonst  kommst  du  nicht  zur  Ruh,  Mit  Grottes  Hilff  und  Segen 

Verstocke  nicht  dein  Herz,  Und  auch  mit  Gottes  forcht 

Thu  heute  noch  dazu.  Sollen  wir  alle  thun, 

Was  Christenpflicht  erfordt. 

1759     Därstetten. 

Vgl.  Hagen  S.  341;  Leonhardiy  in  „Die  Schweiz  1859  S.  224. 

15.  Von  Menschen  bein  ych  gemacht 
Darum  laset  mich  unferacht, 
Habet  yhr  mehr  Weisheit  Choun  empfon. 
So  zeige  es  an  dem  gemeinen  Mann 
Heiemit  Last  ungetadlet  meich 
Beiss  auch  Ich  Deine  Arbeit  seich. 
Weihr  seind  Menschen  und  nicht  Gott, 
Drum  ist  unser  Werk  unfolkommen. 

1772    Kinggenberg. 


66  MiszelleD.  —  M^laDges. 

(Am  gleichen  Haus:) 

Jesus  Wohn  in  diesem  Haus 

Weiche  nimmermehr  daraus 

Bleib  darin  mitt  seinem  Geist 

Wiles  sonst  ferlasen  Ist. 
(Soll  von  einem  Herrn  v.  Banddi  erbaut  worden  sein.)  1772. 

16.  Nicht  Kunst  noch  Kraft  noch  Arbeit  nützt, 

Wenn  Qott  der  Herr  das  Haus  nicht  schützt.        Ringgenberg. 
Vgl  Larder,  in  „Alpina"  1902  S.  91. 

17.  Wer  Gott  vertraut,  hat  wohl  gebaut      18.  All  mein  Anfang  zu  dieser  Frist 
ha  Himmel  und  autf  Erden.  Geschah  im  Namen  Jesu  Christ 

Wer  sich  verlasstauf  Jesum  Christ  Der  steh  mir  bey  früh  und  spatt 

Dem  soll  der  Himmel  werden.  Bis  dass  mein  Thun  ein  Ende  hatt. 

Ringgenberg.      (Majuskeln.)  1745 

Vgl,  Sutermeister  S.  12;  StetÜer  S.  276;  Leonhardi  S.  224. 

19.  Baumeister  Christen  Santschi,  Hans  und  Peter  War. 

Ringgenberg. 

20.  Ich,  Jakob  Weissmüller,  Madlena  Stucki 
Haben  gebauwen  har 

Im  1620  Jahr, 

Da  Bendicht  Bähler  Zimmermeister  war. 

0  Herr,  myn  Grott,  auf  dein  Vertrauwen 

Tun  ich  allhier  allhier  ein  Wohnung  bauwen, 

Ich  bauwen  auch  zugleich  nit  minder 

Ver  myne  Lieben  Weib  und  Kinder. 

Ach  Herr  gib,  dass  drin  wohnen  rächt 

Dor's  bauwet  und  syn  ganz  Geschlächt 

Zu  deiner  Ehr  und  Nutz  des  Nächsten 

Und  ihm  selbsteu  auch  zum  besten, 

Dass  allhie  die  Zeit  ist  auss 

Wir  kommen  in  ein  ander  Hauss, 

Dass  du  uns  dorten  hast  bereit 

Zu  wohnen  da  in  Ewigkeit. 
Vgl.  No.  7.  Wimmis. 

Bern.  G.  Züricher. 


Wie  man  in  Ursern  gegen  die  Kleidermode  Icämpfte. 

Die  Bergbewohner  am  Gotthard  kamen  durch  Eröffnung  des  Gott- 
hardpasses  an  den  grossen  Weltverkehr.  Ursems  Handelsleute  reisten  viel 
nach  Italien.  Knaben,  Jünglinge  und  Jungfrauen  suchten  jenseits  der  Berge 
Arbeit.  Nicht  wenige  Ursenier  dienten  in  fremden  Heeren  und  kamen  zu 
Ehrenstellen  und  Vermögen.  In  ihren  alten  Tagen  kehrten  manche  mit 
Familie  in  die  Heimat  zurück,  um  da  noch  würdevoll  einen  friedlichen  Lebens- 
Abend  zu  geniessen.  Es  konnte  nicht  ausbleiben,  dass  dieser  Weltverkehr 
fremdländische  Sitten,  besonders  aber  fremde  Kleidermoden  in  das  heimische 


Miszellen.  —  M^langes.  57 

* 
Bergthal  trug  —  zum  Schrecken  geistlicher   und   weltlicher  Obrigkeit,   die 
aber  den  Kampf  gegen  die  bösen  £indringlinge  mit  Energie  aufnahm. 

Am  29.  Dezember  1732  forderte  der  damalige  Pfarrer  von  Ursem, 
der  Kapuziner  P.  Bonaventura  von  Schwyz,  in  einem  langem  Handschreiben 
Thalammann  und  Rat  auf,  beim  Urserncr  Volke  die  „überflüssige  Kleider- 
pracht und  Nenwe  Mode  abzuoschaffen".  Es  sei  „Männigklich  bekandt, 
dass  mit  höchster  Verwunderung  sowohl  der  Anheimisch-  als  Ausländtischen 
■allerhandt  Närrische  Moden  in  kleideren  eingerissen,  dass  baldt  alle  tag  ein 
Neuwe  pracht  verführet  wird".  P.  Bonaventura  schlägt  nun  die  „Refor- 
mation in  folgenden  Punkten **  vor: 

„Erstlich  die  kleldung  der  Frauenzimmer  betreffend  in  den  damastenen 
brüsten,  und  gar  zuo  langen  schweiff  an  selbigen,  so  Ihnen  nicht  allein  zum 
spott,  sondern  den  Eltern  zuo  schand  gereichet. 

2^^.  In  der  bauptzierd  und  weissen  hauben,  welche  theils  gar  zu  vast 
ausgebreitt,  theils  mit  guffen  also  verkrümmet,  dass  sie  hömeren  nit  un- 
gleich Sechen,  könnten  also  mit  ohrenhauben,  Nach  altem  gebrauch  wohl 
vergnügt  seyn. 

3^.  Die  schwartze  streuss  under  der  hauben  von  aller  reinisten  spitzen 
gemacht  so  weder  zur  Ehrbarkeit  weder  Nothwendigkeit,  sondern  allen  zur 
fttinkhenden  hoffarth  dienen  thuot. 

4^.  Die  grosse  gar  zuo  hoclie,  gehörnete  Kappen,  mit  köstlichem 
boden  von  underschidlichen  färben  ausgezihrt^  dass  man  die  vornembsten 
vom  Adel  tnitzen  thuot,  ein  unanständig  Ihrem  standt  nicht  gemässe  sach  .  . 

Die  Jungfern  betreffend :  Die  Uberflissigen  Bindellen,  an  den  Käppiein, 
80  sie  T^schuggen  Nennen,  und  der  mehrere  theil  schon  abgctrent,  und  nun 
mehr  Ehrlicher  und  anständiger  bekleid  kommen,  kente  hiemit  ein  gebott 
gemacht  werden  solches  zuo  band  haben,  damit  der  übrige  theil  sich  den 
Mehreren  gleichförmig  machte,  dan  ess  gahr  zuo  ungerrümbt,  dass  Christus 
Unser  herr  und  könig  dornen  auf  seinem  haupt,  sie  aber  Rosen  tragen. 

2^  Weilen  Ihre  Käppiein  gar  zuo  schmahl,  dass  sie  Ihr  haupt  nit 
bedekhet  haben,  wider  die  austruckhentliche  Ermahnung  des  hl.  Apostels 
Pauli,  dass  die  Weibspersonen  Ihr  haupt  sollen  bedeckhen. 

3^.  Die  hoche  vilfärbige  schuoh,  so  mit  grossen  Unkosten  auss  frömb- 
den  ländem  erkaufft,   auch  in  den  vornembsten  statten  zu  köstlich  wären. ^ 

P.  Bonaventura  bittet,  das  Gerügte  „mit  aller  gewalt  auszumusten-n**, 
„an  den  Ihrigen  ess  nicht  zuo  gedulden''  und  „mit  schein bahrem  Exempel 
vorzuol  eichten**. 

Die  Ratsprotokolle  au8  joner  Zeit  sind  etwas  lückenhaft,  doch  finden 
wir  Aufzeichnungen,  die  beweisen,  dass  der  Kampf  gegtMi  „die  Neuwe 
Mode**  energisch  geführt  wurde. 

Am  28.  Mai  1745  standen  nicht  weniger  als  12  Sünderinnen  vor  dem 
Thalrat.  Sie  hatten  Spitzen  und  Manschetten  getragen  und  auch  „viel 
Bendel  am  Kaplin**,  was  alles  verboten  war.    Jede  wurde  um  1  Gl.  gebüsst. 

Am  15.  Mai  1747  verordnet  der  Rat:  Die  Weiber  sollen  das  Haar 
nicht  „ krusein "  und  in  den  Werktagskleidern  keine  Taschen  haben.  Es 
war  nur  gestattet,  einen  sogenannten  „Pumpersack**  unter  der  Schürze  anzu- 
hängen. 


58 


Miszellen.  —  Melange». 


1751  den  28.  Dezember  wird  das  Tragen  von  gestickten  oder  mit 
Grold-  und  Silberbändem  eingefassten  Schuhen  verboten. 

Die  letzte  diesbezügliche  Aufzeichnung  datiert  vom  28.  Dezember 
1772.  Vor  dem  Thalrat  erscheint  die  Schwiegertochter  des  Statthalter  Nager; 
sie  muss  eine  Kokette  schlimmerer  Sorte  gewesen  sein;  denn  weil  sie  sich 
^gepudert"  und  „durchbrochene  Halskragen *"  getragen  hatte,  wurden  ihr 
12  61.  Strafe  auferlegt.  In  gleicher  Ratssitzung  wurden  die  Reifiröcke 
verboten. 

Ob  nun  die  guten  Ratsherren  im  Kampfe  gegen  die  „eitle  Putzsucht*' 
siegten  oder  unterlagen,  darüber  schweigen  sich  leider  unsere  Protokolle 
völlig  aus.    Gegen  den  Ström  schwimmen,  war  nie  leicht. 

Hospenthal.  Peter  Furrer,  Pfr. 


Bonaparte  und  der  Sohwyzerjoggeli. 

Als  Variante  zu  Nr.  915  der  Kinderlieder  von  Gertrud  Züricher  führ» 
ich  die  Version  des  Bonaparteliedes  an,  wie  sie  in  Basel  gehört  wird: 

„Bisch  du  nit  der  Schwyzerjoggeli?"  „Du  hesch  jo  kai  Pryse** 
Sait  der  Boneparti.  Sait  u.  s.  w. 

|:  „Jo  das  bin  i  jo,  „Jo,  my  Bäsi  Lyse 

Was  frogsch  du  derno?**  Git-mer  schon  e  Pryse" 
Sait  der  Schwyzerjoggeli.  :|  Sait  u.  s.  w. 


„I  glaub,  de  wottsch  my  Dochter** 

Sait  u.  8.  w. 
„Jo,  die  hätt  i  gäre, 
Jo  die  mues-mer  häre.** 

Sait  u.  8.  w. 

„Du  hesch  jo  kai  Bett** 

Sait  u.  8.  w. 
„Jo,  zwai  Laubseck 
Gänd  jo  au  e  Bett** 

Sait  u.  8.  w. 

„Du  hesch  jo  kai  Wiegle** 

Sait  u.  s.  w. 
„Us  zwai  hohle  Ziegle 
Macht  men  au  e  Wiegle** 

Sait  u.  8.  w. 

„Du  hesch  jo  kai  Pfanne** 

Sait  u.  8.  w. 
„Jo,  my  Bäsi  Anne 
Lycht-mer  schon  e  Pfanne** 

Sait  u.  8.  w. 
Basel. 


„Du  hesch  jo  kai  Gäld" 

Sait  u.  8.  w. 
„Jo,  die  ryche  Here 
Gänd  der  Gäldsack  häre** 

Sait  u.  8.  w. 

„I  glaub,  i  lo  di  hänke'^ 

Sait  u.  8.  w. 
„Se,  do  hesch  e  Strick, 
Hänk  di,  wo  de  witt** 

Sait  u.  8.  w. 

„I  glaub,  i  lo  di  erschiesse, 

Sait  u.  8.  w. 
„Se,  do  hesch  e  Gwehr, 
Heb-der  's  Fidle  här.** 

Sait  u.  8.  w. 

„I  wott,  di  hoiti  der  Teifel** 

Sait  u.  8.  w. 
„Gott  biwahrt  mi, 
Ehnter  holt  er  di** 

Sait  u.  8.  w. 
E.  Hoffmanu-Krayer. 


Miszellen.  —  M^langes.  öd' 

NeujahrswDnsohe  im  Muotathal. 

M'r  fiud  ig  a  und  stand  ig  a,  M'r  singidg  hie  am  Spitzestei, 

M*r  wügchid  alle  es  guets  NUjahr,  Si  händ  vill  Veh  am  Ise-Seil, 

Ä  guete  Abig  gab  üs  Gott,  Der  Himmel  und  der  isch  heiter  Glanz,. 

Stifel  und  Sparre  und  höcbi  Rosg;  Si  bätid  gärä  de  Bosekranz, 

Wt  singid's  hie  und  alle  glich,  Und  wann  si  ghörid  de  Gloggeton, 

M'r  wügchid  alle  's  Himmelrich,  So  sind  si  grflschtet  zur  Chille  schon. 

Will  man  einen  Bauer,  einen  Hausbesitzer  besonders  ehren,  so  wird 
vor  dem  betreffenden  Haus  gesungen : 

De  N.  N.  sitzt  im  Federäspil, 
Er  hed  es  Fraueli  wie-n'er-wil ; 
De  N".  N.  träid  e  höchä  Huet, 
Er  syg  zu  alle  Ehre  guet. 

Zu  Ehren  der  Hausfrau  : 

D'Stubedili  isch  lade  lang. 
Die  Prau  si  hed  e  gradä  Gang; 
Es  lauft  e  Mus  dur  d'Stube  us, 
Die  Frau  si  hed  gar  suber  's  Hus. 

Einem  Bauemsohne,  von  dem  man  weiss,  dass  er  „z'Liecht"  geht, 
wird  gesungen  : 

De  N.  N.  träid  e  Maiä  vo  Gold, 
Es  isch-'m  e  hübschi  Jumpfere  hold ; 
Wohl  i  dem  Gläsli  do  brünnt  de  Wy, 
Es  chönnt  die  N.  N.  sy. 

Einer  Bauemtochter,  welche  einen  „Schatz"  hat,  wird  gesungen : 

Di  N.  N.  träid  es  Chränzli  vo  Gold, 
Es  isch  ärrä  e  hübsche  Knabe  hold; 
Wohl  i  dem  Gläsli  do  brünnt  de  Wy, 
Es  chönnt  de  N.  N.  sy. 

Auch  folgende  Reime  werden  singend  gesprochen,  doch  nicht  in. 
Reihenfolge,  sondern  ganz  nach  Willkür: 

Das  Hus  staht  uf  de  Murä,  Si  wand  es  par  Nüsseli  bringe; 

M'r  singids  dennä  richä  Burä;  MV  ghörid's  im  Kübeli  drehä, 

Das  Hus  das  isch  mit  Schindlä  deckt,  Si  wand  is  es  Nideli  blähä ; 

M'r  hend  dag  ganz  Hus- Volch  erweckt.  M'r  ghörid's  im  Röhrli*)  rüttle, 

M'r  stigid  ufä  bis  under  d'First,  Si  wand  is  Schnitz  use  schüttle; 

Si  hauid-is  appä  Späck  und  Wurst;  M'r  ghörid's  im  Kaste  kehrä, 

M'r  ghörid's  Schlügseli  chlinge,  Si  wand  is  dri  Batze  verehrä. 

Früher  soll  es  vorgekommen  sein,  namentlich  unter  Villgauern  aus 
der  zu  Muotathal  "gehörenden  Filiale,  dass,  wenn  das  Honorar  ausblieb,  oder 
nicht  befriedigte,  man  sich  durch  den  derben  Spruch  rächte : 


*)  Unter  Röhrli   ist   hier   ein  Fässchen  gemeint,  worin  Dörrobst  auf- 
bewahrt wird. 


•60 


MiBzeileD.  —  M^Ianges. 


Rfldig  und  schäbig  und  inne  hohl, 

Si  händ  au  nüd,  das  wüssid  mir  wohl! 


Ober-Ägeri. 


Anna  Ithen. 


Einige  Rätsel  aus  dem  Kanton  Zug. 


Bat  mer  y,  rat  mer  a,  was  ist  das: 
Es  sind  sechs  Brliderä  i  eim  Hus, 
Luegid  all  zue  einer  Schybä  us, 
's  springid  all  enand  no 
's  oha  cheine  der  ander  foh  ? 

(Die  6  Speichen  eines 
Spinnrades.) 

Was  goht  wyss  i  Bach  und  chund 
brun  use?  (Chüechli.) 

De  Himmel  hets  und  d'Erde  nid, 
d'Meitli  händs  und  d'Wiber  nid 
De  Lorez  hets  voom,  de  Michel 

[hets  hinnä 

Und  d'Ankelirä  zwtlschet  innä. 

(Der  Buchsabe  1.) 

Es  Lädeli,  es  Gädeli  und  e  Tschuple 
wissi  Gizzi  dri. 

(Die  Zähne  im  Munde.) 

Rat  m'r  y,  rat  m'r  a,  was  isch  das? 
's  isch  chlyner  als  ä  Mus, 
's  hed  mängers  Schibli  als  ä's 

[Radhus. 
(Ein  Fingerhut.) 


Vier  Räderidänz, 

Vier  höörig  Schwänz, 

Es  Schlottermändli 

Und  e  Geisle-Stäcke? 
^Fuhrmann   mit  der  Peitsche   auf 
einem  vierrädrigen  mit  vier  Pferden 
bespannten  Wagen.) 

Es  Fässli  ohne  Bändli  und  zweuerlei 
Gumpisch ')  dri.  (Ei.) 

's  stahd  Öppis  ame  ne  Raindli 
Und  gschauet  sini  Baindli? 

(Erdbeere.) 

Eb  isch  ä  hölzige  Vater  und  dri 
ysig  BrUderä.  (Mistgabel.) 

Unna  vier  und  obe  dri 
Vier  Bai  und  keini  Knü. 

(Wergrätsche.) 

Rat  m'r  y,  rat  m'r  a,  was  isch  das? 
Wyss  wi  Schnee,  grüen  wi  Klee 
Rot  wi  Bluet,  schmöcked  alle  Lüte 

[guet. 
(Erdbeere.) 


Wellä  Krämer  schlad  am  wenigste  Wohi   gad    de    Gugger   wann    er 

uf  si  Waar  ?  (Glaser.)         jährig  ist  ?  (Ins  zweite  Jahr.) 

Was  gits  US  em  Heustöffel  (Heu-  's  lauft  öppis   um   's  Hus   ummä 

schrecke),  wenn  der  Heuet  überä  isch ?      und  summt:  trä,  trä,  trä. 

(En  Emdstötfel.)  (Dachrinne.) 

's  ist  öppis  wiss  wi-n-äs  Ei,  mit  schwarzem  Same  gsäet,   's  gad  dur 
mängs  Thal  und  Dorf  uf  und  weiss  doch  niemmer  was  dri  inne  stahd. 

(Ein  Brief  auf  weisses  Papier  mit  schwarzer  Tinte  geschrieben.) 
Ober-Ägeri.  Anna  Ithen. 


*)  Dieses  Rätsel  spielt  auf  die  frühere  Gepflogenheit  der  Hausfrauen 
an,  in  das  Fässchen  mit  dem  eingemachten  Sauerkraut  einige  Aepfel  zu 
legen.  In  etwa  8  Tagen  sollen  die  Aepfel  einen  aogenehmen  Geschmack 
davon  bekommen ,  welche  die  Kinder  mit  Vorliebe  essen  und  solche 
^Gumpisch •*  nennen. 


Miszellen.  —  M^langes.  61 

Aberglauben. 

Der  Stammheimerberg  mit  »einem  breiten  Bergrücken,  grossen  Wald- 
ungen und  verschlungenf^u  Pfaden  ist  schon  für  manchen,  der  sich  darin 
gut  anskennt,  zum  Labyrinth  geworden,  aus  dem  er  fast  keinen  Ausweg 
mehr  fand;  oder  dann  kam  er  an  einen  ganz  entgegengesetzten  Ort  hin, 
als  er  eigentlich  wollte.  Das  erklärt  sich  unser  Volk  so:  es  gäbe  ein 
Kräutlein;  wenn  man  unversehens  darauf  trete,  so  werde  man  ganz  davon 
verwirrt,  so  dass  man  sich  einfach  nicht  mehr  zurecht  finde.  Das  ist 
ein  Ueberbleibsel  des  auch  in  Grimms  deutscher  Mythologie  bezeugten  alt- 
germanischen  Glaubens  an  die  bezaubernde  Kraft  gewisser  Kräuter,  speziell 
des  Farrenkrauts. 

Noch  sieht  man  etwa  auf  dem  Dach  eines  Bauerhauses  eine  sog. 
Hauswurz  (Sempervivum),  die  nur  selten  zum  Blühen  kommt.  So  oft  sie 
aber  einen  Stengel  mit  Blüte  treibt,  stirbt  Jemand  in  dem  Haus  oder  in  der 
Nachbarschaft.  Erst  letzthin  versicherte  mir  ein  altes  Bäuerlein,  dass  dem 
gewiss  so  sei;  es  sei  erst  vor  einigen  Jahren  wieder  eingetroffen,  als  seine 
Frau  starb. 

Wenn  Eltern  aus  hiesiger  Gegend  mit  ihrem  Kind  zum  ersten  Mal 
nach  Stein  am  Rhein  gehen,  so  sagen  sie  ihm  gewöhnlich,  es  müsse  dort 
in  eine  Kette  beissen,  wenn  es  über  die  Brücke  gehe.  Das  verursacht  ihm 
DStürHch  ein  gelindes  Gruseln,  das  sich  aber  in  freudige  Ueberraschung  ver- 
wandelt, wenn  ihm  statt  der  Kette  eine  sog.  Steiner  „Gige",  ein  spezifisch 
Steinerisches  hartes  Gebäck  von  der  Form  eines  Rings,  dargereicht  wirti. 
Liegt  in  dem  Gruseln,  das  dem  Kind  beim  erstmaligen  üeberschreiten  des 
Rheins  beigebracht  wird,  vielleicht  ein  Nachklang  des  altgermanischen  Glaubens, 
dass  dem  Fiussgott  beim  erstmaligen  üeberschreiten  über  einen  Fluss  ein 
Opfer  (oft  ein  Menschenleben)  gebracht  werden  müsse? 

Es  wäre  interessant,  zu  erfahren  —  und  könnte  zur  Klärung  der  Frage 
dienen  —  ob  auch  in  anderen  Gegenden  unsers  Landes  ähnliche  Sitten  oder 
Gebräuche  herrschen. 

Stammheim.  A.  Farner,  Pfarrer. 


Zur  Volkskunde  vergangener  Zeiten. 

Nachtrag. 

E.  Martin  (Strassburg)  und  J.  Bolte  (Berlin)  machen  mich  auf  eine 
interessante  Parallele  zur  vorletzten  Zeile  der  zweiten  Strophe  des  S.  184 
mitgeteilten  Reims  über  das  Käsmahi  („die  Wirtin  sein  zur  goldnen  Laus^) 
freuDdlichst  aufmerksam.  Im  18.  Buche  von  „Dichtung  und  Wahrheit" 
(29.  Band  der  Weimar'schen  Ausgabe  S.  84  flf.j  erzählt  Gcrthe:  „Ich  hatte 
nach  Anleitung  eines  altem  deutschen  Puppen-  und  Budenspiels,  ein  tolles 
Fratzenwesen   ersonnen,    welches   den    Titel :    Hanswursts   Hochzeit   fUhren 

sollte Als  Prologus  tritt  der  Hochzeitbitter  auf,  hält  seine  herkömm> 

liehe  banale  Rede  und  endigt  mit  den  Reimen  : 

„Bei  dem  Wirt  zur  goldnen  Laus 
Da  wird  sein  der  Hochzeitsschmaus." 


^2  MiszeileD.  —  Mölaoges. 

Die  Fragmente,  die  uns  von  diesem  tollen  Fastnachtsspiel  erhalten 
sind,  finden  sich  abgedruckt  im  38.  Bande  der  Weimar'schen  Ausgabe 
S.  45  ff.,  enthalten  aber  unsere  Verse  nicht.  Doch  ist  in  einem  erhaltenen 
Personenverzeichnis  (S.  445)  die  Rolle  des  Hochzeitbitters  Scherwenzel 
vorgesehen.  £.  Schmidt  sagt  darüber  (S.  436):  „Das  Yerspaar  des  Hoch- 
zeitbitters ....  haftete  treu  in  seinem  Gedächtnis  und  darf  als  Paralipomenon 
gelten,  denn  es  stammt  wörtlich,  nur  von  der  Buchstabenvariante  „gülden *" 
Abgesehen,  aus  jenem  alten  Singspiel".  Dasselbe  „Harlekins  Hochzeit"  oder 
„Hochzeitsschmaus*"  ist  herausgegeben  von  Ellinger  in  Braune's  Neudrucken 
Halle  1890  (vgl.  Holte,  die  Singspiele  der  englischen  Comödianten,  Ham- 
burg 1893). 

Bern.  Prof.  Dr.  S.  Singer. 


Amulet 

eines  Luzemer  Landstürmers  gegen  Schuss  und  Stich  ~  aus  dem 
Sonderbundskrieg  nach  Bern  gekommen  im  November  1847. 

Zwei  schwarzwollene  rechteckige  Lappen,  ungefähr  5  cm.  breit,  7  cm. 
lang,  mit  blauer  Seide  umsäumt,  an  der  Innenseite  des  Saums  mit  gelber 
Seide  ausgenäht.  Die  beiden  Lappen  waren  zusammengenäht,  zwischen 
ihnen  befand  sich  ein  rotwollener  Lappen  mit  aufgedmcktem  Muttergottes- 
bild und  ein  weissleinener,  der  nach  gleichzeitiger  Angabe  vom  Hemde  des 
1844  ermordeten  Leu  stammt.  Das  Ganze  wurde  an  zwei  36  cm.  langen 
Schnüren  um  den  Hals  getragen. 

Dass  man  dem  Hemde  des  Leu  diese  besondere  Wirkung  zuschrieb, 
bezeugt  noch  nicht  etwa  seine  Verehrung  als  Heiliger.  Eine  Reliquie  von 
irgend  einem  unschuldig  Ermordeten  hat  überhaupt  zauberische  Wirkung. 
So  wurde  während  der  Dauer  des  Lenker  Prozess,  einer  Meldung  des  Thuner- 
blatts  vom  24.  Dezember  1902  zufolge,  einem  Fetzen  vom  Hemde  dos  er- 
mordeten Gerber  (ebenso  einem  Holzsplitter  vom  Weidhag,  an  dem  er  er- 
mordet aufgefunden  wurde),  die  Fähigkeit  zugeschrieben,  Kranke  zu  heilen. 

Bern.  G.  Züricher. 


Vom  Tierkreis  und  den  Gestirnen. 

Vadianische  Bibliothek  in  St.  Gallen  Nr.  401  Pap.  XVH.  Jahrh.  60  Bl.  8". 

(S.  7—9.) 

Wider. 
Ist  guot  sterckhen  die  begyrdt,  dess  morgens  negel  abschniden  vnd 
aderlassen,  au  zum  haubt. 

ScorpioD. 
Ist  guot  purgazen  inn  tranckh  innemen,  baden  vnd  schröpfen;  böss 
denen  so  die  blatern  handt. 

Sol. 
Ein  guter  tag,  die  natürlich  hitz  zemeren,  vbrig  füchtigkeit  zuo  deren 
vnd  blost  zuo  vertreiben. 


Miscdlen.  —  Mölanges.  63 

Low. 
Ist  guot  die  anziehenden  nattur  sterckhen,  haar  vnd  negel  schniden, 
in  all  andrem  zemeiden. 

Venus. 
Ein  glückhafftiger  tag,  baden  vnd  durch  treiben  te  artzney  ein  zenemen, 
glider  sterckhen,  kindt  entwenen. 

Stier. 
Ist  guot  Bterckhen  die  krafft,  fluss  vnd  durchlöuft  stillen,  kindt  ent- 
weneo,  sayen  vnd  pflantzen;  böss  den  halss  mit  artzneyen  anrüeren  oder 
dz  zepfli  abschniden. 

Wag. 
Ist  guot  die  döwung  sterckhen,  har  abschniden,  aderlassen,  baden  vnd 
schrepfen  au  am  ruggen  vnder  dem  gurt. 

Mercurius. 
Ein   mittelmessiger    tag   in    allen    obgeschribnen   dingen,    doch    das 
satom»  natur  gleich. 

Zwilling. 
Ist  guot  die  döwung  sterckhen,  böss  aderlassen,  schrepfen  insonders 

saff  den  armen  oder  banden. 

Jungfrow. 
Ist  gnot  die  behaltenden  kreft  sterckhen,  fluss  vnd  durchlöuft  stillen, 
kind  entwenen,  seyen  und  pflanzen. 

Luna. 
Ein  guoter  tag  zu  purgieren,  insonders  in  lattwergen;  aber  böss  baden, 
schrepfen  vnd  aderlassen,  so  der  mon  im  nüwen  oder  wedel  oder  fier  teil  ist. 

Creps. 
Ist  guot  purgieren,   insonders   in    lattwergen,   innemen,   baden   vnd 
«direpfen,  an  zur  median  mitel  aderlassen. 

St.  Gallen.  G.  Jenny. 


„Volkssage  im  Entlibuoh". 

,Als  die  ünterwaldner  ins  Entlibuch  einbrachen,  und  auf  dem  ersten 
Alphof  den  Senn  mishandelten,  entfloh  der  Eiiecht  auf  die  Flue  und  hörnte, 
während  das  Vieh  weggetrieben  wurde,  folgendes  Liedchen: 

Hollop  und  Blässen 
Der  Senn,  der  lyt  im  Kesseli, 
Der  Hüttenknecht  ist  in  der  Flue 
Er  homet  sinem  Scholieben  [?]  zu 
s'Hinder  Heini's  Trüchel  Kuh 
Lauft  gegen  Unterwaiden  zu 
Thut  alle  Thürli  uf  und  zu. 

Hierauf  sammelten  sich  die  Entlibucher,  und  jagten  die  Ünterwaldner 
mit  Hohn  zurück,  verfolgten  aber  ihren  Sieg  zu  wenig,  und  verscherzten 
darfiber  manche  schöne  Alpweide,  aus  Ueberfluss  und  Genügsamkeit  da- 
maliger Zeiten.*' 

„1802,  d.  31.  Jul.« 


64  Miszellen.  —  Melapj^es. 

Obige  Sage  findet  sich  handBchriftlich  aufgezeichnet  auf  einem  Oktav- 
blättchen  als  No.  4  in  dem  Sanimelband  G.  38,22  der  Vaterländischen  Biblio- 
thek in  Basel.  Vgl.  die  Varianten  bei  LCtolf,  Sagen,  Bräuche,  Legenden 
1862  S.  414;  Staldeb,  Fragmente  über  Entlebuch  I  (1797)  S.  81,  und  dar- 
nach Gremm,  Deutsche  Sagen.    3.  Aufl.  I,  194.  — 

Basel.  E.  Hoffmann-Krayer. 


Nikiaus  Emmenegger  von  Wiohy  (richtiger  Agy)  und  Anna  Maria 
geb.  Wiolit  seine  Frau. 

Jos.  Reinhart  pinxit  1791. 

Zwei  Eheleute 'mittlem  Altere.  Der  Mann  steht  etwas  breitspurig  da 
Der  Maler  hat  offenbar  des  Farbeneffektes  halber  den  braunen  Leibrock 
desselben  umgeschlagen,  so  dass  das  roto  Futter  sichtbar  wird.  Auch  die 
Weste  ist  rot,  mit  gelbem  Zwilch  geflUtert,  die  Hose  braun,  dem  Rock  ent- 
sprechend. Die  Kleidung  folgt  dem  Schnitt  der  städtischen  Mode;  nur  der 
auf  einer  Seite  aufgeschlagene  runde  Hut  mit  der  farbigen  Schnur  ist  bäuerlich. 

Origineller  ist  die  Tracht  der  Frau.  Sie  trägt  den  dichtgeflochteneD, 
breiten,  flachen  Strohhut  mit  schwarzer  Ganiitur,  wie  er  sich  als  Besonder- 
heit lange  bei  den  Freiburgerinnen  erhalten  hat.  Korsett  und  geblOmtes 
Halstuch  sind  mehr  städtisch;  ländlich  dagegen  mutet  uns  der  Rock  an, 
der  zur  Hälfte  rot,  zur  Hälfte  blau-weiss-rot  gestreift  ist.  Unter  der  leichten 
durchsichtigen  Schürze  wird  eine  blaue  bestickte  Tasche  sichtbar.  Die 
Hände  stecken  in  einem  mächtigen  Pelzschlupf,  der  zum  Strohhut  nicht  recht 
paHsen  will  und  wohl  schon  um  1791  bereits  antiquiert  war. 

Durch  Hrn.  Staatsarchivar  Schneuwly  in  Freiburg,  der  sich  dafdr  mit 
dem  Urenkel  des  obigen  Ehepaares,  Hrn.  Joseph  Emmenegger,  II.  Sekretär* 
der  kantonalen  Finanzdirektion,  in  Verbindung  gesetzt  hat,  erhielten  wir 
über  die  dargestelten  Pi^rsonen  folgende  wertvolle  Mitteilungen. 

Nikiaus  Emmenegger,  S(»hn  des  Melchior  E.,  stammte  ursprünglich 
von  Schüi)fheini  im  Entlebuch  und  lies»  sieh  in  der  zweiten  Hälfle  des  18. 
Jiilirhunderts  als  ViehliändltT  und  „Bergbeständer"  in  der  Nähe  von  Plaffejen 
nieder.  Am  22.  Novemb(»r  1773  erscheint  er  wegen  eines  Rechtshandela 
vor  dem  kleinen  Kate.  Er  ast^ocierte  sich  mit  einem  gewissen  Jützet  von 
St.  Sylvester  bei  Plaffeyen.  Ihre  Geschäfte  gingen  gut  und  erregten  den 
Neid  der  Nachbarn,  der  sich  in  geleg(mtlichen  Sticheleien  Luft  machte.  Ein- 
mal wurden  diese  im  Wirtshaus  von  Plaffeyen  den  Geschäflsteilhabem  sn 
arg,  so  dass  sie  mit  zwei  Zinnkannen  in  der  Faust,  die  sie  ihren  Gegnern  über 
den  Köpfen  schwangen,  die  Gaststube  räumten.  Später  zog  E.  in  die  NlÜie 
von  Freiburg  und  verheiratete  sich  am  18.  Oktober  1784  mit  Anna  Maria 
Wicht,  Tochter  des  Peter  W.  von  Praroraan,  welcher  Ehe  eine  zahlreiche 
Kinderschaar  entspros».  Am  16.  Dezember  1794  liessen  sie  in  der  Kirche 
S.  Nikolas  zu  Freiburg  Zwillinge  taufen,  bei  deren  einem  Herr  von  Appen- 
thel,  Alt-Land vogt  <les  Val  Maggia,  Gutsbesitzer  zu  Brünisberg  und  später 
Staatsschreiber  Pate  war,  woraus  zu  schliessen  ist,  dass  E.  wahrscheinlich 
dessen  Pächter  zu  Brünisberg  war.  Im  Jahre  1795  stellte  er  beim  Staatsrat 
zu  Freiburg  das  (besuch  um  Naturalisation,  wobei  als  sein  Wohnsitz  Agy 
f Gemeinde  Givisi(?z)  und  Brünisberg  (Gemeinde  Tafers)  genannt  sind;  seinem 


Schweiz.  Archiv  für  Volkskunde,  Band  VII  (1Q03) 


aus  Emmenegger  von  WJchy  (fichtig  Agy,  Gemeinde  Givisiez, 
Kt  Frei  bürg)  und  Anna  Maria  Wicht,  seine  Frau. 


I 


66  Miszellen.  —  Mölanges. 

faillir  rendre  mon  debvoir.  Vous  luy  pourrez  faire  dire  chansoos  sur  son 
coniet  et  äultres  pettites  carraces  (caresses)  qa*il  a  accoustumö  faire  4  ses 
vaches  pour  leür  faire  trouver  leur  desjun^  (döjeüner)  bon.  Je  pense  qu'ii 
moustrera  qu*il  est  des  maistres,  selon  que  je  m'entendz  a  leur  laogaige.» 
Neuchätel.  J.  Jeanjaquet. 


Zum  GlOcksrad. 

Das  von  Herrn  A.  Vital  im  Archiv  4,  174  bescbriebene  Engadiner 
Losbuch  „Ronda  della  Fortuna'^  ist  offenbar  aus  einem  deutschen  Originale 
•des  17.  Jahrhunderts  übersetzt,  das  der  bis  1638  in  Strassburg  angestellte 
Professor  der  Mathematik  Eberhard  Welper  verfasste:  „Ein  neu  erfundenes 
-Glücksrad,  durch  welches  man  nach  astrologischer  Art  auf  unterschiedliche 
Fragen,  so  den  zwölff  himmlischen  Häusern  nach  abgetheilet  sind,  eine  Ant- 
wort finden  kan*.  Der  älteste  mir  bekannte  Druck  befindet  sich  in  dem 
um  1695  erschienenen  Sammelwerke  „Das  zeitkürtzende  Lust-  und  Spielhaus'' 
S.  681—623.  Einen  Einzeldruck  o.  0.  1704.  37,  Bogen  S^  besitzt  die 
Berliner  Bibliothek,  einen  späteren  „gedruckt  in  diesem  Jahr",  der  den  Verf 
W^lper  nennt,  die  Weimarer.  Andre  werden  gewiss  bei  Nachforschungen 
zu  Tage  kommen.  Vgl.  übrigens  noch  meine  Ausgabe  von  Wickraxns 
Werken  IV,  333  (Litterar.  Verein.   Tübingen  1903). 

Berlin.  J.  Bolte. 


Volksmedizin. 

In  St.  Jost  am  Bürgen  (Kt.  Nidwaiden)  befindet  sich  im  Altar  hinten 
•ein  links  verlaufender  Schacht,  in  welchen  die  Wallfahrer  den  Kopf  hinein- 
stecken, um  vom  Kopfsveh  geheilt  zu  werden. 

Damit  möge  man  das  in  Band  IE  S.  58  über  den  durchlöcherten 
Stein  Gesagte  vergleichen. 

Stans.  Dr.  R.  Durrer. 


Die  arme  Gred. 

(Zu    Archiv    HI,    123.) 

Das  an  der  obigen  Stelle  von  J.  M.  mitgeteilte  Gedicht  findet  sich 
in  etwas  anderer  Strophenordnung  und  in  stark  erweiterter  Form  schon 
abgedruckt  in  Jos.  Ineichens  „Lieder  vom  alten  Sepp"  Luzern'1895  S.l  ff.  In 
unserer  Version  fehlen  die  Strophen  10.  12  (1.  Hälfte).  14—19.  20  (2.  Hälfte). 
22  (1.  Hälfte).  23.  24  (2.  Hälfte).  25—27,  während  in  ihr  Str.  1—9.  11.  12 
(2.  Hälfte).  13.  20  (1.  Hälfte).  21.  22  (2.  Hälfte).  24  (1.  Hälfte).  38.  39  ent- 
halten sind.  Die  Ineichen'sche  Fassung  weist  also  39  Str.  gegen  13  der 
unsrigen  auf  Freilich  sind  diese  letztem  auch  oft  zwölfzeilig  gegen  die 
^achtzeiligen  Ineichens. 

Ob  I.  ein  älteres  Volkslied  überarbeitet  hat  oder  ob  er  wirklich  der 
Verfasser  der  ^armen  Gred"  ist,  konnten  wir  bis  jetzt  nicht  ermitteln. 

E.  H.-K. 


67 


Kleine  Chronik.  —  Chronique. 


Volkslied  im  Kt.  Bern.  Bei  Anlass  des  kantonalen  Turnfestes  in  Biel 
ist  u.  A.  auch  ein  Volksliederabend  in  5  Bildern  mit  Gesang  und  Tanz  ver- 
anstaltet worden.  Wir  begrQssen  solche  Unternehmungen,  die  den  Sinn  ftir 
unser  Volkstum  in  weite  Kreise  tragen,  aufs  Beste,  möchten  aber  zugleich 
den  Wunsch  aussprechen,  dass  künftighin  nur  ganz  ächte,  d.  h.  wirklich 
vom  Volke  aufgenommene  Lieder  zum  Vortrag  kämen.  Dahin  rechnen 
wir  aber  nicht  —  bei  aller  lebendigen  Frische  —  das  Strasser'sche  Grindel- 
waldnerlied und  das  Heimann'sche  Seeländerlied  (die  französischen  Lieder 
kann  ich  nicht  beurteilen).  Das  ächt-historische  Kostüm  kann  bei  solchen 
Veranstaltungen  nie  genug  betont  werden. 

Elsässisches  Museum.  Herr  R.  Forrer  in  Strassburg  teilt  uns 
mit,  dass  dort  ein  „Elsässisches  Museum"  gegründet  worden  sei,  welches 
speziell  Material  zur  elsässischen  Volkskunde  sammeln  werde.  Wir 
wünschen  unsem  Nachbarn  Glück  zu  diesem  Vorhaben.  In  der  Schweiz 
ist  es  leider  bis  anhin  noch  nicht  gelungen,  etwas  Aehnliches  in  Angriff  zu 
nehmen,  da  sowohl  das  Landesmuseum  wie  die  kantonalen  Sammlungen  ihr 
Augenmerk  in  erster  Linie  auf  das  Kunsthandwerk  richten. 

Die  »Pierre  ä  Niton"  in  Genf  und  Nuton-Neptunus.  —  In  einem 
Artikel  der  „Wallonia"  (X,  219  ff.),  betitelt  „Neptune  et  NutonB""  kommt 
H.  Schuermans  auch  auf  die  „Pierre  ä  Niton'*  in  Genf  zu  sprechen,  die  sich 
durch  die  am  Fusse  entdeckten  Opfergeräte  (ein  Beil  und  zwei  Kelt)  als 
Altar  erwiesen  hat. 

Seh.  hält  nun  diesen  NiUm,  der  bei  Genfer  Greschichtsschreibem  auch 
NcUton,  Neiton,  Neyton,  Nyton  geschrieben  wird,  für  identisch  mit 
Neptunus,  und  diesen  wieder  mit  den  belgischen  NiUons^  jenen 
koboldartigen  Geistern,  wie  sie  auch  im  Schweizer  Volksglauben  so  häufig 
vorkommen. 

Die  Uebereinstimmung  ist  für  Seh.  umso  evidenter,  als  er  bei  Galiffe 
(Genfeve  historique,  Suppl.,  p.  15)  die  Notiz  gefunden  hat:  «C'est  encore  de 
r^poque  celtique  que  la  campagne  ä  conservö  longtemps,  surtout  dans  les 
localit^s  de  la  rive  gauche,  certaines  croyances  superstitieuses,  comme  celle 
aox  yServants',  gönies  domestiques  invisibles,  taquins  ou  complai- 
aants  selon  les  dispositions  du  manage  qu'ils  honorent  de  leur  attention.» 
Daxu  kommt  noch  die  Entdeckung  einer  eigentlichen  Neptunschrifl  in  Gtenf 
4un  14  Mai  1884  (CIL.  XII,  5878). 

Nach  alledem  ist  der  Name  Neptunus  keltisch  (vgl.  Schneegans  in 
Zeitachr.  f.  rom.  Phil.  XXIV,  560  und  Wilmotte  in  Revue  de  Tlnstruction  en 
Belgique)  and  bezeichnet  ursprünglich  gar  keinen  Meergott,  sondern  einen  dem 
NuUm  ähnlichen  Hausgeist. 


Bücheranieigen.  —  Camptes  rendus. 

Das  Bauernhaus  in  der  Schweiz.    Hrg.  vom  Schweiz.  Ingenieur- 
u.  Architekten- Verein.  Zürich  (Hofer  &  Co.).  Lief.  8—5.  Fol. 

Den  bereits  angezei^o  beiden  ersten  Lieferungen  sind  rasch  die 
übrigen  nachgefolgt,  so  dass  das  Werk,  wenigstens  der  illustrative  Teil,  nun 
abgeschlossen  vorliegt.  Der  Text,  der  mit  Lief.  5  erscheinen  sollte,  steht 
noch  aus. 

Ueberblickt  man  das  Ganze,  so  fällt  vor  allem  der  ungleiche  Anteil 
ins  Auge,  den  die  einzelnen  Kantone  an  der  Darstellung  genommen  haben. 
Diese  Ungleichheit  steht  auch  nicht,  wie  man  etwa  meinen  sollte,  in  ganz 
richtigem  Verhältnis  zu  der  Grösse  der  Kantone  oder  der  Vielgestaltigkeit 
ihrer  Haustypen.    £s  fallen  auf  den 

Kanton  Bern  18»/,  Tafeln      Kanton  Freiburg  2   Tafeln 

„        Graubiinden   16  „  „       Appenzell  2        „ 

Tafel 


Wallis 

5Va 

St.  Gallen 

3 

üri 

3 

Solothum 

273 

Zürich 

2 

Schwyz 

2 

Thurgau 

Unterwaiden 

Waadt 

Neuenburg 

Genf 

Aargau 

Vi 

Es  fehlen  somit  vollständig  die  Kantone  Basel,  Schaffhause n^ 
Zug,  Luzern,  Glarus,  Tessin.  Das  ist  uns  ein  neuer  Beweis,  dass  die 
Sammlungen  nicht  systematisch,  vom  historischen  Standpunkt  auß  angelegt 
worden  sind,  sondern  in  Hinsicht  auf  die  praktische  Zweckdienlichkeit.  Das  ist 
aber  um  so  mehr  zu  bedauern,  als  dadurch  Gegenden,  die  interessantes  Material 
geboten  hätten,  in  Wegfall  gekommen  sind.  So  sucht  man  z.  B.  vergeblich 
einen  typischen  Vertreter  des  deutsch -jurassischen  Hauses,  wie  es  sich 
im  Kt.  Basel  und  im  Frickthal  findet.  Ueberhaupt  ist  der  weitschichtige 
Typus  des  dreisässigen  Hauses  —  mit  Ausnahme  des  „Bernerhauses'',  das 
aber  eine  Uebergangsform  darstellt  —  gegenüber  dem  Länderhause  ziemlich 
schlecht  weggekommen.  Vom  Engadiner  Haus  haben  wir  wenigstens  in 
„Graubünden  Nr.  15"  einen  guten  Typus,  während  Nr.  7  mit  seinem  kompli- 
zierten Grundriss  keinen  festen  Anhalt  bietet.  Auch  die  übrigen  Typen  des 
rätoromanischen  Hauses  (Rheinwald,  Glarus,  Gaster,  Sihlthal)  sind  unge- 
nügend vertreten.  Das  ^schwäbische"  Haus  und  das  des  Unterwallis 
weisen  je  eine  Tafel  auf  (Thurg.  Nr.  1  und  Wallis  Nr.  5),  während,  wie 
bereits  bemerkt,  das  „Läuderhaus"  mit  über  30  Tafeln  den  Löwenanteil 
davonträgt.  Dass  das  sog.  „langobardische"  Haus  vollständig  fehlt, 
mag  seinen  Grund  in  der  Hunzikerschen  Publikation  des  Tessiner  Hauses 
haben;  wir  glauben  aber  doch,  dass  in  ein  so  hervorragendes  Werk,  wie 
das  vorliegende,  sämtliche  Haupttypen  hätten  aufgenommen  werden 
müssen,  ohne  Rücksicht  auf  etwaige  Vorarbeiten. 

Zum  Einzelnen  Hesse  sich  noch  manches  bemerken;  das  meiste  ist 
schon  in  der  letzten  Besprechung  gesagt  worden.    Eine  Sache,  mit  der  sich 


Bttoheranzeigen.  —  Comptes  rendos.  69 

Icein  Hansibrsdier  wird  befreaDden  können,  ist  die  gutdeutsohe  Bezeichnung 
oder  gar  das  Weglassen  der  Bezeichnung  der  Räume  auf  den  Grundrissen; 
hat  doch  Hnnziker  auf  die  grosse  Bedeutung  der  Terminologie  hingewiesen. 
Bei  den  Titein  wäre  es  angezeigt  gewesen,  den  Ortschaften  jeweilen  eine 
nähere  Bestimmung  ihrer  Lage  beizufügen.  *) 

Doch  genug  des  Tadeis!  Auch  in  der  schweizerischen  Publikation 
befinden  sich  Blätter  von  grosser  Klarheit  und  Schönheit  Das  Hauptrer- 
dienst  fällt  den  Architekten  J.  Gross  und  A.  Müller  zu,  von  denen  der 
erstere  allein  21,  der  letztere  11  Tafeln  des  ganzen  Werkes  ausgearbeitet  hat. 

Trotz  gewissen  Lücken  begrüssen  wir  das  schöne  Werk  aufs  Frendigste 
and  geben  zugleich  der  Hofifnung  Raum,  es  möchten  in  einer  Supplement- 
lieferung auch  diejenigen  Haustypen  noch  Aufnahme  finden,  die  bis  jetzt  in 
der  Sammlung  nicht  vertreten  sind.  E.  Hoffmann-Rrayer. 

Karl  Reuschel,  Volkskundliche  Streifzüge.    Zwölf  Vorträge  über 

Fragen    der   deutschen  Volkskunde.    Dresden    und   Leipzig 

(C.  A.  Koch)  1903.    VI  +  266  Seiten.    8^    (4  M.). 

Wie  der  Titel   besagt,   ist   der   Zweck   des  vorliegenden  Buches,   in 

Form  von  «Vorträgen'*   einzelne  Kapitel  aus  der  Volkskunde  zu  behandeln. 

Den  Grundstock  des  Buches   bilden   die   Erörterungen    über  das  Volkslied. 

Diesem   geht  eine    „Einführung"   über  Begriff,   Geschichte   und   Bedeutung 

der  Volkskunde  voraus   und  folgt   ein  Abschnitt  über  Sage,   Märchen   und 

Aberglaube  nach,  welch  letzterer  nur  als  Anhang  betrachtet  sein  will,  der  ein  paar 

Richtlinien  für  die  Behandlung  der  betreffenden  Forschungsobjekte  zieht. 

Ich  habe  die  klaren,   einsichtsvollen  Abhandlungen   mit   Genuss   ge- 
lesen.   Die  Einführung  ist  fern  von   aller  aprioristischen  Wortfechterei   und 
unterrichtet   in   knappen    Zügen   über   das  Wesentlichste.  *j    Der  Abschnitt 
über  das  Volkslied  teilt  sich  in  drei  Kapitel.    In  dem  ersten  kommt  der 
Begriff  des  Volksliedes   zur  Sprache,   wobei   sich  R.   der  John  Meier'schen 
Auffassung  anschliesst,  immerhin  unter  Beifügung  der  Bestimmung,  dass  die 
Volkspoesie  eine  gewisse  Dauer  ^besitzen  müsse.    Das  zweite  behandelt  die 
„Kunstlieder  im  Volksmunde",  jenes   Lieblingskapitel   der   heutigen  Volks- 
liedforscher in  überaus  ansprechender,  die  charakteristischen  Punkte  heraus- 
hebender Weise.    Das   dritte   Kapitel   setzt   sich   mit  der   Entstehung   der 
Volksdichtung   aus  dem  Arbeitsgesang  (Karl  Bücher)  auseinander.    Darauf 
folgen  Aufsätze  über  das  Schnaderhüpfel  (IV),  den  Stil  des  Volksliedes  (V), 
das  Verhältnis  der  deutschen  Landschaften  zum  Volksliede  (VI)  und  endlich 
die  kulturgeschichtliche  Bedeutung  des  Volksliedes  (VII),  die  in  allen  ihren 
Teilen  die  reichste  Anregung  bieten.    Das  Buch  schliesst  ab  mit  drei  Ab- 
handlungen über  Sage,  Märchen  und  Aberglauben.    Auch   sie  sind  gerade 
durch   ihre  knappe  Fassung,   die   uns   die  wichtigsten  Ansichten    über   das 
Wesen  dieser  Grebiete  vorfiihrt,  besonders  wertvoll  und  lesenswert. 

»)  Der  Titel  „Bauernhaus  ä  Plague"  (Bern  Nr.  12)  ist,  nebenbei  be- 
merkt, eine  rechte  Geschmacklosigkeit. 

<)  Der  Lapsus,  dass  ich  Professor  in  Zürich  sei,  ist  verzeihlich ;  aber 
unter  den  Hochschullehrern,  die  seit  längerer  Zeit  volkskundliche  Vorlesungen 
halten,  hätte  Singer  in  Bern  nicht  vergessen  werden  dürfen. 


70  Bücheranzeigen.  —  Comptes  rendus. 

Fachmann  und  Laie  können  aus  R/s  Buche  viel  lernen:  Letzterer 
manche  für  ihn  neue  Thatsache,  Ersterer  die  Kunst  der  übersichtlichen  Be- 
handlung eines  weitschichtigen  Stoffes  und  —  was  man  bei  einer  deutschen 
Arbeit  ganz  besonders  hervorheben  muss  —  die  einer  gewandten,  leicht- 
fliessenden  Darstellung.  E.  Hoffmann-Krayer. 

C.  Kleeberger,  Volkskundliches  aus  Fischbach  i.  d.  Pfalz.  (Samm- 
lungen des  Vereins  f.  bay.  Volkskunde  u.  Mundartforschung. 
Heft  I).  Kaiserslautern  (Herm.  Kayser)  1902.  VII  4-  130 
Seiten.    8*^. 

Es  ist  eine  erfreuliche  Thatsache,  dass  die  Volkskundevereine  aller- 
orten zusammenfassende  Darstellungen  herauszugeben  anfangen.  Man  kann 
diese  Publikationen  scheiden  in  Ortsmonographien  und  Stoffmonographien. 
Vorliegende  Schrift  reiht  sich  unter  die  erstem. 

Kl.  hat  sich  einen  sehr  weiten  Rahmen  gezogen  und  auch  Gegen- 
stände aufgenommen,  die  nicht  eigentlich  in  dem  Gebiet  der  Volkskunde 
liegen,  wie  z.  B.  geschichtliche  Begebenheiten  und  einiges  Statistische. 
Wir  halten  das  aber  für  keinen  Schaden,  so  lange  es  nicht  auf  Kosten  der 
Volkskunde  geschieht.  Und  das  ist  in  Kl.'s  Schrift  wirklich  nicht  der  Fall. 
Der  Verfasser  bietet  uns  ein  stattliches  und  in  vielen  Teilen  auch  bedeuten- 
des Material  über  Bräuche,  Aberglauben  und  Volksdichtung  (Märchen,  Sagen, 
Kinder-  und  Volksreime,  Kinderspiele,  Volkswitz,  Sprichwörter  und  Redens- 
arten). Dabei  wird  (S.  90)  auch  das  sonst  so  wenig  gepflegte  Kapitel  der 
volkstümlichen  Bilderschriften  kurz  berührt.  Zum  Schluss  kommt 
die  Mundart  nach  ihrer  grammatischen  und  formelhaften  Seite  zur  Sprache. 
Historische  Karten  und  Situationspläne  bilden  eine  willkommene  Ergänzung. 

Wir  möchten  diese  gediegene  Arbeit  auch  unsern  schweizerischen 
Volksforschern  zum  Studium  warm  empfehlen;  denn  auch  unserm  Lande 
thäten  solche  Monographien  mit  Hervorhebung  des  VolkskundHchen  bitter  not. 

E.  H.-K. 

Gertrud  ZOricher,  Kinderlied  und  Kinderspiel  im  Kanton  Bern. 
Volksausgabe.  Bern  (A.  Francke)  1903.   256  Seiten  kl.  8^ 

Die  in  Fachkreisen  durchweg  so  günstig  aufgenommene  Sammlung 
von  Berner  Kinderliedern  ist  nun  auch  in  handlicherem  Format  als  Volks- 
ansgabe erschienen;  die  Schweif.  Gesellschaft  für  Volkskunde  hat  als  Ver- 
legerin der  wissenschaftlichen  Ausgabe  von  Anfang  an  den  Plan  der 
Popularisierung  befürwortet;  d(»nn  sie  erhofft  sieh  von  dem  Bekanntwerden 
ihrer  Bestrebungen  im  weitern  Volke  nicht  geringen  Erfolg,  wenn  derselbe 
sich  auch  nicht  sofort  direkt  bemerkbar  macht. 

Wesentliche  Aendeningen  hat  die  vorliegende  Ausgabe  nicht  erfaliren. 
Für  ihren  Zweck  ist  natürlich  der  Varianten-  und  Litteraturap^mi'at  weg- 
gelassen worden;  dagegen  ist  ein  feinsinniges  Vorwort  von  0.  v.  Greyerz 
und  ein  alphabetisches  Register  der  Liederanfönge  neu  hinzugekommen. 

Wir  wünschen  dem  liebenswürdigen  Büchlein  alles  Glück  auf  den  Weg. 

E.  H.-K. 


71 


^  Bibliographie 

Ober  schweizerische  Volkskunde  fOr  das  Jahr  1902. 

Von  E.  Hoffmann-Erayer. 

Folgende  Herren  (bezw.  Firmen)  haben  sich  in  dankenswerter  Weise 
durch  Zusendung  von  BQchorn,  Zeitungsausschnitten  und  Litteratumachweisen 
an  der  Bibliographie  beteiligt: 

Prof.  J.  L.  Bbandstettkr,  Luzem,  0.  ÜHAMnAz,  Serix,  Dr.  Th.  v. 
LiEBENAu,  Luzem,  P.  Gabriel  Meiek,  Einsiedeln,  Dr.  R.  Nef,  Basel,  Dr.  R. 
ScHocH,  Zürich,  Prof.  A.  E.  Schönbach,  Graz,  Prof  P.  Schweizer,  Zürich,  Ad. 
Seiler,  Basel,  W.  Speiser,  Basel,  Dr.  E.  A.  StCckelbkro,  Zürich,  Red.  der 
„Thiroauer  Zeitung",  Franenfeld,  A.  Tobler,  Wolfhalden. 


Abkürzung. 
I.  SS  Schweizerisches  Idiotikon, 

I.  Bibliographisches. 

1.  Ergebnisse  und  Fortschritte  der  germanistischeu  Wissenschaft  im 
letzten  Vierteljahrhundert.  Leipzig.  8.477:  R.  Petich,  Volksdlohtnog ;  8.  4»9:  Ä. 
Fdach,  Volkskunde;  8.  506:  A,  Schuiiertu,  Mythologie.  —  2.  Jahresbericht  üb.  d.  Er- 
scheinungen a.  d.  Gebiete  d.  gerraan.  Philologie.  Jahrg.  1901.  Berlin  1902. 
XIX.  Mythologie  und  Sagenkundo.  XX.  Volkskunde.  —  3.  Jahresberichte 
fiir  neuere  Litteraturgeschichte.  IX.  Bd.  (1898)  Berlin  1902.  Teil  I,  5: 
Volkskunde.  —  4.  Bibliographie  der  Schweiz.  Landeskunde.  Bern  ^K.  ,1.  Wyss). 
—  5.  Hoffmann-Krayer^  E.,  Bibliographie  tlber  Schweiz.  Volkskunde  f.  d.  J. 
1901,  in  diesem  Archiv  VI,  69  ff.  — 

II.  Helhodik  und  Systematik. 

1.  Hoffmann-Krayer,  E.^  Die  Volkskunde  als  Wissenschaft.  Zürich.  — 
2.  Scfioch,  R.j  Anleitung  z.  Anlegen  von  Gemeindechroniken.  Neue  Zürcher  Ztg., 
19.  Jan.    Behandelt  bauptAächlich  die  ToIkskundHohe  Seite.    — 

III.  Yeriuischtes. 

1.  Viäliäty,  H.,  La  Suisse  a  travers  les  ages.  Bale  et  Geni've  s.  a. 
[1902].  —  2.  Mohr,  A.y  Survlsta  della  literatura  ladina.  Annalas  deUla 
Societä  retO'TOmantscha  XVI,  13 ff.  Daraus  besonders-  I.  Part.  La  literatura  tra- 
dizioDala:  1.  Prorerbis  e  frasas  proverbiales.  2.  In^^lHTineras.  3.  II  requint  mitlc  e  la 
ehanson  mitica.  4.  Iai  chanznn  d*amur.  5.  La  satira  ed  il  pasquil.  6.  La  ballada.  7.  La 
fiabla.  8.  La  ohanznn  itorica.  9.  La  chanzun  politica.  10.  La  chanzun  da  plaz  (Spinn- 
Stuben-Lied).  11.  Cbansun  da  led.  12.  L'inscripziun.  —  3.  Diibiy  H.,  Saas-Fee  und 
Umgebung.  Bern.  Holzkreuze  mit  Votivtafeln  S.  17.  22.  76,  Steine  28.  29.  104,  Sara- 
aenen  Sl.  Hioser  passim  o.  spez.  HO,  Hausthür  47,  Murmeltierfang  47,  Inschriften  48.  76. 


72  Bibliographie. 

79.  89,  Haoageräte  95.  110,  Kannen  59,  TUch  68,  Bflck«Bkorb  100.  101,  Landw.  Geräte  107. 
119,  Jahneitmühler  59,  Volksmedistn  61.  63,  Be^räbnU  69.  109,  Brücken  65,  Sagen  87. 
95—100,  Anekdoten  100,  Heiligenverehrnng  89,  Namen  109,  Nahning  108,  Alp-  n.  Land- 
Wirtschaft  105.  —  4.  Wettstein,  E.,  Zur  Anthropologie  UDd*Ethnographie  des 
Kreises  Disentis.  Zürich.  I.  Physiach-anthropologlscher  Teil.  II.  EthnographiBcher 
Teil:  A.  Spraeke:  Orti-  uid  Flomamen,  QeMkleehtinamen,  Peraonennamen.  B.  StatU- 
tiaohee:  Beyölkemngssahl,  Heirattfreqnenz  nnd  Ueiratsalter,  SterbefiUle.  C  Lebensweise: 
Kahrong,  lUeidnng,  Beschäftigung.  D.  Hausaeiohen.  E.  Tierceiohen.  F.  Volksdichtung: 
Härchen,  Sagen,  Kinderreime,  Alte  Sprüche  und  Gebete,  Landwirtschafts-  und  Wetter- 
regeln, Sprichwörter,  Rätsel.    G.  Aberglaube.    H.  VoÜLsmedisinisches.  — 

IT.  Urgeschichte^  Yorgeschichte,  Siedlung. 

1.  Garofalo,  F.  P.,  Note  di  storia  elvetica.  BoUeitino  siorico  XXIU 
(1901),  133  ff.  (Sülle  sedi  e  sui  limiti  degli  Helvetii.  —  Quali  eraDO  i  pagi 
Elvetici?  —  Sulla  via  che  tennero  i  Cimbri  per  venire  in  Italia).  —  2.  Anti- 
chitä  di  casa  nostra  nei  Musei-di  Milano.  Ib.  164.  —  3.  Nüesch,  /.,  Das 
Schweizersbild.  2.  Aufl.  Zürich.  (Vgl.  Korrespofidene-Blatt  d.  d.  Ges.  f. 
Anthropologie  XXXIII,  50).  —  4.  Heierli,  J".,  Die  Nefritfrage  mit  spez.  Be- 
rücksichtigung der  Schweiz.  Funde.  Anzeig.  f.  Schweiz.  Altert.  IV,  1.  — 
6.  Ulrich,  Ä.,  Der  Grabhügel  im  „Wislistein**  bei  Wangen,  Kt.  Zürich.  Ib.  8. 

—  7.  ReichUn,  Fr.^  Les  fouilles  de  Vindonissa.  Revue  histarique  vaudoise. 
X»  ann^e.  —  8.  v.  Tröltschy  F.,  Die  Pfahlbauten  des  Bodensees.   Stuttgart. 

—  9.  Heierli,  J.,  Aus  der  Urgeschichte  des  Ütliberges  bei  Zürich.  Globus 
82,  231  ff.  —  10.  Courthion,  X.,  Les  premiers  coions  du  Valais.  Almanach 
du  Valais  (Sion),  p.  68.  —  11.  Caro,  G.y  Studien  zu  den  älteren  St.  Galier 
Urkunden ;  Die  Grundbesitzverteilung  in  der  Nordostschweiz  zur  Earolinger- 
zeit.  2.  und  3.  Abschnitt.  Jahrb.  f.  Schweiz.  Gesch.  XXVII,  186  ff.  — 
12.  LiUhi,  F.f  Der  Aufmarsch  der  Alemannen.  Pionier  (Bern)  XXIU,  1  ff.  — 
S.  auch  m,  3.  — 

y.  Wohnung  und  Architektur. 

Höhlenwohnvng.  Höhlenbewohner  in  der  Schweiz.  Basl.  Ncuihr.  30.  Nov.  — 
Haus.  Das  Bauernhaus  in  der  Schweiz,  hrg.  v.  Schweiz.  Ingenieur-  und 
Architekten- Verein.  Lief.  1—5.  Zürich  (Hofer).  —  2.  Isabel.  F.,  Un 
fenil  aux  Ormonts.  Bulletin  du  Glossaire,  p.  30.  —  3.  Hunziker,  J"., 
La  maison  suisse  dapr^s  ses  fonnes  rustiques  et  son  d^veloppement 
historique.  Traduction  fran^aise  par  Fred.  Broillet.  l^*  partie:  Le 
Valais.  Lausanne  et  Aarau.  —  4.  Alte  Häuser  in  Ins.  Der  Schweizer- 
Bauer,  [Kal-l  (K.  J.  Wyss),  S.  93.  —  5.  Appenzeller  Haus.  Neuer 
Appenzeller  Kai.  (Heiden,  b.  R.  Weber.)  —  S.  auch  I.  189.  190  Blatten, 
196  Asch-,  197  Vor-,  Füür-,  198  Herd-,  200  Schutz-,  201  Trechen-, 
Wolf-,  Wetter-,  Ziegel- BlaUen,  315  Breche.  —  S.  auch  lU,  3.  — 
Brücken.    S.  lU,  3.  — 

YI.  Gerät,  Fahrzeug  und  Aehnliches« 

Schiff*  1.  Zur  Forschung  über  alte  Schiffstypen  u.  s.  w.  A.  Die  Schweiz 
(von  H.  Messikommer,  Dr.  Wavre,  Dr.  V.  Gross,  Dr.  J.  Messikommer 
und  R.  Mielke).  Correspondenzblatt  d.  deutsch.  Ges.  f.  Anthropologie 
S.  36  ff.     L   Äg^eri-    nnd    Zugr^r-See.     I.   Die   Einbaum-FlottlUe   In   Ober- 


Bibliographie.  73 

Äceri.  IL  Die  HeratoUimg  des  EinbaomaB,  ipoüall  r.  Ober-i«erL  HL  DI« 
FiMharflotto  ▼.  Walehwyl.  S.  Neuenbar ger-,  Bieler-,  Mnrten-See,  Thielle 
und  Broye.  8.  Bieler-8ee.  4.  Einbanm  ▼.  Robenhausen.  5.  Wallen-Seet 
Limmat,  Vlerwaldit*tter-8ee.  — 

iMmpen.  2.  Godet^  Ä.,  Anciennes  lampes  grisonnes.  Anz.  f.  Schweiz. 
ÄUert.  IV,  67.  — 

LandwirischaftUeheg.    S.  m,  3.  — 

HauBgerät.    S.  m,  3.  ~ 

YII.  Nahrung. 

AiigemeineM.    S.  III,  3.  4.  — 

£tebä€k.  1.  J".  M.y  A  propos  des  bricelets.  Conteur  vaudois,  4  janv.  — 
2.  Margot,  Ch.-G.y  Casse-museaux.  Ib.,  15  fövr.  Rln  hartes,  kastanlen- 
förmiges  GebSck,  schon  im  16.  Jh.  bekannt  -*  J.  181  Blatt  187  Thee-^ 
Win-Blaü,  203  Plattene,  277  Ha^Ben-,  279  Chnüw-,  Leder-,  280  Fa»- 
noc^,  282  Äw-,  283  Schnider-Bhfz.  -  S.  auch  XI:  Ostern.  - 

TIIL  YolkskuDSt. 

Heraldik»     1 .  Angst^  U.,  Baueraheraldik.    An*,  f.  Schweiz.  Altert.  IV,  64.  — 

IX,  Tracht. 

AppenzMm    1.  Appenzeller  Sennenbube.  Nach  einem  Aquarell  v.  K.  Liner. 

Die  Schweiz  VI,  5.  Heft.  —  J.  266  Bletz,  384  BrüecMi.  — 
Bern.    2.  Bemertracht  a.  d.  J.   1804   (nach  König).   Eidg.   National-Kal. 

(Aarau,  b.  E.  Wirz),  S.  69.  —  I.  282  Schilebletz.  — 
rVeihurg.    3.  Qeogr.  Lexikon  Bd.  II,  170.  171.  — 
Glarus,    4.  Joh.  Heitz,  der  grosse  Gemsjiiger.   Alnianach  romand  (Beme, 

chez  Stsempfli  &  Cie.).    Planche,  d'aprfes  König.  — 
St-  Gallen.    5.  Die   3   Kinder  des    „armen   Mannes*"  (Bräcker)   aus  dem 

Toggenburg.  Hist.  Kai.  (Bern,  b.  K.  Stämpfli).   Färb.  BUd  nach  N.  König.  - 

S.  auch  I.  191  Blatten,  203  gehlätüet,  266  fg.  Bletz.  — 
Grauhünden.    S.  III,  4.  — 

Waadt*    6.  Paysanne  au  marchö,  ä  Vevey.    Conteur  vaudois,  23  aoüt.   — 
WaUis.    7.    1802.   Almanach  du  Valais  (Sion),  p.  16.   —   8.  Männertracht 

der  Älplerinnen.  Der  Schweizer  Bauer  (Bern,  b.  K.  J.  Wyss),  S.  79.  — 
Zug.    9.  Peter  Meyer  und  seine  Schwester,  von  Buonas.  Hist.  Kai.  (Bern, 

b.  K.  Stämpfli).    Färb.  BUd  nach  N.  König.  — 
Zürich.     10.  Joh.  Frid.  Fröhlich  und  A.  B.  Millli  (v.  Schöfflisdorfj.  Alma- 

nach  romand   (Beme,  chez  Stfempfli).    Färb.  Bild.    —    I.    188  blättlen, 

275  ünderbletz.  — 

Zum  Ganzen  s.  auch  J.  188  blättlen,   275   Vor-,   276  Göller-,   281 

Brust'Bletz,  383  fg.  Bruech.  — 

X.  Wirtschaftliches. 

JLiigetneines.  1.  Geering,  Tr.,  und  Hotz,  R,,  Wirtschaftskunde  der  Schweiz. 
ZOrich.  —  2.  Baumgartner,  G.,  Das  Curiirstengebiet  in  seinen  pflanzen- 
geogr.  und  wirtschaftl.  Verhältnissen.   Zürcher  Diss.  1901.  -r- 


74  Bibliographie. 

Landwirtschaft»  3.  Karte  der  Landwirtschaft  uod  Bodenerzeugnisse  der 
Kantone  Appenzell,  Aargau,  Bern,  Freiburg,  Basel.  Geograph.  Lexikon 
der  Schweiz.  Lief.  10.  15.  26/7.  34.  56.  —  4.  Kr^emer,  Ad.,  Die 
Landwirtschaft  im  19.  Jahrh.  mit  bes.  Berücksichtigung  Schweiz.  Ver- 
hältnisse. Frauenfeld.  —  5.  Der  Dinkel  und  die  Alamannen.  Globus 
87.  83.  Beferat  eines  Artikels  t.  R.  Qradmana  in  d.  Wflrtt.  Jahrbb.  t  Statistik 
1901,  welcher  den  Dinkel,  in  der  Schweiz  «Korn''  genannt,  als  spesiflsch  alemann- 
isches Getreide  feststeUt.  —  6.  Pierre  d'Anian  (Roch,  Eug.),  Oh !  les 
bonnes  vendanges  d'antan.  Conteur  vaudois,  25  octobre.  — 

Alp'  u.  Milchwirt9ch€fft.  7.  Per  la  storia  del  commercio  dei  formaggi. 
Bollettino  storico  XXIU(1901),  180.  —  8.  Gerber,  Gh.,  Milchwirtschaft. 
Alpwirtschaftl.  Monatsblätter  33.  —  9.  Strüby,  A.y  Die  Alp-  und 
Weidewirtschaft  im  Kt.  Zug  (Schweiz.  Alpstatistik  XI).  Solothum 
1901.  —  10.  Strüby,  A.,  et  de  Chastonay,  0.,  L'Economie  alpestre  du 
Bas-Valais.  (Id.  XU).  Ib.  1902.  —  11.  Die  Emmen  thaler  Alp  Wirtschaft 
zu  Grossvaters  Zeiten.  Alpwirtsch.  Monatsblätter  S.  93.  —  12.  Die 
Alpwirtschaft  im  Unterwallis.  Ib.  S.  96.  190.  —  13.  Fleischmann,  TT., 
Lehrbuch  der  Milchwirtschaft.  3.  Aufl.  Leipzig  1901.  —  14.  Gilliron- 
Duboux,  Les  alpages  communaux  dans  les  Alpes  vaudoises.  Chronique 
agricole  du  Canton  de  Vaud.  —  15.  Die  Alpen  im  Vallt^e  de  TEau- 
Froideim  Kt.  Waadt.  Alpwirtsch.  Monatsblätter  S.  142.  —  16.  D'Antan, 
P.,  Le  fauchour  dauö  la  montagne.  Conteur  vaudois,  6  sept.  Lebendes 
Alpheuers.  —  I.  199  Käs-Blatten,  203  Blater.  —  S.  auch  III,  3.  - 

Viehwirtschaft,  17.  Verteilimg  der  Nutz  Viehhaltung  im  Kt.  Bera,  Frei- 
burg. Karten    in  Lief  35/36  u.  53  des  Geogr.  Lexikon  d.  Schweiz.  — 

Hausindustrie,  18.  Karten  der  hauptsüchlichsten  Industrien  der  Kantone 
Appenzell,  Aargau,  Bern  und  Basel.  Geogr.  Lexikon  der  Schweiß. 
Lief  9.  16.  28/9.  33.  -  19.  Webstuhl  im  Basel-Land.  Ib.  Lief  10.  — 
S.  auch  m,  4.  - 

XI.  Sitte,  Brauch,  Feste. 

Hochzeit.  1.  Une  ancietme  coutume.  Conteur  vaudois,  5  avril.  Abschieds- 
reim an  die  das  ElternhaoB  verlassende  Brant.  —  2.  Dalla  Calanca.  Costumi 
nuziali.  II  San  Bernardino  (Roveredo)  N».  7.  8.  11.  18.  15.  17.  24. 
Nichts  Altertümliches.  -  2*  L  447  E'Brief,A5S  Hirats-,  Verhirats-,  479 
Husrat-,  489  Etag-,  491  Wiberbrief.  —  S.  auch  XV,  4.  5.  — 

Baten.  2^  /.  200  Schienggen- Blatten,  303  Brabanier,  452  Gevatttrbrief; 
457  Göitibnef.  — 

Taufen.    S.  XV,  8.  — 

GeburtsUig.    2«   I.  472  Bindbrief.  — 

Namenstag.    2«*  I.  495   Würgbrief.  — 

Liehschaß.    2*.  I.  197  füürplättelen.  — 

Begräbnis.    2t  J.  180  Blatt  —  S.  auch  III,  3.   - 

JahrzeitmUhler.    S.  III,  3.  — 

Holzkreuze.    S.  III,  3.  — 

Älplerfeste.  3.  Alphirtenfest  in  ünspunnen.  17.  Aug.  1805.  Histor.  Kai. 
(Bern,   bei  K.  St<1mpflii,  S.  48  und  Almanach  romand  (ib.),  p.  72.  — 

Landwirtschaftliciie  Bräuche.    3».  I.  340  Brecheten  (Hanf).  — 


Bibliographie.  75» 

Sehützenfeaie.    4.  LßebenauJ,  Th,  v.,  Vorgeschichte  der  Schweiz.  Schützen- 
feste. Fest'Ztg,  für  das  eidg.  Schützenfest  in  Luzem  1901,  S.  99  ff.  — 
5.   Lötscher,   Ä.,    Erinnerungen    an    die    Entlebuch-Eramenthalischen 
Weiberschiessen.  Ib.  S.  2ö0  ff.  —  6.  Heubergery  S.y  Zur  Geschichte  des 
Bragger   Schützenwesens.    Offiziel.  Festztg,  für  das  aarg.  Kantonal' 
schütsenfest.  —  7.  Liebenau,  Th.  v.,  Pritschenmeister  Heinr.  Gering  von 
Zürich.    Am.  für  Schweiz.  Altert.  IV,  168.  —  7t  1.  193  Blatten,  196 
Ürten-,  199  Schiess-,  200  Schützen- Blatten,  273  Bletz,  282  Schibenbletz, 
446  Brief,  484  Schiess-,  485  Schützenbrief   - 
Knabenschaften»    7*».  I.  402  Hauss-Predig,  414  Brueder.  — 
JBrttderschaflen.    7«    /.  414  ff.  Brueder  u.  Zss.,  424  Bruederachaft.  — - 
Spart.    8.  Dübi^  H.,  Der  Alpensinn  in  der  Litteratur  und  Kunst  der  Bemer 
V.  1537—1839.   Neujahrsbl  der  Litterar.  Ges.  Bern  a.  d.  J.  1902.   — 
S.  auch  XII.  — 
j€Lgdm    9.  Forestj  L.,   Une  chasse  4  l'aigle.    Conteur  vaudois,  12  avril.   — 

S.  auch  III,  3.   - 
NaciUtvüchter*     10.  Morax,  R.,  Les  veilleurs  de  nuit.  Gazette  de  Lausanne, 

30  jaillet.   Nachtwache  in  Reokinf^en  (Oombs).  — 
Feuerspritzenfest.     »0^    /.  304  Spritzenprob.  — 
Kirciigang.    W  /.  183  Öpfel-Bletüi.  - 
Kirchliciie  Bräfiche.    11.  Müller,  Jos.,  Ein  alter  Bittgang  auf  Ennet- 

märcht.    Histor.  Neujahrsbl von    Uri   a.   d.   J.    liK)2.    — 

12.  Courtfiion,  L.,  Les  Itogations.  Journal  de  Geneve,  18  mai.  Bittgänge 
im  Walils  ror  Himmelfahrt.  -   I2t   I.  220  Bluet  (Blutfest).  — 
Verfassungsbräuche.    S.  Rechts-  und  Verfassungsaltertümer.   — 
Silvester.     12»:   /.  21677  Nest'Blutter{eT),  -Blatterling.  — 
Neujahr.     13.  Das  Neujahrsingen.  Eidg.  National-Kal.  (Aarau,  b.  E.  Wirz) 
S.  77.   —    13»   J.  216  Nest'Blutter,  409  Predikant,  472  Bindbrief  — 
JFastnacht»    14.    Ebrodensis,   Les   Brandons.    Lieti   vaudois,    10   fövr.    — 
15.  J.  B.  [lies  J.  L.],  Wie  die  Gomser  [lies  Gommer]  ihre  alte  Fast- 
nacht in  Ehren  feiern.   Vaterland  27.,  28.  Febr.,  1.  März.  —  16.  (Ilirs- 
niontag   in    Münster    1764).    Luzerner  Volksblatt    14.  April.     Feuer  im 
«KreaE'*  zn  Münster  1764,  durch  KttchlibackeD  verursacht.  —  16*    /.  264  Bletz, 
282  Bschuribletz,  468  Fasnacht-,  489  Hirsmäntag-,  490  Dorfbrief  — 
JPaimsanntag.     16^  L  185  Balm-Blatt,  259  EselspJätzU.  — 
Ostern.    16«   /.  185  Balm-Blatt  2,  256  Platz.  — 
jyingsten.     161   L  2 17  Pfingst-BlilUer,  218  Pfing.st-Blüttling.  — 
3fa€-     17.  Der  „Maienbrei"  in  Silva.  Züricher  Post  8.  und  16.  Mai.  Poienta- 

Mahl  der  Schalkinder.  — 
Wurstmahl.    18.  J.  495  Wui-stbrief  — 

XII.  Spiele. 

ferrnischtes.  1.  Die  älteste  Erwähnung  des  Steinstossens.  (Thüringischer) 
Hauskalender  fLuzern)  S.  26.  Erwähnung  des  Kegeins,  „Walens", 
Stechens,  Tnrnierens,  Schiesseds  und  Steinstoäsens  im  alt.  Im.  Stadt- 
bach (1310—1815).  —  2.  S.  auch  /.  190  Blatte  (Steinplatte),  197  Geiss- 
gügi-Blatten,  200  Schiessblatten,  Stöckel-BläUli,  steinblättlen,  201  Störzli- 
Blatten^  '^02  blattjen,  blätüen,  Blättiet,  209  bläterlen,  239  Platscligeren, 


IB  Bibliographie. 

262  Seholderplatz,  ^63  platzen,  298  hlaUgen,  300  Btutzger,  blüUgerlen, 
902  Zübrid,  316  brechen,  412  Brüddi,  413  Brueder.  ^ 
Kartenspiel.    3.  I.  423  WcAdhrueder.  — 

XIII.  Rechts-  und  Terfassangs-AItertämer. 

Vermiaelitee*  1.  Fient,  G.,  Die  bfindu.  Grememde  in  ihrer  staatsrechtlichen 
Struktur.  Bündn.  Monatsbl  1  ff.,  25  ff.  —  2.  iScÄwite,  ^.,  Ueber 
Staatenbildung  in  der  Alpenwelt.  Histor.  Jahrb.  der  Qörresges,  XXII, 
1  ff.  —  3.  Cajacobf  Die  Gesch.  der  Rechtsquellen  des  Kt  Graubanden. 
Vaterland  1900  Nr.  129.  —  4.  Meuli,  A.,  Die  Entstehung  der  auto- 
nomen Gremeinden  im  Oberengadin.  Jahresb.  der  Hist.-ant.  Gee.  van 
GratiUmnden  Jg.  1901.  —  6.  Beschreibung  zweier  alter  Bräuche. 
Basler  Chroniken  VI,  307  ff.  Bericht  yon  ea.  ISSO  fiber  alte  Wahlbräaohe 
ond  die  Brbebang  des  Mmrtinlzinses.  -  5^  I.  238  IHütschi,  320  brechen, 
453  Fressbrief,  flberh.  die  Zss.  mit  Brief.  — 

JOandsgemeinde.  6.  Die  Landsgemeinde  in  Glarus.  (2  Abbildungen).  Der 
Tag  (Berlin)  4.  Mai.  —  Qt  I.  403  Landsgtneindpredig.  — 

Hauezeichen.    S.  III,  4.  — 

Jtechtsqfiellen*  7.  Dumur,  B.,  Les  coutumes  de  Payeme.  Mimoires  et 
BocumentSy  publ.  p.  la  Soc.  d'hist.  de  la  Suisse  rom.  t.  IV,  p.  207  suiv. 

—  8.  Holder,  K.,  Das  Landrecht  von  Jaun.  Freiburger  Geschichts- 
Udtter  IX,  1  ff.  —  9.  Jecklin,  F.,  Eine  neue  Quelle  ftlr  die  Geschichte 
des  bündn.  Strafgerichtes  v.  J.  1572.  Ane.  f.  Schweiz.  Gesch.  S.  72.  — 

XIT.  Yolksglaubeo  und  Yolksmeinangen. 

Vermiechtee.  S.  III,  4. 

JBauem"  m.  Wetterregeln*  1.  Vieux  dictons  sur  le  mois  de  janvier. 
Conteur  vaudois,  18  janvier.  —  2.  (Idem  du  mois  de  fövrier).  Ib., 
8  fftvr.  —  3.  (Mars).  Ib.,  15  mars.  —  4.  (Avril).  Ib.,  19  avril.  — 
5.  (Mai).  Ib.,  10  niai.  —  6.  Feierabend-Kalender  (Münsingen,  bei  G. 
Fischer),  Almanach  du  Valais  (Sion),  (nuring' scher)  Hauskalender 
(Luzern,  bei  Gebr.  Rilber),  Historischer  Kalender  (Bern,  bei  K. 
Stämpfli),  Arbeiter freund-Kal.  (Bern,  Blaues  Kreuz),  St.  Ursen-Kal. 
(Solothum,  Union),  Grütli-Kal.  (Zürich,  Grütlidruckerei),  Neuer  Ein- 
siedler Kai.  (Eins.,  b.  Eberle,  Kälin  &  Cie.),  Vetter  Götti,  Lustiger 
Uisteli'Kcä.,  Schweiz.  Volks-Kal.  (sämtl.  Grüningen,  bei  J.  Wirz), 
Joggeli-Kal.  (Zürich,  b.  Jean  Frey),  Für  Alle,  Kai.  (Emmishofen,  C. 
Hirsch),  Badener  Kai.  (Baden),  Der  Schweizer  Bauer  (Bern,  b.  K.  J. 
Wyss),  Vetter  Jakob  (Zürich,  b.  J.  R.  Müller),  Der  nette  christliche 
Hauskai.  (Luzern,  b.  Gebr.  Ruber),  St.  Galler  Kai.  (St  Gallen,  b. 
Wiser  &  Frey),  David  BürklVs  Züricher  Kai.  (Zürich,  b.  F.  Amberger). 
Familien-Kai.  (Zürich,  b.  Th.  Schröter),  Der  Wanderer  (Zürich,  b.  H. 
Gropsslerj,  Schweiz.  Dorfkai.  (Bern,  b.  W.  Gtppper).  —  7.  Le  temps 
qn'il  fera.  Almanach  du  Vafais  (Sion,  b.  Kleindienst  &  Schmid),  p.  51, 

—  7*  I  177  Merzen- Bluett,   214  hlutt   374  Manbruch,   413  Brueder. 

—  S.  auch  III,  4.  — 

Jffexen,  8.  Jecklin,  F.,  Beitrag  zur  Geschichte  des  bündn.  Hexen wesens. 
Bündn.  Monatsbl.   S.  34  ff.    —   9.    Nangjs,  fi.,   La   deniiöre   Borciöre 


Bibliographie.  77 

hrülöe  ä  GenÄve.  Semaine  lüUraire  X,  1«6— 188.  ~  10.  Schweißer,  P., 
Der  Hezenprozess  und  seine  Anwendung  in  Zürich.  Zürcher  Taschen- 
buch 1902,  1  ff.  —  11.  Semaine  Utt&aire  X,  295.  Urteil  Choaets  über  die 
Hexeret  —  II»   I.  259  HäxenplaU.  — 

Zauber.    n\  I.  223  bluetig.  — 

AljHirtick.  12.  Zahler,  H.,  Vom  Doggeli.  Der  Hausfreund  (Kai,  Bern) 
S.  69.  — 

Heidenhäuaer.    12*   /.  197  Füür-Blatien.  — 

9teine.  13.  Die  „Fille  de  Mai''  an  der  C6te  de  Mai.  Geogr.  Lex.  d.  Schweiß 
S.  649.  ~  14.  „Pierre  Perc^e"  in  Courgenay.  Ib.  S.  553.  —  S.  auch 
III,  3.  - 

Tiere,  16.  TTtcÄmann,  F.,  Ein  sagenhaftes  Tier  (Einhorn).  Basler  Nachr., 
1.  Dez.  —  15^  /.  177  Bmen-Bluest  (Aal),  208  Schwin-Blateren.  — 

nngemäg^.    \b\   I.  177  NageUBluest.  — 

Blut,    lö«  J.  221.  — 

Fflamen.    15«!  J.  184  Klee-Blatt.  — 

Farben.    \b\  L  241  blaw.  — 

Blitz.     W.  J.  290.  — 

Kinderglauben.    15?  J.  423   Waldbrueder.  -— 

Volketnedizin.  16.  D^Anian ,  P. ,  Pour  devenir  centenaire.  Conteur 
vaudois.  Aas  einem  alten  Arzneibuch:  Kröten,  Se;i;enwanner,  Schwalbennester. 
,  Sehnecken,  Ziegengalle,  Bienen  In  der  Volksmedixin.  —  16*  J.  179  Geblati, 
181  Blaä-,  183  Geiss-,  Heil-,  184  Chrüz-,  185  Brame-,  186  Ärfrt-,  iSJpt««-, 
187  Xat«!>«t<cA;-,  188  Zimmet-Blatt,  204  Blateren  (Eselsharn)  u.  s. 
Zusammensetzungen,  219  ff.  Bluet  u.  Zss.,  226  erblüeten,  Nasenbliieten, 
241  blau,  293  JB/ite,  295  Schnewblitßiy  304  Pro6,  323  gebrochen,  367 
BrMCÄ.  —  S.  auch  III,  3.  4.  — 
IW.    16^  J.  192  JB/ae/en.  - 

fltfiMifenverelirufi^,  17.  Stückelberg,  E.  A.,  Greschichte  der  Reliquien  in 
der  Schweiz.  Zürich  (Gesellschaft  ftir  Volkskunde).  Darin  auch  über 
Beliqolensfeste  s.  LXllff.  —  18.  Gauss,  K.,  Die  Heiligen  der  Gotteshäuser 
von  Baselland.  Basler  Zeitschr.  II,  122  ff.  —  19.  Schnürer,  G.,  Der 
Kultus  des  Volto  santo  und  der  hl.  Wilgefortis  in  Freiburg.  Freib. 
Oeschiohtsblätter  IX,  74  ff.  —  20.  Stückelberg,  E.  A.,  Das  Marien- 
patronat  des  Frauenmünsters  in  Zürich.  Anz.  f.  schweiß.  Gesch,  S.  69. 
—  21.  Siückelberg,  E.  A,,  Spuren  der  fränk.  Mission  in  der  Schweiz. 
16.  S.  104.  —  21*  J.  264  Placidus,  418  Jakobsbrueder.  —  S.  auch 
Ul,  3.  — 
^^^^ffnungen.    22.   (Alpsegen  von  Melchsee-Frutt).   Schweiß.   Musik-Ztg. 

42.  49.  —  22t   J.  480   Wundsegenbnef,  486  Schwertbrief.  — 
^^^QeKaauber.    22^  I.  207  Binder-Blatere^  275  St.  Ürse-Bletßli  (Amulet), 

445  Bnef,  — 
^Verfi^    22«.  I.  401.  - 
^^^nulsbrief.    221  I.  466  Michelsbrief 

XY.  Yolksdichtnng. 

^^•War.    1.  Les  Chansons  de  nos  aleux:  GaUay,  /.,  ^L'iducat^um*^,  chanson 
patoise.   ConUur  vaudois,  18.  janvier.   —   2.  Chamboß,  0.,   A  propos 


i 


78  Bibliographie. 

d'aoe  ch^B^DSOD  an^jMitois  gray^rien.  Conteur  vai*doi8,  22  mars.  — 
3.  yaucheTf  X.,  T^iijours  les  reveilles  chansons.  Ib.  3  mai.  Hooh- 
«eitilled?  —  4.  Leti  vieilles  chansons.  J6.,  17  mai.  Ebenio.  — 
5.   (Gander)i   La   tsansoD   fto   Grand   Bredi.    J6.,   31  mai.   Mit  Musik. 

—  6.  La  Chanson  des  Mensonges  (Lügenliedchen).  Conteur  vaudois, 
12  juillet.  —   7.   Lou  batsi  (le  baptßme).   Ib.,  2  aoüt.   —   S.  auch 

m,  2.  - 

.Kinderlied  u*  'Spruch.  8.  Tohler^  ^Ifr.,  Das  Volkslied  im  Appenzeller- 
lande.  Zürich  1903.  —  9.  Brenn&r,  Alb.,  Baslerische  Kinder  und- 
Volksreime.  2.  Aufl.  Basel.  —  10.  Züricher,  ö.,  Kinderlied  und 
Kinderspiel  im  Kt.  Bern.  Volksausgabe.  Bern  l903.  —  11.  J.  177 
Pfirsich-Bluest,  212  bluU,  293  Blitz,  406  predigen,  427  brav  (2  mal), 
444  Brief.  —  S.  auch  UI,  4;  XV,  11»».  33.  - 

Volkereime.    11'.  L  240  blaw,  416  Brueder,  495  TTKratörfc/"  (Heischelied). 

—  n\  Alpsegen  s.  XIV,  22.  -  S.  auch  UI,  4;  XV,  10  ff.  — 
^M>ete.    S.  m,  4.  — 

^Sttgen,  LegendeUf  Märclken.  11^  Morax,  R.,  La  vieille  Schmidja. 
Oazette  de  Lausanne,  11  janv.  —  12.  Bundi,  G.,  Farevlas  engiadinaisas. 
Annalas  della  Societä  reto-romantscha  XVI,  337  ff.  —  13.  C.  E.,  Die 
Schlossruine  ob  Wädensweil.  Die  Schweiz  VI,  129  ff.  BehatzbebongsiAge 
iMoh  «Alpenrosen  fttr  1821*  mit  8  Bildern  naob  J.  M.  Usterl.  —  14.  Brugger, 
H.,  Aus  bemischer  Volkssage.  Verein  f.  Verbreit,  guier  Schriften. 
Sektion  Bern  No.  44.  —  15.  Biihlmanny  J,  L.,  Der  Rodensteiner  in 
Sage,  Lied  und  Geschichte.  Monat-Rosen  46,  377.  —  16.  BrandsteUer, 
J.  L.,  Eine  Sage  aus  Sursee.  Vaterland,  8.  März.  —  17.  Iniesch,  D., 
Sagen  des  Simplonthales  (Aus  dem  Nachlass  des  Pfarrers  F.  Joller  sei.). 
Blätter  a.  d.  Walliser  Geschichte  II,  445  ff.  —  18.  Bundi,  G.,  En- 
gadiner  Märchen.  Zürich.  (Vgl.  dazu:  Petsch,  R.,  Rätorom.  Volks- 
märchen; in:  Beilage  z.  AUg.  ZeHg.  1902  No.  119).  —  19.  Bigler,  G., 
Die  drei  schönen  Hasli-Jungfrauen  oder  die  Sage  vom  Geissmaidlein, 
Gauli weiblein  und  Engstlenfräulein.  Die  Schweiz  VI,  389.  438.  471. 
494.  Poetiscb  aosgescbmäckt.  —  19*  Luck,  Rätische  Alpensagen.  Davos. 

—  20,  Heinemann,  F.,  Tell-Iconographie,  Luzem  und  Leipzig.  Dazu 
Nachträge  in  Die  Schweiz  VI,  520.  —  21.  Weiberschlacht  auf  der 
Langermatte.  Sage  von  der  Lenk.  Feierabend-Kalender  (Münsingen, 
b.  G.  Fischer),  S.  70.  —  22.  Les  deux  Vieilles  et  les  12  mois. 
(Märchen).  Almanach  du  Valais  (Sion),  p.  23.  —  23.  Le  Pacte  in- 
fernal (Märchen).  Ib.,  p.  34.  —  24.  La  Fontaine  du  Mattre.  Ib.,  p.  45. 

—  25.  V.  Roosen,  W.,  Wahrhaftige  Legend.  AUhie  wird  erzählet  wie 
.  • .  Maria  Stadt  und  Menschen  bei  feindl.  AnfUllen  .  .  .  beschützet . .  . 
hat.  (Alte  Einsiedlerchronik  1654).  Neuer  Einsiedler  Kai.  (Eins.,  bei 
Eberle,  Kälin  &  Cie.).  —  26.  Le  cavalier  qui  se  d^monte  (Schwank). 
Almanach. romand  (Berne,  chez  Staempfli  &  Cie.).  —  27.  Die  Berg- 
männchen auf  dem  Pilatus.  Eidg.  National-Kal.  (Aarau,  bei  Wirz) 
S.  75.  —  28.  Baud'Bovy,  D.,  La  Cloche  du  Bonheur.  Semaine  littlr., 
18  octobre.  —  29.  Kuoni,  J.,  Sagen  des  Kantons  St.  Gallen.  (St.  Gallen 
1903).  —  29*.  J.  198  Hell'Blatten,  225  blüeten,  263  Tanzplatz  Anm., 
412  brudlen.  —  S.  auch  UI,  3.  4.  — 


Bibliographie.    '  79 

Inschriften •  Gräber.  30.  Vegezzi,  P.  e  Tambunni,  ^.,11  vecchio  cam- 
posanto  di  Lugano  e  le  iscrizioni  dei  principali  moDiimenti.  Lugano 
1901.  —  Glockeo.  31.  Egli,  J.,  Die  Glocken  von  Goldach.  Anz.  f. 
Schweiz.  Altert.  IV,  114.  —  32.  Sutermeisier^  3f.,  Glockenchronik  aus 
dem  Bezirk  Baden.  Badener  Kai.  (Baden),  S.  55  ff.  — 
S.  auch  UI,  2.  3.  — 

JBOtoel.    33.  J.   212  bluity   382  Bruech,   416  Brueder  (2  mal).   —   S.  auch 
m,  2.  4;  XV,  lOff.  — 
Zum  Ganzen  vgl.  auch  I,  1.  2.  — 

XTI.  Yolkswitz  uod  Spott. 

Schwanke  u.  Anekdoten*     1.  Bourquin,  A.,  L'esprit  du  Val-de-Travers. 

Conteur  vaudois,  23  aoüt.  —  !•   J.  208  Suw-Blateren,  311  Brächet.  — 

S.  auch  m,  3;  XV,  26;  XVI,  5.  6.  ~ 
Sprichwörter.    2.  Feierabend-Kalender  (Münsingen,  b.  G.  Fischer),  S.  17. 

—  3.  (Thüringischer)  Haus-Kalender  (Luzem,  Gebr.  Räber),  S.  26.  — 
4.  I.  219  Bluet,  223  Gschwie-Bluet,  225  blüeten  1  a,  265  BletZy  299 
Blutzger,  304  brobieren,  308  Brach,  342.  344  Bruch,  349  Ortsbruch, 
358  bruchen.  —  S.  auch  lü,  2.  4;  XIV,  1— 7*  — 

Ortsneckereien.  5.  I.  205  Blateren  u.  Anm.,  209  Bläterler,  222  Bocks- 
Bluet,  282  Seichbletz,  289  Schueh-,  Taschen-,  Tschopenbletzer.  —     . 

SpaU"  u.  Scherzreime.    6.   I.   238  PlüUchi,  240  ft^au?,  285  bleteen,  343 
BrttCÄ,  372  Ewbruch,  408  Predikant,  415  Brueder,  427  &rat?.  — 
Zum  Ganzen  vgl.  auch  III,  2  u.  XV.  — 

XYII.  Mnsik  u.  Tanz. 

1.  Nef,  K.  Neues  vom  Schweiz.  Volksgesang.  Schweiz.  Musikzeitung 
42.  49.  75»  83.  Ueber  OaneluU  «£tade  aar  le  Banz  des  vaoheB*,  Sohering^  .Ein  Schwelier 
Alpen-Bet-Bnf".  Mariage  n.  Meier  «YolksUeder  ans  dem  Et.  Bern".  —  2.  Godet,  Ih., 
Musique  Neuchäteloise.  Musie  Neuchätelois,  p.  260.  Arec  s  partitions:  Marche 
du  Lode,  Marehe  de  U  Br^yine,  Biarche  de  Nenoh&teL  —  3.  Der  Walzer.  Eine  Tanz- 
Atndie.  Badener  Kai.  (Baden),  S.  93  ff.  —  4.  I.  185  Mül-BletÜi,  412  Brüdeli.  — 

XVIII.  Formel. 

^fuch,  Kraftwort.  1.  I.  177  Bonebluest,  220  Bluet.  — 
Jtuf.    Schlittenruf.   2.  I.  256  Platz.  — 

XIX.  Namen. 

OrtS'  u.  Ftumamen.  1.  Seiler,  Ad.,  Der  Name  Liestal.  Baselland- 
schafüiche  Zeitung  10.  11.  Jan.  —  2  Salvioni,  C,  Notereile  di  Top- 
onomastica  messolcina.  Bollettino  storico  XXIV,  1  ff.  58  ff.  —  3.  Jaccard, 
H.,  De  rorigine  de  quelques  lieux-dits.  Chronique  agricole  du  canton 
de  Vaud.  —  4.  (Seäer,  Ad.),  Klybeck.  National- Zeitung  30.  Okt.  1901. 

—  5.  (Seiler,  Ad.),  Vom  Dorenbach.  Ib.  22.  Jan.  1902.  —  6.  Brand- 
stetter,  J.  L.,  Die  Namen  der  Bäume  und  Sträuche  in  Ortsnamen  der 
deutschen  Schweiz.  Programm.  Luzem.  —  7.  Stadelmann,  Etudes 
de  toponymie  romande.  Archives  de  la  Soc.  du  ct.  de  Fribourg.  T.  VII, 
2~  livr.  Vgl  hiezu  Deutsche  Erde  I,  91.  —  8.  BadruU,  P.,  üeber 
•die  Bedeutung  des  Namens  Pontresina.  Der  Freie  Rätier  1900  Nr.  60. 


80  Bibliographie. 

—  9.  Camenischy  C,  Der  Name  Pontreaina.  Ib.  1901  Nr.  74.  — 
10.  Brandstetter,  J.  L.,  Die  GemeindeDamen  der  ZentraUchweiz  in 
Wort  und  Schrift.  Zeitschr.  f.  Schweiz.  StaHsiik  XXXIX.  —  11.  Jac- 
Card,  H.y  Lausanne.  Qazette  de  Lausanne,  14  nov.  —  12.  Stadelmanny 
J.,  Noms  de  localitös  suisses.  LiberU  (Freiburg)  No.  217.  —  13.  Lüthy, 
E.,  Woher  der  Name  Üechtland?  Pionier  {Bern)  XXTTT,  17  ff.  — 
14.  Meyer,  Joh.,  Zur  Etymologie  des  Namens  Schaffhausen.  Schriften 
d.  Ver.  f.  Gesch.  d.  Bodensees  31.  Heft,  S.  26  ff.  —  S.  auch  III,  4.  — 

Windnamen*  15.  Les  vents  du  L6man.  Conteur  vaudais,  22  ftvrier.  — 
16.  I.  202  BärenblätÜer.  — 

Kranhheitanamen.^  S.  Volksmedizin.  — 
Zum  Ganzen  s.  auch  III,  3. 

XX.  Sprache. 

AUffenieines.  1.  Schtoeizeiisches  Idiotikon,  Frauenfeld.  —  1^  OauchaJt,L.y 
Nos  patois  romands.    Bulletin  du  Glossaire,  p.  3 — ^24.  — 

Spr€ichffrenxen.  2.  v.  Schwaben,  Gr.,  Von  den  Schweizer  Sprachgrenzen. 
Kyffhäuser  (Linz  a./D.)  III  (1901)  284.  306.  322.  —  3.  Das  Vordringen 
des  Deutschtums  in  den  Hochalpen  zur  Zeit  des  Mittelalters.  Deutsche 
Erde  (Gotha)  I,  26.  Refermt  aber  die  Sohweis  betr.  SteUen  in  SehmU»,  A., 
«Gesch.  des  mtttelalt  Handels  und  Verkehrs  zwischen  Westdeutschland  n.  Italien* 
und  „Ueber  Staatenbiidna^  in  der  Alpen  weit*.  —  4.  Zemmrich,  Joh.,  Deutsche 
und  Romanen  in  der  Schweiz.  Deutsche  Erde  I,  Heft  2.  —  ö.  Brand- 
stetter,  B.,  Die  Mundart  in  der  alten  Luzerner  Dramatik.  Zeitschriß 
f.  hochd.  Mundarten  HI,  1  ff.  —  6.  Hoffmann-Krayer,  E.  Suffix  -i»,  -« 
in  Schweiz.  Mundarten.  Ib.  26  ff.  —  7.  Alexander,  0.,  La  Fuormaziun 
del  Plural  nels  prinzipals  dialects  d'Engiadina  Bassa.  Annalas  ddla 
Societä  reto-romantscha  XVI,  267  ff.  —  8.  Sdlvioni,  C,  Di  am  recente 
lavoro  sui  dialetti  di  Lugano  e  di  Mendrisio.  Boüettino  storico  XXITf 
(1901),  p.  141.  (Ueber  K.  Brösel,  Die  betonten  Vokale  der  Sprache 
im  Kt.  Tessin  südl.  v.  Monte  Cenere.  Halle  1901).  —  9.  Byland,  A., 
Das  Patois  der  „Mt^langes  Vaudois**  Louis  Favrats.  Berlin.  —  9»  Sal- 
vioni,  C,  II  plurale  dei  femminili  di  I*  declinazione  esposto  per  -a 
ed  -an  in  qualche  varieta  alpino  di  Lombardia.  Rendiconti  Istitttto 
Lombardo  v.  XXXV,  fasc.  XIX.  —  S.  auch  HI,  4,  — 

Sprachschatz.  10.  Schmidt,  K.,  Schweizerdeutsch.  Zeitschrift  für  den 
deutschen  Unterricht  XVI,  128.  Zu  Bodmers  Zelt  in  der  Schwel«  gebräach- 
llohe  Ausdrficke  ans  der  Bodmer-Denkschrift  —  11.  PaHioppi,  E.,  Wörterb. 
der  roman.  Mundarten  des  Ober-  u.  Untereng.,  des  Münsterthals,  von 
Bergün  u.  Filisur.  Deutsch-Romanisch.   Samaden  (Simon  Tanner).    — 

12.  BuUetin  du  Glossaire  des  patois  de  la  Suisse  romande.  Beme.  — 

13.  Crignoux,  L.,  Terminologie  du  vigneron  dans  les  patois  de  la 
Suisse  romande.  (Zürcher  Dissertation).  —  14.  E,  T.,  Mots  d'origine 
allemande  pour  dösigner  le  taureau.  Bulletin  du  Glossaire,  p.  28.  — 
15.  L.  G.,  mfä,  pilä.  Ib.  —  16.  ForeH,  F.-A.,  Langage  des  pdchenn. 
Gazette  de  Lausanne,  17  octobre.  — 


Band  VH  Heft  1,  ausgegeben  20.  März  1903. 


81 


Chants  patois  jurassiens 

Publica  par  M.  Arthur  Rossat  (Bäle). 

IV*  partie  (suite) 

Chansons  satiriques. 

154. 

Chanson  contre  les  gar^ons 
(Patois  de  Recl6rej 


ä^ 


^E^ 


5;^: 


5=^^-3: 


ä     110    80  -  r^    dö    nö    kä-to    tr(J-v^ 


büe    -    bo .  da  bo 


E^EE 


13— r— r 


^ 


:3=S: 


J iL 


tö;       ^    n'e   ka    vis     ^    ka    d# 

--1 — s — nt     ■      ^— 


-P 


fU,     §    n'yä  §    plop' 
JS 


^^^ 


*^^rEÖ 


ya  kmä  k'^. 

-J Ci— &- 


&. 


§1      S     tu       1      i>ö   tr$ 


d9    glwä  -  IV); 


89    n'se-r^ 


ä 


ril    8'§  D^^-mTp'  bwä  -  ra. 

S  n9  S9re  dS  nö  kSt5 
tr§ve  T  büöba  da  bö  t5; 
g  n'S  ka  VIS  e  ka  defa, 
e  n'y  S  e  pia  p'  yfi  kmä 

[k'e  fä. 
el  8  tu  T  pö  trg  da  glwära; 
sa  n'  sare  rfi  s*e  n'emT  p' 

[bwära. 

t;^5  S  le  vwä  vni  ä  mötia, 
S  märgna  da  le  vüar  böyia;  ^) 

le  ßya  8  pU  jöz-intentions^) 
ka  la  b5  dfia  yö  devösi5. 


On  ne  sanrait  dans  nos  cantons 
Trouver  un  gargon  de  bon  ton; 
Ils  n'ont  qne  vices  et  que  defants, 
II  n'y  en  a  senlement  pas  un 

[comme(nt  qu^)il  faut. 
Ils  ont  tous  un  peu  trop  de  gloire; 
Ce  ne  serait  rien  s'ils  n'aimaient 
[pas  boire. 

Quand  on  les  voit  venir  ä  l'eglise 
On  murmure  de  les  voir  regarder 

[de  tous  cotes; 
Les  filles  ont  plus  leurs  intentions 
Que  le  bon  Dieu   leurs   devotions. 


')  Le  verbe  höyl9  signifie  regarder  de  tous  cotes  en  ouvrant  la  bouehe. 
h'ilS't9  hay9?  dit-on  aux  enfants  qui  vous  regardei  t  bouohe  bee. 

«)  Cf.  n®  löö  Str.  3:  y^t  ^täsiö  -    leur  attent^in,  qui  est  la  vraie  Ie<jon. 

6 


Chants  patois  jurassiens 


lg  t/üri9  da  xü  lg  txw&yiar*) 
vwä  bT  pü  t/\l  8ö  yö  prw&yl9r. 

3.  yö  paltö  fS  kmS  de  dy^rito: 

^  mäskS  T  pö  sez-ipökrita ; 
mS  S  vwS  bt  tg  le  grimes 
k'e  fS  lo  düamwän  S  Ig  mgs.^) 
8  vwgrT  pesg  pü  dez-8dj8, 
dgvö  yö  pdet  fidyür   do  fl6dj9. 

4.  a'  vj  vlg  sgvwä  ygt  bei  vl9, 
dem^det-le  e  käbärtia; 

8  e  vis  vj  dir  18  vgrite, 
8  BÖ  djo  tu  evü  retrgpe. 
s'g  demSdS  d''  l'erdjfi'  ö  dröl, 
8  yö  repöjS:  käbriöl. 

6.  pwä  tior*)  S  le  trlnrg  bT 
S  yö  mötrS  T  vwär  d9  vT. 
el  ädrT  bT  djük'g  brabgto 
pü  evwä  pü  dö  8Ü  d'ggta. 


Le  cur^  depais  sur  la  cbaire 
Voit  bien  pour  qui  sont  leurs  prieres. 

Lenrs  paletots  fönt  comme  des 

[guirites : 
IIa  maaquent  un  pen  oea  hypocritea ; 
Maia  on  voit  bien  toutea  lea  grimaces 
Qu^ila  fönt  le  dimanche  a  la  messe. 
IIa  voudraient  paaaer  pour  dea  anges 
Avec  lears  vilainea  figores  de  ainges. 

Si  voua  voalez  aavoir  leur  belle  vie, 
Demandez-la  anx  cabaretiers; 
S'ila  veulent  voua  dire  la  v6rit6, 
IIa  ont  dejä  tooa  it^  (r)attrap6s. 
S'ils  demandent  de  l'argent  anx  drCles, 
IIa  leur  rSpondent:  Cabriole! 

Par  teiTe  on  lea  trainerait  bien 
En  leur  montrant  un  verre  de  vin. 
IIa  iraient  bien  juaqu'ä  Brebotte  (?) 
Pour  avoir  pour  deux  aoua  de  goutte. 


pü  bT  fini  tq  yö  betija 
e  a'SgedjS  ä  mgri^djo, 
e  prgmexß  d'etr  bT  sgdjo, 
do  80  bT  k5dUr  S  menedjo. 
e  trgvS  Skwe  de  djüon/oZZe«*) 
pü  eküte  tg  yö  triöl. 

en  fwä  merie,  e  n'  fa  pü  kötg 

k'e  tnöxT^fidelite; 

bS  amour  e  sS  aStimS 

c 

e  fülS  e  pl9  le  aäkramS. 

ä  bü  d'  xö  mwä   d^  meriedjo, 

el  S  djo  tg  brüyio  ygt  menedjo. 


Pour  bien  finir  tout[e8]  leara  betises 
IIa  a'engagent  an  mariage, 
En  promettant  d'etre  bien  aages, 
De  ae  bien  conduire  en  manage. 
IIa  trouvent  encore  des  jeunea  foUes 
Pour  ecouter  tout[e8]  leura  balivernea. 

Une  foia  mariea,  il  ne  faut  plus 
QuMla  tiennent  fid61it6.      [compter 
Sana  amour  et  aana  aentiments, 
IIa  foulen t  aux  pieda  lea  aacrements. 
Au  bout  de  aix  mois  de  mariage, 
IIa  ont  d6jä  tont  brouilM  leur  menage. 


*)  C'est  le  mot  habituel  pour  d^signer  la  chaire.  La  galerie  4  IVglise 
fi'appelle  l^z-^lQ  (*laubja  -h  e  prosth^tique).  Cf.  le  vaudois:  la  lüyf.  dQ 
I^Z'Hq  —■  80US  la  galerie.  Ce  mot,  toujours  pluriel,  dt^signe  aussi  la  galerie 
extörieure  des  maisons. 

2)  Le  latin  missa  a  donne  rc^gulierement  mäs  daiis  le  Vadais  et  une 
partie  de  TAjoie  [e  entrave  devant  s  ~  a.  Cf.  est  ä,  friscu  --  /rö, 
»pissu  -----  fpäy  *capistru  txvätr  (lieol)  etc.].  Mais  DehHnont  dit  iK)ur- 
tant  mos;  c'est  une  exception.  —  On  entend  plutot  en  Ajoie:  1^  m^s;  c'est 
une  influence  du  fran^ais. 

')  xü  h  txü  ä  /f  trmr^  In  (Var.  de  Foiitenais  et  de  Bressaucourt). 

*)  ^f  *'fy^  ^Q^  (Var.  de  Fontenais  et  de  Bressaucourt). 


Chaots  patois  jurassiens 


83 


8.    t/6  k'^1  8  trä  ü  kßtr  äf5, 
e'  n'  fgtS  pü  T  kö  d'  yö  mS.  ^) 
e  fa  n8ri  äf§  e  per; 
vr^mS  e  fa  T  tjjfUr  d9  mer! 


Quand  ils  ont  trois  onquatre  enfants, 
IIa  ne  f...ichent  plus  an  coup  deleurs 
11  faat noarrir  enfanis  etpere ;  [mains. 
Yraiment  il  faat  an  ccear  de  mere ! 


djüon  djS  ka  h  m^rifdjd  flät9, 
vwäli  l9  s^r  d'en  pü9r  b§xät9. 
eküte  bt  s^  k'i  v^  di, 
vj  n9  8*S  V9lg  p'  r9pSti. 
evit^  da  djäz^  e  bü9by 
l9  mwäyü  n9  vä  pi9  p'  le 

[kÜ9dJ9. 


Jeunes  gens  quo  le  mariage  flatte, 
Voilä  le  sort  d'une  paavre  fiUe. 
Ec>oatez  bien  ce  qae  je  vous  dis. 
Vous  ne  (s')  voas  en  voalez  pas  re- 
Evitez  de  parier  aux  gargons,  [pentir . 
Le  meilleur  ne  vaat  pas  seulement 
[la  corde. 


(If"*  L6a  JoUssaint,  Ereifere.) 

Cette  cfaanson,  inconnae  dans  le  val  de  Del^mont,  est  tr^s  popu- 
laire  en  Ajoie;  je  Tai  retrouv^e  dans  presque  tous  les  villages 
aveo  des  yariantes  plus  ou  moins  accentu6es,  dont  voici  la  plus 
interessante,  qui  compl^te  joliment  la  le^on  qne  je  yiens  de  citer. 

155. 

Mdme  sujet 

(Patois  de  Courtemaiche) 


1.     S  n9  s^r^  dS  uö  kStS 
trjvg  I  bü9b  d9  bö  t5; 
e  n'8  k9  vis  ^  k9  defa, 
^  n'y  S  e  p§9«)  yß  kmS 

[k'e  £ä. 
el  8  ttt  T  p9  trg  d9  gl  war; 
\9  pf9  k'e  y  ^,  el  emS  bwär. 

2-     8*  v§  vle  s^vwä  ygt  b^l  vl9 
dmSde-l^  6  käbertl9: 

c      c      •  c  ' 

e   v§  vis  dir  1^  vgrite, 
l  vis  etr  ttt  bT  etrep§.») 
i/li  k'S  dmSdS  d''  r'erdjS 

[e  dröl. 
e  yö  fS  en  bei  käbriöL 


On  ne  saurait  dans  nos  cantons 
Troaver  un  gar^on  de  bon  ton; 
IIa  n^ont  que  vices  et  que  d^faats, 
II  n'y  en  a  seulement  [pas]  un 

[comme(nt  qu')il  faat. 
Ils  ont  tous  an  peu  trop  de  gloire ; 
Le  pis  qu'il  y  a,  ils  aiment  boire. 

8i  vous  voalez  savoir  leur  belle  vie, 
Demandez-la  aux  cabaretiers; 
Ils  vous  veulent  dire  la  verite, 
Ils  veulent  etre  tous  bien  attrapes. 
Quand  (qu')ils  demandent  de 

[l'argent  aux  droles, 
Ils  leur  fönt  une  belle  cabriole. 


*)  ^'yi^  ^^i  (bras)  (Var.  de  Fontenais  et  de  Bressaucourt). 

*)  D'habitude  on  dit:  c  n'j/  ä  e  p?^  p'  ü  il  nV  en  a  seulement  pas 
od;  od  a  ici  supprimö  pa«,  je  no  sais  pourquoi.  —  Ym  »Vniploie  volontiers 
au  lien  de  u  avec  ce  pl9  p'  ou  pp  p'  (cf.  154  8tr.  11.  niais  c'est  speciale- 
mPDt  ajoalot. 

•)  Cf.  n®  154  Str.  4,  qui  donne  le  vrai  sen«.  Notre  le<;oii  est  alterte 
f-t  ne  signifie  pas  grand'  chose. 


84 


ChaDts  patois  jurassiens 


3.  le  fey9  6  pü  y^t  etSsiö 
\l9  V  bö  dü9  yö  devösiö. 
Id  tj^üna  dxü  1^  txwäyiar 
vwä  bT  p§  tjf ü  85  yö  preyior. 
yo  palto  fe  kmS  de  dy^rit 

■\ 
k*  mäsk*)  T  pö  sez  ipökrit. 

4.  e  vwerl  k'S  vfiS  d'  netr 
di  bs'^dtia  föxT  V  metr. 

e  n'6  p'  fik'«)  m  t/etü9j  S 

k'e  güvernS  dj9  yö  pwärS. 
yö  per  e  mer  ^  n'ekütS  p9, 
Bien  heureux  s'^  n'  le  b^tfi  p9 ! 

5.  en  fwä  m^rie,  e  n'  fä  p'  kötg 
k'e  tnSxx'fid^lite. 

t/5  k'gl  S  trä  ü  ketr  äf5, 

1^  mwätia  di  tS  so  sS  pS. 
e  n9  86  pü  dySßlo  yö  vi9,*) 

e  yö  pü9r  fän  pü  se  lödia*) 


6.    8'fi  vS  rit§  d'   pü9tx   S  pü9tx, 
äkäbyl  d'efrS  d'  t§t  8Ü9tx. 


Le8  filles  ont  plas  letir  attention 
Qne  le  bon  Dien  lear8  d6votion8. 
Le  corä  dessus  la  cbaire 
Voit  bien  pour  qui  sont  leurs  prieres ; 
Leurs  paletots  (fait)  fönt  comme 

[des  guerites 
Qni  ma8qae[nt]  an  peu  ces  hypoorites. 

Il8  voudraient  qu'en  venant  de  naitre 
Du  bon  Dien  [ils]  fnssent  le  maitre. 
IIa  n'ont  pa8  encore  atteint 

[qoatorze  ans 
Qu'ils  gouvernent  d6jä  leurs  parents. 
Leurs  pere  et  mere  ils  n'6coutent  pas ; 
Bien  heureux  s'ils  ne  les  battent  pas ! 

Unefoismari^s,  il  ne  faut  plus  com  pter 

Qu'ils  tiennent  fid61it6. 

Quand  (qu')ils  ont  trois  ou  quatre 

[enfants, 
La  moiti^  du  temps  ils  sont  sans  pain. 
ils  ne  savent  plus  gagner  leur(s) 

[vie(8), 
Et  leurs  pauvres  femmes  pour  oes 

[flaneurs 

S'en  vont  courir  de  porte  en  porte, 
Accabl^es  d'affronts  de  toute  sorte. 


*)  !/Q  pältQ  est  au  pluriel;  par  contre  les  verbes  /?  et  mäsk  sont  au 

singulier.    II  faudrait   ou    bien :   ypt  pältQ  fe k'  mäsk ,   leur   paletot 

faii  et  masque  ou  bien,    comme   154   str.  3 :   yö  paiiQ  fS k'  mäskä .... 

(leurs  paletots  fonfy  etc.). 

2)  Cett^  elision  du  mot  äkp  ou  äkw^  est  tout  a  fait  inusit^e.  C'est  la 
premifere  et  la  seule  fois  que  je  Tai  rencontree. 

')  yö  vld  est  ici  pluriel. 

♦)  Le  manuscrit  qu'on  m'a  envoye  de  Courtemaiche  porte:  pou 
s'ilodie.  Ceci  n'a  aucun  sens,  car  il  n'existe  pas  de  verbe  s'4lodie  en  patois 
du  Jura.  On  a  bien  un  verbe:  s'qläAjU  ou  s'qläju  —  s'aider,  se  soulager, 
s^all^ger;  mais  le  sens  ne  serait  quand  m^me  pas  satisfaisaut.  M.  Fridelance, 
instituteur  ä  Porreutruy,  m'a  propos6  de  lire:  s^  iQdl»;  le  mot  t  iQcU^  est 
bien  connu  dans  le  vieux  patois  et  signifie  un  fläneury  un  paresaeux.  La 
seule  chose  qui  m'ait  enipßchö  de  souscrire  sans  reserve  d  cette  explication, 
c'est  quMl  faut  complc^ter  le  sens  de  cette  strophe  par  le  premier  vers  de  la 
Strophe  suivante.  Or  ce  fait  ne  se  rencontre  jamais  dans  notre  poösie  popu- 
laire,  du  moins  dans  les  deux  cents  et  quelques  chansons  que  j'ai  recueillies. 
—  Enfin  je  donne  cette  Interpretation  pour  ce  qu'elle  vaut;  c'est  en  tous 
cas  Celle  qui  explique  le  mieux  ce  passage. 


Chants  patois  jurassieDS 


85 


djüan  dj5  ko  l'emür  v^  flät,  ^) 

vwäli  le  yl9  d'en  püar  b§xät. 

evite  d9  djäz^  e  büob; 

la  mwäyü  n'  vä  p'  le  küadja. 


Jeunes  gens  que.  l'amour  (voas) 

[flatte, 
Yoilä  la  vie  d'nne  pauvre  fiile. 
Evitez  de  parier  anx  gar^ons; 
Le  meilleor  ne  vaat  pas  la  corde. 


^m 


(M*"*  Maria  Galeuchat,  Courtemaiche.) 

156. 
la  djS  di  fo  di  vä  (Le)  Jean  du  fond  du  Yal 

(Patois  vädais) 


Moderato. 


::5i=:?: 


:t=t: 


ß     ß 


£ 


* 


S^ 


S'ä  si    pör  djö  di    £5    di  va   k'a   bi   mäl-al  -  rü    ä   Tö-tä.  xa- 


S 


:t 


^ 


3: 


'i=^ 


tp    k'§  v^  bwär  I    txa  -  vf ,  s^    v^-jq   fön    yi    fiit  -  ^  -  pr§. 


1.    s'ä  si  pör  dj6  di  f5  di  vä*) 
k'ä  bX  mälaYrü  S  l'ötä. 
X9tö  k'e  ve  bwär  T  txäve,®) 
Fe  veya  fön  yi  füt-epre. 

2.   vT  t'5  pe9,  dj5,  vT  S  l'ötä, 


C'est  ce  pauvre  Jean  du  fond  du  Val 
Qui  est  bien  malheureux  ä  la  maison. 
Sitot  qu'il  va  boire  une  chopine, 
Sa  vieille  femme  lui  court  apres. 


ii^ta  sgpe*)  ä  bitö  prä. 

xAtö  k9  DJ  TerS  m6dji9, 

no  8*5  vis  äle  ^)  t^  drwä  kütxia. 

3.  tjfg  8*  fdb  per  vwä  fime  le  nö, 

kd  si  pör  dj5  drome  ä  m8, 
He  veya  la  büas  p^  l'revwäyia; 
«'ete  p2  evwä  se  vey9  t;föyl9. 


Viens-t'en  seulement,  Jean,  viens 

[a  la  maison, 
Notre  Souper  est  bientot  pret. 
Sit6t  que  nous  Taurons  mang^^ 
Nous  (s')  nous  en  voulons  aller 

[tout  droit  coucher. 
Quand  ce  fut  par  vers  le  milieu 

[de  la  nuit, 

Que  ce  pauvre  Jean  dormait  aumieux, 

Sa  vieille  le  pousse  pour  le  reveiller; 

C'etait  pour  avoir  sa  vieille 

[cniller[ee]. 

M  Alteration  interessante :  Jeunes  gens  que  Vamour  vous  flatte  pour: 
9¥f  Vamour  flotte. 

*)  Le  vä  designe  ici  la  Vallöe  de  JDdemont.  « Die  Einsenkungen  der 
^rne  und  Scheulte,  welche  bei  Delömont  sich  offnen,  bilden  für  den  Nord- 
jttragsier  la  Vaüie  xaf  i^opju.»  (Zimmerh:  Die  deutsch- französische  Sprach- 
r«»«^e  in  der  Schweiz.  I,  Teil:  Die  Sprachgrenze  im  Jura,  p.  9.) 

•)  Les  anciennes  mesures  etaient:  /'  pg  (le  pot  föderal  =  IV2  Htre); 
*^^^J  (la  bouteille),  ou  b  dm?  p^  (le  demi-pot);  I9  txäv?  (la  chopine); 
^  ^^^  (la  roquille  ou  demi-chopine),  cette  demi6re  s'employant  surtout 
Po^r  l'eau-de-vie. 

*)  Ce  o'est  pas  le  mot  habituel;  on  dit  plutot:  If  märäd»,  märäd^ 
("»pfendare). 

*)  Remarquer  la  construction :  Nous  a'en  voulons  aller. 


[ 


86 


Chants  patois  juraBsiens 


4.    i  vcB  pr^yio  1'  b5  dti9,  s'e  fä,      Je  veux  prier  le  bon  Dien,  s'il  faut, 
k'ö  pr^fia  tj  le  veya  fan  Qu'il  prenne  tout[e8]  lea  vieilles 

[di  vä.  [femme  du  Val. 

ä!  m5  dti8,  k'  i  srö  bXaYrü  Ah!  mon  Dien,  que  je  serais 

[bienbeareux 
8*ä  yi  vne  en  fw&  T  bu!  S'il  y  venait  ane  fois  (un  bout) 

[une  fin! 

(M.  Tabb^  Defer,  cur^  de  Roggenbonrg.) 


157. 
le  pt^  djä  di  vä  Le  petit  Jean  du  Yal 

(Patois  de  Courfaivre) 

J_^ N 


Adagio, 


^^ 


S^ 


^^ 


s'ä    si    pQr   bo   djö   di    va     ^     Tö-tä  ka   o'ä   rä   tr^   bi;  txi- 


^ 


1 


i: 


5^^ 


tö    ka    v^  bwar    T    txa-v§,   vwä 


-  li      8§    fän    k'yi  füt  -  ^  -  pr#,  vwä- 


3E 


:t 


I 


li      8§    fän  k'yi  füt  -  ^  -  pr$. 

1.  s'ä  si  pgr  bö  djS  di  vä 

e  l'ötä  k9  n'ä  rS  tr^  bi; 
txitö  k9  ve  bwär  T  txäve, 
vwäli  se  fSn  k'  yi  fUt-eprö.  (bis) 

2.  —  vT  t'S,  djSnä,  vT  5  l'ötH, 

ngtra  s^p^  ä  bTtö  prä; 

e  pö  t/S  k'  DJ  l'erS  mSdjia, 

n^  valS  ii^z-äle  kütxi9.  (bis) 

3.  lo  pgr  bö  djS  s'S  ve  e  l'ötä, 

e  n'  tr§v  ni  s^pe,  ni  värä; 

se  fan  yi  fö  T  käri5 

pro  P2  rävwärse  le  mäj5.  (bis) 

4.  —  t'e  T  voleur,  t'e  T  frvpon, 
T  hl,  ta  vä  mwg  k'T  lerö; 

t9  ve  txSte  ä  käbäre 
5  depSse  mez-Ttere. 


C'est  ce  pauvre  bon  Jean  du  Val 
A  la  maison  qui  n'est  rien  trop  bien ; 
Sitot  qu'il  va  boire  une  chopine, 
Voilä  sa  femme  qui  lui  court  apres. 

—  Viens-t'en,  Jeannet,  viens 

[ä  la  maison  y 
Notre  Souper  est  bientot  pret; 
Et  puis  quand  (que)  nous  l'aurons 

[mange, 
Nous  voulons  aller  nous  coucher. 

Le  pauvre  bon  Jean  s'en  va 

[ä  la  maison, 
11  ne  trouve  ni  sonper,  ni  (petit) 

[verre  •, 
Sa  femme  (y)  lui  fait  un  carillon 
Aesez  pour  ren verser  la  maison. 

Tu  es  un  voleur,  tu  es  un  fripon, 
Un  loup,  tu  vaux  moins  qu'un  larron ; 
Tu  vas  chanter  au  cabaret. 
En  depensant  mes  int^rets. 


ChaDts  patois  jurassiens 


87 


5.  td  m'  lex  tgt  s61^)  sS  Tu  me  laisses  toute  senle  sans 

[m^amüze,  [m'amnser, 

ta  m'  lex  soefri  sS  m'  kStSt§;  Tu  me  laisses  souffrir  sans  me 

[contenter; 

td  mo  n'mwän  djme  evö  twä,  Tu  ne  me  menes  Jamals  avec  toi, 

t9  m'e  v^le  me  b§n  fwa.  Tu  m'as  vole  ma  bonne  foi. 

6.  lo  p^r  bö  djS   sa  kwätx  ä  ye,  Le  pauvre  boii  Jean  se  caebe  au  lit, 
el  e   pävü   d*T   kö  d'xwäye;^)  II  a  peur  d'un  coup  de 
s'ä'k'e  se  bX  k'  ee  mädls' 
se  fer  e  früne^)  !§  bet5. 


7.     5  gäml  e  pr^sperfi  bT; 
e  dyfi  tö  k'  s'ä'  da  V  vejT. 

1()  p(^r  b5  dj6  remes  tj 
e  tira  le  f§rne  di  Igr. 


C'est  qu'il  sait  bien  que  sa  Madelon 
Salt  faire  (ä)  siffler  le  baton. 

En  gamins  ils  prosperent  bien; 
Ils  disent  tous  que  c'est  (depnis  le) 

[du  voisin. 
Le  paüvre  bon  Jean   raraasse  tout 
Et  tire  la  fou^-nee  du  four. 


8.     pü  kd  le  füdr  e  krS  se  fSn;         Plus  que  la  fondre  il  craint  sa 

[femme ; 
s'ä  lea  k'e  le  t;^Ulät  da  l'än.        C'est  eile  qui  a  les  culottes  de 

[l'homme. 
e  n'e  rS  e  dir  ä  femrö ,*)  II  n'a  rien  ä  dire  au   cfumoir», 

prSt  pidia  d'si  malcero.  Prenez  pitie  de  ce  malheureux. 

(Joseph  Girardin,  secr^taire  communal^  Courfaivre.) 


158. 

Tän  e  düa  fän  L'homme  aux  denx  femmes 

(Patois  de  Mettemberg) 


s'ete  T  an  k'eve  dü9^)  fän, 
h\  S  ^ve  en  da  tr^; 
el  e  mwän|  vSdr  en 
la  ySde  ä  pwS  di  dj§. 


C'etait  un  homme  qui  avait  deux 
II  en  avait  une  de  trop;      [femmes, 
II  [en]  a  mene  vendre  une 
Le  lundi  au  point  du  jour. 


^)  Kons  avons  ici  le  mot  fran^ais;  le  patois  aurait  dit:  ioi  per  micä. 
i  Six  tp  p^r  mvcä  —  je  suis  tout  (par  moi)  seul ;  vöz-et  U)  p^r  v^  —  vous  (Hes 
tout  seul;  i  ä  tÖtpir  1^9  -    eile  est  toute  (par  eile)  seule. 

*)  xwäyf  (flagellu)  est  du  patois  delemontain ;  rAjoie  dit  xi. 

')  Le  verbe  frün^  se  dit  d'un  bfiton  (ju'on  fait  siffler  en  le  touruant 
vivenient  autour  de  la  t^te. 

*)  Le  f^mrS  est  Temiroit   oü    Ton  suspend   la  viande   puur   la  funu»!-, 
le  fumoir.    Ici  la  partie  d^signe  le  tout,    et  signifie:    h  menaije^   la  wufsou. 
—  Od    entend   souvent   dire:   //'e  en  köl  k*ä  fifn;  k'ä  eyii  ptldü  ä  fcmro 
j'ai  un  bonnet  qu^on  dirait  qui  a  et^  pendu  au  fumoir. 

*)  Le  latin  duos  --  du  (duz):  du  frä.  dfiz-äff;  duas       düi  ydn?z) : 


I 

1 


88 


Chantä  patois  jurassieos 


2.  U  pramio  k'e  rSk5tre 

fii  l9  t/iin«  d9v5  txia  yö. 
—  l^vü  t'fi  ve-ta  evö  te  fön, 
015  pör  an  mäläirü? 

3.  —  i  m'ä  ve   le  mwäne  vfidr. 
m5  be  xir,  rgtxetrl-vö  bT? 

i  V2  dirö  b  mä  k^i  e. 

4.  tx^  vöz-ädrT  txi9  l'öta  *) 

i  yi  sre  davS  v^. 

t;fS  v^  dirT:    «bwäyS  T  vär», 

lea  ^)  dire :   «  bwäyS  T  P2 !  > 

5.  t/S  V2  dir!:   «vS-n^z-S», 


Le  premier  qu'il  rencontra 
Fut  le  cur^  devant  chez  eux. 

—  Ou  t'en  vas-tu  avec  ta  femme, 
Mon  pauvre  homme  malheureux? 

—  Je  m'en  vais  la  mener  vendre. 
Mon  bean  Monsieur,  racheteriez- 

[vous  bien? 
Je  V0T18  dirais  le  mal  qu'elle  a. 

Quand  vous  iriez  chez  (l'hote)  le 

[cabaretier, 
Elle  y  serait  avant  vous. 
Quand  vous  diriez :  Bu vons  un  verre, 
£lle  dirait:  Buvons  un  pot! 

Quand  vons  diriez:  AUons-nous-eu, 


lea   dire:    «e  n^ä  p'  <8k^  tä!»      Elle  dirait:  II  n'est  pas  encore 


Aüegro. 


(M.  Laville,  ancien  instituteur,  Soyhi^res.) 

159. 
le  b^rg^fio  Les  BonrguigDons 

(Patois  de  Beurnevesin) 


15=^51 


e: 


:d- 


m 


rti 


^^mi 


ä    mo  txa   -    niT  y'^       fö    ras  -  kö   -   trd     da     sT    sa    mil 


^ 


b^r-g$-fiö;     §       m'S    m^r- U'^     xü     m^    tä-byä-ta,   rä  -  lö   bwär, 


1^ 


8T    sä    frä   p^    d^    rS,  -  sio,  bwä-yä    do! 


1.    m'i^)  prömanä  xü  k  p5 
8ur  le  pont  jusqxia  Lyon, 
5  mö  txami  y'e  le  räskötra, 

rälö  bwär, 
da  sT*)  sä  mil  bgrg^nS, 

bwäya  d5! 


(M'y)  me  promenant  sur  le  pont 

Sur  le  pont  jusqu'ä  Lyon, 

En  mon  chemin  j'ai  fait  rencontre, 

(R)allon8  boire, 
De  cinq   cent   mille  Bourguignons, 

Buvons  donc! 


^)  V^t9  correspond  a  l'allemand:  Wirt  ^  hotelier,  cabaretier. 

2)  C'est  la  forme  du  pronom  personnel  absolu ;  lü  -=  lui,  J^9  -  eile ; 
en  proclise,  il  ^  ?,  die  ^  i  (Vd.)  et  c  (Aj). 

^)  Sur  w'i  -  me,  voir  Arch.  V,  p.  107,  v.^  97  str.  4,  note  1. 

♦)  Le  patois  de  Del^niont  dit  toujours  sitxif,  et  jamais  st  comme  Ta- 
joulot;  ex.:  sttX9  frä,  sitX9  sä  frä. 


ChaDts  patois  jurassiens 


89 


S  m8  txamX  y'e  fö  räskötro         £n  mon  chemin  j'&i  fiait  rencontre 
da  sT  bS  mil  bgrg^iiö;  De  cinq  cent  miUe  Boorguignons; 

e  m'S  niert;|f^  xü   me  täbyäta,      IIa  m'ont  marqa^  aar  ma  tablette, 


ral5  bwär, 
8l  sS  frfi  p9  de  rSsiö,  ^) 
bwäyfi  dC! 

3.  ^  m'ß  mert/e  xü  me  täbyäta 
sX  sS  frS  p9  de  räsi5. 
k§m5  ta  le  p^yarö-yo? 

ral5  bwär, 

i  8cb  xi  püra  k5pen5, 

bwäyS  dö! 

4.  k^mS  td  le  peyarö-yoV 
i  sie  xi  pür9  köpeiiö. 

—  15  per  e  dö  bü9  e  de  vetx, 

räl5  bwär, 
de  barbiz-e  de  mgtS, 

bwäyS  dö! 

5.  t5  per  e  de  btia  e  de  vetx, 
de  barbiz-e  de  in^tö. 

t'e  en  sobr  S  le  iüdren, 

rälö  bwär, 
kd  s'äp&la  djänit5, 

bwäyfi  dö! 

6-     t'e  en  soer  S  le  lüaren, 
ka  s'äpcela  djänitö. 
1^  beyarö-ta  S  mSriedja, 

rälö  bwär, 
ng  ta  t;^itr6  t^  rSsiö, 

bwäyfi  dö! 

7.     1^  beyaro-ta  5  meriedja, 
n§  ta  tjj^itrS  te  rfisiö. 
—  i  emrö  rnob  me  scer  müatx, 

rälö  bwär, 
mwä  peri  dS  se  prijö, 
.  bwäyfi  dö! 

S.     i   emrö  mce  m^  swr  müatx, 
mwä  peri  dS  se  prijÖ 
ka  dMe  beyia  S  meriedja, 

rälö  bwär, 
8   se  l^rö  d'  bgrg^&ö, 

bwäyfi  dö! 


(R)allon8  boire, 
Cinq  Cents  francs  pour  (des  rancians) 
Buvons  donc!      [ma  ran^on, 


Comment  te  les  payerais-je? 
Je  suis  si  pauvre  compagnon. 


—  Ton  pere  a  des  boBufs  et  des 

[vaches, 
Des  brebis  et  des  moutons. 


Tn  as  une  sceur  en  la  Lorraine, 
Qui  s'appelle  Jeaoneton. 

La  donnerais-tu  en  mariage, 
Nous  te  quitterons  ta  ran^on. 

—  J'aimerais  mieux  ma  soeur  morte, 
Moi  peri  dans  oes  prisons. 

Uue  de  la  donner  en  mariage 
A  ces  larrons  de  Bourguignons. 


«)  La  tradition  populaire  a  corrompu  ce  mot  qu'elle  ne  comprenait 
l>as,  et.Ta  rapproch^  de  räsio  =  ration.  Les  deux  versions  suivautes  ont 
le  iDOt  de  päsio  —  pension. 


90 


Chants  patois  jurassiens 


9.    k9  d'l^  b^yia  S  m^ri^ja 
S  se  l^r5  d'  bjrggnS. 

mg  soer  e  de  cheveux  ^)  S  1^  tet      Ma  soBur  a  des  obevenx  k  la  tete 
räl5  bwär, 


ke  rvonS  djUsk'  e  täl5 
bwäyä  d5! 

10.  me  sobr  e  de  cheveux  S  le  tet, 
ka  rvanS  djüsk'  e  täl5. 
nq  yi  frS  l§ra  de  küadja^ 

räl5  bwär, 

P9  pädr  le  b^rg^nö, 

bwäyä  d5! 

11.  n^  yi  frS  fera  de  küadja 
P2  pSdr  le  b§rgon5. 
le  bgrg9ii5  s'ä  t^  de  l§ra,  ^) 

rälö  bwär, 
de  ler5z^)-e  de  fripons, 
bwäya  dö! 
(Nicolas  Lanzard,  ii6  en  1834,  Beurnev^sin.) 


Qai  reviennent  jasqn'aux  talons. 

Nous  (y)  lui  ferons  faire  des  cordes 
Pour  pendre  les  Boarguignons. 


Les  Boargnignons,  c'est  tous  des 

[larrons. 
Des  larrons  et  des  fripons! 


160. 
le  bürgifio  Les  Bourguignons 

(Patois  de  Seloncourt,  France) 


1 .  le  bürginö  s'ä  t{»  de  ler 

ä  rälä  bwär, 
de  brölera^)  da  mäj5 
bwäyS  dö! 

2.  e  m'5  pri,  e  m'S  mwäiie 

ä  rälä  bwär, 
dS  la  f5  da  yö   prij5, 
bwäyä  dö! 

3.  sät-etjfii   i  so  köt§ 

ä  rälä  bwär, 
so  köte  pü  me  päsiö 
bwäyä  dö! 


X^es  Bourguignons,  c*est  tous  des 
Ab!  (r)allon8  boire,    [voleurs 

Des  brüleurs  de  maisons, 
Buvons  done ! 

lls  m'ont  pris,  ils  m'ont  mene 
Dans  le  fond  de  leurs  prisons. 

Cent  ecus  y  sont  comptes 
Sont  comptes  pour  ma  pension. 


*)  Le  mot  patois  est  pwä^  litt.  poü.  On  aurait  du  dire;  m^  scer  6  äf 
picä  ä  1^  i^t  (cf.  n**  160  str.  6). 

2)  Comine  i'ancien  fran^ais,  nos  patois  du  Jura  ont  les  deux  formes 
latro       ?^r,  et  latrone   -  Iqro  (cf.  n«  126  str.  12). 

^)  i>iiQ  d«''sinence  -fr^  n'est  pas  de  notre  patois  jurassien,  mais  du 
patois  franc-comtois.  Elle  remoute  au  nominatif  latin  en  -ator.  L'accusatif 
*perustulatöro  aurait  donnö  hrobl  dans  tout  le  Jura.  Cependant  le 
n**  161  Str.  1  donne  d^^  üröher;  mais  c'est  le  mot  fran(jais. 


Chants  patois  jurasBiens 


91 


mwä  k'i  etö  xi  püor  gexö/)       Moi  qui  ^tais  si  pauvre  gargon, 
ä  rälS  bwär! 


bwäyS  dö! 
5.    t'e  15  per  k'e  de  bti9,  de  v^tx,      Ta  as  ton  pere   qui  a   des  bcBufs, 


ä  rälS  bwär^ 
de  brobi  e  de  mgtS 
bwäyS  d5! 

t'e  te  Bcer  k'ä  dS  1^  lüar^n 

ä  räl5  bwär^ 
k'ä  di  pwä  ddxii  le  tet 

k'i  repö  xü  se  täl5 
bwäyS  d5! 

n^Z'S  fdrS  de  küodja 

ä  rälS  bwär, 
pü  tu  pSdr  86  bürginS 

bwäyS  d5! 


[des  yaches, 
Des  brebis  et  des  moutons. 


Ta  as  ta  soenr  qni  est   dans  la 

[Lorraine, 
Qui  a  (du  poil)  des  cheveux 

[dessus  la  tete 
Qui  (rappond)  descendent  sur  ses 

[talons. 

Nous  en  ferons  des  cordes 

Ponr  tous  pendre  ces  Bourguignons. 


y  emrö  moe  sevwa  me  stier 

[ni.ö8tx 


J'aimerais  mieux  savoir  ma  scsur 

[morte, 
e  p6  mwä  prodjii  ä  f5  de  prijo      Et  puis  moi  perdu  au  fond  des 

ä  rälS  bwär,  [prisoiis, 

ka  d'  le  mwän^  S  meriedja  Que  de  la  mener  en  mariage 

S  se  1er  d9  bürgiiiS,  A  ces  voleurs  de  Bourguignons. 

bwäy fi  dö ! 
(Edmond  Rayot,  n6  en  1850,  de  Seloncourt,  k  Fahy.) 

161. 
le  bürgwäiio  Les  Bourguignons 

(Patois  de  Viccjues) 
le  bürgwäii5  s'ä  tö  de  1er,  Les  Bourguignons  c'est  tout  des 


Des  voleurs  et  des  larrons,    [larrons, 

(R)alIon8  boire! 
Et  des  bruleurs  de  maisons, 

Buvons  done! 


de  v^loer  e  de  lärö,^ 

ralo  bwär! 
e  de  brölter  da  maj5, 

bwäyS  d5! 

2.    —  eküte 

merke  txü  me  tabyät 

ral5  bwär! 
sSt-etj^ii  pü  me  pSsiö, 

bwäyS  d5! 

>)  Mot  du  patois  de  Seloncourt;  le  Jura  dit:  t  hü^h  ou  7  välä. 
')  Cest  le'mot  fran^ais;  voyez  ausai  str.  4:  d^  roher;    le    patois»   dit 
t/>ajoiir8  l^r  ou  l^rÖ. 


—  Ecoutez 

Marquez  sur  ina  tablette 

Cent  ecus  pour  ma  pension. 


92 


Chants  patois  jiirassiens 


3.    t'ß  eo  Bcer  S  le  Igrßn, 
ko  s'äpel  djäDit5; 


Tu  as  une  soear  en  la  Lorraine, 
Qai  s'appelle  Jeanneton; 
8*  to  m^  le  beyo  S  m^riedja,        Si  ta  me  la  donnes  en  mariage, 
rälö  bwär! 

Je  te  quitterai  ta  pension. 


i  tö  tjf  itre  te  pSsiS, 
bwäyS  d5! 

4.    —  i'emarö  mö  me  scer  möarto, 
mw&  p^ri  d6  vö  prejö, 
ke  d'le  beyia  S  meri^djd, 

räl5  bwär! 
5  se  vgloer  dd  bürgwänö; 
bwäyS  d5! 

(M"*  X.,  ä  Vicques.) 

162. 
mo  bei  5/ä  Mon  bei  oncle 

(Patois  de  Coeuve) 


—  J'aimerais  mienx  ma  soeur  morte, 
Moi  p^ri  dans  vos  prisons 
Qne  de  la  donner  en  mariage 

A  ces  volears  de  Boorguignons. 


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mo      b$l     o  -  x^,    mo      b#l    ö  -  ;rä,     la       dy^  -  lo    vij    vdfe 


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pa.-ra.    k'^      n*ö-ja-r^,    k'^      n'ö  -  J9  -  r^,    k'^     n*ö-J9-r§,    k^ 


:^i=*: 


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-¥ — r- 


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»=?^ 


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-i^-j^- 


n'ö-J9-  r^,  i'§    d^  pior  dS    m§    t^  -  txa. 


1.     —  mö  bei  5/ä,  (bis) 
l9  dyel9  VQ  vce  pära. 
—  k'e  n'öjare,  k'e  n'öj9re,  (bis) 
i'e  de  plar  d6  me  tetx9.  *) 


—  Mon  bei  oncle, 

Le  diable  voos  veut  prendre. 

—  ((iu')il  n'oserait,  (qn')il  n'oserait, 
J'ai  des  pierres  dans  ma  poche. 


—   Petit  drillet, 

Viens  m'ouvrir  la  barriere. 


2.    —  pati  drye  (bis) 
vT  m*Övri  16  döleJ9. 
—  k'e  n'öjare,  k*e  n'öjare,  (bis)      —  (Qu')il  n'oserait,  etc. 
Te  de  piar  dS  me  tetx9. 
(M'"*  Th6r^8e  Ribeaud,  ancienoe  institutrice,  Coeave.) 

163. 

in^  fän  m*i  vT  rt;^öri  Ma  femme  me  yient  chercher 

(Patois  de  Ck)urtedoux) 

1.    me  f&n  m'i  vT  rt)('6n^)  Ma  femme  (m'y)  ^^  vient 
(re)chercher 

*)  Nous  avons   ici   le   mot   allemand   Tasche.    On   dit   d'habitude: 
/?  h^gät. 

2)  Le  latin  qua'rere  a  donne  les  deux  formes:  txür  et  tx9ri;  le  pre- 


Chants  patois  jurassieDS 


93 


S  m9  fzS  le  gnmes, 

S  m9  dyS:  f^tü  lourdaud, 

vT  dS  tS  menedjd! 


2.   i  ji  repö 


me  ßin,  ve  t'S  vitmS 

pä  fer  te  bezena 

e  pö  vwärd§  tez  af§. 

ö  kMe  fän  da  mitnS 
e  di  txegrT  devö  yü9  än;^) 
e  n'  80  p'  xitö  S  l'ötä 
k'e  fä  mwaDe  ripeya.  *) 


£n  me  faisant  la  grimace, 

En  me  disant:  F...icha  loardand, 

Yiens  dans  ton  menage! 

Je  lui  reponds ; 

Ma  femme,  va-t'en  vite(ment) 

Pour  faire  ta  besogne 

Et  puls  garder  tes  enfants. 

Ob!  que  les  femmes  de  maintenant 
Ont  du  cbagrin  avec  leurs  hommes ; 
Ils  ne  sont  pas  sitot  ä  la  maison 
Qu'il  faut  (mener  ripaille)  gronder. 


(Madeleine  ToDoerre,  ii6e  en  1829,  Courtedoux.) 


164. 
1§  pierä  s'ä  ü  . . .  (Le)  Pierre  c'est  un  .  . 

(Patois  de  Pleujouse) 


— s- 


S_  K 


4i 


::3=ii 


ft: 


^ 


1$    pl9-rä    s'ä    Q,    1$  djüz-Ii  s'ä  du;  s'ä  vS  txi  ]'k(^-lä   k^m 

f 


:p=^ 


^öz  -  ämwä  -  rö.     Mon   cceur   n^y  peut  pas,  mon  cceur  Wy  peut  vivr\  mon 

> . . ^ 


^z 


dr 


^^o*ur  n'y  sau-rait   vi  -  vre  sans   re  -  grets. 


l. 


(Le)  Pierre  c'est  un, 
(Le)  Joseph  c'est  deux; 
[Ils]  s'en  vont  cbez  (le)  Colas 
Comme  deux  amoureux. 


L^  piarä  s'ä  u, 

1§  djüzli^  s'ä  du; 

s'ä  v5  txi  rk^lä 

k^m  düz-ämwärö. 

Afon  cceur  n!y  peut  paSy 

Mon  ccpur  n'y  peut  vivre^ 

Mon  cceur  n'y  saurait. 

Vivre  sans  regrets, 

^icr  correspond  ä  l'allemand  suchen,  chercher  ce  qu'on  a  egar^,  perdu. 
*'^-:  i  n'f  p'  mo  mptxü  (Vb^gät,  ?  m?  Vfä  äi^  txur  —  je  n'ai  pas  mon  mou- 
cboir  de  poche,  il  me  faut  aller  le  chercher.  —  Le  second  est  Tallemand 
"olen.    Ex.:  ^  fä  äl^  tx^ri  V  mfdsT  ^  il  faut  aller  chercher  le  mMecin. 

')  Forme  toute  particuli^re,  avec  hiatus.  D'habitude  on  dit:  ypz  an 
(cf.  n«  154  Str.  3 :  yQ  paltQ). 

'^  mwän^  ripiy9  n'a  pas  le  sens  de :  faire  bonne  chere,  mener  joyeuse 
^»c»  mais  iapiiger,  gronder:  cf.  Texpression  populaire:  quelle  vie  il  a  ynenie 
?**<"*d  il  o  appris  cela. 

')  Le  diminutif  habituel  de  döjz^  est  djözl^  ou  encore  djQz^yä. 


94 


Chants  patois  jurassiene 


2.  s'fi  vS  txi  l'kjlä 
k^m  düz-ämwärö. 

Frisant  ses  cheveux. 
Mon  cc&ur,  etc. 

3.  tr^vS  sta  berbäta 
Frisant  aea  cheveux; 
Ig  piörä  i  dye: 

frizS  le  09  du! 
Mon  coeur,  etc. 

4.  I5  pl9rä  i  dye: 
frizS-le  n^  du! 

le  fän  ä  k^lä  yö  dye: 
ekm^d^-vg,  Messieurs! 
Mon  c<Bur,  etc. 

5.  le  fän  ä  kglä  yö  dye: 
ekmjdg-vg,  Messieurs! 
s    ngt'  berbät9  ä  bei, 

Ce  n^estpas  pour  vous  deux! 
Mon  coeur,  etc. 

6.  s'  n^t'  berbäto  ä  bei; 

Ce  n^est  pas  pour  vous  deux  ! 
s'ä  pg  lg  djgt;f9  di  rjtxe*) 
s'ä  85  ämwärö. 
Mon  ccetir,  etc. 


Trouyent  (cette)  Barbe 
Frisant  ses  cheveux. 


(Le)  Pierre  (y)  lui  dit: 
Frisons-les  nous  denx! 


La  femme  au  Colas  leur  dit: 
Accommodez-voas,  Messieurs ! 


Si  notre  Barbe  est  belle, 

Ce  n'est  pas  pour  vous  deux! 


C'est  pour  (le)  Jacques  du  Röchet, 
C'est  son  amoureux. 


(M.  Fr.  Jobin,  maire^  ä  Pleujonse.) 


165. 
mämä,  y'^  T  ^mä  Maman,  j'ai  un  amant 

(Patois  d'Underv-elier) 


1.  mämä,  y'e  T  emS 

X9  pyejS! 
e  m'i  vT  vwä  bT  svS. 

c 

gl  e  en  bgs  p^  dria, 

pe  dvS. 
vwäli  sez  agremS. 

2.  el  e  b  ne  pwStii 

si  bgsii; 
le  tx6b  85  tgrjU, 
en  göardja  sS  päreyo. 


Maman,  j'ai  un  amant 

Si  plaisant! 
II  (m'y)  me  vient  voir  bien  souvent. 
U  a  une  bosse  par  derriere, 

Par  devant. 
Yoila  ses  agrements. 

II  a  le  nez  pointn 

Ce  bossu; 
Les  jambes  sont  (tordues)  torses, 
Üne  beuche  sans  pareille, 


2)  C*est  aussi  le  diminutif:  bqrb  +  itta  =  bqrbät9.^ 
')  Le  Röchet  est  une  ferme  des  environs  de  Pleujouse. 


Chants  patois  jurasBiens 


95 


kjm  S  n'S  6  dJ9m§  vü 

ni  k^fiü, 
fSdil  djtts  k'ez-^reyo, 
e  le  pwä  töjü. 

3  e  vT  d8  me  piäjC, 

81  mifiS, 
xerm§  tgt  8f  fesS. 
e  m*i  tir  en  I5g 

X9  grSda, 
d'T  dmf  pi9  d9  15. 

4  Heia«/  i  n'  s^  k'  pSsg 

d'  si  b^sU; 
ß'ä  r  büob  d'T  grö  mertxS. 
e  e'e  vi  e  ^vwä  dez  äfS, 

e  rsSbyorS*)  leur  ph*e 
dS  t2  sez-ägremS. 

^.   S  le  ve  m^rie 
t^  le  dfi, 
l'tjlfäna  S  riS  d'vwä  vni  si  bjsü 
8*  prezSte  meri^. 
S,  yi  8^0  le  syötxo 
P2  1^  peuple  ^sSbyg. 

(M"*  Simon,  n6e  en 


D  en  a  jamais  vu 
Ni  connu, 
F6nda[e]  jasqu'anx  oreilles, 
£t  Ie8  cheveux  tondus. 

II  vient  dans  ma  maison, 

Ce  mignoii; 
Charmer  toates  8e8  fa^ons.  (?) 
II  me  tire  une  langae 

Si  grande, 
D'un  demi-pied  de  long. 

H61as!  je  ne  8ai8  que  penser 

De  ce  bossu; 
C^est  le  fils  d'nn  gros  marcband. 
Et  s*il  vient  ä  avoir   des  enfants, 

Cet  amanty 
Ils  ressembleront  [ä]  leur  pere, 
Dans  toas  ses  agr^ments. 

On  les  va  marier 

Tons  les  deax, 
Le  cur6  en  riant  de  voir  venir  ce 
Se  präsenter  [a]  marier.        [bossa 
On  lui  sonne  les  clocbes 
Poor  le  peuple  assembler. 
1833,  Undervelier.) 


166. 
Djä  Nivglo*)  Jean  [de]  Nivelle 

(Patois  de  Courtedoux) 


^t  -  I    tx§       k'^1   ä    ba«     ^      prä    1$    r§; 

*)  Le  verbe  ressembler  a  les  deux  fbrmes :  rsiby^  et  rsän^  (cf.  n**  167 

^^-    Ex.:  4  r8än9  tp  pitX9  ä  so  p^r  =  il   ressemble   tout   «pec»    ä  son 

P**^»        c'est  le  Portrait  de  son  p6re.    (Cf.  le  vaudois:   C'est  son   p6re   tout 

*^*^'*^^».)  —  Le  Frondeur,  Journal  satirique  paraissant  autrefois  ä  Del^mont, 

*  put^li^  il  y  ji  une  quinzaine  d'ann^es  la  boutade  suivante: 

^^     fän  dt  bo  p^izS  La  femme  d'uu  bon  paysan 

^^^^  f^  T  b#  grö-l-äfö.  Avait  fait  un  beau  gros  enfant. 

i  rsana  t$  pit;ta  ft  p$r,  —  II  ressemble  tout  pic  au  pere, 

^   ^>^  80  fr^r  la  bw^tü.  Lui  dit  son  fr^re  le  boiteux. 

i  dy§l !  y'Qvö  prü  pävü  —  Ab !  diable !  j'avai»  assez  peur 

*^  ^  n'  rsänd^x  a  vitAT^r.  Qu'il  ne  ressemblat  au  vicaire. 

^)  Tres  interessante  Variante  de  la  cbansou  de  Cadet  Roussel.  La 
tbBB^Oo  avait  bien  d'autres  couplets,  m'a  dit  ma  vieille  Agathe  Sangsue; 
löBl'^^ttreusement  eile  ne  se  rappeile  que  ces  trois. 


k- 


96 


Chanta  patois  jurassions 


-t^— ^— ^—^ 


E^ 


n: 


3±=t 


?     1#   prä  M    88  txS-d^-la,  äya    ä-vS!  <ljä  ni-v^-la!  Etc'pm-dant 


^ 


* 


(Ijä   ni-v§la   ä     bSn -«n-/an(. 

1.  djS  nivel9  gt-I  txe 

k'el  ä  bän  e  prS  le  re; 
e  le  prS  bl  sg  txSdeb, 
äya  äve!  djä  niveU! 

Et  cpendant 
dj5  niv^la  ä  h^n-enfant, 

2.  djä  nivela  e  du  büa 

ka  d'  se  mwäüe  se  txerüa: 
e  le  xäk*)  evö  en  etel, 
äya  ävS!  etc. 


Jean  Nivelle  a  un  chat 
(Qu'il)  qai  est  borgne  et  prend  les 
II  les  prend  bien  sans  chandelle,  [rata; 
Allons!  en  avant!  Jean  Niyelle! 

Et  cependant 
Jean  Nivelle  est  bon  enfant. 

Jean  Nivelle  a  deax  boeafs, 

Qai  ne  savent  mener  sa  charrae; 

II  les  frappe  avec  ane  «Stelle». 


3.    djä  niveld  e  trä  txertia; 

l'ätr  ä  käse,  l'ätr  ä  rötü; 

l'ätr  n'e  pa  do  verveya, 

äy9  ävS!   etc.  • 

(Agathe  Sangsue,  n^e  en  1833,  Courtedoux;  cbanson  de  sa  m&re.) 


Jean  Nivelle  a  trois  charraes, 
L'aatre  est  cass6e,  l'aatre  est  rompne ; 
L'autre  n'a  pas  de  coateau. 


167. 

1$  metr  d'ek§l  de  vwärek§^) 

Le  roattre  d'^cole  de  Var6court 

(Patois  de  Copiive) 


Gau 

m 


^£ 


jtzd 


s^ä  Tmetr  d'§-k$l  do  vwä-  r^  -  k$,  k'^1   ^     bi     f^     la     bi  -  g^; 


N       .S 


i^ 


^^m 


61      ^     bl    tro-pQ    1<J    mod,     k'^  y'^    f^-yüt-^-no   blöd;  s'ä    1^ 


^ 


'^^S. 


-* — f- 


^if=^ 


djän  mö-rl9  txTa     1^    nä  -  no,  k'^1   ä      ^     f^    8§    do  -  dö. 

1.    s'ä  1'  metr  d'ek^l  da  vwärek^      C'estlemaitred'ecoledeVarecourt(?) 
k'el  e  bT  fe  b  bigo;  (Qn'il)  Qui  a  bien  fait  son  bigot; 

el  e  bT  tröpe  \\  möd,  II  a  bien  trompe  le  xnonde, 

^)  Proprement:  ciaquer,    xäk^  Je  pö9rt  ^  ciaquer  la  porte. 
2)  M.  Xav.  Kobler  {Patt.  p.  10)   donne  2  strophes  de  ee  chant;   son 
maitre  d'ecole  vient  de  vire-le-cö  (Tourne-le-cou). 


Chants  patois  jurassiens 


97 


4. 


k'e  y'  e  feyüt-8n9  blöd; 

s'ä  le  djän  merl9  txis  1^  nänS 

k'el  ä  e  fe  se'  dSdö.  ^ 

el  e  Stere  so  veyo  grije,*) 
k'el  n'S  ete  pa  txegrine. 
1§  veya  metr  y'e  prej^me. 
p^  r^käzyS  d'i  p§Ie, 
se  txl9vr  ät-äle  märtxSde: 
mS  s'  n*^te  pa  8§  k  e  tjföre. 

a  p§lS  dez-^wi oureWes 
e  89  s5  fe  bT  de  caresses, 

*■  w*"  * 

e  89  HO  trov^  di  mem  penchant, 
le  vwäli'dS  bT  kota. 
e  n'  89rT  ebredje  le  Iwä; 
e  fa  ätSdr  le  dl9x  mwä. 

P2  n'  pü  tS  tr^ve  l'  tS  grS, 

e  s'i  s5  pri  ätr9mS. 

vwärek^  e  äbSd9ne, 

e  rkrgvS  s'S  ä  räle. 

\  s'  mgk  bT  d'  kädirätö,*) 

p§  k'e  fdex  evo  ee  nänS. 

el  äpr9fie  bX  lez-äf5; 
x'el  eve  pe9  kStintie! 
e  le  mwäne  ä  mötl9 

c         •  c  • 

e  le  fze  bT  e  preyl9. 
5  s'S  als  pwä  le  yi9 
el  älT  e  pte  pä 
S  dyejS*)  b  txeplä. 

S  s'S  als  pwä  le  vi9 
devö  se  veya  nwär  Sglez 
e  85  ^r  d9  politesse, 
e  reSnß  5n-T  vey9  t;^ürl9. 


QiiHl  lui  a  fallu  une  blonde; 
C'est  la  Jeanne-Marie  chez  la  Nanon 
(Qu'il  en  a)  Dont  il  a  fait  sa  dondon, 

Elle  a  enterre  son  vieux  Griset, 
Uu'elle  n'en  etait  pas  chagrin6e. 
Le  vieux  maitre  y  a  fait  attention. 
•Pour  Toccasion  (d'y)  de  lui  parier, 
Sa  chevre  [il]  est  all^  marchander; 
Mai8  ce  n'^tait  pas  ce  qu'il  cherchait. 

£n  parlant  des  amourettes 
Ils  se  sont  fait  bien   des  caresses. 
Ils  se  sont  trouv^s  du  meme  penchant, 
Les  voilä  donc  bien  Contents. 
Ils  ne  sauraient  abreger  les  lois; 
II  faut  attendre  les  dix  mois. 

Pour  ne  plus  trouver  le  temps  grand, 
Ils  s'y  sont  pris  autrement. 
Varecourt  [il]  a  abandonne, 
A  Recrovent  (?)  [il]  s'en  est  (r)alle. 
II  se  moque  bien  (de)  des  qu'en 

[dira-t-on, 
Pour[vuJ  qu'il  soit  avec  sa  Nanon. 

II  apprenait  bien  les  enfants; 

S'il  avait  seulement  continu^! 

II  les  menait  a  l'eglise 

Et  les  faisait  bien  (ä)  prier. 

En  s'en  allant  par  les  chemins 

Ils  allaient  ä  petits  pas 

En  disant  le  chapelet. 

En  8*en  allant  par  les  chemins 
Avec  sa  vieille  (anglaise)  redingote 
Et  son  air  de  politesse,         [noire 
II  resseinblait  ä  un   vieux  eure. 


*)  Cf.  n**  124  Str.  9.  M.  X.  Kohler  a  ici :  qu'ai  Ven  e  fait  sai  dindon 
^  sa  dindon,  sa  dinde. 

2)  Je  ne  sais  d'oü  vient  ce  mot;  Tadjectif  gris  -4-  diminutif  -ittu 
doDoerait  grijä  et  non  grij^;  le  mot  grisan  exi.sto  aussi:  grijo.  Est-ce  peut- 
^tre  la  forme  du  participe  pass^ :  son  vieux  GrisS  ? 

'j  Litt^ralement:  ä  se  fnoque  de  quen  dira-t-on j  corame  s'il  s'aji^issait 
d'uDe  persoDoe  de  ce  nom-lä. 

♦)  La  forme  ordinalre  du  participe  present  est  dyi.  X.  Kohler  a  aussi 
e»  diain  le  tchaipelat 

7 


98 


7. 


Chants  patois  jurassiens 


8^  püdr  e  86  fa  jaboU,  Sa  poudre  et  ses  faax  Jabots^ 

m^  fwä,  n'i  k5vnfi  p9  trg!  Ma  foi,  ne  lai  convieanent  paatrop 


^  d^fSde  e  bexät 

da  n'  pa')  8*  Jexia   t8  käjöle; 

tS  d'  fwä  k'e  yöz-e  di 

do  89  n'  p9  lexl9  eprötxia! 

mS  lü  eprötx  se  nänS 

kgm  le  feviöl  le  bet8. 


II  döfendait  aax  jeane8  filles 
De  ne  pas  se  laisser  tant  cajoler 
Tant  de  fois  qa'il  leur  a  dit 
De  ne  pas  se  Jaisser  approcber! 
Mais  lai  approche  sa  Nanon 
Comme  les  haricots  les  bätons. 


(Marie  Chavanne-Pe$on,  nee  en  1823,  Coeuve.) 


168. 

Yoici  une  autre  Version  assez  alt6r6e,  qui  est  pourtant  interes- 
sante, et  qni  se  chantait  sur  le  mSme  air. 

(Patois  de  Boofol) 


1.  8^1  !§  metr  da  Värekg 
ka  fze  bl  I9  big^. 
elTxtrtt^  bl  lez-äfS 

s'e  n'ete  p'  evü  si  metxS. 

2.  e  le  mwäne  E  mötia 

c         •  c  • 

^  le  f^ze  e  präyia. 

e  le  mwän^  e  petiU  pas 

En  disant  lg  txeplä. 

3.  5  n'  yöz-5  montrant  p'  da  pü, 
s'ä  k'e*  n'S  sevß  p'  da  pü; 
me  b'S  et^  bl  assez, 

s'el  ^ve  pea  kStinüe. 

4.  el  ^  bT  trSpe  !§  mSda; 
e  y^  feyü  en  blSda, 

le  djän-meria  txia  le  nänö, 
k'el  5  e  fe  se  dm. 

c  c        c         c 

5.  e  pese  se  septfit  S; 

e  s'  n'  etäke  p'  e   djtian   djS. 


C'est  le  maitre  de  Var^court 
Qai  faisait  bien  le  bigot. 
II  instruisait  bien  les  enfants 
S'il  n'avait  pas  ^t6  si  möchant. 

II  les  menait  a  T^glise 
£t  les  faisait  (ä)  prier. 
II  les  menait  a  petita  pas 
£n  disant  le  chapelet. 

En  ne  leor  en  montrant* pas  de  plus' 
C'est  qa'il  n'en  savait  pas  de  plas; 
Mais  c'en  ^tait  bien  assez, 
S'il  avait  sealement  continae. 

II  a  bien  tromp^  le  monde; 
II  lai  a  falla  une  blonde, 
La  Jeanne-Marie  chez  la  Nanon, 
Qu'il  en  a  fait  sa  dondon, 

II  passait  ses  soixante-dix  ans; 
11  ne  s'attaquait  pas  aux  jeunes  gens. 


^)  Remarqaer  la  negation  apres  le  verbe  defendre:  il  defendait  aux 
jeunes  filles  de  ne  pas  se  laisser  cajoler.  On  entend  fröquemment  la  meme 
faute  dans  le  fran^ais  populaire.  (Cf.  la  version  suivante  n^'  169  str.  2 :  il 
nous  reconimandait  de  ne  pas  nous  laisser  attraper).  —  On  comprend  facile- 
ment  Torigine  de  cette  erreur :  il  ne  faut  pas  faire  ce  qu'on  defend ;  et  Ton 
ne  songe  pas  que  defendre  de  ne  pas  faire  ^  ordonner  de  faire.  Cf.  n"  146, 
noto  1. 


ChantB  patols  jürassiens 


99 


e  seve  bX  k'  se  bei  ^bi 

n'älT  k'  xtt  r  dö  d'I  vey9  gri. 

<.   e  n'y  Sve  ka  lg  nftnö 
Pf  py§r  £  86  nwä  djipS. 
t§  86  ko  pwä  dvS  lü  pe8Ty 

le  reverSs  e  vi  fezX. 

7.   8f  k'8  k5pöze  le  txSsö 
e  s'  n'a  85,  m^  fwä,  pe9  p' 

*  [vStg. 
^  n'S  fe  kd  d'^gzämin§ 
le  pjet^  di  tfi  pes^. 

S.    U  pyfte  e  le  vertu 
sh  \q'  txml  di  sältt. 


II  savait  bien  que  868  beaux  habits 
N'allaient  que  sur  le  do8  d'an 

[vieax  gri8. 

II  n'y  avait  qae  la  Nanon 
Poor  plaire  ä  868  habits  noirs. 
Tous  ceax  qai  par  devant  lai 

[pa88ai6nt 
La  rev^rence  il8  lai  faiaaient. 

Cenx  qai  ont  compo86  la  chan8on 
(IIa)  ne  s^en  8ont,  ma  foi,  pas 

[sealement  vant^. 
Il8  n'ont  fait  que  d'examiner 
La  pi6t6  da  temps  paasö. 

La  piät6  et  la  verta 
C^est  le  chemin  da  salat. 


(Amölie  Joset,  nie  en  1860,  k  Bonfol; 
chanson  apprise  de  son  p&re,  mort  en  1898,  ä  80  ans.) 


169. 

Voici  enfin  sur  le  rnSme  sujet  ane  derni^re  yersion  qai 
^oua  montre  comment  la  tradition  populaire  peut  transformer  et 
^It^rer  un  texte. 


s'ä  V  vfyQ  metra  da  vgrikf, 
ko  s'ete  T  b5  bigf. 
^   a'fi  äl§  ä  mötld 
S   pr&yS  85  tx^plä. 

e   Dg  rk^mSd^  bl 
d9  na  D9  p'  lexia  etr^p|, 
<i9  na  uq  p'  lexia  käj^le. 
me  lü  eprgtxe  ae  DäD5 
k§m  lf'f|vyöV)'l9  bät5. 


C'est  le  vieux  maitre  de  Varicoart 
(Qae  c')  Qai  6tait  an  bon  bigot. 
11  s'en  allait  a  Tegliae 
£n  priant  soq  chapelet. 

II  nons  recommandait  bien 
De  ne  noas  pas  laisser  attraper, 
De  ne  noua  pas  laisser  cajoler. 
Mais  lai  approchait  sa  Nanon 
Comme  les  haricots  le  bäton. 


%. 


8a  8r|  ^vü  T  b5  metr  d'eköl 
99  n'etg  p'  ^vü  X9  metxS. 

(Am6d6e  Etienne,  n6  en  1845,  de  Courtemaiche,  k  Fahy.) 


Q'aarait  ete  an  bon  maitre  d'6cole, 
S'il  n'avait  pas  6t^  si  mechant. 


^)  C'est  le  mot  ajoalot;  les  Franches-Montagnes  disent:  fizijQl^  tandis 
<\w  le  VÄdais  emploie  exclasivement  le  mot:  /^"dte  (faba  -f-  itta).  (Cf. 
*n»»i  le  patols  vaudois:  fävtßäi.) 


{ 


100 


Chants  patois  jurassiens 


170. 
1$  kät^nie  Le  cantonnier 

(Patois  de  Mi^court) 


m 


3;: 


^ 


^ 


=ff=ä: 


xü     1^       rü  -  te     da       sS  dy^,        ^    y'^  -  v§       T      b# 


^ 


^ 


ifc=:t 


kä-U^ 


uia, 


k9    r5  -  t§    d§    mö  -  8#  d'k^  -  yQ,    mö  -  sf    d'k§- 


?EEö^ 


3^ 


#— =-■  -m—  — #■ 


5:=:=t!C 


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y9,    mo  -  8#  d'k§  -  yö, 

: N 


mo 


8$      d'k§    -    yp, 


p<J      ^-  t$ 


§i 


13^ 


L5CT 


xü  l'pe-s^dj  d#     fp. 

.    xü  le  rüta  da  eS  dye 
^  y*  eve  T  be  katönio 
ka  röte  de  mSse  d'  keyö, 

möse  d'  keyö  (ter) 
k9  röte  de  möse  d'  keyö,  *) 
P2  bgte  xü  1'  pesedj   de  fö. 

.    ^n  gröx  dem  vT  e  pese 
k'ete  t§  bi   et^ipe; 
el  yi'  di:  be  kät2nl9, 

be  kätgnia,  (ter) 
el  yi  di:  be  kätguia, 
V2  m'  fet  li  T  fgtü  metia! 

1'  be  kät^nia  yi  repöje: 
ä  si  y'evö  kär^s  k^m  v^, 
i  n'  rötrö  p'  pü  do  keyö 

pü  d»  keyö  (ter) 
i  n*  rötrö  p'  pü  da  keyö 
P2  bgte  xü  r  pesedj   de  fö! 

4.    le  gröx  dem  xi  bT  rm^n^ 


3. 


Sur  la  roate  de  Saint-Die 

II  y  avait  un  beau  cantonnier 

Uai  cassait  des  monceaux  de  cailloax, 

Monceaux  de  cailloux, 
Uui  cassait  des  monceaux  de  cailloux 
Pour  mettre  sur  le  passage  des  fous. 

Une  grande  dame  vint  ä  passer 
Qui  6tait  tout[e]  bien  equip6e; 
Elle  lui  dit:  ßeau  cantonnier 


Vous  me  faites  lä  un  f...ichu  metier! 

Le  beau  cantonnier  lui  r6pondit : 
Ab!  sij'avais  carrosse  comme  vous, 
Je  necasserais  (pas)  plus  de  cailloux. 


Pour  mettre  sur  le  passage  des  fous! 
La  grande  dame  si  bien  rembarr^e 

Dit  ä  ses  gens:  F...ichons  le  camp 


dye  ä  se  dj5:  f^ta  I9  kä 

f^tä  1^  kä  (ter) 
dye  ä  se  djä:  fotä  I2  kä, 

si  be  kät^nia  s'  n^  ä  p^  T  fö!      Ce  beau  cantonnier  n^est  pas  un  foul 
(M"'  Bertha  Phealpin,  Miecourt.) 


*)  L'Ajoie  dit:  kqyQ,  txiyQ  ou  meme  %(>;  Del^mont  a  txiy^. 


Chants  patois  jurassiens 


101 


171. 


Le  Pdys  du  Dimanche  a  doDii6  dans  une  lettre  patoise 
du  12  mars  1898,  sign^e  Djozet  Dibaindaine,  ane  version  de 
cette  chanson  qui  difi%re  un  peu  de  la  mienne;  la  voici  textael- 
lement : 


1.  Chn  lai  ronte,  bin  maitnie, 
Ai  yaivaie  ¥n  cantonie, 

Uue  cassaie   des  tas  d'  cäyos. 

Des  tas  d'  cäyos 

Des  tas  d'  cäyos! 
Que  cassaie  des  tas  d'  cäyos 
Tain  qa'ai  lan  aivaie  mä  dos! 

2.  In  moQciea  vi'n  ai  p^^aie, 
Uu'etaie  tre  bYn  equipaie; 
Que  Üy  dit:  ponere  cantonie, 

Pouere  cantonie, 

Pouere  cantonie! 
Qae  ij  dit^  pouere  cantonie 
Vos  ai  in  fotu  m^tie! 

3.  Le  cantonie  l'y  repon, 
Sain  fair  beco  de  faiQon: 
Si  feso  i'faquin  com'  vos, 

L'faquin  com'  vos, 

L'faqnin  com'  vos! 
Si  feso  Tfaquin  com'  vos, 
Y  n'  cassro  p^  de  cäyos! 

4.  Le  moncieu  b\'n  rambalaie, 
To  capou  s'en  na  raüaie; 
An  se  diain:  ai  fa  lechie, 

Ai  fa  lechie, 

Ai  fa  lechie! 
An  se  diain:  ai  fa  lechie 
An  repos  le  cantonie! 


Sur  la  route,  bien  matinal, 

II  y  avait  un  cantonnier 

Qui  cassait  des  tas  de  cailloux 


Tant  qu'il  en  avait  mal  [au]  dos-! 

Un  monsieur  vint  ä  passer, 
Uui  etait  tres  bien  equip6; 
Qui  lui  dit:  Pauvre  cantonnier, 


Vous  avez  un  fichu  metier! 

Le  cantonnier  lui  r6pond, 
Sans  faire  beaucoup  de  fagons: 
Si  Je  faisais  le  faquin  comme  vous, 


Je  ne  casserais  pas  de  cailloux! 

Le  monsieur  bien  remhalU, 
Tout  capot  s*en  est  (r)alle; 
En  se  disant:  II  faut  laisser 


£n  repos  le  cantonnier! 


Sous   une    forme    frangaise    un    pea    differente,    la    meme 
chanson  est  tr^s  r^pandue  dans  toute  la  Suisse  romande. 


102 


Neujahrsfeier  im  alten  Basel  und  Verwandtes. 

Von  E.  Hoffmann-Erajer  in  Basel. 

Yorbemerkung. 

Die  nachfolgende  Schilderung  beruht  in  ihrem  wesent- 
lichsten Teil  auf  einem  Vortrag,  den  der  Verfasser  am  15.  De- 
zember 1902  in  der  Basler  Historischen  Gesellschaft  gehalten 
hat.  Einige  Erweiterungen,  namentlich  Vergleiche  mit  Bräuchen 
in  der  übrigen  Schweiz  und  noch  weitere  Belege  aus  mittel- 
alterlichen Quellen  sind  später  hinzugekommen.  Dass  es  dem 
Verfasser  nicht  darum  zu  thun  war,  eine  abgerundete  Darstellung 
älterer  Neujahrsbräuche  überhaupt  zu  bringen,  geht  schon  aus 
dem  eng  gefassten  Titel  hervor.  Immerhin  dürften  die  folgenden, 
zu  einem  grossen  Teil  aus  ungedrucktem  Material  geschöpften 
Mitteilungen  einige  Ergänzungen  zu  den  bereits  bestehenden 
Untersuchungen  über  die  Jahreswendbräuche  bieten. 

Allgemeines. 

Wer  immer  sich  mit  altern  Gebräuchen  der  Jahreswende 
beschäftigt,  wird  sich  stets  gegenwärtig  halten  müssen,  dass  eine 
strenge  Scheidung  zwischen  Weihnachts-  und  Neujahrs-,  ja  sogar 
Fastnachtsbräuchen  schon  aus  rein  kalendaren  Gründen  unmög- 
lich ist. 

Ein  Jesusgeburtsfest  kannten  die  Christen  der  drei  ersten 
Jahrhunderte  nicht.  Man  feierte  zunächst  die  Taufe,  welche 
man  auf  den  6.  Januar  legte;  also  den  Epiphaniastag.  Erst  als 
das  Dogma  Yon  der  Gottessohnschaft  Christi  immer  mehr  aa 
Boden  gewann,  kam  man  auf  den  Gedanken,  auch  für  seine 
Geburt  einen  Festtag  aufzusuchen,  und  so  war  es  denn  der 
römische  Bischof  Liberius,  der  im  Jahre  354  als  Erster  den 
25.  Dezember  als  Geburtstag  Christi  festsetzte.  Der  Grund,  der 
ihn  dazu  bewogen  hat,  gerade  diesen  Tag  zu  wählen,  mag  in 
erster  Linie  die  sinnige  Idee  gewesen  sein,  die  Geburt  des 
Herrn,  des  „Lichtes  der  Welt**,  mit  der  Wiedergeburt  des 
irdischen  Lichtes  in  Verbindung  zu ,  bringen  ^),  wie  ja  auch  die 

')  Bei  den  Römern  galt  der  25.  Dezember  als  Sonnenwendtag. 


Nenjahrsfeier  im  alten  Basel  und  Verwandtes.  103 

Verlegung  des  Geburtstages  Johannis  des  Täufers  auf  den  24. 
Juni,  d.  h.  die  Sommersonnenwende,  an  den  Ausspruch  anknüpft: 
,Er  muss  wachsen,  ich  aber  muss  abnehmen".  Mitbestimmend 
mag  überdies  auch  noch  gewesen  sein,  dass  die  Römer  vom 
17.  Dezember  an  eines  ihrer  ausgelassensten  Feste,  die  Satur- 
nalien, feierten,  und  es  somit  für  die  Kirche  von  Wichtigkeit 
sein  musste,  diese  allzuweltlichen  Freuden  durch  ein  kirchliches 
Fest  zu  YerdrängeUi  Dass  ihr  dies  nur  zum  Teil  gelungen  ist, 
zeigen  die  mannigfachen  Reste  der  Saturnalienbräuche  in  Ge- 
genden, die  von  den  Romern  kolonisiert  waren. 

Aber  noch  ein  anderer  Tag  musste  für  die  Kirche  unbe- 
quem sein:  der  eine  Woche  später  folgende  Neujahrstag.  Die 
Januarskalenden  waren  im  römischen  Geschäfts-  und  Staatsleben 
ein  Tag  von  so  einschneidender  Bedeutung,  dass  er  dem  kurz 
Torausgehenden  kirchlichen  Weihnachtsfeste  leicht  hätte  gefähr- 
lich werden  können.  Die  Kurie  entschloss  sich  daher  im  9. 
Jahrb.,  den  Jahresanfang  auf  den  25.  Dezember  zu  verlegen, 
um  dadurch  das  ganze  Festleben  auf  Weihnachten  zu  konzen- 
trieren. Sie  hat  sich  damit  einen  jahrhundertelangen  Kampf 
aufgebürdet,  in  dem  sie  schliesslich  doch  noch  unterliegen  sollte. 
Jn  unsern  Gegenden  war  es  die  Reformation,  welche  den  alten 
Stand  der  Dinge  wieder  hergestellt  hat,  wenn  der  Weihnachts- 
anfang  auch  von  der  Kurie  bis  ins  Ende  des  17.  Jahrb.  ist  fest- 
gehalten worden. 

Dass  aber  diese  Vermischung  von  Neujahr  und  Weihnachten 
auch  in  den  Yolksbräuchen  ihre  Spuren  hinterlassen  hat,  ist  be- 
greiflich, um  so  mehr  als  die  durch  den  gregorianischen  Kalender 
herbeigeführte  Verschiebung  das  ihrige  dazu  beitrug,  die  Daten 
zu  verwirren.  Rechnen  wir  hinzu,  dass  wohl  der  eine  oder 
andre  Brauch  sich  auch  noch  von  dem  altgermanischen  Winter- 
anfang in  die  Neuzeit  hinübergerettet  hat,  so  kann  es  nicht  ver- 
wundern, dass  eine  allzustrenge  Scheidung  in  Weibnachts-  und 
Neujahrsbräuche  unmöglich  ist. 

Die  Bräuche  im  Besonderu. 

I.  Ein  alter  Brauch,  der  meist  in  die  Zeit  um  Neojahr 
oder  Weihnachten  fiel,  war  auch  in  Basel  das  Umziehen 
grösserer  oder  kleinerer  Gruppen,  die  unter  wüstem  Lärm 
und  Absingen  von  Glückwunsch-  und  Bettelliedern  vor  den 
Bürgershäusern  Gaben,  besonders  Wurst,  erbettelten.    Die  älteste 


104  Neujahrsfeier  im  alten  Basel  und  Verwandtes. 

mir  zugängliche  Notiz  stammt  aus   dem  Jahre  1418   und  findet 
sich  im  Rufbuch^);  sie  lautet: 

„Feria  sexta  post  nativitatem  Christi. 

Es  ist  euch  by  kurtzen  jaren  ein  fremde  gewonheit,  hie 
in  der  statt  uffersten  [I.  ufferstanden]»  daz  man  die  zu  eim  dorff 
machen  mit  singen  vmb  würst  yf  ein  ingond  jar,  als  man 
jn  den  dörflFern  gewohnlich  tut"  (Rufb.  I,  8^). 

Die  Sitte  scheint  also  in  unserer  Stadt  um  die  Wende  des 
XIY.  Jahrh.  aufgekommen  zu  sein,  wie  auch  das  Umziehen  von 
Yerkleidetön  im  Advent,  von  dem  das  Rufbuch  unter  demselben 
Datum  sagt:  ,,So  ist  euch  ein  nüwe  gewonheit  hie  ufferstanden,  daz 
man  im  atvent  anfahet,  jn  Bökenwise  ze  gonde  vnd  erber 
lüte  ze  überfallende  jn  jren  hüsern*  u.  s.  w.  Von  diesen  Ver- 
mummungen werden  wir  unten  noch  zu  sprechen  haben. 

Im  Jahre  1420  erfolgt  dann  ein  erneutes  Verbot:  ^Es  soll 
euch  niemand  singen  gan  vor  noch  nach  dem  hocbzit  [Weih- 
nacht], umb  würst,  gelt  noch  anders  als  etwenn  beschehen 
ist,  noch  niemand  dem  andern  an  siner  thür  klopfen . . ." 
(Rufb.  I,  28^). 

Dass  das  Datum  der  Bettelnmzuge  nicht  immer  dasselbe 
war,  zeigt  uns  übrigens  auch  der  Ruf  von  1432,  welcher  siel) 
gegen  das  Wurstsingen  „zum  ingonden  jare,  darnach  und  da- 
vor" wendet. 

Solche  Verbote  ziehen  sich  dann,  mit  wenigen  Varianten, 
durch  das  ganze  XV.  Jahrh.  hindurch.  Etwas  interessanter, 
weil  ausführlicher,  ist  der  Ruf  vom  18.  Dezember  1501:  „Ouch 
als  bysshar  zu  Ingang  eins  jedenn  nuwen  Jars  vil  nacbtgesangs, 
wurst  samblenn  und  derglich  besphehenn,  dadurch  unnsern  Bür- 
gern, jren  Kindern  und  Töchtern  schand  und  scbad  erwachsen 
möcht,  des  glichen  unfür  mit  Clopfen  an  den  hüsern  nachts  be- 
scheen  ist,  lassen  unnser  Herren  .  .  .  gebietenn,  dass  .  .  .  nieman- 
den (!)  . .  .,  nachtgesang,  wurst  samlenn  oder  Gutte  Jar  singen, 
euch  das  clopfen  bruchen  oder  euch  an  Sant  Berchten  tag  oder 
sunst  wurst  samblenn*  (Rufb.  II,  42^). 

Dass  die  Obrigkeit  alles  Recht  hatte,   die   Bettellieder   zu 

verbieten,  zeigt  nicht  nur  der  Inhalt  dieses  Verbots  sondern  auch 

eins  vom  2.  Januar  1507,  wonach   „uflf  diss  hochzytt   der  wyn- 

.  nechten  ettlich  frouwen  unnd  man  nachts  . . .  vor  der  lütten  huseren 


2)  Drei  Manuskriptbände  auf  dem  Basler  Staats-Archiv.    Sie  enthalten 
obrigkeitliche  Erlasse,  welche  öffentlich  ausgerufen  wurden. 


Neujahrsfeier  im  alten  Basel  uud  Verwandtes.  105 

vmb  ein  gutt  jar  und  warst  ze  singen  gepflegen,  daruss  ze  ett- 
lichen  zytten  frommer  lütten  kinder  gesmeeht  [beschimpft] 
unnd  ander  scheden  entsprungen  sind...^  (Rufb.  U,  50). 
Sagt  doch  auch  Hospinianus  (2.  Hälfte  des  16.  Jahrb.):  „Da 
diese  Bettelumzüge  vor  den  Häusern  der  Reichen  nachts  vor 
sich  gehen,  kann  man  sich  leicht  denken,  dass  diese  Gelegenheit 
benutzt  wird,  um  mancherlei  Unsittlichkeit  mit  unterlaufen  zu 
lassen."  ^) 

Wir  können  all  diesen  Verboten  entnehmen,  dass  es  um 
die  Weihnachts-  bezw.  Neujahrszeit  in  Basel  wild  hergegangen 
ist,  und  zwar  treten  uns  bei  diesen  Umzügen  deutlich  zwei  Mo- 
mente entgegen:  Das  Um  sin  gen  und  das  Klopfen  an  den 
Häusern. 

Man  würde  irren,  wollte  man  diese  beiden  Bräuche  für 
Bpecifisch  baslerisch  halten.  Schon  der  erste  oben  zitierte  Ruf 
sagt  es  ja  deutlich,  dass  das  Wurstsammeln  neuerdings  vom 
Lande  in  die  Stadt  gedrungen  sei.  Wir  haben  also  dort  Um- 
schau zu  halten,  und  da  sehen  wir  denn,  dass  dieses  Umsingen 
im  Dezember  nicht  nur  eine  weitverbreitete  Sitte  war,  sondern 
es  bis  auf  den  heutigen  Tag  geblieben  ist.^) 

Um  mit  der  nächsten  Umgebung  Basels  anzufangen,  er- 
innern wir  an  eine  Stelle  in  Hebels  ,,  Statthalter  von  Schopf  heim  ^^ 
Dort  heisst  es  Vers  72: 

„I  hör,  der  Uhli  heig  gmezget. 

's  war  e  Site  Speck  wol  us  der  Bütene  z'hole 

und  e  Dozzet  Wurst;  wie  wär's?    Doch  's  Vreneli  duurt  mi. 

Göbnt  e  Stücker  drei,  's  iscb  besser,  singet  ums  Würstli." 

Hebel  kannte  das  Wurstsingen  gewiss  aus  seiner  Kind- 
heit; denn  noch  heute  wird  in  seinem  Heimatsorte  Hausen, 
nach  personlicher  Erkundigung,  folgender  Reim  gesungen: 

5)  De  Pestis  Cbristianorum.  Ed.  tertia.  Genevje  1674,  Fol.  41»  — 
♦)  Einen  altem  Nachweis  aus  der  Landschaft  verdanke  ich  Herrn  Alt- 
Scbulinspektor  Dr.  J.  W.  Hess.  Er  schreibt  mir  darüber:  Die  Geist- 
lichen äussern  ihren  Unwillen  besonders  über  das  Ansingen  des  Neujahrs. 
Da  gehe  viel  Unordnung  vor.  Jedermann  werde  durch  den  Gesang  be- 
lästigt und  in  seiner  Ruhe  gestört.  Dieser  Gesang  dauere  die  ganze  Nacht 
hindurch,  und  niemand  werde  damit  verschont.  Wer  keine  Gabe  s])enden 
wolle,  dem  werde  „schmach  und  tratz"  bewiesen.  „Was  die  Sänger  also 
ergeilet  und  ergützlet  haben,  das  fressen  sie  uff,  sitzen  zusammen  und  heben 
das  nüwe  Jar  mit  fressen,  suffen,  schweren  und  anderem  muttwillen  an." 
(Famsb.  Akten  vom  26.  März  und  24.  September  1601,  beidemal  unter 
Sissach.) 


106  Neujahrsfeier  im  alten  Basel  und  Verwandtes. 

Gueten  Oobe,  gueten  Oobe!  Lönd-mi  doch  nit  gaar  verfriere. 

Gott  gsägn'-ich's  ^)  eueri  Goobe,  's  SüüU  het  e  chrumm  Bäi, 

Gott  g8ägn'-ich*s  euer  Assen  und  Gänd-merWuurscht,80chttmm-ihäim, 

[Trinke,  's  SQOli  het  e  chrumme  Maage, 

's  SUUli  würd-ich  nümme  hinke,  Gänd-mer,  waas  i  mag  ertraage. 

's  SüOli  het  e  chrumme  Buurscht^),  Stiiget  uufe  bis  an  dTaUrscht  ^), 

Gänd-mer  au  e  Lääberwuurscht,  Hauet  aabe  Späck  und  Wüürscht, 

Gänd-mer  zwoo  fUr  äini,  Lönd  's  Mässer  iine  goo 

Aaber  nit  e  chläini  Und  saage,  de  Metzger  häig's  too. 
's  Süüli  het  e  chrummi  Schnööre, 

Ein  ähnlicher  Sprach  bei  Meter,  Bad.  Volksleben,  S.  335; 
Brodmank,  Heimatkunde  von  Ettingen  1883,  S.  71;  (Buser), 
Heimatkunde  (von  Läufelfingen)  1865,  S.  156,  wo  aber  anch, 
wie  in  Hausen,  keine  bestimmte  Zeit  genannt  wird,  sondern  nur 
gesagt  wird,  dass  sich  das  Wurstbetteln  an  das  Einschlachten 
anschliesse. 

Auch  L.  Tobler  zitiert  in  seinen  schweizerischen  Yolks- 
liedern  (I,  207  u.  H,  238)  Wuretbettellieder  aus  Waidenburg, 
dem  zürcherischen  Weinland  und  Dielsdorf  ^),  die  sämtlich  auf  den 
gleichen  Orundstock  zurückzugehen  scheinen.  Abweichend  da- 
gegen sind  die  Vierzeiler  im  Kanton  Bern.  ^) 

Es  kann  keinem  Zweifel  unterliegen,  dass  dieses  Wurst- 
betteln sich  nicht  von  vornherein  an  das  Neujahr  anknüpft,  son- 
dern in  erster  Linie  an  das  Einschlachten  im  Dezember,  welcher 
Monat  schon  bei  den  alten  Deutschen  als  Schlachtmonat  galt. 

Man  vergleiche  damit  die  Verse  Wandelberts:  *®) 

„Hoc  siib  mense  sues  pasta  iam  glande  madentes^ 
Distento  et  pleuam  monstrantes  ventre  saginara, 
Cjedere  et  ad  tepidum  mos  est  suspeiidere  fumum 
Terga,  prius  salis  fuerint  cuiii  sparsa  madore." 

In  Herzsohns  Uebersetzung :  '*) 

„Jetzt  auch  pflegt  man  die  Schweine  zu  schlachten,  welche  die  Eichel 
Ausgeftittert  schon  hat,  so  dass  sie  die  völlige  Mast  durch 
Wanstigen  Bauch  bekunden,  und  hängt  in  den  laulichen  Rauch  sie, 
Wenn  man  die  Rücken  zuvor  mit  befeuchtetem  Salze  bestreut  hat.** 

Das  Wurstbetteln  scheint  jedoch  schon  früh  mit  dem  Er- 
betteln anderer  Gaben  um  Neujahr  sich  verschmolzen  zu  haben. 

^)  Gesegne  euch  (mit  angehängtem  unorganischen  s).  —  *)  Borste. 
—  ')  Dachfirst.—  ^)  Vgl.  auch  Schweiz.  Id.  Chrummbeinlied  (III,  1096 f),  WiMSt- 
brief  (V,  495).  —  «)  G.  Züricher,  Kinderlied  und  Kinderspiel  im  Kanton 
Bern.  Zürich  1902,  Nr.  286.  287.  —  »^j  Carmina  ed.  E.  püramler  in:  Monu- 
ment a  Germani^e.  Pa'tiP  lat.  ani  Carol.  II  (1884)  616.  —  *')  Westdeutsche 
Zeitschrift  I,  288. 


Neujahrsfeier  im  alten  Basel  und  Verwandtes.  107 

Daher  das  Verbot  von  1501:  „dass  niemanden  nachtgesang, 
wurst  samlen  oder  gäte  jar  singen,  oder  auch  an  Sant 
Berehten  tag  oder  Bunst  warst  samblen^  solle. 

Aus  Basel  sind  uns  solche  Wunsch-  und  Bettellidder  nicht 
überliefert;  denn  die  Verse,  wie  sie  arme  Kinder  heutzutage 
am  Neujahr  vor  den  Thüren  hersagen,  tragen,  soweit  ich  sie 
kenne,  ganz  modernes  Gepräge.  Wohl  aber  haben  sie  sich  in 
andern  Gegenden  noch  erhalten. 

In  Baselland  sagt  man: 

Hütt  ist  Silfester  und  mom  isch  Neujor, 
Gäp-mer  au  öppis  zum  guete  Neujor ! ") 

Im  Kanton  Bern :  *^) 

D*8  Neujahr  isch  da  und  i  bi  da, 
Ge't-mer  öppis,  so  cha-n-i  gah. 
oder: 

1  ha-n-ech  welle  singe, 
Di  Stimm  wo't  mir  nid  gah. 
Ge't  mir  e  Neujahrwegge 
Mit  sibenesibezg  Egge, 
So  cba-n-i  wider  gah. 

und  bei  den  Bätoromanen : 

Bien  di,  bien  onn, 
Dei  bien  maun. 

(Guten  Tag,  gutes  Jahr 

Gebt  ein  Trinkgeld.)  i*) 

Und  ähnlich  auch  anderwärts. 

Als  besonders  alten  Beleg  für  das  Neujahrsingen  sei  noch 
ein  Verbot  aus  dem  Schaffhauser  Statutenbuch  (Bl.  23)  ange- 
fahrt.  Er  fällt  noch  in  das  14.  Jahrh. :  „Wir,  der  vogt  etc.  ze 
Schafhusen  haben  gesetzet  dur  gutes  frides  willen,  das  nieman 
Bol  bitten  in  unser  stat  und  in  unsern  gerihten  ze  Schafhusen 
an  des  lügenden  jares  abent,  ald  an  dem  zwelften  abent^^),  ald 
an  andern  tagen,  als  man  in  den  ziten  da  her  getan  het  dur 
dehein  geverde  mit  singenne  oder  süsse  [sonst],  und  sol  das 
menglich  miden,  das  man  dehain  geverde  darunter  triben  sol.*' 
(MoNE,  Schauspiele  des  Mittelalters  I,  138.) 

IL  Auf  die  Sitte  der  eigentlichen  Neujahrswünsche 
hier  näher  einzutreten,  ist  unnötig.     Ihre  weite  Verbreitung  er- 

")  G.  A.  Seiler,  Die  Basler  Mundart  1879,  S.  153.  Aehnlich  ZCricher 
a.a.O.  Nr.  279.  —  »»)  Züricher  Nr.  278.  282.  —  ^♦)  Archiv  II,  142.  — 
**)  Da  der  «zwelfte  abent**  nur  der  vor  Dreiköuiitfen  sein  kann,  niuss  hier 
das  »ingend  jar«  die  Weinacht  bezeichnen. 


108  Neujahrsfeier  im  alten  Basel  und  Venvandtes. 

klärt  sich  aas  dem  Bedürfnis,  am  Anfang  eines  grössern  Zeit- 
abschnittes in  die  Zukunft  zu  blicken  und  für  sich  und  seine 
Freunde  alles  Gute  zu  wünschen.  Heutzutage  wünscht  man  ge- 
dankenlos, wie  ja  auch  die  Meisten  keine  Ahnung  mehr  davon 
haben,  dass  die  Geburtstagsgratulation  ursprünglich  kein  Glück- 
wunsch für  den  Tag,  sondern  für  das  kommende  Lebensjahr 
ist.  In  früherer  Zeit  aber  spielte  der  Aberglauben  mit  hinein, 
dass  durch  den  Wunsch  wirklich  ein  Segen  bewirkt  werde.  Es 
ist  somit  der  Neujahrswunsch  im  Grunde  nicht  anders  zu  be- 
urteilen als  irgend  eine  Bewahrungsformel.  Man  vergleiche  die 
interessante  Stelle  in  Brants  Narrenschiff  (Kap.  65  Y,  37  ff.),  auf 
die  wir  auch  unten  noch  zurückkommen  müssen: 

Vod  wer  nit  ettwas  nuwes  hat 
Vnd  vmb  das  nuw  jor  syngeu  gat, 
Vnd  gryen  tann  risz  steckt  jn  syn  huss, 
Der  meynt,  er  leb  das  jor  nit  uss 
Als  die  Egyptier  hieltten  vor, 
Des  glichen  zu  dem  nuwen  jor, 
Wem  man  nit  ettwas  schenken  dut, 
Der  raeynt,  das  gautz  jor  werd  nit  gut. 

Die  älteste  Form  der  Beglückwünschung  ist  jedenfalls  die 
auch  heute  noch  vorkommende  mündliche,  die  nach  und  nach  zu 
einer  festen  Prosaformel  erstarrt  ist.**)  Schon  im  Mittelalter 
aber  kamen  die  Glückwünsche  in  gebundener  Form  auf,  die 
dann  entweder  auch  persönlich  hergesagt  bezw.  gesungen  oder 
durch  einen  Boten  überbracht  wurden. 

In  der  Zeitschrift  für  deutsche  Philologie  31,  1  ff .  teilt 
Jacobs  einen  solchen  Spruch  mit,  der  einer  Handschrift  des 
XV.  Jahrh.  entnommen  ist,  der  aber  nach  Liliencron  in  Text 
und  Musik  noch  den  Charakter  des  ausgehenden  XIII.  Jahrh. 
trägt.     Er  beginnt: 

„Mein  trut  geselle,  myn  libster  hört, 
wisse,  daz  dir  wünschen  myne  wort 
vncz  uff  den  tag  daz  sich  daz  nuwe  jar  anvahet, 
waz  czu  geluck  ye  wart  erdacht, 
daz  werde  alleczyt  an  dir  vol bracht, 
vnd  daz  ich  myde,  waz  dir  vorsuiahet  [nicht  geföllt] 
so  wer  myn  hertze  in  fremden  geil 
vnd  dyn  gelücke  daz  ist  myn  heil; 
wan  ich  by  dir  nicht  mag  gesin, 
so  bin  ich  dach  alle  czyt  daz  din 
vnd  du  daz  myn. 
*S)  Wie  z.  B.  im  Schanfigg.    Archiv  IV,  342. 


Neujahrsfeier  im  alten  Basel  und  Venvandtes.  W.) 

In  zwei  weitern  Strophen  wird  die  Liebeserklärung  fort- 
gesetzt. 

Eine  grosse  Zahl  solcher  Olückwanschreime  hat  auch  Schade 
im  Weimar.  Jahrbuch  II,  75  ff.  mitgeteilt.  *") 

Oft  wurden  diese  Verse  illustriert  und  sind  so  zu  Vor- 
läufern unserer  Neujahrskarten  geworden.  Heitz  hat  einige 
interessante  Exemplare  aus  dem  15.  Jahrhundert  publizierte^), 
ein  solches  ist  auch  bei  Alwin  Schulz,  Deusches  Leben  S.  400 
abgebildet.  Meist  *ist  darauf  das  Christuskind  dargestellt  mit 
einem  Spruchband,  das  den  Olückwunsch  „Ein  guot  selig  jar^ 
enthält.  Dass  sich  sogar  die  Holzschnitzerei  des  Gegenstandes 
bemächtigt  hat,  zeigt  die  Darstellung  auf  einem  Chorstuhl  von 
St.  Peter  in  Basel.  ^^) 

Dass  in  früheren  Jahrhunderten  auch  Medaillen  mit  Glück- 
wunschinschriften  verschickt  wurden,  hat  mir  Herr  Dr.  Alfred 
Geigy  in  Basel  gütigst  mitgeteilt. 

ni.  Unter  den  von  Schade  aufgeführten  Glückwunschreimen 
läset  sich  eine  grosse  Kategorie  ausscheiden,  die  durchgehend 
mit  der  Formel  ^  klopf  an^  beginnt: 

„Klopf  an  !  klopf  an  !  ' 

'  Der  Himmel  bat  sich  aufgetan.**  u.  s.  w. 

„Klopf  an  I  klopf  an  ! 

Ein  säligs  neus  jar  ge  dich  an !"  u.  s.  w. 

„Klopf  an  mit  reichem  Schal."  u.  s.  w. 

Das  ist  nicht  bedeutungslos,  denn  es  weist  uns  auf  die  alte 
Sitte  hin,  den  Advent  des  Herrn  durch  Pochen  an  den  Haus- 
thüren  zu  verkünden,  und  diese  Sitte  ist  es  auch,  aufweiche  unsere 

")  Es  mag  hier  beigefllgt  werden,  dass  Felix  Platter,  als  er  in  den 
Fünfziger-Jahren  des  16.  Jahrh.  in  Montpellier  weilte,  einer  ihm  fremde  Neii- 
jabrs^itte  begegnete.  Er  sagt  (Ausg.  v.  Fechter  S.  149):  „Im  anfang  des 
Denwen  jars  fachen  glich  an  allerlei  kiirtzwil,  sunderlich  ze  nacht  mit  dem 
hofieren  mit  instnimenten  vor  den  hrtseren,  mit  den  cymbalen,  drümlin  und 
pfifen  darzu,  so  einer  allein  verrichtet;  demnach  mit  den  schalmeyen,  so  gar 
gemein;  item  \iolen,  eiteren,  so  domolen  erst  ufgiengen;  item  mit  den 
dentzen,  so  man  haltet  in  firnemmen  burgerhüseren,  dahin  die  damoisellen 
gefiert  werden,  und  danzt  man  nach  dem  nachtessen  by  nachtliechteren 
branle,  gaillarde,  la  volte,  la  tire-chaine;  dass  wert  schier  biss  gegen  tag, 
und  wert  solch  ballieren  biss  an  der  fassnacht  letsten  tag."  —  '^)  Neujahrs- 
wünsche des  XV.  Jahrh.  Herausg.  v.  Paul  Heitz.  Strassburg  1899.  Davon 
sind  die  Nrn.  3.  6.  8  and  31  baslerischen  Ursprungs.  —  ***)  Keproduziert  in 
der  Festschrift  zum  400.  Jahrestage  des  Bundes  zwischen  Basel  und  den 
Eidgenossen.  1901.  Taf.  LVIl. 


110  Neujahrsfeier  im  alten  Basel  und  Verwandtes. 

oben  zitierten  Verbote  mit  dem  „ klopfen  an  den  hüseren'^  an- 
Bpielen.  Dieser  anfangs  wohl  sittsamere  Oebrauch  mnss  spater, 
als  man  seine  ursprüngliche  Bedeutung  nicht  mehr  verstand, 
übel  ausgeartet  sein^  so  dass  die  Obrigkeit  fürchtete,  es  möchte 
dadurch  den  ,,  Bürgern,  ihren  Rinden  und  Töchtern  sohand  und 
schad  erwachsen^  (1501;  s.  o.).  Und  in  der  That,  wer  die  Reime 
des  Nürnberger  Spruchdichters  Hanz  Folz  kennt,  kann  das 
obrigkeitliche  Veto  nicht  ungerecht  finden.  Nun  scheinen  frei- 
lich diese  Folzischen  Verse,  ganz  entgegen  dem  heutigen  Volks- 
brauch, nicht  dem  Anklopfenden,  sondern  dem  Insassen  des  Hauses 
in  den  Mund  gelegt.  ^'^)  Das  wird  bestätigt  durch  folgende  Notiz  in 
einer  Wolfenbütteler  Papierhandschrift  des  15.  Jahrh.  (A.  Keller, 
Fastnachtspiele  S.  1346  unten):  „Von  klopff  an,  die  man  praucht 
an  den  klofflis  nechten^.  Auch  Weinhold  berichtet  in  seinen 
„Weihnachts- Spielen  und  -Liedern^  8.  48:  „An  den  Dienstag- 
abenden der  Advente  ziehen  in  Kärnten  die  Burschen  von  Haus 
zu  Haus  und  ,klocken'  (klopfen).  Zwischen  ihnen  und  den 
drinnen  entspinnt  ein  Wettreimen.  Die  Leute  im  Hause 
sprechen  etwa  also: 

Bist  a  Mon, 
Schloag  brav  drön ; 
Bist  a  Bue, 
Schloag  brav  zue ; 
Bist  ä  Jungü-au  mit  roatn  Zöpfn, 
Kannst  noch  a  moal  zuecher  klökn. 
Oder: 

Der  Klökler  ba  der  Wond 
Heart  sein  aigne  Sehend. 

Die  Klökler  müssen  in  entprechenden  Reimen  antworten/ 


^^)  Man  vergleiche  z.  B.  folgenden  Spruch  an  eine  umziehende  Magd: 

„Klopf  an,  du  fürwiz  a ! 

Wie  laufst  du  in  der  schnurr  [Herumbetteln]  umb  noch? 

Lüg,  dass  dir  nicht  ^ü  kum  dein  gleich  [deines  gleichen] 

Und  dir  wol  halt  ein  fei  ab  streich, 

Darzü  den  bauch  vol  buben  mach. 

Wer  meinstu,  der  sein  [darüber]  denn  nit  lach  ? 

Ich  riet,  du  giengst  und  legst  dich  nider. 

So  möchst  du  morgen  aufsten  wider, 

Deiner  herschaft  heizen  und  kern, 

E  dass  man  dir  den  rück  werd  pern  [prügeln], 

Damit  man  dir  den  fürwiz  bässt, 

Dass  dich  keins  klopfens  mer  gelüst. 


Neujahrsfeier  im  alten  Basel  und  Verwandtes.  111 

Aber  wenn  das  auch  für  einzelne  Gegenden  zutreffen  mag, 
80  können  wir  es  für  unsere  Gegenden  doch  nicht  annehmen. 
Aach  in  Bayern  scheint  es  nur  in  beschränkten  Distrikten  yor- 
gekommen  zu  sein;  denn  im  heutigen  Bayern  werden  die  Yerse 
zweifellos  an  die  Hausbewohner  gerichtet.  Hier  heisst  der  Abend 
des  letzten  Donnerstags  vor  Weihnachten  ^Elöpfleinsnacht^.  Der 
Sprach,  der  dabei  ausgerufen  wird,  lautet  meist  folgendermassen  : 

Holla,  holla,  klopf  a ! 

dTrau  hat  en  schön  ma. 

Geit-me  dTrau  en  Küechel  z*Loh, 

das  i  'en  Herrn  globt  ha, 

en  KUechel  und  en  Zeltn, 

de  Peda  (Petrus]  wurds  vegeltn. 

de  Peda  is  a  haiige  ma, 
,      der  alle  ding  vegeltn  ka. 
(ScHMKLLKR,  Bayer.  Wörterb.  II,  1337,  wo  noch  Weiteres.) 

In  Schwaben  fallen  die  ^Elöpflins-  oder  Enöpflinsnächte'' 
zwischen  Weihnachten  und  Dreikönigen  (6.  Jan.).  Der  in  ihnen 
gesungene  Spruch  enthält  einen  Segenswunsch: 

^HoUa,  holla,  Knöpflinsnacht! 

gnts  jaur,  guts  jaur,  dass  's  kom  wol  grat ! 

Kraut  un  Zwibel 

is  au  nit  Übel, 

Bhüt  uns  got  vorm  Totengrübel! 

(ScHMiD,  Schwab.  Wörterb.  S.  317.)««) 

Besonders  wertroU  ist  für  uns  der  Bericht  des  Boemus 
(De  omnium  gentium  ritibutf  1520,  p.  58^),  weil  er,  obschon  er 
speziell  fränkische  Yerhältnisse  beleuchtet,  die  ursprüngliche 
Bedeutung  des  Brauches  klar  darstellt.  Er  lautet  in  Ueber- 
setzung:  ,,In  den  drei  Donnerstagsnächten  vor  Weihnachten 
gehen  Knaben  und  Mädchen  von^  Haus  zu  Haus,  klopfen  an  die 
Thüren  und  verkünden  mit  Gesang  die  nahe  Geburt  des  Herrn 
und  ein  gesegnetes  Jahr.  Dafür  bekommen  sie  von  den  Haus- 
bewohnern Birnen,  Aepfel,  Nüsse  und  auch  Geldstücke.  "^  ^^ 


*«)  Vgl.  noch  K.  Remeb,  Sagen,  Gebräuche  etc.  des  Allgilu's  n  [1902] 
9ff. ;  Fr.  Panzer,  Beitrag  zur  Deutschen  Mythologie  II  [1855]  115—118; 
£.  Mrtkr,  Deutsche  Sagen,  Sitten  und  Gebräuche  aus  Schwaben  1852 
S.  457— 4SI.  5a0;  £.  H.  Meyer,  Badisches  Volksleben  im  19.  Jahrh.  1900, 
S.  195  fir.;  J.  M.  HCbler,  Bayerisch  Schwaben  und  Neuburg  1901  S.  166; 
Blätter  des  Schwab.  Albvereins  IX  [1897]  53;  Mitteilun(}kk  und  Umfragen 
zur  bayer.  Volkskunde  VII  [1901]  Nr.  1,  S.  4.  —  «J  S.  auch  das  Zitat  aus 
Naogeorgus*  Regnum  Papisticum  lib.  IV  bei  Flögel,  Geschichte  des  Grotesk- 


112  Neu  Jahrsfeier  im  alten  Basel  und  Verwandtes. 

Wenden  wir  uns  nun  aber  wieder  Basel  zu!  Was  ander- 
wärts ^Klöpfleinsnacht*"  genannt  wird,  heisst  hier  „Bochsel- 
nacht'',  von  „bochseln^  =  „klopfen,  poltern^.  ^^)  Heute  kennen 
wir  den  Brauch  und  das  Wort  nicht  mehr;  aber  eine  grosse 
Zahl  von  Verboten  beweist  uns  sein  Vorhandensein  in  älterer 
Zeit.  Der  älteste  mir  bekannte  Beleg  aus  Basel  ist  der  schon 
citierte  von  1420  aus  dem  Rufbuch  [s.  o.  S.  104].  Hier  ist  aber 
der  Ausdruck  „bochseln^  oder  „Bochselnacht'^  noch  nicht  ge- 
braucht; es  ist  nur  vom  „klopfen  an  den  Häusern  die  Rede^. 
Erst  ein  Ruf  von  1432  kommt  näher  darauf  zu  sprechen:  ,,Vor 
winnachten  Bochein".  „Lieben  fründe,  unser  Herren  Räte 
und  meister  tünt  üch  sagen  und  verkünden,  nachdem  daz  heilige 
concilium  ietz  by  uns  ist,  um  gross  mergklich  anligende  saohen 
der  heiligen  Cristenheit,  darumb  auch  menglich  dester  züchtiger 
sol  sin  und  ouch  dester  ernsthaftiger,  und  darumb  so  wellent 
unser  Herren  und  verbietent  üch  ernstlich,  daz  niemand  booh- 
heln  sol  und  uwer  Ejnde  dazu  halten,  daz  sy  soliches  tügent.*^ 
(Rufb.  T,  94*).  1436  erscheint  dann  zum  ersten  Male  das  Wort 
„Bosselnacht":  „Als  denn  vf  morn  die  bosselnacht  ist,  tünt 
unser  Herren  verbieten,  daz  niemand  bosseln  sol,  wand  den  ouch 
frömden  Herren  [vom  Konzil]  soliches  unkunt  ist.^  (Rufb.  I, 
106*).  Am  22.  Dezember  1441  heisst  es,  „daz  si  nit  wellent, 
daz  iemand  vf  morn  bochele^.  Darüber  steht  „bosseln". 
(Rufb.  I,  127^).  Auch  ein  Ruf  von  1450  hat  in  der  üeber- 
schrift  „Bosselen",  im  Text  jedoch;  „Diso  zijt  vor  wyennechten 
erbern  luten  an  jren  huseren  ze  bochlen".  (Rufb.  I,  188^)- 
In  der  zweiten  Hälfte  des  15.  Jahrh.  ist  „bosslen^  allgemein» 
und  erst  1501  taucht  die  Form  „bochslen",  1520  die  „Boch- 
selnacht^  auf:  „Alsdann  mengklich  bisshar  vor  dem  heiligeo. 
hochzyt  Wiennechten  jn  Übung  gewesen,  uff  die  necht,  so  maci 
nempt  die  Bochselnacht,  nachtz  umbgangen,  den  lüten  gelüt^ 
geklopfet  und   in  die  venster  geworfen  haben''.    (Rufb.   11,   69). 

So  folgt  sich  Verbot  auf  Verbot.  Wie  zäh  man  aber  an 
der  Ueberlieferung  festhielt,  zeigt  nicht  nur  eine  Notiz  in  der 
2.  Fortsetzung  der  Wurstisen'schen  Chronik  ^*),  wonach  noch  im 


komischen  1788,  S.  187,   und  ferner  Haltaus,  Galendarium  medii  «evi.  1729, 
p.  141.  —  23)  Bochseln  scheint  eine  Kompromlssbildung  zu  sein  aus  bochdrtr- 
und  bosseln^  die  beide  „schlagen,  klopfen"  bedeuten.  —  *♦)  Chr.  Wurstisen, 
Basler  Chronick,  Neue  Aufl.  („Fortführung  der  Basel-Chronick.  Drittes  Buch*). 
Basel  1779,  Fol.  106. 


Neu  Jahrsfeier  im  alten  Basel  und  Verwandtes.  113 

Jahre  1609  die  Bochselnächte  abgestellt  werden  mussten^^), 
sondern  anch  die  Fortdaner  in  andern  Gegenden  bis  anf  den 
heatigen  Tag.  Anch  in  der  Schweiz  haftete  nämlich  die  Bochsel- 
naoht  nicht  ansschliesslich  an  Basel,  sondern  sie  ist  uns  auch 
anderweitig  bezengt.  Im  Zürcher  Ratsbuch  ist  unterm  Jahre 
1485  von  einem  Burschen  die  Rede,  der  „mit  einem  steckly 
OAch  altem  harkommen  und  bruch  der  Bochselnacht  an  des 
Netzen  und  ander  türen  geklopft*^  (Schweiz.  Id.  V,  342).  Der 
Rat  von  Baden  im  Aargau  beschliesst  am  18.  Dezember  1517, 
^das  man  über  ein  jar  das  bogschien  an  den  dry  dornstagen 
vor  wienachten  sol  verbieten  in  der  kilchen  by  X/?**.  (Samm- 
lung Schweiz.  Rechtsquellen  XYI  [Kanton  Aargau],  I  [Stadt- 
rechte],  II,  I  [1899]  S.  172).  In  Schaffhausen  wird  laut  dem 
Ratsprotokoll  von  1540  einer  um  Sß  gebüsst,  „umb  das  er  über 
miner  herren  verbot  bochslet".  Ebenda  ist  1553  Einer  „in 
fenknus  komen,  von  wegen  er  uff  ain  bochselnacht  spat  uff  der 
gassen  gangen  und  ain  wosch  im  woschhus  abgelassen'^.  (Schweiz. 
Idiotikon  lY,  657).  In  einem  handschriftlichen  Zürcher  Mandat 
aus  der  ersten  Hälfte  des  XYI.  Jahrh.  wird  geboten,  „es  sol 
ouch  niemants  dem  anderen  an  sinen  hüsern  und  gmachen  oder 
suntst  andern  orten  bochslen,  klopfen  oder  einich  unfür  triben^ 
(Staatsarch.  Zürich).  Der  Luzerner  Oysat  erwähnt  unterm  Jahr 
1578:  „Die  bolster  nacht  (so  man  hie  das  stäggely  jagen 
genempt)  die  dry  donstag  nacht  vor  wiechnacht,  ein  gar  ungestüm 
wäsen  und  boldern  durch  die  statt,  von  alltem  här  allso  jn  ein 
gwohnheit  gebracht,  jst  abgestellt  upd  ewig  verboten '^  (Archiv 
f.  Schweiz.  Reformationsgesch.  II  [Beilage  zu  Eathol.  Schweizer- 
blätter NF  n  (1908)]  S.  20),  und  in  einer  Zürcher  Ratserkanntnis 
vom  Jahre  1623  wird  von  allerhand  Unfug  berichtet,  „wie  das  nit 
allein  die  zyt  har  die  jungen  Knaben  nachts  under  dem  Liecht  an 
den  Hüseren  anlütend  und  bochslind  und  diejenigen  Personen,  so 
inen  SöUiches  abzewehren  under  die  Türen  kommind,  mit  Tuss- 
eggen  [Holzdegen]  oder  Stecken  schlachind  und  beschedigind 
und  dann  darvon  laufind  und  flüchind,  sonders  das  auch  die  er- 
wachsne  junge  Burger  und  Burst  die  Handtwerchsgsellen  und 
andere  Personen  uff  der  Gassen  angryfind,  stossind  und  miss- 
handlind^  (Schweiz.  Idiotikon  lY,  999). 


»)  EiD  gleiches  Verbot   auch   im   Jahre  1587   (Ratsbüchlein  II,  126  > 
und  1592  (Ratsprotokoll  2,  164>; ) 

•     8 


114  Neujahrsfeier  im  alten  Basel  und  Verwandtes. 

Gegenwärtig  besteht  der  Name  „Boobsel-,  bezw.  Boxel- 
oder Bncbsle-Nacht"  noch  iu  Rheinfelden,  Zurzach,  Kling- 
nau,  am  Zürichsee,  in  Weinfelden  und  in  Nufenen,  der 
alte  Braach  hat  sich  aber  nach  Rochholz  (Orenzboten  23.  Jahrg. 
[1864]  IV.  Bd.  S.  378)  nur  noch  in  Rheinfelden «^  und  Zur- 
zach^^),  nach  eigenen  Erkundigungen  auch  in  Elingnau,  rein 
erhalten.  In  Rheinfeldcn  durchstreift  (laut  Rochhblz)  die  Jugend 
an  den  drei  Donnerstagen  vor  Weihnachten  nächtlicherweile  die 
Strassen,  klopft  an  alle  Thüren,  zieht  alle  Hausglocken  und 
wirft  Erbsen  und  Bohnen  an  jedes  Fenster.  ^^)  Es  läuft  nicht 
ganz  ohne  Schaden  ab,  wenn  der  Mutwille  auch  Steinchen  und 
Mauerkalk  mit  den  abermals  aufgerafften  Erbsen  gegen  die 
Scheiben  schleudert.  Streckt  dabei  jemand,  dem  man  nicht 
hold  ist,  den  Kopf  zum  Fenster  heraus,  so  fliegt  ihm  der  ganze 
Hagel  in's  Gesicht.  Man  erkennt  darin,  sagt  R.,  eine  Spur 
jenes  altkirchlichen  Zweckes,  die  Menschen  zur  Wachsamkeit 
zu  mahnen,  damit  der  Herr  bei  seiner  Ankunft  die  Menschen 
nicht  unvorbereitet  finde. 

Ueber  das  Bochslen  in  Klingnau  teilt  uns  Herr  Lehrer 
Bilger  daselbst  Folgendes  mit: 

^Kathrie  (hl.  Katharina,  25.  Kov.)  stellt  Trumme  und  Pfiffe  ie. 

Thuma  (hl.  Thomas,  29.  Dez.)  bringt  sie  wieder  umma.'^ 

Altes  Sprichwort. 

Ueber  die  Adventszeit  ist  von  der  katholischen  Kirche 
jede  öffentliche  Lustbarkeit  untersagt,  das  Bochslen  sollte  ein 
beängstigendes  Gefühl  erwecken,  von  dem  dann  die  Weihnacht 
erloste.  Es  geschah  nur  an  den  drei  letzten  Donnerstagen  im 
Advent,  abends  zwischen  8  und  10  Uhr.    (Bochselnächte.) 

Gute  Freunde  und  Nachbarn,  ehrbare  Handwerker,  die  in 
angeheitertem  Zustande  von  ihrem  Abendschoppen  heimkehrten, 
klopften  einander  an  die  Thüren,  Fenster  oder  Fensterladen,  um 
dann  mit  gedämpfter  Stimme  einen  frommen  Spruch,  an  diese 
hl.  Zeit  erinnernd,  herzusagen.  Erwachsene  Mädchen  warfen 
Erbsen  an  die  Fenster  ihrer  Freundinnen,   um  zu  erfahren,    ob 


")  Für  Rheinfelden  bestätigt  von  Herrn  J.  U.  Dietschy  daselbst 
Dort  leitet  das  Volk  den  Brauch,  wie  das  überhaupt  oft  der  Fall,  von  der  Pest- 
zeit her,  d.  h.  man  glaubt,  dass  das  Werfen  von  Erbsen  an  die  Fenster  den 
Zweck  hatte,  zu  erfahren,  ob  die  Leute  noch  lebten.  —  ^ij  Laut  einer  An- 
gabe von  Hochw.  Hm.  Pfr.  Binkert  besteht  der  Brauch  in  Zurzach  nicht 
mehr.  —  ^^)  Diese  letztere  Form  des  Bochselns  s.  auch  bei  E.  ScHiiiTTy 
Sagen  u.  s.  w.  aus  dem  Baulande.   Baden-Baden  (Programm)  1895,  S.  23. 


Neujahrafeier  im  alten  Basel  und  Verwandtes.  115 

ein  „ Schatz^  und  welcher  bei  ihnen  sei;  denn  als  unerschrockener 
Manu  muBste  dieser  dem  Spuck  auf  die  Spur  zu  kommen  suchen. 
Junge  Bursche  bochselten  ihren  Mädchen,  indem  sie  Hände  voll 
Traubenkerne  an  die  Fenster  warfen.  Ein  Schneider  auf  der 
Stör  sass  auf  dem  Tisch  am  Fenster  und  öffnete  dieses  immer, 
um  sMue  Neugierde  zu  befriedigen.  Fünf  Jungfrauen  bochselten; 
sogleich  schaute  der  Schneider  wieder  hinaus.  Schnell  fuhren 
sie  ihm  mit  einem  Tuch,  das  sie  in  der  Küche  gehörig  ge- 
schwärzt uod  an  eine  Stange  gebunden  hatten,  über  das  Gesicht. 
Er  wurde  natürlich  iu  der  Stube  ausgelacht.  Sie  haben  den 
Rechten  erwischt,  meinte  er  dazu. 

Man  erlaubte  sich  dieses  Bochseln  als  Scherz,  denn  es 
geschah  nicht  in  böser  Absicht  und  meist  nur  gegen  Verwandte 
ond  Freunde,  die  Fremden  Hess  man  in  Ruhe. 

Etwas  drastischer  trieben  es  die  jungen  Burschen,  die  sogen. 
Nachtbuben.  Missbeliebigen  Leuten  wurde  irdenes,  schadhaftes 
Geschirr,  grosse  Schüsseln,  Milchhäfen  etc.,  in  Ermanglung  auch 
Kieselsteine  auf  leises  Kommando  „eins-zwei-drei*^  an  die  Haus- 
thüren  geschleudert ,  so  dass  die  Scherben  klirrend  auf  die 
Pflasterung  fielen.  Beliebte  Gegenstände  zum  Bochseln  waren 
grosse  Brantweinflaschen,  die  man  schon  während  des  Jahres 
hiezu  auf  die  Seite  stellte.  Um.  durch  Glassplitter  keinen  Schaden 
zu  stiften,  wurde  dieselbe  in  einen  Sack  gesteckt  und  dieser 
mächtig  an  die  Hausthüre  geschlagen.  Je  stärker  das  Geklirr, 
desto  grösser  die  Freude.  Alte  Eisenpfannen  wurden  an  Seile 
gebunden  und  erst  geschwungen,  dann  angeschlagen.  Schaute 
jemand  zum  Fenster  hinaus,  riskierte  er  oft  aus  einer  Klystier- 
spritze  einen  Strahl  Wasser  oder  Schweineblut. 

Nur  einmal  ist  es  vorgekommen,  dass  Hunde  an  die  Haus- 
glocken geführt  wurden,  an  die  vorher  mittelst  einer  Schnur  ein 
Stück  Fleisch  oder  Ejiochen  gebunden  war ;  dieser  Unfug  wurde 
missbilligt  und  hörte  auf. 

15 — 16jährige  Knaben  liebten  es  zu  bochseln,  aber  auf 
bescheidenere  Art.  An  den  eisernen  Klopfer  der  Hausthüre 
wurde  ein  langer  Faden  gebunden  und  auf  gü  ästigen  Plätzen 
damit  der  Klopfer  gehoben  und  fallen  (^tätschen^)  gelassen.  Die 
Hausbewohner,  im  Glauben,  es  wolle  sie  jemand  sprechen  oder 
besuchen,  ö&en  das  Fenster,  sehen  aber  niemand.  Im  Glauben, 
sich  geirrt  zu  haben,  lassen  sie  alles  auf  sich  beruhen.  Das 
Klopfen  wiederholt  sich.     Nun  die  Frage:  Wer  klopft?    Keine 


116 


Neujahrsfeier  im  alten  Basel  und  Ver^'andtes. 


6?' 


Antwort,  aber  abermaliges  Klopfen.  Aergerlich  geht  jemai 
herunter.  Er  sieht  niemand,  findet  aber  die  Schnur  und  d 
Zauber  ist  gelöst. 

Auch  Hausthüren,  die  sich  von  selbst  gern  nach  Innen  offne 
und  nicht  geriegelt  sind,  werden  mittelst  einer  an  die  Falle  g 
bundenen  Schnur  zugeschlagen  und  dies  mehrmals  wiederho 
Der  Thäter  hält  sich  oft  hinter  einem  Haufen  Reb-  oder  Bohne 
stickel  (Stangen),  die  vor  oder  neben  das  Haus  gestellt  wäre 
verborgen. 

Diese  letztern  zwei  Arten  des  Bochselns  waren  noch  v 
fünf  Jahren  gebräuchlich,  der  übrige  Spektakel  aber  hat  sc 
dreissig,  vierzig  Jahren,  um  unliebsame  Auftritte  zu  vermeide 
aufgehört.     Eine  Erklärung  des  Brauches  weiss  niemand  mehr 

In  Weinfelden  dagegen  besteht  die  „ Boxelnacht ^  ni 
noch  in  einem  lärmenden  Umzug  der  Jugend  mit  ausgehöhlt« 
von  innen  erleuchteten  Runkelrüben,  und  in  deo  Kantone 
Zürich  und  Oraubünden  ist  die  Bochselnacht  vollends  nioh 
anderes  mehr  als  eine  gesellige  Vereinigung,  an  der  man  sie 
nachdem  mau  bis  in  die  Nacht  gearbeitet  hat,  bei  Branntwei 
gütlich  thut.  «») 

lY.  Zu  dem  lärmenden  Umziehen  und  Klopfen  gesellte  sU 
aber  in  früherer  Zeit  noch  eine  weitere  Sitte:  das  Verkleide 
S.  104  ist  ein  Verbot  aus  dem  Jahre  1418  zitiert  werde: 
welches  von  »einer  „nüwen  gewonheif*  in  Basel  spricht,  „di 
man  im  atvent  anfahet  in  bökenwise  ze  gonde,  und  erber  lüi 
ze  überfallende  in  iren  hüsern^.  Das  Verbot  scheint  wenig  g< 
fruchtet  zu  haben;  denn  es  musste  beinahe  jährlich  wiederho 
werden,  und  zwar  nicht  etwa  nur,  um  Uebergriffen  vorzi 
beugen,  sondern  es  werden  geradezu  solche  Uebergriffe  namha 
gemacht.     1424  ist  es  den  Räten    „fürkommen,   daz  man  lang< 

*')  Mit  der  Bochselnacht  stehen  in  engem  Zusammenhang  die  noi 
in  der  Neuzeit  üblichen  Lärmumzüge,  die  ich  in  diesem  Archiv  (I,  28 
kurz  erwähnt  habe.  Ausser  den  dort  aufgeführten  Bräuchen  sind  noch  i 
nennen:  Die  ^Pfaflfenkellerinjagd**  und  das  „Schmutzlijagen"  im  Kante 
Luzem,  die  ^Chlungelinacht"  und  die  „Chläuselinacht"  im  Kanton  Züric 
der  Umzug  gegen  das  „Strudeli"  und  ^Strätteli"  bei  Brunnen  (Kt.  Schwyz 
das  „Trychele"  in  Ober-Hasli,  das  „Ausläuten**  in  Thusis,  die  Lärmumzü^ 
in  St.  Ulrichen  (s.  Am  Herd,  Denkwürdigkeiten  von  Ulrichen  [Bern  187! 
S.  195),  das  „Klaus-Einschellen**  im  Kt.  Glarus  Arch.  IV,  250.  252,  di 
„Andresien"  im  luz.  Gäu  und  in  Obwalden.  S.  auch  Schweiz.  Idiotikc 
ni,  688. 


Neujahrsfeier  im  alten  Basel  und  Verwandtes.  117 

angefangen    hab   in    Bökenwise   ze    lonffende^    (Bufb.    I,    73*), 

and  1432  wird  sogar  die  Art  der  Maskierung  genannt:  Die  Be- 

liörden  ^verbietent  menglichem,  dz    niemand  in   tüfels  hüten 

louffen  solle,  noch  jn  Böcken  wise  gan,  ietz  noch  zer  vassnacht^ 

(Rafb.    I,    94*).      Noch    bestimmter    lautet    das    Verbot   vom 

Jahre  1436:  „daz  niemand  in  tüfels  hütten  noch  in  gölers^^) 

^wise  loufFen  solle,  noch  in  Böckenwise  gan  oder  sich  jn  dehein 

andere  wise  mit  kleideren  verenderen  anders  denn  sin  tegelicher 

iKrandel  ist,  bede,  ietz  vnd  euch  ze  vassnacht^  (Rufb.  I,   106*). 

Wiederholungen  dieses  Verbots   finden    sich   in  Aufzeichnungen 

der   Jahre    1441    und    1447    (Rufb.  I,    127^).      In   einem   Ruf 

von  ca.  1449  wird  noch  eigens  auf  die  vielfachen  Uebertretungen 

hingewiesen:  ,, Solich  jr  gebott  uu  schwerlich  uberfaren  ist  vnd  . .  . 

Til  lüten  nachts  in  Böckenwise  wider  vnd  für  louffent  vnd  nye- 

mand  weiss,  wer  der  under  [darunter]  ist,  da  von  nu  vil  vnrats 

wachsen  mochf*;  es  wird  daher  verboten,  dass  man  „weder  tags 

noch  nachts  in  bocken  wise  oder  in  verenderten  kleidern  verbutzt 

oder  verbunden  gan   oder  über  vnd  über    uff   der  herren    oder 

znnfften  stuben  louffen  solle  in  dhein  wise  .  .  .^   (Rufb.  I,  172*!). 

Bei  der  Frage  nach  dem  Ursprung  dieser  Sitte  werden 
wir  zunächst  Umschau  zu  halten  haben,  ob  sie  ausser  Basel 
auch  sonstwo  noch  vorkommt,  und  da  möchten  wir  auf  ein  hand- 
schriftliches Zürcher  Mandat  aus  der.l.  Hälfte  des  16.  Jahrh. 
hinweisen,  das  neben  dem  „bochsslen''  auch  das  Böggenwerk, 
^es  syge  mit  lätzen  beltzen,  vorgespannen  hüben  ^  u.  s.  w.  unter- 
sagt wird.  (Staats-Archiv  Zürich).  Auch  ein  Berner  Mandat  vom 
26.  Dezember  erwähnt  die  Sitte:  „Als  dann  hütt  anzug  besche- 
chen  von  wegen  des  unordentlichen  trinckens,  spät  sitzens,  miss- 
brach und  Unzucht  mit  umzüchen  mit  pfiffen  und  trummen, 
oaeh  verbutzens  uff  dem  nüwen  jar  und  darnach  zu  vass- 
nachten^.    (Archiv  d.  eist.  Ver.  16,  644). 

Man  wäre  im  Irrtum,  wolle  man  glauben,  dass  solche  Mas- 
kierungen um  die  Weihnachts-  und  Neujahrszeit  erst  verhältnis- 
mässig spät  von  den  Fastnachtsgebräuchen  herübergenommen 
worden  seien.  Schon  der  hl.  Ambrosius  (IV.  Jahrh.)  spielt  auf 
den  Brauch,  in  Hirschmasken  umzulaufen,  an,  wenn  er  von  dem 


^)  Geier  fehlt  im  Idiotikon;  das  Wort  wird  zu  goUn,  gölen  „wild 
jauchzen,  Narrheiten  treibeD**  gehören.  Göli  „Spassmacher*"  ist  noch  heute 
io  Schweiz.  Mundarten  gebräuchlich. 


118  Neujahrsfeier  im  alten  Basel  und  Verwandtes. 

Hirsche  spricht,    der  nach  der  Yolksaitte  zu  Anfang  des  Jahres 
sein  Unwesen  treibe.**) 

Das  ganze  Mittelalter  hindurch  lassen  sich  solche  Yer- 
mummungen  (es  sind  besonders  Hirsch-  und  Weibermasken)  aus 
Eonzilakten,  Briefen,  Bussbüchern  u.  s.  w.  nachweisen.  Wir 
haben  im  Anhang  I  die  wichtigste  Litteratur  darüber  zusammen- 
gestellt, wobei  wir  aber  nur  diejenigen  Zitate  wörtlich  aufge- 
führt haben,  die  in  den  überall  zugänglichen  Werken  von  Du- 
cange  und  Tille  nicht  abgedruckt  sind.  Zur  allgemeinen  Orien- 
tierung seien  hier  jedoch  zwei  Stellen  aus  pseudo-augustinischen 
Predigten  (des  6./7.  Jahrh.)  wiedergegeben,  die  Panzer**)  über- 
setzt hat.  In  der  ersten  Predigt **)  heisst  es:  „An  diesen  Tagen 
kleiden  sich  die  Heiden  mit  Umkehr  der  Ordnung  der  Dinge  in 
unanständige  Missgestalten ^.  „Diese  elenden  Menschen,  und, 
was  noch  schlimmer  ist,  einige  Getaufte,  nehmen  falsche  Ge- 
stalten und  monströse  Gesichter  an,  worüber  man  sich  schämen, 
dann  aber  vielmehr  betrüben  mnss;  denn  welcher  Vernünftige 
sollte  es  glauben,  dass  Menschen,  die  bei  Besinnung  sind,  sich, 
indem  sie  den  Hirsch  spielen  (cervulum  facientes),  in  das  Wesen 
von  Tieren  umwandeln  wollen?  Andre  kleiden  sich  in  die  Felle 
ihres  Viehes,  andre  setzen  sich  Tierhäupter  auf,  darüber  sich 
freuend  und  ergötzend,  dass  sie  sich  so  in  die  Gestalten  wilder 
Tiere  umgewandelt  haben,  dass  sie  nicht  Menschen  zu  sein 
scheinen.^  „Was  ist  aber  auch  das  schändlich,  dass  die  als 
Männer  geborenen  Frauenkleider  anziehen  und  in  der 
schändlichsten  Verkleidung  durch  Mädchenanzug  die  männ- 
liche Kraft  weibisch  machen "^  u.  s.  w.  In  der  zweiten  Predigt: 
„Was  ist  so  verrückt,  als  durch  schändlichen  Anzug  das  männ- 
liche Geschlecht  in  weibliche  Gestalt  umzuwandeln?  was  so  ver- 
rückt, als  das  Gesicht  zu  verunstalten  und  Masken  anzuziehen, 
vor  denen  selbst  die  Dämonen  erschrecken  möchten  P  was  so 
verrückt,  als  mit  ungeziemenden  Bewegungen  und  unzüch- 
tigen Gesängen  das  Lob  der  Laster  in  schamloser  Ergötzung 
zu  besingen?  sich  in  wilde  Tiere  zu  verkleiden,  der  Zieg^ 
oder  dem  Hirsch  ähnlich  zu  werden,  auf  dass  der  Mensch,  zu 
Gleichnis  Gottes  geschaffen,  das  Opfer  der  Dämonen  werde.  ^ 


3')  „Sed  jam  satis  in    exordio  tractatus,   dicut   in    priocipio   anc&i 
niore  vulgi  Cervus  allusit**.     (Nach  Ducanoe,  Gloss.  II,  ä??«  ).  —  '*)  Pb^ 
Panzer,    Beitrag   zur   deutschen    Mythologie  II   (München    1865)   466  fif.    — 
33)  Sie  wird  von  Ducaiige  (II,  277)  Faustinus  zugeschrieben. 


Neujahrsfeier  im  alten  Basel  und  Verwandtes.  119 

Es  kann  keinem  Zweifel  unterliegen,  dass  die  noch  heute 
üblichen  Umzüge  mit  tierischen  oder  dämonischen  Ge- 
stalten um  die  Neujahrs-  (und  auch  Fastnachts-)Zeit  ^^)  zu 
diesen  mittelalterlichen  Oepflogenheiten  in  mehr  oder  weniger 
eoger  Beziehung  stehen.  ^^)  You  schweizerischen  Gestalten 
nennen  wir  nur  das  Posterli,  die  Hakennase,  die  Stüpfnase,^ 
die  Schnabelgeiss,  die  Hechelgauggele,  das  Bauri,  den  P^re 
Challande,  den  Glockenschellenmann,  den  Glungel,  den  Appels- 
oarr,  sowie  die  dämonischen  Begleiter  des  St.  Nikiaus:  Schmutzli, 
Gurri,  Dösseli.^«) 

y.  Ein  ganz  besonderer  Brauch  muss  das  ^Bisch#fe  und 
Könige  machen^'^)  gewesen  sein.  In  den  von  mir  benutzten 
Basler  Quellen  finde  ich  eine  erste  Notiz  vom  Jahre  1420  auch 
wieder  in  dem  mehrfach  angezogenen  Ruf  buch:  ^Als  man  dis 
hochzit  [Weihnacht]  und  davor  bischofe  machet,  bede,  herren 
vnd  Schüler,  vnd  denen  zu  dienst  tufel  loufFent,  heissent  üch 
▼nser  Herren  sagen,  daz  sy  nit  wellent,  dz  yemant  in  tüfels  wise 
loufFen  solle  in  den  kilchen  noch  in  der  Statd,  wand  dadurch 
gotz  dienst  gehindert  vnd  gewirret  wird**  (Rufb.  I,  28^).  Die 
nächste  Erwähnung  begegnet  uns  im  Jahre  1450:  „desglich  als 
bitzher  künige  oder  bischoffe  ufF  den  stuben  vnd  jn  hüsorn  ge- 
macht sint  worden,  die  euch  in  die  hüser  vnd  vmb  würst  gangen 
wellen**  (Rufb.  I,  189*). ^®)  Dass  diese  Sitte  über  unsere 
Stadt  hinaus  muss  verbreitet  gewesen  sein,  zeigt  allein  schon 
das  Verbot  des  Basler  Konzils  vom  9.  Juni  1435;  es  heisst 
darin:  ^Die  heilige  Synode  verabscheut  einen  schäadlicheD  Miss- 
brauch, wonach  an  gewissen  Festtagen  des  Jahres  ^^)  Einige  mit 

•*)  Dazu  vgl.  die  bei  Anlass  der  Bochselnacht  ausgeführten  Lärmuiu- 
züge  (8.  Anm.  29).  Möglicherweise  hat  auch  das  „Hirsjagen"  im  Kt.  Luzern 
(Arch.  I,  281,  Anm.  1)  nichts  mit  Hirse  zu  thun,  sondern  ist  volksetymo- 
logisch aus  Hirz  (Hirsch)  umgebildet  (vgl.  das  von  Ebel  bezeugte  hirsen, 
hirzen  ^abenteuerliche  Mummereien  treiben,  schmausen");  doch  ist  auch  das 
analoge  „Speckjagen"  im  Kt.  Luzern  in  Betracht  zu  ziehen.  —  ^'^)  Eigent- 
liche Hirschmasken  haben  sich  noch  im  Salzburgischen  erhalten.  Repro- 
duktionen von  solchen  aus  dem  Museum  für  Oestorr.  Volkskunde  s.  Welt- 
PoBT  (Wien)  1897  Nr.  1  und  Illustr.  Zeitung  1897,  S.  562.  —  36)  Maskierte 
an  Sylvester  im  Kt.  Glarus  s.  Archiv  IV,  259.  Laut  mündlicher  Mitteilung 
von  Herrn  Dr.  Alfr.  Geigy  in  Basel  sollen  auch  in  Genf  Verkleidete  an 
Sylvester  umziehen.  —  ^')  Vgl.  Tille,  Weihnacht  IS.  31.  —  ^^)  Vgl.  auch 
noch  Fechters  „Topographie"  in:  Basel  im  14.  Jahrh.  (1856)  S.  17.  112.  — 
^)  Der  Tag,  an  welchem  der  Brauch  sich  abspielte,  mag  also  je  nach  der 
(iegend  ein  verschiedener  gewesen  sein,  wie  noch  heutzutage. 


120  Neujahrsfeier  im  alten  Basel  und  Verwandtes. 

bischöflichen  Abzeichen  wie  Mitra,  Stab  und  Ornat  angethan, 
den  bischöflichen  Segen  sprechen,  Andere  sich  als  Könige  und 
Herzöge  verkleiden,  was  man  das  Fest  der  Narren  oder  Un- 
schuldigen, anderwärts  den  Knaben  nennt,  Andere  reizen  die 
Leute  durch  Masken-  und  Schauspiele  oder  durch  ausgelassene 
Tänze  von  Männern  und  Frauen  zum  Zuschauen  und  rohem 
Gelächter,  noch  andere  veranstalten  Schmausereien  und  Gast- 
mähler'^  u.  s.  w.  *^)  Solche  Konzilsverbote  gehen  inmier  auf  tief- 
gewurzelte  Gebräuche,  und  einen  solchen  haben  wir  auch  hier 
vor  uns.  Es  handelt  sich  um  nichts  anderes  als  das  weitver- 
breitet^Festum  stultorum,  auch  Festum  fatuorum,  inno- 
centium  oder  hypodiaconorum  genannt.  Dncange  führt  die 
wichtigsten  Quellen  unter  dem  Wort  „Kalendse^  auf.  Wir  be- 
gnügen uns  hier  mit  der  Schilderung  des  Festes  in  Frankreich 
um  die  Mitte  des  15.  Jahrb.,  wie  sie  Flögel  in  seiner  „Geschichte 
des  Groteskekomischen *^  (S.  163)^')  giebt:  „Man  erwählte  in 
den  Thumkirchen  einen  Narrenbischof  oder  Narrenerzbischof, 
welches  von  den  Priestern  und  Weltgeistlichen  geschah,  die  sich 
dazu  besonders  versammelten.  Dieses  geschah  mit  vielen  lächer- 
lichen Ceremonien;  hierauf  führte  man  ihn  mit  grossem  Pomp 
in  die  Kirche.  Auf  dem  Zuge  und  in  der  Kirche  selbst  tanzten 
und  gaukelten  sie,  die  Gesichter  beschmiert,  oder  mit  Larven 
vor  dem  Gesicht,  und  verkleidet  als  Frauenspersonen,  Tiere  oder 
Posseureisser  .  .  .  Der  Narrenbischof  hielt  alsdann  einen  feier- 
lichen Gottesdienst  und  sprach  den  Segen.  Die  vermummten 
Geistlichen  betraten  das  Chor  mit  Tanzen  und  Springen,  und 
sangen  Zotenlieder.  Die  Diakoni  und  Subdiakoni  assen  auf  dem 
Altar  vor  der  Nase  des  Priesters,  welcher  Messe  las,  Würste; 
spielten  vor  seinen  Augen  Karten  und  Würfel,  thaten  ins  Ranch- 
fass  statt  des  Weihrauchs  Flecke  von  alten  Schuhsohlen,  damit 
ihm  der  hässliche  Gestank  in  die  Nase  führe.  Nach  der  Messe 
lief,  tanzte  und  sprang  jedermann  nach  seinem  Gefallen  in  der 
Kirche  herum  und  erlaubte  sich  die  grössten  Ausschweifungen; 
ja  einige  zogen  sich  gar  nackend  aus.  Hierauf  setzten  sie  sich 
auf  Karren  mit  Kot  beladen,  Hessen  sich  durch  die  Stadt  fahren 
und  warfen  den  sie  begleitenden  Pöbel  mit  Kot.     Oft  liessen  sie 


^)  Der  lateinische  Text  bei  Hkrzoo,  Realencyklopädie  X,  204.  —  ♦•)  Zu- 
meist Dach  einem  Statut  des   Bischofs   Ludwig  vod   Sens  aus  dem   Jahr^ 
1445,  bei  Ducangk-Favre,  Gloss.  IV,  484.    Die  unmittelbare  Quelle  Flögel» 
war  aber  wohl  Du  Tilliot,  Fete  des  Foux  p.  5  fg. 


Neujahrafeier  im  alten  Basel  und  Verwandte».  121 

8till  halten  and  machten  mit  ihrem  Körper  die  geilsten  Geberden, 
die  sie  mit  den  unverschämtesten  Reden  begleiteten . . .  Dieses 
Fest  wurde  zu  Paris  am  Neojahr,  an  andern  Orten  am  Tag  der 
Erscheinung  Christi  [6.  Jan.]  und  nach  andern  am  Tag  der  un- 
schuldigen Eindlein  gefeiert.^  ^^ 

Nicht  weniger  ausgelassen  mag  es  1474  in  Zürich  bei  dem 
Umzug  mit  dem  „  Burenbischof ^,  der  in  die  Fraumünsterabtei 
eindrang,  zugegangen  sein.  In  den  Rats-  und  Richtbüchern  finden 
wir  darüber  folgende  Akten :  „Heiüi  Widerker  d(icit) :  er,  Peter 
Füssli  u.  s.  w.  [14  Männer]  syen  mit  einanderen  in  schoppen 
[Weiberröcken  P]  und  mit  dem  purenbischof  gangen,  und  als 
sy  in  miner  gnädigen  frowen  hof  kommen,  sye  die  stägen  thür 
beschlossen.  Da  hab  inen  der  scfaüler,  so  da  sing  und  übel 
reden  könn,  zogen  [die  Thür  aufgezogen].  Do  syen  si  hinufge- 
gangen  in  die  stuben,  und  habensi  geacht,  es  war  miner  gned(igen) 
frowen  will.  Und  do  si  also  ir  wesen  bruchten,  luogte  min 
gnädige  frow  zu  einem  vensterli  herus  und  wer  zornig  und 
trowte  inen,  das  mim  Herrn  burgermeister  zu  clagen,  daz  si  ir 
in  das  ir  [in  ihre  Behausung]  prochen  betten.  Do  antwurten  si, 
si  betten  nit  hin  in  prochen,  soDdern  hett  man  inen  zogen. 
Daruf  bürzloten  si  die  stägen  ab,  und  wüss  er  von  keinen 
unwerten  zä  sagen,  die  miner  gnedigen  frowen  von  inen  geben 
syen."  Die  Andern  sagen  ähnlich  aus.  —  Felix  Werdmüller 
war  der  ,,Schopennarr^,  Stössel  und  Burri  heissen  sich  „Kapläne^. 
{Rats-  und  Richtbücher  B  VI,  229,  Fol.  60.) 

Eine  andere  Gesellschaft  [8  Männer]  wollte  mit  ihrem 
Bischof,  nach  dem  Nachtessen  im  Roten  Haus,  zum  Fraumünster 
tanzen  gehn  und  drang  daon,  „als  man  in  der  Schule  nicht 
tanzte"^,  in  der  Aebtissin  Hof,  wo  „das  Adelheitli,  der  Frowen 
jungfrow  [Magd]*^,  ihnen  öffnen  sollte  u.  s.  w.  „Do  Hesse  Kuon- 
rat  Oul  mit  urloub  ein  grossen  Furz^  u.  s.  w.  Sie  ,,syent  mit 
einanderen  in  narrenwys  gangen**  ....  (Ebd.  Fol.  61). 

Die  ältere  Litteratur  über  den  Narrenbischof  findet  sich 
in  Anhang  II  zusammengestellt. 

Dass  sich  der  Einderbischof  bis  in  die  Neuzeit  erhalten 
hat,    zeigt    der    weitverbreitete    Einderbrauch    am    Martins- ^^), 


**)  Nach   DuRANDus,   Ration.  Divin.   Offic.   lib.  7.    cap.  42   findet    das 
Fest  am  1.,  6.  oder  13.  Januar   statt    ilaut  Dr(AXüE,   Gloss.  IV,  483*  ).   — 

♦*)    Ox»  VoLLSLEVKN    IX,    46. 


122  Neujahrsfeier  im  alten  Basel  und  Verwandtes. 

Andreas-  ^*)y  Nikiaus-  ^^)  oder  Gregorstage  ^^)  in  Bischofskleidung 
umzuziehen. 

Nicht  so  häufig  scheint  bei  uns  die  Ernennung  eines  Knaben- 
königs  gewesen  zu  sein;  sie  ist  jedoch  durch  den  oben  zitierten 
Ruf  vom  Jahre  1450,  sowie  durch  das  Eonzilsverbot  vom  9.  Juni 
1435  („alii  ut  reges  ac  duces  induti"")  zur  Oenüge  gesichert.  ^^) 
Wir  werden  überdies  noch  seh«n,  dass  auch  dieser  Brauch,  wie 
so  mancher  andere  der  Jahreswende,  auf  römische  Zeiten  zu- 
rückgeht. 

Gehen  wir  nun  aber  zu  weitern  Bräuchen  über. 

VI.  Schon  mehr  als  einmal  sind  wir  in  den  Verboten  auf  den 
Besuch  der  Zunftstuben  gestossen.  In  Fechters  Topographie^^) 
findet  sich  (S.  112)  folgende  (urkundlich  leider  unbelegte)  Notiz: 
^In  einer  weniger  anstössigen  Form  trat  der  Bettel  auf,  wenn 
bei  festlichen  Anlässen,  wie  z.  B.  am  Neujahrstage,  wo  Bürger 
und  Handwerker  auf  ihren  Trinkstuben  zusammenkamen  und 
Geschenke  in  Geld  und  „Galrei^  brachten,  sich  Spielleute  und 
Pfeifen,  auch  hübsche  Frauen  [Courtisanen]  einstellten  und  um 
Geld  „gilten^  [bettelten]  und  dem  Stadtpfeifer  in  das  Hand- 
werk griffen,  welcher  allein  das  Privilegium  besass,  bei  dieser 
Gelegenheit  sich  um  eine  Gabe  zu  präsentieren.''  Wie  so  viele 
andere  bei  Fechter  aufgeführte  Sitten,  wird  auch  diese  kaum 
schon  dem  14.  Jahrh.  entnommen  sein.  Aus  dem  15.  Jahrh. 
dagegen  haben  wir  schon  schon  sichere  Nachweise.  Ein  Ruf 
von  1432  (Rufb.  I,  94*!),  überschrieben   „gute  jare**  sagt:    „Ale 

*+)  Tille,  Weihn.  S.  31;  Jensen  in:  Beilage  zur  Allgem.  Ztg.  1901, 
Nr.  296  S.  4.  —  ♦5)  S.  Fechter,  Topographie  S.  17;  Gf:8C'hicht8frkl-nd  J7,  133; 
Tille,  Weihn.  31ff. ;  Jensk.v  a.  a.  0.  (s.  Anni.  44);  Gemälde  der  Schweiz  III 
(Luzem)  I.  Teil  (St.  Gallen  1858)  S.  331;  LCtolf,  Sagen  (1862)  S.  99.  101; 
Die  Schweiz  II  (1898)  488.  489  (Umzug  des  Kinderbischofs  alle  sieben  Jahre, 
in    Stans;  eingegangen  1857);   Hochholz  in:    Grenzboten    23.  Jahrg.    (1864) 

4.  Bd.  384;  B.  Wvss,  Schwizerdütsch.  Solothum  1863,  S.  23  fg. ;  Schweizer 
Freie  Presse  (Baden)  1897  Nr.  46  (Feuilleton).  Schweiz.  Idiotikon  I,  327 
(Infeie);  III,  688.  Archiv  I,  64;  III,  225;  IV,  252.  -  ^^)  S.  Fechter,  Topo- 
graphie S.  97;  Fechter,  Gesch.  des  Schulwesens  in  Basel  bis  zum  Jahre 
1589  [1837]  S.  30;  Iduna  ixd  Hermodk  (1816)  S.  24;  Kriegk,  Deutsches 
Bürgertum  (1868)   S.   450;    Flogel,   Gesch.   des   Grotesk-Komischen  (1788) 

5.  193.  —  *')  Von  neuern  Gebräuchen  sei  auf  den  „Sylvesterkönig"  in 
in  Mank  (Nieder-Oestreich)  hingewiesen;  s.  Vernaleken,  Mythen  und  Bräuche 
(1859)  S.  291  fg.  Dazu  Mannhardt,  Baumkultus  S.  386.  Auch  die  WahL 
des  „Bohnenkönigs"  und  verwandter  Sitten  wird  damit  in  Verbindunj^ 
gebracht.  —  ♦p)  Basel  im  14.  Jahrh.  (1856). 


Neujahrsfeier  im  alten  Basel  und  Verwandtes.  123 

denn  yormals  geordnet  ist,  wie  man  den  zünften  gute  jare 
geben  sol  yf  dz  jngande  jare,  als  sy  gewonheit  band  ze 
samen  ze  gande,  nemlicb  einen  plapbart  vnd  nit  me,  sunder- 
lich  der  zunfte,*  mit  der  er  dienet  vnd  keiner  andern  .  ,  .  ." 
Man  vereinigte  sich  demnacb  am  Neujabr  anf  den  Stnben  und 
bracbte  Gescbenke  mit.  ^^)  Dass  diese  Zusammenkünfte  den 
nmscbwärmenden  Lärmern  Oelegenbeit  boten,  sieb  einen  freien 
Trunk  oder  eine  Geldspende  zu  yerscbaffen,  zeigt  ein  bereits 
angezogenes  Yerbot  yon  ca.  1449,  welcbes  aussagt,  dass  man 
^y^eder  tages  nocb  nacbts  in  bocken  wise  oder  in  yerenderten 
kleidern  verbutzt  oder  verbunden  gan  oder  über  ynd  über  ufF 
der  herren  oder  zunfften  stuben  louflfen  solle **  (Rufb.  I,  172^); 
auch  der  Ruf  von  1450  spricht  ja  von  den  Königen  und  Bi- 
schöfen, die  „uff  den  stuben  und  in  büsern  gemacht  sind 
y^orden**  (Rufb.  I,  189*) ,  während  der  schon  mehrfach  er- 
wähnte Eonzilsartikel  etwas  allgemeiner  sagt:  „alii  commes- 
sationes  et  convivia  ibidem  [wo?]  pseparauf^.  Genauere  Infor- 
mationen erhalten  wir  aus  den  Rechnungs-  und  Eüchenbüchern 
der  Zünfte.  Schon  die  erste  Seite  des  Rechnungsbuches  vom 
Schlüssel  trägt  die  Notiz:  „Uff  den  achtten  Dag  anno  Ixxxv® 
[1485]^^)  band  min  heron  zum  schlussel  ein  fleischs  galreig  lossen 
machen.^  Und  weiterhin:  „Item  und  nam  man  das  gätt  jor  uff 
[nahm  es  entgegen]  uff  den  samstag  von  den  fremden  [Nicht- 
zünftern]  und  lud  sy  uff  den  sunnentag^.  (ib.)  Es  folgen  dann 
die  mannigfachen  Ingredientien  des  Galrei  und  schliesslich  die 
Notiz,  dass  den  „Fremden"  30  Schüsseln  davon  geschickt  wor- 
den seien  (ib.  I,  2).  Unterm  Jahre  1486  wird  wieder  der 
^Fleischgalrei"  erwähnt.  Dabei  erfahren  wir  zugleich,  dass  sich 
die  Zünfte  auch  gegenseitig  beschenkten:  „Item  und  band  min 
heren  zum  saffran  gar  fast  jr  gütt  erlichen  (!)  jar  geschicktt, 
aber  min  heren  zum  schlussel  band  innen  ein  gar  fill  erlicher^') 


♦')  Ein  Verbot  dieser  Sitte,  „ulf  dem  tage  des  jngoüden  Nüwen  Jore» 
uff  den  zunfften  gute  jor  ze  geben"  s.  Ruf  buch  I,  188*;  la.  1450)  und  im 
Jahre  1458  wurde  dies  dahin  eingeschr«*inkt,  das8  jeder  nur  auf  der  eigenen 
Zonftstube  schenken  dürfe.  (Rufbuch  II,  3^  ).  —  ^^)  Dieser  ^achte  Tag"  ist 
der  1.  Januar,  da  man  das  Jahr  mit  Weihnachten  begann.  —  ^'j  Vgl.  den 
Solothumer  Dankspruch : 

Man  hat  uns  ehrbahrlich  gegeben; 

Gott  lass  euch  das  Jahr  mit  Freuden  erleben  u.  a.  w. 

(B.  Wyss,  Schwyzerdütsch  S.  4.) 


124  Neujahrsfeier  im  alten  Basel  und  Verwandtes. 

gütt  jar  geschickt^  dan  sy^  (ib.  I,  3*).  Es  werden  dann  im 
Folgenden  die  Namen  derjenigeii  aufgeführt,  die  „min[en]  heren 
zum  Schlüssel  das  gütt  jor  geschickt  vfF  das  jngond  jor*^  .... 
„und  ist  dissen,  die  Y  ß  geben  band  und  dor  über,  erlich  ge- 
schicktt  III  stuck  galreig  vnd  I  fierteil  einss  hi\n  mit  mandel 
erlich"  (ib.  I,  4^ — 5*!).  Auch  die  Küchenbücher  zu  Safran  er- 
wähnen die  Neujahrs-  und  Berchtengalrey  vom  Jahre  1491  ab. 
Im  Jahre  1485  werden  den  Ratsherren,  Sechsern  u.  s.  w.  21 
Schüsseln  mit  Oalrei  geschickt  (Rechnb.  Schi.  I,  2^).  Fiel  da- 
gegen der  1.  Januar  auf  einen  Freitag,  so  machte  man  einen 
Fischgalrei  (Ebd.  19'.). 

Eine  Nachfeier  bestand  in  dem  Berchtentag-Essen  ^^)  am 
2.  Januar,  das  auch  regelmässig  in  den  Ausgabenbüchern  figu- 
riert, ausser  wenn  dieses  Datum  auf  einen  Freitag  oder  Sonntag 
fiel.     In  Zürich  wird  der  „Berchtelistag*  noch  heute  gefeiert. 

Was  ist  nun  all  diesen  Angaben  zu  entnehmen  P  Zünftige 
und  „Fremde"  brachten  zu  Neujahr  ein  Geldgeschenk  auf  die 
Zunft  und  wurden  dafür  mit  einer  Pleischgallert  regaliert^^) 
oder  auch:  es  wurde  den  Spendern  Gallert  und  Huhn  nach 
Hause  geschickt.  Die  Angabe  Fechters,  dass  der  Galrei  von 
den  Teilnehmern  auf  die  Zunftstube  gebracht  worden  sei,  be- 
ruht wohl  auf  Irrtum;  dagegen  weisen  die  Rechnungsbücher 
z.  Schlüssel  in  der  That,  wie  er  sagt,  Posten  „an  die  hübschen 
frowen  und  spillüf^  auf.  ^*) 

Im  16.  Jahrh.  hat  dann  die  Sitte  in  mehrfacher  Hinsicht 
eine  Wandlung   erfahren.     Zuerst  wurde   die   Gallert .  verboten, 


'2)  In  den  Ktichenbüchern  von  Safran  finden  sich  folgende  Sprach- 
forinen:  Bis  152Ö;  „hechten  tag",  1529:  „bechtels  tag**,  1532:  „sant  berch-. 
tolds  tag".  1532  geht  die  Bezeichnung  überhaupt  aus.  —  ")  In  den  90er 
Jahren  des  15.  Jahrh.  wurde  zu  Safran  sogar  ftlr  100  Teilnehmer  gerüstet. 
—  ^)  1494:  „Armen  lüten,  spillüten,  hübschen  frowen,  Sprecher  umb  zittwer 
win  [Wein,  mit  Zitwer  gewürzt]  und  hadergelt  [kleine,  lumpige  Ausgaben?] 
allerhant**  (Rechnb.  Schlüssel,  I,  48* ).  Die  „hübschen  frowen"  hören  in 
den  Zehner  Jahren  des  16.  Jahrh.  auf  Dagegen  finden  wir  1569:  „8  Stu- 
denten, so  die  musik  gsungen  6  /J  8  ^,  etlichen  armen  sundersiechen,  so  uff 
der  gassen  gesungen  2ß,  den  fryheiten  [Landstreichern],  so  uns  umb  das 
guot  jor  gsungen  2  ß,  eim  gougkler,  so  die  brütschen  gschlagen  uff  den 
fingern  1 /J"  (Ebd.).  1570:  „2  bleseren  geben,  so  uns  daz  guot  jar  geblasen 
und  gewünst  2>J"  (Ebd.).  Aehnliche  Ausgaben  enthalten  die  Gutjahrsrödel 
zu  Safran.  1535:  y,Den  blesseren  im  munster  Iß  —  den  armen  zu  sant 
jocob  1  ß  —  der  jungfrowen  die  die  Eyger  wecken  [Eierweggen]  hatt 
bracht  8  ^  —  den  blesseren  vberin  [1.  vber  rin]  Iß   —   den   blesseren   uff 


Neujahrsfeier  im  alten  Basel  und  Verwandtes.  125 

wie  das  aus   einem  Beschluss  im   Erkenntnisbacb '''^)  vom  Jahre 
1500  (I,  fol.  192*!)  hervorgeht:  „Nachdem  zu  ingange  des  nuwen 
jars  bisshar  uff  den  Zünften    mit    den  galren    merglicher    cost 
ofgelouffen,  euch  mancherhande  Unwesens  uff  denselben  tag  .  .  . 
fargangen  ist**  wird  geboten,  „das  hynnanthin  uff  keyner  ?unft, 
es  sey  welche  die  wolle,  dhein  galre   gemachet  werde,  sonder 
ob  die  Zunftbruder  zu  dem  inganden  Jarstag  byeinander  essen, 
BoUent  sie  sich  mit  gesottenem  und  gebrattenem  benügen  lassen, 
und  euch  uff  denselben  tag  bitz   nach  der  predig  dhein  spyell 
thün  ....     Item  were  euch  sache,   das  yemand   ein   zunft   eren 
weit  mit  einem  guten  jare  jnnmassen  bisshar  bescheen  ist,  der 
soll  vber  i j  /?  Ǥ  nit  schencken,  er  sy  wie  rieh  oder  arm  er  woll, 
und  onch  durch  dhein  zunft  yemand  utzit  heimgeschickt  werde.  ^  ^^) 
Nach  diesem  Verbot  muss  es  uns  befremden,  im  Jahre  1588  doch 
wieder   die  Oallert  erwähnt  zu  finden.  ^^)   Gleichzeitig   aber   er- 
fahren wir,   dass  der  Empfang   der  Neujahrsgeschenke   auf  den 
Zünften  ^)   und   die  gegenseitige  Beschenkung   der   Zünfte   sich 
nunmehr  in   Form   eigentlicher   Umzüge   abspielte.     Wir    ent- 
nehmen  dies  folgender  Angabe  Brückners   in   der   ersten   Fort- 
setzung   zu    Wurstisen  ^^) :    „Es    war    zu    damaligen    Zeiten    zu 
Basel  der  Gebrauch,   dass  man  an  dem   neuen  Jahres-Tage  mit 
Trommel  und  Pfeiffen  vor  die  Zünfte  zog,  und  von  selbigen  ein 
Nea-Jahrs-Geschenck  empfing,  auch  verehrten  bisweilen  die  Zünfte 
einander  zum  Neu-Jahrs-Geschencke  eine  Gallert,  und  begleiteten 
diese  Gallert  mit  vorgemeldtem  kriegerischen  Spiele.^ 

Zum  Jahre  1608  bemerkt  die  zweite  Fortsetzung  der  selben 
Chronik®^):  „Noch  immerhin  blieb   es   im  Gebrauche,   dass  das 


sant  martty  l  ß  ^  dem  knecht  zum  schlisseil,  der  den  kess  hatt  brocbtt  1  ß". 
1559:  „4  moBS  Allandt  win**  (Fol.  161).  1571  unter  Andenn:  „vm  Sy  essen 
wyn  [unser  jetziger  Hypokras]  3  mass  4  batzen  ~  dem  Becken  Knechtt 
2J  —  den  Armen  sunder  siechen  2ß  —  dem  knecht  zum  scblisel  —  dem 
naren  2ß  —  dem  fremden  mit  dem  spil  2ß  —  den  sangeren  6/J  — 
Spillitten    mit   der   drumen   4  ß'*    (Fol.    253).    —     ")    Staatsarchiv    Basel. 

—  ^)  Von   nun   an   schenken   sich  Schlüssel  und  Safran   Ziger  oder  Käse. 

—  ")  Nachträgliche  Nachforschungen  haben  ergeben,  dass  die  Gallert,  wenn 
auch  in  bedeutend  geringerm  Umfange,  schon  in  der  ersten  Hälfte  des 
16.  Jahrh.  vrieder  auftaucht.  —  ^^)  In  den  zwanziger  Jahren  des  16.  Jahrh. 
kommt  für  die  Zunftbrüder  das  „Heizgeld"  [(in  Zürich  „Stubenhitzen")  und 
^Wachsgeld*  auf;  die  üebrigen  geben  noch  das  »guot  jar*.  —  ^^)  Chr. 
WcROTisKs,  Bassler  Chronick.  Neue  Aufl.  Basel  1772.  Fortführung,  Erstes 
Buch,  Fol.  27.  —  W)  Ebenda  („Fortführung  der  Basel-Chronick.  Drittes 
Buch«)  Basel  1779,  Fol.  95. 


126  Neujahrsfeier  im  alten  Basel  und  VerwaDdtes. 

neue  Jahr  mit  SchieBsen,  Trommel  and  Pfeiffen  gefeuret  wurde ; 
doch  ward  dismalen  weiter  nichts  gestattet,  als  dasB  die  Hand- 
werksgeBellen  die  Oeschenke  unter  Trommel-  und  PfeiJBTenklang 
ihren  Meistern  naher  Haus  tragen ,  so  dann  aber  so  gleich  das 
Spiel  niederlegen  sollten/  Dass  aber  diese  Zunftgeschenke  bis 
zum  Ende  des  18.  Jahrh.  Sitte  blieben,  erhellt  aus  den  Gutjahrs- 
rodeln der  Schlüsselzunft,  welche  ausführlich  die  Namen  der 
Häupter,  Ratsherren,  Sechser,  Zunftgenossen,  Tuchscherer, 
Zünfterwittwen  und  Halbzünfter  aufFühren,  welche  Guben  an 
Geld  und,  wie  das  erste  Blatt  auch  sagt,  an  Gebäck  (Neujahrs- 
wecken) empfangen.  Auf  der  Landschaft  ^^)  wurde  in  den 
Häusern  geschmaust,  gezecht  und  gerauft.  Für  die  damaligen 
beschränkten  Wohnungsverhältnisse  ist  es  bezeichnend,  dass  die 
aufgeregte  Gesellschaft  einmal  zu  Tenniken  in  derselben  Stube 
tafelte,  wo  eine  Wöchnerin  mit  ihrem  Neugeborenen  lag.  Als 
die  Männer  in  Streit  gerieten  und  gegen  einander  losgiengen, 
erschrack  die  Frau  aufs  heftigste.  Das  Kind  bekam  die  Gichter 
und  starb  den  Tag  darauf  (Farnsb.  Akten  vom  26.  März  1600 
unter  Tenniken). 

Vn.  Das  führt  uns  endlich  auf  die  Neujahrsgeschenke 
überhaupt.  Wenn  wir  heute  etwa  neben  Weihnachten  und  Neu- 
jahr Bescherungen  veranstalten,    oder   wenn    der   Landschäftler 

singt  : 

Hütt  isch  Sylfester  und  inom  isch  Neujor, 
Gäp-mer  au  öppis  zum  guete  Neujor, ") 

so  ist  das  nicht  eine  Neuerung,  sondern  ein  Rest  des  ursprüng- 
lichen Bescherungstages.  Das  „Neujohrs-Eindli'^  ist  älter  als 
das  „Wienachts-Kindli*';  denn  j^nes  soll  ja  natürlich  nichts 
anderes  sein,  als  die  Personifikation  des  jungen  Jahres,  und  die 
Beziehung  auf  das  Jesuskind  ist  verhältnismässig  neu.  Das 
zeigen  uns  auch  die  Verhältnisse  in  der  übrigen  Schweiz,  in 
der  früher  wenigstens,  fast  ausschliesslich  auf  St.  Nikiaus  ^^)  oder 
Neujahr  ^^)   beschert  wurde.     In   Basel    muss   freilich    schon   zu 


«•)  Mitteilung  von  Herrn  Dr.  Hess.  —  **)  G.  A.  Srileb,  Die  Basler 
Mundart.  Basel  1879,  Sp.  153^.  —  ")  Vgl.  Gemälde  der  Schweiz: 
Luzern  I,  331;  Am  Herd,  Denkwtirdigkeiten  S.  195  flf.;  LCtolf,  Sagen  S»8; 
Die  Schweiz  II,  488;  Schweiz.  Idiotikon  IH,  694;  Archiv  I,  63;  ü,  167;  IV, 
253  u.  A.  m.  —  ^)  Br)L8TERLi,  Sempach  S.  52;  Herzoo,  Volksfeste  S.  2ü4; 
EsTERMANK,  Bickcnbach  S.  193;  ,,Bund'*  27.  Dez.  1899;  Schweiz.  Idiotikon  III, 
63.  64.  346;   Archiv  I,  66.  183  A.3;    II,  142;    IV,  260;   VI,  36  u.  A.  m. 


Neujahrafeier  im  alten  Basel  und  Verwandtes.  127 

Anfang  des  18.  Jahrb.  an  beiden  Tagen  besebert  worden  sein; 
denn  ein  Mandat  von  1716  Bpricbt  von  dem  ^b.  Weinacbt-  und 
Nenjahrsabend,  daran  bisbero  viel  Ungebübr  aus  Anlass  des  so- 
genannten Weibnacbt-  und  Neujabr-Eindleins,  sonderlicb  bei  den 
Eramständen,  die  Nacbt  durcbbin  verübet  worden*'  (Schweiz. 
Idiotikon  III,  346).  Trotz  alledem  muss  docb  Neujabr  in  jener 
Zeit  der  Hauptbescberungstag  gewesen  sein.  Das  erbellt  un- 
trüglich aus  den  Oescbenklisten,  wie  sie  sich  noch  hie  und  da 
in  Privathäusern  erbalten  haben.  ^^)  Eine  solche  bat  D.  Burck- 
hardt-Werthemann  im  Basler  Jahrbuch  f.  1897  8.  171  ver- 
öffentlicht : 

^Weggeschickte  gute  Jahr" 

(Yon  den  ca.  25  Posten  sind  sieben  herausgegriffen.) 

^Bürgermeister  J.  B.  Burckhardt:  6  Stöckb  Candisbrot  und  das 

ordinäre  Paquet. 
Oberstzunftmeister  Wettstein:  4  Stöckb  Candisbrot^  2  Capaunen 

und  4  Citronen  und  4  Bomrantzen. 
Madame  Formonde:  Ein  lädlein  Confiture,  4  grives,  8  Citronen 

und  Bomrantzen,  2  bouteillen  Rossoli  ®^)  und  eau  cordiale 

de  citrons. 
Ratsherr  Fäsch:  1  welscbbubn,  ein  reescblegel,  2  stöckb  Candis- 
brot und  4  bomrantzen. 
Dr.    Battier:    2    Capaunen,    eine    Medaille    von    Carl   Y.    und 

Ferdinand  I. 
Herr  Linder  im  Doctorgarten:  2  stöckb  Candis  und  ein  bas. 
Dem  Jacob  a./d.  Steinen:    1   büx   Theo,    1    stöckb   Zucker  und 

Kalbfleisch.  <'«') 

Der  Verfasser  hat  dieses  Verzeichnis  aufgeführt  im  An- 
schluss  an  eine  Radierung  von  Hans  Heinrich  Glaser,  die  zwei 
mit  Oeschenken  beladene  Dienstboten  darstellt  und  den  Titel 
trägt:  „wie  man  einander  das  gut  Jar  verehrt^.  Mit  diesem 
Künstler  sind  wir  nun  aber  bereits  in  den  Anfang  des  17.  Jahrb. 
hin  aufgerückt.  Es  beweist  uns  das,  wie  wenig  sich  in  dem 
Zeitraum  von  100  Jahren  geändert  bat.     A.ber  geben  wir  noch 

")  Auch  mündlich  ist  mir  von  verschiedener  Seite  bestätigt  worden, 
dass  in  Basel  noch  zu  Anfang  des  19.  Jahrh.  die  eigentliche  Bescherung  nicht 
auf  WeUmachten  sondern  auf  Neujahr  gefallen  sei.  —  ^)  Ein  süsser 
Liqueur.  —  *^)  Ein  Gutjahrrodel  des  Bürgermeisters  Sam.  Merian  befindet 
sich  im  Besitze  von  Hm.  Reg.-Rat  Alb.  Burckhardt.  Dieser  teilte  mir 
auch  mit,  dass  die  Greschenke  —  die  der  Beschenkte  natürlich  nicht  alle 
aufzehren  konnte  —  nachher  wieder  verkauft  wurden. 


128  Neujahrsfeior  im  alten  Basel  und  Verwandtes. 

am  100  Jaiire  zurück,  so  werden  wir  die  Verhältnisse  nicht 
wesentlich  anders  finden.  Sagt  doch  schon  Seb.  Brant  in  seinem 
„Narrenschiff"  (Kap.  66  V.  42): 

Des  glichen  zu  dem  nuwen  jor  *^) 
Wem  man  nit  ettwas  schencken  dut 
Der  meynt,  das  gantz  jor  werd  nit  gät. 

Die  Stelle  bei  Brant  ist  aber  auch  noch  in  einer  andern 
Hinsicht  bedeutsam.  Sie  führt  das  Schenken  auf  den  Aber- 
glauben zurück,  dass  die  Geschenke  ein  glückliches  Omen  für 
das  künftige  Jahr  seien,  eine  Meinung,  die  sich  in  den  yer- 
Bchiedensten  Varianten  bis  auf  den  heutigen  Tag  erhalten  hat.  *^) 
Einige  Zeilen  vorher  spielt  Brant  auf  einen  andern  Aberglauben 
an,  wenn  er  sagt: 

Vnd  wer  nit  etwas  nuwes  hat 
Vnd  vmb  das  nuw  jor  syngen  gat 
Vnd  grien  tann  riss  steckt  Jn  syn  huss, 
Der  meynt,  er  leb  das  ganz  jor  nit  vss. 

Diese  Verse  sind  nicht  nur  die  älteste  deutsche  Nachricht 
über  den  Weihnachtsbaum^^),  sondern  sie  deuten  uns  auch 
an,  was  dem  Weihnachtsbaum,  der  also,  ähnlich  dem  englischen 
„mistletoe^,  zunächst  in  Zweigform  auftritt,  für  eine  Bedeutung 
innewohne:  man  will  durch  den  Grünschmuck  des  Hauses  um 
die  Wintersonnenwende  die  Fruchtbarkeit  und  Lebensfülle  des 
kommenden  Jahres  symbolisch  darstellen  und  zugleich  herauf- 
beschwören. 

Das  Symbolisch-Ominöse  ist  es  ja  überhaupt,  was  den  Kern 
aller  geschilderten  Neujahrsbräuche   bildet;   und  das   führt   uns 
nun  zum  Schluss  noch  vor  die  Frage:  Ist  es  nicht  möglich,  diese 
verhältnismässig     spät     überlieferten     Gebräuche     auf 
ihren  Ursprung  zurück  zu  leiten? 

Man  hat  früher  versucht.  Alles  was  von  Volksbräachen 
sich  um  die  Sonnenwende  in  Deutschland  abspielt,  mit  dem 
germanischen  Götterhimmel  in  Verbindung  zu  bringen.  Es  war 
eine    Zeit   romantischer    Begeisterung,    wo    man    hinter   jedem 


^)  Auch  filr  Brant  ist  wohl  der  25.  Dezember  Jahresanfiuig. 
—  *^)  Vgl.  namentlich  Wuttke,  Der  deutsche  Volksaberglaube  §  75.  632  und 
anderwärts.  —  '^)  Eine  Notiz  aus  der  Wende  des  Jahrh.  findet  sich  freilich 
schon  bei  Burchard  von  Worms  (Decr.  1.  X  c.  15);  aber  dieses  Verbot  ist 
einem  Dekret  des  Pabstes  Marti  anus  entnommen. 


Nenjahrafeier  im  alten  Basel  und  Verwandtes.  129 

apakenden  Straachdieb  Wotan  und  in  jedem  isolierten  Felsblook 
einen  Draidenaltar  sah.  Dabei  vergass  man  ganz,  dass  einmal 
Römer  im  Land  gewesen,  deren  mächtige  Kultur  gewiss  nicht 
spurlos  Torübergegangen  war.  Und  so  ist  denn  auch  der  eine 
und  der  andre  unserer  Neujahrsbräuche  bei  der  auffallenden 
Uebereinstimmung  mit  römischen  Verhältnissen  auf  diese  zurück- 
luf&hren.  Es  handelt  sich  dabei  namentlich  um  zwei  Feste: 
die  Saturnalien  und  die  Januarskalenden. 

Die  Saturnalien ''^),  welche  Saturnus,  dem  Oott  der  Aus- 
saat, geweiht  waren,  hatten  ihren  Haupttag  am  17.  Dezember, 
erstreckten  sich  dann  aber  bis  über  den  kürzesten  Tag  hinaus. 
Die  eigentliche  Kulthandlung  übergehen  wir  hier.  Von  Yolks- 
gebranchen  war  namentlich  charakteristisch  die  Behandlung  der 
SklaTen,  die  an  diesem  Feste  nicht  nur  die  grosstmögliche  Frei- 
heit genossen,  sondern  sogar  an  ihrer  Herren  Tische  sassen  und 
Yon  ihnen  bedient  wurden.  In  dieser  Form  hat  sich  freilich  die 
Sitte  nicht  erhalten ;  es  ist  aber  nicht  unmöglich,  dass  in  der  Er- 
hebung irgend  eines  Kindes  aus  dem  Yolke  zu  der  hohen  Bi- 
schofswürde die  selbe  Orundidee  der  „Umwertung  aller  Werte ^ 
steckt. ''^  Damit  hängt  zusammen  die  Auslosung  eines  Fest- 
königs oder  besser  Narrenkönigs,  der  dann  die  geselligen  Spiele 
za  leiten  hatte.  Da  diese  Sitte  auch  bei  den  römischen  Soldaten 
der  Kolonien  im  Schwange  war,  vermutet  Paul  Wendland'*) 
hinter  der  Verspottung  Christi  den  selben  Brauch,  zumal  da  die 
Sitte,  den  König  nachher  hinzurichten,  auch  durch  das  Martyrium 
des  hl.  Dasius  in  Mösien  (20.  Nov.  303)  bezeugt  ist.  '^) 

Unsere  Zunftmähler  entsprechen  den  öffentlichen  Gast- 
mählern an  den  römischen  Saturnalien,  und  auch  die  nächtlichen 

'*j  Beschreibungen  bei  Preller-Jordan,  Rom.  Myth.  n,  15 ff. ;  Schich, 
Privataltertümer  §  273;  Wmsowa  in  Iw.  Müllers  Haodb.  V,  iv,  169  ff.;  Paily, 
Realenkykl.  VI,  I,  824;  Mabquardt,  Rom.  Staatsverwaltung  ni,  562;  Mar- 
viiTAROT,  Privatleben  I,  245;  Friedlander,  Sittengesch.  II  (1864)  146;  P,  346; 
ToiiA«cH«K,  in:  Wiener  Sitzünosberr.  (Ph.-H.  Kl.)  60,  351  ff.  —  «)  Vgl.  Fr. 
Vogt,  Die  schlesischen  Weihnachtsspiele  (1901)  S.  92.  Auch  Du  Tilliot, 
Mdm.  p.  servir  ä  Thist..  de  la  F^te  des  Foox,  p.  8  sagt:  ,Par  la  seule  ex- 
Position  des  Satamales,  11  est  aist^  de  se  former  une  id^e  de  Ja  Fete  dos 
Fouz,  car  comme  dans  les  Satumales  les  Valets  faisoient  les  fonctions  de 
leurs  maltres,  de  mSme  dans  la  F^te  des  Foux  les  jeunes  Clercs  et  les 
autres  ministres  införienrs  de  l'Eglise  officoient  publiqiiement  et  solemnelle- 
ment,  pendant  certains  jours  consacrös  'X  honorer  les  Myst^res  du  Christia- 
nisme.  —  ")  „Jesus  als  Satumalienkönlg".  Hermes  *33,  (1898)  175.  —  '♦)  L. 
Pakxevtike,  in  Revue  de  Philologie  21,  143  ff. 

9 


130  Neujahrsfeier  im  alten  Basel  und  Verwandtes. 

Lärmomzüge  haben  ihr  Analogon  in  dem  nachherigen  aasge- 
lasseoen  UmBchwärmeD  unter  Ausstossung  des  Rufes  „lo  Sator- 
nalia^,  eine  Sitte,  die  ausdrücklich  auch  von  den  romischeo 
Soldaten  in  Brittannien  überliefert  ist.  Femer  wurden  an  den 
Saturnalien  Geschenke  (Wachskerzen  und  Puppen)  verteilt;  doch 
ist  dieser  Gebrauch  eben  so  charakteristisch  für  die  Januars- 
kalenden ^^),  die  noch  weit  überraschendere  Analogien  bieten. 
Das  gegenseitige  Glückwünschen  am  1.  Januar  war  in  Rom 
allgemein  gebräuchlich.  Man  that  es  oft  in  Form  von  Zusendung 
einer  Lampe  oder  eines  Bechers,  die  etwa  die  Inschrift  „Anno 
novo  faustum  felix  tibi^  trugen,  oder  noch  lieber  eines  Geld- 
stücks; denn  Geld  am  ersten  Tage  des  Jahres  bedeutet,  wie 
noch  heutzutage,  Wohlstand  fürs  ganze  Jahr;  daher  nahmen  so- 
gar die  Kaiser  ein  Geldstück  als  Neujahrsgeschenk  an.  Den 
gleichen  Sinn  hatte  die  Yerehrung  von  allerhand  Leckereien, 
wie  Feigen,  Datteln,  Lebkuchen  ,^zum  guten  Omen,  dass  das 
neue  Jahr  nur  Süsses  und  Angenehmes  bringen  möge.^  Diese 
Geschenke  nannte  man  in  Rom  „strenaB^,  welches  Wort  sich  in 
dem  französischen  „^trennes^  noch  fortgesetzt  hat.  Ursprüng- 
lich sollen  nun  aber  diese  „strense^  in  glückbringenden  Zweigen 
bestanden  haben,  die  man  dem  heiligen  Haine  der  Göttin  Strenia 
entnahm.  Daher  die  spätere  Sitte ,  den  Neujahrsgeschenken 
grünende  Zweige  als  besonderes  Glücksomen  beizufügen.  Es 
liegt  nahe,  auch  diese  Sitte  mit  dem  Grünschmuck  der  Häuser 
in  Beziehung  zu  bringen,  aus  dem  dann  der  mistletoe  und  unser 
Weinachtsbaum  entstanden  ist.  Endlich  sei  noch  erwähnt,  dass 
es  auch  zu  Neujahr  üblich  war,  opulente  Mahlzeiten  abzu- 
halten und  zwar  glaubte  man  auch  hier,  dass  die  möglichst 
grösste  Fülle  von  guter  Vorbedeutung  sei  für  das  kommende  Jahr. 

Damit  schliesse  ich  ab.  Möge  es  mir  gelungen  sein,  'zu 
zeigen,  dass  es  auch  an  Hand  lokaler  Gebräuche  möglich  ist, 
durch  Beiziehung  analoger  Verhältnisse  zu  allgemeinen,  geistes- 
geschichtlichen Agentien  vorzudringen.  Das  wird  überhaupt  je 
und  je  unsre  Aufgabe  sein  müssen.  Durch  die  aprioristisch^ 
Annahme  einer  spontanen  und  autochthonen  Entstehung  lokaleir 
Bräuche  kommen  wir  über  ein  Anhäufen  von  Material  nich't; 
hinaus.     Stellen  wir  uns  aber   auf  eine   höhere  Warte   und  er— 


")  Vgl.    pRELLER-JoRDAx,   a.  2L.  0.    I,  179 ;   Marquardt,   Privatleben  I, 
245;  HosriNiANus,  Festa  Jud.  et  Ethn.  1674,  fol.  91. 


Allerhand  Aberglauben  aus  dem  Kanton  Bern.  131 

blicken  um  ans  und  hinter  uns  verwandte  Züge,  dann  sind  wir 
aach  berechtigt,  nach  der  bewegenden  Kraft  zu  fragen,  die  sich 
in  diesen  gemeinsamen  Anschauungen  fühlbar  macht 

In  unserm  Falle  ist  es  ein  grosser  Grundzug,  der  in  diesen 
Tagen  winterlichen  Todesdunkels  die  Herzen  der  ganzen  Mensch- 
heit durchströmt  und   in  Yolksbräuchen   zum   elementaren  Aus- 
bruch kommt:  die  unsterbliche  Sehnsucht  nach  Licht  und  Lebeu. 
(Die  Anhänge  folgen  in. der  nächsten  Nummer.) 


Allerhand  Aberglauben  aus  dem  Kanton  Bern. 

Gesammelt  von  G.  Züricher  und  M.  Reinhard  in  Bern. 

1.  Wenn  ein  Kind  geboren  wird,  soll  man  es  in  das  Nacht- 
iienad  des  Vaters  wickeln,   damit  dieser  es  auch  lieb  bekomme. 

(8.  Gotthelf,  „Der  Bauemspiegel",  Kap.  37.1  Bern. 

2.  Wenn  ein  Kind  geboren  ist,  schaut  man  im  Kalender 
OM^li,  was  für  ein  Zeichen  an  dem  Tag  steht.  Hat  der  folgende 
^&Sr  ^  gleiche  Zeichen,  so  wird  das  nächste  Kind  vom  gleichen 
Ööa<shlecht  sein.  Langnau. 

3.  Bevor  das  Kind  zur  Taufe  getragen  wird,  soll  es  die 
ViA-tter  auf  beide  Wangen  küssen,  damit  es  Grübchen  in  den 
^«.Bgen  bekomme.  Bern. 

(8.  ßothenbach«)  Nr.  38.  39;  Vgl.  Nr.  68.) 

4.  Wenn  die  Patin  das  Kind  aus  der  Taufe  bringt,  soll 
in&Xk  ihr  ein  Glas  Wein  vor  die  Dachtraufe  bringen,  das  sie 
stdltend  und  ohne  zu  sprechen  trinken  soll,  damit  das  Kind 
^r\  werde.  Bern. 

5.  Man  tauft  die  Kinder  oft  nach  Verstorbenen,  z.  B.  Gross- 
rit^m,  Onkeln,  Tanten,  aber  nicht  gern  nach  ihren  verstorbenen 
^^^^chwistem,  da  man  sagt,  das  bringe  dem  Einde  auch  den  Tod. 
Bern,  Thun. 

^)  Volkstümliches  aus  dem  Kanton  Bern.  Lokalsagen  und  Satzungen 
^^^  Aberglaubens.  Gesammelt  von  H.  Grün  holz  er.  Zusammengestellt 
^"^^   berausgegeben  von  J.   E.  Rothenbach.    Separat-Abdruck   aus   der 

i^eueo  Alpenpost*".    Zürich   1876.    Ganz   Uebereinstimmendes  haben   wir 

^^bt  anfgenommeo. 


132  Allerhand  Aberglauben  aus  dem  Kanton  Bern. 

6.  Die  anversehrte  Rinde  eines  Apfels  wird  über  die  linke 
Schulter  geworfen.  Der  Buchstabe,  der  dabei  entsteht,  ist  der 
Namenszug  des  künftigen  Oeliebten.  Bern. 

7.  Dem  Mann,  den  man  heiraten  mochte,  muss  man  3  Bluts- 
tropfen im  Wein  zu  trinken  geben.  Bern. 

8.  Man  legt  ein  yierblättriges  Kleeblatt  in  den  Schuh;  der 
Bräutigam  (resp.  die  Braut)  wird-  den  gleichen  (Yor)namen  tragen, 
wie  die  Person,  der  man  zuerst  begegnet.  Bern. 

9.  Man  zählt  alle  Schimmel,  die  Einem  in  den  Weg  kom- 
men. Wenn  man  bei  der  Zahl  99  angekommen  ist,  so  achte 
man  darauf,  wenn  Einem  ein  Kaminfeger  begegnet;  denn  den 
nächsten  Mann,  der  Einem  darauf  die  Hand  reicht,  wird  man 
heiraten.  Statt  der  Schimmel  kann  man  auch  Rappen  zählen, 
nur  tritt  dann  für  den  Kaminfeger  ein  Zuckerbäcker  ein. 

Bern. 

10.  Aus  aufgeschichtetem  Holz  wird  ein  Scheit  gezogen, 
dessen  Gestalt  (ob  grade,  krumm,  lang,  kurz)  zeigt  dann  die  des 
künftigen  Oeliebten  an.  Bern. 

11.  Wer  bei  der  Hochzeit  den  Fuss  zuerst  in  die  Kirche 
setzt,  wird  während  der  Ehe  herrschen.  Bern. 

12.  Wenn  eine  Braut  ihr  Hochzeitskleid  selber  macht, 
bringt  es  ihr  Unglück.  Bern. 

13.  Solange  eine  Frau  das  erste  Wort,  das  der  Mann  nach 
der  Trauung  zu  ihr  spricht,  nicht  vergisst,  kann  sie  jeden  Knoten 
und  jedes  „Ghürsch'^  (Wirrwarr)  losen.  LützelflOh. 

14.  Wenn  dem  Ehepaar  auf  der  Hochzeitsreise  zuerst  ein 
Mann  begegnet,  so  stirbt  zuerst  der  Mann,  wenn  eine  Frau, 
die  Frau.  Bern. 

16.  Wenn  man  ein  Kleid  zum  ersten  mal  trägt,  muss  maik^ 
sich  in  jede  Tasche  ein  kleines  Geldstück  schenken  lassen:  da^ 
bringt  Glück.  Bern. 

16.  Mit  Messer,  Scheere,  Nadel  etc.  muss  man  zugleicTS 
ein  kleines  Geldstück  schenken,  wenn  man  die  Freund8cha.^f 
nicht  zerschneiden  will; 

oder  man  muss  den  Empfänger  damit  stechen; 

oder  der  Empfanger  darf  nicht  danken  dafür.  Bern . 


Allerhand  AberglaubeD  aus  dem  EaDton  Bern.  133 

17.  Wenn  Einem  ein  Stück  Brot  in  den  Kaffee  (Suppe  etc.) 
tältj  80  erhält  man  ein  Oeschenk  oder  einen  Brief  mit  erfreu- 
lichen Nachrichten.  Bern. 

18.  Wer  weisse  Flecken  auf  den  Fingernägeln  hat,  erlebt 
freadiges,  sobald  die  Flecken  bis  an  den  Rand  des  Nagels  ge- 
rückt sind.  Bern. 

(8.  RotheDbach  Nr.  358a.  b.) 

19.  Wenn  Einen  die  Nase  beisst,  bekommt  man  Besuch 
oder  ein  Geschenk.  Bern. 

(Vgl.  Nr.  41.) 

20.  Wenn  es  nach  dem  Kirchgang  in  den  Brautschleier 
regnet,  bringt  es  Olück  in  die  Ehe,  wenn  vor  demselben^ 
Unglück.  Bern. 

21.  Wenu  man  hundert  Schimmel  oder  hundert  Yelocipedes 
gezählt^  acht  weisse  Tauben  und  einen  Kaminfeger  gesehen  hat, 
80  findet  man  etwas.  Bern. 

22.  Während  des  Fallens  einer  Sternschnuppe  kann  man 
sich  etwas  wünschen:  das  geht  dann  in  Erfüllung.  Bera. 

23.  Wenn  man  am  Abend  einen  einzigen  Stern  sieht, 
wünscht  man  sich  etwas:  das  geht  dann  in  Erfüllung.        Bern. 

24.  Yon  6  (4^  8  etc.)  Grashalmen,  die  von  einer  zweiten 
Person  so  in  der  Hand  gehalten  werden,  dass  nur  je  ein  Ende 
oben  herausschaut,  bindet  man  je  zwei  Enden  auf  der  einen 
und  dann  auf  der  andern  Seite  zusanmien;  dann  entstehen 
entweder  ein,  zwei  oder  drei  Kränze;  während  des  Bindens 
wünscht  man  sich  etwas,  das  ganz  erfüllt  wird,  wenn  nur 
ein  Kranz,  halb,  wenn  zwei,  und  gar  nicht,  wenn  drei  Kränze 
entstanden  sind.  Bern. 

25.  Wenn  zwei  Personen  unabsichtlich  das  gleiche  Wort 
sagen,  reichen  sie  sich  die  kleinen  Finger  und  wünschen  sich 
etwas  —  ohne  zu  sprechen  — :  das  wird  erfüllt.  Bern. 

26.  Eine  ausgefallene  Augenwimper  bläst  man  vom  Finger 
weg  und  wünscht  sich  dabei  etwas:  das  wird  erfüllt.         Bern. 

27.  Wenn  bei  Tisch  gar  nichts  in  der  Schüssel  zurück- 
bleibt, to  gibt  es  gutes  Wetter.  Bern. 

28.  Um  etwas  Verlorenes  finden  zu  können  sagt  man: 
Doggeli,  hock  drab.  Bern. 

(Vgl.  Züricher,  Kinderlied  und  Kinderspiel  Nr.  62.) 


134  Allerhand  Aberglauben  aus  dem  Kanton  Bern. 

29.  Wenn  man  ein  neues  EUeid  zneret  zum  Kirchgang  an- 
zieht, wird  man  damit  Glück  haben.  Ltttzelfiüb. 

30.  Wenn  von  vier  Personen  sich  je  zwei  die  Hände  so 
reichen,  dass  ein  Kreuz  entsteht,  so  heiratet  bald  eine  davon.  - 

Bern. 

31.  Auf  der  Reise  bringen  Schafe  auf  der  linken  Seite 
Glück,  auf  der  rechten,  Unglück.  Bern. 

82.  Wo  ein  katholischer  Pfarrer  durchgegangen  ist,  findet 
man  etwas.  Bern. 

33.  Wenn  die  Zuckerbläschen  auf  dem  Thee  oder  Kaffee 
sich  alle  in  der  Mitte  der  Oberfläche  treJBTen,  schickt  Einem 
Jemand  in  Gedanken  einen  Kuss;  gelingt  es  Einem,  sie  alle  mit 
dem  Löffel   aufzufangen,   so  bekommt   man   den   Kuss  wirklich. 

Bern. 

34.  W^enn  man  die  Butter  anschneidet,  bekommt  man  keinen 
Mann.  Bern. 

35.  Wenn  man  die  Milch  vor  dem  Zucker  in  den  Thee 
giesst,  gibt  es  eine  unglückliche  Liebe,  oder  man  bekommt 
keinen  Mann  (oder  keine  Frau).  Bern. 

36.  Wer  einen  Brautkranz  aufsetzt,  ohne  Braut  zu  sein, 
wird  nie  Braut.  Bern. 

37.  Wer  an  sieben  Hochzeiten  war,  kommt  nie  an  die 
eigene.  Bern. 

38.  Wenn  die  Vögel  die  Haare  zum  Ne^terbau  verwenden, 
wird  man  früh  grau;  Wichtrach. 

oder  man  bekommt  Kopfschmerzen.  Bern. 

39.  Eine  Arbeit,  die  man  am  Samstag  beginnt,  wird  nie 
fertig  oder  gerät  nicht.  Bern. 

40.  Wenn  ein  Hund  gegen  den  Himmel  heult,  gibt  es 
eine  Feuersbrunst,  heult  er  aber  gegen  den  Boden,  so  stirbt 
bald  Jemand.  Bern. 

(8.  Rothenbach  Nr.  290.  347.) 

41.  Wenn  Einen  die  Nase  beisst,  versäumt  man  ein  gutes- 
Essen.  Bern. 

(Vgl.  Nr.  19.) 

42.  Wenn    vier   Personen    sich    die    Hände    übers    KreusE 
reichen,  gibt  es  Streit  und  Unglück.  Bern. 

(Vgl.  Nr.  30.) 


Allerhand  Aberglauben  aus  dem  Kanton  Bern.  135 

43.  Einer  Katze  am  Kreuzweg  begegnen  bringt  Unglück. 

Bern. 

44.  Wenn  mao  am  Morgen  zuerst  mit  dem  linken  Bein 
ans  dem  Bett  geht ,  ist  man  den  ganzen  Tag  schlecbter 
Laune.  Bern. 

(Vgl.  die  Redensart  „mit  em  lätzo  Bei  zum  Bett  usfahre'*.) 

45.  Wenn  ein  Jäger  zuerst  einer  alten  Frau  begegnet,  kehrt 
er  um,  weil  er  an  diesem  Tag  kein  Glück  hat.  Bern. 

(8.  Rothenbach  Nr.  370  fr.) 

46.  Was  man  träumt,  wenn  man  die  erste  Nacht  an  einem 
neuen  Ort  schläft,  trifft  eio.  Bern. 

47.  Was  man  vom  Samstag  auf  den  Sonntag  träumt,  wird 
wahr.  Bern. 

48.  Wenn  man  von  Eiern  oder  von  schmutzigem  Wasser 
träumt,  entsteht  Streit.  Bern. 

(8.  Rothenbach  Nr.  424.  A'2S.) 

49.  Wenn  man  träumt,  die  Zähne  fallen  Einem  aus,  so  ent- 
steht Krankheit  in  der  Familie,  oder  man  verliert  einen  Freund. 

Bern. 

50.  Wenn  man  von  kleinen  Kindern  oder  schwarzen  Kirschen 
träumt,  Ro  stirbt  bald  ein  Verwandter  oder  Freund.  Bern. 

(s.  Rothenbach  Nr.  422.) 

51.  Weon  man  von  Läusen  träumt,  so  erhält  man  viel  Oeld. 
(8.  Rothenbach  Nr.  427.)  Bern. 

52.  Wenn  eine  fremde  schwarze  Katze  ins  Haus  läuft,  so 
j^ibt  es  eine  Hochzeit.  Wohlen,  Bern. 

53.  Wenn  3  Lichter  unerwartet  in  einem  Hause  zusammen- 
kommen, so  gibt  es  eine  Braut  im  Haus.  Bern. 

54.  Wenn  eine  Frau  spinnt,  bevor  das  Kind  getauft  ist, 
so  fertigt  sie  für  dasselbe  eioen  Strang.  Bern. 

55.  Wenn  Einem  ein  Zweig,  besonders  eine  Dornenranke, 
am  Kleid  hängen  bleibt,  ist  es  ein  Zeichen,  dass  man  einen 
Verehrer  hat.  Bern 

56.  So  viel  Finger  beim  Ziehen  an  denselben  knacken,  so 
viele  Verehrer  hat  man  Bern. 

57.  Wenn  Einem  Haarnadeln  ausfallen  oder  das  Schuhband 
aufgeht,  denkt  Jemand  an  Einen; 

oder  ein  Verehrer  wird  Einem  untreu.  Bern. 


136  Allerhand  Aberglauben  aus  dem  Kanton  Bern. 

68.  WeoD  2  Penooen  unabsichtlich  mit  einander  das 
gleiche  Wort  sagen,  so  haben  sie  einen  Schneider  aus  der 
Hölle  erlöst.  Bern. 

59.  Um  zu  wissen,  ob  und  wie  man  geliebt  wird,  z&hlt 
man  die  Zungenblüten  an  den  Johannisblamen  und  sagt  dazu: 
man  liebt  mich,  von  Herzen,  mit  Schmerzen,  über  alle  Massen, 
ein  wenig,  gar  nicht; 

oder:  man  liebt  mich,  man  liebt  mich  nicht.  Bern. 

60.  Um  zu  wissen,  ob  man  sich  für  oder  gegen  etwas  ent- 
scheiden soll,  zählt  man  die  Knöpfe  am  Kleid,  indem  man  z.  B. 
beim  ersten  ja,  beim  zweiten  nein  sagt.  Kommt  man  zum  letzten 
mit  ja,  so  entscheidet  man  sich   für  die  Sache  und  umgekehrt. 

Bern. 

61.  In  den  Läden  hat  man  es  gern,  wenn  am  Morgen 
zuerst  eine  junge  Person  etwas  kauft;  das  gibt  einen  guten  Tag. 

Bern. 

62.  In  einem  Laden  wurde  am  Sylvester  etwas  verlangt, 
was  nicht  vorhanden  war;  der  Ladenbesitzer  war  froh,  dass  ihm 
das  nicht  am  ersten  oder  zweiten  Tag  des  Jahres  begegnete, 
weil  ihm  das  eine  schlechte  Vorbedeutung  für  das  ganze  Jahr 
gewesen  wäre.  Bern. 

63.  Wenn  man  Ohrenläuten  hat,  sagt  man  die  Namen 
seiner  Bekannten  her;  bei  demjenigen,  der  an  Einen  denkt,  hört 
das  Läuten  auf.  Bern. 

64.  Wenn  man  Ohrenläuten  hat,  sagt  man  eine  Zahl  (nicht 
über  25)  und  sucht  den  betreffenden  Buchstaben  aus  dem 
Alphabet;  es  ist  der  Anfangsbuchstabe  des/ Namens  der  Person, 
die  an  Einen  denkt  und  zwar  in  gutem  Sinn,  wenn  es  im  rechten, 
in  schlechtem,  wenn  es  im  linken  Ohr  läutet.  Bern. 

(s.  Gotthelf,  „Uli  der  Knecht«,  Kap.  26.) 

65.  Wer  ao  der  Fingerbeere  gerade  laufende  Linien  hat, 
bekommt  wenig  Kinder,  wer  Schleifen  hat,  viele.  Bern. 

66.  Um  zu  wissen,  ob  man  viel  oder  wenig  Kinder  be- 
komme, wirft  man  die  Röhrenblüten  der  Johannisblumen  in  die 
Höhe  und  fangt  sie  mit  dem  Haudrücken  auf;  fangt  man  viele 
auf,  so  bekommt  man  viele  Kinder,  und  umgekehrt.  Bern. 

67.  Die  Linien  unterhalb  der  Handwurzel  der  Linken  zeigen 
das  Alter  an,  das  Einem   „geordnet*'    ist  (d.  h.,   das   bei   unge- 


Allerhand  AberglaubeD  aus  dem  Kanton  Bern.  137 

störtem  Ablauf  der  Ereignisse  erreicht  würde),  die  unterhalb 
der  Beohten  das,  was  ^^kommt*'  (was  wirklich  erreicht  werden 
wird);  und  zwar  bedeutet  je  eine  starke  Linie  je  30  Jahre,  eine 
schwache  relativ  weniger  u.  s.  f.  Bern. 

68.  Grübchen   auf  den    Wangen    eines    Kindes    sind    ein 
Zeichen,  dass  dort  Engel  geruht  haben.  Bern. 

(Vgl  Nr.  3.) 

69.  Wenn  etwas  binnen  kurzer  Zeit  zweimal  eingetreten  ist, 
80  wird  dasselbe  auch  ein  drittes  Mal  eintreten.  Bern. 

(Vgl.  die  BedenBart  ^was  sech  zwöiet,  das  dreiet  sech**.) 

70.  Gegen   Seitenstechen   oder   Schlucken   muss   man   mit 
Speichel  ein  Kreuz  vorn  auf  den  Schuh  machen; 

oder   man   macht   am  Boden   ein    Grüblein,  spuckt   hinein 
und  deckt  es  wieder  zu.  Bern. 

71.  Gegen    Schlucken    soll    man    die    Namen    von    sieben 
Pfarrern  in  einem  Atemzuge  sagen.  Bern. 

72.  Die  ersten  ausgefallenen  Zähne  wirft  man  in  eine  Ecke 

and  sagt  dazu: 

MQbH,  Müsli,  nimm  der  Zahnd, 
Gl  mer  e  schöne  wysse, 
Das  i  cha  Fleisch  u  Brot  dermit  bysse. 
(s.  Rothenbach  Nr.  109.)  Langenthai 

73.  Damit  der  neue  Zahn  weiss  bleibe,  wirft  man  den  aus- 
gezogenen über  die  Schulter  ohne  ihm  nachzublicken  und  sagt: 

Müsli,  Müsli,  gi  mer  e  wysse, 
Das  i  cha  Fleisch  u  Brot  dermit  bysse. 
(s.  Rothenbach  Nr.  109.)  Langenthai. 

74.  Gegen  Zahnschmerzen  soll  man  jeden  Morgen  den 
linken  Strumpf  zuerst  anziehen.  Bern 

76.  Gegen  Zahnschmerzen  soll  man  am  Charfreitag  vor 
Sonnenaufgang  von  laufendem  Wasser  trinken.  LützelHUh 

76.  Gegen  Zahnschmerzen  soll  man  auf  dem  Kirchhof  einem 
Totenschädel  einen  noch  stehenden  Zahn  ausziehen  und  ihn  in 
der  Tasche  tragen.  Lützelfltth 

77.  Gegen  Zahnschmerzen  soll  man  eine  schwarze  Schnecke 
in  den  Mund  nehmen.  LützelHüb 

78.  Gegen  Warzen  soll  man  ein  Stück  Fleisch  oder  Speck 
auf  dieselben  legen,  mit  der  andern  Hand  ein  Grüblein  graben, 


J38  Allerhand  Aberglauben  aus  dem  Kanton  Bern. 

dann  das  Fleisch  nach  2  Minuten  in  das  Gh-üblein  legen.  Sobald 
es  verfault  ist,  verschwinden  die  Warzen.  —  Es  darf  Einem  aber 
Niemand  dabei  zusehen,  sonst  nützt  der  Zauber  nichts      Bern. 

79.  Gegen  Warzen  werden  der  Name  und  das  Geburts- 
datum auf  die  eine  Hälfte  eines  langen  Papierstreifens  ge- 
schrieben; dieser  wird  Hrn.  H  .  .  .  gegeben,  der  zur  Zeit  des 
Neumondes  etwas  damit  anfängt  (?),  worauf  die  Warzen  ver- 
schwind en.  Bern. 

80.  Gegen  Warzen  macht  man  in  ein  seidenes  Bändchen 
so  viele  Knoten  als  man  Warzen  hat;  dieses  steckt  man  in  die 
Tasche;  wenn  man  es  zufällig  verliert;  verschwinden  die  Warzen. 

(8.  Rothenbach  Nr.  46 -i)  Bern. 

81.  Gegen  Warzen  stiehlt  man  so  viele  Erbsen,  als  man 
Warzen  hat  und  wirft  sie  über  die  linke  Schulter  ins  Feuer. 

Bern. 

82.  Wenn  man  die  Warzen  während  einer  Beerdigung 
unter  sieben  Brunnen  wäscht,  so  verschwinden  sie.  Bern. 

83.  Man  soll  andern  Leuten  die  Warzen  nicht  zählen, 
weil  man  sie  sonst  selber  bekommt,  während  sie  bei  andern 
verschwinden.  Bern. 

84.  Gegen  Rheumatismus  muss  man  drei  selbstgepflückte 
Rosskastauien  in  der  Tasche  tragen.  Bern. 

85.  Gegen  Rheumatismus  soll  man  eine  lebendige  Kröte 
in  einem  Säcklein  auf  der  Brust  tragen.  Bern. 

86.  Eine  Frau  trug  gegen  Rotlauf  ein  Zweirappenstück  an 
einem  Schnürchen  um  den  Hals.  .  Lützelflüh. 

87.  Gegen  Sommersprossen  soll  man  sich  mit  Maientau 
waschen.  Bern. 

88.  Damit   das  Kind   nicht  Zahnfisteln   bekomme,   soll   die 
Mutter    durch    die    Brust    einen    Faden    ziehen    und    ihn    dort- 
lassen. Bern. 

89.  Gegen  Krebs    soll    man    auf   die  kranke  Stelle    einecs 
Krebs  auflegen  und  ihn  liegen  lassen,  bis  er  tot  ist.  Bern. 

90.  Schwache    Augen    stärkt    man,    wenn    tnan    sie  jede^K: 
Abend  mit  Speichel  bestreicht.  Bern. 

91.  Einen  Kropf  vertreibt  man,  wenn  man  ihn  jeden  Abezm« 
mit  Speichel  einreibt.  Bern. 


Allerhand  Aberglauben  aus  dem  Kanton  Bern.  139 

92.  Wenn  man  sich  gebrannt  hat,  muss  man  die  drei  höch- 
sten Namen  sagen,  damit  keine  Blase  entstehe.  Bern. 

93.  Gegen  Schwitzen  soll  man  zwei  zerriebene  Nussblätter 
in  der  Tasche  tragen.  Bern. 

94.  Gegen  Hühneraugen  soll  man  drei  Freitage  nachein- 
ander die  Füsse  baden.  Lützelflüh. 

95.  Eine  Frau,  die  den  Boden  scheuerte,  hielt  sich  plötz- 
lich die  Hände  Yors  Gesicht  und  blieb  einige  Zeit  ganz  unbe- 
weglich; als  man  sie  fragte,  was  sie  habe,  antwortete  sie,  sie 
habe  sich  in  den  drei  höchsten  Namen  besegnen  müssen,  denn 
die  drei  höchsten  Blutstropfen  seien  „fürers  gfalle**.  Bern. 

(Vgl.  Rochholz,  Deutscher  Glaube  und  Brauch,  I.  Band,  S.  40flf.) 

96.  Bei  einem  Gewitter  muss  man  ein  Leintuch  mit  drei 
Zipfeln  unter  die  Dachtraufe  halten,  damit  der  Blitz  nicht  ein- 
schlägt. Bern. 

97.  Bei  einem  Gewitter  legt  man  ein  Besteck  unter  die 
Dachtraufe,  damit  der  Blitz  nicht  einschlägt.  Bern. 

98.  Bei  einem  Gewitter  stellt  man  Speisen  in  die  offene 
Daehlucke,  damit  der  Blitz  nicht  ins  Haus  schlägt.    Wichtracb. 

99.  Wenn  man  etwas  rühmt,  seine  Gesundheit,  sein  Glück 
etc.,  so  soll  man  nachher  immer  sagen  ^  unberufen  *"  und  dazu 
dreimal  auf  die  untere  Seite  der  Tischplatte  klopfen.         Bern. 

100.  Schwalben  sollen  nicht  ins  Haus  genommen  werden, 
sonst  stirbt  Jemand  im  gleichen  Jahr.  Bern. 

101.  Wenn  Jemand  im  Tod  nicht  steif  wird,  so  stirbt  bald 
Jemand  anders  nach.  Bern. 

102.  Wer  den  Toten  zuletzt  anschaut,  stirbt  bald  darauf 
auch.  Bern. 

103.  Wenn  die  Mäuse  Häuflein  von  Staub  oder  Papier 
etc.  zusammentragen,  so  stirbt  bald  Jemand.  Bern. 

(8.  Rothenbach  Nr.  410.) 

104.  Wenn  sich  ein  Rabe  oder  eine  „Wiggle^  auf  ein  Dach 
setzen  und  ^chreien,  so  stirbt  bald  jemand  im  Haus.         Bern. 

(8.  Rothenbach  Nr.  337  ff.) 

105.  Wenn  ein  vor  einen  Leichenwagen  gespanntes  Pferd 
Tor  einem  Haus  scharrt,  so  stirbt  bald  Jemand  in  diesem  Haus. 

Wohlen. 


140  AllerhaDd  Aberglauben  auB  dem  Kanton  Bern. 

106.  Wenn  über  den  Sonntag  eine  Leiche  im  Haus  liegt, 
80  stirbt  bald  Jemand.  Wohlen. 

107.  Wenn  eine  Scheibe  plötzlich  springt,   stirbt  Jemand. 

Wohlen. 

108.  Wenn  ein  Hochzeitszug  einem  Leichenzug  begegnet, 
so  stirbt  bald  die  Braut  oder  der  Bräutigam.  Spiez. 

109.  Wenn  drei  Krähen  zusammen  auf  ein  Haus  fliegen 
und  krähen,  stirbt  dort  Jemand.  Bern. 

(8.  ßothenbach  Nr.  339.) 

110.  Wer  bei  der  Trauung  zuerst  kniet  oder  zuerst  ,Ja' 
sagt,  stirbt  zuerst.  Bern. 

111.  Wenn  ein  Huhn  einen  Strohhalm  ins  Haus  trägt,  stirbt 
Jemand.  Bern. 

112.  Plötzlicher  Sprung  in  einem  Hausgerät  bedeutet  den 
Tod  eines  Hausbewohners.  Bern. 

113.  Wenn  Jemand  gestorben  ist,  bindet  man  ein  weisses 
Tuch  (gewöhnlich  dasjenige,  mit  dem  man  dem  Toten  den 
Seh  weiss  abgewaschen  hat)  um  einen  Baum; 

a)  wenn  das  Tuch  verfault  ist,  ist  der  Tote  auch  verfault; 

b)  wenn  der  betreffende  Baum   gedeiht,   ist   der  Tote   im 
Himmel,  gedeiht  er  nicht,  so  ist  er  in  der  Hölle.     Bern. 

114.  Qegen  das  Doggeli  soll  man  ein  Messer  über  dem 
Bett  einstecken.  Kehrsatz. 

(8.  Rothenbacli  Nr.  77  ff.) 

115.  Gespenster  soll  man  ja  nicht  dutzen;  man  rufe:  ^I 
Ootts  Name,  was  weit  der?*^  so  können  sie  nicht  schaden,  auch 
kann  man  sie  eher  erlösen.  Wohlen,  Bern. 

116.  Läuse,  die  Einem  angehext  werden,  kann  man  nur 
durch  Gegenhexerei  vertreiben.  Man  steckt  drei  lebendige  Läuse 
an  eine  Stecknadel  und  wirft  diese  ins  offene  Feuer  und  spricht 
dazu  den  Namen  der  Hexe  aus.  Sofort  verschwinden  die  Laus» 
und  die  Hexe  bekommt  ein  schreckliches  Brandmal  im  Gesicht. 

Därstetten. 

117.  Es  gibt  Leute,    die   durch  Zauberei   die  Eier   ziehen 
können,  so  dass  sie  aus  fremden  Hühnerställen  durch  die  Luft 
zu  ihnen  fliegen ;  dagegen  kann  man  sich  auch  nur  durch  Gegen- 
zauber  schützen.  Mittelland,  Därstetten. 


Allerhand  Aberglanben  aas  dem  Kanton  Bern.  141 

118.  Im  Schloss  Bipp  soll  ein  Mönch  spuken;  wenn  man 
ihn  antrifft,  löscht  er  Einem  das  Licht  ans  und  man  wird  ge- 
schwollen. Bern. 

119.  Einem  Bauer  war  die  Thüre,  so  oft  er  in  den  Stall 
gehen  wollte,  „yerha^,  andere  konnten  sie  ohne  weiteres  öffnen. 

Wohlen. 

120.  Wenn  man  ein  schwarzes  Tier  im  Hause  hat,  kommen 
die  Gespenster  nicht.  Deshalb  halten  sich  viele  Leute  schwarze 
Katzen  oder  Hunde.  Bern. 

(8.  Rothenbach  Nr.  294.) 

121.  Im  Schloss  Rümligen  verschwinden  nach  kurzer  Zeit 
alle  Hunde  spurlos;  plötzlich  heult  der  Hund,  wie  wenn  er  einen 
Schlag  bekommen  hätte,  und  darauf  verschwindet  er.        Bern. 

122.  Wenn  man  Gespenster  antrifft,  muss  man  die  drei 
höchsten  Namen  sagen,  um  sie  zu  erlösen.  Bern. 

123.  Im  Mädchen  Waisenhaus  sind  eine  Menge  Waschbütten, 
die  man  ineinander  stellt;  in  der  heiligen  Zeit  fallen  sie  immer 
auseinander.  Bern. 

124.  In  der  grossen  Kastanie  beim  Aebischlössli  sass  eine 
Eule,  die  abends  den  Leuten,  welche  dort  vorbei  durch  den 
alten  Feldweg  gehen  wollten,  die  Augen  auszukratzen  versuchte ; 
deshalb  machten  viele  Leute  den  Umweg  der  breiten  Strasse 
nach.  Bern. 

125.  Ein  Oberst,  der  den  Sonderbunds-Feldzug  mitmachte, 
kam  nach  Luzern,  wo  er  sich  in  eine  Kellnerin  verliebte.  Man 
warnte  ihn  vor  ihr,  weil  sie  den  bösen  Blick  habe.  Er  zog  sich 
zurück,  magerte  aber  von  da  an  schrecklich  ab;  er  sagte,  jedes- 
mal, wenn  er  kaum  eingeschlafen  sei,  springe  ihm  etwas  auf  die 
Brust.  Man  riet  ihm,  sich  mit  dem  Säbel  zu  Bett  zu  legen; 
er  that  es  und  es  sprang  eine  schwarze  Katze  zum  Fenster 
herein.  Er  schlug  sie  auf  die  Pfote  und  sie  sprang  mit  einem 
Seufzer  davon;  aber  am  Morgen  fand  er  neben  seinem  Bett  eine 
Frauenhand.  Spiez. 

126.  Damit  keine  Hexe  ins  Haas  kommen  könne,  vergräbt 
man  ein  Tier,  besonders  eine  Kröte,  unter  die  Schwelle.    Spiez. 

127.  Wenn  ein  Schwein  geschlachtet  wird  und  es  sieht 
jemand  zu,  der  Mitleid  mit  dem  Tier  hat,  so  k^nn  das  Tier  nicht 
sterben,  bis  die  betreffende  Person  weggeht.  Wimmiö. 


142  Allerhand  Aberglaubeo  aus  dem  Kanton  Bern. 

128.  Stellt  man  beim  Schlafengehen  den  rechten  Schuh  vor 
den  linken,  so  wird  man  vom  Doggeli  nicht  geplagt.         Bern. 

129.  Pflanzen,  bei  denen  man  den  in  der  Erde  steckenden 
Teil  yerwendet,  soll  man  in  der  Zeit  des  ^nidsig  gehenden' 
Mondes  säen  oder  pflanzen,  diejenigen,  bei  denen  man  die  andern 
Teile  yerwendet,  beim  ,ob8ig  gehenden^  Mond.  (^Nidsig  gehend' 
ist  der  Mond,  wenn  beide  Spitzen  der  Sichel  nach  unten,  ,ob8ig 
gehend',  wenn  sie  nach  oben  sehen.)  Bern. 

130.  Den   Winterspinat   soll  man   im    August-Krebs  säen. 

Lützelflüh. 

131.  Die  Kartoffeln,  im  Zeichen  des  Krebses  gesetzt,  setzen 
keine  Knollen  an,  sondern  machen  nur  Wurzeln.        Lützelflah. 

132.  Die  Haare,  im  Fisch  geschnitten,  werden  lang  und  glatt. 

Lützelflah. 

133.  Krause  Haare  soll  man  nicht  im  Stier  schneiden, 
sonst  werden  sie  glatt.  Bern. 

134.  Im   Krebs   geschnittene    Haare  wachsen   nicht   nach. 

Bern. 

135.  Butter  soll  man  im  Vollmond  kochen;  im  zunehmenden 
Mond  gekocht,  läuft  sie  über  den  Topf,  im  abnehmenden  Mond 
geko'bht,  ist  sie  nachher  schnell  verbraucht.  Lützelflah. 

136.  Redensarten,  die  auf  Aberglauben  weisen: 

a)  We  me  der  Tüfel  a  d'Wand  malt,  so  chunt  er. 

b)  We  me  vom  Wolf  redt,  so  chunt  er. 

c)  Frässe  wi  ne  Wärwolf. 

d)  I  allne  Egge  sy  wi  ds  Unghür. 

e)  Es  isch  im  öppis  übere  Wäg  gloffe. 

f)  Su  het  di  armi  Seel  Rue. 

g)  I-n-e  böse  Luft  cho.  B« 


143 


Voikskundiiches  aus  dem  Taminathal. 

Anfgezeichnet  von  F.  W.  Sprecher  in  Kriegstetten. 

I. 

Gebart. 

Wenn  in  den  Kreis  einer  Familie  ein  Weltbürger  eintritt, 
dann  ist  derselbe  nicht  vom  Storch  gebracht  worden,  sondern 
der  Yater  hat  ihn,  so  erzählt  man  der  übrigen  Jugend,  „Yum 
Poppalistei  aha  gholt^.  Der  .Poppalistei  ist  ein  beinahe  haus- 
grosser,  moosbewachsener  Felsblock  in  Gauis,  ca.  10  Minuten 
oberhalb  Yättis,  mitten  in  einer  Wiese  liegend.  Er  besteht  ans 
einem  sehr  soliden,  halb  granitischen,  halb  sercitischen  Gesteine, 
and  wurde  schon  wegen  seiner  scharfen  Ecken  und  Kanten 
fälschlicherweise  als  Findling  angesehen,  der  durch  die  früheren 
Gletscher  hieher  gekommen,  sein  soll.  Ein  Vergleich  mit  der 
Umgebung  deckt  aber  sofort  seine  geologische  Zugehörigkeit  zu 
den  anstehenden  Felsen  des  Steinbruchs  auf,  von  denen  er  vor 
Zeiten  eben  wie  mancher  andere  Genosse  heruntergestürzt  ist. 
Der  Jugend  aber  ist  er  ein  geweihter,  ehrfurchtgebietender  Stein, 
an  dem  die  Buben  gar  oft  herumklettem,  um  die  Thür  oder  ein 
Fenster  zur  „  Popalistabe ^  zu  finden. 

Taufe. 

Wenige  Tage  nach  der  Geburt  wird  das  Kind  getauft. 
Hiezu  ist  neben  der  Hebamme  auch  ein  ^Götti*"  und  eine 
«Gotta^  als  Paten  notig,  die  vom  Yater  vorher  um  diesen  Dienst 
angefragt  werden.  Meistens  werden  dazu  Verwandte,  Freunde, 
oder  dann  sonstige  mehr  oder  minder  habliche  Personen  ge- 
wählt. In  gewissen  Fällen  sind  es  aber  auch  jüngere,  ledige 
Leutchen,  die  sich  gerne  sehen,  oder  denen  man  einen  guten 
AnlasB  zur  gegenseitigen  Annäherung  geben  möchte.  —  Es  ist 
eine  grosse  Ehre,  aber  auch,  wie  wir  noch  sehen  werden,  eine 
grosse  Bürde,  recht  vielen  Kindern  Pate  zu  sein.  —  Die  Paten 
begleiten  die  Hebamme  mit  dem  sorgfältig  in  Tücher  und 
Spitzen  eingewickelten  Sprössling  zur  Kirche,  vor  deren  Thür 
alsbald  der  Pfarrer  mit  dem  Messner  erscheint  und  die  Zeremonie 


144  Volkskundliches  aus  dem  TamiDatbal. 

beginnt.  Ist  der  Täufling  ein  Knabe,  dann  hält  ihn  der  G5tti 
während  dies  feierlichen  Aktes  in  den  Annen,  andernfalls  die 
Ootta.  Nach  der  in  katholischem  Ritus  erfolgten  Feier  gehts 
wieder  ins  Elternhans  des  Kleinen  zurück,  wo  dieser  mit  einem 
kleinen  Geschenke  von  Seite  der  beiden  Paten  der  Mutter  zu- 
rückgegeben wird.  Anschliessend  daran,  oder  an  einem  folgen- 
den Tage  findet  das  Tanfmahl  statt,  an  dem  ausser  der  Mutter 
die  ganze  übrige  Familie  nebst  den  beiden  Paten  teilnehmen 
und  Küche,  Keller  und  Rauchkammer  des  Hauses  ihr  Bestes  liefern. 

Begräbnis. 
Vom  Tode  an  bis  zum  Begräbnis  eines  Gestorbenen  wird 
allabendlich    im    Trauerhause    von    Eandem    und   Erwachsenen 
1 — 2  Stunden  gemeinschaftlich  gebetet.     Vor  dem  Hinausgehen 
tritt  Jedes   zum  Abschiede    noch   einmal    ins  Nebenzimmer,  wo 
der  Tote  unter  einem  weissen  Tuche  liegt   und  besprengt   den- 
selben mit  Weihwasser.     Während  der  Nacht  hält  immer  Jemand 
die  Totenwache.     Neben,  dem  Totenlager  steht  auf  einem  Tisch- 
chen ein  Gefäss  mit  Oel,  in  welchem  fortwährend  kleine  Toten- 
lichtlein    brennen.    —    unmittelbar    vor    der    Beerdigung    der 
Leiche    kommen    die   Leidtragenden   im   Trauerhause   und   vor 
demselben    zusammen,    um   wiederum  zu  beten.     Nachdem   der 
Pfarrer  erschienen   und    die  Leiche  eingesegnet    hat,    geht   der 
Leichenzug  mit   der  Totenfahne   an    der  Spitze,    die   bei    allen 
Trauerfeierlichkeiten  vom   Präsidenten   des  Kirchenverwaltungs- 
rates    getragen  wird,   unter   lautem  Gebet   zum  Friedhof,     un- 
mittelbar Yor  der  Leiche  wird    das   schwarz    umflorte,    hölzern« 
Grabkreuz  hergetragen,   welches   nach   der  Beerdigung   in    de 
weichen    Grabhügel    gesteckt    wird.     Nach  jedem    Gt>ttesdienf 
wird   am   Grabe  von   den  Verwandten  und  Bekannten    für   di 
Verstorbenen   gebetet.     Den    Ueberlebenden   bleibt   die    Ehre 
schuld,    das  Grab    stets   sauber    und    rein    zu   halten,    und    r 
Blumen  und  Grün  zu  schmücken. 

Jngendspiele  und  -Gebräuche. 
Im    Winter    ist     das    Haupt  vergnügen    das     „Rita""    ( 
Schlittlen,    das    besonders    an    den    Sonntagnachmittagen 
der    „  Ritgeis ^    oder    dem    „Grntsch^    gepflegt    wird.     Ist 
günstige  •Schliferbahn'^  (Eisbahn)  vorhanden,  dann  wird   d; 
„g'schliferet^,    d.  h.    mit    blossen,   genagelten  Schuhen   da* 
hingefahren.     Schlittschuhe  sind   hier   noch  ziemlich  unbel 


VolkBkoiidliches  aus  dem  Taminathal.  145 

Häufig  Yeranstalten  die  Buben  Sohneeballschlaohten,  wobei 
die  Besiegten  jeweilen  mit  Schnee  eingerieben  werden;  andere 
üben  sich  in  der  Treffsicherheit  darch  das  Herunterwerfen  von 
,01et8ohzapfen^  an  den  „Dachchienel^  (Dachrinne),  oder  durch 
das  Bewerfen  eines  „Chimmi^  (Kamin),  oder  lassen  Schneewellen 
an  der  ^Qamshalda'*  herunter  und  machen  sich  aus  dem  Staube, 
wenn  dieselben  unten  mitsammt  einem  Fenster  in  ein  Haus  ein- 
brechen. 

Ein  besonderes  Vergnügen  der  Buben  war  ehemals  auch 
das  yRaffla^  auf  einem  klappernden  Holzinstrument,  mit  dem 
die  Buben  während  der  üharwoche  durch  das  Dorf  zogen. 

Im  Frühling  erweitert  sich  das  Feld.     Zur  Zeit  der  ersten 
Saft-    und  Sprossbildung   schneidet   sich  jeder    Bub    vor   allem 
seine  „Surra^,  indem  er  Yon  glatten,  dünnen  Erlenzweigen  ein 
&— 4  om.  langes  Rindenstück  abstreift  und  am  einen  Ende  des- 
lelbea  die  dickere  braune  Oberhaut  entfernt,    so    dass   nur   die 
dünne  Bastschicht  übrig  bleibt,  welche  beim  Hineinblasen  einen 
hellen,  klagenden  Ton  erzeugt.    Auch  Pfeifen  und  sogar  Wald- 
hörner weiss  er  herzustellen.     Zu  letzteren   schneidet  er  sich 
aas  dem  dicken,  platten  Stämmchen  einer  Salenstaude  ein  mög- 
iiohit  langes,  biegsames  Rindenstück  heraus  und  windet  es  spiral- 
/Srmig  auf.     Am  dünnem  Ende  der  so  entstandenen  Röhre  wird 
eine  luftdicht   ßchliessende    „Surra^    eingefügt.     Diese   erzeugt 
lui^  Art  einer  Oboe   oder  eines  EJarinetts   den    Ton,    welcher 
diajreh  die  sich  erweiternde  Spiralröhre  je  nach  ihrer  Form  und 
GFr^e  Terschönert  und  bedeutend  verstärkt  wird.     Im  Sommer 
s^lmeiden  sich  die  Buben  aus  ^Gugastuda^  (Schierlingsgewächs) 
i^K^e  ^Gnga^  (Blasröhren)  und  „Sprütza^.     Die  „Guga""  wird 
^^^8  einem  Internodium,   die  „Sprütza^    aus  einem  Knoten  plus 
iK&^nodium  herausgeschnitten.     Bei  letzterer  wird   der  Knoten 
^'^^^  einer  feinen  Oeffnung  yersehen  und  für  die  Röhre  des  Inter- 
^^>^iuns  ein  passender  Stöpsel  („StösseP)  yerfertigt.     Zieht  man 
^^^  Stöpsel  unter  Wasser  heraus,   dann   strömt   dasselbe   durch 
^^^  Knotenöffiiung  in  die  Röhre.   Beim  Zurückstossen  des  Stöpsels 
^^^xd  das  Wasser  oft  auf  grosse  Entfernung  wieder  ausgetrieben. 
^He  diese  Instrumente   gewinnen    dadurch    an  Wert,    dass    sie 
^^^iitens  eigene  Fabrikate    der  Inhaber    sind   und  dadurch    das 
^^«hdenken  und  die  Handfertigkeit  derselben  üben. 

Sogenannte  Aprilscherze   kommen   hier   ebenfalls   unter 
lindem  und  Erwachsenen  vor,  aber  nicht  blos  im  April,  sondern 


146  Volkskundliches  aus  dem  Taminatbal. 

auch  im  Februar  und  März.  Der  aaf  den  Leim  gegangene  heisst 
alsdann  „Hornibock%  **Merzafühli"  (Füllen)  und  ^Obrellachalb*' 
(Aprilchalb). 

Früher  mehr  geübt  wurde  das  Plättla  und  Chnöpfla. 
Ein  im  Boden  befestigtes  Stück  Holz  oder  ein  hervorstehender 
Stein  dient  als  Ziel,  auf  welches  jeder  Teilnehmer  aus  einer 
Entfernung  eine  Steinplatte  wirft.  Der  nächste  Treffer  hat 
das  Recht,  die  von  jedem  Teilnehmer  gesetzten  Knöpfe  (von 
Hosen,  „Tschöüpa*'  [Röcke],  „Himper"  [Hemden],  Bettzeug  her- 
rührend) zuerst  in  der  Hand  zu  schütteln  und  hernach  alle 
Stücke,  welche  auf  die  Aversseite  fallen,  einzustecken.  Dann 
kommt  der  zweitnächste  Treffer  an'  die  Reihe;  dann  der  dritte, 
yierte;  event.  beginnt  die  Reihe  von  neuem,  bis  jeder  Knopf 
seinen  Gewinner  gefunden  hat.  Alsdann  wird  das  „Plättlen"* 
mit  einer  zweiten  Serie  fortgesetzt.  —  Vordem  gab  es  einmal 
eine  Zeit,  in  der  auch  die  Erwachsenen  geplättlet  haben,  aber 
nicht  mit  Hosenknöpfen,  sondern  mit  Fünflivren! 

Im  Sommer  thun  sich  die  schulpflichtigen  Elnaben  jeweilen 
zu  einem  „Armbrustschützenverein^  zusammen  und  wählen 
ihr  Komitee  (Schützenmeister,  Kassier  und  Fahnenträger),  welche 
Schützengaben  zu  sammeln  und  die  Geschäfte  zu  leiten  haben. 
Das  Schiessgeräte,  die  Armbrust,  ist  meistens  ein  sehr  primitives, 
oft  selbstverfertiges  Instrument.  Die  Bolzen  sind  runde  und 
10 — 20  cm.  lange  Holzstücke,  vorn  mit  einer  Metallspitze  und 
seitlich  mit  2  oder  4  Federn  versehen,  welche  zum  Pfeile  ähn- 
lich gestellt  sind,  wie  die  Flügel  eines  fliegenden  Vogels.  Oft 
ist  am  hintern  Ende  des  Pfeiles  auch  eine  etwas  grössere  Schwanz- 
feder angebracht,  um  die  Treffsicherheit  zu  erhöhen.  —  Die 
Schiesstage  werden  vom  Komitee  bestimmt.  Alsdann  versammeln 
sich  die  Mitglieder  mit  ihren  Waffen  und  marschieren  mit  Musik 
oder  Gesang  zum  Schiessplatz.  Dort  wird  die  Scheibe,  ein 
ca.  0,3 — 0,4  m^  messendes  Holzbrett,  an  passender  Stelle,  ent- 
weder an  einem  Hanse  oder  einer  Scheune,  aufgehängt  und  darauf 
der  Reihe  nach  geschossen.  Für  jeden  werden  die  Punkte  notiert 
und  darnach  die  Gaben  verteilt,  die  jeder  Gewinner  bei  dem 
Spender  persönlich  einzuziehen  hat.  —  Nach  Abschluss  des  jähr- 
lichen Schiessens  wird  jeweilen  aus  der  durch  Vereinsbeiträge 
und  gesammelte  Geldgaben  entstandenen  Kasse  Wein,  Wurst 
und  Brot  ein  Schützenmahl  abgehalten  und  hernach  der  Verein 
wieder  aufgelöst. 


Volksknndliches  aus  dem  Taminathal.  147 

Beliebte  Spiele  sind  aach  jetzt  noch  das  „Fouhatis- 
macha^  [Tanzen],  „Verbergatismacha"  [Verbergen]  und 
^Ringschlaha'^.  Letzteres  wird  selbst  von  der  erwachsenen 
Jugend,  den  ^Ledigen""  und  „Meitla"  noch  an  schönen  Sonntag- 
D8chmittagen  des  Frühlings  gepflegt.  Bei  diesem  Spiele  -schliessen 
sich  die  Knaben  und  Mädchen  abwechselnd  zu  einem  Ring  zu- 
sammen. Zwei  oder  drei  Spielende  spazieren  um  den  Ring 
herum,  schlagen,  sofern  es  Knaben  sind,  irgend  einem  Mädchen 
im  Ring  mit  der  flachen  Hand  auf  den  Rücken  und  springen 
eiligst'  dftY6n.  Umgekehrt  schlagen  die  herumgehenden  Mädchen 
nur  Knaben  ,,aus  dem  Ring^.  Die  so  Geschlagenen  haben  nun 
die  Aufgabe,  ihrem  Schläger  nachzurennen  und  ihn  einzufangen, 
worauf  beide  wieder  zum  Ring  zurückkehren.  Der  Geschlagene 
tritt  nun  als  Schläger  auf  und  das  Spiel  beginnt  von  Neuem. 
—  Die  freie  Auswahl  der  Schläger  bringt  es  mit  sich,  dass 
die  beliebtesten  Burschen  und  Meitla  auch  am  meisten  geschlagen 
werden,  um  auf  dem  Rückwege  vom  Einfangen  einige  fröhliche 
Scherze  machen  zu  können.  Burschen  und  Meitla  fühlen  sich 
hochbeglückt,  wenn  sie  den  sanften  Schlag  ihres  Herzliebsten 
auf  der  Schulter  fühlen  und  dem  flinken  Partner  nachjagen 
dürfen.*) 

Die  „Ledigen**. 
Ist  der  Knabe  16-  oder  ITjährig  geworden,  also  bereits 
unter  die  Erwachsenen  getreten,  dann  lässt  er  sich  der  Sitte 
gemäss  unter  die  ,,Ledigen**  oder  die  sogenannte  Knaben- 
gesellschaft einkaufen.  Die  Knabengesellschaft  umfasst  alle 
unverheirateten  Männer  des  Dorfes,  die  sich  eingekauft  haben, 
und  dadurch  das  Recht  besitzen,  nachts  auf  den  Gassen  herum- 
zuschwärmen, Sonntags  in  der  Kirche  die  „Borchilche**  [Empore] 
zu  besetzen,  ins  Wirtshaus  und  zur  , Stubati**  zu  gehen  und  an 
der  Chilbi  und  Fastnacht  eine  eigene  Tänzerin  zu  „holen**. 
Jüngere  und  nicht  eingekaufte  Knaben  werden  daher,  falls  sie 
nachts  noch  auf  den  Gassen  oder  gar  bei  der  Stubati  getroffen 
werden,  unverzüglich  mit  einer  Tracht  Prügel  oder  einer  tüch- 
tigen Wassertaufe  heimgeschickt  und  riskieren  zudem,  ein  Jahr 
länger  auf  das  Einkaufen  warten  zu  müssen.  Aehnlich  ergeht 
es  fremden  Burschen^  oder  abenteuerlustigen  Passanten,  welche 
die  alten  Satzungen  missachten  wollen.     Auswärtige  können  sich 


«)  Vgl.  ZCrichkb,  Kinderlied  Nr.  995. 


148  Volkskundliches  aus  dem  Tamioathal. 

auch  während  des  Jahres  einkaufen ;  für  die  Einheimischen  aber 
findet  dieser  Akt  immer  am  Sylvesterabend  statt.  Da  versammelt 
sich  die  ganze  Gesellschaft  mit  den  Kandidaten  im  Gemeinde- 
lokal und  wählt  unter  dem  Vorsitz  des  alten  einen  neuen  Präsi- 
denten für  das  kommende  Jahr.  Sofort  übernimmt  dieser  den 
weitern  Vorsitz.  Nun  schreitet  man  zur  Diskussion  über  die 
Neuaufnahmen,  wobei  jeder  Einzelne  in  die  Kritik  gezogen  wird. 
Durch  Stimmenmehrheit  wird  die  Aufnahme  entschieden.  Hie 
und  da  wird  auch  ein  noch  gar  zu  junger  oder  vorlauter  Geselle 
auf  das  folgende  Jahr  ^zurückgestellt^.  Alle  Neuaufgenpia«yimiBn 
haben  dem  Präsidenten  ein  Eintrittsgeld  von  3  bis  5  Franken 
zu  bezahlen.  Je  nach  der  Anzahl  ist  der  Preis  verschieden. 
Hierauf  folgt  ein  kurzer  Vortrag  des  Präsidenten  an  die  „neu- 
gebackenen*^ Ledigen  über  die  Rechte  und  Pflichten  ihres  neuen 
Standes.  Alsdann  zieht  alles  unter  gemeinsamem  Absingen  eines 
heimischen  Liedes  ins  Wirtshaus,  während  einige  in  der  Nähe 
des  Dorfes  mit  Mörsern  schiessen.  Unter  dem  Vorsitz  des 
Präsidenten  wird  nun  ans  dem  eben  eingenommenen  Eintritts- 
gelde  ein  Trunk  abgehalten  und  abwechselnd  gesungen  und  ge- 
jodelt, bis  die  Fröhlichkeit  um  12  Uhr  ihren  Höhepunkt  er- 
reicht. Durch  die  Klänge  der  Kirchenglocken  daran  erinnert, 
erhebt  sich  der  Präsident  und  richtet  unter  dem  Eindrucke  des 
feierlichen  Augenblickes  einige  warme  Abschiedsworte  an  das 
alte  und  ein  herzliches  Willkommen  an  das  neue  Jahr,  und 
wünscht  vor  allem  dem  freundlichen  Wirte,  sowie  der  ganzen 
Knabengesellschaft  und  den  übrigen  Anwesenden  ein  „glück- 
haftiges'^  neues  Jahr.  Dankend  richtet  auch  der  Wirt  einige 
Worte  an  die  Versammlung  und  lässt  als  Neujahrsgabe  einen 
Schock  Birnbrod  und  Weissbrod  nebst  einigen  Doppellitern  gratis 
servieren.  —  Nach  und  nach  aber  machen  sich  die  Jungen  auf, 
um  auch  ihren  Meitla  die  Neujahrs  wünsche  zu  bringen,  und 
die  neuen  Ledigen  vorzustellen.  Die  „Meitla''  oder  „Jumpfera* 
beeilen  sich,  die  nächtlichen  Besucher  für  ihr  „Awüscha''  mit 
Schnaps,  den  sie  selber  n&gniacht''  haben  und  mit  „Birabrod'' 
nebst  „Säft^  zu  bewirten.  —  So  macht  man  in  mehreren  Ab- 
teilungen bei  allen  Mädchen  des  Dorfes  die  Runde,  bis  der 
Morgen  graut. 

Um  den  Zuwachs  der  Ledigen  auszugleichen  muss  natür- 
lich auch  die  Zahl  der  Mädchen  entsprechend  zunehmen;  und 
heute   in    der   Neujahrsnacht   hat   man    die    beste  Gelegenheit, 


Volkskundliches  aus  dem  Taminathal.  149 

herangereifke,  lioiFDUDgsYolIe  Mädchen  in  diese  neue  Rolle  ein- 
zufahren. Mitten  in  der  Nacht  zieht  ein  Detachement  singend 
und  jodelnd  vor  das  betreffende  Haus,  woselbst  noch  eiü  Eztra- 
ständchen  zum  besten  gegeben  wird.  Dann  klopft  man  an  die 
Hausthüre  oder  an  das  Fenster  und  wird  auch  richtig  einge- 
lassen. In  Erwartung  des  Kommenden  —  oft  hat  ein  Lediger 
an  der  richtigen  Stelle  einen  verheissenden  Wink  gegeben  — 
ist  alles  zu  einem  freundlichen  Empfang  bereit.  Manchmal  aber 
geht  die  Sache  nicht  so  leicht.  Auf  das  Klopfen  hin  erscheint 
statt  des  Mädchengesichtes  der  Kopf  des  Vaters  im  Fepster. 
,i)'s  Meitli*^  sei  noch  zu  jung,  heisst  es  da.  Nun  redet  man 
hin  und  her.  In  den  meisten  Fällen  hat  man  Erfolg,  besonders 
wenn  sich  die  Ledigen  im  vergangenen  Jahre  gut  aufgeführt 
haben.  Andernfalls  muss  man  den  Besuch  auf  das  nächste  Jahr 
Yerschieben. 

Die  „Stubati**. 

Unter  „z'Stubati"  oder  „z'Hingert  gu**  ist  nach  der  ur- 
sprünglichen Bedeutung  immer  ein  Besuch  der  ledigen  Männer 
bei  den  ledigen  Mädchen,  zum  Zwecke  gegenseitigen  Bekannt- 
werdens oder  zur  Unterhaltung,  zu  verstehen.  Da  die  jungen 
Leute  während  des  Tages  durch  die  Arbeit  abgehalten  werden, 
finden  diese  Besuche  gewöhnlich  zur  Nachtzeit  zwischen  acht 
und  zwölf  Uhr  statt.  Indessen  können  dieselben,  besonders  bei 
aussergewöhnlichen  Anlässen  und  gemütlicher  Unterhaltung  bis 
gegen  morgen  ausgedehnt  werden.  Auch  geht  man  in  der  Regel 
nur  am  Samstag  und  Sonntagabend,  allenfalls  auch  am  Donners- 
tagabend „z'Stubati'*,  solange  keine  ernstlichen  Absichten  gehegt 
werden.  Die  diesbezügliche  Regel  lautet:  ,,Am  Sunntig  gund 
[gehen]  di  rächta  [rechten],  am  Mintig  [Montag]  (gund)  di  schlechta, 
am  Zystig  di  Wittlig  [Witt wer],  am  Mittwucha  d'Buaba,  am 
Dunstig  [Donnerstag]  di  Lediga,  am  Fritig  di  Schebiga  [Schäbige], 
am  Samstig  d'Hochziter**.  In  diesem  Falle  geht  man  auch  nicht 
allein,  sondern  sucht  immer  einen  Begleiter  mitzunehmen.  Ein  an- 
ständiger Mensch  wird  bei  solchen  Besuchen  nicht  blos  vom  Mäd- 
chen, sondern  von  der  ganzen  Familie  freundlich  aufgenommen. 
Oft  bleiben  auch  die  Eltern  noch  längere  Zeit  bei  den  jungen 
Leuten,  die  sich  gegenseitig  unterhalten,  sich  necken,  Jass  spielen 
oder  singen,  wie^s  eben  der  Einfall  bietet.  Wird  die  Stimmung 
ausnehmend  fröhlich,  dann  wird  Wein  herbeigebracht,  dazu  eine 


150  Volkskundliches  aus  dem  Taminathal. 

„  Musik  **y  Mund-  oder  Handharmonika,  oder  gar  das  berühmte 
EUarinett  des  allzeit  muntern  Dorfmusikanten,  wobei  drauf  los 
gefestet  und  getanzt  wird,  als  wäre  man  mitten  in  der  „Chilbi^, 
bis  der  gestrenge  Hausvater,  dem  der  Spektakel  allmälig  zu 
toll  wird,  in  Hemdärmeln  und  Filzschuhen  unter  der  S[ammer- 
thür  erscheint  und  die  Jungen  ermahnt,  nicht  alles  „z'under 
obsi  z'chera". 

Während  dieser  „  Stubati '^  passiert  es  oft,  dass  draussen 
stehende  Ledige  durch  Fenster  und  Thüren  hereingucken,  um 
die  Insassen  kennen  zu  lernen,  oder  mit  verstellter  Kopfstimme 
„ihi  z'raua**  [hineinzureden].  Der  Hauptreiz  dabei  ist,  nicht  er- 
kannt zu  werden.  Wer  besonders  frech  ist  oder  Lust  zu  Aben- 
teuern hat  der  «chlepft^  [klatscht]  vor  der  Stubenthüre  oder 
vor  dem  Hause  die  Andern  heraus.  Eine  solche  Herausforderung 
lassen  sich  die  Burschen  drinn  nicht  gefallen,  sondern  suchen 
den  Thäter  zu  erwischen.  Ist  das  möglich,  dann  wird  derselbe 
nach  allen  Regeln  durchgebläut.  Oft  gehts  dabei  in  wilder  Jagd 
über  die  Gassen  und  Zäune  und  Bäche,  in  Schlupfwinkel  und 
auf  die  Dächer  hinauf,  bis  die  Verfolgung  eingestellt  wird.  Da- 
bei spielen  Zwistigkeiten,  Eifersüchteleien,  Kraftmeierei  u.  s.  w. 
eine  grosse  Rolle.  Es  Hessen  sich  Bücher  schreiben  über  all' 
die  Bräuche  und  tollen  Streiche,  welche  im  Gefolge  der  Stubati 
und  Nachtschwärmerei  zur  Ausführung  gelangen.  Das  ist  das 
Feld,  auf  dem  die  männliche  Jugend  ihren  Erfindungsgeist  be- 
thätigen  und  ungesehen  so  recht  nach  Herzenslust  austoben  kann. 
Schade,  dass  dabei  heutzutage  nicht  mehr  blos  der  Uebermut 
und  oft  geistreiche  Witz  von  ehemals,  sondern  noch  viele  andere, 
weniger  entschuldbare  Dinge  sich  offenbaren. 

Der  „Samachlaus". 
Der  St.  Nikiaustag  wird  im  Taminathale  im  Gegensatze 
zu  anderen  Gegenden  nicht  gefeiert.  Dafür  aber  ist.  der  ganze 
Monat  Dezember  dem  „Samachlaus^  als  Vorläufer  des  Christ- 
chindli  geweiht.  Der  Samachlaus  ist  nach  der  Vorstellung  der 
Kinder  ein  grosser  Mann  in  einem  langen  Mantel,  mit  weissem 
Bart  und  schwerer  Pelzmütze.  Gegen  Ende  November  und 
während  des  ganzen  Dezember  bis  Weihnacht  fährt  er  allabend- 
lich mit  einem  Schlitten  oder  Wägelchen  durch  die  Gassen. 
Das  Gefährt  ist  mit  Aepfeln,  dürren  Birnen  und  Nüssen  beladen, 
womit  die  guten   Kinder    belohnt    werden;    für    die    schlimmen 


5l 
Yolkskundlicbefl  aus  dem  Tamlnathal.  1 

Kinder  Bind  Birkenruten  beigelegt.  Schon  von  Ferne  hört  man 
das  Olöoklein  des  Esels,  den  der  Samachlans  am  Halsband  führt. 
Gate  und  sorgliche  Kinder  haben  immer  unter  der  Treppe  oder 
im  Hausgange  für  den  Esel  etwas  Heu  gerüstet.  Der  Sama- 
chlaus  kommt  aber  nur  dann  ins  Haus,  wenn  er  die  Kinder 
darin  beten  hört.  Deshalb  beten  dieselben  nach  dem  Abendessen 
mit  lauter  Stimme  ein  Vaterunser  nach  dem  Andern  und  horchen 
dazwischen  auf  das  Eselsglöcklein  und  die  Geräusche  im  Haus- 
gange. Vor  lauter  Furcht  und  Herzklopfen  verkriechen  sich 
die  Furchtsamen  hinter  den  Ofen  oder  die  Nebenkammer.  Kommt 
der  Samichlaus  immer  noch  nicht,  dann  wird  weiter  gebetet. 
Endlich  geht  die  Thüre  leise  auf  und  ehe  man  sich's  versieht, 
fliegen  die  Aepfel  und  Nüsse  lärmend  in  die  Stube  herein,  ein 
zwei,  drei  Mal;  oft  kommt  in  der  Thüröffnung  drohend  eine 
Rute  zum  Vorschein.  Dann  schliesst  sich  die  Thüre  und  man 
hört  den  Samachlaus  wieder  fortgehen.  Nun  ist  der  Bann  ge- 
löst. Jauchzend  stürzen  sich  die  Buben  und  Mädchen  auf  die 
umherrollenden  Nüsse  und  Aepfel  und  füllen  sich  die  Taschen. 
—  Sind  die  Kinder  brav  und  fleissig  im  Beten,  dann  wiederholt 
sich  dieser  Vorgang  bis  Weihnachten  sehr  oft,  wobei  ältere 
Familienglieder  oder  gute  Bekannte  den  Samachlausdienst  versehen. 

Weihnacht. 

An  Weihnachten  kommt  das  Christkindlein.  Dieses  dürfen 
aber  die  Kinder  nicht  sehen;  deshalb  schickt  man  sie  zu 
Bette.  Mitten  in  der  Nacht,  wenn  die  Glocken  zur  Kirche  rufen, 
da  flammt  der  Christbaum  mit  seinen  Lichtern  auf  und  jubelnd 
schauen  die  Kleinen  zu  ihm  empor.  Eine  heilige  Wonne  erfüllt 
die  frohen  Herzen  und  dankend  preisen  sie  das  Christkindlein, 
das  so  viel  Licht  und  und  schöne  Gaben  brachte.  —  Eine  eigen- 
artige, tiefe  Poesie  liegt  in  diesem  Kindesglaubeo,  der,  als  gutes 
Mittel  zu  einem  guten  Zweck  doch  unendlich  mehr  Glück  zu 
stiften  vermag,  als  ein  Christbaum,  den  die  Kinder  selber  ent- 
stehen sehen. 

Neujahr.^) 

Kaum  ist  der  erste  Tag  des  neuen  Jahres  angebrochen,  so 
eilen  die  Kleinen  —  die  Mädchen  in  neuen  Röcken,  dieJBuben 
in  neuen  Hosen  und  einem  roten  Rappen  in  der  Tasche  —  dem 
Oötti  und  der  Qotta  das  Neujahr  „anzuwünschen"^.     Oft  frierend 

*)  Einiges  hierüber  s.  schon  S.  14b. 


152  Volkskundliches  aus  dem  Taminathal. 

und  farohtsam  treten  sie  ins  Haus  der  Betreffeaden  und  stam- 
meln schon  anter  der  Stubenthür  ein  «guata,  glückseligs  neu's 
Johr''.  Der  Götti  drückt  lächelnd  die  kalten  Händchen  und  die 
Qotta  gibt  den  Kleinen  einen  herzlichen  Euss  und  ermahnt  sie, 
recht  bray  zu  sein.  Beide  legen  ihnen  ein  tüchtiges  Stück 
^Birabrod  mit  Schmalz  und  Saft  druf^  auf  die  Hand.  Dann 
holen  sie  aus  dem  Nebenzimmer  für  jedes  einen  langen  Ijjftib 
Weissbrod  und  in  einem  Papier  eingewickelt  ein  Stück  Tuch 
zu  Hosen  oder  Röcken,  eine  Tschärppe  [Schärpe  oder  Schlinge], 
Kappe,  Handschuhe,  Strümpfe  oder  dergleichen.  Freudig  um- 
fasst  der  Kleine  das  Geschenk  mit  beiden  Armen  und  eilt, 
nachdem  er  noch  ein  „Yergelts  Gott,  z'tuusig  Moula^  gesagt 
hat,  glückstrahlend  nach  Hause.  —  Dieses  Neujahrswünschen 
mit  den  damit  verbundenen  Geschenken  wiederholt  sich  jährlich, 
bis  die  Patenkinder  die  Schule  verlassen  haben. 

Als  Tagesgruss  hört  man  auch  unter  den  Erwachsenen 
noch  nicht  das  prosaische  „Prosit!^  oder  „Gratuliere!'*  sondern 
das  alte,  heimelige  Sprüchlein:  „I  wusch  der  a  guats  nöüs  Jouhr, 
vil  Glügg  and  Saga  und  z'letscht  das  ewig  Läba!^* —  In  jeder 
Haushaltung  hat,  wie  schon  oben  erwähnt,  die  sorgliche  Haus- 
mutter eine  Flasche  Neujafarsschnaps,  nach  seiner  Farbe  „Rötali^ 
genannt,  aus  Branntwein,  Zacker,  gedörrten  Kirschen  und  andern 
Ingredienzien  für  diesen  Tag  bereitet.  Daneben  figuriert  ein 
währschaftes  „Birabrod^,  das  man  früher  ebenfalls  selbst  aus 
Mehlteig,  Nosskernen,  gedörrten  und  gehackten  Birnen,  Wein- 
beeren, mit  etwas  Branntwein  und  Gewürzen  gebacken  hat. 
Dieses  alles  wird  nebst  Butter  und  dem  unvermeidlichen  „Saft'^ 
am  Neujahrstage  jedem  serviert,  der  ins  Haus  kommt  and 
natürlich  aocl^  einen  aufrichtigen  Glückwunsch  mitbringt. 

Fastnacht. 

Das  ^Butzilaufa*^  während  der  Fastnachtstage,  bei  dem 
junge  Burschen  sich  das  Gesicht  verhüllten  und  alte,  zerlumpte 
Männer-  oder  Weiberkleider  anzogen  und  die  auf  den  Gassen 
stehenden  Buben  und  Meitli  erschreckten  und  „ruasleten^  [Infinit, 
^ruasla*"  Gesicht  und  Ohren  mit  Russ  einschmieren],  hat  infolge 
polizeilicher  Massregeln  etwas  nachgelassen,  besteht  aber  ia 
vereinzelten  Fällen  immer  noch  fort. 

Weniger  verbreitet  sind  die  improvisierten  Fastnacht- 
spiele.     Diese  nach  der  Art  der  schwyzerischen  Japanesenspiele 


Volkskiiodliches  aiis  dem  Taminathal.  153 

seit  Yielen  Jahren  durchgeführten  Ortekomodien  finden  unregel- 
mäflsig  nur  Ton  Zeit  zu  Zeit    statt,  je    nachdem    ein    passender 
Stoff  und  passende  Darsteller  Torhanden  sind,  welche  ihre  Auf- 
gabe mit  Geschick  und  Energie  durchführen  können.     Als  Schau- 
spieler   treten    nur    ledige    oder  jung  verheiratete  Männer  auf. 
Das  Stück  wird  öffentlich  auf  den  Strassen  und  Gassen  gespielt 
und  hat  das  ganze  übrige  Volk,  klein  und  gross,  als  Zuschauer. 
Der  Gegenstand   ist  immer   mitten    aus    dem    Leben    gegriffen. 
Bald    wird   irgend    eine    unbeliebte    Persönlichkeit    mit    ihren 
äussern  und  Innern  Mängeln  auf  sarkastische  Weise  charakteri- 
siert, bald  eine  Strassenyermessung  mit  den  zugehörigen  Instru- 
menten aufgeführt,  oder  ein  interessanter  Prozess  mit  allen  da- 
bei   auftretenden    Personen    und    Schuldobjekten    demonstriert. 
Kein  Wort  ist  geschrieben,  kein  Theaterdirektor   hat   das  Spiel 
inszeniert ;  alles  wird  auf  originelle,  volkstümliche  Art  nach  den 
Eingebungen  des  Augenblickes  aufgefasst  und  dargestellt.     Der 
Stoff  wird  erst  wenige  Tage  vor  der  AuiSTührung,  welche  entweder 
am  Fastnachtmontag  oder  -Dienstag  stattfindet,  von  den  Haupt- 
personen bestimmt  und  dazu  die  technischen  Vorbereitungen  in 
aller  Stille  getroffen.     Erst   am    kritischen    Tage   zirkuliert   das 
GFerücht  über  die  bevorstehende  Tragikomödie;   und  richtig,  am 
Mittag  reiten  auf  Eseln  und  Rossen  ein  Trommler  oder  Pauken- 
schläger und  hinter  ihm  zwei  Herolde  daher,  welche  der  ganzen 
Gemeinde  kund  und  zu  wissen  thun,  dass  heute  das  grossartige 
Schaustück  So  und  so  in  fünf  Aufzügen  an  dem  und  dem  Orte 
sich    abspielen  werde,  zu  dessen  Besichtigung  wegen  der  Wich- 
tigkeit des  Gegenstandes  Jedermann    eingeladen  werde.    —    So 
wurd  e  vor  etwa  zwanzig  Jahren  ein  Prozess  aufgeführt,  der  sich 
im  Vorhergehenden  Herbste  wegen  einer  in  der  Alp  verwechselten 
S&u    abgespielt  und  grosse  Dimensionen  angenommen  hatte.    Da 
Bah    rM\9iu  nicht  nur  alle  Beteiligten  in  Person  dargestellt,  sondern 
auch    das  corpus  delicti,  die  Sau  selber,  wackelte  leibhaftig  über 
^8  Strassen.  —  Vor  etwa  drei  Jahren  fuhren  bei  einem  anderen 
Proxesse  mehrere  Landauer  mit  den  Gerichtspersonen,  Advokaten, 
Aerztea  und  selbst  einigen  »höheren^  Damen  daher;  sogar  das 
Telephon  kam   in   Gestalt   einer  Kaffeemühle    zur  Verwendung. 
Die  interessierten  Personen,  die  auf  solche  Weise  ohne  Nennung 
de«  Hamens,  aber  in  ihren  Fehlern  und  Missethaten  unverkeuu- 
W  ausgespielt  werden,   halten    sich  jeweilen   im  Hintergrunde, 
finden  aber  niemals  eine  Handhabe  oder  einen  Beleg,  mit  deren 


154  Volkskundliches  aus  dem  Taminathal. 

Hülfe    sie    eine   gerichtliche    Verfolgung    der    Spötter    einleiten 
könnten. 

Der  Sonntag  nach  dem  Aschermittwoch,  die  alte  Fast- 
nacht, heisst  auch  „Chüachlisunntig^;  denn  sowohl  am  Vor- 
tage, als  auch  am  Altfastnachtssonntag  werden  allerorten  ganze 
Türme  von  ^uströülta  Chüachli^  [ausgewalzten  Kuchen]  bereitet. 
Zuerst  kommen  die  Buben  dran,  von  denen  sich  ein  jeder  bei 
seiner  Mutter,  Patin  oder  einer  guten  Nachbarin  einen  soge- 
nannten „Chüachlimeia**  bestellt  hat.  Dieser  ^^Meia*'  ist  nichts 
anderes  als  ein  Straus  von  Kuchen  oder  Backwerk.  Zur  Her- 
stellung desselben  benutzt  man  einen  sich  gabelnden  Zweig  einer 
Haselstaude,  biegt  die  Gabeln  nach  beiden  Seiten  vollständig 
um  und  bindet  sie  unten  am  Stumpfe  zusammen,  so  dass  das 
ganze  die  Form  eines  an  der  Spitze  angestielten  Herzens 
bekommt  Die  Zweige  der  Herzform  werden  nun  ringsum  mit 
Kuchenteig  spiralig  umwunden,  in  Butter  gebacken  und  schliess- 
lich mit  Gold-  und  Silberpapier  reichlich  geschmückt.  Morgens 
wird  dieser  goldstrotzende  Kuchenstrauss  von  den  Buben  abge- 
holt und  triumphierend  durch  die  Gassen  getragen.  Nachdem  er 
von  aller  Welt  bewundert  worden  ist,  wird  er  über  dem  Tisch 
in  der  Stubenecke  oder  hinter  einem  Heiligenbilde  aufgesteckt, 
wo  er  das  ganze  Jahr  unversehrt  bleibt. 

Der  Abend  dieses  Fastnachtstages  ist  ein  Fest  für  alle. 
Da  wird  beim  Nachtessen  der  Kuchenberg  aufgetragen,  den  die 
Mutter  gebacken  hat;  der  Vater  schlägt  im  Milcheimer  mit  einem 
extra  hiezu  verfertigten  Besen  aus  geschälten  Reisern  einen 
schäumenden  „Nidel"  [Rahm],  der  Töpfe  und  Teller  füllt.  Sitzt 
alles  bei  diesem  seltenen  Mahle,  dann  kommt  auch  eine  Abord- 
nung der  Knabengesellschaft  mit  einer  grossen  „Chrätze*^  [Korb] 
auf  dem  Rücken  und  bittet  in  mitleiderweckendem  Tone  auch 
um  eine  kleine  Gabe  für  die  Ledigen,  die  so  oft  hungrig  auf 
der  Strasse  stehen  müssten.  Und  der  gutherzige  Hausvater, 
der  auch  einmal  ledig  gewesen,  lässt  sich  erweichen  und  wirft 
den  armen  Reisenden  einige  Küchlein  in  die  Kräze.  Herzlich 
dankend  machen  sich  die  Glücklichen  wieder  davon,  um  im 
nächsten  Hause  ihr  Unterstütz nngsgesuch  zu  wiederholen,  bis 
sie  die  ganze  Kräze  gefüllt  haben  und  jeder  Ledige  zum  guten. 
Nidel,  den  die  Knabengesellschaft  von  den  Jumpfern  erhält,  anclm 
einige  gute  Küchlein  essen  kann. 


Volkskundliches  aus  dem  Taminathal.  155 

Das  „Schleiz^a^  [Hanfbrechen]. 

Die  Kultur  des  Hanfes  wurde  früher  eifriger  betrieben, 
blüht  aber  auch  heute  trotz  den  billigen  Tuchwaren  immer  noch 
fort.  Denn  man  fertigt  daraus  das  solide  Bettzeug:  ^Ziecha^ 
[Bettanzug],  Laubsäcke  und  Leintücher  oder  ,,Lilacha^  und  die 
Heutücher  oder  „Plaha".  Der  Hanf  wird  im  Frühling  in  der 
'Sähe  des  Dorfes  gesät  und  Ende  August  „glocha^  (Infinit,  lücha), 
d.  h.  ausgerissen.  Dann  kommt  er  auf  ^d'Rosi^,  wobei  er  an 
sonnigen  Halden  zum  Trocknen  ausgebreitet  wird.  Dabei  wird 
das  grüne  Chlorophyll  zerstört  und  der  Hanf  nimmt  eine  grau- 
braune Färbung  an.  Hierauf  wird  er  eingesammelt  und  in  einer 
Reihe  von  Abenden  durch  die  Hausleute  und  eingeladenen 
Männer,  Weiber,  Mädchen  und  Kinder  „g'schleizt^,  d.  h.  die 
Bastfasern  werden  durch  Zerbrechen  der  Stengel  abgestreift. 
Die  Bastfasern  jeder  Hanfgarbe  werden  zu  einer  Schleife,  einem 
sog.  Poppali,  aufgewunden;  neun  Poppali  zu  je  drei  Strängen  geben 
hernach  einen  Zopf.  —  An  solchen  Abenden  wird  auch  viel  ge- 
redet; die  Mädchen  besonders  haben  sich  viel  über  die  nahe 
„Chilbi^  zu  sagen.  Ist  die  Stimmung  recht  heiter  und  fröhlich, 
dann  klingt  auch  manches  lustige  und  ernste  Jugend-  und  Liebes- 
lied in  die  Nacht  hinaus,  welches  die  auf  den  Gassen  stehenden 
Ledigen  herbeilockt.  Aber  zuerst  beschauen  sich  diese  die  Sachlage 
(Personen  und  Stimmung  der  Anwesenden)  von  aussen,  durch  die 
Fenster,  Schlüssellöcher  und  Thürritzen,  allenfalls  genügt  ihnen 
auch  das  Hinein  „rauen*"  durch  die  halbgeöffnete  Stubenthür. 
Ist  alles  günstig,  dann  treten  die  Burschen  ungeniert  in  den 
geselligen  Kreis,  setzen  sich  um  den  Tisch  herum,  oder  neben 
die  Schleizerinnen,  wobei  muntere  Spässe  hin-  und  herfliegen. 
Beim  „Ausschleitzen^  geht  es  besonders  hoch  her.  Am  Schlüsse 
desselben  werden  bei  Handorgel-  oder  Mundorgelmusik  einige 
Tänzchen  geschwungen  und  dabei  das  gegenseitige  Engagement 
für  die  Chilbi  getroffen. 

Die  .Chilbi**  [Kirchweih]. 
Im  Gegensatze  zu  den  übrigen  Gemeinden  des  Kantons 
wird  hier  die  Kirchweih  nicht  am  Sonntag  nach  Galli  (16.  Oktober), 
sondern  am  letzten  Sonntag  und  Montag  des  September  abgehalten. 
In  seiner  altern  Form  ist  das  Fest  ein  „Heuermohl^,  wie  sich  jetzt 
noch  ältere  Leute  ausdrücken;  denn  erst  Ende  September  ist 
auch  das  Heuen  und  Emden  im  Thal  und  y,'BiTg"^  beendet.  Die 


156  Volkskundliches  auB  dem  Taminathal. 

Hirten  sind  mit  ihrem  Vieh  glücklich  yon  den  Alpen  heimge- 
kehrt;  und  auch  die  vielen  Angestellten  haben  sich  aus  den 
Fremdenorten  wieder  bei  den  Ihrigen  eingefunden.  Selbst  die 
femer  weilenden  und  auswärts  Verheirateten  kehren  gerne  auf 
diesen  Tag  in  die  Heimat  zurück,  sofern  sie  nach  einer  alten 
Redeweise  nicht  das  ^  Bürgerrecht^  yerlieren  wollen.  So  findet 
sich  die  ganze  Familie  und  Gemeinde  mit  allem  Hab  und  Gut 
nach  glücklicher  Ernte  wieder  beisammen  und  bekommt  da- 
durch die  Chilbi  mehr  als  anderswo  den  Charakter  eines  freu- 
digen Familien-  und  Gemeindefestes. 

Yon  Alters  her  ist  es  in  jeder  Familie  Brauch,  auf  dieses 
Fest  hin  einen  „Chilbitschudd^  [Schaf]  zu  schlachten,  woraus  die 
Hausfrauen  ein  dampfendes  ^Yoressen^  [Ragout]  kocht.  Nach- 
mittags findet  entweder  ein  Preiskegeln  oder  Freischiessen  statt, 
welches  yon  Polizeiwegen  erst  zum  nachfolgenden  Tanz  berech- 
tigt, da  ausser  den  yom  Gesetz  bestimmten  Tagen,  wie  EAntons- 
Chilbi  (siehe  oben),  Neujahr,  Fastnacht  u.  s.  w.  ein  anderer  äusserer 
Grund,  wie  Konzert,  Schiessen,  Jugendfest  u.  A.,  yorhanden  sein 
muss,  auf  Grund  dessen  das  Tanzen  gestattet  ist.  Dieses  be- 
ginnt um  4  oder  5  Uhr.  Auf  jedem  Tanzboden  funktionieren 
zwei,  früher  durch  die  Enabengesellschaft,  jetzt  yom  Wirte  be- 
stimmte ledige  Spielmeister,  die  sich  durch  Blumensträusse  auf 
den  Hüten  auszeichnen  und  sowohl  die  Musik  als  auch  den  Tanz 
zu  leiten  und  die  anwesenden  Gäste  zum  Tanze  anzuregen  haben. 
Nach  dieser  Seite  hin  sind  sie  „Burschen  für  alles^.  Jeder  bringt 
auch  eine  „Yortänzerin^  mit;  welche  dann  das  Mädchen  für  alle 
sein  muss,  die  sich  nicht  auf  andere  Weise  yersorgt  haben. 

Jeder  Bursch,  der  sich  für  die  Chilbi  eine  eigene,  gewandte 
Tänzerin  sichern  will,  engagiert  dieselbe  auch  rechtzeitig  oft 
mehrere  Monate  yor  dem  Feste.  Dabei  hat  er  aber  auch  die 
Erlaubnis  ihrer  Eltern  persönlich  einzuholen.  Wird  ihm  ent- 
sprochen, dann  erscheint  der  Tänzer  am  Kirchweihabend  mit 
einer  „  Kante ^  [Kanne]  yoU  Wein  im  Hause  der  Tänzerin,  wo 
er  mitsamt  der  ganzen  Familie  am  Nachtessen  teilnimmt  und 
den  mitgenommenen  Wein  unter  alle  yerteilt.  Nach  dem  Abend- 
essen begleitet  oft  der  Yater  das  Paar  auf  den  Tanzplatz.  Das 
Gleiche  wiederholt  sich  am  folgenden  Montag.  An  beiden  Tanz- 
abenden wird  bis  zum  Anbruch  des  Morgens  getanzt. 

Das  Honorar  für  die  Musik  oder  der  „Spiel-Luh"  ist  frei- 
willig.    Jeder  weiss  ungefähr,    wie  yiel  er   für  sein  Yergnügen 


Yolkskiindliches  aus  dem  Taminathal.  157 

zo  leisten  hat,  nämlich  2—5  Fr.,  je  nachdem  er  wenig  oder 
Tiel  tanzt.  Die  Tänze  werden  zu  je  drei  Stücken  zusammen- 
gefasst  und  wird  auch  f&r  diese  Zahl  oder  ein  yielfaches  der- 
selben engagiert,  während  in  andern  Kantonen,  z.  B.  Zürich,  je 
zwei  Stück,  im  Kanton  Schwyz  gar  sieben  Stücke  als  Einheit 
gelten,  für  welche  ein  fixer  Preis  festgesetzt  ist.  Jeder  Tänzer 
kann  beliebig  engagieren,  sofeme  ihm  vom  Spielmeister  keine 
Tänzerin  zugeführt  wird;  dafür  steht  den  Tänzerinnen  aber  das 
Recht  zu,  dem  einen  oder  andern  einen  Korb  auszuteilen.  Beim 
Engagement  .ist  nicht  blos  die  Tänzerin,  sondern  auch  ihr  Tänzer 
oder  Begleiter  anzufragen.  Niemals  kommt  es  unter  normalen 
Yerhältnissen  yor,  dass  Mädchen  oder  Frauenspersonen  über- 
haupt ohne  männliche  Begleitung  auf  den  Tanzplatz  gehen. 
Wohl  aber  nimmt  oft  der  Familienyater  nach  dem  Abendessen 
seine  ganze  Familie  ausser  den  minderjährigen  Kindern  mit  ins 
Wirtshaus,  um  bei  einem  Liter  ^Alten^  mit  den  Freunden  und 
Nachbarsleuten  einige  fröhliche  Stunden  zu  yerleben.  Die  ge- 
bräuchlichsten Tänze  sind  auch  hier  der  Walzer,  Schottisch, 
Polka  und  Mazurka,  wobei  yon  den  tollsten  Burschen  nach 
Mnotathalerart  gestampft,  gejauchzt  und  gejohlt  wird.  Die 
echten,  einheimischen  Tänze  und  Tanzspiele,  wie  sie  unsere 
Aeltesten  noch  yor  Zeiten  ausgeführt  haben,  sind  in  Vergessen- 
heit geraten.  In  Liedern  und  Jodlern,  in  Tänzen  und  Bräuchen 
▼erachwindet  eine  Eigenheit  nach  der  andern.  Neues  dringt  herein 
mit  Macht  und  yerflacht  den  Geist  und  die  Kultur.  Die  Schuld 
tragen  die  ,, Alten",  die  keine  Sorge  für  die  Ueberlieferung 
ihrer  eigenen  Erlebnisse  und  alten  guten  Sitten  getragen  haben. 

Religiöse  Gebräuche. 

Am  6.  Januar,  als  am  hl.  Dreikönigsfeste,  sowie  am 
Charsamstag  wird  in  der  Kirche  yon  einem  Geistlichen 
Wasser  und  Salz  gesegnet.  Jede  Familie  ist  dabei  mit  einem 
Krug,  Schlegel,  einer  Flasche  oder  einer  Kanne  yoU  Wasser 
und  einem  „Peggali*"  [Schüssel]  yoU  Salz  yertreten;  denn  in 
allen  Wohnstuben  der  Häuser  ist  neben  der  Stubenthür  ein 
Weihwassergefass  angebracht,  welches  das  ganze  Jahr  geweihtes 
Wasser  enthalten  muss,  womit  alle  Familienglieder  sich  morgens 
und  abends,  sowie  beim  Unternehmen  einer  grössern  Reise  be- 
sprengen können.  Das  geweihte  Salz  wird  mehr  bei  Krankheits- 
fällen in  Haus  und  Stall  gebraucht. 


158  Volkskundliclres  auB  dem  Taminathal. 

An  Lichtmess  werden  Kirchenkerzen  und  Kerzen- 
rodel  [zu  einem  rundlichen  Knäuel  aufgewundene  Wachskerzen] 
geweiht.  Diese  Kerzcnrodel  gebraucht  ausschliesslich  die  Frauen- 
welt bei  Trauerfeierlichkeiteo,  also  bei  Begräbnissen,  Gedächnissen 
in  der  Kirche  und  auf  dem  Friedhof,  auch  oft  nur  zur  Beleucht- 
ung bei  nächtlichen  religiösen  Handlungen. 

Am  Palmsonntag  findet  die  Weihe  der  sog.  Palmen 
statt.  Es  sind  das  in  der  Regel  Zweige  des  „Sevibaumes'^  (Juni- 
perus Sabina),  welcher  an  einigen  wenigen  Stellen  des  Thaies 
wild  gedeiht;  vom  Messner  aber  gewöhnlich  in  mehreren  yollen 
Körben  von  der  ^Gaspusplatta^  geholt  wird;  in  einigen  Fällen 
sind  auch  Eibenzweige  verwendet  worden.  Jeder  Hausvater, 
der  noch  an  den  alten  Ueberlieferungen  festhält,  versorgt  sich  mit 
einer  Anzahl  solcher  geweihten  Zweige.  In  jedem  Zimmer  und 
Stalle  wird  ein  Exemplar  aufgesteckt,  um  dadurch  alles  Unglück 
oder  „Leidwerchen^  böser  Mächte  fern  zu  halten.  Auch  die 
Hütten  der  Maiensässe  und  Alpen  werden  damit  versorgt. 

Eine  ähnliche  Bedeutung  haben  die  Kohlen,  die  am  Kar- 
samstag aus  alten  Friedhofkreuzen  vor  der  Kirchenthüre  ge- 
brannt und  nachher  vom  Geistlichen  gesegnet  werden.  Alle 
diese  Kohlen  werden  von  der  anwesenden  Jugend  sorgfältig  ge- 
sammelt und  zu  Hause  aufbewahrt. 

Neue  Gebäulichkeiten,  Häuser,  Ställe,  Hütten  und 
Schermen  werden  vom  Ortspfarrer  benediciert  oder  eingesegnet. 

Die  angeführten  geweihten  Gegenstände,  wie  Wasser,  Salz, 
Brod,  Kerzen,  Kohlen  u.  s.  w.  gehören  zu  den  sog.  Sakramen- 
talien, deren  Gebrauch  nach  der  Lehre  der  katholischen  Ejrche 
nicht  durch  sie  allein,  sondern  durch  den  Gottesglauben,  der 
dabei  zum  Ausdrucke  kommt,  Schutz  und  Segen  bewirkt. 

Der   „Üserherrgottstag^,  d.  h.  das  Frohnleichnamsfest, 
ist,  sofern  die  Witterung  günstig,   nicht  blos  in  der  hehren  Ge- 
birgsnatur,  in  welcher  eben  erst  das  neue  Leben  erwacht,  sondern 
auch  im  Herzen  des  Yolkes  der  schönste  Frühlingstag,  der  mehr 
als  andre  Feste  das  religiöse  Gefühl  belebt  und  offenbart.    Schon 
morgens  in   aller  Frühe   streifen   die  Buben   durch   die  Wälder 
bis  zu  den  „Chöpf"  hinauf,  um  „Üserhergottschüali*  (Cypripedium 
calceolus)  zu  holen.     Alle   Gassen  werden   sauber   geputzt    und. 
mit    Gras    und    Blumen    bestreut.     Die   Häuser ,     vor    welchei^ 
die  Frohnleichnamsprozession   mit  dem  Allerheiligsten   jeweileci 
Halt  macht,  werden   mit  allen  vorhandenen  Kunstgegenstände^s 


Miszellen.  —  M^laoges.  15i> 

uod  Heiligenbildern  geschmückt  and  vor  und  neben  dem  errich- 
teten Altare  junge  Buchen  aufgepflanzt.  Auch  das  Eirchenportal 
und  die  Altäre  in  der  Kirche  werden  von  solchen  Bänmchen 
eingefasst.  Die  Prozession  findet  in  der  allgemein  üblichen 
Weise  statt,  wobei  der  „Himmel*^  von  den  drei  Kirchenverwaltungs- 
räten und  ihrem  Schreiber  getragen  wird. 

Die  Sitte  des  „  Wetterläutens*^  besteht  immer  noch  fort. 
Gewöhnlich  läutet  der  Messner  erst  während  eines  heftigen  Ge- 
witters mit  der  grossen  Glocke  allein.  Indessen  ist  das  Thal 
und  Dorf  mit  wenigen  Ausnahmen  immer  vom  Hagel  verschont 
geblieben,  der  sich  ähnlich  wie  der  Blitzschlag  auf  die  um- 
liegenden Gebirge  und  Alpen  beschränkt. 


Miszellen.  —  Melanges. 


Ueber  Spielmannsschilde. 

In  diesem  Archiv  IV,  338  machte  Herr  Staatsarchivar  Dr.  Th.  v. 
Liebenau  in  Luzem  einige  MitteiluDgen  über  SpielmannsBchilde.  Zu  dieser 
vom  15. — 17.  Jahrhundert  stark  verbreiteten  Sitte,  Spielleute,  Pritschen- 
meister,  Spnichsprecher  und  dergleichen  Leute  als  Auszeichnung  mit  Ehren- 
Schilden  zu  beschenken,  mögen  hier  noch  einige  Nachträge  gegeben  werden, 
die  ich  teilweise  meinem  in  der  Luzemer  Schützenfestzeitung  1901,  S.  218  ff. 
und  S.  234  ff.  erschienenen  Aufsatz  tlber  die  „Fechter  und  Spielleute  in  der 
Schweiz*^  entnehme. 

Einer  freundlichen  Angabe  von  Herrn  Staatsarchivar  von  Liebonau 
zufolge,  erhielt  der  aus  Freiburg  i./B.  stammende  Sänger  der  Burgunderkriege, 
Veit  Weber,  der  auch  auf  seine  Vaterstadt  1475  einen  Lobspruch  verfasst 
hatte,  von  den  Bäten  der  Städte  Biel,  Freiburg  i./B.  und  Zürich  solche  Ehren- 
Bchilde  verliehen,  die  er  als  Auszeichnung  trug.  Er  sagt  selbst  in  einem 
seiner  Sprüche  darüber: 

„Mit  gesang  vertreib  ich  min  leben, 
von  tichten  kann  ich  nit  lan, 
darum b  mir  stett  band  geben 
die  Schild,  (die)  ich  an  mir  bann.** 

Als  Weber  1483  in  Bern  gestorben  war,  sandte  der  dortige  Rat  den 
ZQrcher  Schild  wieder  zurück  (vgl.  Anz.  f.  Schweiz.  Gesch.  VII,  406  f.). 

In  Haffiier's  Solothumer  Schauplatz  U,  242  findet  sich  zum  Jahr  1559 
die  Notiz:  „Zween  Pfeiffer  Schilt  von  Silber  new  gemacht,  wägen 
99  Loth,  vom  Loth  L  Ib.  Macherlohn''. 


160  Miazellen.  —  M^Ianges. 

Ein  weiteres  Zeugnis  für  diese  Sitte  gibt  der  gegen  die  oft  sehr 
unverschämten  Forderungen  fahrender  Spielleute  gerichtete  Spruch  des 
Elsässers  Sebastian  Brant.  Derselbe  lautet  nach  Alsatia  1875  S.  75 
folgendermassen : 

„Histrio  post  victum  nummum  poscens  vel  amictum, 
.  Non  est  delictum,  si  quis  sibi  porrigit  icturo; 

Ein  spielmann  der  sein  speiss  und  tranckh 

nit  annimpt  zu  vermög  und  danckh, 

sonder  will  gelt,  schilt,  kleider  han, 

dem  gschicht  kein  sttnd,  unreht  daran 

ob  man  ihn  schlecht  ^  unnd  partschett')  frey, 

da^s  er  wüss  unnd  auch  spür  darbey 

dass  er  ein  wahrer  schalcksnarr  sey." 
Auch  der  aus  Salzburg  stammende  Pritschenmeister  Wolff  Most, 
erhielt  bei  Grelegenheit  des  Amberger  Hauptschiessens  vom  Jahre  1596,  bei 
dem  er  das  Pritschenaro  t  versah,  von  dem  Kurfürsten  und  Herzog  von 
Bayern,  Pfalzgraf  Friedrich  vom  Rhein,  als  Auszeichnung  einen  Schild 
verliehen.  Er  sagt  selbst  darüber  in  der  von  ihm  verfiASSten,  gereimtao  Be- 
schreibung dieses  Schützenfestes,  gedruckt  1596  in  Nürnberg  (Exemplar  der 
British-MuseumUiibrary,  London)  an  der  betreffenden  Stelle  : 
„Ihr  Churf[flr8tliche]  6[naden]  Hat  mich  verehrt  mit  einem 

[vnverdroBsen  [Schild 
Haben  das  Schiessen  auch  mit               Der  auch  wol  etlich  g&lden  gild. 
[geschossen.      Ihr  Chnrf  6.  sag  ich  lob  vnd  dandc. 
Ein  frommer  Herr  seins  Lebens  zeit      Ich  will  ihn  tragn  mein  lebenlang 
Der  wol  regiert  sein  Land  und  Leut      Von  jhr  Churf.  6.  wegn, 
Gott  verley  jhm  auch  langes  lehn.** 


Endlich  findet  sich  im    „Spiel  vom  reichen  Mann   und  armen  Laza- 
ms**,  gedruckt  in  Strassburg  1611,  wohl  einer  erweiterten  Bearbeitung  des 
Zürcher  Lazarus-Spieles   von    1529,   dessen  Verfasser  ebenfalls  unbekannt 
ist,  eine  Stelle,   die   als  Beleg   für  unsere  Sitte  des  Schildschenkens  gelten 
darf    Nachdem  der  Freihartsbube '),  auch  eine  Art  fahrenden   Spielmanns 
hier,  wie  es  scheint,   vor  den   reichbesetzten  Tisch  des  vornehmen  Mannee 
getreten  ist  und  emen   längeren  Spruch  gethan  hat,   sagt  der  Beiche  zu 
seinem  Kämmerer  (Exemplar  der  Strassburger  Univ.  Bibl.  Blatt  7) : 
„Kümmerling  band  diss  Manns  gut  acht 
Er  hat  die  beste(n)  Spruch  gemacht. 
Mich  wundert  wie  ers  kann  erdencken 
Gang  hin  thu  jhm  auch  ein  Schilt  schencken.** 
Die  Mitteilung  weiterer  Zeugnisse  über  Verbreitung  und  Anwendung 
des  vorliegenden  Brauches  ist  dem  Verfasser  dieser  Zeilen  jederzeit  äossent 
willkommen. 

Strassburg  i./E.  Dr.  A.  Schaer. 

*)  schlägt.   —  «)  ebenfalls   ein   Ausdruck  füir  ,prUgeln*.   —   »)  Vgl 

Chablxs  ScmoDT,  Hist.  Wörterb.  d.  elsäss.  Mundart  S.  108. 


MiszeHon.  —  Melanges..  161 

Die  Kinderlosen  im  Genfer  Fastnachtsbrauch. 

lieber  eioeo  intereBsanten  Brauch  des  Genfer  Landvolks  berichtet 
L.  Reichstetter  in  der  Tribüne  de  Genhve  vom  4.  März  1903: 

Dans  la  campagne  genevoise  subsistent  encore  d'antiques  traditions 
qui  se  sont  transmises  de  pöre  en  fils;  telles  les  «allouilles»^  et  les  cfäilles»^) 
qui  oDt  lieu  le  premier  dimanche  de  mars. 

L4)r8que  dans  une  commune  il  y  a  des  nouveaux  mari^s  qui 
n'out  pas  eu  d'enfants  dans  le  courant  de  Fannie,  les  enfants  du  village 
se  reunissent  et,  devant  la  porte  des  6poux,  vont  «^crier  les  allouilles«  ou, 
si  Ton  pr^före,  vont  «allouiller».    Ils  crient: 

•  Failles,  failles,  faillaisons!»  (Failles,  failles,  faillaisons !) 

«La  fenna  ä  Dian  va  fara')  on         (La  femme  d  Jean  va  faire ^)  un  gros 
[grou  garQon.»  fgar^on.) 

Alors  les  jeunes  mari^s  lancent  par  poign^cs  des  bonbons,  des  caramels, 
des  papillottes,  voi1-e  m^me  des  sous  que  les  \\ei\\A  manifestants  se  disputent 
d  «tire-poils».  Si  la  distribntion  se  fait  attendre,  la  jeunesse  impatiente 
tf'arme  d'arrosoirs,  de  bidons,  d'ustensiies  rösonnants,  et  frappe  dessus  k 
tour  de  bras,  faisant  «charivari>. 

II  parait  que  les  intt^ress^s  qui  voudraient  se  soustraire  k  Tobiigtition 
ties  «" allouilles»,  et  rompre  avec  la  tradition,  seraient  expos^s  ä  toutes  sortes 
de  malheurs,  vicissitudes,  contrari^t^s  et  accidents;  entre  autre  que  leur 
premier  gar^on  serait  ch6tif,  contrefait,  mal  venu  et  disgracioux,  ou  pis 
encore,  que  ce  serait  un  «gargon  d'hiver».  Aussi  n'est-il  pas  d'exeuiple 
que  des  tVpoux  de  Fannie  se  soient  refusi^s  de  feter  les  «allouilles». 

En  Savoie,  ^galement,  cette  coutume  subsiste  encore,  mais  le»  Sa- 
vuisiens  «allouillent»  de  la  mani^re  suivante: 

*0h!  les  alou-yas!»*)  (Oh!  les  alou-yas!) 

«La  fenna  ä  groussa!»  (La  femme  est  enceinte!) 

('e  (|ui  est  aussi  coneis  qu'^nergiqiie. 

Et  le  soir  oo  fait  les  «fuilles».  Ce  sont  des  feux  que  Ton  allume 
Iiour  feter  le  retour  du  printemps. 

En  dehors  du  village,  on  entasse  (|uelques  fagots  auxquels  on  met  le 
feil.  Les  gamins,  autour  du  brasier,  prominent  ce  ({u'on  appelle  alors  les 
«failles»  proprement  dites.  Ce  sont  des  branches  de  bruyt^e  s^ches  et 
facilement  inflammables,  litVes  au  bout  d'une  perche  assez  longue. 


')  AlhuiVe,  en  Savoie,  designe  les  friandiscs  ([ue  les  gens  marii^s 
dopuis  une  annee  et  qui  n'ont  pas  de  rejeton  doivent  jeter  aux  enfants  qui 
ä'assemblent  devant  leur  porte  le  1"  dimanche  du  careme.  Dans  les  villages 
des  (»nviroQS  de  Gen^ve  allouille  signifier  la  f^te  des  Brandons,  aUouiUd  - 
jeter  par  les  fenetres.  (Note  de  M.  Octavk  Ohamhaz.)  —  ^j  yCiUle,  falia, 
dans  les  patois  du  canton  de  Genöve  et  de  la  Savoie,  signilie  «fiambt^e, 
feu  de  bourröe»,  la  dtnese  de  falie,  dcz  aVoille  «limanche  des  Brandons. 
(Note  de  M.  Octave  Chambaz.)  —  ')  Plutot  vo  fara  vous  fera?  (Rfco.) 
—  ♦)  Le  pluriel  devrait  ^tre  idouyh  et  non  nhut/us.    [Rvak] 

11 


162  Miscellen.  —  Mi^langes. 

Groupös  aatour  du  feu,  hommes,  femmes  et  enfants  chant«nt,  crient, 
s'interpelleDt,.  et  quand  il  ne  reste  plus  qu'un  tas  de  cendres  rouge«  et 
ardentes,  les  plus  hardis  sauten t  par  deasus  le  foyer. 

Le  feu,  bien  eteint,  et  les  «failles»,  consumöes,  bras  dessus,  bras 
dessous,  gar^ons  et  filles,  hummes  et  femmes,  rentrent  au  villag«»  et  rega- 
gnent  leurs  p^nates  en  chantant  de  gais  refrains. 


Die  Kirchenpatrocinien  Basellands. 

In  der  „Basler  Zeitschrift  fttr  Geschichte  und  Altertumskundt»'*  11, 
122—162  findet  sich  ein  sehr  beachtenswerter  Artikel  von  Karl  Gauss,  be- 
titelt „Die  Heiligen  der  Gotteshiluser  von  Basolland".  Wir  können  zwar  die 
Verallgemeinerung  der  Aimahme,  dass  St.  Martins-Invokationen  überall  aiit 
römische  Ansiedlungen  weisen,  femer  die  Gleichung  St.  Romay  --  St.  Romani 
capella  nicht  acceptieren.  Romay  oder  -ey  ist  Remigius,  wie  Polay  oder  -ey 
Pelagius.  Der  Kult  des  Heiligen  ist  im  IX.  Jahrhundert  im  Bistum  Basel, 
ferner  in  der  Abtei  St.  Gallen  (Sacrarium  lll,  522),  1290  in  St.  M.  Magda- 
lena zu  Basel  (Basler  U.  B.  II,  381),  1377  zu  St.  Theodor  in  Klein-Basel, 
ferner  in  Mettau  (Trouillat  V,  130j,  in  Mervelier  (ebenda  V,  128),  in  Fellers 
(IÜ15\  St.  Urban  (1232),  Töss  (1325),  Sirnach,  Münsterlingen,  Rheinfelden, 
Ehrenfels  (Graub.)  und  Loco  (Propsteikirche,  Borrani  S.  '250)  nachweisbar. 
Weitere  Spuren  des  Remigiuskultes  könnten  leicht  in  der  ganzen  deutschon 
Schweiz  gefunden  werden.  Von  St.  Romanus  aber  haben  wir  im  Lauf 
vieljähriger  Nachforschungen  nichts  gefunden,  üeberhaupt  gilt  auch  hier 
der  allgemeine  Satz,  dass  die  Kirchenpatrocinien  nicht  an  das  gelebte,  sondern 
an  das  posthume  ].ieben  eines  Heiligen  anknüpfen. 

Als  älteste  Peterskirche  nennt  sodann  Gauss  (S.  148)  diejenige  zu 
St.  (fallen.  Der  Apostelfürst  ist  indes  schon  vorher  Patron  der  Kathedrale 
Genf,  einer  Kirche  zu  Saint-Maurice,  Saint-Ursjinne,  später  Moutier-Granval 
(VII.  Jahrhundert),  auf  Lützelau  (741),  in  Disentis  (766),  in  Komanshom  (779) 
u.  s.  w.  (Vgl.  Egli,  Kirchengeschichte  p.  131).  Die  häufige  Nebeneinander- 
stellung von  SS.  Lorenz  und  Stephan  beruht  auf  dem  ganz  äusserlichen 
Unistand,  dass  die  Leiber  der  beiden  Märtyrer  seit  Papst  Pelagius  II  im 
gleichen  Sarg  zu  S.  Lorenzo  fuori  le  mura  ruhen;  deshalb  wurden  Reliquien 
von  beiden  zusammen  verschenkt,  verehrt,  bei  der  Kirch-  und  Altarweiheu 
verwendet  (z.  B.  Wettingen  1440).  Näheres  darüber  findet  der  Leser  in 
meiner  Geschichte  der  Reliquien  S.  LI. 

S.  152  wird  S.  Apollinaris  als  Bischof  von  Hieraj)olis  in  Phr^'gien 
bezeichnet;  das  ist  ein  Irrtum.  Der  bei  uns  und  am  Rhein  (Remagen)  ver- 
ehrte Heilige  dieses  Namens  ist  der  Bischof  und  Märtyrer  von  Ravenna. 
Seinen  Kult  findet  man  z.  B.  im  X.  Jahrhundert  zu  St  Gallen  (Sacrarium 
St.  Galli  m  p.  552-554),  1231  in  St.  Urban,  dann  in  Petershausen,  1460 
in  Luzem,  1513  in  Schaffliausen  (Rüeger  I,  314),  1524  in  Luzern  (Liebenau, 
Das  alte  Luzern  S.  28). 

Dies  nur  einige  Bemerkungen,  welche  d(^n  Wert  der  sehr  anregenden 
und  dankenswerten  Darstellung  von  Gauss  in  keiner  Weise  herabsetzen 
wollen. 

Zürich.  E.  A.  Stückelberg. 


Miszellen.  —  M^langes. 


163 


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AndoMt«. 


Das  böse  Weib. 

Aargauisches   Lied.  M 


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E8  wütt  e  Frau  z*Mär-ti  goh,  be    nu  nu.^)     Si  wott   ih-re   Ma  nid 


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mit     e  -  re   loh,   he   nu,   so    so,   m    he.  ^) 

„Nei  Hans  de  muest  de  heime  blibe, 
Muest  d'Stube  und  Kammer  schüre." 

De  Hans  de  hett  si  müxli  still. 
Er  denkt  i  tune  was  i  will. 

Und  als  die  Frau  käme  hei, 

,Säg  Hansli  wie  mängs  Huehn  hod  gleid  ?** 

„Das  wiss  das  schwarz,  das  hetts  verdrait, 
Das  wiss  das  schwarz,  das  hetts  verdrait.** 

„Nei  Hans,  de  hesches  selbtT  gessä, 
Ha  d'Schalo  gfunde  i  d*r  Äschä." 

Duä  nimmt  de  Hansli  d'Ofegablä 
Und  stüpft  si  Frau  bis  si  zahlet. 

Die  Frau  die  nimmt  es  fUrigs  Schit, 
Und  haut  de  Hansli  bis  er  blid. 
Oborägeri.  Anna  Ithen. 


Ein  eigentOmlicher  Gebrauch  bei  den  Richterwahlen  in  Brig. 

In  frühern  Zeiten  versammelten  sich  die  freien  Manner  des  Zendene 
Bri^  jHhrlich  am  Sonnttg  vor  St.  Katharina  (25.  November)  in  der  „Platz- 
matte**  (der  heutigen  „Sandmatte"),  um  einen  Zendenrichter  oder  Gross- 
ka.stlan  zu  wählen.  Dem  erwählten  Richter  überreichte  dann  die  Bürgschaft 
Briir  ein  Geschenk,  bestehend  in  Wein,  Brod  und  Aepf(»ln.  In  einer  Rech- 
nung des  Seckelmeisters  Hans  Stockalper  vom  Jahre  1636  heisst  es: 

„Item  dem  Hr.  Castlan  Supersaxo  in  seiner  Erwellung  presentirt 
6  Mass,  6  g  Brot,  item  ein  par  Blatten  mit  öpflen." ') 

Eine  Rechnung  aus  dem  Jahre  1738  bringt  folgende  Notiz: 

^Den  23.  Nov.  an  der  Richterbesatzung  gt»g(»ben  das  gewonliclie 
pre«ent  als  fünf  Masse  Wein,  item  V2  FischeP)  Obst;  item  ein  Fischel 
miitzis  brodt.**') 


')  Vgl.  Ebk-Böhme,  Deutscher  Liederhort  II,  689 ;  L.  Toblkr,  Schweiz. 
Volkslieder  H,  188.  —  *)  Wird  bei  jeder  Sti-ophe  wiedcM-holt. 

')  Stockalperarchiv Brig.  F  no.  36.  —  ^i  Ein  llohhuass  (uilat.  fischelinum). 
—  *)  Rechnungsbuch  des  Procurators  F.  G.  Burgener  im  Stockalperarchiv. 
.Mntzis  Brot**  bezeichnet  eine  bessere  Sorte  von  Brot ,  die  eigens  zu- 
bereitet wird.  — 


164  Miszellen.  —  M^langes. 

Diese  Gaben  wurden  unter  einer  geziemenden  Rede  flberreicbt 
und  vom  Kastlan  auch  verdankt.  In  einem  Buche  des  Christian  Albert, 
Notar  und  Kastlan  von  Naters,  , welches  Buoch  handlet  von  unterscheid- 
lichen schönen  Reden  und  Ck)mplimenten*',  findet  sich  eine  Reihe  von  solchen 
Reden,  die  bei  Ueberreichung  der  Gaben  gehalten  wurden.*)  Selbe  geben 
uns  einigen  Aufschluss  über  den  Sinn,  den  man  damals  den  Geschenken 
unterlegte.  In  der  Ansprache  von  1717  heisst  es,  die  Bürgschaft  offeriere 
Aepfel,  Wein  und  Brot,  „durch  die  epfel  anzeigend  den  süntlichen  epfelbis 
der  ersten  mutter  Evae,  dass  ist  dass  verbrechen  der  menschen,  dass  solches 
abzustraffen  seye :  durch  den  Wein  die  nothwendige  Gerechtigkeit,  als  etwas 
scherpfers,  durch  das  brodt  die  Gnadt  und  barmhertzigkeit**  (S.-71).  Auch 
in  andern  Reden  werden  die  Aepfel  mit  dem  Verbrechen,  das  Brot  mit  der 
Barmherzigkeit  und  der  Wein  mit  der  Gerechtigkeit  verglichen  (S.  273  etc). 

Eine  andere  Auslegung  erlaubt  sich  der  Redner  im  Jahre  1737.  Unter 
Brot  versteht  er  die  väterliche  Vorsichtigkeit,  unter  Wein  die  Starkmütigkeit 
und  unter  den  Aepfeln  sowohl  „die  Miltigkeit  als  die  nothwendige  Gerechtig- 
keif*  des  Richters. 

Wie  lange  diese  Sitte  bestanden,  ist  mir  unbekannt;  sie  dürfte  wohl 
durch  die  franz.  Revolution,  die  auch  die  Wahlart  eines  Kastlans  von  Brig 
umänderte,  verdrängt  worden  sein. 

Brig.  D.  Imesch,  Prof. 


Chanson. 


Une  daroe  de  Lausanne  nous  communique  la  chanson  suivante,  qu'elle 
a  souvent  entendu  chanter  ä  sa  belle-m^re,  n6e  en  1828  et  morte  en  1894. 
Cette  vieille  dame  l'avait  apprise,  toute  enfant,   d*une   bonne   du   Gros-de— 
Vaud,  qui  la  lui  chantait  en  la  tenant   par  les  deux  mains  et  en  la  faisanfcr 
toumer. 

«Je  connais  tr6s  bien»,  nous  ^crit  M.  Henri  Mercier,  «pour  Tavoi'K-- 
souvent  entendu  chez  ma  grand'm^re  et  chez  notre]tante,  le  bout  de  ch&nsoK-Si 
qu'on  vous  a  envoyö.  L'air  seulement  ötait  un  peu  diff(6rent.  Deux  autn^a 
personnes  plus  jeunes  me  Tont  chant6  tel  qu'il  est  notö  .  . .  .» 

JiouB  saurons  grö  ä  ceux  de  nos  lecteurs  qui  pourraient  nous  com  — 
muniquer  des  variantes  du  texte  ou  de  la  musique. 


^^^^EMIUJLJLjlS-^^ 


J'ai  -  me  mieux,  cent  fois  mieux    un  jeu  -  ne   ma  -  ri  qu'un  vieox.    


$E^$^^^^^^^^^^^^ 


Les  vieux  vous  fönt     la    gri-ma-ce     et     les    jeu-nes  vous   em- 


gj^rjr^^^^jzgjiijte^ 


bras-sent;  J'ai-me  mieux,  cent  fois  mieux,  un  jeu  -  ne    ma  -  ri  qu*un  vieux 


*)  Historisches  Museum  in  Brig. 


/ 


Bücheranzeigen.  —  Comptes  rendus.  Iö5 

Emploi  de  sortiliges  contre  ravancement  des  glaciers. 

Les  (^diteurs  des  Oeuvres  d'Abauzit  (6en{*ve,  1770)  ont  ins^n»  au  toin»* 
j»econd,  pages  174  et  suivantes,  udo  «Lettre  de  M.  Mann  a  M.  Abauzit», 
Oll   je  copie  les  lignes  qui  suivent: 

Je  me  häte  de  voub  faire  part  de  ce  que  j'ai  trouvt^  de  plus  remar- 

r|un.ble  dans  les  glaei^res  du  canton  de  Berne EUes  ne 

i^^^t-cndirent  janiais  davantage  que  dans  les  plus  fortes  chaleurs  de  r^t<^  de 

17Xtl    Elles  firent  alors   une   teile  peur   aux  paysans.  que,   se  voyant  prös 

€f^»      perdre  leurs  belles  prairies,  ils  viiirent  demander  au  baillif  d'lnterlachen 

Ia.      X3ermi88ion  de  se  servir  d'une   personne   du  pays  de  Vaud,  qui,   dit-on, 

A^'.^Lit  le  secret  de  faire  recaler  les  glaces.    La  demande  paraissant  au  bailli 

■  odi<|uer  des  voies  illicites,  ne  fut  pas  accordee.    II  m'a   pourtant   dit   qu*il 

«^••"O^yait  (jue  les  paysans  avaient   employ«^    secr^tvment   ce   sortiK'ge,   parce 

•"!***■■  est  certain  que,  depuis  ce  temps,  les  glaces  ont  diniinue  chaque  ann^e. 

Gen6ve.  Eug(?ne  Ritter. 


Das  Totenvolk  im  Engadin. 

Alte  Leute  im  Engadin  erzählen:  Bei  der  verfallenen  Kirche  von 
^-^  ^  <st.pella  (zwischen  ScaniB  und  Brail  am  Ausgang  des  Sulsanna-Thales) 
'^"^^^  man  früher  oft  das  Totenvolk  gesehen.  So  mancher  Fuhrmann  ist 
^^•'^^»♦r  unheimlichen  Schaar  begegnet.  Dem  Zuge  voran  schreitet  eine  6e- 
*  "^^^j  die  in  der  Rechten  an  einer  aus  Knochen  gebildeten  Kette  ein  Beil 
^^  jrs* t.  Derjenige,  der  dem  Zuge  nach  der  linken  Seite  ausweicht,  ist  un- 
^^'«llDar  des  Todes.  Das  Beil  wird  ihm  mit  Wucht  in  die  Seite  geworfen 
•^^-i  dort  haftet  es.  Kein  Mittel  vermag  es  zu  lösen  und  der  Getroffene 
^>^^Ä«  sterben. 

Bern.  G.  Bundi. 


Bücheranzeigen.  —  Comptes  rendus. 


•*•  Konrad  Brunner,  Die  Verwundeten  in  den  Kriegen  der  alten 
Eidgenossenschaft.  Geschichte  des  Ileeressanitätswesens  und 
der  Kriegschirurgie  in  schweizerischen  Landen  bis  zum  Jahre 
1798.  Tübingen  (H.  Laupp)  1903.  XVI  +  418  Seiten.  8^ 
Preis  12  Mark. 

Der  hervorragende  Kliniker  und  Chirurg   in    Münsterlingon   hat    sich 

^•^»'chdie  Bearbeitung  des  vorliegenden  Stoffes  ein  grosses  Verdienst  erworben, 

^^  es  ist  seine  Arbeit  um  so  höher  zu  schützen,  als  es  sonst  nicht  leicht  einem 

**oiker  möglich  sein  dürfte,  neben  seiner  reichen  Thätigkeit  als  Chefarzt  eines 

'^'^^^^sen  Spitals,  sich  mit  historischen  Studien  zu  befassen.     WtMin  man  den  ge- 

^aliigen  Umfang  des  Stoffes  überblickt,  den  der  Verfasser  hier  gcsannnel 


166  Bücheränzeigen.  —  C'omptes  rendus. 

und  verarbeitet  hat,  so  wird  man  seiner  Thatkraft  und  seinem  Wissen  die 
höchste  Bewunderung  nicht  versagen  können. 

Spezifisch  volkskundlich  ist  der  Gegenstand  zwar  nicht,  wenigstens 
nicht  so  weit  er  sich  auf  die  Entwicklung  der  Chirurgie  als  philanthropischer 
Kulturbestrebung  erstreckt;  aber  wie  jedes  starke  Licht  auch  starke  Schatten 
erzeugt,  so  hat  auch  diese  grosse  Wissenschaft  eine  Anzahl  dunkler  Existenzen 
ins  Leben  gerufen,  die  sich  der  sog.  niedern  Chirurgie  bemächtigten  und 
unter  marktschreierischem,  hin  und  wieder  auch  mystischem  Gebahren  im 
Volke  zur  Anwendung  brachten.  Mit  solchen  auf  das  Volksleben  kräftig  ein- 
wirkenden Elementen  hat  sich  die  Volkskunde  je  und  je  beschäftigt. 

Nach  einer  kurzen  Einleitung  über  die  Knegsheilkunst  im  Allgemeinen 
bis  zum  14.  Jh.,  die  Kriegsgegner  der  Eidgenossen  im  14.,  15.  und  16.  Jh. 
und  das  Kriegsheilwesen  des  Auslandes  im  spätem  Mittelalter  wendet  sich 
Br.  seinem  Ilauptgegenstaude  zu.  Er  scheidet  denselben  in  zwei  Teile :  den 
Zeitraum  vom  Anfang  der  Eidgenossenschaft  bis  zum  17.  Jh.  und  den  Zeit- 
raum des  17.  und  18.  Jh.'s.    Der  erste  derselben  umfasst  folgende  Kapitel: 

I.  Die  staatliche  Fürsorge  filr  die  Verwundeten,  2.  Truppenäushebung.  Mili- 
tärische Stellung  des  Heilspersonales  (die  Seh  er  er),  3.  Zahl  und  Sicherung 
der  Verwundeten,  Heroismus  derselben,  ihre  erste  Behandlung  und  Pflege, 
4.  Arten  der  Verwundungen  nebst  historischen  Betrachtungen  über  die  Be- 
waffnung, 5.  die  Leistungen  der  Kriegscliirurgie,  6.  u.  7.  Thätigkeit  der 
Seh  er  er  im  Frieden  und  im  Felde.  Biographisches  über  einzelne  Feldscherer, 
8.  Die  gelehrten  Aerzte,  ihr  Verhältnis  zu  den  Scherem,  9.  Anteil  der  Frauen 
und  Priester  an  der  Verwundetenpflege,    10.  Die  Apotheker  im   Felde, 

II.  Verpflegung  der  Truppen,  12.  Bestattung  der  Toten,  13.  Epidemische 
Krankheiten  im  Heere  —  Der  zweite  Zeitraum:  Abschn.  I— IV.  Allgemeineres 
über  das  ausländische  Sanitätswesen  und  das  schweizerische  Wehrwesen  im 
17.  und  18.  Jh.,  V.  Das  schweizerische  Heeres-Sanitätswesen :  A.  des  17. 
Jh.*s;  hierin  die  Kapitel:  1.  Organisation  im  Frieden,  2.  Ausrüstung  des 
Sanitätspersonals,  3.  Besoldung  und  Hang,  4.  Instruktion,  5.  Sanitätswesen 
im  Felde  (Einzelheiten  über  die  Verwundeten  im  ersten  Vilmergerkriege  1656), 
B.  des  18.  Jh.'s  mit  annähernd  denselben  Unterrubriken,  sowie  Ausführungen 
über  den  zweiten  Vilmergerkrieg  (1712),  die  französische  Invasion  (1798), 
den  Aufstand  der  Nidwaldner,  die  französischen  Militärspitäler  in  der  hel- 
vetischen Einheitsrepublik  und  weiterhin  zwei  Kai)iteln  über  das  Sanitäts- 
wesen in  Schweiz.  Söldnerregimenteru  des  17.  und  18.  Jahrh.  und  das  Kriegs- 
recht, »j  Abschn.  VI  wirft  einen  Blick  auf  die  wissenschaftliche  Entwicklung 
der  Chirurgie  uinl  ihre  Ilauptvertreter  im  17.  und  18.  Jh.  und  den  Anteil 
der  Schweiz.  Aerzte,  Abschn.  VII  erörtert  die  kriegschirurgische  Therapie 
des  Zeitraums,  darin  1.  Fachtechnische  Ausrüstung,  2.  Wundbehandlung, 
3.  Die  kriegschirurgischen  Operationen  (Amputation,  Exartikulation,  Resektion, 
Trepanation),  Abschn.  VIII.  Hervorragende  Schweizerärzte  des  18.  Jh.'s  und 
die  wissenschaftliche  Entwicklung    der  internen  Medizin,    IX.  Die  allgemein 

')  Diese  Kai)itel  wären,  da  sie  die  beiden  Jahrhunderte  umfassen, 
wohl  besser  mit  einer  römischen  Zahl,  statt  einer  arabischen  versehen  wor- 
den. Auch  typographisch  entbehrt  «las  Inhaltsverzeichnis  einigermassen  der 
IJebersichtlichkeit. 


BüclHM*anzei|j:rn.  —   (\)in])t(*8  ren<IuH.  167 

zivilärztlichon  ZustÜDde  des  17.  und  18.  Jb.*8  in  der  Schweiz  (((«orin  u.  A. 
Scherer-Ordnungen  und  Zunft  leben,  der  Scharfrichter  als  Chirurg^ 
Volks-  und  Vieharzt).  Im  Anhang  sind  einige  willkommene  Exkurse 
über  ältere  medizinische  Handschriften  schweizerischer  Herkunft  beigegeben. 
Zum  Schluss  verdient  ausdrücklich  hervorgehoben  zu  werden,  das» 
die  Darstellung  <lurchaus  nicht  mit  fachwissensehaftlichem  Ballast  beschwert 
ist,  sondern  allgemein  verstiindlich  und  in  angenehmer,  leicht  fliessender 
Form  geschrieben.  E.  Hoffmann-Krayer. 

Raimund  Friedrich  Kaindl,  Die  Volkskunde.  Ihre  Bedeutung, 
ihre  Ziele  und  ihre  Methode.  Leipzig  und  Wien  (Deuticke) 
1903.    XI  +  149  Seiten.    Lex.  8^    Preis  5  Mk.  — 

Ein  Werk,  das  mit  so  viel  Liebe  und  Wärme  fiir  seinen  Gegenstand 
inntritt,  wie  das  vorliegende,  darf  man  mit  rückhaltloser  Freude  begrüssen. 
Gern  vergisst  man  über  dem  Eindruck  des  Ganzen  die  im  Einzelnen  auf- 
fallenden Lücken  und  Ungleichheiten. 

KaindPs  Buch  wendet  sich  vor  allem  an  die  Lehrerschaft,  dann  aber 
auch  an  ein  weiteres  Publikum,  und  bezweckt  die  Klarlegung  der  Grund- 
fra«:en,  der  Begriffsbestimmung,  der  Bedeutung,  der  Sammel-  und  Forschungs- 
methoden dieser  neuen  Wissenschaft.  Allzudürftig  ist  die  Geschichte  und 
tiie  Darstellung  der  heutigen  Ausübung  «ler  Volkskunde  ausgefallen.  Der 
schöne  Aufsatz  R.  M.  Meyers  über  die  Anftlngc*  der  Volkskunde  im  2.  Bande 
*lw  Zeitschrift  für  Kulturgeschichte  scheint  dem  Verf  entgangen  zu  sein; 
noch  mehr  aber  wird  es  joden  Leser  wundern,  neben  den  volkskundlichen 
Bestrebungen  Deutschlands,  Oesterreich«,  Englands,  Dänemarks,  Schwedens, 
Norwegens,  Islands  und  der  Niederlande  nicht  auch  die  der  Schweiz  er- 
wähnt zu  finden,  die  denn  doch  in  Männern  wie  Stalder,  Kochholz,  Lütolf, 
^'  Staub  und  Ludw.  Tobler  hervorragende  Förderer  der  Volkskunde  aufweist. 
Auch  über  die  Existenz  einer  schweizerischen  Gesellschaft  für  Volkskunde 
und  ihres  nun  im  7.  Jahrgange  gehenden  Vereinsorgans  sagt  K.  nicht«, 
^'r  bedauern  das;  denn  mancher  Unkundige,  der  sich  aus  dem  Buche  Rats 
wholen  will,  wird  sich  verwundert  fragen,  ob  denn  die  Schweiz  das  einzige 
{fermaniüche  Land  sei,  wo  das  Interesse  an  der  Volkskunde  noch  schlummere. 

Abgesehen  aber  von  diesen  Lücken  halten  wir  das  Buch  für  geeignet, 
•l'is  Studium  der  Volkskunde  zu  wecken  und  zu  fördern. 

Kine  eingehendere  Besprechung  wird  der  Unterzeichnete  in  der 
iHtschen  Litteraturzeitung  erscheinen  lassen.  E.  11. -K. 

Alois  John,  Oberlohma.  Geschichte  und  Volkskunde  eines  Eger- 
länder  Dorfes.  (Beitrr.  z.  deutsch-böhm.  Volkskuude  IV.  Bd. 
2.  Heft.)    Prag  (Calve)   1903.    195  Seiten.    Preis  3  Mark. 

Vorliegende  Arbeit  gehört  in  die  Kategorie  von  Ortsbeschreibungen, 
^'^  wir  sie  in  unsrer  Zeitschrift  schon  öfti»rs  anzuzeigen  (TelegeiihtMt  hatten. 
^'♦^  «tammt  ans  der  Feder  des  verdientt»n  Hegrüntlers  der  Volkskunde-Zeit- 
^^^h  , Unser  Egerland**  und  Herausgebers  der  Grüner'schen  Sammlungen 
•8-  Archiv  VI,  66),  bietet  also  von  vornherein  eine  Garantie  für  Gediegenheit 
in  der  AusfÜhruDg. 


1Ö8  Büchoranzeigon.  -    ()()mi)te8  rendus. 

Dem  speziell  volkskundlichen  Teil  geht  ein  geschichtlicher  voraus, 
der  sich  in  die  Kapitel:  Natur  und  Boden,  Urzeit  (Besiedlung,  Fundstätten, 
Ortsnamen,  Dorfaulage,  Hufenverfassung,  Flurnamen),  Geschichte 
der  Höfe,  Die  Kirche,  Die  Schule,  Aeussere  Schicksale  des  Dorfes  einteilt. 
Der  volkskundliche  Teil  beschreibt  zunächst  die  Dorfmark,  Haus  und 
Hof,  geht  dann  zu  Nahrung  und  Tracht  über  und  kommt  in  einem  5,  Kap. 
eingehend  auf  die  Sitten  und  Bräuche  zu  sprechen,  die  uns  ein  belebtes  und 
interessantes  Bild  jener  Gegend  entrollen.  Die  Einteilung  in  Lebensbrüache, 
Festbräuelie,  Wirtsehaflsbrciuche  und  Rechtsbriluche  scheint  mir  durchaus 
zweckmässig.  Den  Sitten  reihen  sich  naturgemäss  Aberglaube  und  Volks- 
diclitung  an.  Den  Schluss  bilden  Zusammenstellungen  mundartlicher  Aus- 
drücke und  Formeln.  Sehr  willkommen  sind  auch  die  beigegebenen  Pro- 
spekte, Pläne  und  Karten.  E.  H.-K. 

W.  H.  Riehl,  Knlturstudien  aus  drei  Jahrbunderten.  6.  Auflage. 
Stuttgart  und  Berlin  (Cotta)  1903.  XII  +  446  Seiten.  8^ 
Preis  4  Mark.  — 

Wir  wollen  nicht  ermangeln,  auch  unsre  Leser  auf  das  Wieder- 
erscheinen der  weitbekannten  Riehrschen  „Kulturstudien**  aufmerksam  so 
machen,  die  ja  u.  A.  auch  manches  Volkskundliche  enthalten,  wie  z.  B.  die 
Kapitel  „Volkskalender  im  18.  Jahrhundert,  „Alte  Malerbücher  als  Qaellen 
zur  Volkskunde"  und  namentlich  im  zweiten  Buch  den  Vortrag  „Die  Volks- 
kunde als  Wissenschaft".  Dass  Riehl  jeden  Gegenstand,  den  er  anfassti 
geistvoll  und  anregend  zu  behandeln  weiss  und  trotz  seiner  Vielseitigkmt 
nirgends  oberflächlich  bleibt,  braucht  an  dieser  Stelle  nicht  mfehr  eigens 
hervorgehüben  zu  werden.  Diese  Eigenschaften  sind-  es,  die  all  seinen 
Arbeiten  je  und  je  einen  besondem  Zauber  verliehen  haben.  Sie  wirken 
auch  nach  seinem  Tode  lebenskräftig  w«Mter.  E.  H.-K. 

A  de  Cook  en  Js.  Teirlinck,  Kinderspel  en  Kinderlust  in  Zuid- 
Nederland.  Tweede  Deel:  III.  Dansspelen.  Gent  (A.  Siffer) 
1903.    389  blz.    8^    4  Prs.  — 

Dem  im  „Archiv"  (VI,  311)  angezeigten  ersten  Teil  dieses  gediegenen 
Werkes,    welclier   die    I.auf-  und    Springspi(»le  vei-zeichnete,   ist  rasch   der 
zweite  mit  den  Tanzspielen    nachgefolgt.     Was   schon    an  jenem    rühmewi  .■ 
hervorgehoben  wurde,    gilt   auch  von  diesem:    wissenschaftliche,  klare  Dlr- 
stellung   in    übersichtlicher  Anordnung.     Ganz    besonders  möchten  wir  nosk  - 
auf  die  beigegebenen  Zeichnungen  hinweisen,    die    uns   ein   deutliches  EiU:.^ 
machen  von  der  Aufstellung  und  Bewegung   bei   den  betreffenden   Spifllfl^r^ 

E.  H..K.    • ' 


Band  Vll  lieft  1.  ausgegeben  12.  Juni  1903. 


AfiCtllVES   SU1BSES    DES   TRADIT30N5    t^at>UUitRE&   T,    Vll, 

7  S^^ 


S  A  I  N  T  -  F  R  O  M  O  N  D 
EX-VOTO    u    BONFOL 


ARCHIVES    SUISSES    DES    TRAOITIONS    POPULAIRE8    T.    VII 


SAINT-FROMOND,    SA    CHAPELLE    ET   LE   CHENE 

EX-VOTO    a    BONFOL 


169 


Traditions  populaires  jurassiennes 

Recueillies  par  Tabb^  A.  Daucourt,  cnr^  de  Mi^court.  * 
(Avec  deux  planches)  ' 

Sons  ce  titre  nous  n^avons  pas  la  pr6teDtion  d^ecrire  rhistoire 
des  peuplades  primitives  du  Jura,  mais  simplement  de  recueillir 
des  traditions  plus  ou  moins  modifi^es  par  la  civilisatiou  moderne. 
Beaucoup  de  traditions  jurassiennes  sont  semblables  ou  ä  peu 
pres  ä  Celles  de  la  Franche-Comtd  ou  de  la  Bourgogne,  pays 
habites  par  le  meme  peuple  celtique,  les  S6quanais.  Ces  tradi- 
tions se  sont  perp^tu^es  de  g6n6ration  en  gen^ratiou,  et  cela  avec 
d'autant  plus  de  fid61it6  que  la  memoire  a  du  s'exercer  plus  vive- 
ment  en  Tabsence  de  T^criture.  C'est  pr6cisement  la  facilit6  de 
la  lecture  qui,  de  nos  jours,  a  fait  perdre  de  vue  les  anciennes 
legendes  populaires. 

II  est  regrettable  que  nos  vieilles  gens  de  la  campagne 
n'osent  plus  raconter  au  foyer  de  la  famille  ces  innocentes  tradi- 
tions. Elles  n'osent  plus  le  faire  parce  que  la  jeunesse  plus  in- 
Btruite  les  traite  de  superstitions,  de  niaiseries  et  pire  encore, 
ne  comprenant  pas  tout  ce  qu'il  y  a  d'instructif  dans  ces  recits, 
qui  sont  ä  proprement  parier  les  seules  bases  de  l'histoire  primi- 
tive de  nos  populations.  Nous  retragons  ici  quelques-unes  de  ces 
traditions,  que  nous  connaissons  depuis  notre  eniiance,  et  qu'on 
retrouvo  en  partie  dans  les  ouvrages  de  W^^  Vautrey^), 
^l^^  Chövre^),  Quiquerez'),  dans  TAnnuaire  jurassien,  etc.  Plusieurs 
sont  encore  racontöes  dans  les  familles. 

Jean  des  Cötes.  —  A  Fregi^court,  sur  une  colline  voisine 
du  village,  il  y  avait  une  forme  disparue  depuis  longtemps. 
C'etait  Celle  de  Jean  des  Cötes.  Ce  Jean  avait  la  r^putation 
d'etre  un  sorcier  si  mauvais  que  les  gens  du  village  d'Asuel 
offrirent  ä  leurs  voisins  de  Fr6gi6court  une  foret  de  50  arpents 
pour  brüler  le  «genet».*)  La  tradition  rapporte  que  le  marche 
fut  conclu.  La  forme  brülee,  le  territoire  fut  converti  en  foret. 
Les  bonnes  gens  croient  encore  que  cette  foret  est  hantee  par 
ce  Jean  des  Cötes,  qui  apparatt  de  temps  eu  temps  pour  attaquer 
les  femmes,  dont  il  abuse. 

*)  M»»  Vautrey.  Villes  et  villages  du  Jura  Benwis.  —  2)  M«'  Chevre. 
Histoire  de  la  ville  et  prevöU  de  St-Ursanne.  —  ^}  (Jui(|uerez.  Topographie 
du  Jura.  —  *)  Genet,  genadje,  cn  patois  jurassien,  un  sorcier,  une  sorciero. 

11* 


170  Traditions  populaires  jnrassieDnes 

V Esprit  de  Heujouse.  —  Lorsque  la  tempete  de  1789  jeta 
le  d^sarroi  parmi  les  religieax  du  monastöre  des  Beroardios  de 
Lucelle,  pr^s  de  Pleujouse,  les  moines  crurent  que  ce  n'etait 
qu'un  orage  passager.  Toutefois,  quand  les  paysaos  revolt^s 
d'Alsace  Yinrent  menacer  le  couveut,  leB  religieux  eurent  la  pr^- 
cautiou  de  sauver  le  num^raire  de  leur  tr^sor  et  de  se  le  par- 
tager  entre  eux.  Quelques- uds,  se  croyant  plus  sages  ou  plus 
ruses  que  les  autres,  allerent  cacher  leur  part^  les  uns  au  pied 
d^nn  arbre  qui  fut  marqu6  avec  sein,  les  autres  dans  une  ca- 
verne  voisine.  Cependant,  devant  le  flot  revolutionnaire  qui  en- 
vahissait  l'Ey^che  de  Bäle,  les  Bernardins  se  dispers&rent  en  Suisse 
ou  en  Allemagne,  sans  avoir  eu  le  temps  de  reprendre  leur  bien.  La 
tradition  persiste  k  dire  quo,  bien  des^anoees  apr^s,  un  religieux 
serait  revenu  d' Allemagne  pour  reprendre  son  tresor  dans  la 
caverne,  et  qu^un  autre,  moins  heureux,  ne  put  retrouver  Tarbre  au 
pied  duquel  il  avait  enfoui  son  argent.  L'arbre  avait  &t&  coup6 
avec  d'antres  depuis  longtemps.  Aussi  on  dit  que  Täme  en 
peine  de  ce  religieux  erre  souvent  dans  la  foret  k  la  recherche 
du  tresor.  Ce  n'est  qu'avec  crainte  qu'on  s'aventure  dans  la  forSt, 
surtont  de  nuit. 

La  Pierre  de  FAuiel.  —  Cette    pierre    n'est    autre    chose 
qu'une  röche  naturelle  qui  se  dresse  sur  la  montagne  du  Repais, 
chaine    du    Mont-Terrible,    dans    la    paroisse    d'Asuel.     Elle  est 
haute  de    18    pieds,    sur  7  de  diametre.     Yue   de    certain  cötä, 
eile  ofFre  Tapparence  d'une  tSte  d'homme  k  figure  leonine.     Ell» 
n'a  point  6t6  taill^e,  et  sur  sa  sommit6  aplauie,    que    Ton    peufc^ 
escalader  au  moyen  de  quelques  entailles,    on  observe    de   nom — 
breuses  traces  de  feu,  qu^on  allumait  pour  les  sacrifices  druidique^ 
Sa   forme    bizarre,     sa   Situation    ^cart^e     sur    cette    montagn^^ 
ont  du  öveiller  Tattention  des    peuples    celtiques    venus    sur    c^^ 
haut  Heu.     Cette  röche  est  d^jä  cit6e  dans  les  actes  de  l'Eygckiria 
de  Bale  en    1210    et    a    toujours    porte    le    nom    de  Pierre  ^cz: 
VAutel'  «inde  ad  rupem  quae  appellatur  de  Altare»*). 

Une  legende  curieuse  concerne  ce  monolithe  et  se  perp^k^  ^ 
encore  de  nos  jours.    Au  VIP  si^cle,  saint  Ursanne,  saint  Imier- 
Saint  Fromont  etaient  arrivds  au  sommet  du  Repais,   prös  d^ 
Pierre    de    l'Autel.     La,    incertains    du    lieu    oü    ils    fixer&l^j 
leur    demeure,   ils  interrog^rent  Dien  pour  les  diriger  dans  l^a 
choix.     Aprfes  aToir  pri^,  ils  jeterent  leurs   bätons  au  hasard     WLt 

■')    Trouillat.     Monuments,  I,  p.  452. 


TraditioDS  populaires  juraHsiennes  l71 

milieu  de  ces  contr^es  encore  d^sertes.  Le  bäton  de  saint  Ursaune, 
dirig6  vers  Touest,  alla  tomber  snr  un  roc  au  bord  du  Doubs, 
oü  Termite  fixa  sa  demeure,  qui  doDna  naissance  au  monastöre, 
puis  k  la  coI16giale  et  k  la  ville  de  St-Ursanne.  Le  bäton  de 
Saint  Imier  fut  porte  au  sud  snr  les  rives  de  la  Suze,  en  Erguel, 
oü  ce  Saint  bätit  un  ermitage  qui  devint  le  nionastere,  puis  la 
coll6giale  de  Saint-Imier.  Le  bäton  de  saint  Fromont  partit  Yers  le 
nord.  Le  saint,  qui  l'avait  suivi,  le  retrouva  dans  une  Taste 
foret,  oü  il  se  cpnstruisit  un  ermitage. 

Le  Chine  et  la  Source  de  saint  Fromont.  —  Dans  une 
foret  pr^s  de  Bonfol  se  trouve  une  tr^s  vieüle  souche  d'un  chdne. 
Xa  tradition  rapporte  qu'au  VII®  sifecle  saint  Fromont  retrouva  son 
l)äton  prös  du  Heu  oü  s'est  bäti  depuis  le  village  de  Bonfol.  II 
l^aorait  plantö  en  ce  lieu  et  ce  baton  aurait  pris  racine  et  donn£ 
naissance  k  un  ebene  s6culaire. 

Depuis  des  si^cles  un  d^bris  de  souche,  une  loupe  de  chSne, 
proTenant  d'un  mSme  tronc  et  dont  la  grosseur   ne  d6passe  pas 
cclle  du  Corps  d'un  homme,  est  encore  aujourd'hui  Tobjet  de  la 
▼ön^ration  des  peuples  Yoisins  de  Suisse,  de  France  et  d'Alsace. 
Personne  n'oserait  songer  k  enlever  cette  souche.     On  s'en  dis- 
pute les  parcelles,  qu'on  d6tache  k  grand  peine  pour  en  faire  des 
reliqoes,  et  la  masse  si  facile  k  enlever  reste  lä    k   attendre    la 
*>i^feohe  qne  lui  fera  un  nouveau  couteau.    Autour  de  cette  souche, 
trois  ou  quatre  tiges  sortant  de  terre  finiront    par    se  substituer 
*ö     ebene  de  saint  Fromont  et  d6jä  les  croix  et  les  noms  de  p61e- 
riaa    se   grayent   sur    ces    sonches.     Nous  nous    souvenons    que, 
datiQ  notre  enfance,  nous  faisions    chaque    ann^e    le    voyage    de 
^^Ofrentruy  k  Bonfol,  au  ebene  de  saint  Fromont. 

A  quelques  cents  pas  de  lä,  k  l'entr^e  du  village  de  Bonfol, 

*®    trouve  une  source    tres  abondante,  appel^e    « la    fontaine    de 

*^irit  Fromont».     D'aprfes  la  tradition,  le  saint  anachorfete  aurait 

^oHBtruit  sa  demeure  pr^s  de  cette  source,  qu'il  a  sauctifif^e   par 

^^^    usage.     Aussi  chaque  ann^e,  le  lendemain  de  l'Ascension,  on 

*^it    la  föte  de  saint  Fromont.     Avant  Toffice  solenne!,  oü  preche 

^^jours  un  pr^dicateur  6tranger,  une  immense  procession  se  d6- 

^'^ule  vers  le  ebene  de  la  foret,  puis  vers  cette  source.     Quand 

^   Service  religieux  est  termin6,  les  foules  accourues    de    toutes 

^^  contr^es    environnantes    vont   boire  k  la  source  miraculeuse. 

^uaque  p^lerin  empörte  de  cette  eau  dans  des  bouteilles  ou  des 

L        ^^doDs  et  on  cueille  6galement  l'herbe    qui   croit  en   abondance 

\ 


172  Traditions  i)opulaire8  jurassiennes 

autour  de  la  source  pour  la  donner  au  b^tail,  afin  de  le 
pr^server  de  maladie.  Avant  de  rentrer  chez  eux,  les  pieux  p^Ierins 
ont  soiQ  de  placer  cette  herbe  sur  le  tombeau  du  eaint,  qui  se 
trouve  daus  la  grande  dglise.  Le  jour  de  la  föte,  le  lendemain 
de  rAscensioD,  une  animation  extraordinaire  r^gne  dans  le  villagede 
Bonfol,  oü  les  marchands  forains  fönt  de  bonnes  affaires.  L'^glise 
est  tapissee  d'ex-votos  naifs,  et  pendant  toute  l'ann^e  le  tombeau 
de  Saint  Fromont  est  visitc  par  des  milliers  de  p£lerin8,^[qui  y 
Yont  demander  la  gu^rison  de  leur  b^tail  malade. 

La  Roche  de  la  Colnate.  —  Tont  pres  de  Cesais,  hamcau 
de  la  commune  de  St-Brais,  se  dresse,  sur  le  flanc  de  la  mon- 
tague,  une  colonne  de  rocher  de  plus  de  60  pieds  de  haut, 
pos^e  seule  et  isolee  au  pied  de  la  Haute  Roche  de  St-Brais, 
sur  laquelle  on  a  plac^  une  borne  trigonometrique.  Cette  röche 
rappelle  Tdpoque  druidique.  Plus  tard  on  y  allumait  les  feux 
de  la  St- Jean  et  de  Noel,  et  c'est  encore  lä  qu'on  fait  les  feux 
des  Brandons. 

La  Pierre  des  Sorci^res.  —  Un  peu  en  arrifere  de  la  maison 
des  orphelins,  ä  Courtelary,  dans  une  d6pression  du  sol,  la  na- 
ture  a  creus^  un  petit  bassin  rempli  d'une  eau  pure  et  limpide. 
Tout  k  cote,  une  röche  sortant  de  terre  olfre  une  surface  concave 
qui  parait  creus^e  par  un  long  usage.  C^^tait  une  röche  ä  sacrifices, 
que  le  peuple  appelle  aujourd'hui  <  la  Roche  des  Sorcieres». 
Ce  lieu  devait  etre  favorable  aux  sacrifices  et  aux  incantations 
druidiques.  Encore  de  noa  jours  les  gens  de  la  contr^e  croient 
entendre  des  chaots  lugubres  autour  de  cette  pierre. 

La  Pierre  des  F^es  et  la  Pierre  Perc^e  de  Courgenay.  — 
A  quelques  pas  de  la  « Pierre  Percee »  se  trouvait  encore,  il  y  a 
quelques  annees,  une  röche  informe,  presque  entiferement  d6truite 
aujourd'hui  pour  fournir  les  materiaux  des  constructions  modernes 
du  faubourg  de  Courgenay.  La  tradition  rapporte  que  cette  röche 
recouvre  la  boulangerie  des  fees,  que  durant  la  nuit  on  eutend 
battre  la  päte  dans  le  petrin  et  souvent  on  voit  la  flamme  du  four. 
La  aussi  on  voyait  errer,  durant  la  nuit,  un  grand  troupeau  de  san- 
gliers  noirs.  Un  cavalier  tout  noir,  mysterieux,  chasse  ces  trou- 
peaux,  et  les  gens  du  pays  avaient  soin  de  laisser  aux  environs 
de  la  Pierre  des  Fees  des  bottes  de.foin  pour  la  uourriture  du 
cheval  de  cet  etrange  chasseur.  La  Pierre  Percee,  qui  est  voisiue, 
est  encore  aujourd'hui  Tobjet  d^uu  usage  superstitieux.  Une 
Ouvertüre  circulaire  de  2  d^cim^tres  de  diam^tre  a  6t6  pratiqu6e 


i 


Traditions  populaires  jiirassiennos  173 

au  milieu  de  ce  monolithe  ou  menhir,  et  c^est  ce  passage  p6rilleux 
que  les  gens  de  la  contr^e  traversent  pour  se  guerir  de  la 
eolique.  Des  g^o^ratioDS  entiferes  y  ont  passä  et  poli  Touver- 
ture.  Celle-ci  a  encore  la  propri6t6  de  donuer  au  vinaigre  qu'on 
y  fait  passer  des  vertus  curatives  de  premier  ordre. 

Pierre  de  saint  Germain.  —  Ce  monolithe  se  trouve  pres  de  la 
^ieille  ^glise  de  Courrendlin.  II  est,  croit-on,  du  VII®  siecle. 
Ija  tradition  rapporte  que  cette  pierre  6tait  autrefois  ä  Tentree  des 
gorges  si  pittoresques  de  Montier  et  qu'elle  servait  de  siöge  k 
aaint  Qermaio,  abbe  de  Moutier-Grandval,  au  VII®  siecle.  On  sait 
que  ce  premier  abbe  de  Grand  val  fut  tu^  par  Catticus,  duc  d'Al- 
0ace.  Saint  Germain  avnit  fait  construire  une  route,  ou  plutot  fait 
reparer  Tancienne  voie  romaine  de  Pierre  Pertuis  ä  Bäle.  Assis 
0Ur  cette  pierre,  il  appelait  les  ouvriers  autour  de  lui  pour  les 
iostruire  et  les  oncourager.  Cette  pierre,  dit  la  tradition^  aurait 
&ti  amen6e  il  y  a  un  siecle  par  un  bourgeois  de  Courrendlin 
aupres  du  cimeti^re  de  la  vieille  6glise.  Catholiques  et  protes- 
tasts  la  Y^n^raient  et  allaient  s'y  asseoir  pour  la  gu^rison  des 
rhumatismes. 

La  Roche  de  Faira,  —  Cette  röche  se  trouve  k  quelques 
Riioutes  de  Beurnevesin,  dans  la  direction  de  la  frontiere  fran- 
^aise.  Elle  renferme  deux  petites  cavernes,  sejour  d'uoe  bonne 
^^6)  etre  eminemment  moral  qui  exer^ait  une  heureuse  influence 
^^f  la  jeunesse  du  pays.  C'est  la  Tante  Arie^  la  f^e  topique 
de  1' Eisgau.  Elle  etait  la  protectrico  des  femmes  laboriouses, 
lennemie  des  filles  peu  sages,  dont  eile  emmelait  la  quenouille 
quancj  elles  s'^taient  oubli^es.  La  plus  grande  de  ces  cavernes  de 
Beur^nevesiu  präsente  yne  cavit6  de  20  metres  de  large,  3  de 
naut^nr  et  6  de  profondeur.  Son  aire  a  ete  nivelee  et  son  Ouver- 
türe porte  la  trace  du  travail  des  hommes,  qui  ont  entam^  le 
foc  pour  y  fixer  quelque  paroi  de  bois  et  fermer  Tentree  de  la 
pott©.  La  seconde,  peu  ^loign6e  de  la  precödento,  est  perchee 
8ur  Un  roc  d'un  acc^s  difficile.  Sans  doute  la  nymphe  u'arri- 
^**^  qu'au  moyen  d^une  Schelle  k  sa  « chambratte  »,  pour  nous 
s^rrir  du  nom  local. 

G'est  dans    cette   caverne  que    la    tradition   löge    la   Tante 

^**^*     Son  Souvenir  est  reste  tres  vivace;   on  entend  encore  ^ä 

^^  »a.  des  femmes  de  Beurnevesin  et  de    Rechesy    dire    k    leurs 

rowniots  indociles :  « Tais-toi  ou  je  te  conduirai  ä  la  röche  de  la 

Tante  Arie*,     On  d^fend  encore  aux   enfauts  de  passer  devant 


174  TraditioDS  populaires  jarassieoDes 

cette  röche,  parce  qae  la  f6e,  qui  a  des  dents  de  fer,  prend 
les  marmots,  les  met  ä  califourchon  aur  son  cou,  leur  tend^nt 
ses  grandes  mamelles  pendantes  pour  les  nourrir  de  son  lait  s'ils 
ont  6i6  sages,  ou  bien  les  jette  dans  la  rlvi^re  s'ils  ont  etö  mi- 
chants,  rendaat  ainsi  une  justice  sommaire  propre  k  coDtenir  la 
p6tulance  du  jeune  äge. 

Au  dire  de  nos  vieilles  gens,  autrefois  on  n'aurait  pas  osä 
passer  deYant  la  röche  de  Faira  apr5s  le  coucher  du  soleil. 
De  jour,  quand  on  s'en  approchait,  il  ätait  prudent  d^y  d^poser 
un  peu  de  lait  ou  un  morceau  de  pain.  L'offrande  d'une  brauche 
de  gui  avait  la  facultS  de  rendre  la  f6e  propice. 

On  racoDte  que  la  Tante  Arie  allait  fr^quemment  k  la  yeilläe 
dans  une  maison  de  R^ch^sy^,  pour  activer  le  trayail  des  fileuses. 
Des  jeunes  gens  indiscrets,  voulant  s'assurer  du  chemin  qu'elle 
parcourait,  rdpandirent  des  cendres  sur  la  Yoie;  mais,  le  matin, 
ils  virent  avec  stup^faction  que  la  f6e  avait  des  pattes  d'oie, 
comme  la  dame  des  cavernes  de  Yallorbes  dont  parle  M.  Monnier. 

Yoici  une  autre  tradition  concernant  la  f4e  Arie  de  Beurne- 
Yesin,  qui  s'est  perpdtuee  dans  le  peuple: 

Un  paysan  et  son  valet  de  Beurneyesin  avaient  attel6 
deux  boeufs  blancs  k  leur  charrue,  et  ils  labouraient  un  champ 
Yoisin  de  la  caverne  de  la  Tante  Arie,  lorsqu'ils  crurent  sentir 
Todeur  du  gäteau  sortant  du  four.  C'^tait  sans  doute  la  föe 
qui  faisait  du  pain,  comme  ses  sceurs  de  la  Pierre  de  Courgenay, 
dont  on  a  parl6  plus  haut.  Les  deux  paysans  manifest&rent 
hautement-  leur  dösir  de  goüter  un  morceau  de  ce  gäteau.  Arriyes 
au  beut  du  sillou,  ils  trouvärent  Tobjet  de  leur  souhait  plac^ 
sur  une  blanche  iouaille^)^  avec  un  couteau  pour  faire  le  partage 
du  gäteau.  Le  repas  termine,  le  valet,  un  malotru,  au  lieu  dei^ 
remercier  la  f^e,  empocha  le  couteau;  mais  la  Tante  Arie  n'^tai^^ft 

pas  loin;    ello    fit    aussitöt  entendre    sa    voix  irritöC;  et  Tingra  ■ 

laissa  tomber  le  couteau  derob^.    Les  f^es  battaient  la  päte  dan 
le    petrin    de   Courgenay    et    celle    de    Faira    faisait  de    mSmi 
Cette  tradition  des  fees    boulang^res    se    retrouve    encore    da^^iK: 
plusieurs  localit^s  du  Jura. 

Une  autre  tradition  concerne  la  caverne  de  Faira.  Les  jeui^^  «i« 
fillos  qui  d^siraient  se  marier  ne    manquaient  jamais    draller, 
soir,  ä  la  tombee  de  la  nuit,  au  mois  de  mai,  döposer  une  brancs.K3 

*)  Village  paroiösial  franyais,    a   la   fronti^re   Buisse.  —  ')  Mot  pak.'ft-^D/« 
qui  veut  dire  uappe. 


Traditions  popuIairoB  jurassiennes  175 

de  gui  au  pied  de  la  röche.  Cette  tradition  est  encore  si  vivace 
que  chaque  fois  qu'au  mois  de  mai  une  jeune  fille  se  rend  dans 
la  prairie  de  la  Yeudelioe,  oü  se  trouve  la  röche,  les  gargons  du 
village  ne  manquent  pas  de  lui  crier:  «Tu  y  revas»,  en  patois: 
<Te  y  r'vais». 

Tont  k  c6t6  de  la  bäume  de  la  Tante  Arie,  dans  la  prairie, 
il  y  avait  nagu^re  une  grosse  pierre  qu'on  avait  roulee  ä  force 
de  bras  jusqu^au  bord  de  la  rivifere.  Cette  pierre  a  ^te  brisee 
au  moyen  de  la  poudre  pour  en  d^barrasser  la  prairie,  et  bientöt 
sa  disparition  fera  oublier  les  traditions  qui  s'y  rattachent.  L'une 
d'elles  affirme  que  cette  röche  tournait  sur  elle-meme  chaque 
jour,  k  rhenre  de  midi,  et  trois  fois,  ä  la  meme  heure,  le  dernier 
jour  du  siöcle. 

Une  autre  tradition  attribuait  k  ce  monolithe  un  autre  pou- 
Yoir.  Quand  une  jeune  fille  paresseuse  abandonnait  sa  fourche 
oa  son  rateau  pour  aller  se  reposer  a  Tombre  de  cette  röche, 
une  force  surnaturelle  repoussait  la  nonchalante  et  Tenvoyait 
rouler  jusque  dans  le  ruisseau,  oü  eile  prenait  un  bain  inattendu. 

La  Tante  Arie  et  Milandre.  —  Du  chtiteau  de  Milandre,  d6- 
moli  en  1674  par  le  mar^chal  de  Turenne,  il  ne  reste  qu'une 
grosse  tour  quadrangulaire  qui  dato  des  Romains.  Sous  ces 
ruines  se  trouvent  des  grottes  renommees,  que  la  famille  Burries 
a  am6nag6e8  pour  le  public.  Chaque  ann^e  une  foule  de  touristes 
parcourent  ces  profondes  cavernes  illuminees  au  gaz  et  y  vont 
admirer  toutes  les  beautcs  que  la  capricieuse  nature  a  accumul^es 
depuis  des  siecles  dans  ces  immenses  galeries. 

De  ces  cavernes  sort  un  ruisseau  limpide,  une  de  ces  fon- 
taines  consaer^es  par  le  s^jour  d'une  f^e  bien  aimee.  La  tradi- 
tion populaire  assigne  depuis  des  siecles  k  cette  bäume  Tun  des 
B^jours  de  la  f6e  Arie,  en  patois  jurassien  «lai  Tainte  Airie», 
cette  patronne  de  l'Ajoie. 

En  röunissant  et  en  commentant  tous  les  Souvenirs  traditionnels 
qui  se  rattachent  k  ces  cavernes,  ä  cette  eau,  a  la  riviere  qui  la 
regelt,  k  cette  Tante  Arie,  la  fileuse  de  TElsgau,  comme  la  reine 
Berthe  est  celle  de  la  Suisse  romande,  on  arrivera  facilement  a 
6tablir  qu'il  y  avait  \k  un  de  ces  sanctuaires  v6n6res  des  peuplades 
primitives  du  Jura. 

II  y  a  dans  ces  cavernes  de  Milandre  des  petits  bassins  rem- 
pliB  d'une  eau  fraiche  et  limpide,  qui  invitent  a  s'y  d^salterer 
ou  ä  y  prendre  un  bain  ä  l'abri  de  tout  regard  indiscret.     C'est 


176  Traditions  populaires  jurassiennes 

\k  qae  la  Tante  Arie  allait  se  rafratchir  durant  les  brülants  jours 
d'6t6.  Mais  avant  de  se  plonger  dans  l'eau,  eile  d^posait  sur  la 
margelle  du  bassin  la  couronne  de  diamants  qui  ornait  son  front 
et,  crainte  d'accident,  eile  se  changeait  en  Youivre,  le  serpent 
mythique  de  l'EIsgau^),  afin  d'efFrayer  ceux  qui  auraient  6t6 
tent^s  de  s'emparer  de  la  pierre  pr^cieuse.  La  tradition  rapporte 
qu'un  jenne  audacieux,  qui  avait  vu  la  föe  Arie  avant  sa  trans- 
formation,  en  devint  amoureux  et  qu'il  mit  la  main  sur  la 
vouivre,  en  dedaignant  les  diamants.  On  ne  sait  si  tant  d'au- 
dace  d^plut  ä  la  f^e.  Elle  ^tait  bonne  et  indulgente,  et  les 
demi-dieux  savaient  au  besoin  s*humaniser. 

On  raconte  que  la  fce  Arie  a  une  parente,  qu'on  appelle 
la  Dame  blanche,  Celle-ci  apparait  tous  les  cent  ans  au  sommet 
de  la  Tour  de  Milaudre,  attendaut  qu'un  jeune  homme  vienne 
la  d^livrer.  La  Dame  est  fort  belle  et,  pour  se  rajeunir,  eile 
se  plonge  dans  Tun  des  bassins  des  cavernes.  Pour  la  voir  tous 
les  cent  ans,  il  faut  se  trouver  le  premier  jour  de  mai,  vers  le 
soir,  ä  Tentree  de  la  Baume. 

La  tradition  raconte  encore  que  dans  l'une  de  ces  grottes 
profondes  se  trouve  un  grand  tr6sor  renferm^  dans  un  coffre 
de  fer.  Les  pieces  d'or  viennent  une  fois  par  si^cle  s'etaler  au 
clair  de  la  lune.  Pour  les  saisir,  il  ne  s'agit  qne  de  connattre 
le  jour  et  Theure.  La  clef  du  coffre  se  trouve  dans  la  caverne 
meme,  entre  les  dents  d'un  dragon  qui  jette  feu  et  flammes. 
Jusqu'ici  les  richesses  que  garde  ce  Cerb^re  n'ont  pu  sortir  de 
l'antre^). 

Nous  pourrions  recueillir  une  foule  d'autres  traditions  con- 
cernant  la  Tante  Arie  dans  le  beau  pays  d'Ajoie.  Cette  f^e 
est  prise  comme  symbole  moralisateur  et  son  action  s'exer^ait 
plus  sur  les  femmes  que  sur  les  hommes;  eile  les  r6compensait 
ou  les  punissait  seien  Toccurence.  Ce  souvenir  de  la  f6e  Arie,  de 
la  Dame  blanche,  rappelle  les  traditions  analogues  d'antres  penples 
ayant  la  meme  origine  celtique  que  celui  de  TElsgau  ou  Ajoie. 

Chdteaii  de  Soyhidres,  —  Differentes  legendes,  de  prove- 
nance    celtique,    ont    leur    origine    au    chäteau    de    Soyhi^res***). 

8)  Ce  serpent,  ou  vouivre,  en  langaj^e  ajoulot,  est  reste  dans  les  ar- 
raoirios  et  sur  la  banniere  d' Ajoie  ju8<]u'a  nos  jours.  On  y  a  ajoutö  parfois 
une  feinuie  vetue  de  blanc,  qu'on  a  alors  nommee  la  Vierge  Marie.  — 
^)  Vautrey,  /.  c,  1,  25.  —  ^^)  Soyhieres,  village  paroissial,  ä  4  kilom^tres  de 
Deleraont.  Son  chateau,  ancienne  rt^sidence  des  comtes  de  ce  nom,  a  ^te 
dötruit  par  le  tremblement  de  terre  de  1356. 


Traditioos  populaires  jurassiennes  177 

Qaelques-unes  sont  citöes  d4jä  en  1796  par  Hentzy'^).  II  ra- 
conte  ainsi  oe  qu'il  a  appris  au  village  de  Soyhi^res :  «  See  habi- 
.  tants  cr^dules  et  yisionnaires,  m'ont  assur^  que  des  spectres  ef- 
frayants  apparaissaient  fr^^uemment  dans  les  ruines  du  chäteau 
et  que  leurs  ombres  inqui^tes  ne  peuveut  *goüter  aucun  repos. 
Selon  cea  bonnes  gens,  elles  sont  condamnees,  en  expiation  de 
leurs  erimes,  k  etre  les  gardes  des  tr^sors  volSs,  enfonis  dans 
les  Yoütes  de  leur  ancien  domicile.  La  croyance  populaire  est 
qu'ä  rheure  de  minuit  des  fantömes,  arm^s  de  pied  en  cap,  se 
montrent  au  haut  de  ces  masures  et  y  fönt  la  ronde  jusqu'ä  ce 
que  le  chant  du  eoq  les  force  k  rentrer  dans  leur  prison  sou- 
terraine  pour  y  g^mir  sur  des  monceaux  d'or  mal  acquis». 

On  raconte  aussi  que  beaucoup  de  gens  avaient  yu  un  chieo 
noir  aux  yeux  de  feu,  nomm6  Augenbrand,  cherchant  son  mattre, 
le  comte  Rodolphe  de  Sogren,  assassin6  en  1233.  D'autres 
ayaient  rencontr6  plus  d'une  fois  le  cavalier  myst^rieux,  le  chasseur 
Banyage.  Le  soir,  lorsquMl  n'y  a  plus  qu'une  lumi^re  douteuse, 
il  Bort  des  redoutables  cavernes  de  la  Teufelskuohi,  mont^  sur  un 
petit  cbeTal  noir  et  couvert  lui-mgme  de  vetements  sombres ;  son 
Corps  court  et  ramassä  s'^l^ye  k  peine  au-dessus  de  la  seile  et 
son  ohapean  k  larges  bords  est  tellement  enfonc^  et  rapprochö  de 
868  Spanlos  qu'on  pent  douter  s'il  y  a  une  tSte  sous  cette  coif- 
fure.  II  galope  dans  la  direction  de  Soyhi^res  et  sa  vitesse  est 
ai  grande  qu'on  croit  entendre  le  bruissement  de  Tair  qu'il  fend 
dans  sa  course  rapide,  mais  les  pieds  de  sa  monture  ne  laissent 
ancune  trace  sur  le  chemin  quMl  parcourt.  La  poussiere  ne 
e'^l^Ye  point  sous  ses  pas,  Feau  et  la  boue,  en  temps  de  pluie, 
ne  jaillissent  point  sur  son  passage,  mais,  par  contre,  les  cavales 
qui  le  rencontrent  hennissent  d'^pouvante  et  le  voyageur  s'ecarte 
de  son  chemin  ayec  terreur.  Ce  chevalier  myst^rieux  ne  döpasse 
Jamals  le  vieux  pont  de  Soyhi^res,  lieu  memo  oü  le  chien  Augen- 
brand commence  ses  rondes  nocturnes. 

Les  gens  cr^dules  croient  voir  ce  chasseur  et  son  chien.  Ces 
peraonnes  citent  m^me  des  t6moins^^). 

Le  Goguär^.  —  En  face  du  monastere  de  Mariastein,  de 
Tautre  c6t£  du  rayin  tr^s  profond  qui  coupe  le  plateau^  s'öl^ve 
ane  röche  de  16  pieds  de  haut  et  de  forme  bizarre,  qui  a  du 
(rapper   Timagination    des    populations    primitives.     On    pourrait 

")  Promenade  de  Bale  Ä  Bienne,  1796.  —  '^)  Voir  Actes  de  la  Societe 
jurassiemte  d'EmukUion,  1856,  p.  132. 

12 


178  TraditioDs  populaires  jurassieoDes 

Tappeler  la  soeur  de  la  FiUe  de  Maiy  dont  nous  avons  parl6^'). 
Comme  la  Fille  de  Mai,  la  röche  de  Mariastein  reprösente  gros- 
siörement  nn  buste  de  femme  qui,  yne  de  profil,  paratt  yStue 
d'nne  robe  serr^e  et  laissant  la  gorge  en  partie  dScouyerte. 
Tout  pr^s  de  lä,  un  enfoncement  de  terrain  rempli  de  buisBODS 
et  de  pierres  s'appelle  le  Gogu4r4,  ou  le  monceau  de  t^moignages. 
Les  p^Ierins  qui  se  rendent  ä  Notre  Dame  de  la  Pierre  ont 
eucore  la  contnme  de  se  munir  d'une  pierre,  en  partant  de  obez 
eux,  et  la  jettent  dans  le  GoguSrd  pour  se  rendre  le  gf^nie  fayo- 
rable.  Les  personnes  qui  fönt  pour  la  premi^re  fois  le  p61erinage 
de  Mariastein,  en  traversant  la  montagne  de  Blauenberg,  entre 
le  yillage  de  Tittingen  et  le  ch&teau  en  ruines  de  Rothberg,  se 
rounissent  ^galement  d'une  pierre  quelconque.  Arriy^es  sur  le 
sommet  de  la  montagne,  elles  jettent  leur  pierre  sur  un  monceau 
döjä  consid^rable.  La  tradition  persiste  ä  dire  que,  il  y  a  de« 
siöcles,  on  ayait  demand^  au  couyent  de  Mariastein  r^rection 
d'une  chapelle  sur  la  montagne  et  qu'il  ^  ayait  donn6  la  r^ponae 
que,  quand  il  y  aurait  assez  de  pierres,  eile  serait  bätie.  Depuis 
cette  ^poque  les  p^Ierins  apportent  des  pierres  an  Oogu6r^,  au 
monceau  ddjä  consid^rable  forma  de  ces  sortes  d'oiFrandes. 

La  Pierre  de  Vareroille.  —  Entre  les  yillages  de  Damphreux 
et  de  Bonfol,  existait  autrefois  le  yillage  de  Yareroille,  qui  ^tait 
d^jä  une  commune  en  1343.  Ce  yillage  fut  d6truit  au  commen- 
cement  des  guerres  de  Bourgogne  par  £tienne  de  Hagenbach, 
qui,  pour  yenger  la  mort  de  son  frfere  Pierre,  d^truisit  40  yillages 
de  rAjoie.  Sur  Templacement  de  Tancieu  yillage,  sur  un  plateau 
41ey6  et  cultiye  en  champs,  on  yoit  encore  une  röche  informe  qui 
a  äte  transport^e  lä  par  les  hommes  on  ne  sait  quand.  Leg  gens 
du  pays  ne  yeulent  pas  Tenleyer,  ni  la  d^trnire.  Ils  la  laisseut 
lä.  Si  on  leur  demande  pourquoi  ils  ne  la  fönt  pas  disparattre 
pour  faciliter  les  labours,  ils  r^pondent  myst^rieusement  que  ce 
serait  dangereux,  qu'on  ne  sait  pas  ce  qui  est  cach6  sous  cette 
röche. 

La  grotte  de  sainte  Colombe,  —  Cette  cölebre  grotte  est  sitn^e 
entres  les  anciennes  forges  et  le  yillage  d'Underyelier,  ä  droite' 
de  la  Chaussee.  Elle  forme  une  magnifique  arcade  naturelle  dans 
le  roc,  eile  est  profonde  de  80  pieds,  large  de  72,  sur  120  de 
hauteur.  Au  fond  de  Tantre,  ä  droite  de  Tentree,  une  cascade 
d'eau  tombe  du  haut   de  la  yoüte.     Cette   eau    est  re^ue  dan^ 

*')     Voir  Archives,  I,  p,  99. 


TraditioDS  populaires  jurassiennes  179 

HD  bassin  qui  se  d^yerse  par  an  canal  souterrain  dans  la  riyi^re 
de  la  Sorne,  qui  coule  tout  pr^s. 

Une  ancienne  tradition  populaire  rapporte  qae  sainfce  Colombe, 
princesse  espagoole,  y  a  passä  de  longues  anales  dans  la  con- 
templation  des  ^ternelles  v^rit^s.  Elle  habitait  egalement  une 
antra  cayerne,  celle  de  Freuois,  qui  se  tronye  dans  la  montagne 
an-dessus  du  yillage  de  Soulce.  La  meme  tradition  ajoute  qua 
cette  yjerge  £tait  yenue  dans  les  Gaules  chercher  la  couronne 
du  martyre.  Ce  qui  est  certain,  c'est  que  de  yieux  parchemins, 
anciennes  chartes  de  T^glise  d'Underyelier,  foot  mention  de  la 
grotte  de  sainte  Colombe  au  XTTT*  sifecle'^). 

L'eau  de  cette  grotte  est  deyenue  c^l^bre  par  les  gu^risons 
qui  s'op^rent  depuis  des  si^cles.  Les  femmes  de  la  Franche- 
Comt^,  d'Alsace,  du  pays  de  Neuchätel,  de  tout  le  Jura,  y 
portent  leurs  enfants  soufFreteux  et  rachitiques.  Ces  pieuses  m^res 
se  mettent  k  genoux  deyant  la  croix  qui  est  k  Tentr^e  de  la  ca- 
yerne; elles  prient  d^votement  et,  les  priores  faites,  elles  plongent 
leor  enfant  dans  Teau,  lui  fönt  receyoir  une  douche  fortifiante 
80UB  la  cascade  qui  tombe  du  rocher,  puis  retournent  gaies  et 
contentes  en  remerciant  le  Seigneur.  Plusieurs  enfants  däbiles, 
plusieurs  adultes  en  sont  sortis  parfaitenient  gu^ris.  Chose  sin- 
guli^re,  protestants  comme  catholiques  y  yont  prier  et  plonger 
leurs  enfants  malades  dans  Teau  de  sainte  Colombe''^). 

Les  Brandons,  —  Le  Phve  J^suite  Voisard,  qui  enseignait 
au  College  de  Porrentruy,  nous  a  laissö  une  histoire  manuscrite 
de  rEySch6  de  Bäle  et  un  ouyrage,  Egalement  roanuscrit,  intitul^ : 
De  religione  Rauraco7^um.  A  la  page  26,  il  nous  apprend  que 
les  Celtes  rauraques  allaient  adorer  la  divinite  sur  les  hauts  lieux 
pour  se  rapprocber  davanfage  d'elle.  Ils  allumaient,  dit-il,  des 
flambeaux  appel^s  h^es  ou  heyes,  qu'ils  tournaient  en  cercle  au- 
tour  de  leur  tete.  De  lä  l'origine  de  la  coutumc  conserv^e  dans 
la  contr^e,  le  premier  diraanche  de  Careme,  d'allamer  ä  la  nuit 
tombante  des  heyes  ou  feyes^  termes  encore  employes  de  nos 
jours. 

Ce  que  le  P^re  Voisard  öcrivait  au  XVIP  siecle  sur  les  cou- 
tumes  des  Celtes  se  fait  encore  de  nos  jours  dans  tous  nos 
yillages  d^Ajoie.  On  appelle  encore  feyes  le  flambeau  de  bois 
gras,  fendu  menu  et  qu'on  pr^pare  bien  k  Tavance,  afin  qu'il  seit 

*♦)  Vautrey,  Z.  c,  V,  p.  617.  —  ^^)  Actes  de  la  Societe  jurassienne 
d'EmuicUiany  1856,  p.  139. 


180  Traditions  populaires  jurassieDnes 

bien  sec.  Comme  anx  temps  celtiqaes,  sur  tous  les  haute  lieux, 
les  enfants  fönt  un  tas  immense  de  bois  qu'ils  ont  recueilli  les 
jours  pr6c6dents.  Le  premier  dimanche  de  CarSme,  toute  la 
population  se  rend  pr&s  de  la  heutte  ou  chavanne  (monceau 
de  bois)  ä  la  tombSe  de  la  nuit,  et  quand  le  feu  y  est  mis  chacuo 
scanne  de  sa  feye^  Tallume  au  grand  feu  et  la  toume  autour 
de  sa  tSte  en  dansant  en  mSme  temps  autour  du  feu  central. 
Tous  les  coteaux,  toutes  les  collines  s'illuminent  et  de  toute  part 
on  entend  des  cris  de  joie  et  des  chants.  Souvent  il  arriyait 
que  le  curö  de  la  paroisse  attendait  que  tout  le  peuple  füt  r6uni, 
et  alors  seulement  il  mettait  le  feu  au  bücher,  dont  la  flamme 
yiye  et  6clatante  6clairait  la  jeunesse,  qui  chantait  et  dansait  eu 
tournant  les  feyes. 

Quand  les  feux  sont  ^teints,  tous  rentrent  au  foyer  paternel 
pour  un  souper  dont  le  mets  principal  consiste  en  beignets 
connus  en  Ajoie  sous  le  nom  de  crapä,  oriettes,  totes,  beignets 
secsj  beignets  lev^s. 

Apr^s  la  bataille  de  Yilmergen,  les  protestants  de  la  Pr4- 
YÖt^  de  Moutier-Grandval  prirent  la  r^solution  d'allumer  les  feux 
de  la  St-Jean  en  memoire  de  la  victoire  des  cantons  protestants 
sur  les  cantons  cathollques;  ils  cess^rent  alors  immödiatement 
dans  tout  le  Jura  catholique  et  plus  tard  ils  disparucent  aussi 
des  oontr6es  protestantes. 

Legendes  du  Voy^bourg.  —  Le  chäteau  du  Vorbourg,  pris 
de  Del6mont,  fut  detruit  par  le  tremblement  de  terre  de  1356. 
II  n'en  reste  debout  que  la  tour  Ste-Anne  et  la  fameuse  chapelle 
consacr^e  par  le  pape  L^on  IX  en  1049.  Prfes  du  chemin  creus6 
dans  le  roc,  ä  cötö  de  la  tour  Ste-Anne,  on  remarqne  une  ex- 
cavation  dans  la  röche  meme,  ressemblant  assez  ä  Tempreinte 
qu'un  Corps  humaiD  aurait  laissöe  en  se  couchant  sur  le  flaue 
gauche. 

D  apres  la  tradition  popolaire,  le  d^mon  occupait  Templace- 
ment  du  sanctuaire  et  le  pape  le  chassa  en  b^nissant  la  chapelle. 
Mais  le  maudit,  d^sirant  y  rentrer  apres  le  d^part  du  pape,  alla 
se  r^fugier  derriere  la  tour  Ste-Anne  et  se  coucha  sur  un 
banc  de  rocher,  qui  s'amollit  sous  sa  pression  diabolique. 

Uue  autre  tradition  dit  au  contraire  que  ce  fut  le  pape  qui, 
se  mefiant  des  intentions  de  Tesprit  des  t6n&bres  et  craignant 
soD  retour,  alla  le  gaetter  sur  ceite  meme  röche.  Le  roc,  sensible 
ä  tant  d'honoeur  et  voulant  rendre  la  position  du  saint  personnage 


TraditioDS  populaires  jurassiennes  181 

plus  confortable,  s'amollit  et  prit  l'empreinte  du  pontife.  L'in- 
spection  des  lieux  ne  permet  pas  de  dire  quelle  est  la  Y^ritable 
tradition. 

Tout  en  face  du  Vorbourg,  sur  la  röche  de  Courroux,  il  y 
avait  un  haut  lieu  oü  se  faisait  le  culte  des  Druides,  et  sur  le 
bord  m6ridional,  le  peuple  veut  qu'il  y  ait  des  anneaux  de 
bronze  qui  serraient  k  amarrer  les  barques  quand  la  vallee  de 
Del^mont  n'etait  encore  qu'un  lac. 

La  Sainte-Croix  pris  deFontenais.  —  Tout  prfes  dePontenais 
et  isol6e  de  toute  habitation,  se  dresse  T^glise  de  la  Sainte-Croix, 
aiosi  nomm6e  parce  qu'elle  possfede  une  parcelle  de  la  Yraie 
Croix,  consery^e  dans  un  riebe  reliquaire.  Une  tonchante  legende 
86  rattache  k  la  constructioD  de  ce  monument,  oü  depuis  plus  de 
cinq  siecles  des  g^D^rations  enti^res  vont  faire  leurs    d^votions. 

Au  commencement  du  XV'  si^cle,  dit  la  tradition,^®)  un 
paysan  de  Fontenais  labourait  les  champs  oü  se  trouve  T^glise 
actoelle  de  Ste-Croix.  Tout  k  coup  ses  boeufs  s'arretferent  et 
refas&rent  d'avaucer.  Leur  maitre,  pour  les  stimuler,  les  frappa 
ä  coups  redoublSs;  peine  inutile,  l'attelage  resta  sur  place.  Ne 
sachant  que  faire  et  Yoyant  que  ses  betes  restaient  sourdes  k  sa 
Yoix  et  aux  conps  de  fouet,  notre  homme  voulut  retoarner  chez 
lui  en  emmenant  son  attelage,  quitte  k  refaire  le  travail  com- 
mencä  k  un  autre  moment  plus  propice.  Mais  de  nouveau  ses 
boeufs  refus^rent  absolument  de  changer  de  place.  Etonne,  eifray^, 
le  laboureur  retourna  au  village  pour  annoncer  r^v^nemcnt. 
Pinsieurs  Toisins  arriv^rent  sur  le  champ,  oü  les  boeufs  demeu- 
raient  toujours  immobiles.  La  voix,  les  coups  de  tous  ces  hommes 
ne  paryinrent  pas  non  plus  k  faire  avancer  d'un  pas  les  pauvres 
b^tes.  L'^pouyante  commengait  k  gagner  tout  le  monde,  lorsque 
quelqu'un  proposa  de  fouiller  le  sol,  ce  qui  fut  ex^cutä  k 
Tinstant.  Bient6t  un  trösor  apparut:  c'ätait  un  grand  reli- 
quaire en  argent,  portant  enchässe  un  morceau  consid^rable  de 
la  Yraie  Croix,  muni  de  son  authentique.  Le  reliquaire  recueilli, 
les  boeufs  ob^irent  fid^lement  k  la  voix  de  leur  maitre. 

La  d^Totion  amena  bien  vite  un  grand  concours  de  pelerins 
sur  le  ohamp  sacrä,  oü  fut  bätie  Töglise  qui  existe  encore 
de  no8  jours.  Pendant  la  guerre  de  Trente  Ans,  le  reliquaire 
fut  enY0j6  k  Besannen  pour  le  soustraire  k  la  rapacit^  des 
Su^dois.     A  la  paix,  la  paroisse  de  Fontenais,    soutenue  par  le 

")    Vautrey,  l  c,  U,  23. 


182  Traditions  populaires  jurassiennes 

prince-^ySque  de  Bä,le,  r^olama  son  bien.  L'archevfiqae  de 
BesaD^on  ne  rendit  pas  le  pr^oieux  reliquaire,  mais  envoya  k  sa 
place  un  antre  reliquaire  dor^  oontenant  une  parcelle  de  la  Yraie 
Croiz.  II  fallut  se  contenter  de  cette  modique  restitation.  C'est 
le  reliquaire  qui  est  eucore  aujourd'hni  exposö  ä  la  y6n6ratioQ 
des  fid^les. 

A.U  milieu  de  la  nef  se  trouvait  un  trou  qu'on  avait  entour6 
de  barri^res.  La  tradition  veüt  que  ce  seit  dans  ce  trou  qu'ait 
6t6  trouvö  le  reliquaire  de  la  Sainte  Croix.  En  1713,  Varchev^ue 
l'avait  fait  fermer,  mais  il  ne  put  empScher  les  p61erins  d'enlever 
de  cette  terre,  qu'ils  regardent  encore  comme  sacr^e. 

On  trouve  dans  cette  mgme  eglise  certains  oercles  de  fer 
auzquels  le  peuple  attribue  la  vertu  de  pr^server  de  la  niigraine 
en  les  plagant  sur  la  tete  et  en  r^citant  certaiaes  priores. 

Legendes  de  saint  Ursanne.  —  L'antique  coll^giale  de  Saint- 
Ursanne  poss^de  uu  magnifique  buste  en  argent  massif,  artistement 
ouvrage,  qui  renferrae  le  chef  de  saint  Ursanne.  Une  tradition 
curieuse  se  perp^tue  dans  la  petite  ville  et  se  trouve  cit^e  dans 
rhistoire  de  Saint-Ürsanne  par  M^  Ch^vre,  page  291.  Voici 
comment  cet  hisiorien  raconte  la  legende: 

«Une  tradition  trois  fois  s^culaire  oous  apprend  qu*un 
n^gociant  isra^lite  s'en  venait  un  jour  de  Porrentruy  ä 
Saint-Ursanne,  chevauchant  sur  la  route  de  la  Croix.  Arriv^  en 
vue  de  Termitage,  il  se  prit  ä  vomir  d'odieux  blasph^mes  contre 
saint  Ursanne.  II  disait  eotre  autres:  «Si  tu  peux  quelque  chose, 
montre-le  en  rendant  aveugle  le  cheval  qui  me  porte.»  Aussitöt 
dit,  aussitöt  fait.  Le  cheval  s'arrSte,  se  cabre;  le  cavalier 
descend,  et  constate  avec  terreur  que  son  cheval  ne  voit  plus. 
Ce  n'est  pas  tout.  Au  moment  oü  il  veut  conduire  sa  monture 
par  la  bride,  il  perd  la  vue  ä  son  tour.  Deux  aveugles  aa 
Heu  d^un.  C'en  6tait  assez  pour  ouvrir  au  blasph^mateur  les 
yeux  de  räme.  II  comprit,  il  avoua  que  saint  Ursanne  avait 
r^ellement  quelque  pouvoir  dans  le  ciel.  Constern6,  il  se 
Jette  ä  genoux.  «Saint  de  la  grotte,  s'6crie-t-il,  je  vous 
promets  que  si  vous  me  rendez  la  vue,  un  buste  en  argent 
massif  sera  fait  k  mes  frais  en  votre  honneur.»  A  peine  ce 
voeu  est-il  exprim6,  que  la  vue  revient,  non  seulement  au 
cavalier,  mais  encore  k  son  cheval  Le  juif  6tait  riebe.  Seit 
crainte,  seit  fidölitö,  il  tint  parole,  et  c'est  k  lui  que  F^glise 
de  Saint-Ursanne  devrait,   d'apr^s   la  legende  que  nous  avon^- 


TraditioDS  populaires  jurassieDnes  183 

reeaeillie  des  vieillards  de  la  paroisse,  le  magnifiqae  reliquaire 
qui  a  ^chapp^,  comme  par  miracle,  aax  mains  rapaces  et  sacri- 
l^ges  de  la  R^volntion.» 
üne  aatre  legende  toucliante  concerne  encore  la  yille  de 
Saint-Ürsanne.  Le  5  f^vrier  1462  fut  marqu6  par  un  ^v^nemeDt 
dont  le  souveuir  se  perp6tue  encore  dans  la  petite  yille  du 
Doubs.  L'hiver  avait  6t6  rigoureux  et  la  rivifere  fortement  geWe. 
Toat  k  coup  un  vent  chaud  du  midi  se  fait  sentir.  Le  d6gel 
est  rapide,  la  glace  se  rompt  sur  mille  points  et  descend  le 
Doubs  en  gla^ons  Enormes.  La  debäcle  etait  teile  qu'elle  Dfie- 
na^it  d^enlever  le  pont.  Toute  la  population  de  Saint-Ursanne 
est  sur  pied.  On  court  dans  la  foret  abattre  de  gros  arbres 
qa'on  pr^oipite  dans  la  rivi^re  en  amont  des  arcbes  du  pont, 
pour  le  d^fendre  contre  ces  b^liers  d'un  nouveau  genre.  Cependant 
le  danger,  loiu  de  diminuer,  grandit  d'heure  en  heure.  Personne 
n'ose  plus  s'aventurer  sur  le  pont,  qui  semble  chanceler.  Enfin, 
nne  voix  s'^läve  de  la  foule  constern^e :  «0  Sainte  que  nous 
boDorons  en  ce  jour,  prot^gez-nous!  Si  votre  priere  toute 
puissante  nous  garde  ce  passage,  une  messe  sera  c^l^br^e  en 
votre  fete  chaque  annee:  nous  en  faisons  le  voeu  solennel!» 
Ce  Yoeu  est  ratifi^  par  le  murmure  approbateur  de  la  foule. 
A  Tinstant,  dit  la  chronique  latine  que  nöus  traduisons,  les  fiots 
86  calment,  la  d^bäcle  se  ralentit,  et  le  pont  reste  debout.  Deux 
messes  furent  chaque  annöe  c616br6es  en  Thonneur  de  sainte  Agathe, 
Tune  pour  Tinvoquer  contre  le  feu  —  on  se  souvenait  de  Tin- 
cendie  de  1403  —  l'autre  pour  lui  demander  protection  contre 
la  fureur  des  fiots.  Une  procession  se  faisait  dans  toute  la 
Tille  avec  le  Saint  Sacrement  et  au  cbant  des  litanies  des  saints. 
Cette  procession,  pieuse  coutume  n^e  d^un  voeu,  a  et^  violemment 
Bupprim^e  en  1874  par  un  6dit  de  TEtat  de  Berne^^). 

L' Esprit  de  la  Montoie.  — -  La  Montoie  est  une  petite  foret 
qui  s'6tend  entre  les  villages  de  Miecourt  et  de  Cornol,  distants 
Tun  de  l'autre  de  2  kilomötres.  Cette  foret  est  hantce  par  des 
esprits  ou  des  f6es  qui  ögarent  les  voyageurs  assez  temeraires 
pour  s'approcher  de  ce  bosquet  oü  ils  tiennent  leurs  rondes 
infernales.  Beaucoup  de  personnes  ue  voudraient  pas,  encore  de 
nos  jours,  s'aventurer  seules  dans  cette  forSt.  C'est  lä  que 
r^side  le  foulta  jurassien,  le  lutin  qui  fait  le  mal  aux  hommes 
et  aux  animaux.  De  ce  foulta  on  avait  mille  id^es  superstitieuses, 

")    Chevre,  /.  c,  p.  272. 


184  TraditioDS  populaires  jurassiennes 

qui  ne  sont  pas  eDcore  tout  k  fait  d^racin^es.  Cet  esprit  maliD 
exer^ait  ses  mal^fices  surtout  sur  les  bestiaux.  Ainsi  avait- 
on  achet6  un  nouveau  cheval,  il  fallait  le  faire  entrer  ä  reculons 
dans  r^curie  pour  le  pröserver  de  rinflaence  de  Vesprit.  Pour 
le  pr^server,  on  pendait  k  sa  ergehe  une  pierre  perc^e  naturellement. 
Lorsque  le  bonvier  ou  le  valet  d'6carie,  en  entrant  le  matin 
dans  r^table,  trouvait  deux  boeufs  ou  denx  vaches  attach^s 
dans  le  mSme  lien,  ce  que  nulle  force  humaine  ne  pouvait 
faire,  il  fallait,  sans  les  perdre  de  vue,  couper  aussitöt  le  lien, 
80U8  peine  de  les  voir  s'6trangler  dans  cette  rade  6treinte 
du  foulta,  Souvent  les  campagnards  disent  qu'ils  aper(oiyent 
l'esprit  errant  de  la  Montoie  sous  forme  d'un  feu  qui  oircule 
dans  le  bois  et  qui  semble  les  suivre.  Ce  feu  qui  les  ^pouvante 
n'est  au  fond  qu'un  'gaz  qui  ^mane  du  sol  mar^cageux. 
Le  peuple,  tout  en  ne  croyant  pas  r^ellement  k  ces  super- 
stitions  et  pratiques  ridicules,  y  tient  encore  sans  s^en  douter, 
par  suite  d'une  longue  tradition  et  d'usages  qui  ne  dureront 
plus  longtemps.  Quoi  qu'il  en  seit,  le  foulta  fait  encore 
r^pouvante  des  enfants  et  des  geus  simples  et  cr^dules. 

Le  culte  des  Arbres.  —  On  sait  que  le  ch&ne  itait  un  arbre 
sacre  aux  temps  des  Druides.  Le  gui  qui  crott  sur  le  ch§ne 
^tait  Tobjet  d'un  culte  special.  De  lä  cette  v^nöration  pour  les  forets 
de  ebenes.  Ce  souvenir  druidique,  combattu  par  le  christianisme, 
a  cependant  laiss6  des  traces  dans  nos  populations.  On  plantait 
des  ebenes  ou  des  tilleuls  devant  les  öglises.  Ainsi  k  Cornol, 
il  y  a  quelques  annöes,  on  voyait  quatre  magnifiques  chdnes 
repr^sentant  les  quatre  ^vang^listes.  A  Bure,  k  Damphreux, 
k  Beurnevesin,  k  Chevenez  et  en  une  foule  d'autres  lieux,  de 
magnifiques  tilleuls  ombragent  les  sanctuaires.  A  Lugnez,  devant 
la  chapelle  de  saint  Imier,  quatre  tilleuls  Enormes  forment  un 
ombrage  pour  les  pölerins.  Nous  avons  parl6  plus  haut  du 
ch^ne  de  saint  Fromont  k  Bonfol.  La  magnifique  coU^giale  de 
Saint-Ursanne  est  encadr^e  d^une  süperbe  all^e  de  tilleuls  et  rien 
n'6gale  en  beaut^  la  longue  all6e  de  tilleuls  du  Yorbourg, 
longue  de  pr^s  d'un  kilom^tre. 

Jusqu'an  commencement  de  ce  si^cle,  la  loi  ordonnait  k 
chaque  nouveau  mari^  de  planter  trois  ebenes  la  premi^re  ann^e 
de  son  mariage  et  de  les  entretenir.  *^)  Cette  loi  avait  sanctionnä 
un  usage  fort  ancien  consistant  k  planter  deux  arbres  Tann^e  du 

'8)    Ordonnances  foresti^^res  de  1755,  art.  22. 


Traditions  populaires  jurasBiennes  185 

manage.  Tan  pour  le  mari,  Tautre  pour  la  femme.  Celui  des 
deox  arbres  qui  p^rissait  le  premier  pr^sageait  la  mort  de  celui 
des  ^poox  qu'il  repr^sentait. 

On  plantait  aassi  un  arbre  ä  la  naissance  de  chaque  enfant,  et  son 
plus  DU  moins  de  vigueur  annon^it  la  prosp^rit^  ou  le  malheur 
du  Douveau-n^. 

Le  chSne  est  encore  an  arbre  qu'on  v^D^re.     Beaucoup  de 

ces  arbres  renferment  ane  image  oa  une  statae  de  la  Yierge  ou 

d'un  Saint.     Le  ebene  pr^s  du  Yorbourg  est  cel^bre.  Od  Tappelle 

^otre  Dame  du  ebene.     Les  chapelles  creusees  dans  les  arbres, 

les  images  clou^es  k  leurs  troncs,  les  traditions  attachöes  k  leur 

existence,    tombent    malheureusement    sous    la    hache    moderne. 

^'appät   du    gain    engage    souvent    les    particuliers    comme    les 

^^ommanes  k  abattre    ces    pieux    monuments   et    bientot    il    n*en 

i'ostera  plus  de  traces. 

Pr6s  de  la  forme  des  Orties,  paroisse  de  Soyhieres,  il  y 
A^ait  un  chSne  colossal,  au  trone  dnquel  pendaient  souvent  des 
pattee  de  lievre  et  quelques  döbris  de  gibier,  qu'un  vieux  bra- 
^^^nier  y  clouait,  pr^tendant  par  ce  moyen  s'assurer  une  bonne 
cha^Be. 

Tout  pr^s  de  cet  arbre  existait  un    autre   ebene    environnö 

d  une    haie    et    qu'on    entretenait    soigneusement.     La   tradition 

rapporte  que  le  foulta  faisait  perir  le  b^tail.     Pour  conjurer  le 

g^net^  il  fallait  le  forcer  k  entrer  dans  cet  arbre.   On  environna 

^  arbre  d'une  enceinte  pour  que  le  b^tail  ne  puisse  etre  en  contact 

Ä^«c  le  foulia.   Ce  n'est  que  quand  la  hache  du  proprietaire  actuel 

Vabattit  avec   la   cl6ture  que  le  charme    superstitieux    disparut. 

La  Roche  des  Duses  ou  Hairodes.  —  Prfes  de  Montsevelier, 

du  c6t^  de  Corban,  s^ouvre  une  cluse  imparfaite  creusee  dans  le 

flanc  de  la  montagne,  et  dans  laquelle  ud  torrent  se  fraie    avec 

peine  un  Streit  passage,  resserr6  par  des  rochers  caverneux.  Un 

petit  sentier  fort  raide  et  tres  ancien  cötoie  le  bord  oriental  de 

cette  coupure^  mais  on  n'y   passe   pas  sans    crainte    pendant    la 

nuit,  parce  que  la  tradition  fait  habiter  les  cavernes   de  ce  lieu 

par    de    petits  Stres    faotastiques,    noirs   et    velus,    parfois    mal- 

faisants,  appel^s  les  Duses  ou  les  Hairodes,   M^  Vautrey  rapporte 

cette  legende  en  ces  termes:     «Les  hotes  de  ces   lieux   ^taient, 

dit-on,   de    rooeurs    simples    et  douces;   ils  ne  quittaient  pas  ces 

parages  oü  ils  semblaient  se  cacher  et  vivre  dans    T^loignement 

de   tont   Yoisinage.     Lorsqu'au    printemps    ou    en    automne,    les 


186  TraditioDS  populaires  jurassiennes 

habitants  de  Montseyelier  s'en  allaient  travailler  lenrs  terres 
dans  le  yallon  des  Duses,  les  Hairodes  se  montraient  avec  un 
air  bienveillant  et  pacifique;  ils  tenaient  ä  la  main  des  gäteaux 
de  leur  fagon,  qn'ils  ofFraient  ä  tont  venant.  Si  od  les  acceptait, 
ils  paraissaient  heureux ;  si  on  les  refusait,  ils  entraient  en  col^re 
et  maltraitaient  ceux  qui  repoussaient  lenrs  ofFres.  Le  peuple 
disait  qa'ils  avaient  lear  four  k  gäteaux  dans  la  grotte  sur 
Corban,  qu'on  appelait  le  four  des  Hairodes.  Chaqae  aiui6e, 
disait-on,  les  Hairodes^  ä  un  jour  fix^,  s'exer^aient  ä  la  course. 
Un  but  d^terminö,  tous  partaient  k  un  signal  donnä  et  le  dernier 
arriv^,  reconnu  le  plus  fälble,  6tait  port^  sur  un  bücher  allumö 
et  mis  ä  mort.  On  trouve,  dans  Thistoire  des  barbares,  des 
d^ils  de  moenrs  qui  rappellent  les  Hairodes  de  Montsevelier. 
Les  Hdrules  en  particulier  avaient  pour  les  infirmes  et  les  vieillards 
de  la  nation  des  traitements  barbares,  qui  mettaient  fin  ä  leur 
miserable  existence.  Lorsqu'ils  6taient  reconnus  inhabiles  k  la 
course,  on  les  portait  sur  un  bücher  pr6par6  oü  on  les  poignardait, 
puis  on  y  mettait  le  feu  et  ils  perissaient  ainsi  en  pr6sence  de 
tout  le  peuple.»^®) 

Ces  Duses  ou  Hairodes  n'ötaient  peut-etre  que  des  Tsiganes 
ou  Boh^miens,  des  forgerons  nomades,  habitant  les  cavernes  des 
Duses  en  ^t6  et  qui  ne  quittaient  le  pays  qu'avec  les  poches 
pleines  d'or.  Ils  revenaient  toujours  dans  les  mSmes  lieux  et 
leur  costume,  leur  couleur  jaune  noire,  leur  corps  velu,  les 
firent  prendre,  probablenient,  pour  des  etres  surnaturels  que  le 
peuple  appela  les  Dussats,  Musais  ou  Hairodes. 

Le  Creux  des  Sarrasins.   —   Lorsqu'en  940  les  Sarrasins 
ocenperent  les  passages  des  Alpes  et  qu'ils  marchörent  vers  le 
Jura,  la  Rauracie  se  vit  fortement  menac6e.    L'histoire  ne  peut 
nous  dire  si   ces   musulmans    occupörent    les    vall^es    du    Jura; 
mais,  d*apres    la    tradition,    plusieurs   lieux   rappelleraient   cette 
terrible  invasion.     Le  plus  celebre  est  le  Creux  des  Sarrasins. 
*  A    une     demi-lieue    de    Develier,     sur    la    montagne,    au 
nord-ouest,  tout  pr^s  de  la  voie   romaine   qui    de    la   vall^e    de      < 
Del^mont  couduisait  en  Ajoie,  il  existe  un  chemin  entaillä  dans    ^ts 
le  roc  sur  une  largeur  de  neuf  pieds,  avec  des  orni^res  distantes  -^r- 
entre   elles    de   quatre    pieds,    y    conipris    leur    propre    largeur..^ 
Cette  entaille  s'appelle  le  Creux  des  Sarrasins.    Une  traditionE=] 
remarquable  se  rattache  ä  cet  endroit;  les  vieillards  de  Develie^^K- 

»^)     Vautrey,  l  c,  V,  p.  312. 


Neujahrefeier  im  alten  Basel  und  Verwandtes.  187 

raeontent,  comme  lears  p^res  le  leur  ODt  racontö,  qa^une  horde 
de  Sarrasins,  post^e  en  ce  lieu,  allait  abreaver  ses  chameaux  k 
la  Sorne,  pr^s  de  Coartetelle,  en  suivant  la  longue  charridre. 
8ur  Tun  des  rocs  du  Creux  des  Sarrasins,  on  remai^que  le 
Chiffre  23,  gray^  profond^ment  en  chiffres  arabes.  Comme  ce 
Chiffre  est  tr^s  ancien  et  qa'on  ignore  d'oü  il  proTient  et  ce 
qu*il  signifie,  on  pr^tend  qu'il  a  6t6  gravö  par  les  Sarrasins  qui 
gardaient  ce  poste'^). 

Pr^    du    camp    romain    du    Mont-Chaibeut^    non    loin    de 

RoBsemaisony    un    chemin   porte  encore  le  nom  de  Chemin  des 

Sarrasins. 

La  tradition  rapporte  aussi  qn'en  certains  temps  des  esprits 

Doirs  foDt  leur  apparition  au    Creux   des   Sarrasins   et   qu'on 

ies  met  en  fuite  en  se  sigoant. 


Meujahrsfeier  im  alten  Basel  und  Verwandtes. 

Von  E.  Hoffmann-Erayer  in  Basel. 

(Schluss). 

Anhang   I. 

-Ak.  ältere    Zeugnisse   betr.  Saturnalien-   und   Ealenden- 

bräuche. 

1.  Q.  SEPT.  FLOR.  TERTÜLLIANI  [f  ca.  230],  De  Ido- 

*Ä»^«-ia  c.  14:    ^Nimirum   Saturnalia   et  Kalendas    Januarias 

^^l^brans  hominibns  placebatP  an  modestia  et  patientia,  an  gravi- 

^^"^^^j  an  humanitate,  an  integritateP*  .  .  .  „  ,Sabbata,  inquit,  vestra 

^^     ^eomeniaa  et  caeremonias  odit  anima  mea'  (Isa.  I,  14).   Nobis 

^vkil)Qg  Sabbata  extranea  sunt    et   neomeniae    et  feriae  a  Deo 

^^^quando  dilectae,  Saturnalia,  et  Januariae,   et  Brumae,  et 

^^tronales  frequentantur?  munerae  commeant?  strenae 
^^Bonant?  lusus,  convivia  constrepunt  ?**  (Patrologia  lat. 
^^igne]  1,  758.) 

2.  SANCTI    PACIANI    [Ep.    Barcinonensis    f    ca.    390]. 
^^^aene8i8   ad  poenitentiam   cap.  I:    „Hoc  enim,   puto,  proxime 


i 


Abh^  S^rasset,  VAbeille  du  Jura,  t.  U,  p.  150. 


]88  Nei^'ahrsfeier  im  alten  Basel  und  Verwandtes. 

CervaluB  ille  profecit,  ut  eo  diligentior  fieret,  quo  impressius 
notabatur  .  .  .  Me  misenim!  Quid  ego  faciDoris  admisiP  Pato, 
nescierant  Cervulam  facere,  nisi  illis  reprehendendo  monstras- 
sem^  (Patbol.  lat.  13,  1081.) 

3.  „In  actis  S.  ALMACHII  M.  [f  ca.  394]  legitur,  cum 
spectacala  cerneret  gladiatoram,  quae  calendis  lanuarii 
dabantur  coram  popalo,  clamasse:  Hodie  octavae  doroinici  diei 
sunt,  cessate  a  SDperstitionibus  idolarum,  et  a  sacrificiis  pollutis.^ 
(Mart.  Qebbebtus,  Vet.  Liturgia  Alemannica  1776,  p.  842.) 

4.  8.  AMBROSII  [f  397]  De  interpellatione  Job  et  David 
IV  (aliter  II)  1,  5:  „Vide  cervum  dominum  lesum,  quando  venit 
ad  lohannem  Baptistam  et  dicenti  sibi  lohanni:  ego  a  te  debeo 
baptizari,  et  tu  venis  ad  meP  respondit:  sine  modo.  Et  hoc  dicto 
in  aquas  salutem  sitiens  publicam  tota  aviditate  descendit.  Sed 
iam  satis  nobis  in  exordio  tractatus  sicut  in  principio  anni 
more  vulgi  cervus  adlusit.*'  (Corpus  Script,  eccl.  lat.  ed. 
cons.  Acad.  Litt.  Caes.  Vindob.,  Vol.  XXXII,  Pars  II,  p.  271,) 

5.  8.  AMBROSII  [f  397]  Sermo  VII  De  Kalendis  januariis; 
„Est  mihi  adversus  plerosque  vestrum,  fratres,  querela  non  modica: 
de  bis  loquor  qui  nobiscum  natalem  Domini  celebrantes,  gen- 
tilium  se  feriis  dederunt,  et  post  illud  caeleste  convivium  Super- 
stitionis  sibi  prandium  praepararunt;  ut  qui  ante  laetifi- 
cati  fuerant  sanctitate,  inebriarentur  postea  yanitate  .  .  .  Ergo, 
fratres,  omni  studio  gentilium  festivitatem  et  ferias  declinemus; 
ut  quando  Uli  epulantur  et  laeti  sunt,  tunc  nos  simus  sobrii 
atque  jejuni  .  .  .*  (S.  Ambbosii  Opp.  stud.  Mon.  e  Congr.  S.  Mauri 
em.  Venet.  t.  IV  [1751],  496).  "«) 

6.  S.  CHRYSOSTOMI  [f  407]  Homilia  23.  in  eos  qui  novi- 
lunia  observant.  T.  I  p.  297:  „Qui  in  tabernis  ludi  hole  fiunt, 
illi  me  maxime  excruciant,  et  impietatis  et  intemperantiae  pleni 
sunt;  impietatis  quidem,  quod  qui  haec  faciunt,  dies  obseryant, 
et  auguriis  addicuntur,  et  putant,  si  noyiluninm  mensis 
hujus  cum  yoluptate  et  laetitia  degant,  reliquum  ae 
annum  sie  transacturos:  intemperantiae  yero,  quod  cum  prima 
luce  feminae  et  yiri  pocula  implentes,  multa  cum  intemperantia 
yinum  merum  hauriunt  .  .  .  Neque  extreraae  hoc  est  amentiae, 
propter  unum  diem,  si  auspicatus  fuerit,  per  uniyersam  hoc 
exspectare  annum,  neque  amentiae  solum,  sed  diabolicae  cujuadam 

'*)  Eine  gleichlautende  Predigt  schreibt  die  Patrologia  latiDa  (57,  543) 
dem  hl.  Maximus.  Bischof  von  Turin  [f  465]  zu. 


Neujahrsfeier  im  alten  Basel  und  Verwandtes.  189 

efficientiae  Judicium  est,  noo  proprio  studio  et  alaoritate,  sed 
quibusdam  dierum  circuitionibus  yitam  nostram  commendare.^ 
(Jos.  BiNOHAH,  Origines  Ecclesiast.  Ex  lingua  angl.  in  lat.  vert. 
J.  H.  Grischovius  Halae  1729,  p.  7.) 

7.  ASTERIU8  V.  AMASIA  [f  410]  Adro^  xarriropcxdc 
r^c  eopTQC  Tuiu  KaXai/duiv:  ^Leute  aus  dem  Pöbel,  Herumstreicher 
und  Gaukler,  ziehen  rottenweise  von  Haus  zu  Haus  und 
belästigen  Jedermann,  vor  allem  die  Magistratspersonen,  mit 
glöckverheissendem  Händeklatschen  und  Geschrei,  sie 
heischen  Angebinde.  Auch  Kinder  treibt  die  Habgier;  sie 
ziehen  herum,  pochen  an  den  Thüren,  und  bieten  zum 
Glückwunsch  mit  Denaren  besteckte  Aepfel  dar,  um  ein 
wertvolleres  Gegengeschenk  davonzutragen.  Roher  Scherz 
wird  mit  den  Bauern  getrieben,  die  sich  in  der  Stadt  sehen 
lassen;  sie  werden  mit  Spott  und  Schlägen  bedacht,  was  sie  bei 
sich  tragen,  wird  ihnen  abgenommen.  Den  ganzen  Tag  bis  spät 
in  die  Nacht  dauert  das  Wogen  und  Lärmen."  (Uebers.  von 
ToMASCHEK,  Ueber  Brumalia  etc.  in:  Sitzungsber.  d.  ph.-h.  El.  d. 
Kais.  Akad.  d.  Wiss.  [Wien]  60,  367.) 

8.  PRUDENTIUS  [flor.  348— ca.  410]  Contra  Symmach. 
I,  V.  237—244: 

„.  .  .  Jano  etiam  celebri  de  mense  litatur 
Auspiciis  epulisque  sacris,  quas  inveterato, 
Heu  miseri,  sub  honore  agitant  et  gaudia  ducunt 
Festa  Calendarum.  Sic  observatio  crevit. 
Ex  atavis  quondam  male  coepta,  deinde  secutis 
Tradita  temporibus  serisque  nepotibus  aucta 
Traxerunt  longam  corda  inconsulta  catenam 
lUosque  tenebrosus  vitiosa  in  secula  fluxit.^ 
(Kbaus,  Real-Encyklopädie  U,  494.) 

9.  S.  HIER0NYMU8  [f  420],  De  viris  inlustribus,  Cap.  CVI: 
,Pacianus,  in  Pyrenaei  iugis  Rarcelonae  episcopus,  castigatae 
eloquentiae«  et  tam  vita  quam  sermone  clarus,  scripsit  varia 
opnscula,  de  quibus  est  Cervus  [in  Kalendis  Januariis  et  contra 
alios  ludos  paganicos]  et  contra  Novationes,  et  sub  Theodosio 
principe  iam  ultima  senectute  mortuus  est.^  (Texte  und  Unter- 
suchungen, hrg.  V.  Gebhardt  u.  Harnack  XIY,  49.) 

10.  S.  AUGUSTINI")  [t  430]  Ep.  Serm.  198  De  Kalendis 
Janaariis  U:   „Admonemus  Caritatem  Yestram,  Fratres  .  .  .  .  ut 

'')  Vgl.  auch  die  Predigten  des  Caesarius  unter  No.  15.  16. 


190  Neujahrsfeier  im  alten  Basel  und  Verwandtes. 

metnineritis,  qaod  modo  cantastis,  ne  sit  lingua  perstrepens  corde 
mute;  sed  quod  sonuistis  voce  ad  aures  invicem  Testras,  clametia 
affectu  ad  aures  Dei.  Hoe  enim  cantabatis,  Salva  nos  Domine 
Deas  noster,  congrega  nos  de  gentibus,  ut  confiteamur  Domini 
sancto  tao.  Et  modo  si  solemnitas  gentium,  quae  fit  in 
hodierno  die  in  laetitia  saeculi  atque  carnali,  in  stre- 
pitu  yanissimarum  et  turpissimarum  cantionnm,  in  con- 
yiviis  et  saltationibus  turpibus,  in  celebratione  ipsius  falsae 
festivitatis,  si  ea  quae  agunt  gentes  non  vos  delectant,  congre- 
gabimini  ex  gentibus  .  .  .  Actnrus  es  celebrationem  strenarum, 
sicut  paganus,  lusurus  alea,  et  inebriaturus  te...  Quomodo 
Hbera  fronte  cantas  Salva  nos  Domine  Dens  noster,  et  congrega 
nos  de  gentibus  ?  .  .  .  .  Dant  illi  [sc.  gentes]  strenas,  date  vos  ' 
eleemosynas.  Avocantur  illi  cantionibus  luxuriarum,  avocate 
Yos  sermonibus  Scripturarum:  currunt  illi  ad  theatrum,  vos  ad 
ecclesiam:  inebriantur  illi,  tos  jejunate.  Si  hodie  non  potestis 
jejunare,  sattem  cum  sobrietate  prandete  .  .  .  Sed  dicis  mihi, 
Quando  strenas  do  mihi  accipio  et  ego.  (S.  Aub.  Augüstini 
Opp.  [Ed.  Mon.  Congr.  8.  Mauri  2.  Venet]  t.  VII,  pars  2. 
p.  906  sqq.) 

11.  8,  AUGUSTINI  Ep.  Contra  Paustum,  lib.  XX,  c.  IV: 
^Faustus  dixit:  .  .  .  Schisma  vero  aut  nihil  immutare  debet  ab 
eo  unde  factum  est,  aut  non  mnltum:  nt  puta  vos,  qui  desciscentes 
a  Gentibus,  monarchiae  opiniouem  primo  vobiscum  divulsistis,  id 
est,  ut  omnia  credatis  ex  Deo:  sacrificia  vero  eomm  yer- 
tistis  in  agapes,  idola  in  Martyres,  qnos  votis  similibus 
Colitis:  defnnctorum  umbras  vino  placatis  et  dapibas: 
solemnes  Gentium  dies  cum  ipsis  celebratis,  ut  kalendas 
et  solstitia:  de  vita  certe  mutastis  nihil."  (Ibidem  t.  X  [Venet. 
1767],  col.  400.) 

12.  Zu    Augustin    vergleiche    noch:    GUIL.   DURANDUS     ^ 
[t  1296]  Rationale  divinorum  lib.  VI  c.  15:  „Postremo  notandum   .«-j 

est,  quod  olim  pagani  et  gentiles  in   his   kalendis  multas  super 

sticiones  observabant,    quarum   aliquas   Augustinus  in  quodamciar: 
commemorat  sermone'**).  Credentes  enim  inquit  Janum  quendaur jg.  j 
deum  esse,  euni  tune  venerabantur  ei  duas  facies  iigurantes  unanran^ 
ante  aliam  post  eo  quod  est  principium    anni    sequentis    et  fini  ^cr 
precedentis.    Assumebunt  enim    formas    monstruosas,    alii  er   ^^ 


'^)  Vgl.  hiezu  dio  pseudo-augustinische  Predigt  (von  Caesarius?)  unt« 
No.  15. 


V 


Neujahrsfeier  im  alten  Basel  und  Verwandtes.  191 

pellibuB  pecudam,  alii  ex  capitibus  bestiarum,  alii  yestientes 
tanicas  muliebres,  alii  auguria  observabant  dantes  vel  reci- 
pientes  diabolicas  strenas,  alii  mensas  laute  praeparatas 
tota  Docte  manere  sioebant,  putantes  totum  anni  spa- 
ciam  convivia  in  tali  cibi  abundancia  perdurare.  Que 
prohibet  christiauos  facere.*"  (Die  bei  Hain  Nr.  6464  erwähnte 
Ausgabe  [unpagioieit].) 

13.  PETRI  CHRYSOLOGI  [f  450]  Sermo  155  De  calendis 
Januariis:  ^Ubi  nostram  Christus  pie  natus  est  ad  salutem,  mox 
diabolus  divinae  bonitati  numerosa  genuit  et  perniciosa  portenta, 
ut  ridiculum  de  religione  componeret  in  sacrilegium  verteret  Sancti- 
tatem,  de  honore  Dei  Deo  pararet  injuriam.  Hinc  est  fratres, 
hinc  est  quod  hodie  Gentiles  Deos  suos  foeditatibus  ex- 
quisitis,  excogitato  dedecore,  et  ipsa  turpitudine  turpi- 
ores   DeoS'  suos   videndos    trahunt,    distrahunt,    pertrahunt, 

qao8  faciunt  uon  videndos Sed  dicit  aliquis,  non  sunt 

iiacc  sacrilegiornm  studia,  vota  sunt  haec  jocorum:   et  hoc  esse 

Doiritatis  laetitiam,  non  yestustatis  errorem:  esse  hoc  annj  prin- 

eipium,  non  gentilitatis  ofFensam.     Erras,  homo,  non  sunt  haec 

iadica,  sunt   crimina  ....     Imaginem   Dei   portare   noluit,   qui 

idoli  Toluerit   personam   ....     Abstrahat   ergo    pater  filiuni, 

sef-Tom  dominus,  parens  parentem,  civem  civis,   homo  hominein, 

Cfa^stianos  omnes  qui  se  bestiis  compararunt^  exaequarunt 

J^^nnentis,    aptaverunt    pecudibus,     daemonibus    forma- 
^»  runt.**     (P.  Ohrysol.   Sermm.  Col.  Agr.  1578,  p.  218.) 

14.  S.  MAXIMI  Ep.  Taurinensis  [f  465]  Sermo  de  Calendis 
^-^^narii.    (Stimmt  mit  der  Predigt  des  Ambrosius  [Nr.  5]  überein. 

15.  S.  CAESARII  [t  542]  (?)  '^)    Sermo  De  Kalendis  Janu- 
^*^i«I  [Append.  Serm.  129,  alias  14  post  hom.   ex   Chart,    maj. 

^      X  parte  supplem.]  :  „Dies  Kalendarnm  istarum,  Fratres  caris- 

^'^■^i',  quas  Januarias  vocant,   a   quodam  Jano   homine  perdito  ac 

,^^^lego  nomen  accepit  .  .  .     Hinc  itaque  est,  quod  istis  diebus 

^-gani  homines  perverse  omnium  rerum  ordine  obscoenis   de- 

^^mitatibus  teguntur,   ut   tales   utique  se   faciant  qui   colunt, 

")  Anm.  der  Mauriner  zu  dieser  pseudo-augustinischen  Predigt :  ^  A  ugust i no 

^^^^ribit  vetns  quidam  .  .  .    Bibliotheeae  jam   Colbertinao  codex:  sed   quo 

^'^tjB  ipgius  esse  credatur,  obsistit  cum  dicendi  ratio,  quae  Caesarium  potius 

•<^rt,  tum  quae  posteris  aevi  est,  ac  diflficulter  ante  Caesarii  teiiipus  reponi 

^*»it,  observatio  hie  n.  3  facta  de  publico  jejunio  per  omiies  Ecclesias  Ka- 

^*ii8  Januariis  indicto  .  .  .•  Eckhart,    Francia   orientalis  I,    433,    schreibt 

^^  Predigt  Bischof  Faustin us  zu. 


192  Neujahrsfeier  im  alten  Basel  und  Verwandtes. 

qualis  est  iste  qoi  colitnr.  In  istis  enim  diebus  miseri  homines, 
et  quod  pejus  est,  aliqai  baptizati,  sumunt  formas  adulteras, 
species  monstruosas,  in  quibus  quidem  sunt  quae  primum 
pndenda,  aut  potius  dolenda  sunt.  ^^)  Quis  enim  sapiens  poterit 
credere,  inveniri  aliquos  sanae  mentis  qai  cerynlum  facientes, 
in  ferarnro  se  velint  habitum  commutareP  Alii  vestinntnr  pel- 
libus  pecudum,  alii  assumunt  capita  bestiarnm,  gaudentea 
et  exsaltantes,  si  taliter  se  in  ferinas  species  transformayerinty 
ut  horoines  non  esse  videantur.  Ex  quo  indicant  ac  probant, 
non  tarn  se  habitum  belluinum^')  habere,  quam  sensum.  Nam 
quam  vis  diversorum  similitudinem  animalium  exprimere  in  se 
velint:  certum  est  tamen,  in  bis  magis  cor  pecndum  esse,  quam 
formam.  ^')  Jam  vero  illnd  quäle  et  quam  turpe  est,  quod  viri 
nati  tunicis  muliebribns  vestiuntur  et  turpissima  demum  demu- 
tatione  puellaribus  figuris  virile  robur  effeminant,  ^non  erubes- 
centes  tunicis  muliebribus  inserere  militares  lacertos:  barbataa 
facies  praeferunt,  ®')  et  videri  feminae  volunt  .  .  .^  (S.  Aürbl. 
AuGüSTiNi  opp.  ed.  Maur.  Antw.  t.  V,  pars  II  [1700]  col.  164.) 

16.  S.  CAESARn  (P)  ^^)  Sermo  De  Christiano  nomine  com 
operibus  non  christianis  [Append.  Serm.  265,  alias  De  Tempore 
Serm.  215]:  „  ...  Et  licet  credam  quod  illa  infelix  consuetndo, 
quae  de  Paganorum  profana  observatione  remansit,  jam  nobis 
castigantibus  et  de  locis  istis  fuerit,  Deo  inspirante  sublata; 
tamen  si  adhuc  agnoscatis  aliquos  illam  sordidissimam  turpitu- 
dinem  de  hinnicula  [forte  anicula]  vel  cervula  exercere,  ita 
durissime  castigate,  ut  eos  paeniteat  rem  sacrilegam  commisisse.'' 
(::.  AuR.  AüGUSTiNi  opp.  ed.  Maur.  Antwerp.  t.  V  pars  II  [1700] 
col.  309.) 

17.  VITA  8.  SAMSONIS  Episc.  Dolensis  [f  ca.  565]  Lib.  2 
Lemma  13:  „Nam  cum  quodam  tempore  in  Resia  insula  praedi- 
caret,  veniente  per  annuam  vertiginem  Ealenda  Januaria,  qua 
homines  supradictae  insulae  hanc  nequam  solennem  inepte  juxta 
patrum  abominabilem  consuetudinem  prae  ceteris  sane  cele- 

8'0  Bei  Eckbart  (offenbar  nach  Burchard  v.  Würzburg  [s.  Nr.  36]):  „in 

quibus   quidem,   quae   primum    ridenda  aut  potius  dolenda  sint,  nescio."  

»»)  vel  Visum.  Eckb.    —    ^^)   formte.  Eckb.    —    ")  pras   se  ferunt  Eckh.  — 
**)  Anm.  der  Mauriner:    ,,Stilu8   et   res  apprime  conveniunt  CaeBario  a  quc^ 
Praedicationes  contra  .  .  .  Kalendarum  quoque  paganissimos  ritus  ...  fac  — 
tas  in  ejus  vita  logimus,  que  populis  in  Ecciesia  legendae  per  diversas  pro— 
vincias    circumferebantur.*    Ducange    (II,   277)  schreibt   die   Predigt   nocb 
Augustin  zu. 


Neujahrsfeier  im  alten  Basel  und  Verwandtes.  193 

brare  consneverant,  ille  providus  spiritu  ob  duritiam  eoram  miti- 
gandam,  convenire  eos  omnes  in,  unum  fecit,  ac  Deo  revelante, 
seroio  ad  detestanda  tarn  gravia  mala  sit  .  .  Ille  omnes  par- 
yqIos  qui  per  insulam  illam  ob  hanc  nefariam  diem 
discurrebant,  vocavit  ad  se,  eis  singalis  per  sobriam  vocem 
mercedem  nummismunculi  auro  quod  est  mensura  donavit,  prae- 
cipiens  .  .  .,  ne  ulterius  ab  illis  haec  sacrilega  cousuetado 
senraretur.  Qaod  ita  Deo  operante  factum  est,  nt  usque  hodie 
ibidem  spiritales  joci  ejus  solide  et  catholice  remanserint."  (AA. 
88.  BoLL.  Julii  VI,  p.  590.) 

18.  CONCILIUM  TUR0NEN8E  II  [a.  567]  Can.  17:  ^Et 
quia  inter  natale  domini  et  epiphania  omni  die  festivitates 
8Qnt,  itemque  prandebunt.  Excipitur  triduum  illud,  quo  ad  cal- 
candam  gentilium  consuetudinem,  patres  nostri  statuerunt 
priyatas  in  Ealendis  Januarii  fieri  litanias^  ut  in  ecciesiis  psallatur, 
et  hora  octava  in  ipsis  Kalendis  circumcisionis  missa  Deo  pro- 
pitio  celebretur." 

Can.  22:  „Enimvero  quoniam  cognovimus  nonuullos  in- 
teoiri  sequipedas  erroris  antiqui  qui  Ealendas  Januarii  co- 
lunt,  cum  Janus  homo  gentilis  fuerit:  rex  quidem,  sed  Dens  esse 
non  potuit."     (Mansi  IX,  796.  803.) 

19.  CONCILIUM  AUTIS8I0D0R.  [a.  578]  s.  Duc.  II,  277. 

20.  8.  MARTINI  BRACARENSIS  [f  580]  Collectio  or. 
canonum  LXXIII:  ,,Non  liceat  iniquias  observantias  agere  kalen- 
danim,  et  otiis  vacare  gentilibus,  neque  lauro,  aut  viriditate 
arborum  cingere  domos.  *"  (Bibuotueca  juris  can.  veteris 
ed.  Voellus  et  Justellus  Lut.  Par.  1661  T.  I  Append.  fol.  XXX.) 

21.  Notae  et  observationes  in  S.  GREGORII  MAGNI 
[t  604]  Librum  sacramentorum,  auctore  D.  Hugone  Menardo, 
Honacho  Benedictino.  Lemma  134:  „Ratio  Missa  hujus  insti- 
tuendae  est,  quia  olim  Ealendis  Januariis  homines  multis  paga- 
oorum  superstitionibus  erantobnoxii."^  (Patrol.  Lat.  78,292.) 

22.  CONCILIUM  TOLETANÜM  IV  [a.  6331,  cap.  XI: 
Jn  temporibus  quoque  reliquis,  id  est,  Ealendis  Januariis.  quae 
propter  errorem  gentilates  aguntur,  omnino  Allein  ja  non  de- 
cantetur.*     (Mansi  X,  622.) 

23.  I8IDORÜ8  HISPALENSIS,  [f  636]  De  ecclesiasticis 
officiis  Lib.  I,  cap.  41 :  „Jejunium  Kalendarum  Januarium  propter 
errorem  gentilitatis  instituit  Ecclesia.  Janus  enim  quidam 
prineeps  paganorum  fuit,  a  quo  nomen   mensis  Januarii   nuncu- 

13 


194  Neujahrsfeier  im  alten  Basel  und  Verwandtes. 

patur,  quem  imperiti  homines  velut  Deam  colentes,  in  religione 
honoris  posteris  tradiderunt,  diemque  ipsum  scenis  et  luxuriae 
Baoraverunt.  Tanc  enim  miseri  homines,  et,  quod  pejus  est, 
etiam  fideles,  sumentes  species  monstruosas,  in  feraram  ha- 
bitu  transformantur:  alii,  femineo  gestu  demutati,  virilem 
Yultnm  efFeminant.  Nonnulli  etiam  de  fanatica  adhuc  consne- 
tudine  quibusdam  ipso  die  observationum  auguriis  profanantnr; 
perstrepunt  omnia  saltantium  pedibus,  tripudiantium  plausi- 
bus,  quodque  est  turpius  nefas,  nexis  inter  se  utriusqne 
sexus  choris,  inops  animi,  furens  vino,  turba  miscetur/  (Patrol. 
LA.T.  83,  774.) 

24.  CONCILIUM  ROTOMAGENSE  [Rouen]  [a.  650],  can. 
13:  „Si  quis  in  Ealendis  Januariis  aliqnid  fecerit  quod  a  paganis 
iuTentum  est,  et  dies  observat,  et  lunam,  et  menses;  et 
horarum  efFectiva  potentia  aliquid  sperat  in  melius  aut  in  deterins 
▼erti:  anathema  sit^     Mansi  X,  1202.) 

25.  VITA  8.  ELIGII  [f  683J:  s.  Duc  II,  277. 

26.  THEODORI  Archiep.  Cantuar.  [f  690]  Lib.  poenit.  c. 
27  §  19:  „Si  quis  in  kalendas  januarii  in  cervulo  aut  vetula 
yadit,  id  est,  in  ferarum  habitus  se  communicant  [1.  commu- 
tant]  et  vestiuntur  pellibus  pecudum,  et  assumunt  capita 
bestiarum;  qui  vero  taliter  in  ferinas  species  se  transformant, 
in  annos  poeoiteant,  quia  hoc  daemoniacum  est.  ^  (Tille  ,  Weih- 
nacht 8.  288.) 

27.  Derselbe  (?)  §  24®^):  „Qui  observat  divinos,  vel 
praecantatores,  philacteria  etiam  diabolica,  et  somnia,  vel  herbas; 
aut  quintam  feriam,  honore  Jovis  [Donnerstag],  vel  kalendas 
Januarii,  more  paganorum,  honorat;  si  clericus  est,  quinque 
annos  poeniteat;  laicus  tres  annos  poeniteat.*'  (Tille,  Yule  and 
Ohristmas  p.  98  n.  2.) 

28.  CUMMEANI  Abbatis  Scoto  Hiberni  Liber  de  mensura 
Poenitentiarum.  ®*^)  c.  VII  (al.  IX):  „Si  quis  Ealendis  Januarii 
aut    in    vecola    aut    in   cervolo   vadit,   tribus   annis   peniteat;  ^ 


85)  In  „Yule  and  Christmas"  p.  98  n.  2  führt  Tille  nicht  mehr  TheodoÄ- 
V.  Canterbury  als  Urheber  des  als  §  19  zitierten  Verbotes  an.  Infolgedessec^ 
bleibt  es  auch  unklar,  ob  der  (in  der  Gesch.  d.  „Weihnachf*  nicht  erwähntem 
§  24  Theodor  v.  C.  angehört.  Die  Quellenangaben  sind  in  dieser  Anm.  2  flbei^ 
haupt  etwas  konfus.  —  ^^)  Ueber  dasselbe  und  seinen  umstrittenen  Verfass^^ 
ausser  Schmitz  noch  Wetzer  u.  Weite's  Kirchenlexikon  *  III,  1239  flf. 


Neujahrsfeier  im  alten  Basel  und  Verwandtes.  195 

qnia  hoc  daemoniam  est.^  Var.i  Cod.  Paris.:  „Si  quis  in 
cerynlo  in  . . .  I  annum  et  in  vefula  aut  in  cervulo  vadat . .  .^ 
Cod.  Yindob.:  „Si  quis  in  Ealendis  Januarias  [!]  in  cervulo 
ant  in  yetula  vadit .  .  .^  (H.  Jos. Schmitz,  Die  Bussbücher  und 
das  kanon.  Bussverfahren.  II  [1898]  627.) 

29.  CONCIUUM  TRÜLLANUM  |a.  692],  can.  62:  .Ka- 
lendas  qnae  dicuntur,  et  vota,  et  bramalia  qnae  vocantur; 
et  qni  in  primo  Martii  mensis  dei  fit  conventum  ex  fidelinm 
uniTersitate  omnino  tolli  volumus:  sed  et  publicas  mulierum 
saltationes  multam  noxam  exitiumque  afferentes:  quin  etiam 
eas,  quae  nomine  eorum,  qui  falso  apud  Gentiles  dii  nominati 
sunt;  Tel  nomine  virorum  ac  mulierum  fiunt,  saltationes  ac 
mysteria,  more  antiquo  et  a  vita  Christianorum  alieno,  aman- 
damns  et  expellimus;  statuentes,  ut  uullus  vir  deineeps  muliebri 
veste  induatur,  vel  mulier  Teste  viro  conyeniente.  Sed 
neque  comicas,  vel  satyricas,  vel  tragicas  personas  induat;  neque 
execrandi  Bacchi  nomen,  uvam  in  torcularibus  exprimentes,  in- 
vocentf  neque  vinum  in  dolus  effundentes,  risum  movent.^  (Mansi 
XI,  971.) 

30.  SANCTI  ALDHELMI  Schireburnensis  Ep.  [f  709]  epist. 
ad  Eahfridum:  ,,Primitus  (pantorum  procerum  praetorumque  pio 
potissimum,  paternoque  praesertim  privilegio)  panegyrioum  poe- 
mataque  passim  prosatori  sub  polo  promulgantes,  ^^)  stridula  vocum 
symphonia,  ac  melodiae  cantilenaeque  carmine  modulaturi,  hym- 
nizemus,  praecipue  quia  taudem  almae  editum  puerperae  sobolem 
(ob  inextricabile  sons  protoplastorum)  piaculum  priscorum  chiro- 
graphum  peccaminum  oblitteraturum,  terris  tandumdem  destiliare 
dignatus  est,  luridum  qui  unguis  chelydrum  trisulcis  rancida 
virulentaqne  Tomentem  per  aevnm  venena  torrenda  tetrae  torti- 
onis  in  tartara  trusit.  ^'^)  Et  ubi  pridem  ejusdem  nefandae  natri- 
eis  ermuli  [1.  hinnuli?]  cervulique  fanis  colebantur  stoliditate 
in  profanis,  versa  yice  discipulorum  gurgustia  (imo  almae  ora- 
minum  aedes)  architecti  ingenio  fabre  conduutur/  (Patrol.  lat. 
89,  92.) 

31.  S.  GREGORn,  Papse  11  [731]  Capitulare  [für  Bayern] 
c.  IX:  ,,.  • .  Ut  incantationes,  et  fastidiationes  [An  fatidicti- 
ones?]  sive  diversa  observationes  dierum  kalendarum, 
qnas  error  tradidit  paganorum,  prohibeantur,  sicut  maleficia,  et 


*^)  Man  beachte  die  Lautspielerei  mit  den  Wortanlauten  p  und  t. 


196  Neujahrsfeier  im  alten  Basel  und  Verwandtes. 

magomm  praestigia,  senetiam  sortileginm,  ac  diTinantium 
observatio  exsecranda  .  .  .**     (Patbol.  lat.  89,  534.) 

32.  EGBERTS  Poenitentiale  [a.  732—766]  Vm,  4  stimmt 
sachlich  mit  No.  26  überein.     (Zitat  bei  Tille,  Yule  p.  98  n.  2.) 

33.  BONIPACn  Moguntini  Archiepisc.  Epistola  49,  ad 
Zachariam  papam  [a.  742]:  «Quapropter  paternitas  vestra  hnjus 
rei  yeritatem  indicare  non  dedignetur,  at  Ecclesiae  sacerdotibos 
vel  populo  Christiane  inde  scandala  et  Schismata,  vel  novi  errores, 
non  oriantur,  et  concrescant,  quia  carnales  homines,  idiotae  Ale- 
manni,  vel  Bagoarii,  vel  Franci,  si  juxta  Romauam  urbem  aliqaid 
facere  viderint  ex  his  peccatis  quae  nos  prohibemus,  licitum  et 
concessum  a  saoerdotibus  esse  putant,  et  nobis  improperium  de- 
pntant,  sibi  scandalum  vitae  accipiunt.  Sicut  affirmant  se  vidisse 
annis  singnlis  in  Romana  urbe,  et  juxta  ecclesiam  in  die  vel 
nocte,  quando  Ealendae  Januarii  intrant,  paganorum  consuetudine 
choros  ducere  per  plateas,  et  acolamationes  ritu  gentiliam, 
et  cantationes  sacrilegas  celebrare,  et  mensas  illa  die  vel 
nocte  dapibns  onerare,  et  nallum  de  domo  süa  vel  ignem, 
yel  ferramentum,  yel  aliquid  commodi  vicino  suo  praestare 
volle.-     (Patron  LAT.  89,  col.  746  sq.) 

34.  8.  ZACHARIAE  papae  epist.  2,  ad  Bonifacium  archiep.: 
„De  kalendis  vero  Januariis,  vel  caeteris  auguriis,  yel  phylac- 
teriis,  et  incantationibus,  yel  aliis  diyersis  obseryationibus,  quae 
gentili  more  observari  dixisti  apud  beatum  Petrum  apostolnm; 
yel  in  urbe  Romana;  hoc  et  nobis  et  omnibus  Christianis  dete- 
stabile  et  perniciose  esse  judicamus,  dicente  Deo:  ,Non  aogura- 
bimiüi  nee  observabitis  somnia*  (Leyit.  XIX).  Et  iterum:  ,Non 
est  augurium  in  Israel,  nee  obseryatio  in  domo  Jacob'  (Num. 
XXIII).  Ita  et  a  nobis  cavendum  esse  censemus,  ut  nullis 
auguriis  vel  obseryationibus  attendamus,  quia  omnia  haec  abscissa 
esse  a  Patribus  sumus  edocti.  Et  quia  per  instigationem  diaboli 
iterum  pullulabant,  a  die  .  qua  nos  jnssit  diyina  dementia  .  .  . 
apostoli  yicem  gerere,  illico  omnia  haec  amputayimus.*"  (Patrol. 
LAT.  89,  921.) 

33.    CONCILIUM    ROMANUM  I  [a.  743],   can.  IX:    „Ut 
nuUus  Ealendas  Januarias,  et  broma  ritu  Paganorum  colere- 
praesumpscrit,  aut  mensas    cum    dapibus   in  domibus  prae^ 
parare,  ut  per   yicos,    et   plateas    cantationes    et   choroi^ 
ducere,   quod  maxima  iniquitas  est  coram  Deo:  anathema  sit."^^ 
(Mansi  XII,  384.) 


Neujahrsfeier  im  alten  Basel  und  Verwandtes.  197 

36.  8.  BURCHARD  von  Würzburg  [f  754],  Homilie  in, 
De  Caleudis  Januariis.  (Stimmt  fast  buchstäblich  mit  der  Predigt 
des  hl.  Csssarius  [Nr.  15]  überein). 

37.  ^Contra  complures  eins  modi  superstitiones,  Yulcanalia 
et  kalendas  observare  etc.  graviter  S.  PIRMINIUS  [f  ca.  755] 
invehitur  in  libello  a  Mabillionio  (Analect.  p.  69)  edito:  ,Ger- 
Yulos  et  vehiculas  [!]  in  Quadragesima  vel  aliud  tempus  noiite 
ambulare.  Viri  vestes  femineas,  feminae  Testes  viriles 
in  ipsis  kalendis,  vel  in  alia  lusa  plurima  noiite  vestire.*"  (M. 
Oebbebtus,  Lit.  AI.  p.  843.) 

38.  ALCÜINI  [t  804]  Lib.  de  Divinis  Officiis,  cap.  4:  „De 
kalendis  Januarii.  Hac  kalendae  secundum  dementiam  gentilium 
potius  dicendae  sunt  cavendae,  quam  calendae.  Ea  siquidem 
tempestate  (quando  judices  praeerant  filiis  Israel,  hoc  est,  ante 
Samsonem)  fuit  qnidam  princeps  gentilium  in  Italia,  nomine 
JanuB,  a  quo  Januarius  mensis  postea  nuncupatus  est.  Hunc 
vero  Janum  imperiti  homines,  qui  Deum  non  cognoscebant,  quasi 
regem  metuebant,  et  pro  Deo  illum  colere  coeperunt,  .  .  .  diem 
ipsum  mnltis  spnrcitiis  sacraverunt.  Quidam  mutabant  se  in 
species  monstruosas,  in  ferarumque  habitus  transformabant. 
Alii  in  femineo  gestu  mutati,  virilem  vultum  effeminabant:  nee 
immerito  virilem  fortitudinem  non  habent,  qui  in  mulieris  habitum 
transierunt.  Aliqni  fanaticis  auguriis  profanabantur,  perstrepe- 
bant  saltando  pedibus,  tripudiando  plausibus;  nonnulli  ita 
auguria  observabant,  ut  focum  de  domo  sua,  vel  aliud  quod- 
cunque  beneficium,  cuiquam  petenti  minime  tribuerent. 
Diabolicas  etiam  strenas  et  ab  aliis  accipiebant,  et  ipsi  aliis 
tradebant.  Nee  non  etiam  mensulas  plenas  ad  manducan- 
dum  tota  nocte  paratas  habebant^  credentes  quod  kalend. 
Januarii  per  totum  annum  praestare  possent.  Et  quia  bis 
atque  aliis  miseriis  mundus  universus  repletus  erat,  statuit 
universalis  Ecciesia  jejunium  publicum  in  isto  die  fieri,  quatenus 
bis  calamitatibus  auctor  vitae  finem  imponeret  .  .  .  Sed  neque 
illud  reticendum,  quod  dum  quadam  die  hae  superstitiones  dia- 
bolicae  Romae  agerentur,  quidam  sanctus  Almachius  cum  diceret: 
Hodie  octavae  diei  Dominicae  sunt,  cessate  ab  bis  superstitionibus 
idolorum  et  sacrificiis  poUutis;  jubente  Alypio  urbis  praefecto, 
hac  de  causa  interfectus  est.     (Patrol.  lat.     101,  1077.) 

39.  [Duc.  erwähnt  IV,  481'  auch  ATTONIS  Ep.  Basiliensis 
Capitola  ecclesiastica,  [a.807— 823]   Cap.  79.  Dieselben  enthalten 


198  N^njahrsfeier  im  altea  Basel  und  Verwandtes. 

aber  keine  70  Kapitel.  Yielleicbt  ist  gemeint  oap.  19:  ^Nono 
decimo  ut  aliad  in  ecciesia  non  legatar  aut  eantetur,  nisi  ea  quae 
auctoritatis  divinae  sunt  et  patram  orthodoxorum  san^t  auctori- 
tas/  (MoN.  Gebm.  LL.  Sect.  II,  Capit.  I,  865.)  Aber  auch 
hierin  kann  ich  keine  Beziehung  auf  Neujahrssitten  sehen.] 

40.  HALITGARH  Ep.  Cameracensis  [f  831]  Liber  Poeni- 
tentialis:  De  sacrilegio:  ^Si  quis  in  kalendis  Januarii,  quod  multi 
faciunt,  et  in  cervulo  dicunt,  aut  in  vehiculo  [!]  vadit^  III  annos 
poeniteat.**     (Patrol.  lat.  105,  699.) 

41.  REGINO  PRUMENSIS  [f  915],  De  synodalibus  causis 
etc.  lib.  I,  c.  304,  p.  145:  ,,Fecisti  aliquid,  quod  pagani  faciunt 
in  kalendis  januariis  in  cerTulo  vel  yetula,  tres  annos  poeni- 
teas."     (Tille,  Weihn.  S.  288.) 

42.  Vita  S.  HUQONIS  monachi  Aeduensis  et  priores  Enzi- 
acensis  [f  ca.  930],  Lemma  15:  ,,Praestigiorum  quoque  fas- 
cinationes  et  verborum  illusoriorum  apotelesmata®^)  (quae  tam 
in  Kalendis  Januarii  quam  in  Nativitate  S.  Joannis  Baptistae 
insipientium  multitudo  committebant)  ita  abhorrebat,  ut  sub  ana- 
themate,  hoc  a  nullo  mortali  fieri  prohiberet.^  (AA.  SS.  Boll. 
Apr.  II,  766.) 

43.  QEORGII  CEDRENI  Compendium  Historiarum.  Paris. 
1647,  Tom  II,  fol.  639:  „Quin  et  hunc  morem  introduxit 
[Patriarcha  Theophylactus],  qui  hodieqne  obtinet,  quod  in 
splendidis  atque  solennibus  festivitatibus  Deo  et  sanctorum  recor- 
dationi  fit  contumelia  per  foedas  cantilenas  ac  risus  et  insanos 
clamores,  quibus  adhibitis  sancti  hymni  cantantur,  quos  a  nobis 
opportebat  corda  compunctis  atque  contritis  pro  nostra  salute  Deo 
offerri.  At  ille  coetu  flagitiosorum  hominum  coacto,  iisque  prae- 
fecto  Euthimio  quodam  ...  et  ab  ipso  est  domesticus  templi 
constitutus,  diabolicas  istas  saltationes,  obscuras  vociferati- 
ones,  cantilenasque  e  triviis  et  lupanaribus  petitas  tunc 
adhiberi  instituit/ 

44.  C^SAR   BARONIUS,    Anuales   ecclcBiastici   (Mogunt. 
1603)  T.  X.  Col.  864   [ad   a.   956]:    JlUus   [Theophylacti]  item^ 
opus  fuit,  mos  qui  etiamnum  viget,   in   sacris   et  publicis  populiK- 


^^)  Hiezu  die  Note:  „Apotelesmata  Graecis  proprie  sunt  operationi 
seu  respoosa  genethliacorum,  quibus  praenuntiant,  quaenam  fortuo 
aliquem  maneat,  ex  eo  quem  sibi  figunut  uatalis  constellatiooi 
iDfluxu. 


Neujahrsfeier  im  alten  Basel  imd  Verwandtes.  199 

celebrationibas  contnmelia  af&ciendi  Deum,  et  Sanctornm  me- 
moriam  per  quaedam  indecora  cantica  ac  risus,  et  temerariis 
exclamationibas,  dum  matutino  tempore  hymni  perficiuntur,  quos 
opportnit  afflicto  atque  contrito  corde  pro  noBtra  salute  Deo  ad- 
hiberi.  Coaeta  enim  frequentia  hominum  infamium,  ipsisque  prae- 
fecto  Eutbymio  quodam  cognomento  Caesne,  quem  ipse  Ecclesiae 
domesticum  creaverat  satanicas  saltationes,  et  indecoras 
clamores,  et  cantica  ex  trivüs  atque  fornicibus  percepta, 
eos  celebrare  docuit.**  ^ 

45.  ATTONIS  VercellensiB  Episcopi  Capitulare,  c.  79:  „Ut 
DulluB  Ealeudas  Januarii  et  brumas  ritu  paganorum  colere  prae- 
Bumat:  Bi  quiB  Ealendas  Januarii  et  brumas  colere  prae- 
BumpBerit,  aut  mensaB  cum  lampadibuB  in  domibus  prae« 
parare,  aut  per  vicos  et  plateas  cantiones  et  choros  ducere 
praesumpserit,  quod  magna  iniquitas  est^  coram  Deo  anathema 
Sit.**     (Patrol.  lat.  134,  43.) 

46.  BURCHARDÜS  WORMACIENSIS  [f  1025],  Decret. 
Üb.  19:  B.  Duo.  II,  277«: 

47.  Ein  anderes  Zitat  aus  Hom.  III,  (De  Cal.  Jan.):  „Dies 
kalendarium  istarum,  fratres  dilectissimi,  quas  Januarias  Yocant, 
a  quodam  Jano,  homine  perdito  ac  sacrilego  nomen  acceperunt^ 
etc.  bei  Eckhard,  Prancia  or.  I,  837. 

48.  PETRUS  DAMIANl  [f  1072]  wird  von  Ducange  s. 
V.  cervulus  u.  nach  ihm  von  Tille,  Yule  S.  99  Anm.  erwähnt; 
die  Stelle  in  Epistulae  ed.  Paris  1610  ist  jedoch  nicht  unter 
p.  384  auffindbar. 

49.  Scholia  THEOD.  BALSAMONIS  [XII.  Jh.]  et  JOAN- 
NIS  ZONARAE  [XII.  Jh.]  ad  canones  concilii  sexti  in  Trullo, 
ad.  can.  62:  Balsamen.  Nota  praesentem  canonem,  et  quaere 
correctionem  in  iis,  quae  iiunt  a  Clericis  in  feste  Natalis 
Christi,  et  feste  Luminarium,  adversus  eum,  et  magis  in 
sanctissima  magna  Ecciesia.  Ex  Chronologica  enim  historia 
Scylitzae,  hoc  malum  non  fuisse  ab  antiquis  traditum, 
sed  ex  permissione  Theophylakti  Patriarchae  Constantinop.  filii 
Imp.  domini  Romani  Lacapeni  pro  comperto  habetur.  Enumerat 
enim  hie  historicus,  una  cum  reliquis  improbis  et  diversis  ejus- 
dem  Patriarchae  actis,  hoc  malum  .  .  .  Mos  ergo  erat  apud 
Romanos  .  .  .  festum  annuatim  pauIo  gentilius  magisque  more 
Oraeco  celebrare,  et  quaedam  indecora  facere:  quod  etiamnum 


200  Neujahrsfeier  im  alten  Basel  und  Verwandtes. 

fit  a  quibasdam  ruBticis,  primis  Januarii  mensis  diebus,  non  more 
Romano  calendaram  et  reliquorum  recordantibus,  sed  eo  qaod 
Luna  tanc  temporis  renovetur,  et  ejus  fandamentum  ab 
hujus  mensis  principia  stataatur,  et  quod  existiment  se  laete 
ac  JQCunde  totam  annum  transacturos,  si  in  ejus  prin- 
cipio  festum  celebraverint  .  .  .  Bota  et  Brumalia  Graeca 
festa  sunt .  .  .  Mense  autem  Martio  fiebat  magna  Graeca  concio, 
seu  aniversalis  conventus,  propter  bonam  temporum  et  aeris 
temperiem:  quo  tempore  etiam  indecorae  saltationes  a  qui- 
busdam  mulierculis  virisque  fiebat.  Quae  omnia  et  bis  similia 
sancti  patres  aversantes,  nulli  viro  permittebant  muliebri  stola 
ullo  modo  uti,  vel  contra;  sed  neque  personas  induere  comicas 
Yel  tragicas  yel  satyrioas:  nee  Bacchi  quidem,  nomen  in  torcu- 
laribus  nominare,  nee  yino  dolus  infuso  ridere  et  cachinnari  .  .  . 

Zonaras.  Sunt  Calendae  primi  mensis  cojusque  dies,  quos 
Graeci  solenni  religione  ac  ceremonia  de  more  celebrabant. 
Bota  quoque  et  Brumalia  Graecorum  festi  dies  fuere.  Bromius 
siquidem  Bacchi  epithetum.  Eos  igitur  aliosque  ejusmodi  Grae- 
corum festis  dies,  ne  cultu  aliquo  prosequi  fidelibus  lioeat,  Patres 
decrevere.  Publicas  quoque  mulierum  saltationes,  quibua 
spectandis  videlicet  ad  libidinem  bomines  incitantur,  tum  quae- 
cunque  Graeci  viri  aut  foeminae,  commentitiorum  numinum  honori 
tribnentes,  peragere  soliti  sunt,  exhiberi  vetant.  Praeterea  Tiris 
muliebri  ornatu,  virili  foeminis,  quae  bacchantium  sibi  con- 
suetudo  permiserat;  quinimo  personarum  quoque,  comicae, 
tragicae,  satyricaeve  usu  penitus  interdictum  .  .  .  (Güil.  Bevb- 
REGIU8,  ITNOAIKON  s.  Pandectae  Canonum  etc.  t.  I,  fol.  230.) 

50.  J.  G.  ECKHART  (sive  ECCARD),  Comm.  de  rebus 
Francia  Orientalis  I  (Würzburg  1729)  433:  „De  pagano  cnrsu, 
quem  Yrias  nominant,  scissis  pannis  vel  calceis  .  .  .  Pa- 
ganus ille  cursus  celebratus  mihi  videtur  in  Ealendis  Jannariis; 
nam  sanctus  Bonifacius  cum  illum  in  nova  Francia  sive  Pran- 
conia  abregare  vellet,  affirmarant  ipsi  Francones  reoens  ad  fidem 
Christianam  conversi,  ut  ex  ejus  ad  Zachariam  Papam  Epistola 
patet  .  .  .^  Es  folgen  dann  ausserdem  die  Citate:  Augustinus 
Serm.  de  Tempore  215,  Audoenus  in  Vita  S.  Eligii  Lib.  U, 
cap.  15,  Conc.  Autiss.  Gan.  4,  S.  Pacianus  Paraen.  ad  poen., 
Ambros.  in  Psalm.  XLl,  Faustinus  Serm.  de  kal.  [von  Cae- 
sariusP],  Halitgarius  Poenit.  c.  6,  Burch.  Wormat.  1.  XIX, 
c.  5.     Er  fügt  dann  bei:  „Geremonias  omnes  si  considero,  videtur 


Neujahrsfeier  im  alten  Basel  und  Verwandtes.  201 

mihi  carsQs   ille   paganus   in    hoDorem    Velledae   sive  Huldae, 
Oermanoram  Dianae,  celebratas  esse.'' 

Anhang  II. 
Aeltere  Zeugnisse  betreffs  parodierte  Bischofswahl. 

Fraglich  ist,  ob  die  vier  ersten  Stücke  sich  auf  unseren 
Brauch  beziehen: 

1.  8YN0DUS  CONSTANTINOPOLITANA  [a.  869],  can. 
XYI:  ^Propter  contentiones  et  tnmultus,  qui  in  Dei  ecc- 
lesia  contingunt,  hoc  quoque  est  definire  necessarium,  ut  epis- 
copus  nullo  modo  constituatur  in  ecclesia,  cui  qui  prae- 
est,  adhuc  vivit,  et  est  adhuc  in  proprio  honore  constitutus,  nisi 
episcopatui  sua  spbnte  renunciaverit.  Oportet  enim  causam  ejus, 
qui  est  episcopatu  expellendus  canonice  examinatam  ad  finem 
priuB  deduci:  deinde  post  ejus  depositionem,  alterum  in  ejus 
episcopatum  provehi  ..."     (Mansi  XVI,  547.) 

Dagegen  habe  ich  folgende  von  Ducange  flV,  481**  unten) 
zitierte  Stelle  nicht  finden  können:  „Fuisse  qaosdam  laicos, 
qui  secundum  diversum  Imperatoriam  dignitatum  videbantur  ca- 
piUorum  comam  circumplexam  involvere  atque  reponere  ...  et 
gradum  quasi  sacerdotalem  per  quaedam  indusia  et 
vestimenta  sacerdotaiia  sumere,  et,  ut  putabatur,  Episcopos 
coDstituere^  etc. 

2.  Chronici  jussu  CONSTANTINI  PORPHYROGENNETI 
conscripti,  a  Leone  Armenio  usque  ad  Michaelem  Theophili  F. 
[sive:  Constantini  Porphyrogenneti  Continuator  sive  Theophanis 
continuati  lib.  lY]  lib.  IV,  cap.  38:  „Quodque  his  gravius,  quod 
secum  habebat  [Michael,  regn.  862-867]  sodalitium  ....  his 
ille  honorem  habens  eosque  colens,  divinorum  contemptu,  sacer- 
dotales  auro  contextas  vestes  ac  Pontificum  humeralia  eis 
adhibebat,  ac  haecque  turpiter  ac  impure,  quae  pura  sunt,  eos 
peragere  cogebat.  Ejus  chori  principem,  sie  nuncupatum  Grylum. 
Patriarcham  vocabat:  reliquos  undecim,  praecipuarum  illustrium- 
qae  Sedium  Metropolitas  .  .  .  Qaia  vero  etiam  cantillare, 
divinaque  peragere  Mysteria  illis  incumbebat,  cantica 
modulosque  explendo  citharam  adhibebant,  modo  sensim  pulsantes, 
et  ud  illa  stridulum  argutumque  sonum  ederet,  hoc  aemulati  quod 
Sacerdoti  secreto  agitant;  modo  pulsu  libero  ac  claro  sonitu,  pro 
eo  ac  Sacerdotes  sie  clare  quasi  perorando  pronantiant.     Aurea 


202  Neiljahrsfeier  im  alten  Basel  und  Verwandtes. 

quoqae  ac  gemmis  baccata  vasa  aceto  at  sinapi  implentes,  atque 
Ulis  impartientes  qai  erant  percepturi,  per  eam  modam  impollutis 
Mysteriis  illudebant.  Accidit  autem  et  qaandoque  ohoras  hio 
beato  Ignatio  Patriarchae  obviam  fieret,  cum  is  sapplicationiB 
causa  ex  Ecclesiastico  ordine  cum  Clericorum  pompa  procederet. 
HuDC  ut  conspexit  Qrylus,  lubentissime  rem  capescens,  pulsare 
auspicatur^  retractaque  casula  cum  sodalibus^  contentiore  citbarae 
sonitu,  sanctiBsimos  vires  convitiis  compluit  Terbisque  turpissimis 
fatigat.  (HisTORiAE  Byzantinae  Scriptokes  post  Theopbanum,  ed.' 
Combefisius.  Paris.  1685,  fol.  124.) 

3.  C0NSTANTINU8  PORPHYROGENNETES  de  Basilii 
Imp.  avi  vita  et  rebus  gestis  [sive:  Const.  Porph.  Basilius 
Macedo,  sive:  Theophanis  continuati  Lib.  Y]  Cap.  21  handelt 
ebenfalls  von  dem  Sacrileg  Michaels.  (Hist.  Byz.  Script,  p.  Theoph. 
fol.  152.) 

4.  SYME0NI3  Magistri  ac  Logothetae  Annales,  a  Leone  Ar- 
monio  usque  ad  Nicephorum  Phocam  [sive:  Symeonis  Mag.  et 
Log.  Annales,  sive:  Symeon  Mag.  De  Const.  Porphyr.],  Michael 
et  Theodora,  cap.  18,  über  das  Sacrileg  Micheals.  (Hist.  Btz. 
Script,  p.  Theoph.  fol.  437.) 

5.  BELETUS  [Amiens  c.  1180],  Liber  L  Divin.  Offic.  c. 
72.   120:  Duo.  4,  481'" 

6.  „Extant  enim  literae  PETRI  CAPUANI,  Card,  legati  in 
Francia  a.  1198,  quibus  praecipit  Odoni  Episcopo  Paris,  et  ali- 
quot canonicis  ejnsdem  Ecclesiae,  ut  hocce  festum,  quod  fatu- 
orum  appelabatur,  et  ia  Ecclesia  Paris.,  ut  in  exteris  invaluerat, 

penitus    abolerent.**     (Dürr,      De    Episcopo    puerornm,    in:    A. 

Schmidt,  Thes.  jur.  eccl.  III,  75.) 

7.  CONCILIUM  PARISIENSE   [a.    1212],    P.  IV.  c.  16 
Duc,  IV,  482« 

8.  „LUCAS    CUSENTINUS    [1.    Consentinus]    Episcopi]^ 
[t  1224]  in  suo  ,Ordinario'  inquit:  ,Puero  Episcopello  Pont^-^ 

ficalia    conceduntur    insignia,   et  ipse  dicit  orationes.^"     (Dcr 

1.  c.  71  seq.) 

9.  CONCILIUM  COPRINIACENSE  [a.  1260],  cap.  BKI 
^Rursus  cum  in  balleatione  quae  in  festo  sanctorum  Ini3^ 
centium  in  quibusdam  ecclesiis  fieri  inolevit,  multae  riKi^  ^ 
contentiones  et  turbationes,  tarn  in  Divinis  officiis  quam  ftJI  i 
consueverint  provenire,  praedictas  balleationes  nlterius  snb  Mm 
timatione  anathematis  fieri  prohibemus:  necnon  et  episcopos    Mi 


Neujahrsfeier  im  alten  Basel  und  Verwandtes.  203 

praedicto  festo  creare:  cum  hoc  in  ecciesia  Dei  ridicalum 
existat,  et  hoc  dignitatis  episcopalis  ludibrio  fiat.  Divina  tarnen 
of&cia,  prent  melins  et  honestius  fieri  poterit,  ut  in  aliis  festivi- 
tatibus,  celebrentur.«     (Mansi   XXIII,  1033.) 

10.  CONCILIÜM  SÄ.LZBURGENSE  [a.  1274]  cap.  XVII: 
^De  Episcopis  puerornm.  Ad  haec  quidam  ludi  noxii,  quos 
vulgaris  elocutio  Episcopatns  puerorum  appellat,  in  quibus- 
dam  Ecclesiis  exercentes  [1.  exercenturP]  adeo  insolenter,  quod 
nonnumquam  enormes  culpae  et  damna  gravia  subsequnntor.  Ex 
ipsis  hos  Indes  in  Ecclesiis  et  a  personis  ecclesiasticis  de  cetero 
fieri  prohibemus,  nisi  forti  parvi  sexdecim  annorum  et  infra 
fuerint,  qui  hujusmodi  Indes  exercent:  quibns  alii  seniores  ipsis 
nullatenus  se  misceant  aut  iutersint/  (Goncilia  Oermaniae  ed. 
Schannat.Härtzbeim  1760.  t.  III,  p.  642.) 

11.  WARDROBE  ACCOUNT  of  the  28  Edward  I  [a.  1299]: 
„Septime  die  Decembris,  cuidam  Episcopo  Puerorum  di- 
centi  Yesperis  de  Sancto  Nicholas  coram  Rege  in  Capeila  sua 
apud  Heton  .  .  ."     (Brand.  Populär  Antiquities  I  [1840],  232^ ) 

12.  8YN0DUS  DKECESANA  WORMATIENSIS  a.  1316: 
^.  .  .  quod  olim  a  Praßdecessoribus  nostris  causa  devotionis  ordi- 
natum  fuerat,  et  statutum,  videlicet:  ut  Sacerdotes  singulis 
annis  in  Festivitati  B.  Joannis  Evang.  uuum  ex  se  eligant, 
qui  more  Episcopi  Missam  illa  die  gloriose  celebret,  et 
festive,  nunc  in  ludibrium  vertitur,  et  in  Ecciesia  ludi  fiunt 
theatrales,  et  non  solum  in  Ecciesia  introducuntur  monstra 
larvarum,  verum  etiam  Presbyteri,  Diaconi,  et  Subdiaconi  in- 
saniae  suse  ludibria  exercere  prsesumunt,  facientes  prandia 
sumptuosa  et  cum  tympanis  et  cymbalis  ducentes  choreas 
per  domos  et  plateas  civitatis  .  .  .  Prseterea  districte  inhibemus: 
ne  sacerdos,  qui,  ut  in  festo  S.  Joannis  more  solito  Missam 
celebret,  assumetur,  aliquam  personam  Ecclesiasticam  vel  mun- 
danam,  mimos,  Yillegatores,  vel  tympanatores  ad  coenam 
vel  prandium  invitet,  vel  illos,  aut  alios,  qui  musicis  instru- 
mentis  canere  consueverunt,  in  Ecciesia  vel  extra,  in  domo  vel 
platea,  eundo  vel  corizando  sequatur  .  .  .  Prandio  autem  facto, 
praedictus  sacerdos  non  equo,  non  asino,  more  insani,  per 
vicos  equitet  et  plateas. *"  (Ant.  Schmidt  in:  Thes.  jur.  eccl. 
III,  81.) 

13.  STATUTA  ECCLESIAE  COLLEGIATAK  S.  DIONYSII 
LEODIENSIS  [Lüttich]  de  anno  1330:  „Item  statutum  est,  quod 


204  Neujahrsfeier  im  alten  Basel  und  Verwandtes. 

ultiraus  receptuB  in  CaDonioam,  qai  in  perceptione  erit  froctaam^ 
et  non  erit  foraneus  cujascanqae  sit  ordinis  solyet  Episcopatum 
paerorum  illius  anni  (i.  e.  expensas  pro  hao  ceremonia  neces- 
sarias  feret)  et  semper  quousque  alius  de  novo  reoeptas  faerit. 
Canonicas  .  .  .  ipsum  exemerit,  qui  tenetar  solyere  dictam  Epis- 
copatum .  .  .  Adjectum .  est  etiam,  qnod  Canonicus,  qni  primaa 
expensas  in  die  Beati  Nicolai  fuerit,  ille  idem  expensas  in  dei 
Innocentinm  salvet  .  .  .^     (Ant.  Schmidt  in:   Thes.  jur.  eccl. 

III,  82.) 

14.  „In  the  WARDROBE  ROLLS  of  King  Edward  the 
Third,  an.  12.  [1388],  we  have  this  entry  .  .  .  :  ,Epi8copo 
puerorum  Ecclesiae  de  Andeworp  cantanti  coram  domino  Rege 
in  Camera  sna  in  festo  Sanctorum  Innocentinm.'*^  (Brand, 
Pop.  Ant.  I,  285.) 

15.  CAEREMONIALE  (Manuskr.)  der  Kirche  von  Viviers 
V.  J.  1385:  Düc.  IV,  481^ 

16.  DEKRET  des  Kapitels  von  Auxerre  v.  J.  1400:  Duc. 

IV,  484^ 

17.  BrauDSchweig  1400:  „Vermnmmungen  am  Nütlaastage 
und  damit  verbundene  Umzüge  werden  schon  im  J.  1400  in 
Braunschweig  erwähnt.  Die  Schüler  des  Blasiusstiftes  statteten 
damals  einen  Popanz  aus,  der  allerlei  Possen  und  Thorheiten 
ausführte;  dann  wählten  sie  einen  Bischof  und  Abt,  der 
die  priesterlichen  Handlungen  nachahmte.  Der  Unfug  war  so 
gross,  dass  1407  das  Kapitel  dagegen  einschritt/  (Akdbee, 
Brauuschweiger  Volkskunde  ^  S.  325.) 

18.  Dioecese  Viviers  i.  J.   1406:  Duo.  482f 

19.  CONCILIUM  BASILEENSE  [a.  1435]  Sessio  XXI  §  Xli 
^Turpem  etiam  illum  abusum  in  quibusdam  frequentatum  Eccle — 
siis,  quo  certis  anni  celebrationibus  nonnuUis  cum  mitra,  ba — 
culo,  ac  vestibus  pontif  icalibus  more  Episcoporum  bene — 
dicunt,  alii  ut  reges  ac  duces  induti  [sunt],  quod  festanzs 
fatuorum  v.el  innocentum,  seu  puerorum  in  quibusdam  re^— 
gionibus  nuncupatur,  alii  larvales  et  theatrales  jocos,  a&i 
choreas  et  tripudia  marium  ac  mulierum  facientes  homin^^ 
ad  spectacula  et  cachinnationes  movent,  alii  commessation^^ 
et  convivia  ibidem  prseparant.**     (Mansi  29,  108). 

20.  Saint-Rieux  [1437]:    „On   passe   dans  le  oompte  de  ItL. 
coI16giaIe  de  Saint-Rieux  de  Tan  1437,  8  sons  parisis,  donn^s  aoxi 


Neujahrsfeier  im  alten  Basel  und  Verwandtes.  205 

▼icaires  pour  avoir  tena  le  lieu  du  petit  6yeque  le  jour  des  Inuo- 
centa,  comme  il  etait  de  coutume/     (La  Tradition   1901,  p.  72.) 

21.  KAPITELALKTE  von  Amieos  [1438]:»^)  Jn  preeenti 
capitalo  comparentes  J.  C,  J.  de  N.  .  .  .  Ecclesiae  Ambianensis 
capellani  pridem  lecti  iDstitati  ordinati  et  assumpti  in  papatum 
stultorum  villa  Amb.  missi  ut  dicebant  aliis  suis  successoribus 
et  pcedecessoribus  Snperstibus  in  Papam  hajus  modi  .  .  .  remon- 
strayerunt  per  Organum  dicti  C.  quod  J.  de  C.  nunc  deffunctus 
dum  viveret  papatum  prsedictum  obtinens  suo  in  testamento  et 
ultima  Yoluntate  qui  decessit  legavit  papali  feste  ipsius  viliae 
LX  sol  .  .  .  paris  suplicantes  iidem  missi  isdem  dominis  (cano- 
nicis)  quaternis  ipsi  consentirent  quod  dicti  C.  et  sui  praedeces- 
Bores  in  papatu  ordinati  superstites  die  circumcisionis  Do- 
mini facerent  prandinum  in  quo  beneficiati  ipsius  viliae  convoca- 
rentur,  in  iidem  in  ibi  [?]  eligere  instituere  et  ordinäre  valereat 
[!]  papam  ac  papatum  revoiarent.  **  (La  Tradition  1901,  p.  10.) 

22.  Ad  Opera  PETRI  BLESENSIS  Appendix  (Copia  cujus- 
dam  Epistolae  a  venerabili  Facultate  theologiae  studii  Pari- 
siensis,  praelatis  et  capitulis  ecclesiarum  regni  Franciae  Trans- 
missae  etc.) 

„,  .  .  Porro  a  gentilibus  venit  haec  spurcitia,  atque  de 
reliqniis  gentilitatis  est  haec  festivitas,  licet  festum  Fatuorum 
a  suis  fautoribus  intituletur  .  .  .  Hoc  autem  exsecrationis  coa- 
gulnm,  quod  vocatur  Festum  stultorum  in  ecclesiis,  in  locis  sancti- 
ficatis,  et  a  personis  Deo  consecratis  fit  .  .  . 

Quis,  quaeso,  Christianorum  seusatus  non  diceret  malos  illos  sa- 
cerdotes  etclericos,  quos  divini  officii  tempore  videret  larvatos, 
monstruosos  vultibus,  aut  in  vestibus  mulierum,  aut  leonum, 
▼elhistrionum  choreas  ducere  in  choro,  cantilenas  inhones- 
tas  cantare,  offas  pingues  supra  cornu  altaris  juxta  celebrantem 
missam  oomedere,  ludum  taxillorum  ibidem  exarare,  Thuri- 
ficare  de  Thumo  fetido  ex  cario  veterum  sotularium,  et  per 
totam  ecclesiam  currere,  saltare,  turpidudinem  suam  non  eru- 
beacere,  ac  deinde  per  villam  et  theatra  in  curribus  et  vehiculis 
sordidis  duoi  ad  infamia  spectacula,  pro  risu  astantium  et  con- 
correntium  turpes  gesticulationes  sui  corporis  faciendo,  et 
yerba  impndicissima  ac  scurrilia  proferendo?  .  .  . 


•9)  Ich  gebe  dieses  stellenweise  fehlerhafte  Zitat  buchstäblich  wieder, 
ohne  zn  untersuchen,  wem  die  Verstösse  zuzuschreiben  siud. 


206  Neujahrsfeier  im  alten  Basel  und  Verwandtes. 

Consuetado  introducta  ab  antiqao,  secundum  quftm  in  qni- 
busdam  ecciesiis  tarn  oathedralibos  quam  coUegiatis,  vel  aliis, 
annis  singalis  in  festo  Innoeentium,  aat  S.  Stephani,  vel  Circom- 
cisionis  Domini,  aut  alio,  ab  ecclesiasticis  viris  fit  quoddam  festum, 
qaod  Festum  stultorum  vocant,  in  quo  solent  per  eosdem  fieri 
mille  derisiones  et  fatuitates,  etiam  contra  reverentiam  Dei,  et 
in  yitnperium  magnum  cleri  et  totius  Status  ecclesiastici,  est  a 
sanctis  Patribus  et  generalibns  conciliis  reprobata,  et  magis  est 
dicenda  corruptela  quam  consuetudo,  nee  praetextu  cujuscunque 
statuti  observanda. 

Non  licet  in  aliqna  ecclesia  sub  prsetextu  prsefatee  malse, 
et  damnatae  consuetudinis  eligere  episcopum  vel  archiepiscopmn 
fatuorum,  yel  etiam  electum  derisorii  et  cum  ludibrio  confirmare  .  . . 

Non  licet  hujusmodi  episcopis  vel  archiepiscopis  fatuomm 
uti  quovis  modo  insigniis  pontificum,  videlicet,  mitra  et  bacnio 
pastorali  aut  ceteris  hujusmodi  .  .  . 

Non  licet  insnper  praefatis  episcopis  vel  archiepiscopis  fatu- 
orum  facere  divinum  officium  in  ecclesia  cum  supradictis  insigniis, 
nee  dare  benedictiones  legentibus  lectiones  matutinaleSi  nee  etiam 
benedicere  populum  ... 

Si  non  licet  .  .  .  facere  episcopos  aut  archiepiscopos  fatu- 
omm .  .  .  ;  a  fortiori  ratione  non  est  licitum  etiam  prsetextu 
cujuscunque  antiquae  consuetudinis  .  .  .  facere  unum  papam 
Fatuorum  .  .  . 

Non  licet  .  .  .  viris  ecclesiasticis  et  maxime  in  sacris  er- 
dinibus  constitutis  .  .  .  quod  sub  praetextu  aut  colore  dicti  feeti 
Fatuorum  faciant  officium  divinum,  aut  illi  intersint  habitibus  et 
vestimentis  ecclesiasticis,  sicut  in  quibusdam  ecciesiis  pridem  fuit 
observatum  .  .  . 

Non  licet  ducere  choreas  in  ecclesia,  quando  fit  divinum 
servitium,  aut  comedere  seu  bibere  circa  altare,  quando 
missa  celebrantur  .  .  . 

Non  licet  ecclesiasticis  .  .  .  dimittere  .  .  .  vestimenta  sua 
clericalia  ...  et  uti  vestimentis  saecularium  virorum,  aut  stul- 
torum  .  .  .  ;  et  adhuc  minus  licet  eis  larvatas  accipere  facies 
aut  depictas,  vel  assumere  vestimenta  rauliebria;  ac  faoere 
ludoitheatrales,  vel  ludibria  aut  spectaculum  suorum  cörporum, 
et  alios  personagiorum  ludos,  et  maxime  in  locis  publicis,  vel 
coram  magna  popularium  multitudine  .  .  .•  (Patbol.  Lat.  207, 
1169  sqq.) 


Neujahrsfeier  im  alten  Basel  uod  Verwandtes.  207 

23.  Brief  KARLS  VH.  t.  Frankreich  vom  J.  1445:  Duc. 
IV,  483!   fg. 

24.  LUDWIG,  Erzbischof  v.  Sene  1445:  Duc.  IV,  484^  fg. 

25.  JOH.  STONE,  De  Obitibue  et  aliis  meraorabilibua 
[Eccles.  Cantuar.]  Mscr.:  ,,Hoc  anno  1464.  In  Feste  Sancti 
Nicolai  non  erat  Episcopus  pueroram  in  Scola  Qrammaticali 
in  Civitate  Cantuariae  [Canterbury],  ex  defectu  Magistromm.^ 
(Brand,  Pop,  Ant.  I,  236\) 

26.  STATUT  von  Toul  1497:  Duc.  IV,  483': 

27.  ORDINARIUM  von  Ronen  XV.  Jahrb.:  Dua  IV,  483' 

28.  Prag  im  XV.  Jahrb.:  „Die  Rectoren  der  Schnlen  nnd 
ihre  Studenten  veranstalteten  jedes  Jahr  einen  Aufzug,  bei 
welchem  Einer  als  heil.  Nikolaus  in  reichen,  prächtigen  Bischofs- 
gewändem  herumgeführt  und  von  einem  Gefolge  begleitet  wurde, 
das  von  Schmuck  und  Juwelen  strahlte.  Man  nannte  diesen 
Aufzug:  ,den  Bischof  in  die  Häuser  geleiten^  (episcopum  conducere 
in  domns)  und  das  Gefolge  des  Bischofs:  ,die  Ritterschaft  des 
heil.  Nikolaus/  ^     (Reinsbero,  Fest-Ealender  S.  530.) 

29.  GUIL.  MARLOT,   Metropolis  Remensis  Historia  1679 

T.  n,   769:    ,,Invaluerat    per   omnes   fere   cathedrales   Ecclesias 

die  Ss.  Innocentium   laudabilis   primum   consuetudo;   sed  que  in 

tot  münicos,   et    scurriles  jocos  deflezerat,   ut  hujus  ecclesiastici 

coetus  primarios  puduerit,  donec  penitas  abrogata  est.     Vicarii 

et    Cappellani    puerum  hoc  festo  die    episcopalibus   orna- 

mentis  indutum,  mitra,  supparo,  chirothecis  et  pedo  pastorali, 

in  Ecciesiae  chorum   inducebant,  benedictionem  populo  im- 

pertientem:  tum   per    vicos    Urbis   et  plateas  cum  joco  et  ca- 

chinnis  indecentibus,  et  Clericatu  indignis.     Guillelmus  Durandus 

hujus  meminit   in   Rationali,    aitque   festum  inchoari  solitum  a 

Vesperis  Nativitatis   Domini,   quibus   Diaconi   antiphonam  sancti 

Martyris  Stephani  modulate  canere,  Matutinis  prseesse,  Lectiones 

T«citantibu8  benedictionem  largiri,  et  alia  quaedam  contra  recep- 

tam  Ecciesiae   morem   facere.     Diaconos   excipiebant   Presbyteri 

d«i  S.  Johannis,   et  hi  regendi  Officii  munus  pueris  remittebant 

festo  Innocentium,  quod  puerilis  episcopus  ornabat,  ritu  haud 

"^Mimili  ab  eo,  quem  Ivo  Carnot.  tetigit  epist.  68 

Eligimus  puerum,  puerorum  festa  colentes 
Non  nostrum  morem,  sed  Regis  jussa  sequentes. 


208  Neujahrsfeier  im  alten  Basel  und  Verwandtes. 

Quibusdam  locis  SubdiacoDi  Circumcisionis  diem  8ibi 
vendicabant,  alibi  octayamEpiphanae,  quam  StuUorum  festum 
Tulgo  quidem,  sed  mimice  Yocitabant.  Cognatus  refert  eo  pro- 
^ressas  hujus  modi  sannas  et  abusus,  ut  pro  honestis  et  licitis 
animi  remisBionibus,  juniores  Beneficiarii  stultorum  episcopum 
in  theatro  pro  foribas  Ecclesiae  erecto,  singulis  annis  instituerent, 
cui  mox  per  urbem  tumnltuose,  et  petulanter  deducto  epulnm 
parabatnr  SBque  ridiculum  et  ineptum,  quod  Senatus  Parisiensis 
decreto,  Decani  et  Capituli  rogatu,  abrogatum  est  anno  1490. 

Remis  puerilia  haec  oblectamenta  faciendi  facultas  petebator 
singulis  annis  in  Capitulo  ab  Innocentium  archiepiscopo,  magistro, 
et  pneris,  dariqne  coDSueverat  cum  sumtibus  epuli,  modo  fierei 
sine  larvis  et  strepitu  tubiciniSy  et  sine  equitatione  per  villarn^ 
ex  conclusioni  anni  1479.  Patet  ex  alia  conclusione  anni  1508, 
discordiam  emersisse  inter  scholae  Remensis  Ecclesiae,  et  templi 
episcopos,  pro  hoooris  gradu,  et  incedendi  praerogativa.  San- 
citum  tarnen  reperio,  Petri  Remy  majoris  Archidiaconi  hortata, 
ne  deinceps  coriales  pueri  mitram,  ac  pedum  gestarent,  nee  epis- 
copalibus  vestimentis  induerentur,  juxta  Concordata,  et  Pragmati- 
cam-Sanctionem  alias  in  Concilio  Basileensi  renovatam,  qua  cau- 
tum  est  Sess.  21  ut  larvati  et  theatrales  illi  joci,  qui  in  festo 
Innocentium  usurpari  solebant,  ab  Ecclesia  arcerentur. 

Ueber  das  XV.  Jahrh.  hinaus  wollen  wir  die  Sitte  nicht 
verfolgen. 

,     Undatiert. 

30.  „TÜRONENSE  S.  MARTINI  RITUALE  manuscriptum: 
,Po8t  primam  S.  Johannis  vadunt  Clericuli  super  equos  ad  bellum 
montem,  et  ibi  in  cathedra  levant  Episcopum,  et  incipit 
cantor  puerorum  ad  majorem  portam  Ecclesiae  R.  Sancta  et 
ante  altare  B.  Mariae  antiphonam  alma  cum  Gloria^  post  facit 
Episcopus  revestitus  in  cappa  serica  Benedictionem  in  Choro 
super  moniales.  Post  redeuntes  cum  Episcopo  revestito  levant 
eum  in  cathedra  ante  portam  Thesaurarii  et  dicunt  R.  Sancta, 
et  ducunt  eum  ante  B.  Martinum,  ubi  dicta  oratione  facit  supei 
populum  Benedictionem,  et  debet  succentor  ire  cum  eis  ad  Ec- 
clesiam  Belli  montis.  Ad  missam  serviunt  sicut  in  festo  S. 
Stephani  excepto  quod  Juvenes  non  caotant  Epistolam,  sed  sub 
diaconus  legit  eam,  in  choro.  Ad  vesperas  super  psalmos  anti 
phonsB  de  laudibus,  et  quando  magnificat  canitur,  veniunt  den 


Neujabrsfeier  im  alten  Basel  und  Verwandtes.  209 

culi  in  Choro  cum  Episoopo  habentes  candelas  accensas  de  proprio, 
et  qnando  deposuit  oanitur,  ac6ipit  cantor  puerorum  bacalum, 
et  tanc  in  stalla  ascendunt  pueri,  et  alii  descendunt,  et  dicta 
oratione  vadant  ad  altare  crucifixi  bantantes  R.  sub  altare,  post 
antipbonam  innocentes  cum  magnificat  et  Oratione,  post  dicit 
ibi  EpiscopuB  benedictionem ,  scilicet  Dominus  omnipotens. 
Deinde  ducit  eos  cantor  in  domam  suam,  et  ibi  bibnnt  et  dant 
Candelas  janitori  cantoris.'  *  (Dürr,  De  Episc.  puerorum,  in: 
Schmidt,  Thes.  jur.  eccl.  III,  72.) 

31.  „Similiter  Ecclesia  Suessonensis  [Soissons]  sustulit  anti- 
qoum  morem:  in  ejus  enim  antiquo  RITÜALI  libro  tempore 
NiYelonis  ^^)  scripto  habitur:  ,et  sciendum  est,  quod  haec 
festivitas  (S.  Stepbani)  de  communi  totius  capituli  assensn  ab 
Omnibus  exolusa  antiqua  consuetudine  Diaconorum  et  Ludorum 
solenniter,  sicut  aliae  triplices  festivitates,  debeat  celebrari/  ^ 
(DQrr,  De  Episc.  puerorum,  in:  A.  Schmidt,  Thes.  jur.  eccles. 
III,  75.) 

Dass  ein  ganz  analoger  Brauch  bei  den  Nonnen  bestand, 
möge  endlich  noch  folgender,  freilich  dem  XYI.  Jahrhundert  an- 
gehörender Beleg  zeigen. 

32.  VISITATIONS  der  CarrowNunnery  (in  Norfolk,  0.  S.  B.) 
[14.  Juni  1526.]:  „Item  habent  in  feste  Natalis  Domini  juniorem 
monialem  in  abatissam  assumptam  vocandi  [sie,  für  jocaudi?] 
causa;  cujus  occasione  ipsa  consumere  et  dissipare  cogitur,  quae 
yel  elemosina  Tel  aliorum  amicorum  largitione  acquisierit.  *"  Der 
Bischof  verbietet  darauf  diesen  Gebranch.  ^*)  (Visitatioxs  of 
the  Diocese  of  Norwich  1492—1532,  ed.  A.  Jessopp,  London  1888, 
p.  209). 


5®)  Es  giebt  deren  zwei  im  XIII.  Jahrhundert. 

^*)  Gütige  Mitteilung  von  Herrn  Dr.  E.  Pueter  in  Basel. 


14 


210 


Volkskundliches  aus  dem  Taminathal. 

Von  F.  W.  Sprecher  in  Kriegstetten. 

II. 
Wirtschaftliche  Gebräuche. 

Hirtenleben. 

Alljährlich  wird  im  Frühjahre  für  flie  Ziegen,  Schafe  und 
jungen  Rinder  je  ein  Hirte  neu  gewählt,  welcher  seine  Yiehhabe 
täglich  von  der  Morgen-  bis  zur  Abendämmerung  auf  den  All- 
menden oder  Oemeindeweideplätzen  (gewöhnlich  mit  dem  Sammel- 
namen „Allmei'^  bezeichnet)  zu  hüten  hat.  Zur  Sammlung  der 
Herde  am  Morgen  dient  dem  Ziegenhirten  oder  „Oeisler*"  die 
sog.  ^Guga,"  ein  altes,  grosses  Ziegenbockhorn,  das  er  in  rhyth- 
mischen Stössen  erschallen  lässt.  Der  Schafhirt  oder  ^Schötler^ 
und  der  Rinderhirt  begnügen  sich,  die  Bevölkerung  durch  lang- 
gedehnte Pfiffe  aufmerksam  zu  machen.  Ausser  einer  festen 
Belohnung  haben  der  Rinderhirte  und  der  Oeisler  mit  seinem 
Buben  das  Recht,  ^uf  d'Spys^  zu  gehen,  d.  h.  morgens  und 
abends  bei  den  Ware  auftreibenden  Bauern  der  Reihe  nach 
zum  Essen  zu  gehen,  während  er  den  „Z'nüni*^-  und  Mittags- 
tisch, bestehend  in  Schnaps,  Käse  und  Brod  mit  sich  auf  die 
Weide  nimmt.  Für  jedes  Stück  „Geis"  hat  der  Bauer  eine 
Mahlzeit;  für  jedes  Stück  Rind  aber  einen  ganzen  Tag,  also 
drei  Mahlzeiten  zu  spenden.  Dem  Rinderhirten  muss  ausserdem 
von  den  „Spysenden*^  als  Gehülfe  ein  Bube  oder  „Fissner" 
gestellt  werden.  Vom  ersten  Frühlingserwachen  bis  zum  „Ein- 
schneien** im  Spätherbst  hütet  der  „Geisler*^  in  dieser  Weise  di& 
ihm  anvertraute  Habe;  doch  zieht  er  im  Hochsommer  alle 
Wochen  zwei-  bis  dreimal  ins  Vättnerälpli  „Ladils"  hinauf,  unn 
die  steileren  Weideplätze,  wohin  die  Kühe  nicht  mehr  getrieben 
werden,  abgrasen  zu  lassen.  Wegen  der  Milch  der  Ziegen  ie^ 
er  aber  gezwungen,  seine    „Geis^    allabendlich  heim  zu  treiben. 

Der  Rinderhirte  ist  ähnlich  wie  der  „Schofler"  in  dieser 
Beziehung  freier  und  kann  seine  „Rindli**  und  „Chelber**  während 
der  Nacht  oft  « ausliegen  **  lassen.  Im  Sommer,  d.  h.  Ende  Juni, 
treibt  man  ihm  das  Vieh  auf  die  Alp  „Calvina,*  wo  er  dasselbe 


VolkskuDdliches  aus  dem  Taminathal.  211 

gemeinsam  mit  zwei  Buben  bis  Mitte  September  za  hüten  hat. 
Dazu  liegt  ihm  noch  die  Aufsicht  über  die  Schafe  und  etwelche 
Pferde  ob,  die  man  zur  Kur  dort  hinauf  schickt.  Den  Unter- 
halt bezieht  er  nunmehr  auf  Kosten  der  Gemeinde.  Auch  nach 
der  Alpentladung  („  Alpfahrt '^)  im  Herbst  bis  zum  Rosenkranz- 
sonntag  (das  ist  der  erste  Sonntag  im  Oktober)  hat  er  im  Thale 
drunten  das  Vieh  wieder  auf  ähnliche  Weise  zu  hüten,  wie  im 
Frühling. 

Immer  bleibt  den  Sommer  über  einiges  Jungvieh  nebst 
zahlreichen  einheimischen  oder  von  auswärts  gemieteten  Milch- 
kühen, den  ^Heimschkühen,^  im  Dorf  zurück.  Für  diese  wird 
bis  zur  Wiederkehr  des  Rinderhirten  von  der  Alp  ein  besonderer 
Hirte,  der  „Heimschküher,^  gewählt,  der  die  gleichen  Funktionen 
wie  jener  hat,  aber  nicht  „z'Spys"  geht.  —  Sowohl  der  Rinder- 
hirte  wie  der  Heimschküher  pflegen  den  Brauch,  ihren  schönsten 
und  stärksten  Rindern  und  Kühen  Kränze  und  ,,Plümppa'' 
[Schellen]  anzulegen,  wenn  jener  von  der  Alp  und  dieser  am 
Abend  desgleichen  und  letzten  Weidtages  heimkehren.  In  den 
häafigsten  Fällen  geschieht  das  aber  nur,  um  ein  entsprechendes 
Trinkgeld  von  Seite  der  Eigentümer  einzuheimsen. 

Bis  vor  kurzem  bestand  auch  der  Brauch,  alljährlich  Mitte 
oder  Ende  Mai  die  jungen  ,,Gitzi"  und  ^Nöser"  —  das  sind  die 
^«  und  1  V^jährigen  Zicklein,  die  noch  nicht  geworfen  haben,  — 
^auszustellen.^  Zu  diesem  Zwecke  werden  dieselben  ge- 
zeichnet, indem  man  ihnen  bestimmte  Figuren,  sog.  „Zeichen^aus 
den  Ohren  herausschneidet.  Alsdann  führt  man  sie  ein  Stück  weit 
ins  Gebirge  z.  B.  auf  die  ^Gitziplatta"  oder  in  ^d'Grapperfirst" 
hinauf  und  lässt  sie  dort  bis  zum  Spätherbste  frei  laufen.  Nahrung 
ist  in  den  Wäldern  und  Grasplätzen  genügend  vorhanden.  Ihre 
Wohnung  suchen  sich  die  Tiere  unter  den  überhängenden 
Felsen  oder  „Balmen."  Viele  Stücke  bleiben  zahm  und  kehren 
oft  wieder  ins  Thal  zurück ;  andere  aber  verwildern  und  können 
im  Herbste  oft  nur  mit  grösster  Mühe  und  tagelanger  Jagd 
wieder  eingefangen  werden.  Im  Jahr  1898  hat  eine  Forstver- 
ordnung diesem  „Ausstellen''  ein  Ende  gemacht. 

Maiensässleben. 

Jeder  Bauer,  der  ein  Berggut  oder  nMaiensäss**  besitzt, 
zieht  im  Frühling,  oft  auch  im  Herbst  mit  seinem  Yieh  dort 
hinauf.     Oft  tragen    diese    Bergwiesen    den  abgekürzten  Namen 


212  Yolkskundliches  aus  dem  TamiDathal. 

„Berg/  So  habeo  die  Yalenser  ihre  „Yalenserberg'^,  die  Yasöner 
ibre  „Bachberg'/  die  Pfaferser  und  Yadurner  ihre  „BIäserberg\'^ 
Die  Yättnerbauern  habeo  als  Maieosässe  den  „umg7airna  Wald*", 
Calfeisa,  Luterazug  und  Yättnerberg.  —  Wir  wollen  hier  nur 
auf  den  letztern  etwas  näher  eingehen. 

Der  Yättnerberg  ist  eine  wunderschöne,  etwas  hügelige 
Wiesenterrasse  am  Abhänge  des  Monte  Luna  und  gehört  einer 
Korporation  von  Yättis.  '  Letztere  besitzt  auch  in  der  Umgebung 
mehrere  »Birg^  (Wildheuplanggen),  deren  Ertrag  jährlich  ver- 
steigert wird,  ferner  besondere  Yorrechte  an  der  Alp  Calvina. 
—  Alle  Bergwiesen  liegen  unmittelbar  nebeneinander,  sind  aber 
ebenso  zerstückelt  wie  die  Güter  im  Thale  unten.  Ausser  den 
für  Yieh  und  Heu  nötigen  Stallungen,  bestehend  in  Stall  und 
Stadel,  besitzt  jeder  Berger  auch  sein  eigenes  „Hüsli^  mit 
„Stübbli^,  Küche,  Holzschopf  und  Keller.  Manche  dieser 
Wohnungen  stehen  frei,  andre  sind  an  die  Ställe  angebaut. 
Alle  Gebäulichkeiten  sind  in  fünf  Gruppen  oder  Weilern  ver- 
einigt. Wasser  ist  in  zwei  kleinern,  aber  ausgezeichneten 
Quellen  vorhanden.  —  Da  hinauf  zieht  der  Bauer  Mitte  Mai 
mit  dem  grössten  Teil  seiner  Yieh-Habe.  Morgens  und  abends 
wird  dieselbe  auf  die  Weide  getrieben  und  dort  eine  Stunde 
lang  von  einem  Buben  gehütet.  Da  keine  Bäume  oder  Sträucher 
den  Ueberblick  über  den  „Berg^'  verhindern,  so  gewährt  dieses 
Weidenlassen  des  Yiehes  mit  all'  dem  Geläute  und  Geklingel 
und  der  herrlichen  Aussicht  über  das  Thal  und  die  fernen  Ge- 
birge ein  überaus  ansprechendes,  heimeliges  Bild.  Yiele  Berger 
nehmen  auch  von  andern  Bauern,  die  keine  eigenen  Maiensässe 
besitzen,  sog.  Lehenkühe  ins  Futter  an,  deren  Nutzen  sie  gegen 
eine  geringe  Entschädiguag  an  Molken  beziehen.  —  Jeder  Berger 
ist,  sofern  er  keinen  Knecht  hieher  schicken  kann,  sein  eigener 
Herr  und  Senn,  der  seine  kleinen  Maienkäse,  sein  „Schmalz^ 
[Butter]  und  Zieger  selber  fabriziert  und  hiebei  von  seinem 
Buben  unterstützt  wird.  Dafür  bekommt  dieser  auch  nach  dem 
„Anggen"  (Zentrifugieren)  die  erste  „Schnitta**  Butter  und  Brod, 
aus  dem  „Chessi"  den  ersten  ^Pulder*  (junger  Käse),  und  am 
Schlüsse  einer  ^Käsata^  a  Muttla  voll  Schotta  und  Zieger^  zum 
Essen. 

Solche  ^Chäsata''  finden  je  nach  dem  Milchvorrate  mehr- 
mals in  der  Woche  statt.  Käse,  Butter  und  Zieger  werden  im 
Keller  aufbewahrt  und  am  Sonntag  Morgen  in  Gemeinschaft  mit 
den  übrigen  Bergern  auf  dem  ^RäfF*^  ins  Thal  heimgetragen. 


Volkskundliches  aus  dem  Taminathal.  213 

Als  Haoptspeisen  figariren  hier  oben  überall  neben  Kaffee 
und  Miloh  ein  „Tatsch,  Finz""  oder  „Türgg.""  Der  Tatsch  ist 
eiDe  der  Omelette  ähnliche,  aber  gewöhnlich  ohne  Eier  zube- 
reitete Mehlspeise,  welche  über  dem  Feuer  in  kleinere  oder 
grossere  Stücke  zerstossen  und  in  Butter  gebacken  wird.  Kommen 
noch  Eier  hinzu,  dann  heisst  das  Produkt  auch  , Eiertatsch.  ^ 
Der  Türgg  wird  aus  siedender  Milch  und  darin  gestreutem  Mais- 
mehl, unter  Zusatz  von  Salz  und  Butter,  bereitet.  Der  Finz 
oder  Fenz  ist  ein  in  Butter  gebackenes  Mehlmus.  Alle  diese 
«festen^  Mehlspeisen  gelangen  mitsamt  der  Pfanne  und  dem 
darunter  gestellten  «Pfannachnechf^  auf  den  Tisch.  — 

An  den  Nachmittagen  wird  von  den  nahen  Abhängen 
Streue  oder  Holz  herbeigetragen,  oder  der  Dünger  mit  der 
„Binna''  ausgeführt.  Die  Binna  ist  ein  niedriger,  zweirädriger 
Brücken  wagen,  der  von  zwei  Stück  Jungvieh  an  einer  langen, 
geraden  Deichsel  gezogen  wird. 

Des  Abends  nach  vollendetem  Tagwerke  sitzen  die  Berger 
da  und  dort,  in  einem  Stübbli,  auf  einem  „Bühel^  [Hügel]  oder 
^Gafer*  [Felsrippe]  zusammen,  um  zu  „tabäklen^  [rauchen]  und 
zu  ^ tatschen*^  [plaudern]. 

So  lebt  man  hier  drei  bis  vier  Wochen  lang  bis  anfangs 
Jnni.  Alsdann  zieht  alles  gemeinschaftlich  mit  dem  Vieh  eine 
Viertelstunde  weiter  hioauf  zu  den  sog.  „Hütten'^,  wohin  auch 
die  nötigsten  Haus-  und  Milchgeräte  gebracht  werden.  Hier 
wohnt  alles  Vieh  in  kleinen  niedrigen  „Schära^  [Ställe] 
beisammen.  Dem  „Schära**  hat  jeder  Berger  einen  besonderen 
Raum  als  Hütte  angebaut,  in  welcher  er  sich  des  Tages  aufhält 
und  seine  Käserei  fortsetzt.  Des  Nachts  schläft  er  in  dem 
wenigen  Heu  auf  dem  „Scharastadel''  [Heuraum].  Auch  die 
wegen  der  Milchabfälle  mitgenommenen  Schweine  haben  ihre 
eigenen,  winzigen  „Schwy-Schära.""  Morgens  und  abends  wird 
hier  das  Vieh  mit  wenig  Heu,  das  man  im  vorigen  Sommer  in 
den  etwas  unterhalb  liegenden  „Hüttenstückli'^,  einer  besonderen 
Abteilung  des  Yättnerberges,  gesammelt  hat,  gefüttert.  Während 
des  Tages  wird  sämtliches  Vieh  unter  einem  gemeinsamen 
Hirten  auf  die  Weide  in  die  Alp  Calvina  getrieben.  Zu  diesen 
Hirtendiensten  ist  jeder  Berger  verpflichtet;  indessen  richtet  sich 
die  Zahl  der  Diensttage  nach  der  Anzahl  der  von  ihm  aufge- 
triebenen Stücke. 


214  Volkskundliches  aus  dem  Taminathal. 

Bei  längerem  Schneewetter  und  folgendem  Heumangel  ist 
man  gezwungen,  wieder  auf  den  Berg  hinunterzuziehen,  wo  man 
noch  Heu  übrig  gelassen  hat,  um  bei  günstiger  Witterung  wieder 
zurückzukehren, 

Ende  Juni  findet  die  eigentliche  A.lpfahrt  statt.  Das 
Jungvieh  mit  den  im  Thale  zurückgebliebenen  Stücken  wird  in 
die  ^Galtalp''  [A.lp  für  Jungvieh]  Calvina,  Tersol  oder  ins  Cal- 
feisenthal  getrieben;  die  Kühe  und  Schweine  kommen  in  die 
A.lp  Ladils.  Die  Berger  tragen  ihren  Hausrat  wieder  auf  den 
^Berg'^  hinunter.  Nachdem  alles  in  Ordnung,  brennen  sie  am 
letzten  Abend  oft  noch  auf  der  „Chrachawand^  ein  Freudenfeuer 
ab  und  ziehen  dann  des  andern  Tages  allesamt  wieder  ins 
Thal  hinunter,  wo  bereits  das  Heuen  begonnen  hat.  Ist  mau 
dort  damit  fertig,  dann  wird  auch  auf  dem  „Berg^  das  Heu  ein- 
gethan.  Nach  dieser  Arbeit  wird  drunten  wieder  geemdet.  Ist 
man  damit  zu  Ende,  dann  wird  oben  «birget^  [Wildheu  ge- 
sammelt] und  „g'streunet^  [Streue  gesammelt],  bis  das  Vieh  von 
den  Alpen  kommt.  Bis  anfangs  Oktober  wird  dasselbe  im  Thale  unten 
gehalten.  Alsdann  ziehen  die  Berger  damit  wieder  hieher  auf  den 
„Berg^,  um  den  grösseren  Teil  des  gesammelten  Heues  zu  verfüttern, 
welcher  vielen  Bergern  bis  Weihnachten  oder  Neujahr  ausreicht. 

Der  Winter   ist   auch    hier   die   Kehrseite  des  Frühlings^ 
und  es  braucht   schon    einen   ganzen    Mann,   um   hier  in  NebeL 
und    Schneestürmen,    oft    mit    Lebensgefahr,    seines    Amtes    zim. 
walten  und  beim  „Ahistella*^  oder  Hinunterfahren  durch  die  ge  — 
wältigen    Schneemassen    und    Lawinenzüge    sein    Vieh    wiedeir 
glücklich  ins  Thal  zu  bringen. 

Alpfahrt  und  Aelplerleben. 

Mitte  bis  Ende  Juni  wird  in  alle  Alpen  des  Thaies  de^ 
Vieh  aufgetrieben.  Die  letzte  Alpfahrt  ist  immer  diejenige  i^^^:: 
die  Oemeindealp  Ladils.  Für  diese  Alp  werden  alljährlich  a^^^j 
der  Zahl  der  Viehbesitzer  zwei  „  Alpmeister  **  gewählt.  Di^c 
haben  die  Wahl  der  Hirten,  oder  Alpknechte,  und  Alles,  w^^ 
die  Bestossuog,  Behirtung,  Milchwirtschaft  genannter  Alp  !:>< 
trifft,  für  das  laufende  Jahr  zu  leiten.  Schon  einige  Tage  ^^^ 
der  Alpfahrt  begeben  sie  sich  mit  den  Alpknechten  auf  die  A^^l 
um  alles  in  Stand  zu  setzen.  Am  festgesetzten  Tage  erschuf  ii 
jeder  Bauer  selbst  mit  seinen  Kühen  auf  der  Alp,  um  die»«J 
ihre  Plätze  im  „Schära*^  anzuweisen,  den  sie  den  ganzen  Somnrme^ 


VolksknDdliches  aus  dem  TamiDathal.  215 

über  beim  Melken  behalten.  Jedes  Jahr  werden  diese  Plätze 
bei  der  sog.  Yieheinzählung  der  Alp  bestimmt.  Ausser  den 
Kühen  bringt  auch  jeder  Auftreibende  seinen  Melkeimer  [rundliches 
Holzgefass  zum  Melken]  mit,  den  er  in  der  Alp  zurücklassen  muss, 
weil  seine  Kühe  wegen  Erleichterung  der  Milchmessnng  jeweilen 
nur  in  dieses  Geschirr  gemolken  werden.  Der  Reihenfolge  gemäss 
müssen  auch  je  zwei  Bauern  alljährlich  zwei  schwere,  gefütterte 
Decken  für  das  Nachtlager  der  Alpknechte  besorgen.  Die  Unter- 
lage desselben,  bestehend  in  Alpheu,  haben  die  Knechte  selber 
herbeizuschaffen. 

Ist  alles  Yieh  an  seinem  Platze,  dann  wird  es  von  seinen 
Eigentümern  noch  einmal  gemolken  und  die  Milch  gemessen. 
Alle  Milch  des  ganzen  Sommers  wird  für  jeden  Bauer  in 
wöchentliche  Listen  eingetragen  und  daraus  der  zugehörige 
Molkenertrag  am  Schlüsse  berechnet.  —  Ein  Teil  der  eben  er- 
haltenen Milch  wird  sofort  gekocht  und  von  allen  Anwesenden 
gemeinschaftlich  aus  grossen  ^Muttlen"^  gegessen.  Hernach  beten 
noch  allesamt  entblössten  Hauptes  zum  Wohlergehen  ihres 
Yiehes  und  der  ganzen  Alp  ein  Vaterunser,  Ave  Maria  und  den 
englischen  Gruss  und  kehren  allmählich  wieder  thalwärts  nach 
Hanse  zurück. 

Die  Oberleitung  über  das  gesamte  Yiehwesen  und  die 
Hütten  Wirtschaft  übernimmt  nun  der  Senn  unter  Mithilfe  und 
Beirat  der  zwei  Eüher  und  des  Zusennen.  Die  Tagesord- 
nung ist  in  Kurzem  folgende:  Morgens  um  2  Uhr  erheben  sich 
die  Küher  vom  Lager,  durchstreifen  die  abgelegensten  Teile 
des  ,,Säss^  oder  „Staffel^,  um  alles  Yieh  zu  sammeln  und  in 
den  ^Schära^  zu  treiben.  Dort  wird  es  angebunden  und  alsbald 
Ton  sämtlichen  Alpknechten  gemolken.  Da  die  Zahl  der  Kühe 
infolge  Rückganges  der  Alpstösse  nur  mehr  60  bis  70  beträgt, 
fallen  auf  jeden  Melker  noch  15  bis  20  Stück  zum  Melken. 
Nach  Erledigung  einer  „Schära"-Abteilung  wird  in  der  Regel 
die  Milch  von  den  Kühern  gemessen,  vom  Buben  oder  Zusenn 
notiert  und  vom  Senn  im  Milchkeller  versorgt.  Ist  die  ganze 
Melkerei  zu  Ende,  dann  wird  das  Frühstück,  bestehend  in  einem 
feisten  Tatsch  oder  Finz  nebst  Milch  oder  Kaffee,  Käse  u.  s.  w. 
eingenommen.  Um  6  bis  7  Uhr  „fahren  die  Küher  aus",  d.  h. 
sie  treiben  die  Kühe  unter  lautem  Hallo  in  die  entferntem  Alp- 
gründe und  Grasplätze,  wo  sie  dieselben  den  ganzen  Tag  hüten 
und  zu  bestimmten  Zeiten  „mieten,^  d.  h.  ihnen  aus  ihren  Miet- 


216  Volkskundliches  aus  dem  Taminathal. 

taschen  Salz  austeilen.  Die  Weideplätze  werden  in  Halbtag- 
und  Tagweiden  unterschieden.  Die  ersteren  werden  wegen  ihrer 
geringen  Ausdehnung  nur  für  je  einen  halben  Tag  bezogen; 
letztere  aber  für  den  ganzen  Tag.  Abends  zwischen  4  und  5  Uhr 
wird  die  Herde  wieder  heim  in  den  „Schära"  getrieben,  gemolken 
und  alsdann  für  die  ganze  Nacht  wieder  „ausgelassen^,  wobei 
sie  sich  auf  dem  Sasse  frei  herumtummeln  kann.  Jede  ältere 
Kuh  sucht  dabei  immer  ihr  bestimmtes  Lieblingsplätzchen  auf. 
Nach  Besorgung  der  Milch  setzen  sich  die  Alpknechte  zum 
Nachtessen  und  verweilen  noch  nachher  bei  einem  Schnäpschen 
in  gemütlicher  Plauderei.  Gegen  9  oder  10  Uhr  machen  sich 
die  Küher  nochmals  auf,  durchstreifen  die  Alp  und  treiben  die 
„gingsta""  [weitestgehenden]  Kühe  für  die  Nacht  auf  die  sichersten 
Plätze  des  Säss  zurück.  Nach  ihrer  Rückkehr  wird  gebetet  und 
zwar  allabendlich  in  derselben  Weise:  fünf  Vaterunser  und  Ave 
Maria,  der  englische  Gruss  und  der  Anfang  des  Evangeliums 
Johannis.  Alsdann  begibt  sich  ein  Eüher  oder  der  Senn  vor 
die  Hütte  oder  auf  das.  Gufer  oberhalb  derselben,  um  mit  lauter 
erhobener  Stimme  den  Alpruf  zu  thun,  womit  er  die  ganze  Alp 
während  der  Nacht  dem  Schutze  Gottes  und  seiner  lieben 
Heiligen  empfiehlt  und  dabei  nach  der  Aussage  mancher  Hirten 
oft  von  bösen  Geistern  und  Menschen  angefochten  wird.  ^) 

So  geht  es  alle  Tage,  wobei  jedoch  stets  die  Weideplätze 
gewechselt  und  die  tieferliegenden  für  die  Schneewetter  des 
Herbstes  aufgespart  werden.  An  den  Sonntagen  steigt  der 
Zusenn  mit  der  Milchliste  der  vergangenen  Woche  ins  Thal 
hinab,  um  Proviant,  Kleidungsstücke  und  diesen  oder  jenen 
Auftrag  der  Bauern  zu  holen.  Das  Mittagessen  bekommt  er 
der  Reihe  nach  von  den  Bauern,  welche  Schweine  in  der  Alp 
sommern  und  deren  Besorgung  ihm  speziell  obliegt.  Auch  ist 
Brauch,  ihm  privatim  hie  und  da  einen  „Schlegel  Schnaps"  allen- 
falls mit  einem  „Birabrod**  für  die  Alpknechte  unter  die  Arme 
zu  stecken  mit  dem  ungesagten  Wunsche,,  auf  gewisse  „Chüali^ 
besonders  Acht  zu  geben.  Da  auch  Sonntags  auf  der  Alp  ge- 
käset wird,  muss  an  Stelle  des  Zusenn  ein  Küher  dabei  assistieren. 
Um  dies  zu  ermöglichen,  werden  die  Kühe  an  diesem  Tage  in 
die  ausgedehnte  und  gefahrlose  „Suntigweid"  oberhalb  der  Hütte 
getrieben,  wo  sie  keiner  besondern  Aufsicht  bedürfen. 


M  Diesen  Alpruf  s.  Jahrb.  des  Schweizer  Alpknclub  IV,  316;  H.  Hebsoo, 
Schweizer  Volksfeste  S.  250. 


Volkskundliches  aus  dem  Taininathal.  217 

Falls  weder  Hirten  noch  Vieh  ein  Unglück  trifft  und  vor 
allem  kein  Stück  „erfallt'',  d.  h.  abstürzt,  dann  wird  alljährlich 
am  Abend  des  15.  August,  also  am  Feste  Maria  Himmelfahrt 
(gewöhnlich  «Augsth eiligtag"  genannt)  auf  dem  weithin  sichtbaren 
Sennenstein  ein  grosses  Freudenfeuer  angezündet.  Dazu  werden 
brennende  LegfShren  als  Fackeln  geschwungen;  einer  bläst  das 
langgezogene  Alphorn,  ein  anderer  eendet  seine  Jauchzer  ins  Thal 
hinab.  Drunten  im  Dorfe  steht  alles  auf  den  Gassen  und  Strassen 
und  schaut  hinauf  zum  flammenden  Punkt;  die  frohe  Jugend  be- 
antwortet das  Freudenzeichen  mit  Jauchzern  und  Liedern.  In 
neuester  Zeit  werden  ausser  dem  Dorfe  ..auf  der  Rüfi''  nebstdem 
noch  bengalische  Feuer  abgebrannt,  und  Mäanerchor  und  Blech- 
musik geben  zum  Schluss  der  kleinen  Feier  ihre  Ständchen. 

Mitte  September,  wenn  der  erste  Schnee  gefallen  oder 
die  Weiden  abgeäzIT  sind,  fährt  man  mit  dem  Yieh  wieder 
zu  Thal.  Am  Vortage  erscheinen  wieder  die  Alpmeister,  welche 
mit  dem  Sennen  die  Butter  und  Käse  wägen  und  das  gesamte 
Molken  auf  die  produzierte  Milch  verrechnen.  Das  Quantum 
der  letztern  variiert  jährlich  zwischen  13 — 18,000  Liter,  wovon 
für  ein  Pfund  Magerkäse  ca.  7  Liter,  für  1  Pfund  Butter  aber 
15 — 17  Liter  Milch  verbraucht  werden.  Am  andern  Tage  kommen 
die  Bauern  mit  Schlitten  und  einem  Bündel  Säcken  und  Tüchern 
ausgerüstet.  Der  Senn  tischt  ihnen  die  Milch  der  letzten  „Melchi"' 
in  grossen  „Muttlen^  auf,  aus  denen  jeder  mit  dem  mitgebrachten 
Löffel  schöpft.  Sind  alle  versammelt,  dann  wird  mit  der  Ver- 
teilung des  Molkens  („Molcha'')  begonnen.  Zuerst  kommt  dieButter, 
dann  der  Zieger,  und  schliesslich  der  Käse  an  die  Reihe,  wobei 
immer  eine  besondere  Reihenfolge  eingehalten  wird.  Beim  Zieger 
geht  es  „nach  den  Häusern^  im  Dorf  drunten,  beim  Käse  ent- 
scheidet das  Los  die  Aufeinanderfolge.  Uebrig  bleibende  Stücke 
werden  versteigert,  oder  unter  die  Alpknechte  verteilt.  Jeder 
wickelt  sein  „Molchen^  in  Tücher  und  Säcke  und  schliesslich  in 
^Heugfüateri^  [Emballage]  ein,  befestigt  es  so  gut  als  mög- 
lich auf  seinem  Schlitten,  und  fährt  damit  —  oft  beträgt  die 
Ladung  mehrere  Zentner  —  durch  den  steilen  Felsweg  ins  Thal 
hinunter.  Hiezu  sind  tüchtige  Muskeln  und  grosse  Gewandtheit 
erforderlich!  Schon  mehrmals  sind  Schlitten  mitsamt  dem  Molken 
über  den  Weg  hinaus  in  die  Abgründe  gestürzt. 

Am  Morgen  des  gleichen  Tages  haben  auch  die  Küher  mit 
dem  Vieh   die  Alpen  auf  dem  weiteren  Wege  über  Vasön  ver- 


218  Volksknndliches  aus  dem  TamiDathal. 

lassen  und  ziehen  nun  nach  der  Heimkehr  der  Bauern  feierlich 
ins  Dorf  ein.  Alle  Leute,  Gross  und  Klein,  stehen  auf  den  GFassen, 
wenn  der  jauchzende,  flott  aufgeputzte  Eüher  mit  der  „Heer-Chua^ 
[Herrkuh]  erscheint.  Diese  trägt  um  Hörner  und  Hals  herum 
festliches  Blumengewinde.  Auf  dem  Nacken  ist  der  ebenfalls 
bekränzte  Melkstuhl  befestigt  und  am  Halse  hängt  die  schwere, 
dumpf  tönende  ,,Plümpa''  [Schelle],  welche  die  stattliche  Kuh  zu 
ihrem  majestätischen  Schritte  auch  passei^d  zu  schütteln  weiss. 
Ohne  die  Leute  zu  beachten,  marschiert  die  Gefeierte  stolz  an 
ihnen  vorüber  ihrem  alten  Heime  zu,  wo  sie  ihren  Eigentümer 
muhend  begrüsst.  —  Auch  die  „Herrmesserin^,  welche  die  meiste 
Milch  lieferte,  ist  mit  Melkstuhl,  Kranz  und  ^Plümpa^  bedacht 
und  marschiert  unmittelbar  hinter  der  Herrkuh  daher. 

Das   „Tratten". 

In  früheren  Zeiten  war  nach  den  Thalfahrten  allgemein  das 
^Tratta**  üblich.  Es  besteht  darin,  dass  sämtliches  Grossvieh  des 
Thaies  unter  einem  gemeinsamen  Hirten  aufgetrieben  wird,  welchem 
nicht  bloss  säititliche  Allmenden,  sondern  auch  die  Privatgüter, 
seien  es  nun  Aecker  oder  Wiesen,  zur  Verfügung  stehen,  um 
alles  zurückgebliebene  oder  nachgewachsene  Gras  abweiden  zu 
lassen.  Die  Bauern  haben  nur  die  Aufgabe,  alle  Morgen  ihr 
Vieh  an  eine  bestimmte  Stelle  hinzutreiben,  wo  es  der  Hirt  in 
Empfang  nimmt.  Die  Bodenbesitzer,  die  kein  Vieh  auftreiben, 
können,  kommen  dadurch  natürlich  in  Nachteil,  und  infolge  der — 
artiger  Klagen  ist  denn  auch  das  Tratten  immer  seltener  geworden  « 

Ist  die  Alprechnung  durch  die  Alpmeister  fertig  gestellt,  danK=] 
findet  der  ^Alpluh"  [Alplohn],  eine  Art  Festessen,  statt.     Hiezi 
werden  von  den  Alpmeistern  alle  Alpknechte  und  Hirten,  neb 
dem  Verwaltungsrate  und  den  übrigen  Bauern  eingeladen. 

Die  Ziegerfabrikation. 

Erwähnung  verdient  noch  die  Verarbeitung  des  Ziegers  niL. 
der  Thalfahrt,  die  von  jeher  ähnlich  wie  im  Glarnerlande  bmz 
geführt  wurde.  Fast  jede  Haushaltung  verschafft  sich  im  Herb  '- 
ein  grösseres  Quantum  billigen  und  doch  nahrhaften  Zieger.  KI 
Pfund  Alpzieger  kostet  unverarbeitet  20 — 25  Rappen.  Die  weise 
unförmlichen  Klumpen  desselben  werden  nun  „g'mörschlet*,  A. 


VoIkskoDdliches  aus  dem  Tamlnathal. 


219 


durch  den  „Mörschel^  zerkleinert.  Der  Mörschel  ist  eine  vier- 
beinige Bank  (Fig.  1  u.  2),  welche  in  der  Mitte  eine  aufrecht  stehende, 
ziemlich  weite  (ca.  400  cm^)  vierkantige  Röhre  trägt  (Fig.  2,  a) 
Das  untere  Ende  dieser  Röhre  ist  mit  einem  soliden  Blech-  oder 
Eisensieb  versehen  (Fig.  1,  s).  An  dem  einen  Ende  der  dicken 
Bank  (Fig.  1,  d,  2,  d)  ist  ein  langer,  massiver  Hebelarm  (Fig.  2,  c. 
befestigt,  der  ungefähr  in  der  Mitte  einen  znr  Ziegerröhre  passen- 
den,   beweglichen   Stöpsel   („Stössel")    (Fig.   2,   b)   trägt.     Der 


Fig. 


Fig.  2 


Zieger  wird  in  kleinere  Stücke  zerschnitten  in  die  Röhre  ge- 
stopft und  vermittelst  des  Stöpsels  am  Hebelarm  durch  das  Sieb 
biodurchgepresst.  Allzutrockener  Zieger  wird  mit  Milch  auf- 
geweicht. Der  in  feine  Stränge  zerteilte  Zieger  wird  von  Zeit 
ZQ  Zeit  mit  gepulvertem  Ziegerkraut,  blauer  Steinklee  (Melilotus 
csBrulea)  und  Salz  bestreut;  hernach  in  ein  grösseres  Holzgefass 
flGelta*'  oder  „Standa^  gebracht  und  dort  eingeknetet.  Nach 
ca.  14  Tagen,  innert  welcher  Zeit  die  ganze  Masse  vom  gelösten 
Salze  und  dem  Ziegerkraut  durchsetzt  wird,  formt  man  dieselbe 
nach  Art  des  Brotteiges  zu  den  bekannten  Olarner  Schabzieger- 
Btöckli,  hier  „ Ziegerballen '^  genannt,  welche  alsdann  an  der  Luft 
getrocknet  und  weiter  zur  Speise  verwendet  werden. 


220  Volkskundliches  aus  dem  Taminathal. 

Das  Losholz. 

Die  Wälder  des  Taminathales  gestatten  den  Gemeindebürgern 
einen  unentgeltlichen  Holzbezug,  der  früher  fast  gänzlich  frei- 
gegeben war,  nunmehr  aber  durch  das  Gemeinde-  und  Eantous- 
forstamt  etwas  eingeschränkt  und  geregelt  ist.  Dessenungeachtet 
sind  noch  sehr  viele  Eigentümlichkeiten  desselben  geblieben.  — 
Anfaogs  Oktober,  wenn  ausser  dem  Streunen  und  Bettlauben 
alle  landwirtschaftlichen  Arbeiten  beendet  sind,  ,)geht  das  Los- 
holz auf^.  Auf  diesen  Tag  hin  ist  alles  in  den  Wäldern  vor- 
handene dürre  Holz  vom  Gemeindeforster  in  so  viele  Lose  ein- 
geteilt worden,  als  das  Dorf  einheimische  Haushaltungen  besitzt. 
Alle  Lose  sind  ferner  immer  nach  bestimmten  Waldstrecken  num- 
merieit.  Diese  zwischen  gewissen  ^Többler'^  oder  Tobein  sich 
befindenden  Waldstrecken  sind  mit  geringer  Veränderung  von 
jeher  die  gleichen  geblieben.  Es  giebt  deren  etwa  zwölf,  also 
auch  zwölf  Nummern.    Diese  lauten  in  der  Regel  folgendermaasen: 

1)  Steg  (St.  Peter  bis  Stegtobel),  2)  Gonscherauswald-Chri- 
stusköpfe  (Stegtobel  bis  Breitegetatobel),  3)  Tschegg  (Breitegeta- 
tobel  bis  Yidameida\  4)  Eöpf-Gonscherola  (Yidameida  bis  Gonsche- 
rolatobel),  5)  Pardätschböden  (Gonscherolatobel  bis  Balmentobel), 
6)  Sagarütiwald  (Balmatobel  bis  Chüanigazug),  7)  Rofanetschli- 
Züg  (Ramozenatobel  bis  Tröge),  8)  Bannwald-Luterazug  (Tröge  bis 
Fluh),  9)  Gamswald  (Rüfena  bid  Kreuzbachtobel),  10)  Birchegg- 
Suttersboden  (Kreuzbachtobel  bis  Alprüfe),  11)  Gaspus-Eühwald 
(Alprüfe  bis  Radeirüfetobel),  12)  Spinatkopf  (Radeitobel  bis 
St.  Peter). 

Auf  jede  Nummer  treffen  je  nach  dem  vorhandenen  Dürr- 
holz mehrere  gleichlauteude  Lose.  Alle  gleichlautenden  Lose, 
und  nur  diese,  haben  das  Recht,  während  der  ersten  zwei  Tage 
nach  Eröff'nung  des  Losholzes  in  ihrer  Nummer  zu  „holzen'^,  und 
jeden  andern,  den  sie  mit  der  Axt  oder  Säge  in  ihrem  Gebiete 
erblicken,  einzuklagen.  An  einem  passenden  Sonntage  im  Oktober 
wird  non  im  Gemeindelokal  von  jedem  Hausvater  oder  seinem  Stell- 
vertreter das  Los  gezogen,  über  welches  jeder  nach  Belieben  ver- 
fügen kann.  Oft  wird  dasselbe  gegen  ein  anscheinend  besseres 
vertauscht,  zuweilen  auch  verkauft.  Alle  Inhaber  gleicher  Lose 
können  nach  eigenem  Gutfinden  entweder  gemeinsam  „zusammen- 
holzen"",  um  den  Ertrag  nachher  zu  verteilen,  oder  es  kann  jeder 
auf  eigene  Faust  sein  Glück  versuchen.  Wer  die  besten  Stücke 
weiss    und    am  meisten  auf  seine  persönliche  Leistungsfähigkeit 


Volkskundliches  aus  dem  Taminathal.  221 

Tertraat,  wird  sich  darnach  einrichten.  Alle  Nummern  beeilen 
flieh  innert  den  zwei  ersten  Tagen  natürlich,  ihr  Gebiet  möglichst 
allseitig  zu  durchforschen,  oder  auch  zu  ^durchforsten^,  und  das 
Holz  in  Sicherheit  zu  bringen.  Denn  vom  dritten  Tage  an  wird 
gewöhnlich  das  Holzen  für  jedermann  in  allen  Nummern  frei- 
gegeben, und  bleibt  bei  der  grossen  Nachfrage  für  den  Winter 
kein  auch  noch  so  entlegener  Winkel  des  Gebirges  übrig,  der 
nicht  von  diesem  oder  jenem  kundigen  Holzer  aufgesucht  würde. 
Bis  in  die  verborgensten  Schluchten  und  über  die  Waldgrenze 
hinauf  (,,ob  Wald^)  dringt  nicht  bloss  der  Blick,  sondern  auch 
die  Axt;  und  wehe  dem  schmächtigen,  tuberkulösen  Bäumchen, 
der  umgestürzten  Föhre,  die  verräterische,  gelbe  Nadeln  zeigt! 
Ein  rasches  Ende  ist  ihnen  gesichert. 

Die  Aeste  fallen,  der  Stamm  wird  zersägt  oder  „zerschroten'^ 
(„schroten*  =  mit  der  Axt  voneinander  trennen)  und  ins  „Ries" 
[Fahrbahn]  getragen.  In  hohem  Bogen  fliegen  die  Hölzer 
and  Blöcke,  ,Hohen^  [Stammstücke]  und  Gipfel,  Latten  und  Stöcke 
polternd  und  krachend  und  oft  in  hundert  Stücke  zerschellend, 
über  die  Felsen  der  Tiefe  zu.  Auf  allen  Seiten  des  Thaies  dröhnt 
und  donnert  es  in  diesen  Tagen  durch  die  Holzrieser  herab,  eine 
Xawine  von  Steinen  und  Schutt  aufwirbelnd. 

Das  beste  Holz  wird  meist  als  Blöcker-,  Bau-,  Stickel-  oder 
Slafterholz  zum  Verkaufe  bearbeitet.  Zur  Deckung  des  eigenen 
Bedarfes  hat  man  im  Winter  immer  noch  Gelegenheit.  In  frü- 
leren  Zeiten  fanden  manche  Leute  im  Holzen  ihren  kleinen  Ver- 
dienst. Oft  vorkommende  Holzfrevel  aber  haben  nunmehr  einer 
Segelung  dieser  Beschäftigung  gerufen. 

Im  Frühling,  sobald  die  Wälder  wieder  treiben  und  grünen, 
wird  das  Holz  fQr  die  Axt  geschlossen,  und  nur  das  Sammeln 
von  sog.  Leseholz  an  bestimmten  Tagen  gestattet.  Vordem 
wurde  mit  dem  Kien  („Chea^)  nach  auswärts  ein  ziemlich  lebhafter 
Handel  betrieben.  Der  sehr  reiche  Harzgehalt  macht  den  Kien 
zum  ausgezeichneten  Brennmittel.  Infolgedessen  werden  die  vom 
Walde  gebrachten  gröberen  Stücke  zu  feinen  ^Cheaspü^  [Eien- 
flpäne]  zerspalten,  und  von  der  Hausfrau  beim  Anfeuern  im  Herde 
verwendet.  Ein  einziges  Zündhölzchen  genügt,  um  den  „Chea- 
spu"  und  damit  das  Holz  im  Herde  in  Flammen  zu  setzen.  Hie- 
durch  wird  das  Aufgiessen  von  Petroleum  unnötig  gemacht. 

Oft  dient  auch  der  Kien  in  Ermangelung  eines  andern  Lichtes 
lor  Beleuchtung  und  erspart  deshalb  manche  Kosten.    Aus  diesen 


222  Volkskundliches  aus  dem  Taminathal. 

Gründen  sucht  sich  jeder  einsichtige  Hausvater  einen  möglichst 
grossen  Yorrat  von  gutem  Kien  anzulegen,  der  f&r  das  ganze 
Jahr  ausreicht.  Wegen  der  infolge  des  Terpentingehaltes  starken 
Rauchbildung  kann  aber  der  Kien  nur  in  der  Küche  oder  in  offenen 
Räumlichkeiten  verwendet  werden. 

Durch  das  ungebundene,  individuelle  Leben,  durch  die  körper- 
liche und  geistige  Anspannung  und  die  oft  zahlreichen  Gefahren 
ist  das  Holzen  im  Gebirge  eine  Beschäftigung  geworden,  welche 
mehr  als  andere  auf  die  Veranlagung  und  den  Charakter  der 
Gebirgsbewohner  bestimmend  einwirkt.  Von  frühester  Jugend, 
sobald  der  Kleine  eine  „Respa^  [Reisig]  oder  einen  Prügel 
zu  tragen  vermag,  bis  zum  späten  Alter,  wo  die  Beine  steifer 
werden,  übt  sich  jeder  in  dieser  ihm  liebgewordenen  Thätigkeit, 
die  den  Geist  und  Körper  gesund  und  frisch  erhält. 

Ein  winterliches  Familienfest. 

Jede  Haushaltung  hält  sich  während  des  Jahres  ein  bis  zwei, 
allenfalls  auch  mehrere  Schweine,  die  man  zu  Anfang  des  Winters 
als  kleine  „Fährli^  [Ferkel]  von  zugereisten  Händlern  kauft  und 
mit  Milch,    Erdäpfeln,   Mehl,  „Plagga'',  [Ampfer]  Kabis  und  an- 
dern Gemüsen  nebst  Küchenabföllen  füttert.  Während  des  Sommers 
bringt  man  die  meisten  in  die  Kuhalpen  Ladils  oder  Malanseralp,  wo 
sie  die  Molkereiabfalle  „Schru^  [Sirte,  Käswasser]  und  ,Schotta^ 
in    langen  Trögen,    die   man  zu  diesem  Zwecke  an  den  Hütten 
angebracht  hat,    verzehren,   und  im  Uebrigen   sich  während  de» 
Tages  auf  dem  Säss  frei  herumturomeln  können.     Während  Aerr 
Nacht  werden  sie  in  einen  eigenen  ^Schära"  eingepfercht.     Nachm. 
Beendigung  einer  Käserei  ist  es  oft  possierlich,  zuzuschauen,  wi^3 
diese  schwerfälligen,    manchmal   halbwilden  Dickhäuter   auf  de^KZ 
Ruf  des  Zusenn  aus  allen  Winkeln  und  Löchern  herbeieilen,  ntrm 
ihr  Getränk  aus  dem  Trog  zu  schlürfen. 

Sobald  im  Herbst  die  Milch  infolge  des  Galtwerdens  d^^ 
Kühe  nach  und  nach  ausgeht,  führt  der  Zusenn  sämtliche  SchweiiBm 
wieder  heim,  welche  dort  gemästet  und  Ende  November  oA.^ 
anfangs  Dezember  geschlachtet  werden.  Diese  Exekution  wm:K: 
von  einem  Bauernmetzger  —  denn  einen  Berufsmetzger  giebt  ^ 
hier  noch  nicht  —  unter  Mithilfe  der  Familienglieder  und  Na»<5 1 
barn  vollzogen.  Der  Metzger  bringt  zu  diesem  Zwecke  s^ixa 
grosse  ^Schwi-Standa""  nebst  Leiter  und  an  einem  Ledergurt  ein^' 
Köcher  mit  scharfgeschliflfenen  Messern  mit.     In  der  Küche  wi-K"^ 


Volkskundliches  aus  dem  Taminathal.  223 

ein  j^Kessi^  voll  Wasser  gekocht  und  das  Opfer,  das  man  oft  nur 
mit  grosser  Mühe  vom  Leben  zum  Tode  gebracht  hat,  damit  be- 
gossen. Alsdann  wird  der  tote  Körper  mit  Hilfe  der  Leiter  quer 
über  die  Stauda  gelegt,  der  Metzger  giebt  jedem  Anwesenden 
ein  Messer  in  die  Hand,  und  alle  beginnen  am  Tierkörper  die 
Behaarung  samt  Epidermis  wegzuschaben,  wobei  fortwährend 
siedendes  Wasser  nachgegossen  wird.  Ist  der  Körper  blank  und 
sauber  geputzt  und  gewaschen,  dann  wird  er  von  starken  Hän- 
den in  die  Küche  oder  Stube  auf  einen  passenden  Tisch  gebracht 
und  dort  vom  Metzger  verarbeitet  und  zerlegt.  Das  Meiste  wird 
vom  Metzger  für  die  Rauchkammer  zugeschnitten,  anderes  zur 
Bereitung  der  Brat-  und  Leberwürste  beiseite  gelegt.  Alle  diese 
Arbeiten  füllen  den  Vormittag  aus.  Am  darauffolgenden  Mittag- 
essen nimmt  natürlich  auch  der  Metzger  teil,  und  die  Hausfrau 
ist  besonders  stolz  darauf,  wenn  sie  neben  einer  jungen  Speck- 
seite auch  noch  einen  von  der  vorjährigen  Metzg  herrührenden 
^Tschunggen^  [Schinken],  den  sie  irgendwo  in  einem  verborgenen 
Winkel  aufgespart  hat,  servieren  kann. 

Zum  Schlüsse  gelangt  noch  ein  mächtiger  Stoss  zierlich  ge- 
ringelter „Bluatchüachli**  auf  den  Tisch,  welche  aus  einem  dünnen 
Brei  von  Blut  und  Mehl  bereitet  worden  sind.  Dann  wird  weiter 
gearbeitet.  Die  jungem  Familienglieder  hacken  auf  einem  aus- 
gehöhlten Buchenholzklotz  mit  breiten  Beilen  das  ^ Wurstfleisch", 
während  die  übrigen  das  Rauchfleisch  in  einer  grossen  ^Oelta'^ 
oder  «Standa*^  einsalzen.  Die  einzelnen  Stücke  werden  dabei 
einfach  ins  GeßLss  gelegt  und  lagenweise  mit  einem  Gemisch  von 
Salz,  Pfeffer  und  Knoblauch  bestreut.  Das  Wurstfleisch  wird 
ebenfalls  gewürzt,  und  mit  Hilfe  eines  ^Wursters"*,  der  bei  solchen 
Gelegenheiten  von  einem  Haus  zum  andern  wandert,  in  die  Darm- 
häute hineingetrieben.  Sind  alle  Stücke  zubereitet,  dann  werden 
sie  einzeln  mit  Hacken  oder  Bindfaden  reihenweise  an  lange 
Stecken  gebunden  und  oft  in  mehreren  Lagen  über  dem  Küchen- 
herde im  weiten-  offenen  Kamin  aufgehängt.  Nach  ungefähr  14 
Tagen  wird  auch  das  eingesalzene  Fleisch  aus  der  ^Sulz"  ge- 
nommen, die  sich  unterdessen  als  rötliche  und  scharfe  Flüssig- 
keit angesammelt  hat,  und  in  gleicher  Weise  geräuchert.  Mit 
Vorliebe  verwendet  man  beim  Räuchern  tagüber  Wachholderholz, 
weil  dieses  dem  Fleische  einen  bessern  Geschmack  geben  soll. 
Sobald  die  Stücke  getrocknet  und  durch  Rauch  und  Russ  ganz 
schwarz  geworden  sind,  bringt  man  dieselben  in  einen  trockenen. 


224  Volkskundliches  aus  dem  Taminathal. 

luftigen  Raum,  die  sog.  Fleischkammer,  und  bewahrt  sie  dort 
zum  weiteren  Bedarfe  auf.  —  Das  Honorar,  das  der  Metzger 
für  die  oben  geleistete  Arbeit  neben  der  freien,  und  man  darf 
wohl  sagen,  reichen  und  gastfreundlichen  Bewirtung  noch  bezieht, 
besteht  altem  Brauch  gemäss  in  einem  Rüokenwirbelstück  („Hou- 
Rugg^)  genannt,  samt  anhaftendem  Fleisch  und  Speck.  Auf  die 
angegebene  Weise  wird  erreicht,  dass  bis  anhin  die  meisten  Haus- 
haltungen wenigstens  an  den  Sonntagen  des  Jahres  zwar  nicht 
ein  gebratenes  Huhn,  wohl  aber  sehr  schmackhaftes,  selbst  be- 
reitetes Schweinefleisch  auf  den  Tisch  bekommen,  ohne  von  einer 
Wursterei  bedient  zu  werden. 


Bucheranzeigen.  —  Comptes  rendus. 

Adolf  Socin,  Mittelhochdeutsches  Namenbuch.  Nach  oberrheini- 
schen Quellen  des  XII.  und  XIU.  Jahrhunderts.  Basel 
(Helbing  &  Lichtenhahn).  1903.  XVI  4-  787  S.  4^  Preis: 
50  Fr. 

Wir  dürfen  nicht  versäumen,  auch  unsere  Leser  auf  dieses  in  Plan 
und  Anlage  einzig  dastehenden  Werkes  hinzuweisen.  Freilich,  der  Verfasser 
hat  sich  zeitlich  und  örtlich  Beschränkungen  auferlegen  mOssen,  um  das 
Ganze  so  durchftlhron  zu  können,  wie  er  es  geplant  hatte;  dafür  aber  be- 
sitzen wir  nun  in  dem  Buche  nicht  nur  eine  Materialsammlung  von  bisher 
ne  rreichter  Vollständigkeit  sondern  auch  eine  durch  übersichtliche  Gruppie- 
rung und  allseitige  Beleuchtung  des  Steifes  mustergültige  Arbeit.  Socin  hat 
sich  also  nicht  mit  einer  blossen  Zusammenstellung  der  Namen  begnügt, 
sondern  dieselbe  nach  Form  sowol  wie  nach  Benennungsprinzipien  sorgfiiltig 
gruppiert.  So  stellt  er  z.  B.,  um  von  den  34  Kapiteln  wenigstens  einige 
herauszuhobei),  zusammen  :  die  deutschen  und  die  fremden  Taufnamen  (männ- 
lich und  weiblich),  die  altgormanischen  Kurznamen,  die  Bedeutung  der  alt- 
germanischen Namen,  den  Adel  mit  und  ohne  „de**,  die  Bürger  mit  „de", 
die  Uebernamen,  di<»  Satznamen  (wie  „Hebenstrit",  , Käsundbrot"),  die  Namen 
nach  Amt,  Stand  und  Beruf,  die  Judennamen  u.  A.  m.,  wobei  er  noch  Jedes 
einzelne  Kapitel  besonders  erläutert.  Wahre  Kabinettstücke  von  Gewissen- 
haftigkeit sind  auch  die  3  Register,  von  denen  das  erste  die  Bildung  der 
Namen,  das  zweite  (und  wichtigste)  die  Namen  selbst,  das  dritte  die  ent- 
sprechenden heutigen  Familiennamen  enthält. 

Wir  hoffen,  dass  das  Buch  zu  ähnlichen  Forschungen  in  andern  Ge- 
genden anrege  und  sprechen  zugleich  den  Wiuisch  aus,  der  Verfasser  möchte 
seine  grossen  Kenntnisse  und  reichen  Erfahrungen  auf  diesem  Grebiete  weiter 
bethätigen  und  auch  die  beiden  folgenden  Jahrhunderte  in  ähnlicher  Weise 
bearbeiten. 

Einstweilen  aber  sind  wir  fiir  das,  was  er  uns  in  dem  vorliegenden 
Werke  geboten  hat,  zu  gn^ssein  Danke  verpflichtet. 

E.  Hoffinann-Krayer. 


BQcheraDzeigen.  —  Comptes  rendus. 


225 


P.  Odilo  Ringholz,    Geschichte  des  fürstlichen  Benediktinerstiftes 
U.  L.  P.  von  Einsiedeln.   Benziger  &  Co.  A.-G.  ' 

Schon  sechs  Lieferungen  dieser  kostbaren,  vielseitigen  und  inhaltsreichen 
Publikation  liegen  vor;  sie  zeichnen  sich  durch  ausserordentliche  Sorgfalt 
in  Sammlung  un<l  Darstellung  aller  fUr  die  Kenntnis  des  alten  Stiftes  VAn- 
siedeln  wichtigen  Ereignisse  und  Zustände  aus.  Neben  der  politischen, 
Kirchen-  und  Kulturgeschichte  kommt  dabei  auch  die  Volkskunde  nicht  zu 
kurz.  Wir  finden  da  höchst  wertvolle  Aufschlüsse  über  die  Wallfahrt,  Pilger- 
weg und  -Befördenmg ,  wir  lesen,  wie  schon  im  XIV.  Jahrhundert  ein 
Appenzeller  einen  bessern  Weg  von  Speicher  zur  Gnadenstätte  herbei- 
wünscht, wir  erfahren  Einzelheiten  über  das  Gnadenbild  und  seine  schwarze 
Farbe,  die  Feste,  die  Patrone  des  Stifts,  der  Altäre,  der  Gotteshäuser  in 
den  einsiedlischen  Besitzungen,  über  die  berühmten  Reliquien.  Henri  Gaidoz' 
Angaben  über  den  alten  Brauch,  unter  dem  HeiJtum  durchzugehn,  erfährt 
wertvolle  Ergänzungen  durch  das,  was  Ringholz  bezüglich  des  Messgewands 
des  h.  Ulrich  und  des  Chamer  Bischofs  ohne  Namen  beibringt. 

Der  Erforscher  des  Volkstums  wird  femer  mit  Nutzen  die  zahlreichen 
Notizen  über  Geschlechter.  Familiennamen,  die  Stellung  der  Eigenleute,  die 
Zinsen,  Leistungen,  Hofrechte,  das  Asylrecht,  die  jFischereiordnungen  durch- 
gehen; wertvolle  Aufechlüsse  über  Bruderhäuser,  Waldschwesteru,  den  Frauen- 
bninnen  zu  Einsiedeln,  das  im  XIII.  Jahrhundert  gefundene  Wurzelkreuz  in 
der  Au  n.  s.  w.  sind  mitsamt  vertrefflichen,  meist  unveröffentlichten  Ab- 
bildungen eingestreut. 


Die  alte  OoadenkapeHe  von  Kiiisinleln  mit  de»  Votivpcnhen. 

Wir  werden  nach  Abschluss  (l(»s  er^*ren  Handcs  mit*  (iit'!?<*s  «re<lit*{;»Mn» 
Pmchtwerk  zurückkommen ;  es  verdient  den  grossen  Er1'oI;r.  «leii  rs  ül).»nill 
icehahi  hat.  K   A.  S. 


Jahresbericht  1902. 

In  vier  Sitzungen   hat  der   OesellBchaftsvoratand  folgende 
Traktanden  bebandelt: 

a)  Mitgliederzabl. 

Status  auf  31.  Dezember  1902:  465. 

b)  Herausgabe  der  vier  Quartalhefte  des  sechsten  Jahrgangs 
der  Zeitschrift.  Dem  Bande  wurde  beigegeben  die  dritte 
Farbentafel,  deren  Kosten  aus  einem  bezüglichen  Legat 
bestritten  wurden. 

c)  FortfQhrung  und  Erweiterung  des  Schriftenaustausches. 

d)  Verwaltung  der  Bibliothek.  Hierüber  berichtet  Herr 
Privatdozent  Dr.  Ed.  Schwyzer,  welcher  die  Nachfolge 
von  Herrn  Dr.  Waser  übernommen  hat : 

Die  Gesellschaftsbibliothek  zählt  etwa  330  gebundene 
Bücher  und  (von  den  laufenden  Zeitschriften  abgesehen) 
rund  250  ungebundene  Drucksachen,  der  Zettelkatalog 
825  Titel;  Für  1 902  sind  etwa  ein  Dutzend  Benützungen 
durch  6  Benutzer  zu  verzeichnen. 

Die  Schenkerliste  weist  folgende  14  Namen  auf: 

1.  Herr  A..  Daucourt,  Curä,  Mi^court,   Erziehungsrat. 

2.  „  J.  L.  Brandstetter,  Luzern. 

3.  ^  Alex.  Francke-Schmid,  Buchhändler,  Bern. 

4.  „  Prof.  Henri  Gaidoz,  Paris. 

5.  .  Prof.  Dr.  Ed.  Hoffmann-Krayer,  Basel. 

6.  ^  Dr.  0.  Hovorka  Edler  von  Zderdas,  Bosnien. 

7.  «  Hans  Knüsly,  Zürich. 

8.  ^  Prof.  Dr.  J.  Leite  de  Vasconcellos,  Lissabon. 

9.  S.  Exz.  Herr  Minister  Prof.  Dr.  B.  Machado,  CoTmbra. 

10.  Herr  Dr.  E.  A.  Stückelberg,  Zürich. 

11.  ^      Prof.  Dr.  E.  Tatarinoff,  Solothurn. 

12.  ^      Prof.  Dr.  Theodor  Vetter,  Zürich. 

13.  Germanisches  Museum,  Nürnberg. 

14.  Schwäbischer  Albverein,  Tübingen. 

e)  Abhaltung  der  siebenten  Generalversammlung  (in  SoI(k 

thurn). 

f )  Drucklegung  und  Herausgabe  von  Band  DI  der  „SchrV^^ 
ten  der  Schweiz.  Gesellschaft  für  Volkskunde*" :  Tob\^^  ^ 
Das  Volkslied  im  Appenzellerlande,  erschienen  im   I^;;^   ^ 
zember  1902    in    einer  Auflage   von    600   Exemplar. y^  ^^ 
wovon  300  kartonniert. 


Jahres-BechDung  1902.  227 

g)  Erforschnng  der  Yolksmedizin.  Der  von  den  Herren 
Dr.  Oswald  und  Dr.  Zahler  durhhberatene  Entwarf  eines 
Fragebogens  wurde  gesetzt  und  in  50  Exemplaren  kom- 
petenten Persönlichkeiten  vorgelegt.  Ein  definitiver  Druck 
ist  noch  nicht  erfolgt,  da  eine  endgiltige  Redaktion 
aussteht. 

Zürich,  Januar  1903. 

Der  Aktuar: 
E.  A.  Stückelberg. 


Jahres-Rechnung  1902. 

Einnahmen : 

Saldo  Yom  31.  Dezember  1901  ....     Fr.  2019.60 

Mitgliederbeiträge  und  Zeitschriftenabonnements  .       ,    3526. — 

Fr.  5545.60 

Ausgaben: 

Druck  des  Archivs  für  Volkskunde  und  sonstige  Drucksachen  Fr.  2330.65 

Zinkographien  und  Photographien                             .         .    „  128.05 

Boreau,  Mietzins,  Abwart,  Buchbinder  .                   .         .     ^  227.90 

Mitarbeiter „  100.— 

Porti ^  133.50 

Fr.  2920.10 
Saldo  per  31.  Dezember  1902    .         .         .         .         .     „    2625.50 

Fr.  5545.60 
Zürich,  im  April  1903. 

Schweiz,  Oeseüschaft  für  Volkskunde^ 
Der  Quästor  : 
Emil    Richard. 

Bericht  der  Bechnungsrevisoren. 

Hochgeehrte  Herren! 

Die  unterzeichneten  Rechnungsrevisoren  für  das  Jahr  1902  haben 
die  Jahresrechnung  1902  sorgfältig  geprüft,  sie  mit  den  Büchern  und 
Belegen  verglichen  und  in  allen  Teilen  richtig  gefunden. 

Wir  empfehlen  Ihnen  daher  die  Annahme  der  Rechnung  1902 
und  bitten  Sie,  dem  Kassier,  Herrn  Oberstl.  E.  Richard,  den  herzlichen 
Dank  unserer  Gesellschaft  aussprechen  zu  wollen. 

Hochachtungsvoll 

Prof.  Dr.  E.  Bovet. 
E.  Tatarinoff. 


Bericht  über  die  achte  Generalversammlung. 

Abgehalten  in  Winterthor,  7.  Juai  1903. 

Der  Präsident  eröffnet  die  Sitzung  des  GeBellschafts- 
aaBBchuBBes  im  Stadthaus  und  berichtet  in  Kürze  über  die  Aus- 
sichten betr.  Verbesserung  unserer  Finanzen  angesichts  der  sich 
mehrenden,  an  die  Gesellschaft  herangetretenen  Aufgaben.  Das 
Jahr  1904  wird  indes  erst  den  Entscheid  bringen.  Der  Präsident 
und  der  Redaktor  des  deutschen  Teils  unseres  Archivs  sprechen 
für  eine  Yerbilligung  unserer  Zeitschrift;  Quästor  und  Aktuar  sind 
dagegen.  Es  wird  Zuwarten  bis  zur  nächsten  Versammlung  be- 
schlossen. Der  Präsident  berichtet  sodann  über  seine  Verhandlungen 
mit  Herrn  Prof.  Stell  betreffend  Erforschung  der  Volksmedizin ; 
Prof.  Singer  wünscht  die  Unternehmung  in  kantonalen  Grenzen 
zu  halten  und  warnt  vor  zu  breiter  Basis.  Er  hält  die  Sache 
für  noch  nicht  reif.  Prof.  Hoffmann  wird  im  Verein  mit  dem 
Initianten  die  Unternehmung  weiter  vorbereiten. 

An  der  Generalversammlung  erstatten  Präsident,  Aktaar 
und  Quästor  ihre  Berichte;  sie  werden  genehmigt.  Es  folgen  vor 
sehr  zahlreichem  Publikum  die  Vorträge  von  Prof.  Dr.  Brandstetter 
über :  „Die  altschweizerische  Dramatik  als  Quelle  für  volkskund- 
liche Forschungen**  und  Tobler  über:  „Der  Volkstanz  im  Appen- 
zellerlande,  mit  Musikbegleitung  der  Streichmusik  Wolfhalden^. 
Beide  Darbietungen  wurden  lebhaft  verdankt. 

Im  Kasino  folgte  sodann  ein  belebtes  Bankett,  das  die  Be- 
hörden Winterthurs  durch  ihre  Anwesenheit  wie  durch  geistvolle 
Willkommgrüsse  auszeichneten;  als  Tafelmusik  traten  die  fünf 
Appenzeller,  die  schon  Toblers  Vortrag  begleitet  hatten,  auf. 
Gegen  Abend  fand  ein  Spaziergang  in  die  waldige  Umgebung 
Winterthurs  statt  und  bis  zum  Abgang  der  letzten  Züge  genoss 
eine  stattliche  Zahl  unserer  Mitglieder  die  Gastfreundschaft  des 
Herrn  Stadtpräsidenten,  der  zu  den  ersten  Begründern  unserer 
Gesellschaft  gehört. 

Weiteres  über  die  Versammlung  brachten  die  Tagesblätter 
von  Winterthur,  Zürich,  Frauenfeld,  Basel  u.  s.  w. 

Der  Aktuar:  Stückelberg. 


229 


Mitglieder 

der  Schweiz.  Gesellschaft  für  Volkskunde. 

Membres 

de  la  Societe  suisse  des  Traditions  populaires. 


Vorstand.  —  Comiti. 

Präsident:  Dr.  Th.  Vetter,  Prof.  für  englische 

Philologie  Zürich 

Vice-Präsident:  Dr.  E.  Hoffmann-Krayer,  Prof.  fUr 
deutsche  Philologie,  Redaktor  für 
den  deutschen  Teil  des  Archivs 
für  Volkskunde  Basel 

Aktuar:  Dr.  E.  A.  Stücke Iberg,  Privatdozent 

für  Altertumskunde  Basel 

Qnästor:  Oberstl.    E.    Richard,    Sekretär  der 

Zürcher  Handelskammer  Zürich 

Beisitzer:  Dr.  Jules  Jeanjaquet,   Prof.  für  ro- 

manische Philologie,  Eledaktor  für 
den  romanischen  Teil  des  Archivs 
für  Volkskunde  Basel 

Ausschuss.  —  Conseil. 

J.  Bonnard y  Prof.  de  philologie  romane  Lausanne 

Dr.   R.  Brandstetter,  Prof.  an  der  Eantonsschuie  Luzern 

Dr.  A.  Burckhardt-Finsler,  Prof.,  Regierungsrat  Basel 

L.  C.  Bosinger,  Regens  KreoieD  b.  Solotliini 

Dr.  L.  Ganohat,  Prof.  für  roman.  Philologie  Bern 

A.  Küchler,  Pfarrhelfer  Kerns 

Dr.  H.  Mercier,  Priv.-doc.  a  l'üniversit^  Geneve 

Dr.  G.  Meyer  v.  Knonau,  Professor  für  Geschichte  Zürich 

J.  C.  Muoth,  Gymnasialprofessor  Chur 

E.  Pometta,  Vicepresidente  del  Tribunale  Locarno 

Dr.  R.  V.  Redi n g -Biber egg,  Oberst  Schwyz 

Joseph  Reiohlen,  Artiste  peintre  Fribourg 

Dr.  Ris,  Arzt  Thun 

Dr.  S.  Singer,  Prof.  für  deutsche  Sprache  u.  Literatur  Bern 

Msgr.  J.  Stammler,  Pfarrer  Bern 

Dr.  Otto  Was  er,  Privatdozent  in  Bern  Zürich 


230  MitgliederverzeichniB. 

Ehrenmitglieder.  —  Membres  honoraires. 

1.  Panl  Sebilloty  Seor^taire  gin^ral  de  la  Sooi^tä 

des  Traditions  populaires  Paris 

2.  Hochw.   P.   Heinrich  v.  Bickenbach,  Bektor 

des  Collegio  Greco  Born 

3.  Dr.  Elard  Hugo  Meyer,  Prof.  a.  d.  Universität  Frakirg  wl 

4.  Henri    Gaidoz,    Directear  k  l*äcole  des  Haates 

l^tudes;  Prof.  k  l'Ecole  des  Sciences  Politiques      Paris 

Korrespondierende  Mitglieder.  —  Membres  correspondan 

5.  A.  Daacourt,  Gore  lieeoirt(Jin 

6.  Henri  Janod,  Missionnaire  Neachätel 

7.  J.  Leite  de  Yasconcellos,  Prof.  Dr.  Lissabon 

Mitglieder.  —  Membres. 

8.  Alioth,  Manh^d,  Dr.  (Rittergasse)  ^  Basel 
9:  Alioth-Vischer,  W.,  Oberst  (Rittergasse)                   Basel 

10.  Amberger-Wethli,  Fr.  (Sihlhofgasse)  Zürich 

11.  Amberger,  H.,  Direktor  des  Schweiz.  Bankvereins 

(Böcklinstrasse)  Zürich 

12.  Ammann,  Albert  (Dafourstrasse  4^)  Zürich 

13.  Ammann,  Gnstav  (Seestrasse  61)  Zürich 

14.  Andreae,  Fritz  Peehelbron  ( 

15.  V.  Arx,  0.,  Prof.  Dr.  Wintertht 

16.  Anckenthaler,  H.  A.,  Dr.  med.  (Gartenstrasse  16)  Zürich 

17.  Bachmann^  Alb.,  Prof.  Dr.  (Heliosstrasse)  Zürich 

18.  Bachofen-Petersen,  J.  J.  (Gellertstrasse  24)  Basel 

19.  Balmer,  H.,  Dr.,  Privatdozent  Bern 

20.  Bär,  F.,  Pfarrer  Castiel  b. 

21.  Baad-Bovy,  Daniel,  Aeschi  (E 

22.  Baomann-v.  Tischendorf,  E.  (Thalgasse)  Zürich 
23.*Baamgartner,  A.,  Prof.  (Hottingerstrasse)  Zürich 

24.  Baar,  Hans,  Architekt  (MUhlebachstrasse    173)         Zürich 

25.  Bedot,  M.,  Prof.  ä  l'CFniversite,  Birecteur  du  Mosee 

d'Histoire  naturelle  Gen  eye 

26.  Beer,  Rob.,  Bachhändler  (Peterhofstatt)  Zürich 

27.  Bendel-Rauschenbach,  H.,  Prof.  Schaffhaoi 

28.  Benziger,  Nik.,  Nationalrat  ^Einsiedeln 

29.  van  Berchem,  V.  (60,  route  de  Frontenex)  Geneve 

30.  Berger-Schürch,  Revisor  Bern 

31.  Bernoulli-Burckhardt,  A.,  Dr.   (Leimenstrasse  78)  Basel 

32.  Bemoulli-Riggenbacb,  Frau  E.  Basel 

33.  Bemoulli,  Job.,  Dr.,  Landesbibliothekar  (Pavillonweg)  Bern 

34.  Bischoff,  J.  J.  A.,  Dr.  med.  (Freie  Strasse  44)  Basel 


Die  mit  *  bezeichneten  Mitglieder  sind  Nicht-Abonnenten. 


Mitgliederverzeichnis.  231 

35.  Bischoff- Wünderly,  Ed.  (Augostinergasse)  Basel 

36.  Bisehoffy  E.,  Dr.  (Sevogelstrasse  53)  Basel 

37.  Biondel,  Angaste  (14,  rne  Senebier)  Gen&ve 
38.*Blainer,  Dr.  A.                     La  Yarenne-Saint-Hilaire  (Seine)  France 
39.*Bodmer,  Hermann,  Dr.  phil.  (Gemeindestrasse  5)    Zürich  Y 

40.  Bonnard,  Jean,  Prof.  k  1' Uni  versitz  Lausanne 

41.  BooB,  H.,  Prof.  Dr.  (Kanonengasse  3)  Basel 

42.  Borel,  Mlle.  C.-Ch.  (6,  me  da  Yieax-Coll^ge)         Geneve 

43.  ßouvier,  B.,  Prof.  ärUniversit^  (10,Boarg  de  Fonr)  Geneve 

44.  Boyet,  Prof.  Dr.  (Pestalozzistrasse  29)  Zürich 

45.  Bovet,  Mme  Emest  (Pestaiozzistrasse  29)  Zürich 

46.  Brandstetter,  R.,  Prof.  Dr.  Lazern 

47.  Brenner,  K.,  Pfarrer  Simach 

48.  Bridel,  Ph.,  Prof.  de  th^ologie  (route  de  Morges)  Laasanne 

49.  Brindlen,  Jos.,  Hoohw.,  Präfekt  Glis  b./Brig 
50.*Brocher-de  la  Flachere,  H.,  Professenr  ä  l'üniversiti  Geneve 

51.  Brnn,  C,  Prof.  Dr.  (Zollikerstrasse  106)  Zürich 

52.  Branner,  J.,  Prof.  Dr.  (Plattenstrasse  46)  Zürich 

53.  de  Bnd^,  Eag.,  Pabliciste  Petit-Saconnex,  pres  Greneve 

54.  Bngnion,  Ch.-A.,  Banquier  (Hermitage)  Laasanne 

55.  Btthler-Weber,  H.  Winterthar 

56.  Bühler,  M.,  Dr.,  Redaktor  Bern 

57.  Baadi,  P.,  Redaktor  Bern 

58.  Borckhardt'Finsler,  A.,    Prof.  Dr.,    Regierangsrat 

(Sohaffhaaserrheinweg)  Basel 

59.  Bnrckhardt,  Aag.,  Dr.  (Albanvorstadt  94)  Basel 

60.  Barckhardt-Werthemann,D.,  Prof. Dr.  (Albangraben)  Basel 

61.  Barckhardt,  Otto,  Architekt  (Bäamleingasse  44)      Basel 
6£.  Barkhardt,  Alphons  (Rittergasse  21)  Basel 

63.  Barkhalter,  Dr.  med.  Langenthai  (B«n) 

64.  BUrli,  J.,  Arzt  Zell  (Lazern) 

65.  Barmeister,  Albert,  Professeur  Payeme 

66.  Bamat,  E.,  Architecte  Yevey 

67.  Basinger,  L.  C,  Hochw.,  Regens  Krenun  b.  Solothini 

68.  Boss,  E.,  Dr.,  Pfarrer  Glarus 

69.  Caro,  G.^  Dr.  (Freiestrasse  88)  -Zürich 

70.  Cart,  W.,  Professear  Laasanne 

71.  Chabloz,  Fritz  Saint- Aubin-le-Lac  (Neuchätel) 

72.  Chambaz,  Octave  (Gesellschaftsstrasse  21)  Bern 

73.  Claraz,  G.,  (Sprensenbühlstr.  20)  Zürich 

74.  CUasen,  F.,  Jage  f^d^ral  Lausanne 

75.  Coolidge,  W.  A.  B.  (am  Sandigenstutz)  Grindelwald 

76.  Cornn,  Jules,  Prof.  Dr.  Graz 

77.  Coarthion,  Loais,  Joamaliste  Geneve 

78.  Coavrea,  Eag.  (Grande  Place)  Vevey 

79.  Dändliker,  K.,  Prof.  Dr.  Küsnacht-Zürich 

80.  Delessert-de  Molin,  Eug.  (Villa  Verte-Rive)  CuUy 

81.  Demole,  Eagene  (40,  rue  da  Marche)  Geneve 


232 


Mitgliederverzeichois. 


82.  Denk,  Jos.,  Pfarrer  (Qerrenstrasse  17)  München 

83.  Dettling,  A.,  Lehrer  Seewen-Schwyz 

84.  Dettling,  M.,  Kantonsrat,  Gemeindeschreiher  Schwyz 

85.  Diggelmann,  Charles  (Hirschengrahen)  Zürich 

86.  Dilthey,  Prof.  Dr.  Göttingen 

87.  Doge,  Fran^ois                                            La  Tour-de-Peilz  (Vaud) 
88.* Dörr,  C,  cand.  med.  (Zürichhergstrasse  16)  Zürich 

89.  Dühi,  H.,  Dr.,  Gymnasiallehrer  (Rahhenthalstr.  49)  Bern 

90.  Duhied,  Arthur,  Prof.  (avenue  de  la  Gare)  Neuchatel 

91.  Dncrest,  Fr.,  Abh^,  Professeur  an  College  Fribourg 

92.  Durrer,  Roh.,  Dr.,  Staatsarchivar  Stans 

93.  Eberle,  H.,  Sekundarlebrer  (Hammerstrasse  14)  Basel 
94.*£gli,  P.,  Sekundarlehrer  (Zürichhergstrasse  15)  Zürich 

95.  Egger,  Fräul.  Sophie  (Bollwerk  17)  Bern 

96.  Ehrenfeld,  A.,  Dr.,  Bezirkslehrer  Ölten 

97.  V.  Ehrenberg,  Frau  L.  Luzem 

98.  Ernst,  Alfred,  Konservator  des  Kunstvereins  Winterthur 

99.  Escher-Ziegler,  Konr.,  Dr.  (Bleicherweg) 

100.  Escher,  Herm.,  Dr.,  Stadtbibliothekar 

101.  Escher-Bürkli,  Jak.,  Dr.  (Löwenstras^e) 

102.  V.  Escher,  Frl.  N. 

103.  Esohmann,  Frau  M. 

104.  Etlin,  Dr.  med. 


Zürich 
Zürich 
Zürich 

Albis-Langnau 
Cardina  sopra  Chiasso  (Italia) 
Samen 


105.  Farner,  A.,  Pfarrer  Stammheim 

106.  Facklam,  Ferd.  P.  H.,  Dr.,  Zahnarzt  (Wallstrasse)  Basel 

107.  Favey,  G.,  Prof.,  Juge  föderal  Lausanne 

108.  Favre,  C,  Colonel  (6,  rue  de  Monnetier)  Geneve 

109.  Favre,  Ed.  (8,  rue  des  Granges)  Geneve 

110.  Fehr,  E.,  Buchhändler  St.  Gallen 

111.  Feigenwinter,  Ernst,  Dr.  (ob.  Heuberg)  Basel 

112.  Feilberg,  H.  F.,  Dr.,  Pastor  Askov  pr.  Vejen  (Dänemark^ 

113.  Fierz-Zollinger,  Frau  E.  (Villa  Freudenberg)         Zürich 

114.  Finsler,  G.,  Dr.  phil.  (Hardstrasse) 

115.  Fischer,  K.,  Dr.  med. 
11 6.* Fleckenstein  F.,  Kauftnann 

117.  Florin,  At,  Regierungsstatthalter 

118.  Forcart,  M.  K.,  Dr.  med.  (St.  Jakobstrasse) 

119.  Forcart-Bachofen,  R.  (St.  Jakobst rasse) 

120.  Francke-Schmidy  A.,  Buchhändler 

121.  Frankenthal,LeoJ.,  Vice- and  Debuty-Consul  U.S.  A.  Bern 

122.  Fridelance,  F.,  Maitre  ä  TEcole  d' Application       Porrentrny 
123.*Friedli,  Emanuel,  pr.  adr.  Dr.  H.  Bruppacher 

124.  Furrer,  Jos.,  Landrat 

125.  Gansser,  A.,  Dr.  (via  Principe  Umberto  4) 

126.  Ganz,  R.,  Photograph  (Bahnhofstrasse) 

127.  Gauchat,  L.  W.,  Prof.  Dr. 

128.  Gay,  Henri,  Maison  Scholder  (Boul.  de  Grancy) 

129.  Geering,  A.,  Buchhändler  (Bäumleingasse) 


Basel 

Arosa 

Zürich 

Serneus  (Graub  •  ) 

Basel 

Basel 

Bern 


Zollikon 

Silenen  (Uri) 

Mailand 

Zürich 

Bern 

Lansanne 

Basel 


MitgliederverzeichDis.  933 

130.*Gkeringy  T.,  Dr.,  Sekretär  der  Handelskammer     Basel 

131.  Geigy^  Alfr.,  Dr.  (Leonhardsgraben)  Basel 

132.  Geigy-Uagenbachy  Fraa  £.  (Schweizerplatz)  Basel 

133.  Geigy-Hagenbacb,  E.,  Eanfmann  Elein-Riehen  b.  Basel 

134.  Geigy-Merian,  Bad.  (Aesobenvorstadt  13)  Basel 

135.  Geigy-Schlambergery  Bad.,  Dr.   (Babnbo&tr.  3)     Basel 

136.  Geilinger,  R.,  Oberst,  Nationalrat  Wintertbar 

137.  Geiser,  E.,  Dr.,  Adjankt  d.  Scbweiz.  Landesbibl.  Bern 

138.  Gemoseas-Passavant, '.Rad.  Brombacb  (Baden) 

139.  Genoad,  L.,  Dir.  d.  Masses  indastriel  et  p6dagogiqae  Friboorg 

140.  Georg,  A.,  Dr.jar.,  Secr.  de  la  Cbambre  de  Commerce  Geneve 

141.  Georg,  H.,  Bacbbändler  Basel 

142.  Gerster,  L.,  Pfarrer  Eappelen 

143.  Gertscb,  Fritz,  Oberstlt.  Bern 

144.  de  Giaoomi,  Dr.  (Bärenplatz  4)  Bern 
145.* y.  Girsewald,  Baron  C.  (Rämistrasse  33)  ZUricb 

146.  V.  Girsewald,  Baronin  M.  (Rämistrasse  33)  Zürich 

147.  Gobat,  H.,  Inspectear  des  IGcoles  Delemont 

148.  Graf,  J.  H.,  Prof.  Dr.  (Wylerstrasse  10)  Bern 

149.  V.  Grebel,  H.  G.,  Dr.  (Pelikanstr.  18)  Zürich 

150.  Grollet,  Jean,  Joarnaliste  Bäle 

151.  Graner,  H.,  Ingenieur  (Nanenstr.  9)  Basel 

152.  Häberlin,  A.,  Postverwalter  Kreuzlingen 

153.  Haiher,  C,  a.  Regierangsrat  Frauenfeld 

154.  Hagenbacb,  Ed.,  Dr.  (Missionsstrasse)  Basel 

155.  Haller,  B.  (Herrengasse)  Bern 

156.  Häne,  J.,  Dr.,  Staatsarchivar  (Elansstrasse  50)     Zürich 
157."  de  la  Harpe,  Edmond  Vevey 

158.  Hebbel,  0.,    Oberst  Bern 

159.  Y.  Hegner- V.  Jayaita,  Eaufmann  (Bürglistrasse  6)  Zürich 

160.  Heinemann,  F.,  Dr.,  Bibliothekar  Luzem 

161.  Herzog,  H.,  Dr.,  Eantonsbibliothekar  Aarau 

162.  Heosler,  Andr..  Prof.  Dr.  (Grellingerstrasse)  Basel 

163.  Heosler,  Andr.,  Prof.  Dr.  (Schöneberger  Ufer  41)  Beriin  W 

164.  Heyne,  M.,  Prof.  Dr.  Göttingen 

165.  His,  Rod.,  Prof.  Dr.  (Kaiserstrasse  33)  Heidelberg 

166.  Hoefler,  M.,  Dr.,  Hofrat  Bad  Tölz 

167.  Hofer,  Hans,  Eanstanstalt  (MUnzplatz  3)  Zürich 

168.  Hofer,  J.  J.,  Notar  Oberdiesbach 

169.  Hoffmann,  A.  A.,  Eanfmann  (Hirzbodenweg  89)  Basel 

170.  Hoffmann-Barckhardt,  Fraa  A.  (Rittergasse  '2\)     Basel 

171.  Hoffmann-Paravicini,  Alb  ,  Dr.  med.  (Dufourstr.)  Basel 

172.  Hoffmann-Fleiner,  E.  (Eapellenstrasse)  Basel 

173.  Hoffmann,  Hans  (Hammerstrasse)  Basel 

174.  Hoffmann,  E.,  Dr.  med.  (Albanvorstadt  1U2)        Basel 

175.  Hoffmaun-Erayer,  E.,  Prof.  Dr.  (Hirzbodenweg)    Basel 
176.*Hoffmann-Erayer,  Fraa  H.  Basel 


234 


MitgliederverzeichDis. 


177.  Holenstein,  Th.,  Dr.  St  Gallen 

178.  Hölzer,  A.,  Seminarlehrer  Hofwyl  (Bern) 

179.  Holzmann,  M.,  Dr.  med.  (Seestrasse)  Zürioh 

180.  Honegger-Weissenbach,Rob.,Oberstl.(Bahnhofstr.)   Zürich 

181.  Höpii,  Ulr.,  Dr.,  Commendatore,  BnchhäBdler        Milano 

182.  HotZ;  R.,  Dr.  (Schanzenstr.)  Basel 

183.  Hnber,  J.,  Dr.,  Buchhändler  Fraaenfeld 

184.  Hng,  Arnold  (Sonnenqnai  28)  Zürich 

185.  Hnggenberger,  Alfr.  BettBgea.IilikM 

186.  Hnnkeler,  Hans    ^  Lnzem 

187.  Hürlimann,  Dr.  Unter-Aegeri 

188.  Hnnziker,  Rnd.,  Dr.,  Gymnasiallehrer  Winterthar 

189.  Htirbin,  J.,  Dr.,  Rektor  Luzern 

190.  Jaques-Dalcroze  E.,  (20,  Cite)  Geneve 

191.  Jeanjaquet,  Jules,  Prof.  Dr.  Basel 

192.  JecWin,  C,  Prof.  Dr.  Chur 

193.  y.  Jenner,  £ug.,  Fürsprech  Bern 

194.  Jenny,  G.,  Dr.  (Blnmenaustrasse)  St.  Gallec 

195.  Imesch,  Dion.,  Hochw.,  Prof.  Brig 

196.  Imfeid,  Xav.,  Ingenieur  (Asylstr.)  Zürich 

197.  V.  Ins,  A.,  Dr.  Bern 

198.  Isler,  A.,  Stadtrat  Winterthar 

199.  Ithen,  Frl.  A.  Ober-Aegeri 

200.  Jullien,  AI.,  Libraire  (32,   Bourg-de-Four)  Geneve 

201.  Junod,  Henri,  Missionnaire  Nenohätel 

202.  Kägi,  A.,  Prof.  Dr.  (Stockerstrasse)  Zürich 

203.  Kälin,  Kanzleidirektor  Schwyz 

204.  Kasser,  G.^  Dir.  d.  bist.  Museums  Bern 

205.  Kaufmännischer  Verein  Zürich 

206.  Keiser,  A.,  Hochw.,  Rektor  Zug 

207.  Kennedy,  Mrs.  Marion  (16  Oriental  Place)  Brighton 

208.  Kessler,  Gottfr.  Wil  (St.  Gälte 

209.  Kirsch,  J.  P.,  Prof.  Dr.  Freiburg (8dir^ 

210.  Kisling,  R.,  Kaufmann  (Grossmünsterplatz  9)        Zürich 

211.  Kissling,  R.,  Bildhauer  (Klausstrasse)  Zürich 

212.  Knüsly,  Eugen  (Thalgasse  20)  Zürich 

213.  Knüsly,  Hans  (Thalgasse  2'J;  Zürich 

214.  Köchlin,  E.  A.,  Dr.,  Notar  (Rennweg)  Basel 

215.  König,  E.,  Dr.  (Könizstrasse  47)  Bern 

216.  Koller,  E.,  Professor  an  der  teohn.  Hochschule     Stuttgart 

217.  Koller,  J.,  Dr.  med.  Herisau 

218.  Kracht,  C.   (Villa  Baur)  Zürich 

219.  Krayer,  Ad.    (Wartenbergstrasse)  Basel 

220.  Krayer-Förster,  Frau  H.  (Sevogelstrasse)  Basel 

221.  Krayer-La  Roche,  Georg  (Sonnen weg)  Basel 

222.  Küchler,  A.,  Hochw.  Kerns 

223.  Kümin,  Jos.,  Hochw.,  Kaplan  Merlischaohen 


MltgUederverzeichnis. 


235 


224.  Kttndig,  Bnd.,  Dr.,  Notar  (Sevogelstrasse)  Basel 

225.  Enntsohen,  Job.,  Nationalrat  Sitten 
226.*Laggery  Franz,  Hochw.,  Ffr.           Zenneggen,  Bez.  Yisp  (Wallis) 
227.  La  Boche,  Hans  (Albanvorstadt  83)  Basel 
228.*Lanterbarg,  £d.,  Dr.  (Gare  5)  Neachatel 

229.  de  LavallaZy  L.  (Aeademy)  Leith  (Scotland) 

230.  Lavater- Wegmann,  H.  (Anbrigstr.   10)  Zürich 

231.  Leconltre,  J.,  Prof.  2il*Acad6mie  (avenne  de  la Gare)  Neachatel 

232.  v.Lengefeld,Frl.S.,Dr.(PensionKoch,Lottenstr.7*)  Weimar 

233.  Liohtenhahn,  C,  Dr.  (Sevogelstr.)  Basel 

234.  ▼•  Liebenan,  Th.,  Dr.,   Staatsarchivar  Luzem 

235.  Lnchsinger,  B.  (Klansstrasse  2)  Zürich 

236.  Lorenz,  P.,  Dr,  Chur 
237    Marohand,  M.,  Directeur  de  l'Ecole  normale  Porreotmy 

238.  Marti,  K.,  Prof.  Dr.  (Marienstrasse)  Bern 

239.  Martin,  B.,  Prof.  Dr.  (n.  Beckenhofstr.  16)  Zürich 

240.  y.  Martini,  Fritz  St.  Gallen 

241.  Mathej,  Mlle  H.  Wavre  (Neichitel) 

242.  Meier,  Gab.,  P.,  0.  S.  B.,  Stiftsbibliothekar  Einsiedeln 

243.  Meier,  John,  Prof.  Dr.  (Pilgerstrasse)  Basel 

244.  Meier,  S.,  Lehrer  Jonen  (Aargan) 
245.*Mei88er,  S.,  Dr.,  Staatsar chivar  Chur 

246.  Mercier,  H.,   Priv.-doc.  ä  l'Univ.  (49,  route  de 
Frontenex)  Geneve 

247.  Merz,  C,  Dr.  med.  Baar  (Zug) 

248.  Meyer,  Adolf,  Prof.  Dr.  New- York 

249.  Meyer,  C,  Prof.  Dr.  (Gartenstr.)  Basel 

250.  Meyer  v.  Enonan,  G.,  Prof.  Dr.  (Seefeldstr.)  Zürich 

251.  Michel,  A.,  Pfarrer  Mintettea  (Thrgio) 

252.  Micheli,  Horaoe,  Dr.  es  lettres,  Redacteur  Geneve 

253.  Miville-Bnrckhardt,  R.  (St.  Jakobstrasse)  Basel 

254.  de  Molin,  A.,  Privat-docent  k  TUniversite  Lausanne 

255.  de  Montenaoh,  G.,  Baron  Fribourg 

256.  Moosberger,  H.,  Dr.,  Advokat  Chur 

257.  Morax,  Benä  Morges  (Vaud) 

258.  Morel,  A.,  Bankdirektor  (Freiestr.  96)  Basel 

259.  Morf,  H.,  Prof.  Dr.  (Elettenbergstrasse  8)  Frankfurt  a./M. 

260.  de  Morsier,  Mlle  Mathilde  Plongeoa,  pres  CeatTe 

261.  Müller,  Hans,  cand.  phil.  (Brnnaustrasse  65  ^  Zürich 

262.  Müller,  H.,  Pfarrer  Lanfenburg 

263.  Mttiier-Mttiier,  Roh.  S.  (Münstertreppe  9)  Zürich 

264.  Muoth,  J.  C,  Prof.  Chur 

265.  ▼.  Mnralt,  W.,  Dr.  med.  (Rämistrasse)  Zürich 

266.  Moret,  E.,  Prof.  ä  Tüniv.  (19,  me  Toepffer)  Geneve 

267.  Mnrel^  M.,  Dr.  med.,  Privat-doc.  (5,  me  du  Midi)  Lausanne 

268.  vanMnyden,  H.,  Peintre  (12,  avenuedeFlorissant)  Geneve 

269.  Mylios-Paasavant,  Alb.,  Dr.  (Rennweg)  Basel 


236  Mitgliederverzeiohnis. 

270.  Nabholz,  Ad.,  Dr.,  Rektor  Glarus 

271.  Nägeli,  0.,  Dr.  med.  Ermatingen 

272.  Nater,  J.,  Lehrer  Aadörf 

273.  Naville,  A.,  Prof.  k  l'Uni versitz  Genfeve 

274.  Naville,  Ed.,  Prof.  k  rUniv.  (2,  rue  des  Granges)  Genfeve 

275.  Naville,  Lonis  (15,  conrs  des  Bastions)  G«neve 

276.  Nay,  J.,  Dr.  Thasis 

277.  Nicati,  Paul,  Architecte  Vevey 

278.  Oechsli,  W.,  Prof.  Dr.  (Gloriastr.  76)  Zürich 

279.  Ochsner,  M.,  Verhörrichter  Schwyz 

280.  Oltramare,  Paul,  Prof.  ä  T  Uni  versitz  (avenae  des 

Nant  Bosquets)  Geneve 

281.  Oswald.Ad.,  Dr.med.,  Privatdoc.  (Gotthardstr.  55)  Zürich 

282.  Paravicini,  Carl  R.,  Dr.  (St.  Jakobstr.  20)  Basel 

283.  Pellandini,  Y.,  Ajatante  capostazione  Taverne 

284.  Peschier,  Engene,  Prof.  Eonstanz 

285.  Pestalozzi- Janghans  F.  0.  (Grütlistrasse  20)  Zürich 

286.  Pineau,  L^on,  Professeur  (18,  rue  Godefroy)        Lyon  (Fran< 

287.  V.  Planta,  J.  Tänikon  (Tili 

288.  V.  Planta,  P.  FiretenM  (6ni 

289.  V.  Planta,  P.  C.  Zuoi  (Grau 

290.  V.  Planta,  R.,  Dr.  (Mythenstrasse  15)  Zürich 

291.  V.  Planta,  R.  U.,  Oberst  (Pelikanstrasse)  Zürich 

292.  Pletscher,  H.,  Reallehrer  Schieitheim 

293.  Pometta,  E.,  Grossrat  u.  Redaktor  d.  Popoloe  Liberta  Locarno 

294.  de  Pury,  J.,  Colonel  Neuchätel 

295.  Ragaz,  J.,  Prof.  Dr.  Chur 

296.  Rahn,  J.  R.,  Prof.  Dr.  (Thalacker)  Zürich 

297.  Reber,  B.  (3,  Cour  St-Pierre)  Geneve 

298.  V.  Reding-Biberegg,  R.,  Dr.,  Oberst  Schwyz 

299.  Reichlen,  J.,  Artiste  peintre  Fribourg 

300.  Reinhard,  Hans,  Oberrichter  Ölten 

301.  Reinhard,  Fräul.  M.,  Lehrerin  Bern 

302.  Reinle,  K.  E.,  Dr.,  Lektor  Basel 

303.  Richard,  E.,  Oberstl.  (Börse)  Zürich 

304.  Ris.  Dr.  med.  Thun 

305.  Rivett-Carnac,  J.  H.,  Baronet  Schloss  Wildegg  (Aarj 

306.  Rivoire,  E.,  Notaire  (15,  qnai  de  l'Ile)  Geneve 

307.  Robert,   W.  Jongny,p.Ve 

308.  Rod,  Ed.  (19,  rue  Erlanger)  Paris 

309.  Rossat,  A.,  Prof.  (Schweizergasse  10)  Basel 

310.  Rössel,  Virgile,  Prof.  Dr.  Bern 

311.  Roth,  A.,  Dr.,  Schweiz. Gesandter (Regentenstr.  1 7)  Berlin 

312.  Roth,  Hans,  Dr.,  Ereisdirektion  II  Basel 

313.  Rothenhäusler,  0.,  stud. pharm.  (Spalenthorweg  25)  Basel 

314.  Röthlisberger,  W.,  Artiste  peintre  Thielle  (New 

315.  Ruepp,  P.  A.,  Dr.  med.  MereiisehwtB4  b. 


MitgliederverzeichDis. 


237 


Ettlt^izneyer,  L.,  Dr.  med.  (Socinstrasse)  Basel 

Etyliiner,  Gast.,  Dr.  (Schanzenstr.  22)  Basel 

Et^rliiiiery  W.,  Pfarrer  Winterthur 

ir-     Salis,  R.  (Villa  Gruber)  Genua 

S&r&siD,  Alfr.,  Bankier  (Langegasse  80)  Basel 

ä&ircteiny  Ernst  (St.  Albanvorstadt   14;  Basel 

3a.ir&8in-Iselin,  W.   (St.  Jakobstr.   14)  Basel 

de     Saossure,  F.,  Prof.  k  l'üni versitz  Geneve 

de     Saossnre,  Tb.,  Colonel  Gen&ve 

ScliabelitZy  Friedr.  (Olgastrasse  2)  ZUricb 

Soliär,  A.y  Dr.   (Silbermannstrasse)  Strassbnrg 

Scliirmer,  A.,  Dr.  med.  (Leonhardstr.   16)  Basel 

Sclilumberger-Vischer,  Ch.  (St.  Jakobstr.)  Basel 

Solimid,  il.  R.,  Postdienstchef  Basel 

Sclmorf,  Kasp.,  Prof.  Dr.  (Plattenstr.  52)  Zürich 

Scliccb,  B.,  Prof.  Dr.  (Zürichbergstrasse)  Zürich 

.  ScHnüriger,  J.  M.,  Hochw.,  Pfarrer  Steinen  (Sdiwyi) 

.  Schnler,  H.,  Dr.  (Jenatschstrasse  6)  Zürich 

.  Schulthess,  0.,  Prof.  Dr.  Frauenfeld 

.  Schiippli^  H.,  pr.  Adr.  Handschin  &  Wirz  Moskau 

.  Sohniryzer,  Ed.,  Dr.  (Hegibachstrasse  71)  Zürich 

•  ^*    Schwerzenbach,  C.  Bregen« 

».  Secretan,  Eng.  (le  M^leze)  Lausanne 

>.  Seeburger,  E.,  Sohn  Zürich 

).  Seiler,  E.,  in  Firma  Seiler  &  Co.  Basel 

L.  Senn-BemouUi,  Frau  Pfarrer  Sissach 

-•  Senn-Holdinghausen,  W.,  Verlag  Zürich 

3.  Simon,  J.  (Albananlage)  Basel 

4.  Singer,  S.,  Prof.  Dr.  Bern 

5.  Sonderegger,  Herm.,  Dr.  med.  Heiden 
k6.  Sonderegger,  Paul  Heiden 
17.  Smeding,  L.  H.,  Libraire  Anvers 
4B.  Speiser,  P.,  Prof.  Dr.  Basel 
49.  Spiess,  Ed.,  Dir.  d.  Allg.  Gewerbeschule  Basel 

'50.  SpUler,  Reinhold,  Dr.  Frauenfeld 

^51.  Spinner- Waser,  H.  (Friedhofg.1  Zürich 

552.  Spörri,  J.,   Kaufmann  (Bahnhofstr.)  Zürich 

^^3.  V.  Sprecher,  Th.,  Oberst  Maienfeld 

354.  Stadler,  E.  A.  (Schönberggasse)  Zürich 

355.  Stähelin,  Jos.  (Ilgenstr.   8)  Zürich 

356.  Stammler,  J.,  Monsignore,  päpstl.  Kämmerer  Bern 

357.  Stehler,  F.  G.,  Dr.,  Vorstand  der  eidg.  Samen- 
kontrollstation (Bahnhofstrasse)  •  Zürich 

35B.  Stehlin,  K.,  Dr.  (Albanvorstadt  69)  Basel 

359.  Steiger,  A.,  Antiquar  (z.  Löwenburg)  St.  Gallen 

36<).  Stem,  A.,  Prof.  Dr.  ( Englisch viertelstrasse)  Zürich 

'   "  r,  H.,  Prof.  Dr.  Burgdorf  (Bern) 


361. 


238 


MitgliederverzeichDiB. 


362 

363 

364 

365 

366 

367 

368 

369 

370 

371 

372 

373 

374 

376< 

376. 

377. 

378. 

379. 

380. 

381. 

382. 

383. 

384. 

385. 

386. 

387. 

388. 

389. 

390. 

391. 

392. 

393. 

394. 

395. 

396. 

397. 

398. 

399. 

400. 

401. 

402. 

403. 

404. 

405. 

406. 

407. 

408. 


.  StoU,  0.,  Prof.  Dr.  (Klosbach)  Zürich 

.  Strasser,  6.,  Pfieirrer  Grindelwalc 

,  Stränli,  E.,  Pfarrer  Ober-Hittna 

>  Strehler,  Alfred     (Selnaustr.  14)  Zürich 
,  y.  Strele,  B«,  k.  n.  k.  Bibliotheksvorstand  Salzburg 

Streuli-Httniy  E.  (Bleicherweg)  Zürich 

StroBhlin,  P.-Ch.  (54,  roate  de  Chene)  Greneve 

Stückelberg,  Alfr.,  Dr.  (Petersgraben  1)  Basel 

Stückelbergy  £.  A.,  Dr.,  Privatdozent  Basel 

>  Stückelberg,  Yico  (Petersgraben  1)  Basel 
Stürm,  Jos.y  filaofiaatann  (Florastrasse)  Zürich 

'Styger,  M.,  filantonsschreiber  Schwyz 

Sütterlin,  G.,  Hochw.,  Dekan  Ariesheim 

*Sntery  P.,  Dr.,  Sekundarlehrer  (Kasernenstr.  15)  Zürich 

Tappolet,  £.,  Prof.  Dr.  (Eidmattstrasse  53)  Zürich 

Tatarinoff,  £.,  Prof.  Dr.  Solothum 
V.  Tavel,  Albert,  Fürsprech  (Laubeckstrasse  20)  Bern 

Tavemey,  A.,  Privat-docent  Lausanne 

Thommen,  B.,  Prof.  Dr.  (Angensteinerstrasse)  Basel 

Thurneysen-Hoffmann,   Frau  A.  (Albanvorstadt)  Basel 

Tobler,  A.,  Dr.  jur.  (Wettingerhaus)  Zürich 
Tobler,  Alfr.,  V.  D.  M.                                    Wolfhalden  (App< 

Tobler-Blumer,  A.,  Prof.  Dr.  (Winkelwiese)  Zürich 

Tobler,  C,  Nationabrat  Thal 

Tobler,  G.,  Prof.  Dr.  Bern 

de  Torrentä-Waser,  Ingenieur  (Spitalacherstrasse)  Bern 

Urech,  F.,  Dr.  (Graben)  Aarau 

Usener,  H.,  Prof.  Dr.  Geheimrat  Bonn 

Usteri-Pestalozzi,  E.,  Oberst  (Thalgasse  5)  Zürich 

Vetter,  F.,  Prof.  Dr.  (Aargauerstalden)  Bern 

Vetter,  Th.,  Prof.  Dr.  (Plattenstrasse)  Zürich 

Vodoz,  J.,  Prof.  Dr.  Zürich 

Voilmöller,  K.,  Prof.  Dr.  (Wienerstrasse  25)  Dresden-A. 

Von  der  Mühll,  G.  (Albanvorstadt)  Basel 

Von  der  Mühll,  W.,  Dr.,  Notar  (Albangraben)  Basel 

Wackernagel,  B.,  Dr.,  Staatsarchivar  Basel 

Walter,  E.,  Stadtrat  Winterthur 

Waser,  J.  H.  (Limmatquai   70)  Zürich 

Waser,  M.,  Hochw.,  Pfarrer  Schwyz 

Waser,  0.,  Dr.  (Limmatquai  70;  Zürich 

V.  Wattenwyl,  H.  A.,  Ingenieur  (Spitalg.  40)  Bern 

Wavre,  W.,  Prof.  Neuchfitel 

Weber,  H.,  Dr.,  Kantonsbibliothekar  Zürich 

Weckesser,  J.,  Relieur-artiste  (93,  rue  Ducale)  Bruxelles 

Wegeli,  R.,  Dr.  (Landesmuseum)  Zürich 

Weidmann,  F.,  Fürsprech  Einsiedeln 
Weitzel,  A.,  Secr^taire  de  la  Direction  de 

rinstruction  publique  Fribourg 


MitgliederverzeichoiB. 


239 


409.  Welti,  Fr.  E.,  Dr.  (Jankemgasse) 

410.  Welti,  H.,  Dr.  (Lützowstrasse  20) 

411.  Werzinger,  Arthur  (Bahnhofstrasse  20) 

412.  Westermann,  E.,  Ingenieur  (Grallosstr.) 

413.  Wettstein,  Emil,  Dr.  (Nordstrasse  36) 

414.  Wickart,  A.,  Hypothekarschreiber 

415.  Wiget,  Th.,  Dr.,  Dir.  der  Kantonsschule 
-416.  Wildberger,  W.,  Oberlehrer 
417.   Wille,  ü.,  Dr.,  Oberstdi visionär 
4i8.  Wind,  AI.,  Pfarrer 
iX9.*Wirz,  E.,  Buchhändler 
1:20.  Wirz,  M.,  Architecte 

2  1.  Wymann,  Ed.,  Kaplan  (Krenzstr.  46) 
^  S.  Wyss,  0.,  Prüf.  Dr.  (Seefeldstrasse) 
!aS.*v.  Wyss,  W.,  Prof.  Dr.  (Fehrenstrasse) 
^^.  Zahler,  H.,  Dr.,  Sekundarlehrer 
^  .fi.  Zahn,  £.,  Schriftsteller 
^  ^.  Zai,  P. 

^  ^7.  Zellweger,  0.,  Basler  Nachrichten 
t  .^3.  Zemp,  Jos.,  Prof.  Dr. 
-  ^^.  Zetter-Scherrer,  E. 

^<ZJ.  Zimmerli-Glaser,  J.,  Dr.  (Hotel  Beau-Bivage) 
Zindel- Kressig,  A.,  Telephonbeamter 


Bern 

Berlin  W. 
Zürich 
St.  Gallen 
Zürich 
Zug 
Trogen 

Nennkirch  Seliaffk. 
Mariafeld-Meilen  (Zürich) 
Jonen  (Aargau) 
Aarau 
La  Tour  de  Peilz  (Vaud) 
Zürich 
Zürich 
Zürich 

Münchenbuchsee 
Göschenen 
Turgi 
Basel 
Freiburg  (Schweii) 
Solothum 
Luzern 
Schaffhausen 


Züricher,  Frl.  Gertr.,  Lehrerin  (Landhausweg  9)  Bern 


Fbliotheken  und  Gesellschaften.  —  Bibliothiques  et  SociMis. 


'  ^^ .  Allgemeine  Lesegesellschaft 
*  '^k: .  Bibliothek  des  Lesezirkels  Hottingen 
l  ^^  .  Bibliothek,  Königl. 
^  ^ .  Bibliothek,  Kgl.  Württemberg. 
^  "^  •  Biblioth^ue  de  l'üniversiti 
^^^.  Bibliothek  der  Museumsgeselischaft 
^^.  Bodleian  Library 
^O-  Harvard  College  Library 
'^X.  Hofbibliothek,  Grossherzogiiche 
^^4.^.  Hofbibliothek,  K.  u.  K. 
4^43.  Hof.  und  Staatsbibliothek,  Kgl. 
444.  Eantonsbibliothek 

445.  Eantonsbibliothek  des  Kantons  Thurgau 

446.  Kantonsbibliothek  Obwalden 

447.  Kantonsbibliothek  Solothum 

448.  Museumsgeseilschaft 

449.  Schweizerische  Landesbibliothek 

450.  Schulvorstand  der  Stadt  Zürich 

451.  Staatsarchiv  d.  Kantons  Bern 


Basel 
Zürich 
Berlin 
Stuttgart 
Lausanne 
Zürich 
Oxford 
Cambridge,  Mass.,  U.  S.  A. 
Darmstadt 
Wien 
München 
Zürich 
Frauenfeld 
Sarnen 
Solothum 
Ölten 
Bern 
Zürich 
Bern 


240 

Mitgliederverzeichnis. 

452. 

Staatsarchiv  des  Kant.  St.  Gallen 

St.  Gallen 

453. 

Stadtbibliothek 

Schaffhansen 

454. 

Stadtbibliothek 

Winterthur 

455. 

Stadtbibiiothek 

Zofingen 

456. 

Stadtbibliothek 

Zürich 

457. 

Universitätsbibliothek,  K.  u..K. 

Gm, 

458. 

Universitätsbibliothek,  E.  a.  E. 

Innsbruck 

459. 

Universitätsbibliothek,  E.  n.  E. 

Prag 

460. 

Universitätsbibliothek,  Eaiserliche 

Strassburg 

461. 

Wessenberg-Bibliothek 

Eonstanz 

1 

Die  verehrlichen  Mitglieder  sind  ersucht,  irgendwelche  Un- 
richtigkeiten oder  Ungenauigkeiten  in  obigem  Verzeichnis  Herrn 
Dr.  E.  A.  StOckelberg,  Petersgraben  I,  Basel,  anzeigen  zu  wollen. 


Les   membres  dont  Tadresse 
priis  de  bien  vouloir  en  informer  N 
graben  I,  ä  Bftle. 


ne  serait  pas  exacte  sont 
'  E.  A.  StOckelberg,  Peters- 


Band  VII  Heft  3,  ausgegeben  24.  September  1903. 


241 


Chants  patois  jurassiens 

Pabli^B  par  M.  Arthar  Rossat  (Bäle). 

IV  partie  (fin). 

Chansons  satiriques. 

172. 

mo  tx^pe  pwStü*)  MoD  chapeaa  pointu 

(Patois  de  Villars-sur-Fontenais) 

y*evö  T  be  txepe  kär|,  pwStü,      J'avaisunbeaucbapeancarre,  pointu, 

Q,ui  me  coütait  cinquante-neuf  Boas 
Presqne  un  ecu,  sapredieu! 
Presqae  un  6cu,   youp!  sapredieu! 


k9  019  k^te  sTkSt-noe  so, 
presk  T  et;|^ü,  sap^rdias! 
presk  T  etjj^tt,  y^p!  sapdrdias! 

2.  y'^vö  en  bei   perük   da  be  fT 

[pwä 
k*  i  m'  detxerpexö*)  fet  e  düa- 
devö  T  rete,  etc.         [mwän 

3.  y'evö  ^n  b^i  mttstäx  d'sü9  d*pü9 

k9  m'  djwSfie  ätwe  d'  le  gdel 
t^  kmS  T  tris^^),  etc. 

4.  y'evö  de  be  süle  da  be  ff  tjffla 

kd  m'  djwSfiX  ätwe  de  pia 
kmS  de  säbä,  etc. 

o.     y'evö  de  bei  chatissettes  da  pc 
[da  txT 
ka  ma  djwßfiT  ätwe  de  txSb 
kmS  de  beträ*),  etc. 


J*avais  une  belle  perruque  de  beau 

[poil  ün 
Qne   je   me   d^melais   fetes  et  di- 
Avec  un  rateau,  etc.        [manches 

J'avais  une  belle  moustache  de  soie 

[de  porc 
Qui  me  joignait  autour  de  la  gueule 
Tout  comme(nt)  nn  ...... 

J'avais  des  beanx  soaliers  de  beau 

[fin  cuir 
Qui  me  joignaient   autour  du  pied 
Comme(nt)  des  sabots,  etc. 

J'avais  des  belles  chaussettes  de  peau 

[de  chien 
Uui  me  joignaient  autour  des  jambes 
Comme(nt)  des  barattes,  etc. 


*)  (Vtt<»  vioille  chanson,  tros  n^pandui»  djms  tout  \o  Jura,  n«»  manque 
pas^  d'int«^ret:  eile  donne  de  pnV'ieusos  indications  »ur  h's  diverses  parties 
de»  anciens  vetemont«. 

')  1?  pers.  sing,  imparfait  indic.  du  verhe  dftxqrpi  d<''mcler  les 
cbeveiix,  d'oü  le  subst.  t  d^txfrpü       un  dt^neloir,  un  peifrnt». 

•)  D^rivö  de  li.tri8  —  la  diarrhe»»,  la  foin»:  (''«*st  donc  un  tas  dVx- 
rr^ments.    Les  Del^montaios  ont  n»gu  \o  sobriquet  do:  /f  trisii,       les  foireux. 

*)  «  b^trä  --  baratte  ä  faire  lo  bcurre:  le  niot  rat  ajoulot.  Le  vadais 
dit  «  bitxä. 


242 


C'hants  patois  jurassiens 


k\.    y'^vö  ^n  bßl  tjjfülät  da  be  fT  dre  J'avais  une  belle  colotte  de  beau  fin 

[drap 

kd  m'  djwSüe  ätwe  de  fes  Qni  me  joignait  autonr  des  fesses 

kmä  T  ;|füo;^ä,  etc.  Comme(nt)  an  soufiPlet,  etc. 

7.    y'evö  T  be  jlle  ^)  do  pe  69  txe,  J'avais  un  beaugilet  depeaa  de  chat^ 

kd  ms  djwSne  ätwe  di  dö  Qai  me  joignait  autour  dn  dos 

kmS  T  bü  d'  s^,  etc.  Comme  nn  bont  de  sac,  etc. 

S.    y'evö  en  bei  jaquette  d»  be  J'avais  une  belle  jaquette  de  beau 
[t'T  dre,  [fin  drap, 

k'i  rsänö  T  prezidS  Qae  je  ressemblais  un  president 

t§  pwä  le  rtia,   etc.  Tout  par  les  rues,  etc. 

D.    i  m'5  süßt-äl^  vüa  me  metres  Je  m'en  suis  alle  voir  ma  maitresse 
[t^  bT  et;^ipe,  [tout  bien  6quip^, 

k'el  m'^  b^te    dria   le   püatx  Qu'elle  m*a  mis  derriere   la  porte 

tg  kmS  T  bäle,  etc.  Tout  comme  un  balai. 

lO.    y'^vö   fe  kädö  ä  me   metres  J'avais  fait  cadeau  ä  ma  maitresse 
[d'  T  p^  d'büsr  frä,  [d'^un  pot  de  beurre  frais, 

k'el  s'fi  ä  freyl9  h  mwer  Qu'elle  s'en   est  graisse  la  bouche 

trä  mwä  do  tS,  etc.  Trois  mois  de  temps,  etc. 

(Ernest  CouUery,  horloger,  k  Villars-sur-Fontenais.) 


173. 

Memo  sujet. 

(Patois   de   Del6mont} 


m 


^ 


T 


::t5=:t 


Ö^ 


j=ru-ii/-ii 


y'^  -  vö     T    b$  tx^-  p^  kä-  fq,  pwS-tü,  ko  ma  k$  -  t^     sT  -  kät  n* 


-fHl-S^ 


E5E 


:i=E 


ÄI3 


8Ö,  pr^sk  T      ^  -  tA'ti,       sä  -  k^r  -  die ! 

1.  y'evö  T  be  txepe  käre,  pwStü, 
kd  ma  k^te  slkSt  nob  sü 
presk  T  et;^ü,  säkerdia! 

2.  y'evö    en    bei   perük    d*    pwä 

[d'pürsö. 
i   le  peiiö  fet  e  dtiamwän 
d^vö  T  rete,  säkerdio! 


J'avais  un  beau  chapeau  carr6,  pointu, 
Qui  me  coutait  cinquante-neuf  sous 
Presque  un  ^cu,  sacredieu! 

J'avais  une  belle  perruque  de  poil 

[de  pourceau. 
Je  la  peignais   fetes   et   dimanches 
Avec  un  rateau,  sacredieu! 


*)  Ce  n'ost  pas  le  mot  oidinaire;  on  dit  d'habitude  tkprsli   (cf.  n*  173, 
Str.  4).    Le  patois  de  Tavannes  dit  mßmo  kprs^  (cf.  n®  177,   str.  3)   et  oeloi, 
de  Tramelan-dessous  kprsä  (cf.  176,  str.  2)  cf.  n^  181:  mÖ  kw^rti. 


Ghants  patois  jurassieos 


243 


3.    y'^vöt-en   bei   grevät   da  twäl  J'avais  une  belle  cravate  de  toile 
[möle,  [peinte 

ka  mo  xit/e*)  darw  le  kö  Qui  m'allait  derriere  le  cou 

k^m  T  tx9YSl9^),  sakerdid!  Commeuncoassin  dejong,  sacredieu! 

4.    y^evö  t  be  k^rsle  d'pe  da  txe,      J'avais  un  beau  gilet  de  peaa  dechat 
ka  109  xitjife  deno  l9  dö  Qui  m'allait  derriere  le  dos 

k^m  T  setxä,  8äkerdi9!  Comme  un  sacket,  sacredieu! 

ö-    y'^vö  ^n  bei  tjj^Ulät  d9  tjj^üa  möle,      J'avais  une  belle  culotte  de  cuir  verni 
k9  in9  frTJ9ne^)  d9rl9  le  fes         Qui  me  criait  derriere  les  fesses 
k§in  T  xüaxä,  säkerdia!  Coaime  un  soufflet,  sacredieu! 

^.    y'evö   dö  be  süle  t^t  Sroiadje,      J'avais  des  beaux  souliers  tout 

k9  m9  xitjjfT  xü  Tkö  di  pi9 
k^m  de  säbä,  sakerdio! 

7.     i  m'S  sob  räie  vwär  me  metres 
'  [t9  bl  eyfip§; ' 
k'^1  m'e  f^tU  daria  le  pödrt 
k^m  T  balai^)j  säkerdia! 


3-       y'e  fe  kädö  e  me.  metres  d'T 
[p§  d'  bü9r  frä; 
k'el  m'fi  e  fr|yl9  le  gö9rdJ9 
trwä  mwä  d9  tS,  sakerdia! 


Qui  m'allaient  sur  le  cou  du  pied 
Comme  des  sabots,  sacredieu! 

Je  m'en  suis  (r)all6  voir  ma  maitresse 

[tout  bien  equipe; 
(Qu')  Elle  m'a  f. . .  derriere  la  porte 
Comme  un  balai,  sacredieu! 

J'ai  fait  cadeau  ä  ma  maitresse  d'un 

[pot  de  beurre  frais; 
(Qu')  Elle  m'en  a  graisse  la  bouche 
Trois  mois  de  temps,  sacredieu! 


(Justin  Kohler,  cordonnier,  Delemont.) 


1, 


174. 
Meme  sujet. 
(Patois  de  Boncourt) 
y'evö    X    be   txepe   r5,    pwStü,      J'avais  un  beau  cliapeau,rond,poiDtU; 


[käre, 

ka  m9  k^te  sTkSt  nee  sü 
käzi  X  etj^a,  ö  8ak9rbl8! 
kizi  X  et^^y  ö  lä,  rä  d9ri  d9rä  ! 


[carre, 

Qui  me  coutait  cinquante-neuf  sous 
Presque  un  ecu,  oh  I   sac^reblen  I 
Presque  un  ecu,  oh !  la,  tra  deri  dera  I 


*)  C'est  Tallemand  (sich)  schicken.    On  dit  aussi  xik^.    ('»»  niut  a  sui- 

**^^  le  sens  (Vajusterj  arranger,  convenir:  sgli  xik  bl       c'e.^t  bifii  arranj^r. 

^^    ^    In  xik^  sifli  —  il  a  bien  arrang<^  cela.     Cf.  Pan.  600:    Voilä  des  boitlpts 

^^•**^c«  ....  qü'e  (iX9)  se  sehiqu'an  (xitxä)  tres-bin  po  des  pendnins  d'o- 

***5^««  =  Voilä  des  boulets  rouges  ....  (lui  convionnent  tres  bien  pour  dof* 

^«Äcbnts  d'oreüles. 

*)  Cest  le  coussin  qu'on  met  sur  le  cou  des  banif«  pour  quo  le  juug 
^^   ^e»  blesse  pas. 

•)  Ce  mot  a  le  sens  de:  pitiUer ;  on  lo  dit  du  beurre,  do  la  graisse 
^^  p^tille,  gr^sille  dans  la  poele. 

*)  C'estle  motfran^ais;  le  patois  dit  toujours:  cm  fAwr  (latin:  scopa). 


244  Chants  patois  jurassiens 

2.  y^^vö  T  be  jil^  do  pe  da  tx^,  J^avaisanbeaugiletdepeaadeohat^ 
ko  md  djwSü^  t^  l^üd  di  k9  Qui  me  joignait  tont  le  toar  du  ooq 
t$  k'T^)  bü  d's^y  etc.  Todt  comme  an  bont  de  sac,    etc» 

3.  y'evö    en    bei    t/Uiät    d'p^  J'avais  nne  belle  cnlotte  de  peau 

[d'^lüät,  [d'alouette, 

ko    md  djwSü^   t^   l'tüd   d6  Qai  me  joignait  tont  le  tonr  des 

[tjj^oex  [cnisees 

t§  k'T  /üoj^ä,  etc.  Tont  comme  nn  sonfflet^  etc. 

4.  y'evö  de  be  8Ül§  da  pe  d'ran^  ;      J^avais  des  beanx  sonliers  de  peau 

[de  renard; 
e  ma  djwSfit  iq  l'tüa  de  pia        Ils  me  joignaient  le  tonr  des  pieds 
tg  k'  de  säbä,  etc.  Tont  comme  des  sabots,  etc. 

5.  i   m'S  äle  vüa  me  metres   t^      Je  m*en  allai  voir  ma  maitressCf  tont' 

[bX  ^t;|^ipe;  [bien  Equipe; 

el  m'e  f§tU  dria  1^  püatx  Elle  m'a  f .  . .  derriere  la  porte 

t§  kmS  T  balai,  etc.  Tont  comme(nt)  nn  balai,  etc. 

(M"»«  Cattö,  n6e  en  1820,  Milandre,  pres  Boncoart.) 

175. 

Memo  sujet. 

(Patois  de  Ck)urtedonx) 

1.  y'evöt-T  be  tx^pe  käre,  pwStU,  J'avaisnnbeaachapeaucarre,pointn^ 
ka  ma  k^te  sTkSt  nüa  sü  Qni  me  coütait  cinqnante-neuf  sons 
käzi  T  et^fU,  säkarbtta,  Presque  un  eon,  sacrebu! 

ka  ma  kgte  sTkSt  nüa  sü  Uni  me  coütait  cinquante-nenf  sons 

käzi  T  etj^U,  t^[\,  t;fü!  Presqne  un  eon,  cu,  cn! 

2.  y'evöt-en    bei    perik    da    pwä      J'avais  une  belle  perrnque  de  poil 

[d'p^rsö,  [de  ponrceau, 

k'i  ma  pSnö  t^  le  düamwän  Que  je  me  peignais  tons  les  di- 

[manches 
d§vö  T  rätji^ö^),  eäkarbö,  Avec  un  rätean,  sacrebd! 

k'i  ma  p^nö  t^  le  düamwän 
devö  T  rätj^ö,  tjjfö,  tj(ö  !  Avec  un  rateau,  to, .  to ! 

3.  y'evö    en   bei    t;^ülät   da  t;^ür      J'avais    nne   belle   culotte   de  cnioK 

[betU  [battu 

ka  ma  kake  daxü  le  les  Qui    me    frappait  dessus  les  fesse*  ^! 

kmS  T  Houjflet,  säkarble,  Comme  nn  soufflet,  sacrebletl 
ka  ma  käke  daxü  le  f^s 

kmä  T  soufflet,  fie,  fiel  Comme  nn  soufflet,  flet,  flet! 

V)  Remarquer  cette  expression  quo  je  rencontre  pour  la  premiöre  foi 
iö  AT,  au  lieu  (io  la  forme  habituelle:  ti^  kmä  t  -^  iotU  comme(nt)  un.    U^^ 
forme  co       comme   se  trouvo  luissi  dans  les  patois  vandois  et  friboarge<^^ ä 

2)    Le  mot  habituel    est:  r^t^    Cette  corruption  est  völontaire  p<^'«J 
rendre  la  chose  plus  coiiiique. 


Cbants  patois  jurassiens 


245 


4.    y'evö  en  bei  kr§vät  da  känovä 
ke  m8  Iwäy^  ätw^  dl  kö 
d^vö  T  l^kä^),  säkorbrä, 
ke  me  Iwäye  ätwe  di  kö 
d§vö  T  l§kä,  kä,  kä! 

ly.    y'evö  T  be  djän  djip5    küjü  S 
[fi  byS, 
k'ä  obx  dl  S  ID9  vwäyS 
etr  T  prezidS,  säkorbttd! 
k'S  cex  dl  S  me  vwäyS 
etr  r  prezidS,  dS,'dS! 

ö-    y'evö  de   bei   txäs   da    pwä 

[d'fotpin*), 
ke  m^  mer  m'^ve  trik^te 
ä  kar  de  n9t  föe,  sakerbäe! 
ke  me  mer  m'ev^  trikgt§ 
l  kär'  de'n^t  iW,  lue,  räe! 

7'  -    y'gvö    de   be    süle    de    pe    de 

[txevri, 
ke  le  k2rd9nie^)  m'^v^  fe 
t/5  y'etö  pet^,  sakerbtie! 
ke  le  k^rd^nie  m'eve  f| 
tjfS  y'etö  pete,  te,  te! 

5  -      i  üi'S  scetäle   vwä  me  metr^s 
[bTet/ip§;' 
i  m'  8CB  flfit;^^*)  derie  le  püetx 
k^m  T  balai,  säkerbfie! 
i  m'  8CB  flSt;^e  derie  1^  püetx 
k^m  T  balai,  le,  le!  Comme  un  balai,  lai,  lai! 

^  *       y'§  ^^  prezS  S  m^  metres  d'X  J'ai  fait  prdsent  ä  ma  maitresse  d'un 
[p9  d'  büer  frä,  [pot  de  beurre  frais, 

kH  m*S  etö  fr^t^  le  dy81  (Que)  Je  m'en  etais  frotte  la  goeule 

pSdS  trä  mwft,  säkerbfie!  Pendant  trois  mois,  sacrebleu! 
k'i  m'fi  etö  firjt^  le  dyöl 

pSdS  trä  mwäy  mwä,  mwä  I  Pendant  trois  mois,  mois,  mois ! 

CExtrait  d'nn  vienx  Cahier  de  Chansons^   roanuscrit,  sans  date, 
ayant  appartenu  ä  Ludwig  Studer,  ä  Conrtedoux.) 

*)  D  y  a  ici  une  comiption ;  on  attendrait :  kmä  %  Ifkä  comme  un 
*^uet  (cf.  strophes  pröcödentes,  et  n«  179,  str.  5). 

')  Le  patois  dit:  t  tx^ni^  du  lat:  cuniculus. 

')  L'ajoulot  a  les  deux  mots:  ktofdjäni»  et  knvwäjl^;  le  viidais  n'a 
<iucle  mot :  kfrvfji».    Ici  nous  avons  une  forme  frangaise. 

*]  Malgrö  son  extörieur  patois,  ce  mot  est  fran^ais;  le  patois  aurait 
^  ici: /Jwi.  —  Remarquer  aussi  Taltt^ration  du  sens  (cf.  n°  174,  str.  5; 
"8>  »tr.  7;  172,  str.  9;  177,  str.  7,  etc.). 


J'avais  une  belle  cravate  de  canevas 
Q,ai  me  liait  autoor  da  cou 
Avec  un  loqaet,  sacrebret, 

Aveo  un  loquet,  quet,  quet! 

J*avais  un  bei  habit  jaune  cousu  en 

[fil  blanc, 
Qu'on  eüt  dit  en  me  voyant 
£tre  un  pr^ident,  sacrebleu! 

£tre  un  prdsident,  dent,  dent! 

J^avais   des  beaux  bas  de   poil 

[de  lapin, 
Que  ma  mere  m'avait  tricotös 
Au  coin   de  notre  feu,  sacrebleu! 

Au  coin  de  notre  ieu,  feu,  feu! 

J'avais  des  beaux  souliers  de  peau  de 

[chevreau, 
Que  le  cordonnier  m'avait  faits 
Quand  j'^tais  petit,  sacrebleu! 

Quand  j'etais  petit,  ti,  ti! 

Je  m'en  suis  all6  voir  ma  maitresse 

[bien  equipe: 
Je  me  suis  flanqu6  derriere  la  porte 
Comme  un  balai,  sacrebleu! 


246  Chants  patois  jurassiens 

176. 

Mdme  Bujet. 

(Patois  de  Tramelan-dessous) 

1.  y'^vö  (ß  be  txäpe  kärä,  pwSttt,      J'avaisQnbeaachapeaucarrd^po 
kd  m^  k^tfv  kärSt-sS  sü,  Qui  mB  coQtait  qaarante-cinq  a 

k9zi  S  et/ü,  Presque  an  ^q. 

79P  säpardi,  ygp  8ap9rd|!  Yop  saperdi,  yop  saperda! 

2.  y^evö    S   be    k^rsä    dd   pe   do     J'avais  an  beau  gilet   de  pea 

[txä,  fehl 

ko  roa  k^t^v  tg  r5  döz  etj^tt         Qni  me  eoütait  tont  rond  douze 
y9P,  ete. 

3.  i   m'S    all   txi   mä   metres   tg      Je  m'en  allai  chez  ma  maitresse 

[b6  et/ipj,  [bien  6qai] 

el  roo  mi  dorir  1^  pö^t  Elle  me  mit  derriere  la  portc 

k§m  S  &a^t^  Comme  an  balai. 
yöp,  etc.              ^ 

^^me  Droz,  n6e  en  1825,  Tramelan-dessous.) 

176  bis.  Yoici  une  autre  Version  en  patois  de  Tramelan, 
M.  H.  Monnier,  horloger  k  Sonvillier,  a  commaniqaöe  k  1^ 
prof.  Tappolet,  qui  a  bien  vonlu  me  TenYoyer. 

1.  y'ävö  6  be  txäpe  t;färä,  pwStü 
kd  mo  kötäv9  k^röto-sS  8Ü 

presk  5  et/ü 
h^p  säpdrdid,  presk  S  et;^ü. 

2.  y'ävö  en  bäla  perütjfa  d'pwä  d'pursö 
k'i  peiilva  fet  ä  dämwSne  (dimanche) 

tq  km^  S  rözo  (roseaa)') 
Etc. 

3.  y'ävö  u  be  k^rsä  (gilet)  da  pe  da  txä 

ka  ma  djSje  (joignait)  t^  1*  t^  (toar)  du  dö 
t^  km2  8  bü  d'sä  (an  bont  de  sac) 
Etc. 

4.  y'ävö  de  bäl  t;fülöt  da  fi  därg  (dore  [?]) 
ka  ma  dj5j6  t^  la  t§  de  t/obx 

t2  km^  T  x^xä  (sonfflet) 
Etc. 

5.  y'ävö  äna  bäl  vesta  djöna  küzü  d'fi  byS 
i  rs^byäva  (ressemblais)  pä  dria,  pä  dve 

fi  prezide  (prfesident) 
Etc. 


^)  Variante:  avö  6  ratö. 


Chants  patois  jurassiens 


247 


y'ävö  de  be  sülä  do  pe  d^ene  (peau  d^agaeau) 
ka  md  djSjS  t§  Tt^  du  pi9 

Etc. 

y'ä  fä  kädö  ä  mä  metrSs  d'ü  pgtiig  d'bür  frg 
k'i  m'j  ßtö  freyid  le  d^  (dents) 
tre  mwä  do  t§  (temps) 
Etc. 

i   m'5   ^li  txl  mä   metres  t^  bS   §^/ip^    (eqaip6) 
äl  ino  i^tä  ä  lä  poätd  (porte) 
to  km^  u  bäle 
Etc. 


3. 


S. 


e. 


177. 

MSme  sujet. 

(Patois  de  Tavannes) 


^'^vö  5  be  fT  txäpe  t;färä, 

[pwStti, 
ki  in9  kötä  karät-flX  8ü 
pre«k'  5  et;fti,  ö  säpardia! 
'  ä  k'y  etö  be! 

y'evö  en  b^l    vest   djön    küzü 

[d'ti'byS; 
i    reSbyö  tj  pe  dria 
T  prezidS,  etc. 

y 'evö  6  be  k^rse  da  pe  dö  txä, 
kd  md  djTj^  t^  l't^  da  dö 
t§  kjm  S  bü  d'  sß,  etc. 

y'evö    de   b§l    t;fülät    d'pe 

[da  tx5, 
k«  ma  djTjg  t^  Tt^  du  t/ü 
t§  km'  S  /üa;fä,  etc. 

y'evö  de  be  sülg  d'pe  d'äiie, 

k^  ma  djTje  tg  l't^  di  pia 
t^  km'  i  säbä,  etc. 

y'§  f|  kädö   ä  mä  metres   d'S 

'  [pö  d'  büar  frj ; 
i    m'S  etö  frwgyl  1^  iSg 
trwä  mwä  d'  tS,  etc. 


J^avais  un  beau  iiu  chapeau  carr6, 

[pointu, 
Qai  me  coutait  quarante-cinq  sous 
Presqae  un  ecn,  6  sapredieu! 
Ab !  que  j'^tais  beau ! 

J'avais  une  belle  veste  jaone  cousae 

[de  fil  blanc. 
Je  ressemblais  tout  par  derriere 
Un  President,  etc. 

J'avais  un  beau  gilet  de  peau  de  cbat^ 
Qui  me  joignait  tout  le  tour  du  dos 
Tout  comme  un  bout  de  sac,    etc. 

J'avais  des  belles  culottes  de  peau 

[de  cbien, 
Qui  me  joignaient  tout  le  tour  du  o. . . 
Tout  comme  un  soufflet,  etc. 

J'avais  des  beaux  souliers  de  peau 

[d'agneau, 
Qui  me  joignaient  tout  le  tour  du  pied 
Tout  comme  un  sabot,  etc. 

J'ai  fait  cadeau  ä  ma  maitresse  d'un 

[pot  de  beurre  frais ; 
Je  m'en  6tai8  frott6  la  langue 
Trois  mois  de  temps^  etc. 


§1  m'ä  fjtü  dn  Iß  pöart  Elle  m'a  f  .  .  .  .  derriere  la  porte 

t§  km'  S  bataiy  etc.  Tout  comme  un  balai,  etc. 

vH^^  Julie  B^gneliD-Möschler,  nee  en  1821,  de  Tavannes,  Tramelan.) 


i 


248 


Chants  patois^  jurassiens 


178. 
MSme  Bujet. 
(Patois  d'Argiösaot,  France) 
i  m'5  8^t-äle   vgr  m^  metres      Je  m'en  suis  all6  voir  ma  roaitressc 


tq  bT  r2t;|füpe; 
^l  n9  VI9  pe  m'i  r9t;fün9tr 
tS  i  etö  be,  säpardia ! 

2.  ä !   y'e  di :  bö  djwe,   metres, 

kmS  k'   8ül^  v|? 
el  s'ä  für§  dria  Je  pü9tx 
tu  kmS  r  balai,  säpardio ! 

3.  ä!   y'evö  T  be  txepe   kär§, 

'     "  '  [pwstn, 

ko  m9  k^te  sTkSt-ncb  bü 
presk  1  et;^U,  säpordia! 

4.  ä!  y'evö  ßn  bei  krävät  evö  de 

[pwä  byS, 
k'gl  m'i  sere  l'Stwä  di  kö 

c  c     c  • 

kmä  T  rötxö*),  säpardia! 

5.  äl  y'evö   T    be  jile   d'  pe 

[d'krgpä 
k9  m'i  sere  xü  l'extüme 

c     c  c  c 

^v^  T  kädne,  säpardia! 

6.  ä!   y'evö    T    be  djüpö    d'    be 

[träs  byä 
kd  m'i  bet^  xii  le  mole 

c    c  •  t    c 

kmS  T  ekave,  säp9rdl9! 

7.  ä!  y'evö  ^n  bei  t;fül&t  d9  be 

[dr^dye, 
k9  lü  teycer*)  m'ev^  fe 
djttk  e  m^]^,  8äp9rdi9! 

8.  ä!    y'evö    de   b^l  txös    byöv 

[^vö  de  kw5  S  byR, 
k9  me  mer   m'eve  f^  lü  swä 
ä  kwS  di  fö,  8äp9rdi9! 


Tout  bien  (r)6quipe  ; 
Elle  ne  voulait  pas  me  reconnaitrc 
Tant  j'etais  beau,  saperdien ! 

Ah !  je  lui  ai  dit :  Bonjour,  maitresse^ 
Comment  (que)  cela  va? 

Elle  s'est  fonrree  derriere  la  portc 
Tout  comme(nt)  un  baljai,   etc. 

Ab!  j'avais  an  beau  cbapeau,  etc. 


Ah!  j'avais  nne  belle  cravate  avec 

[des  pois  blancs, 
(Qa^elle)    qui   me    serrait    i'entoai 
[du  cou 
Comme  un  lien,  etc. 

Ah!  j'avais  un  beau  gilet  de  peaa 

[de  crapaud 
Qui  me  serrait  sur  l'estomac 
Avec  un  cadenas,  etc. 

Ah!   j'avais  an  bei  habit  de  beau 

[triege  blanc 
Qai  me  battait  sur  les  mollets 
Comme  un  balai,  etc. 

Ah!    j'avais  une  belle    culotte    de 

[beau  droguet 
Que  le  tailleur  m'avait  fait[e] 
Jusqu'aux  mollets,  etc. 

Ah!   j'avais   des   beaux    bas  bleua 

.    [avec  des  coins  en  blanc, 
Que  ma  mere  m'avait  faits  le  soir 
Au  coin  du  feu,  etc. 


<)  C'est  un  d(^riv6  du  niot  que  nous  retrouvons  dans  rajoulot:  riMx  ou 
rp9lx  et  dans  le  vädais:  r^^rty  du  latin  retorta  En  revanche,  rü9t9  =  verge, 
rü9t9n^  -=  battre  de  verges,  ^  rü9tn^  =  une  fouettöe  de  verges,  etc.,  »e 
rattachent  ä  Tallemand  Rute. 

2)  Le  patois  de  Del^mont  et  l'ajoulot  disent:  p9Uu. 


Chants  patois  jurassiens 


249 


9.    ä!    y'gvö    de   be   xtiye    d'pe  Ah!  j'avais  des  beaux  souliers  en 

[d'käbri,  [peau  de  cabri, 

ko  lü  kw^dj^nid  m'ev^  fö  Que  le  cordonnier  m'avait  faits 

tjfß  i  etö  pt9,  säp^rdie!  Quand  j'etais  petit,  etc. 

XO.    y*e  fe  kädö  S  m^  metres  d'T  J'ai  fait  cadeau  a  ma  maitrease  d'un 

[pS  d'bttjr  frä;  [pain  de  beurre  frais; 

i  m^S  etö  früte  le  g^l  Je  m'en  etais  frott^  la  gueule 

"             pSdS  xe  mwä,  säp^rdia !  Pendant  six  mois,  saperdien ! 

(Justine  Lhote,  nee  en  1814,  Argiesant,  France.) 


179. 
Mai  mie  Pierrette*). 
^Patois  de  Pont-de-Roido,  France) 


L-^-i  t-^-i^-i'^^ 


t        j  '-J^-^^3 


Y    m'en  feus  voiir  mai    mie   Pier  -  ret  -  te    bin  re  -  ta- 
JH       1        -ttnr— fc- 


3^-£ 


^E^ 


1f        ¥ 


i 


Eir    ne     poy  -  at    pais    me  r*coueu-gnn  -  tre   taint   y6-to 


^E£ 


^E^^ 


^^^Pp^ 


be 


cre       di   -   e!    Ell'     ne     poy  -   at    pais    me  r'coueu- 


^m 


^F?-^: 


^ 


bt^ 


ö! 


tre    taint  y  ^  -  to 

Y  m*en  feas  voar  mal  mie 
[Pierrette  bin  retapa. 

Eir  ne  poyat  pais  me  r'coueu- 
[goätre  taint  y  6to  be  sacredie 

Ell  ne  poyat  pais  me  r'coueu- 
[gn&tre  taint  y  eto  be  6! 

T  aivo     in     b6    tcbaip6    rond, 

[carra,  pontu, 
^QB  me  cota  cinquaint'nine  sos 

[presqn'  in  6cUy  sacredie! 
^ne  me  cota  cinqnaiDt'niue  sos 

[presquMn  ^n,  n! 

IT  aivo  in  be  baibit  bien  coasu 

[d*ß  biain; 
Od  airat  dit,  quaint  y  mairtcho, 

[in  priesidaint  (Sacredie-dint) 

^)  Cette  chanson  a  pani  dans 


Je  m'en  fus  voir  ma  mie  Pierrette 

[bien  retape. 
£11  e  ne  pouvait  pas  me  reconnaitre 

[tan t  j 'etais  beau,  sacredie! 
Elle  ne  pouvait  pas  me  reconnaitre 

[tant  j'etais  beau,  eh! 

J'avais    nn    beaü    chapeau    rond, 

[carre,  pointu, 
Qui  me  coütait  cinquante-nenf  sous, 

[presque  un  ecu,  sacredie! 
Qui  me  coütait  cinquante-neaf  soos, 

[presque  nn  ecu,  u! 

J'avais   un    bei    habit   bleu    cousu 

[de  fil  blanc; 
On  aurait  dit,  quand  je  marchais, 

[un  President,  etc. 

le  Diairiy    Alnianach   montbeliardais 


250 


Cbants  patois  jurassiens 


4.  Y  aivo  ne  bell'  tchemis'  biaintche 

[en  tale  ^crae 
De  fi  qu'mai  mere  aiva  fela  ä 
[quart  di  fae. 

5.  Y  aivo    ne    belle  graivatte    en 

[gros  canVas, 
Qoe  me  serra  dedo  lai  gordge 
[qa'  ment  in  loucas. 

6.  Y  aivo  in  be  gilet  gris   en  p6 

[d'tchevri, 
Qae  loa  pell'tie  aiva  doabia  en 
[drogaet  gris. 

7.  Y  aivo  ne  belle  culotte  en  cae 

[mollet 
Qae  me  gonchat  derie  les  fess's 
[qa'meDt  in  soafflet. 

8.  Y  aivo  des  b^s  soulas  neux  en 

[cue  d'gouri 
Qoe  loa  coaeadjainnie  m'aiva  fat 
[pou  in  bon  prix. 

9.  Y  li  dis:  Eh !  bondjouen  mai  mie, 

[quement  qu'  te  vais? 
Ell'  me  flanquait  derrie  lai  poütche 
[ve  loa  balai. 

10.  Y  f'ze  cadeaa  ai  Pierrett'  d'in 

[pou tat  d'bearr'  fräs 
Qu'  y  m'en  ^tos  frouta  lai  gale 
[pendaint  tras  mois. 


J'avais  ane  belle  chemise  blanoiie 

[en  tolle  6cnie 
De  fil  que  ma  mere  avait  fil6  au 

[ooin  du  feu. 

J'avais  nne  belle  oravate  en  gros 

[canevas, 
Qui  me  'serrait  (dessons  la  gorge) 

[sous  le  cou  comme  an  loqnet. 

J'avais  un  beau  gilet  gris  en  peaa 

[de  chevreauy 
Qae    le    tailleur   avait   doabl6    en 

[drogaet  gris. 

J'avais  nne  belle  culotte  en  cnir 

[vemi 
Qui  me  gonflait  derrlere  les  fesse» 

[comme  un  soafflet. 

J'avais  des  beaux  souliers  neufs  en 

[cuir  de  göret 
Que    le    cordonnier    m'avait    fait& 

[pour  un  bon  prix. 

Je  lui  dis:  Eh!  bonjour,  ma  mie^ 
[comment  que  tu  vas? 

Elle  me  flanqxia  derriere  la  porte 
[vers  le  balai. 

Je  fis  cadeau  k  Pierrette  d'un  petit 
[pot  de  beurre  frais, 

Que  je  m'en  6tais  frotti  la  gueale 
[pendant  trois  mois. 


(Communiqu^  par  M.  Ad.  Petermann,  rödacteur  du  Diairi, 
AlmaDEch  montb^liardais.) 


180. 

Meme  sujet. 

(Variante  en  patois  de  Courgenay) 


y'e  fe  prezS  S  me  metres 
d'T  be  mgxe  d'  beer  frä; 
i  m'fi  etö  fräyia   le  dl9tr 
pSdS  six  mois,  säpdrdlax! 
pSdS  8ix  moisf 


J'ai  fait  pr^aent  ä  ma  maitresse 
D'un  beau  morceau  de  beurre  frais; 
Je  m'en  etais  froltä  les  dartres 
Pendant  six  mois! 


(M.  Metthez,  instituteur,  Coargenay.) 


Chants  patois  jurassiens 


2ö 


181. 
M.  VMM  Daucoart,  curö  de  Miöcoart,  a  eu  Tobligeance  de 
m'enToyer   les    trois   atrophes  suivantes  qui,   selon  lui,  faisaient 
partie  de  la  Yadine.    Cette  contamination  d'une  des  chaiisons  par 
raotre  est  fort  interessante. 


3. 


P9  $vwä  mä  y&dTna 
i  m^elf  m^e  bT  ä; 
h  1^  fwär  da  Chindon  *) 
y'^v$  ^txot§  T  bidö. 

y'Svö  I  be  tx^[>f 
k'fte'  ß  d'pwä  d'tx9vri; 
*y'^V9  ^n  b^l  kräväta 
k'l  8'  bö/e'  df v$  T  Jjkä. 

mä  std  b^gres  sS  txäM 
et|  ^n  xläpüzd  da  käfe; 
B*  n'^te  p'  ^09  täsa, 
e  yi  f&yg  t§  py5  T  tjjfüve. 


Poar  avoir  ma  Yadine 
Je  m'etais  mont^  bien  baut; 
A  la  foire  de  Chindon 
J'avais  achete  un  bidon. 

J^avais  un  beau  chapeau 

(olui  6tait  fait  de  poil  de  chevreao; 

J*avai8  une  belle  cravate 

Qoi  86  bonclait  avec  un  loquet. 

Mais  cette  bougresse  sans  bas 

Etait  une  buveuse  de  cafe; 

Ce  n^etait  pas  une  tasse, 

11  lui  fallait   tout  plein  une  cuve. 


182. 
y*^  vädü  mg  t/üläte  J*ai  yenda  ma  culotte. 

(Patois  de  Courtedoux) 


Modtrato, 


Y'$  vi-dQ  m^   tArtt  -  lä    -    to,  mo  bon  -  net,       ^     pö  m^  ra-  gi- 
#^  -  te,  iDokw^r-8^.        i  m*ä  rd-v^txidmoptk'niadi:  ]>U  täd'sisU-p^r- 


\      I  i"  r  "  ''  FJlTTTXJI^^^ 


Äfl,   tö  pan-ia-lon    ä     vä-dn,    tavwä-li     bi  -  tp     t^      nü. 


y^    vadü  me  t;ftil&t9, 

mö  bonnet, 
?    pö  m^  ragXgjtö*) 

niJü  kw^rs^. 
*  'ä'ä  r9y^  txid  m9  öto 
^'^    m*  di:  pü  tS  d'si*  sttp^rflU, 
^^  paniaUm^)  a  vfidu, 
^    vwili  bTt$  t§  nü. 


J'ai  venda  ma  culotte 

Mon  bonnet, 
Et  pnis  ma  redingote, 

Mon  gilet. 
Je  m*en  (re)vai8  chez  mon  böte 
(olui  roe  dit :  Plus  tant  de  ce  superflu, 
Ton  pantalon  est  vendn, 
Te  Yoilä  bientut  tout  nu. 


(Madeleine  Tonnerre,  nöe  en  1829,  Courtedoux.) 

*)  Chindon,  commune  de  Reconvillier,   est  c(^16bre  par  ses  foires  aux 
"^*^am,  üü  Ton  vient  de  fort  loin. 

')  Corruption  ponr  ndigpt9 ;  c'est  le  mot  fran^ais. 
')  Ce  mot  paMUüon,  comme  plus  haut :    mon  bonnet,  est  fran^is ;   on 
^^  ^joors:  txiks  ou  ixiHät»,  et  ^p»  ou  k(Üd  pour  bonnet. 


252 


Chants  imtois  jiira^siens 


183. 
1  m'^rüyan^  ....  Je  me  fatigue 

(Patois  de  Courtedoux) 


fe-^-i^T.-r^^^^TTj^^^ 


i    m'^-rüy»)-n§,    i  m'^-kwäye-n§    txC   k'^    f^    frä    Q     pö    k*^ 


'^^^^^^^m 


i^^^^ 


g$  - 19.    i     m9   r9  -  dr^8    ä     kä  -  bä  -  r^     t$  kmä  i     pü    da  -  xü    s^ 


^fl^f-T-n^£J~^W^^^^=^M 


izjC 


b$-89.   rä    Dd    ma  pyQ  pü    k'a    1a   brü    ka  rldya  %.  -  tw^  da  iii^z  -  ä- 


J^ij  ii  J'T^f 


i^ 


js:^: 


^^ 


rwä-ya,  t^rö  s'a  kM  bridya  ä   drü  drli  drü,  d§  •  vö  mo  vär  ^  m§  b<J-twä-yo. 


i  m'erüyone,  i  m'ekwäyane 
t]((ß  k*e  ie  frä  e  pö  k*e  g^ta. 

i  ma  radres  ä  käbäre 

c  c 

t^  kmS  T  pü  daxU  se  b^sa. 

rS  na  ma  pye  pü  ka  la  brü 
ka  rldya  Stwe  da  mez-ärwaya, 
t/5  s'ä  k*i  brfdya  a  dVti,  drü,  drü, 

dgvö  m5  vär  e  me  bgtwäya. 

(Marianne  Guenin,  nee 


Je  me  fatigne,  je  me  donne  da  mal 
Quand  (qa')il  fait  frais  et  pois  qa'il 

[goutte. 
Je  me  redretse  au  cabaret 
Tout  comme    un  coq  (dessos)    snr 

[sa  bo«8e. 
Rien  ne  me  plait  plus  que  le  brait 
Qni  resonne  autour  de  mes  oreiiles 
Qnand   (cVst  que)  je   trinque  ah! 

[dm,  dru,  dm, 
Avec   mon  verre    et  ma  bouteille. 

en  1813,  ä  Courtedoux.) 


184. 
t;fe  s'ä  k'i  bwä  .  .  .  Quand  (c'est  que)  je  boia  .  . 

(Patois  de  Montsevelier) 

1.  i/<ß  s'ä  k'i  bwä,  k'i  m'emüz, 


Quand  (c'est  que)  je  bois,   que  je 

[m'amnae, 
Assis  derriere  la  table, 
On  bien  que  je  saute,  que  je  daoae. 
Je  suis  content  comme  un  diable. 
Rien  ne  me  plait  tant  que  le  brait 
Qui  resonne  autour  de  mes  oreiUea, 
t;^S  s'ä  k'i  bwä  drü,  drü,  drü,  Quand  (c'est  que)jeboi8dra,dni,dra, 
d^vö  m6  vär  e  me  b^teya.  Avec  mon  verre  et  ma  bouteille. 


siate  daria  le  täl, 

ö   bT  k'i  yüp,  k'i  dßs, 

i  scB  kölS  k^m  T  rwäbya  *). 

rS  na  ma  pye  tS  ka  la  brü 

ka  rTJya  St^r  da  mez-gr^ya, 


»)  Cf.  Arch.   17,  p.  262,  note  1. 


(■hants  patois  jurassiens 


253 


'2.  exbl  p^kwä  ma  xegrTne  V 
i  lex»  d'etr  ^de  b5  e  brgv. 
d€  mö  vär  i  n*  för  pw6  mö  ne 

t/5  e  n*  i  e  dadS  k»  d'   i'äv. 
i  m'erStd  e  i  m'  rüdn; 
da  k'i  ßOe  pjjfß  i  rgüas  *)  ; 
mS  i  ms  rdräs  ä  käbär^ 
kmS  T  pü  dxU  ne  bgs. 


Aiifisi  pourqaoi  mc  chagriner? 

Je  täche  d'etre  toujours  bon  et  brave. 

Dans  inon  verre  je  ne  fourre  point 

[inon  nez 
Q,aand  il  n'y  a  dedans  que  de  Teau. 
Je  m*6reinte   et  je  me  ruine; 
Des  qae  je  suis  plein,   je  vomis; 
Mais  je  me  redresse  au  cabaret 
Comme  an  coq  sur  sa  bosse. 


(M.  F.  Chetelat,  inatituteur,  Montsevelier.) 


185. 

T  swär  m^ayo  Id  dy^l.  Un  soir  monsieur  le  diable. 

(Patois  de  Develierj 

T  swär  m§syo  la  dyel 

v{»ye  fer  T  rape, 

B9  fi  Kervi  txii  \K\ 

I7n  grand  plat  cTavocat, 

Un  röti  de  notaire, 

Un  bouillon  d'dSHassin, 

vwäli  kmS  U  dy^l 

Ne  vit  que  de  voleurs, 

(Entendu  ä  l'auberge  de  Corban.) 


Uq  soir  monsiear  ]e  diable 
Voalait  faire  un  repas ; 
(II)  se  fit  servir  sur  table 


Voila  Cüinment  le  diable 


Lento. 


186. 
le  lü.  Les  loups. 

(Patois  dt»  Courtedoux) 


föt  -  ä  -  1^    §  kw6dj-dil  pü    I)  -  vi     o  -  n^     1$     lü;  'ya     ^ 


I 

I 

f h"  '                                       ■  P      K^      P" 

N 

s 

#                  .">       r%         1 

J >    i   t^ H- 

..W.W    .  T 

W 

_« — ^2——'- 

'0^0^ 

^    ^    ^   if   ^- 

-^ 

yü    kd    rvT    di       bö,     ka     rvi    di      ho,    ko  rvT     di     Im),      ^  -  vö     ^n 


^n    J-hd:^ 


txfSb  dd  txvä  txa  Vdö. 


h  Le  vadais   dit  plutöt  köts^  ou  rköts^,   d«»  rjilK'niand  :  kotzen.    Le 
iDot  est  employ^  dans  ta  plupart  des  patois  romandt^. 


254 


ChantB  patois  jurassiens 


1.  fötale  e  kw^djdä 
pü  qyi  öne  le  lü  '). 

'y«)  a  e  yü  ka  rvT  di  bö, 

k9  rvT  di  iö  (bis), 
evö  en  tx6b  da  txvä  txü  Tdö. 

2.  el  6  fe  esSbye  le  tpmnät§, 
k'  e  y  eve  T  txvä  krave ; 

v^  pdet  bt  krer  kmS  i  85  rit^ 
km5  i  80  rite  (bis), 

3.  v§  kweuäxT  bT  djarmS  vätia 

ka  fde  1'  deria  p^iedjia. 
el  ^t-evü  le  trip  di  t;^ü, 
le  trip  di  t/ii   (dis), 
B2  k9  nfi  n'e  vüIU. 


II  laut  aller  ä  Courtedoux 
Poar  ouir  hnrler  les  loups. 
(II)  y  en  a  un  qui  revient  du  bois, 

Qni  revient  du  bois, 
Avec  une  Jambe  de  cbeval  sur  le  dos, 
Ils  ont  fait  asserobler  la  commanaate, 
Qa'il  y  avait  un  cheval  creve ; 
Voas  pouvez  bien  croire  oommeiit 
[ils  ont  cooru. 

Vons   coiinaissiez   bien   Germain 

[Vautier 
Qui  fut  le  dernier  (partage)  servi. 
II  a  en  les  tripes  du  c  .  .  . 

Ce  qne  personne  n'a  voulu. 


(Louis  Vetter,  n6  en  1850,  Courtedoux.) 


$• 


187. 
s'ä  le  txf  txie  nö  vejT.       C'est  le  chat  chez  nos  Yoisins. 

(Patois  de  Courgenay) 
itn  rhytmd. 


^^ 


45=^ 


^. 


::15:=ts 


t^ 


^^ 


5: 


-J—z 


s'a    la    tx^  txl3     np   v§  -  ji 


kd  l'mä-tjl  txH  14     b#  -   ta! 


g^^g^^^^gj^f!?^ 


^1     ^    mö-djia    l<Jpüe-xö,    ^l     §    txla   dö  1'^  -  siJ  -  ta.    tö-da  to-da 


:t=:f 


^T 


to  -  dir  - 11  -  re,     to  -  da     to  -  da    to  -  dir  - 15. 


1.  s'ä  la  txe  txia   nö  vejY, 
ka  l'mätä  tyüe  le  beta! 
el  e  m^djia  1^  püaxö, 
el  e  txia  dS  l'esiata. 

c         c  c 

t5da,  töda,  tödirlira 
töda,  t5da,  t5dirl5. 

2.  el  e  mSdjia  I9  püax5, 
el  e  txia  de  Tesiata. 
s'i  la  taiiö  pä  ie  küa 

•      »  c        c 

i  yi  käsrö  le  teta ! 
t5da,  etc. 


C'est  le  obat  chez  nos  voisins, 
Q,ue  le  diable  (tue)  empörte  la  bete ! 
II  a  mange  le  poisson, 
II  a  ch  .  .  .  dans  Tassiette. 
Tonde,  tonde,  tondirlire 
Tonde,  tonde,  tondirlon. 


Si  je  le  tenais  par  la  quene 
Je  lui  casserais  la  tete! 
Tonde,  etc. 


(M.  Girard-Mouhat,  Courgenay.) 


*)  Les  habitants  de  Courtedoux  portent  1p  sobriquet  de:  les  loups  (If  hl^ 
2)  Elision  pour  q  y  ä  ^  yü  ~  il  y  en  a  un. 


Chants  patois  jurassiens 


255 


1. 


188. 

s'etf  1§  tx^  txi9  Vetx^tiQ. 

C'^tait  le  Chat  chez  (V)  Etienne. 

(Patois  de  Pieigne) 


s'ete  lö  txe  txia  l'etjfena 
ko  rvdfi^  d'  le  f^to, 
ko  krie  :   mifia,  miii5  ! 
r  mätS  ttt^  )g  beto! 

c        c  c 

—  djäno  roeri9,  m'Sme-v^  bT? 

—  d'fizUS'Maria,  ke  kStal 
p^kwä  vg  n'Smrö-ya  p9  bl? 
▼9  m'e  fe  t§t  sütxa  da  bT. 

D§t  txe  k'e  fe  de  djtian, 
t§  fl  py6  ^na  tx^rpen. 
88  t'etö  gvü  S  Pötä' 
td  8^re  ^Yü  le  maren. 


C'etait  ]e  chat  chez  (l')  Etienne 
Qai  revenait  de  la  fete, 
Qui  eriait :  migna,  mignon ! 
Le  diable  (tue)  empörte  !a  bete! 

—  Jeanne -Marie,  m^aimez-voos 

[bien  ? 

—  Jesns-Maria,  qnel,  conte ! 
Poorquoi  ne  vous  aimerais-je  pas  bien  ? 
Vons  m  avez  fait  toute  sorte  de  bien. 

Notre  chat  qni  a  fait  des  jennes, 
Tout  fin  plein  un  panier  ä  bois. 
Si  tu  avais  et^  ä  la  maison, 
Tu  aurais  dt^  la  marraine. 


,Unto, 


(M™*  Broquet-Bome ,  Pieigne.) 

189. 

ö  Ten  ä  txwä  d6  T  b^rbf. 

Oh!  räne  est  tomb6  dans  un  bourbier. 

(Patois  d'Alle) 


^SB{^^3gJ 


$    r§n  a  txwä  dö     1    b^r  -  b^,   $  -  l^s!  I§  püa  -Td   b^-  ta! 


«5   ptQ  -1-^  nö     s'ä 


vwT  vwi  vwl,       ha    hä   hä! 


^^ 


:«? 


E3: 


sä. 


^  m$r,    $  -  t9-v$    müe-txa?  vwi-k^n! 


\. 


%. 


ö  l'gn  ft  txwä  d6  T  bgrbe, 
eles !  le  püard  bete ! 
•5  pte-l'|n5  8*S  vT  epre, 
ö  vwl,  vwT,  vwT,  hä,  hä,  hä! 
ö  mfr,  et9-v$  müetxo  ?  *) 
vwi  kgn! 

—  ö  nyS,  nyfi,  i  n'  sce  p'  mü9  *) 
pisko  i  djäz  Skgro. 


Oh !  l'äne  est  tonibe  dans  un  bourbier, 
Helas !   la  pauvre  bete ! 
Son  petit  änon  s'en   vient  apres, 
Oh!  vouin,  vouin,  vouin,  ha,  ha,  ha! 
Oh  !  inere,  etes-vous  morte  ? 
Voui  kene! 

—   Oh !  non,  non,  je   ne  suis  pas 
Fuisc^ue  je  parle  encore.       [mort[e] 


0  Remarquer  ces  deux  formes  milstxs  et  mü^  =  morte.    Cette  demiöre 
'^  la  forme  nuuculine.    L^änesse  r^pond  :  Je  ne  suis  pas  mort. 


25r, 


Cbants  patois  jurassiens 


ö  vwT,  vVT,  vwT,  hä,  hä,   hä 
ö  Dyfi,  i  n'  ßoe  p'  mü9 
vwi  kgn ! 

mö  pt^-l-gnö,  s'tA  m'  vö  krgr 
e  t'  föt-älf  t;fri  rnjter. 
t;f5  l'njt^r  ä  ^rive 
ö  vwT,  vwT,  vwT,  hä,  hä,  hä ! 
d§vö  85  ^kritüre ') 
vwi  k§n! 

ekrive,  inSsyB  l'ngtgr, 
ikriv§  8Q  k'i  vö  dikto. 
i  b^ye  &  m5  pte  -lenö 
ö  vwT,  vwT,  vwT,  hä,  hä,  hä ! 
m^  küd  e  mez-äräya, 
vwi  ken  ! 


Oh!    non,  je  ne  suis  pas  mort 

MoD  petit  anon,  si  tu  me  veux  cfo 
II  te  faut  aller  chercher  le  nota 
Qnand  le  notaire   est  arriv6 

Avec  Bon  ^critoire. 

Ecrivez,  monsiQur  le  notaire, 
Ecrivez  ce  que'je  vous  dicte. 
Je  doone  a  mon  petit  anon 

Ma  qaeue  et  mes  oreilles. 


S  se  m5sy6  ka  s5  prezS  A  ces  messieurs  qui  sont  pres« 

ö  vwT,  vwT,  vwT,  hä,  hä,  hä  ! 

le  ptxü  di  t;^ü  p§  bwär  Le  troa  du  c  .  .  .  ponr  boire ! 

vwi  ken ! 

(Pierre  Caillet,  ne  en  1827,  Alle.) 


190. 
Yoici   mainteoant  la   Version,   bien   plus  compl^te,   de 
Bi^trix  (Op.  CiL,  p.  35—37): 

Le  Teichtäment  de  Tainasse. 
Le   Testament   de    Tänesse. 


Mai  mere  ut  tchoit  dains  in 

[borbet 
H^lais!  lai  pouere  b6te! 
Son  ptet  ainon  s'en  vait  de- 

[geain*): 
HSlais !  hi,   hi,  helais  hi  hau ! 
Mai  mere  etes-vous  mouetche 
Hi  haine ! 


Ma  mere  est  tombee  dans  un  bo 

[biei 
H61as!  la  pauvre  bete! 
Son  petit  änon  s'en  va  disant : 

Helas!  hi,  hi,  helas.  hi  hau! 
Ma  mere  etes-vous  morte? 
Hi  haine! 


*)  Le  latin  -oria  =  -ür»:  m^txär^  (mächoire) ;  qtx^mür?  (öcumoii 
txiilr^  (latrines) ;  h^xnürd  (bassinoire) ;  txdsürd  (litt,  ^chassoire",  ficelle 
bout  d'un  fouet). 

2j  Cette  forme  d^ji  du  participe  präsent,  n'est  pas  habituelle;  oi 
plutöt  dyf.  (Cf.  Arch.  VII,  n"  167,  str.  5.)  Y  a-t-il  peut-etre  une  influei 
du  fran^ais  disant?  Le  präsent  indicatif  est:  i  di,  t9  di,  (dt,  nfdyä,vfdi 
?  dyä. 


ChaDts  patois  jurassiens 


257 


—  0  non,  non,  non,  mon  ptet 

[ainon, 
Fat  allai   tyery  l'notalre. 
Tyaind    lo  notaire  feut  airrive 
HSlais !  hi,  hi,  h^lais  hi  han ! 
Aivö  8on  ^cretoire  *) 
Hi  hihaine! 


3. 


4. 


€>. 


—  Oh !  non,  non,  non,  mon  petit 

[änon, 
[II]  faut  aller  querir  le  notaire. 
Quand  le  notaire  fot  arrive 

Avec  8on  6critoire. 


—  £crivaiz  et  r^crivaiz  .  —  Ecrivez  et  r^crivez 

(^o  qne  mai  m^re  vos  dicte.         Ce  qne  ma  mere  voas  dicte. 

—  Hü  i  te  baye  mon  pt6t  ainon,  —  Ho  !  je  te  donne,  mon  petit  änon, 
HMais!   hi,  hi,  h^lais  hi  han! 

Mai  t^te  et  mes  arayes  Ma  tete  et  mes  oreilles. 

Hi  hihaine! 


Y  baiye  ai  monsieu  lo  tyurie 
Mai  qaone  po  einne  aspergesse.  ^) 

Y  baiye  ai  monsien  lo  shiaivie  *) 
Heiais!  hi,  hi,  hälais  hi  han! 
Po  y^t  mai  driere  Uce. 

Hi  hihaine ! 

Y  baiye  ai  monsieu  lo  notaire 
£n  dyige  d'hennoraire 

0  y  y'y  baiye  mes  sabbats, 
Heiais!  hi,  hi,   h^lais  hi  han! 
Po  yi  servy  de  goblats 
Hi  hihaine! 

0  y  yi  baiye  mes  sabbats 
Po  yi  servi  de  goblats. 
Ai  ces  Messieurs  que  m'6coutant 
Heiais!    hi,  hi,  helais  hi  han! 
Totes  les  vertus  de  Taine 
Hi  hihaine! 


Je  donne  k  monsieur  le  eure 

Ma  qaeue  pour  aspersoir. 

Je  donne  ä  monsieur  le  saoristain 

Pour  lit  ma  derniere  litiere. 


Je  donne  a  monsieur  le  notaire 

£n  guise  d'honoraires, 

Oh !  je  lui  donne  mes  sabots 

Pour  lui  servir  de  gobelets. 


Oh !  je  lui  donne  mes  sabots 
Pour  Ini  servir  de  gobelets. 
A  ces  Messieurs  qui  m'ecoutent 


Toutes  les  vertus  de  Täne ! 


Et  M.  Bi^trix  ajoate: 

cToujours  rhiatoire  de  Vaittraipe  ä  boutf 


M  Nous  avons  ici  le  mut  fran^ais  (Cf.  n**  189,  str.  3). 
^)  C'est  la  premK^re  et  unique  fois  que  jo  rencontre  ce  niot,   <|ue  M. 
*^taix  ne  donne  meme  pas  dan»  son  Diciionnaire  patois-ajoulot  (Manuscrit 

')  Le  xicl9  (Ajoie),  xivl9  (Delemont)    est   proproment  cehü  qui    a  la 
le  r^glise,  le  clavier;  lat.  clave  —  if  et  x^.  —  M.  Biötrix,  dans  son 


«Vef 


V 


'^^^ionnaire  peUois-ajotdot,  donne  au  mot  shiaivie  (i^vU)  le  sens  de :  clavier, 
^^*^e-clef;  Guelat  donne  aussi  au  mot  x^vu  (xqv}9)  le  sens  de :  clavier, 
''^^^gmller. 

17 


258  Chants  patois  jurassiens 

«Nons  pourrions  relater  bien  d'autres  pi^ces  de  meme  geore ; 
mais  nous  pensons  qu'en  voilä  d^jä  bien  assez  pour  donner  une 
idee  süffisante  des  malices  que  se  permettaient  nos  vieux  Ajoulots. 

«On  chantait  cela  —  les  jeunes  gens,  cela  va  sans  dire  — 
ä  gorge  deploy^e,  sur  champs  et  pr^s,  aa  temps  des  moissons 
et  des  fenaisons.  Une  vieille  tante,  morte  il  y  a  une  vingtaine 
d'ann^es,  ä  Tage  de  88  ans,  nous  racontait  que  lorsque  les  chan- 
tears  arrivaient  au  dernier  couplet,  les  jeunes  fiUes  se  bouchaient 
les  oreilles  en  criant  de  toute  leur  force  :  he,  h^,  h6,  h6 !  pour 
ne  pas  m^riter  leur  part  du  cadeau.  On  voit  que  la  malice 
n'excluait  ni  la  bonhomie,  ni  la  gati6.» 


Tout  enfant,  je  me  rappelle  avoir  chante,  ä  Lausanne,  le 
premier  couplet  d'une  chanson  analogue,  dont  malheureusement 
je  n^ai  jamais  connu  la  suite;  la  voici  teile  que  ma  mere  me 
Ta  apprise: 

Moderalo. 


i 


* 


qtfcifc 


^ 


f^— h — |V 


LTine    est    tom  -  bö    dans    le    bour-bier,    Et     ron  -  ii  -  fi     et 
^       Plus  vif. 


f-jY]^Tj]±.t.L-iv-^8^E^ 


ron  -  fa  -  fji.  La  paii-vre   bete  estmor-te,     bi  -  ha,    bi  -  ha,    hi- 


ha!      La   pau-vre  bete  est  inor-te,      hi  -  ha,    hi  -  ha,    hi  -  ha! 


191. 
1^  txiovr  ez-ädyäs.  La  chfevre  aux  audiences. 

(Patois  de  Porrentruy) 
Vif  et  gai. 


p^-f-i^J^h^^ 


^^^ 


^^ 


t=*r 


n^z  -  §  -  vT        §n    nwär  txiovr,  l'ä  byä-txa       mi  -  ta  -  nS.     §1 


T-T-r^W^^^^^^-^^^^E^ 


s'ät-ä-l^   f ^  -  r§        ä     tA'&- txi  d^  iiö   djä.    vw^-tl9    I§,  vwä-li     1^ 


[_j:  ji  j'  n^^äi 


txiavr  d'i  grä-  1-ä  -  tä  -  do  -  mä. 


Cliants  patois  jurassieus 


259 


J..    n^z-evT  eo  nwär  txiavr, 
l'ä  byStx9  mitanS. 
el  s'ät-äl^  f^re 
ä  t^jfdetxi  da  nö  djS. 
vweti8-le,  vwäli  IS  txwvr 
dt  grä-l-StädamS. 

"2.    el  s'ät-äle  fore 

ä  tj^oetxi  dd  nö  dja. 
el  i  e  mSdjia  T  txö 
kd  viye  sT  sS  fra. 

3.  el  i  e  mSdjid  T  txö 
ko  väye  sT  sS  frS; 

el  i  e  mSdjia  en  larbäta 
k'5  väye  dü9  fwa  te. 
fite. 

4.  el  i  e  mSdiia   en  larbät 
k'ä  väye  dü9  fwä  tS. 
el  ät-SvU  Site 

c  c 

pe  dv5  1^  yüdtnS. 
Etc. 

5-         ^1  ät-evü  Site 

pe  dvS  1§  yü9tn6. 
i][^  ^1  fce  ez-ädySs, 
s'ä  ^ate  xU  X  bS. 
Etc. 

tjfg  el  foe  ez-ädySs, 
s'ä  8ldt§  xü  T  bS. 
el  e  f|  T  pa  po  1^  djtidja, 
du  p2  1§  ytiatnS. 
Etc. 

^1  e  fe  T  pä  P9  1^  djüdja 
iü  p§  1§  yüatnß. 
Sl§  fe  T  pnäO  d^gegel^) 
jpj  mösyö  1^  serdjS. 
Etc. 

•  ^i  ?  ^g  Y  pnä  d'gegel 

"J^  mSsyÖ  lg  serdje. 


Noos  avions  une  noire  chevre, 
Elle  est  blanche  maintenant. 
Elle  s'est  allee  fourrer 
An  jardin  de  «nos  gens». 
Voyez-la,  voilä  la  chevre 
D'un  grand  entendement. 


Elle  y  a  mange  iin  chou 
Qui  valait  cinq  Cents  francs. 


Elle  y  a  mange  une  herbette 
Qui  en  valait  deux  fois  [au] tan t. 


Elle  a  ete  citee 

Par  devant  le  lieutenant. 


Quand  eile  fut  aux  audiences, 
[Elle]  s'est  assise  sur  un  banc. 


Elle  a  fait  un  pet  poar  le  juge, 
Deux  pour  le  lieutenant. 


Elle  a  fait  un  boisseau  de  crottes 
Pour  monsieur  le  sergent. 


')  Le  pnät  le  penal^  est  une  ancienne  niesure,  un  boisseau.  Dans 
Ytv%i^*]j^  de  Bale,  le  pnd  di  prh  (boisseau  du  prince-evOiiuei  ctait  pluw 
grt^^  que  celui  de  Berne. 

*)  Les  gigfl  sont  les  excrements,  les  crottes  dt»  chevre  ou  de  mouton. 
Ce^t  le  Bobriquet  des  gens  de  Courtetelle. 


260 


Chants  patois  jarassiens 


el  e  f9r§  sS  eküan*) 
ä  t/ü  d9  TekrivS. 
Etc.  ' 

el  ^  fgre  85  ekü9n 
ä  t/ü  da  l'ökrivß. 
fi  rtriS  85  eküon 
remwäne   da  l'5gS. 
fetc. 


Elle  a  foorr^  sa  corne 

Au  cul  (de  l'6crivain)  du  greffier. 


En  retirant  8a  corne 

Elle  a  ramen^  de  Tonguent. 


C'est  pour  frotter  les  levres 
A  oeux  qui  m^icoutent. 


10.    S  rtirS  85  eküQn 
remwäne  da  TSgS. 
s'ä  p2  fräyia  le  levr 
^  86  ka  m^ekutS. 
Etc." 

(M™«  X.,  Porrentruy.) 

M.  A.  Bi6trix  (Chansons  patoises,  p.  29—32)  donne  nos 
Btrophes  1,  3,  5,  6,  7,  8,  9,  10,  sans  variantos.  II  les  accom* 
pagne  de  commentaires  dont  noas  extrayons  ce  qui  sait : 

«Cette  sottie,  que  nous  nous  garderons  bien  de  traduir^ 
textuellement  en  frangais,  et  pour  cause,  est  depuis  le  premier 
au  dernier  mot  empreinte  d'une  malice  extreme. 

«C'est  rhistoire  d'un  gendre  qui  paratt  n'avoir  pas  vecu  ei^ 
trfes  bonne  intelligence  avec  nos  dgens,  seit  le  p^re  et  la  m^r^s 

de  sa  femme.    Sa  ch^yre  ayant  fait  une  escapade  dans  le  jardia 

ils  lui  firent  des  mis^res  k  ce  sujet.  La  mani^re  d'ävalaer  L  ^ 
dommage  cause  indique  d6jä,  par  son  exag^ration,  le  prix  re^^ 
qu'il  y  attachait.  II  laisse  le  sein  k  sa  bete  elle-mSme  de  p^«^ 
der  sa  cause,  et  Ton  vient  de  voir  de  quelle  fagon  änergiqL:=:s 
eile  s'en  acquitte.  Cette  ch^vre  de  grand  entendement  •^■— 
parait  pas  avoir  etä  desayouSe  par  son  mattre,  qui  aurait  jg^j 
toutefois  nous  dispenser  de  Vonguent^  nous  qui  ne  fdmes  po  ^k. 
rien  dans  cette  affaire. 

«On  doit  neanmoins  conyenir  que  Tauteur  n'etait  pas  plwLz 
bete  que  sa  ch^yre.  C'est  bien  \k  Tesprit  caustique  et  malin  (Z  i 
yieil  Ajoulot.» 

192. 
MSme  sujet. 

(Patois  de  Courgenay) 
GaiemetU. 


i 


^ 


HF 


^ 


*=ti= 


8    y'^  ■  v^t   -    §  -  na     txio  -  vro     k'^l    ^    mfi  -  djTo   1$  txp, 

')  L'  «  prosth^tiqae  ne  se  trotive  d'habitude  pas  au  singulier.  Od  dit 
sf  kü»n  (Ajoie),  s^  k^»n  (Delemont)  =  sa  corne;  mais  s^^-fitfiM  (?i^ii> 
(Cf.  n»  192,  Str.  6  et  193,  str.  3). 


Chants  patois  jurassiens 


261 


Vnn>  [t=^^^:ru:l 


^ 


tzö     di     pr^  -  zi  -  d£. 


Ql     $     dTä  -  Ol  -   da  -  mä,   mQ 


^T-ZfÜJ-U 


i 


3Ss: 


=tf=t: 


txidvr,  ^1     ^    dM'ä  -  tä 


da 


2. 


G. 


.   ^  y'  evet-eii  txidvra, 
k'gl  e  m8dji9  le  txö, 
le  txö  di  pr^zidS. 
el  e  d'  rStSdomS,   me  txidvr, 
^l  l  d'  l'StSdomS. 

c        c 

Jd  prezidS  le  fez^  f  sit^ 

pe  dvS  tu  se  grö  di  tribunaL 

^1  rdtrfis^  8^  küd 
e  89  BidtS  xü  T  bS. 

Id  pr^zidS  le  köd&ne 
^  k^tr9-vS-dloj-&. 

t][9  me  txi9vr  ^ye  s^li 
el  SHtoe  8^  kü9n  ä  tyü  di 

[pr^zidS. 

tjjrS  ^l  r9tir^  8^  kü9n, 
el  ramwäne  d9  l'5gS. 
s'ft  P2  Sgrfxi9  16  dfi 
d9  ttt  8e  kd  m'g'kütS. 


mä. 
II 


y  avait  une  chevre, 
(Qa'elle)  qni  a  mange   les  choux, 
Les  choux  du  prteident. 
Elle  a  de  l'entendement,  ma  chevre, 
Elle  a  de  Tentendement. 

Le  President  la  fit  (k)  citer 

Par  devant  tous  ces  gros  du  tribunal. 

Elle  retrouBsa  sa  queue 
Et  s'assit  sur  un  banc. 

Le  pr^ident  la  condamna 
A  quatre-vingt-dix  ans. 

Quand  ma  chevre  entendit  cela, 
Elle  enfon^a  sa  corne  au  cul  du 
[prösident. 

Quand  eile  retira  sa  corne, 
Elle  ramena  de  Tonguent. 
C'est  pour  engraisser  les  dents 
De  tous  ceux  qui  m'ecoutent. 

(M.  Metthez,  institateur,  CourgeDay.) 


193. 

M6me  sujet. 

(Patois  de  Develier) 


f  y'  8v€  en  fWfi  en  txi9vr 
k'«v§'d^  l^atadms' 
|f  S'd'  l'StÄdamS,  mg   txl9vr, 
|1  l  d'  rstSdomS. 

i  ft  ^ytt  djttdji9 
Vi  Sr§  1§  kü9  k9p§. 
'  '    Etc. 

i  §  pitj|f§  8fc-ek!5an 
ft  tjütt  di  prezidS; 
fite:' 

ramw&o^  d9  l'5gS 
p$r  tg  Idz-^kütS. 
Etc. 


II  y  avait  une  fois  une  chevre 
Qui  avait  de  Tentendement. 
Elle  a  de  l'entendement,  ma  chevre, 
Elle  a  de  l'entendement. 

Elle  a  Qte  jugöe 

Qu'elle  aurait  la  queue  coupee. 

Elle  a  pique  ses  comes 
Au  cul  du  President. 

[Elle]  ramena  de  Tonguent 
Pour  tous  les  ecoutants. 


262 


Chants  patois  jurassiens 


5.    en  pwän§  do  gegel 
P9  peyl9  le  serdjS. 
Etc. 


Une  poign^e  de  orottes 
Pour  payer  Jes  sergcnts. 


(Jean-Baptiste  Joray,  ne  en  1807,  Develier.) 


On  me  permettra  de  citer  enfin  la  version  donnäe  dans 
VAlmanach  des  Bonnes  gens  du  Pays  de  Montbdiard  (ann6e 
1895)  sous  le  titre  de: 

194. 
Lai  Tchievre  de  Bertrand. 
(Vieille  chanson  du  pays  de  Montbeliard) 
AlUgretto  gaiement. 


Utzrt: 


atzi^— L.JL 


EP   e  -  taie   t'i  -  ne   tchie-vre,     lai     tchie-vre  d'tchie  Ser- 
ben marcato. 


3E2E 


^ 


^ 


iW4^'^^ 


3^ 


-:i"-3r 


trand,    tire  lire  tire,  tire  lire  tan.    Qu'ai-vaie  main-dgie    in     tchö 
marctUo. 


que 


*^s 


i-  i''  J  r  j'U 


va-yaie  bin  cent  fraocs,  tire  lire  tire,  tire  lire  tan.    •    Elle  ait   d'len-ten. 


1 


^ 


s 


i 


d'len-ten,   niai  tchievre,  eil'  ait  d'len  -  ten  -  de  -  ment. 


El'  etaie  t'  ine  tchievre, 
Lai  tchievre  tchie  Bertrand, 
Tire  lire  tire,  tire  lire  tan 
Q,a'  aivaie  maindgie  in  tcho 
Que  vayaie  bin  cent  francs. 
Tire  lire  tire,  tire  lire  tan. 

Refrain 
Elle  ait  d'  Tentend,  d'  l'entend, 

[mai  tchievre, 
Elle  ait  d'  l'entendement. 

Q,u'  aivaie  maindgie  in  tcho 
Que  vayaie  bin  cent  francs, 
Tire  lire,   etc. 
Elle  fea-t-aissignie 
Dvaint  V  Juge  di  President 
Tire  lire,  etc. 


II  6tait  une  chevre, 

La  chevre  ohez  Bertrand 

Qni  avait  mange  nn  chon 
Uni  valait  bien  cent  francs. 


Elle  a  de  l'entend',  ma  ch^vre^ 
Elle  a  de  l'entendement. 


Elle  fnt  assignte 

Devant  le  juge  dn  President. 


ChantB  patois  jurassiens 


26a 


3.  Elle  fen-t-aissignie 
Dvaint  TJuge  di  President, 
Tire  lire,  etc. 

Elle  drossait  sal  quouetotte 
Et  s'  ch^tit  ohu  loa  bano. 
Etc. 

4.  Elle  drossait  sai  qaouetotte 
Et  s'  ohetit  chu  loa  banc, 
Tire  lire,  etc. 

Eir  fesit  des  diaidielles 
Poa  payie  les  sordgents. 
Etc. 

5.  Eir  fesit  des  diaidielles 
Pou  payie  les  sordgents, 
Tire  lire,  etc. 

Eir  piantit  ses  6coaones 
A  tia  di  President. 
Etc. 

6.  EU'  piantit  ses  eooaunes 
A  tin  di  President, 
Tire  lire,  etc. 

En  tirant  ses  ^couones 
Eir  raimenit  d'  l'ongaent. 
Etc. 

7.  En  tirant  ses  ecoaones 
Ell  raimenit  d'  l'ongaent, 
Tire  lire,  etc. 

(-'ä  poa  firoattai  les  lävres 
D'gä  qae  n'  sant   p6  Contents. 
Etc. 


Elle  dressa  sa  (petite)  qaeue 
Et  s'assit  sur  le  banc. 


Elle  fit  des  crottes 
Pour  payer  les  sergents. 


Elle  planta  ses  cornes 
An  cul  du  President. 


En  tirant  ses  cornes 
Elle  ramena  de  l'ongaent. 


C'est  pour  frotter  les  It'vres 

De  ceux  qui  ne  sont  pas  contents. 


Et  VAlvmnach  ajoute:  «Cette  chanson  faite  pour  narguer 
la  justice,  si  dure  aax  pauvres  gens  d'autrefois,  doit  etre  tr^s 
ancienne  et  originaire  de  notre  pays.» 


Modirato. 


195. 

Y  f  8ät§  gn  txievr  5  ii§t  t/tntxi. 

II  a  8aut6  ane  chevre  en  notre  jardin. 

(Patois  de  Courtedoux) 


\^*i  j'i:  '-L  j'r^pTTfg^^^^^^ 


y  ^  sa-t^  §n  txievr    a     n^t    t.r*  -  txi,    y§,      sa-tQ  §n  txiovr   ä 


264 


Chants  patois  jurassiens 


/^  j-  j-  ,1  j'  j-  jlM-1  r  j  n^-i-i-J: 


n^t  t;tr<)&-txi,    k'§   m^djia   s^-l^dje    §    p§r-xi.  dyidya,  bwär-djiar,  ö 


rrrrr^?^=g^rr77^ 


1^     1^     1?,  dyfdye,  bwär-dj9r,   1$  tä    s^ä    v^! 

1.  y  ^  8&t§   en  txidvr  S  ngt  [II]  (y)  a  saate  nne  ohevre  en  notre 

[tjjfcBtxi  (bis)  pardiiiy 

k'e  inSdjT9  sel^djo  ^)  ^  perxi.  Qai  a  mangä  salade  et  persil. 

dyXdya,  bwärdjiar,  ö  le,  ]|,  le !  Joae  da  violon,  bergire,  o  la  la  la! 

dyXdya,  bwärdjiar,  lg  tS  s'S  v^!  Jone  da  violon,  bergere,  le  temps 

[s'en  va! 

2.  kSper  lg  lü  l'&le  tr§vg  (bis)  Compire  le  loap  Talla  trouver. 
—  k^mer  le  txlQvr,  Sbr^sl9-md.  —  Comm^re  la  chevre,  embrassez- 

dyTdya,  etc.  [moi. 

3.  —  köpgr  lg  lü,  i  n'özarö;  (bis)  —  Compere  le  loap,  je  n^oserais; 
s'ä  lg  bwetxä')  k'ä  m5  emi.  C'est  le  boac  qai  est  mon  ami. 

dyXdya,  etc. 

4.  y  S  §t-evü  trä  be  txavri,  (bis)  J'en  ai  ea  trois  beaax  chevreaiix, 
yiin-ä  mw&n,  Tätr  ä  b^yi.  L*an  aa  moine,  Taatre  aa  bailli. 

dyTdyo,  etc. 

5.  Tätr  ä  k^pusT  e  föyi  (bis)  L^aatre  aa  capacin  ä  Fahy. 

dyldy»,  etc. 
^Keiie  Studer,  de  ConrtedouX;  ä  la  eure  de  Bressaucourt.) 


J'ai  retrouvS  cette  chanson  k  Courtedoux  mSme;  les  trois 
Premiers  couplets  sont  semblables ;  Yoioi  les  variantes  des  quatri^me 
et  cinqui^me. 


4.    y  5  gt-^vti  trä  b^  txavri ; 
y  S  e  b^yiö  un-ä  b^yi. 
dyTdyo,  etc. 

5.    ^i^pö  l'ätr  ä  t/ürlo  d'  fgyi, 
i  pö  l'ätr  ä  rwä  e  peri. 
dyTdy»,  etc. 


J'en  ai  ea  trois  beaox  cheyreaox; 
J'en  ai  donn^  an  aa  bailli. 

Et  pais  l'aatre  aa  oarä  de  .Fahy, 
Et  pais  l'aatre  aa  roi  k  Paris. 


(Marianne  Guenin,  n^e  en  1813,  Courtedoux.) 


^)  C'est  le  mot  ajoulot  pour  salade.    DeI^.mont  dit :  d'lf  ßäläd». 
>)  Le  mot  ordinaire  est  bfk  —  bouc.    Remarquer  la  formation  jrr^gu- 
liere  du  diminiitif :  bwitxä. 


Chants  patois  jurassiens  265 

196. 

$  Yoz-ä  bT  ^jia  ...  II  yous  est  bien  ais^  .  .  . 

(Patois  de  Fahy) 

I  vöz  ä  bX  ejidy  m^  mer,  II  voas  est  bien  aisä,  ma  mere, 

e  vöz  ä  bT  ^jia  d^  djäz§.  11  vous  est  bien  aise  de  parier, 

vg  kütxTd  d^vö  m6  per,  Vous  couchez  aveo  mon  pere, 

vj  djäze  tS  k'  vg  vjyg  Vous  jasez   tant   que  voas  voulez. 

e  yüp  säsä!  m^  püor  vej9,  Et  youp  sasal   ma  pauvre  yieille, 
detx&sio  Yö  sabä!  Dechaossez  vos  sabots! 

(Emile  Daumont,  n6  en  1864,  Fahy.) 

197. 

T  djwe  ke  nö  bf  rbi .  .  .  ün  jour  que  nos  brebis  . . . 

(Patois  de  Courgenay) 

2.    T  djw^  ko  nö  b^rbi  Un  jour  que  nos  brebis 

ftT  ttt  e  l'ötä,  Etaient  tout[e8]  ä  la  maison, 

nöz-S  dfxikdten  ^n  Nous  en  d^chiqaetames  nne 

Stro  n^  U  Oargantua.  Entre  noas  les  Gargan tna. 

2.  t/S  s'a  k'  me  mer  la  seve,  Quand  (c'est  qne)  ma  mere  le  sat, 

^1  mo  füdt^:  Elle  me  foaetta: 

XJfi  s'ä  k'  m5  per  l'e  sevü,  Quand  (c'est  que)  mon  pere  l'a  su, 

^  m'S  g  fgtti!     '       '^     '  II  ni»en  a  f .  .  .! 

(M.  Metthez,  instituteur,  Courgenay.) 

198. 

mo  pfr  ^  m^  mer  .  .  .  Mod  pere  et  ma  m^re. 

(Patois  de  Fahy) 

mS  per  e  me  mfr  Mon  pere  et  ma  mere 

t;^  ii'e  d'^yT  ptt  d'  pS,  Quand  ils  n'avaient  plus  de  pain, 

ä  s'  pTsT  If  t/dex  IIa  se  pingaient  les  cuisses 

ptt  8*pe6§  1§  ä.  Pour  se  passer  la  faim. 

(AmM^e  Etienne,  ne  en  1845,  de  Fahy,  ä  Courtemaiche.) 

199. 

y'§  $n  b^tät .  .  .  J'ai  une  petite  bete  .  .  . 

(Patois  de  Courgenay) 

y'l  en  b§tät  dS  me  t/lilat; 
tjfS  i\  düo,  i  1^  revwäyd, 
i  le  prS,  i  1^  rv»r9, 
^1  m9  fö  kräv^  do  rlra. 


266 


diants  patois  jurassiens 


200. 
t/5  s'ä  k'i  etö  djüenä.  .  .  Quand  j'^tais  jeunet 

(Patois  de  Courgenay) 


Gai, 


|t.t<?  s'ä   k'i     #   -    tö  djüo  -  näj     i      pi  -  xö  ütr       1#    mü  -  rä ; 


^^ 


JJ.J!  j!  ,1 1  jT^^jfrxTfl 


m6  mit-n?    k'i    8(fe    v^-yä,    i     pix    do  -  xü    m§    sä-bä. 

1.  t/^  s'ä  k'i  etö  djüanä, 
i  pixü  ütr  le  inUrä; 
m6  initnS  k'i  sOe  veya, 
i  pix  ddxü  lue  säba. 

2.  t;^e  s'ä  k'i  eto  djüanä, 
niö  /öträ  ^)  et^  rwädä  ^) ; 
me  mitnS  k'i  soe  veyä 
e  ii'  fe  pü  ka  b  korbä. 

201. 

Meme  sujet. 
I  Patois  de  Trainelan-dessus) 

t/e  y'etö  djün, 

i  pixT  ämä  ^)  le  pwär^  *) ; 

mitnS  k'i  sii  veye, 

i  pixe  xü  me  sabo. 

(Benedict  Rössel,  aux  Iteussilles.) 


202. 

f  in'ä  svT  k'y  eto  djüenäte  .  .  . 

II  m'en  souvient  que  j'etais  jeunette 

(Patois  de  Delemout) 


^::mmj^rT\jjYm^ 


§    m*ä  Hvi    k'y$-tö  djüa-natd,    k'i    pra-tö    mS     lüs-tü-krü. 


)!=g= 


^^^^^^^m 


i>*     ^     JL 


ine    mit-n(^    k'i    s(i?   v^-yÄta,  dfia  sq   bni!  fiB  n'ä    vdfe  pü. 


*/  sifflet;     *)  roide,  raide;     ^)  en  haut;    ♦)  paroi. 


Chants  patois  jurassiens 


267 


i  m'S  8vT  k'y  etö  djtianäta 
k'i  prätö  mö  lüstükrü. 
mS  mitnS  k'i  soe  veyäta 
dü9  8e  bni!   nu  n'ä  vcb  pü. 

(Joseph  Rais,  fossoyeur,  Del^mont.) 


203. 

mo  per  ^  m^.  mer  .  .  .  Mon  p^re  et  ma  mfere  . 

(Patois  de  Boufol) 


^^^ 


#rt  c  I"  r 


mo  p^r  Q  mQ  m#r  sa    b^  -  tl    txiX  nü,  Tsüa-  tä    da    md  p#r   $- 


^ 


i: 


tr^p   m^    m^r     ä     t.rti. 


m5  per  e  nie  mer 
89  betT  t^VL  nü, 
1'  süatä  ^)  d9  m5  per 
etrep  me  mer  ä  t)r\l. 

(M.  Chevrolet,  n6  en  1865,  Bonfol.) 


204. 
i  vöröjirav^rö... 
Je   Youdrais,  je   revoudrais 
(Patois  de  Del^mont) 


^^g 


:lS=t 


:t 


i     v$  -  r?,     i       r»  -  vjj  -  rö      ka    tö    d§    fopx     S     in§  röa, 
*i      s      .  T r^ t-i = ^^^ 


F??=mr^-q:^=c=F^^^'^ 


i    b^yo-rö    bi    sät  •  ö  -  t^ü  ko    to    n^   fa»x    H    mo  trü. 

i  vgrö,  i  r9vorö 

k9  t5  ne  fcex  5  me  rö9,  *) 

i  bey9rö  bT  sSt-etjKii 

k9  t5  ne  fcex  a  m5  t;^ü. 

(M"«  C.  C,  nee  en  1840,  Delemont.) 


1)  MtOD,  trique. 

*)  Du  latin  riga  =  sillon,  raie  (Arch.  Uly  p.  215,  n^  8,  str.  5). 


268  ChaDts  patois  jurassiens 

205. 

lebfxät^)...  Lesfilles... 

(Patois  de  Vendlincourt.) 

le  bex&t  k'S  1§  fwdr 
n'5  p9  Ij  t/ü  \r2  nä, 
^1  S  de  gXgornä') 
ittre  lö'dü  /öträ»). 

(M.  X.,  Vendlincourt,) 

Un  compatriote  yaudois,  6tabli  depuis  30  ans  ä  Paris, 
chantä  rannte  derni^re  un  couplet  analogue.  La  compara 
pouvant  Stre  interessante,  je  me  permets  de  le  transcrire 
bien  que  le  patois  vaudois  ne  rentre  pas  dans  le  cadre  de  < 
etude. 


206. 

Toutes  les  filles. 

(Patois  de  Pompaples) 


^JHJz^£fa-3n:-J'l  j;  J'-?=?^ 


t$-  t§    1#  %9  k'o   lä     rä-ßi    n'o  dzä-m#    1$    t;tü  bS    n 


Vo     ä  -  d^    kaö-t^^  grö-gä- 1^     ä  -  tra  -  mi    1§     du    sü-by^. 

t^tä  le  %a  k*5  lä  rata 
n6  dzämö  Ij  t;f ü  b5  ne ; 
rs  ade  kköt/^  grSgäl§ ' 
Strami  le  du  sübye. 

(M.  E.  B.,  Paris.) 


*)  Se  chante  sur  Tair  de  Yadine. 

«)  Grelot  (Cf.  Ärch.  III,  p.  264,  n^  1,  str.  18;  p.  265,  n«  2,  str. 

»)  Sifflet. 


269 


Sprüche  und  Lieder  aus  dem  Entlebuch. 

Von  E.  Pinkenhofer  in  Zürich. 

Yermoge  ihrer  geographischen  Abgeschlossenheit  entwickelten 
sich  die  Entlebucher  im  Laufe  der  Jahrhunderte  zu  einem  Yolks- 
Bchlag,  der  in  Sitte  und  Sprache  gegenüber  den  Stämmen  der 
I^achbarschaft  nicht  nur  früher  manche  Abweichung  aufwies, 
sondern  von  der  ursprünglichen  Eigenart  vieles  selbst  bis  auf 
den  heutigen  Tag  bewahrt  hat.  Aber  seit  längerer  Zeit  durch- 
saust nun  die  Eisenbahn  das  ehedem  so  stille  Bergtal,  und  die 
modernen  Verkehrs-  und  Erwerbsverhältnisse  haben  sich  mit  dem 
glättenden  Einfluss  der  Volksschule  verbunden,  um  wie  ander- 
wärts, so  auch  hier  das  Volksleben  allmählich  seiner  Originalität 
zu  entkleiden.  Zum  Olück  für  die  Volkskunde  haben  aber 
schon  vor  mehr  denn  hundert  Jahren  die  Wägsten  und  Besten 
der  Talschaft  ihren  Ruhm  darin  gesucht,  Land  und  Leute  nach 
dem  Geschmacke  ihrer  Zeit  zu  schildern  und  die  Sitten  und 
Oebräuche  dieses  Hirtenvölkleins  wenigstens  in  Buchform  in  das 
neue  Zeitalter  hinüberzurettcn. 

Der  würdige  Kirchherr  zu  Schüpfheim,  J.  Xaver  Schnider 
von  Wartensee,  schrieb  1781  eine  „Geschichte  der  Entli- 
bucher"  *)  und  widmet  in  deren  zweitem  Teil  (S.  133  ff.)  auch 
den  Lebensgewohnheiten  einen  eigenen  Abschnitt.  Vom  nämlichen 
Verfasser  stammen  auch  drei  Hefte  „Beschreibungen  etlicher 
Berge  des  Entlebuchs^  ^). 

Li  der  Ueberzeugung,  „das  Entlebuch  sei  merkwürdiger 
durch  seine  Personifizierung  als  durch  seine  Naturgeschichte  und 
Landwirtschaft*',  liess  F.  J.  Stalder,  Pfarrer  in  Escholzmatt, 
1797  als  Ergänzung  zu  den  Arbeiten  Schniders  „eine  vollständigere 
Charakteristik  der  Einwohner  selbst,  ihrer  Sitten,  Gebräuche 
and  Feste*'  erscheinen.  Es  sind  die  bekannten  ^Fragmente  über 
Entlebuch''  ^.  Stalder  kennt  seine  Entlebucher  durch  und  durch 
und  sucht  unter  den  Titeln  „Ihr  Ehrstolz,  ihr  Freiheitssinn,  ihre 
Anhänglichkeit  an  ihr  Land  und  Ihresgleichen,  ihr  Frohmut  und 
Leichtsinn,  ihre  freundschaftliche  Geselligkeit   im  Umgange   mit 


»)  Luzem  (Salzmann)  I.  Teil  1781,   II.  Teil  1782.    —    h  Luzern  1783 
und  1784.  -  »)  Zürich  (Orell)  I.  Teil  1797,  IL  Teil  1798. 


270  Sprüche  uod  Lieder  aus  dem  Entlebuch. 

Fremden,  ihr  Witz  und  ihre  Geistesanlagen ^^  auch  Ferner- 
stehende  mit  den  guten  und  weniger  guten  Eigenschaften  seiner 
Lieblinge  vertraut  zu  machen.  Auch  die  tägliche  Beschäftigung, 
das  Eiltgehen,  die  Gymnastik  und  die  Volksfeste  kommen  in 
eigenen  Kapiteln  zur  Sprache,  so  dass  es  unschwer  hält,  Land 
und  Leute  in  weitgehendem  Masse  kennen  zu  lernen,  ohne  je 
am  Strande  der  Entle  verweilt  zu  haben.  Doch  beschränkt  sich 
Stalder  in  seinen  Schriften  auf  die  ungebundene  Redewebe.  Die 
Volkspoesie  ist  nur  durch  einen  gereimten  Liebesbrief  (I,  116) 
und  durch  einige  Possen  (Hirsmontagsbriefe,  II,  83)  vertreten.  Das 
Stalder'sche  Idiotikon  *)  befasst  sich  seiner  Natur  nach  erst  recht 
nicht  mit  solchen  Sachen. 

Mit  Schnider  und  Stalder  bildete  der  musikalisch  veranlagte 
Dekan  von  Hochdorf,  J.  Bernhard  Häfliger,  ein  zeitgenössisches 
und  gesinnungsverwandtes  Trio.  ^)  Hääiger,  der  Präsident  der 
Schweiz.  Musikgesellschaft,  bietet  uns  in  seinen  Liedersammlungen 
zwar  nur  eigene  Dichtungen,  muss  aber  hier  dennoch  genannt 
werden,  weil  1796  seinem  sangesfrohen  Herzen  das  in  der  ganzen 
Zentralschweiz  noch  immer  gern  gesungene  Lied  entquoll:  ,,Wa8 
sust  d'Schwytzer  bniuchid"*. 

In  Lütolfs  Sagen  ^)  ist  das  Entlebuch  ebenfalls  mit  einigen 
Nummern  vertreten,  aber  wie  schon  aus  dem  Titel  zu  erraten,^ 
fanden  Sprüche  und  Volkslieder  in  dieser  Sammlung  keine  Be — 
rücksichtigung.  Von  den  „Volksliedern  aus  dem  Kt.  Bern"- 
welche  in  diesem  „Archiv*^  V,  1  £P.,  zusammengestellt  sind  ^ 
werden  viele  auch  im  Entlebuch,  namentlich  in  dem  an  Beri^ 
grenzenden  Teil  desselben  gesungen,  so  z.  B.  von  den  auf  Seit»^  ^ 
3 — 6  registrierten  Gesängen  die  Nummern  7,  13,  18 — 23,  26,  31^ 
33,  35,  36,  39,  44,  45,  49,  51,  52,  53,  57,  60,  61,  64,  66—6^ 

*)  Versuch  eines  Schweiz.  Idiotikon  mit  etymologischen  BemerkuDge^B^ 
untermischt.  Aiirau  (Sauerländer)  I.  Bd.  1806,  IL  Bd.  1812.  Stalder  pub'  — 
zierte  ferner:  Die  Landessprachen  der  Schweiz  oder  Schweizerische  Diale  ^ä" 
tologie  mit  kritischen  Sprachbemerkungen  beleuchtet.  Aarau  1819.  424 
Schöne  biographische  Notizen  über  diesen  hervorragenden  Mann  finden  su^^ 
im  Jahrbuch  der  luzernisclien  Kantonaliehrerkonferenz,  1858,  S.  35  ö*.  n 
in  der  Allgem.  Deltscukn  BicKiRAi'HiE  Bd.  35.  —  ^)  Häf  liger,  geb.  1769,  gi —  - 
1837,  gab  1801  in  Luzern  eine  erst^  und  1813  eine  zweite  Liedersammli^^  ^ 
heraus.  Letztere  trägt  den  Titel :  Schweizerische  Volkslieder  nach  der  ]w^  ^ 
nerischen  Mundart.  —  Hier  erwähnen  wir  auch  In  eich  ans:  ,Drtt  Lie-^^^M' 
vom  alten  Sepp**,  Luzern  1844  und  „Lieder  vom  alten  -Sepp  in  Luzern» * 
Mundart**,  Luzern  1859.  —  ^)  Sagen,  Bräuche,  Legenden  aus  den  fünfürt«^*^ 
Luzern  (SchifTmann)  1862. 


Sprache  und  Lieder  aus  dem  Kntlebuch.  271 

luid  ^OD  den  mit  Melodie  versehenen  Stücken  die^  Nummern  1, 
2,  4,  5,  7,  8,  9,  12,  13,  18,  17,  18,  24,  26,  31,  34,  35,  37,  39,  40, 
41,  43,  46,  49-51,  54,  55,  57—59  und  66—70.  Das  Appen- 
zelleirlied  1,  S.  46  ist  allen  Zentralschweizern  und  daher  auch  den 
Entlebuchern  geläufig.  Als  Hilfsmittel  für  gesangliche  Produk- 
tionen  im  Familienkreise  dient  im  Entlebuch  noch  vielfach  das 
alte     ^Allgemeine  Schweizer-Liederbuch".  ') 

^Wenn  auch  vielleicht  etwas  hinterdrein,  so  kommt  doch, 
ungeachtet  der  verschiedenen  Vorarbeiten  auf  diesem  Gebiete, 
der  Freund  und  Sammler  des  Yolkskundlichen  selbst  heute  noch 
nicht  völlig  zu  spät.  Die  Entlebucher  verfügen  noch  immer 
über  einen  reichen  Schatz  von  urchigen  Sprüchen  und  melodiösen 
ReimeD,  die  noch  nie  veröffentlicht  worden  sind,  und  die  im  Inte- 
reaae  der  Volkskunde  verdienen,  der  Vergessenheit  entrissen  zu 
werden. 

Das  Material,  das  wir  nachstehend  verarbeiten,  stammt  fast 

Auaechliesslich   aus   der   Gegend   von  Marbach.     Wir   erlauben 

^^^    jedoch,   der  Sammlung  auch  einige  Stücke  einzureihen,  die 

Dicht  mit  völliger^  Sicherheit  als  entlebucherisch  bezeichnet  werden 

können,  die  aber  in  der  nächsten  Umgebung   dieses  Landes  ge- 

san^en  oder  gesprochen  werden  und  daher  den  Vormerk  ^Gäu" 

trag-eu.  —  In  Bezug  auf  die  Denkart  nähern  sich  die  Entlebucher, 

^^^    historischen  Ueberlieferungen  getreu,  mindestens  ebensosehr 

*'®*^     benachbarten  „Ländern**  als  den  übrigen  Luzernern.  '^)  Auch 

l^      3M[andart    zeigt   auffallende    Aehnlichkeiten  mit  derjenigen 

^^^rwaldens,   mit  welcher  sie  das  sehr  charakteristische  Dimi- 

Duü-V"   ili  (z.  B.  Böndüiy  Schätzili)  gemein  hat.  Das  /  der  Schrift- 

P^'^^ihe  klingt  im  Dialekt  nach  einem  Vokal   stets  wie  w,  z.  B. 

^***^     sieuty  Schäuili  statt  „alle",  „8tellt^  „Schellelein^ 

Es  ist  alter  Brauch  unter  den  Luzerner  Ortschaften,  einander 

^    ^^ gentlich  mit  Uebernamen   zu   begrüssen,   die  dem  Selbst- 

/^^     Ehrgefühl   der  Betroffenen    nicht   gerade   schmeicheln,  aber 

^^^Vl.   die   freundnachbarlichen  Beziehungen   nicht  wesentlich   zu 

^^«en  vermögen.     So  nennt   man   die  Sempacher  „Strau welle", 

y  ')  Allgemeines  Schweizer-Liederbuch.    Eine   SÄiumlung   von  570  •  der 

r|,^^^T)teBten  Gtesäuge,  Kühreihen  und  Volkslieder.    4.  Auflage.  (Aarau  und 

.  ^^H)   1888.    Von  den  im   Archiv  Bd.  V   S.  305  iX.   publizierten    Sprüchen 

^Bieren  im  Entlebuch  die  Stücke:    Meitili  bis  {^schider  etc.,  Meitli,  wenn 

*^^tate  Witt  etc.,   Der  Schnider  hed  etc.,   alle  S.  305.  —    ^>  Die  Luzeruer 

^^iren  alle  Urachweizer  als  „Länder"  zu  bezeichnou. 


272  Sprüche  and  Lieder  aus  dem  £ntlebuch. 

die  Hildisrieder  „Gertelhefti",  die  EscheDbacher  ^Frösche*',  die 
Raswiler  «Monjager'',  die  Neuenkircher  „Mützer^,  die  Neadorfer 
^Kabisstirzel",  die  Rainer  ^Mntschlidrücker*,  die  Erienser  ^die 
Wilden  vom  Pilatus*  oder  ^Räbenstirzel",  die  Horwer  «Haue", 
die  Ettiswiler  ^Mugge^  und  die  Grosswanger  „Fleuge",  daher 
der  derbe  Reim: 

P'Ettiswiler  Mugge 

Chönid  i  de  Wanger  Fleüge  i's  Födle  gugge. 

Yon  den  Hergiswilern  heisst  es  in  einem  Entlebncher  Tanz- 
liedchen : " 

S'isch  sohad,  s'isch  schad  für  d'Hergiswiler, 
Dass  si,  dass  si  hei  gross!  Mttler.  ®) 

An  den  Rootern  hingegen  will  man  etwas  zu  lange  Finger 
bemerkt  haben.  Wenn  sie  daher  als  Wallfahrer  nach  Einsiedeln 
kommen,  rufen  die  dortigen  Marktweiber  einander  zu:  „D'Router 
chönd!  D'Router  chönd!  D's  Lädeli  zu!  D's  Lädeli  zu!*  *^ 

Aber  auch  die  Bewohner  des  Entlebuch  erhalten  ihren  red- 
lichen Teil  an  diesen  luzernerischen  Liebenswürdigkeiten.  Schon 
ihre  Abstammung  ist  von  einem  etwas  zweifelhaften  Glänze  um- 
strahlt. Als  nämlich  der  Hergott  nach  Erschaffung  der  Welt 
noch  einige  Erdklösse  übrig  hatte,  schleuderte  er  sie  in  der  Rich- 
tung nach  dem  Entlebuch  fort,  verächtlich  dazu  sprechend:  „Gäbs- 
(drus)  was  wöll!^    Und  siehe!  Es  wurden  Entlebncher  daraus.  ^ *) 

Gehen    die    Schupf  heimer,    Hasler,    Doppelschwander    und 
Entlebncher    mit  Kreuz    nach  Romoos,  dann  schallt  ihnen  bei 
Einzug  vom  Kirchturm  herunter  der  Willkomm  entgegen: 

Bimm,  bumm,  behn! 
D'Schelme  sind  all  da!  ^*) 

^)  Die  Marbachor  setzen  dann  als  zweite  Strophe  regelmässig  hinzu  ^ 
SMsch  schad,  sMsch  schad  fQr  d's  Brune  Bäbi, 
Dass  es,  dass  es  d's  Jepli  verzehrt. 

(Ueber  e  Rain  abedrohlet  ist.)  Vgl.  Archiv  Bd.  VI,  S.  289.  — 
^^)  Aehulich  werden  die  Lunkhofer,  Kt.  Aargan,  charakterisiert.  V  ^ 
Kochholz,  Alemannisches  Kinderlied.  Leipzig  1857.  S.  62.  —  *')  Das  Gleic^s-l 
behaupten  die  Entlebncher  von  ihren  Landsleuten  im  Gäu.  —  ")  Die  nämÜcz^l 
Sprache  sollen  auch  die  Glocken  von  Werthenstein  führen,  wenn  der  Kr&*  'm^. 
gang  von  Sempach  in  dortiger  Kirche  seinen  Einzug  hält.  Die  KrettzgäiK=i£ 
(Prozessionen)  in  andere  Gemeinden  sind  namentlich  bei  der  Jugend  ^^t 
beliebt.  Doch  führten  sie  von  altersher  gerne  zu  Neckereien  und  Strem^i^ 
keiten  zwischen  den  Buben  der  verschiedenen  Gemeinden,  so  dass  vor  eiam^^'^ 
Jahren  ein  Knabe  von  Hildisrieden  gestand:  „I  gab  gern  mit  Krüz  uf  Nftd'r^ 
es  cheibet  öppis."   Vgl.  Archiv  Bd.  VI,  S.  152. 


.p.ucue  und  Lieder  aus  dem  Entlebuch.  273 

Den  einzeloen  Gemeinden  des  Entlebuch  werden  vom  Volks- 
mand  folgende  Lieblingsbeschäftigungen  zugeschrieben: 

Z'Marbä 

Tili  si  d'Nidle  schlarpe, 
Z'Eschlismatt 

Faehre  si  Chäs  i  d'Stadt, 
Z'Sohttpfe 

Tüent  si  d'Nidle  dttpfe, 
Z'FlOeUi 

Windä  si  am  Fadesplieli, 
Z'HasU 

Hei  si  Fleisch  i  d'r  Asni  [Kamin], 
Z'Entlibuech 

Hei  si  Dräok  am  Taech, 
Z'Romoos 

Gäi  die  Junge  de  Alte  ne  Stoss. 

Zar  ferneren  Charakteristik  dieses  Bauernvölkleins  singt  man 
w-oit;   bemm: 

Entlibneoher, 
Brotversueoher, 
Birebe'isser, 
Hosesoheisser. 

Während  die  Auswärtigen  dieses  Signalement  auf  alle  Entle- 

bucbcr  anwenden,   glauben    die    Talbewohner  dasselbe  nur  auf 

jeiio     Ortschaft  beziehen  zu  müssen,  welche  der  ganzen  Talschaft 

den    D^amen  gegeben,  um  den  angetanen  Schimpf  abzuschwächen > 

teilo^  die   an  ihrer   nationalen  Ehre  Angegriffenen  den  übrigen 

^^^Hdelenten,    den    Gäuern,    ein    möglichst   geringes   Mass  von 

*^^®lligenz    zu.     Die    Gäuer  geniessen  insgesamt  den  Ruf,  ganz 

•'^Berordentliche  Liebhaber  von  Ziger  zu  sein.    Die  Wallfahrts- 

«ärclj^   hL  Kreuz   im  Entlebuch    hat    eine    prächtige  Lage    und 

*^»aut  von    einem  Hügel   aus  weit    in  die  Lande.     Betritt  nun 

^^  Oäuer  das  Tal  und  sieht  er  von  ferne  im  Strahle  der  Sonne 

^^  Kirchlein  erglänzen,  so  meint  er  einen  mächtigen  Zigerstock 

^^^  «ich  zu  haben,  eilt  freudetrunken  zu  ihm  hin  und  —  beleckt 

^^  Geissen  Eirchenmauern. 

Kicht  viel  hoher  als  die  Intelligenz  der  Gäuer  wird  von 
^«Ä  Entlebuchern  die  Moralität  der  östlichen  Nachbarn  geschätzt, 
^öm  sie  die  „Länder"  durchaus  dem  Teufel  verfallen  wähnen; 


18 


274  Sprache  und  Lieder  aus  dem  Entlebiioh. 

Z'hinterst  ufern  Schwändaberg  ^')  Er  nimmt  si  a  d'Gktble 

Nimmt  d'r  Tttfel  d'Länder  zweg.  Und  lat  si  versaple. 

Er  nimmt  ai  of  e  Totze  Er  nimmt  si  ofe  Tisch 

Und  hacket  se  wie  d'Erote.  Und  isst  si  wie  d'Fisch. 

Die  übrigen  Luzeroer  halten  aber  beide  Yölkeratamme  für 
wetterwendisch  und  unzuverlässig,  und  meinen  daher: 

D^Entlibnecher  und  d'Länder 
Gend  der  best  Kalander. 

Die  Entlebuoher  gelten  auch  sonst  als  Vertreter  eines  ur- 
wüchsigen Naturvolkes  und  als  glückliche  Besitzer  eines  konkurrenz- 
losen Appetites,  deshalb  der  Vergleich:  ^Er  ist  grob  wie  ein 
Entlebucher*^  oder  „er  isst  wie  ein  Entlebucher*.  Hinter  dem 
Rümlig,  einem  Bache  bei  Malters,  gibt  es  aus  dem  nämlichen 
Grunde  kein  Kopf-,  sondern  nur  Grindweh.  Die  Entlebucher 
selbst  taxieren  sich  als  nicht  sonderlich  feine  Leute  und  ge- 
brauchen ungescheut  die  Redewendung:  „D'Schärliger  Chüe'  und 
j,  Eschlismatter  Chalber  ^ . 

Dass   die   Luzerner  alle    insgesamt    „Katzenstreoker'^  sind, 
weiss   Jedermann.    Als  aber   ein  Luzerner  von  einem  Zürcher 
wegen   genannter   Titulatur  gehänselt  wurde,  fragte   er  seinen 
Widerpart  rasch   entschlossen,  ob  er  denn  wisse,  wie  weit  man 
bei   ihnen   die  Katzen    strecke.     Da   der  Zürcher  die  Antwort 
schuldig   blieb,   erklärte    der   Luzerner  mit  überlegener  Ruhe:. 
„Yo  Luzem  bis  uf  Züri,   damit  ene  d'Zürcher  is  Födle  blas^ 
chönid.« 

Zum  Zwecke  der  Abzahlung  beim  Spiel  bedient  sich  di^ 
Entlebucher  Jugend  etwa  folgender  Sprüche  und  Reime: 

Änege,  bänige,  doppos  tee,  Fade,  Nadle,  Fingerhuet; 

Tripns,  trapas,  trommele  me,         Sohnapfdi  -  Böndili,  die  si  gnet. 
Anke,  Bohne,  Schmauz  Aengili  gange  mit  d'r  Lieh. 

Habermehl  and  Sauz.  Husch,  Hasch,  Hagelnnss, 

Gager  ^*)  Vögili  nsä. 

Schnüerii  zöge,  Fäoili  >^)  glüpft. 
Da  and  da  bist  osä  pftttzt.  ^^) 

Wie   ein   erratischer  Block  nimmt  sich  der  folgende,  einer 


<>)  Schwendelberg  bei  Kscholzmatt.  —  <^)  UDfuhig,  herumhüpfend.  — 
<^)  FälleleiD.  —  ^^)  Plötzlich  herausfallen  oder  herausplatzen,  namentiich  auch 
beim  Lachen.    Vgl.  Archiv  Bd.  VI,  S.  294. 


Sprüche  und  Lieder  aus  dem  Entlebuch.  275 

fremdeo   Sprache   nnd   Kultur  ^^)   entlehnte   Zählreim  neben  den 
Produkten  alemannischer  Muse  aus: 

ün,  deux,  trois,  quatre,  Un,  deux,  changez-vous, 

Mamme  Lisel  vonlez-vate?  Mamme  Lisel  voulez-voos? 

H&lt  man  kleine  Kinder  auf  dem  Arm,  oder  schaukelt  der 
Yater  oder  Grossvater  sie  auf  seinen  Knieen,  so  werden  die 
Hebungen  und  Senkungen  xßit  dem  Sprüchlein  begleitet: 

Hüti,  httti,  Bössili!  Die  Erst  schnätzet  Chride, 

Z'Bade  ist  nes  Sohlössili,  Die  Zweit  spinnt  Side, 

Z'Rom  ist  nes  galdigs  Hus,  Die  Dritt'  tuet  d's  Tor  uf 

Es  luegit  drei  Mari6  d'rus.  Und  lat  die  heilig  Sunne  us. 

(Und  lacht  die  dumme  Buebe  us.)  ^^*) 

Es  steiht  nes  Buebili  a  der  Wand^ 
und  het  nes  Sohäuili  i  der  Hand, 
Und  wenn  es  de  tuet  chlingele, 
So  wei  mer  alli  z'Himmel  springele.  ^^) 

Mit  dem  letzten  Yerse  hebt  man  zur  bessern  Yeranschau- 
lichung  des  Gesagten  das  Kind  flugs  in  die  Höhe. 

Soll  das  Kind  schlafen,  so  wiegt  man  es  ein  mit  der  Strophe: 

Butti,  buttiy  soli!  Butti,  butti,  Wiegestrau; 

D's  Kindli  lit  im  Choli.    .  Brieget  d's  ühind,  so  lachet  d'Frau. 

Wollen  die  kleinen  Schreihälse  nicht  ruhig  sein,  und  ver- 
langen sie  irgend  ein  Geschichtchen,  dann  beginnt  die  Mutter  nach 
einigem  Besinnen  und  mit  einem  langen  Atemzuge:  „Es  ist 
einist  e  Ma  gsi,  de  het  wöue  es  Süppli  choche  und  du  ist  em 
d's  Cheuili    broche,    aber    d*s   Gschichtli   ist   no  nig  us.     Es  ist 

")  Bochholz  bringt  S.  114  einen  ähnlichen  Zählreim  und  glaubt  ihn  bis 
ins  Mittelalter  zivückverfolgen  zu  können.  Die  Ansicht,  dass  es  sich  um  eine 
EiDschmnggelung  durch  französischen  Sprachunterricht  bandle,  scheiot  ihm 
daher  nicht  richtig.  Zum  Vergleich  seien  aber  die  ähnlich  klingenden  Ritour- 
oclles  et  rondes  enfantines  Freiburgs  hier  angeHlhrt: 

Un,  deux,  trois,  (luatre 

Savary  m*a  voulu  battre 

M*a  donnö  un  coup  de  sa  cape 

Sa  cape  est  tombt^e  en  bas 

Pour  abattre  les  soldats,  etc. 
Nouvelles  Etrennes  Fribourgeoises  1895,  S.  160.  —  "•)  Vgl.  L.  Toblkb 
Schweiz.  Volksll.  II,  239  ff.  —  ^^)  Mit  wenigen  Abweichungen  ist  das  Sprüch- 
lein auch  in  UnterwaMen  gebräuchlich.  Verstümmelt  bei  Lütolf,  Sagen  S.  299, 
vollständig  nach  Un^rwaldnerart,  ebenda  S.  576.  Vgl.  auoh  Rochholz  S.  139 
and  Archiv  VI,  151.  282. 


276  Sprüche  and  Lieder  aus  dem  Entlebuch. 

einist^  und  dann  beginnt  die  Erzählung  immer  wieder  von  Torn, 
bis  die  Kinder  der  Geschichte  satt  sind.  *^) 

Das  Nikolausfest  (6.  Dez.)  haftet  als  Bescheernngstag  der 
jungen  Welt  tief  im  Gedächtnis  und   schon    lange  Torher  wird 
dieser  Heilige    mit  Bitten    um    hübsche   Gaben   bestürmt.     Die 
Mädchen  bedienen  sich  zu  diesem  Zwecke  der  Formel: 
Samichlaas  i  bitt  di,  Nit  nes  grosses,  oit  es  chlis, 

Schenk  mer  aa  es  Ditti.  Eis,'  das  Annebäbili  heisst.  '^) 

Um  herauszukriegen,  welche  von  den  angenähten  Knöpfen 
ehrlich  erworben  seien  und  welche  nicht,  zä^lt  man  dieselben 
der  Reihe  nach  mit  den  Worten: 

Liseli,  Liseli,  lauf! 

G'funde,  g'stohle,  kauft!  (Gäu.) 

Yon  Zahlreimereien  sind  folgende  in  Umlauf: 
D'r  Chüngilifranz  het  d'Hose  versprengt: 
Ei  tusig  achthundert  und  siebenezwänzg. 
oder:  Drtti  mau  siebe  si  einezwänzg. 

Siebe  mau  drüi  si  einezwänzg 
Ich  und  du  und  d'r  Heinilifränz. 

Es  chunt  ne  Rege,  Es  chömit  ftif, 

I  chan  ech's  säge»  Si  hei  LUs. 

Es  chömit  Zwe,  Es  chömit  sechs, 

I  ha  si  g'seh.  Si  hei  nes  G' wachs. 

Es  chömit  drei.  Es  chömit  acht, 

Si  hei  ne  Ring.  Si  hei's  g'macht. 

Es  chömit  vier,  Es  chömit  nttn, 

Si  hei  ne  Stier.  Si  springit  über  d'Zün. 

Es  chömit  zäh, 

Si  hei  nes  La  -*). 

Auf  dem    Schulweg    oder    auf   dem    Spielplatz    kommt    es 
zwischen    Knaben    und    Mädchen   hie    und   da   begreiflich  zu 
Sticheleien,  die  etwa  folgende  Gestalt  annehmen: 
Wei  beere,  wei  beere,  ^'^)  Es  llitet  Mittag, 

Wei  d'StUdili  la  stah.  Mit  de  Herre  i  d's  Grab, 

Wei  d'Meitschi  ufhänke  Mit  de  Buebe  i  d's  Wirtshus, 

Und  d'Buebe  la  gab.  Mit  de  Meitschene*  i  d^s   Schisshos 

(oier  Wäschhusj. 

'■')  In  Nidwaldon  hat  der  Text  folgende  gereimte  Fassung: 

l  will  d'r  eppis  erzelle 

Vom  e  neYwe  und  alte  Chelle. 

Der  neiw  ist  mer  verbroche 

.letzt  muesH  i  wider  mit  em  alte  choche. 
Vgl.  Archiv  Bd.  VI,  S.  288.  —  2«)  Vgl.  Archiv  Bd.  VI,  S.  292.  —  »M  Lehen.  - 
22)  Beeren  ablesen. 


Sprache  und  Lieder  aus  dem  Entlebuch.  277 

Läng^,  länge  Isedraht,  Suri  Ankeminoh  and  blaui  Tinte^ 

finebe  laufit  de  Meitschene  na.      D'Buebe  schmöckit  wou  und 

d'Meitli  stinke.  ^^) 

D'Meitsohi  schmückit  wie  nea  Nägili 

Und  Buebe  wie  nes  Gägili. 

Eigili  guet  Oepfel,  git  eigili  guet  Schnitz; 
D'Buebe  si  öppis  und  d'Meitsohi  si  nix. 

Alli  Vögili  pfifit  schön  Alli  Btiebili  hätted  mi  gern, 

Sis  am  Sundig  z'Abed.  0  wie  bin  i  au  plaget.  ^^) 

In  der  Fastnacht  gehen  die  Kinder  maskiert  zu  Bekannten 
uod  Verwandten  und  sprechen  sie  um  ein  kleines  Geschenk  an 
mit;    den  Worten: 

X  bi  nes  arms  Scbniderli,  I  bitte  um  enes  Füferli, 

X  ha  nes  arms  Bei.  De  gan  i  wieder  hei. 

Kommt  die  Jugend  yom  Spiel  oder  von  der  Schule  nach 
HcL^sjase,  dann  bringt  sie  selbstyerständlich  einen  gesegneten  Appetit 
ini^  und  glaubt  ihn  alsogleich  befriedigen  zu  dürfen,  was  freilich 
nic^lmt  immer  gelingt,  denn: 

Hix^t;«  am  Ofe  steit  e  Tisch,  Am  Brünneli,  am  Brünneli, 

J^or  ^    chocht  d^Muetter  Bireschnitz.  Det  staht  e  Birlibanm, 

HckK3i     ere  wüoe  eine  näh,  Und  wenn  die  Birrli  rif  sind, 

I>  u       iDet  s'  mer  grad  uf  d'Ohre  gä.  So  chüechlet  Usi  Frau. 

I^*^      tin  i's  gange  im  Vater  säge,  Uesi  Frau  het  g' chüechlet, 

^^     liaet  mi  no  ärger  dttre  g^sohlage.  Het  hunderttusig  g'macht, 

G'H^Ta.ck  Vater,  i  leb  de  no!  Und  wenn  mer  alli  ässit, 

G-^Ktick  Vater,  i  leb  deno!  ")  So  he-mer  nild  me  z'Nacht.  (Gäu.) 

D'Moeter  hat  g'seit,  i  söu  d's  Kindli  wiege, 

Si  w5a  mer  de  drtti  Eier  sUde. 

Si  sttdet  mer  zwöi 

und  Stint  mer  no  eis. 

I  wett  d'r  Gugger  müesst  wiege 

Um  nes  ei  enzigs  £i! 

D'Lungge    Macht  d^Buebe  z'gumpe. 
D'Ubere    Macht  d'MeiUchi  z'zäbere.^^) 

Auch  sonst  sind  die  Buben  vom  Entlebuch  zu  allerlei  losen 
^^^ wichen  sehr  aufgelegt,  wie  sie  selbst  unumwunden  eingestehen 
^^  den  Verslein: 

L  4.       *')  Vgl.  Rochhülz  S.  178.  —  ^*)  Auch  im  Thurgau.  Archiv  VI,  148.  — 

^  *^  A\ich  in  Baselland  mit  dem  Zusatz:  Sperrt  er  mi  in's  Chällerloch.    Vgl. 

Archiv  VI,  284.  —  ")  Mit  den  Füssen  ungeduldig  trippeln. 


278  Sprüche  und  Lieder  aus  dem  EDtlebuch. 

Es  81  ttsere  drei  Brtiederli  Es  ist  d'r  Maeter  ne  Chnmmer, 

Und  i  bi  der  Jüngst.  Dass  üsere  so  via  si. 

Es  si  au*^  ne  chli  liederli.  Ach  Yater^maohit  doch  neChmmme*^ 

Aber  i  bi  der  schlimmst.  Und  gheiit  tts  zäme  dri! 

Selbst  die  Hausbewohner  und  Nachbarn  sind  yor  ihrem 
Uebermate  nicht  sicher,  wenn  sie  behaupten: 
Uesi  Jungfer  Dorethe  D's  Lunzi  Madleni 

Mit  ihre  länge  Füesse  Het  Anke  im  Sack, 

Ist  sibe  Jahr  im  Himmel  gsi         Es  mag  ne  nid  braohe. 
Da  het  si  abe  müesse.  '^)  Drum  salbet's  dV  Sack. 

Uesri  Magd  heisst  Iddä,  Du  auti  Rnngangie  ^') 

Es  ist  ere  niene  z'rächt.  Wie  Inegst  da  so  sur, 

Si  st^at  der  Stuel  uf  d'Site  Wie  tropfet  d'r  d'Nase 

Undgonggletmitem  Chnächt.^^)  Wie  lampet  d'r  d's  Mul. 

Dert  äne  ischt's  lastig,  D'r  Bauz 

Wo's  d's  ganz  Jahr  nüd  schneit,  Git  d'r  Chae  Sauz 

Wo  d'r  Chemiföger  i  d'Mäusuppe  Und  wenn  si  nid  wia, 

abe  ghel't.  So  bisst  er  si  i  Stiu. 

D'r  Chemifäger  mit  dem  BHsestampe 
Macht  die  ante  Wiber  z'gampe. 

Gaete  Abe,  aati  Gret!  99  Herdöpfelstöck,  ^^) 

Seg  mer,  wo  di  Bettlade  steht!  E  Chue 

Hinter  em  Ofe,  hinter  em  Bank,  und  hed  no  nit  gnue. 

Wo  die  Auti  Flöh  fangt.  Es  Chalb, 

D'r  Wicki  ^'  ^^  °^  °**  ^^^' 

l88t  77  Gitzi,  ^J^  "^^  ^"^^  ^^  \«^ 

88  Bock  ^^  ^^  "**  gspise.  '^ 

Nicht  einmal  der  sonst  so  populäre  hl.  Antonius  und  no^^ 
yiel  weniger  der  Pfarrer  und  sein  Vikar  bleibt  vor  dem  leicbr^ 
fertigen  Spotte  der  Jugend  gänzlich  verschont. 

Sant  Antoni  von  Padua  üese  Yikari  hed  Lederhösli 

HedlängiBeiundkeiniWadedra.  Hed  si  verschnnderet 

Wenn  d'r  Sigrist  g'itttet  het,  ^•'<*  Charesalb  dra.    (Gfa.) 

So  het  d'r  Pfarrer  d'Mess,  Uese  Herr  Yikari  hed  Suii^ 

UndwennerheizurChöchichunt,  Mit  Leder  überzöge       [hostt— ^ 

So  het  er  sini  G'späss.  Und  Charesalb  dra. 

(Entlebuch.)»^:> 
")  alle.  —  2P)  Bretterverachlag,  zumeist  im  Sinne  von  Hühnerwohnnng-      ^ 
"braucht.  —  »»)  Auch  in  Nidwaiden,  Thurgau  und  Basel.  Archiv  VI,  149  u.  290-- 
»)  Vgl.  Rochholz  S.  184.   —   ")  In  Nidwaiden:  Tschurigunggele.    —   •*> 
Platten  voll  Kartoffeln.  —  ")  Vgl.  Rochholz  S.  39.  —  »♦)  Vgl.  Archiv  V,  S.    ^ 
und  Rochholz  S.  311.  —  ^'')  Die  Sehwyzer  singen; 

D'r  ihriger  Pfarrer  hed  Lederhösli  a, 
Es  zwilchenis  Jäckli 
Und  Cbarasalb  dra. 


Sprüche  und  Lieder  aus  dem  Entlebuch.  279 

Fast  ebenso  schlecht  wie  die  Hosen  des  Yikars  kommt  in 
der  Volksdichtung  die  Askese  der  Waldbrüder  weg.  Da  aber 
Roohholz  (S.  305  u.  306)  die  bezüglichen  zwei  Strophen  schon 
veröffentlicht  hat,  so  nehmen  wir  Ton  einer  Reproduktion  Umgang.  *^) 

Ertönt  an  Samstagen  oder  am  Vorabend  eines  Feiertages 
um  2  Uhr  die  Glocke  vom  Turme,  dann  heisst  es:  „D'r  Sigrist 
macht  d*Sundighose  z'plampe."* 

Zur  würdigen  Begehung  des  Festtages  selbst  gehört  nach 
Entlebucherbegriffen  unbedingt  eine  fettere  Küche.  Doch  muss 
sich  mancher  auch  mit  dem  Gegenteil  begnügen. 

Uüt  ist  Heiligtag, 

Soll  chüechle,  wer^s  vermag. 

Wer's  nit  vermag,  soll  mit  (Jschlig  schmürze 

Und  zanderobsi  über  d'Stäge  ab  btirtzle. 

Kommen  einmal  Soldaten  in  die  Nähe,  flugs  schallt  es 
ihnen  entgegen: 

£8  Bataillon  Soldate,  DV  Tambnr  scblaht  de  Zapfestreich, 

Nur  ei  Offizier!  Bis  d'r  Bor  i  d'Hose  seicht.  (Gäu.) 

Der  Naturbeobachtung  ist  der  Entlebucher  keineswegs 
abhold. 

Schneewiss  Kräje  und  brandschwarze  Schnee, 
I  ha  mir  Lebtig  nUd  so  g'seh. 

Drei  Rösili  im  Garte,  Lustig  uf  d'r  Tanne. 

Drei  Tännli  im  Wald.  Es  leit  nes  sufers  Hömili  a 

Im  Snmmer  ist's  lustig,  Und  lat  das  dräckig  la  hange. 

Streckit  d'Bei  i  d'Hdchi  j^^^  y^^^^.      .^        ^^^ 

Und  machit:  Budälihe!  (Gäo.)       ^.^^  ^^^^^^  ^^  ^^^j.  s«)  ^  ^y^^^ 

D'Sonne  sohint,  D'Maeter  geit  uf  Solotharn 

D's  Vögili  grint,  Und  chouft  em  Kari^^)  e  Chriesi- 

[starm. 

^)  In  Nidwaiden  sagt  man: 

Der  Waldbnieder  im  Raift  [Ranft] 

Hed  d's  Gundi  [Kunigunde  V]  vorchaift 

Um-ene  Bitz  Ziger 

Und  wo-n-er  e  gässe  hcd, 

So  chund  er  und  will'«  wider. 
*')  Aus  MisBverständnis  und  unbewusster  Bosheit  setzen  manche  Buben 
statt  Ente  das  Wort  Tante  ein.    Vgl.  aucli  Rochholz  S.  314  und  Arohiv  VI, 
149.  —  •*)  Schwarzes  Pferd.    Die  ersten  drei  Verse  auch  in  Baselland.  Archiv 
VI,  287.  -  »)  Karl. 


280  Sprüche  und  Lieder  aus  dem  Entlebuch. 

Wenn  üsi  Chatz  nid  bttsele^^)  win^  Es  geit  ne  Bur  i  Garte; 

Was  Tttfos  ist   de  guet?  Er  nimmt  ne  Hampfle  N^e  u.  ribt. 

Oepfuschnitz  und   Wikaffee;  Und  bat  d'r  Bur  das  Chrtltli  kennt, 

Was  giuts  ^*),  si  büselet  de.  So  hät's  ne  nid  a  d's  Kinder  brennt. 

Der  Gesang  der  Wildente  wird  mit  folgendem  Spruch  und 
entsprechender  Melodie  trefflich  nachgeahmt. 

Mis  Chind,  wo  bist  gsi?  Mis  Cbind,  was  best  ghaV 

Im  Wauis,  im  Wauis.  **)  Ntid  weder  Chrut  und  Cbabis, 

Cbabis,  Chabis. 

Der  Landwirtschaft  sind  folgende  Reime  entnommen: 

Aui  mau,  wo-ni  dängele  wiu, 
Lödelet  mer  d'r  Hämmerlistin. 

Wenn  d'r  Dängustei  und  dV  Wetzstei  nid  war; 
I  wett',  dass  d'r  Tütii  d'r  Mäder  näbm.*^ 

Ton  und  Takt  des  Sensewetzens  klingt  uns  ziemlich  deut- 
lich entgegen  aus  den  Worten: 

D'r  Metzger  ist  e  Lumpehund,    d'r  Metzger  ist,  er  ist. 
D'r  Metzger  ist  e  Lumpehund,    d'r  Metzger  ist^  er  ist. 

Von  lehrhaftem  Gehalte  ist  das  Lied,  welches  das  Mar- 
bacher  Stalder  Mädi  (Magdalena),  eine  90jährige  Weibsperson,  mit 
eigentümlicher  Melodie  zu  singen  weiss.  Weil  die  Reime  vielfach 
fehlen,  könnte  man  fast  meinen,  der  Text  sei  ursprünglich  in 
hochdeutscher  Sprache  abgefasst  gewesen  oder  aus  einer  andern 
Gegend  nach  dem  Entlebuch  verpflanzt  worden. 

Am  Morge  soll  me  früh  uüstab;  Gang  du  über  d'Witi  hei. 

Am  Sundig  mach  es  au  e  so.  Dass  dir  di  längi  Zit  vergeit, 

Gang  du  flissig  i  Gottesdienst,  Oder  nimm  es  geistlichs  Buech  i 
Wenn  du  Gott  im  Herze  liebst.  d'Hand, 

Wend'  dini  Oug  ufs  Choraltar,  Und  bätt  für  die  arme  Seele  ne 
Schau  nit  uf  e  jedere  Narr.  Rosekranz. 

Jitzt  geit  e  schöni  Predig  a,  Bist  im  Ehstand  und  best  vil  Chind, 

Me  höi-t  si  ja  vo  obe  a.  So  lasssi  nid  laufe  wie  d's G'wülch.^^) 

Drunte  tüent  si  seh  wätze  und  lache,  Schick  si  flissig  i  d'Christelehr, 

ümesohaue  grad  wie  d'AfPe,  Frag  de,  was  si  drus  hei  g'lehrt. 

Und  Gott  luegt  zue,  Wüsse  si  aber  nüd  darus, 

Wie-mer  i  der  Chile  tuet.  So  leg'ne  de  ne  Buesse  uf: 

Am  Sundig  und  Firtig  Namittag  Chlini  Chind,  chlini  Bness, 

Geit  au  des  Tüfus  Nutze  a,  Grossi  Chind,  grossi  Buess. 

Mit  Spiele,  Tanz  und  Eartespil,  Wo  aber  das  nid  ischt. 

Hie  und  da,  da  gits  es  vil.  Ist  au  scho  kei  guete  Chrischt. 


♦«)  Junge  werfen.  —  ♦«)  Gilte.  —  ♦»)  Wallis.  —  ♦»)  Soll  auch  in  ünter- 
walden  gebräuchlich  sein.  —  ^)  Wolken.  Vielleicht  hiess  es  ursprünglich: 
wie  der  Wind. 


Sprüche  uod  Lieder  aus  dem  Entlebuch.  281 

Der  Süss  Badist  in  Schüpfheim  kennt  ein  goldenes  Alphabet 
von  ähnlichem,  lehrhaftem  Charakter,  wie  das  vorstehende  Gedicht. 

Bei  der  landwirtschaftlichen  Bevölkerung  pflegt  man  mit  den 
Speisen  einerseits  als  einer  Gabe  Gottes,  anderseits  als  Frucht 
harter  Arbeit  höchst  ehrfürchtig  und  haushälterisch  umzugehen, 
so  dass  man  lieber  noch  etwas  über  den  Appetit  isst,  als  einen 
Speiserest  zu  Grunde  gehen  lässt.  Dieser  Auffassung  entsprang 
der  Grundsatz: 

Gschider  der  Buch  versprängt, 
Weder  d'Gab  Gottes  g'schändt. 

Wer   aus   irgend    einem   Grunde  schlecht  aufgelegt  ist  zur 
Arbeit,  der  spricht  entschuldigend: 
Lieber  e  leere  Darm, 
As  e  mUede  Arm. 

Der  Arbeitsame  hingegen  meint: 

Der  Fulenz  und  der  Liederli, 
8i  beidi  glichi  Brüederli.**) 

Auf  die  Berufe  beziehen  sich  folgende  Strophen: ^^) 

Der  Melker.  Der  Metzger. 

Dert  äne  am  Bergli,  D'r  Schärliberg  *^)  uf, 

X)ert  steit  ne  wissi  Geiss.  DV  Schärliberg  ab, 

X  ha  81  wöue  mäue,^^)  Kauf  mer  doch  mis 

XDa  haut  *s  mer  grad  eis.  **)  Cheibefleisch  *®)  ab. 

Aus  der  Zeit,  wo  man  auf  selbstgemachte  Kleider  noch  stolz 
'^*"  und  daher  mit  Geringschätzung  auf  die  windige  Sippe  der 
^  1^ Beider  herabsah,  mögen  die  Reime  stammen: 

^Schnider  scbnuf  ufl  Dert  unte  bi  Hasli, 

"^^as  Vormittag  geschafft  best,         Dert  steit  ne  Kapäu, 
*^^e8t  Kamittag  uf.  Dert  sufit  dri  Schnider 

Us  einer  Budäu.  ^*) 
Es  hat  ne  Schnegg  ne  Schnider  g'Jagt, 
Und  war  d^r]  Schnider  nid  so  gsprunge, 
So  hätt'  ne  d'r  Schnegg  Übersprunge.  ^*) 

Vermischte  Scherzreime. 
"^Vart  nur,  wart  nur  Bäbili,  Dr  Waudi  ^)  wott  go  gige, 

"^^art  i  krieg  di  scbo  bim  Schnäbili,     D's  Frauili  wott's  nit  tue. 
^^art  nur,  wart  nur  Bäbili,  Da  nimmt  d'r  Wouf  d'rWaudi 

^^art  i  krieg  di  scho.  ^')  Und  's  Frouili  ou  derzue. 

(Tanzliedchen.) 

♦^)  Auch  in  Zug.  —  ♦«)  Vgl.  Archiv  V,  304  ff.  —  ♦»}  Melken.  —  *r)  Auch 
^^   ^idwalden.  —  ♦*)  Schärliberg  bei  Marbach.  —  ^)  Kossfleisch.  —  *»)  Bii- 
^^tte   (Flasche).   —    **)  Vgl.  Archiv  V,  307.  —    ^»)  Auch  in  Nidwaiden  und 
—  *♦)  Waldi  «  Stier. 


282 


Sprache  und  Lieder  aus  dem  Entlebuch. 


Heitschi  tne  d^Httender  i. 

Chnm  bibi,  ohom  bibi! 

Ist  d'r  Hahn  ou  d*rbi? 

Cham  bibi,  chnm  bibi! 

Was  frag  i  doch  dem  Hahn  d'rna! 

Cham  bibi,  chnm  bibi! 

Wenn  i  name  d^Httender  ha! 

Cham  bibi,  chnm  bibi! 

SchangnoaerWi  **),  Schangnouer  Wi, 
Er  ist,  er  chönt  nit  besser  si. 
Mit  Stösliwasser  *^)  ist  er  toaft, 
und  wird  derzue  no  tür  verchouft. 

Hut  ist  Büntilistag, 
Und  morn  ist  Liechtmess. 
Meitschili  mach  d's  Büntili  zVäg 
Und  säg:  Gott  b'httetis! 

Dr  Giger  mit  dem  Fiselboge 
Tanzet  i  de  Läderhose. 

(Tanzliedchen.) 

Chlini  muntiri  Appezäuer, 

Si  frässit  d'r  Speck  mit  samt  d'm  Täner. 

Um  den  Jodlern  etwas  üoterbrechang  und  Abwechslang 
geben,  legt  man  denselben  den  einen  oder  andern  Yers  zu  Gmi 
den  der  Vorjodler  stets  von  neuem  anstimmt,  um  ihn  vom  Cl 
so    oft    durch    Gejauchz    und    Gejohle    schliessen   zu  lassen 
man  sich  gründlich  ausgejodelt  hat.   Sehr  beliebt  sind  die  k' 
vollen,  aber  nicht  gerade  geistreichen  Texte: 

Wo  d'r  Adam  d's  Evili  het  g'seh,        D'r  Adam  und  d'Eva  hei  C 
Ist  er  nfgampet  und  het  g'jachzet:  strumpf  a^^):  Hu7 

Juhe!  Si  schlafe    nä  nander,  geit 

nttd  a:  Haha  etc 


Wenn  i  am  Fenster  steh, 
Da  töd  i  mini  Flöh, 
Die  liebe  Chleine 
Mit  d'knrze  Beine. 
Und  nach  ihrem  jähen  Tod, 
Streich  i  si  a£s  Batterbrod, 
Das  schmeckt  gerade 
Wie  Chokolade. 

Hut  ist  dV  erst  Tag  Apria, 
Da  sprängt  mer  d'Narre,  wo  mer  wi 
Aber  am  erste  Tag  Mai, 
Da  chömi  si  wider  hei.**^ 

D'r  Honzschitter  yo  Bern, 
Macht  er  nid  Schitter,  so  macht 

Spä 
D'r  Honzschitter  vo  Andnfinge ' 
Mag's  nttd  von  enandere  bringe. 

Ueber  e  Gotthard  flttge  d'Brämi 
Und  wenn  si  übere  si,  so  si  si  däne.  ^ 


D's  Meitili  Babi 

Het  Geiss  im  Chabis 

Und  Gitzi  im  Klee; 

I  ha  mir  Lebtig  nüd  so  g'seh. 

Huhn,  je  ho  etc. 


Japeidi  and  jnpeida! 
Schnaps  ist  gnet  für  d'CJ 
Jnpeidi  and  japeida! 
D'Frou  ist  Meister,  nid 


'*^)  Schangnau  bei  Boni.  —  ^^)  Stösli,  ein  kleiner  Bach,  der 
^Bären"  in  Schangnau  vorbeifliesst.  —  '»')  Auch  in  Zug  und  Thui 
iVI,  143.  —  -8)  Andelfingen,  Kt.  Zürich.  —  ^'»)  Auch  in  Nidwalc 
m  Thurgau.     Archiv  VI,  149.    —    ^^)  Chuder  «=  grauweisser  1 
gänzlichen  Verarbeitung. 


Sprüche  und  Lieder  aus  dem  Entlebnch.  283 

Honkede  Badi,  Hankede  Badi,  Hang  a  de  Wade,  Hang  a  de  Wade, 

Sof  au  nit  so,  Buf  aa  nit  so!  Friss  ao  nit  so,  friss  aa  nit  so! 

Mir  mögid  sttst  nllmme  Mir  mögid  stist  nüd  ame 

D'r  Rank  ttbercho.  Rank  ame  cho.  ^') 

Als  gute  Freunde  und  Nachbarn  rühmen  die  Entlebucher 
nicht  bloss  ihr  eigenes  Tal,  sondern  auch  das  Land  ihrer  ber- 
nerischen  Nachbarn  und  singen: 

Im  Oberland  ist's  schön  Im  Emmetal  ist's  schön, 

Wo  Gletscherwasser  fliesst.  **)  Wo  schöni  Meitli  si. 

Im  GlcTglital  *^)  ist's  schön,  Im  Entlibaech  ist's  schön, 

Wo  vili  Aelpler  si.  Wo's  schwarze  Esffee  git. 

Im  Simmetal  ist's  schön; 
£s  11t  zwisohe  Bergeshöh'n. 

Eine  Variante  zu  dem  Bd.  V  44,  veröffentlichten  Volks- 
lieder^) lautet: 

1.  Was  steit  de  jange  Buebe  wou^*)  a? 
Gedalt,  Gedalt,  Gedult! 

Nes  schöns  Meitschi  a  d'Hand, 
Z'probiere  ne  Tanz. 
Gedult,  Gedalt,  Gedalt! 

2.  Was  steit  de  jange  Meitschene  woa  a? 
Nes  Bettli  bereit 

Und  d's  Schätzili  dri  gleit.  ^^) 

5.  Was  steit  de  aate  Buebe  wou  a? 
Früehzitig  i  d's  Bett, 

Dass  niemer  nüd  merkt. 
(Mit  Schittere  zuedeckt.) 

6.  Was  steit  de  aute  Meitlene  wou  a? 
D'rBese  i  d'Hand, 

Z'wUsche  d'rGang. 

7.  Was  steit  de  ante  Manne  wou  a? 
Nes  Gläsili  Schnaps, 

_  Nes  Päckili  Taback. 

*M  Auch  rings  um  den  Vierwaldstättereee  als  C'horlied  von  Mostbrüdern 

•***  Verbreitet.    Daselbst  singt  man  aber  Hunkeler   Badi   etc.   und   bezieht 

^  Text  auf  einen  nunmehr  verstorbenen  gleichnaniigen  Luzerner,  der  mit 

*^^in  schwimmenden  Schlagwerk    sämtliche  Dampfschiffbrücken  herstellte 

™^  durch  seine  Virtuosität  im  „Görpsen*  (Aufstossen)  einen  interkantonalen 

^  erUngt  hatte.    Seine  Arbeiter  pflegte  er  w(»gen  ihrer  Sympathien  für  den 

^tstnndentag   die   Achstundencheiben   zu   nennen.    —    ")    Beide   Verse 

^^''Icn  je  nochmal  wiederholt   und   dann  mit  einem  Jodler  geschlossen.  — 

^  Bei  Thnn.  —  •♦)  Wird  übrigens  nicht  bloss  im  Kanton  Bern  und  im  Entle- 

7^K  aondem  mit  wenigen  Abweichungen  auch  in  Unterwaiden  gesungen.  — 

')  Wol.  —  Wj  Strophe  3  und  4  enthalten  keine  Abweichungen. 


284  Sprüche  und  Lieder  aus  dem  Entlebucli. 

Wird  irgendwo  zum  Tanze  aufgespielt ,  dann  können  die 
Entlebncher  Mädchen  nicht  mehr  ruhig  sitzen  bleiben.  Un- 
willkürlich föbrt  ihnen  der  Hopser  in  die  Beine  und  sie  gestehen 
freimütig: 

Ponka,  Ponka  ^')  tanz  i  gäm 
Mit  de  schöne  Herre  z'Bärn; 
De  tanze  mag  i  nid  äUei, 
Und  'sAnnäbäbl  het  Dräck  am  Bei. 

Poaka,  Pouka  tanz  i  gäm, 
Hür  nu  lieber  weder  förn. 

Mueter,  i  mag  nid  spinne, 
DV  Finger  tuet  mer  weh. 
Giger  spann  dV  Saite! 
Tanze  möcht  i  eh'. 

Will  man  aber  auf  den  Tanzboden  gehen,  so  muss  man 
hiezu  begreiflich  auch  eine  Liebste  haben  und  die  Entlebucher 
Burschen  gehen  diesbezüglich  ausserordentlich  früh  auf  die  Suche, 
sonst  würde  man  ihnen  nicht  nachreden: 

Hinte  am  Hus  und  vor  am  Bus  Hinte  am  Hus  und  vor  am  Hos 

Steit  ne  längi  Wide,  Steit  ne  auti  Banne, 

Wenn  d'Buebe  jährig  si^  Wenn  d'Buebe  keini  Meitschi  hei, 

So  denke  si  scho  a  d's  Wibe.  So  fai  si  afe  pflänne. 

Hut  und  morn  und  übermom, 
Git  ne  längi  Wuche. 
Wenn  d'ßuebe  keini  Meitschi  hei, 
So  fai  si  afe  gruchzge. 

Gäuit  ®®)  Vater,  es  ist  kei  Sund, 

Wenn  mer  Speck  i  de  Rüebe  findt? 

Nei,  0  nei,  mis  liebs  Chind! 

We  mer  ne  g'seht,  so  nimmt  mer  ne  geschwind. 

Gäuit  Vater,  es  ist  kei  Siind, 

Wenn  ne  Bueb  nes  Meitschi  nimmt? 

1.  Wo-n-i  bi  füfzähni  gsi,  bin  i  zur  Mueter  gange 
Und  ha  g'frägt,  ob  i  dörf  nes  Meitschi  ha. 
Nei,  nei,   het  si  g'seit,    du  bist  no  vil  z'jung. 
Du  bist  no  vil  z'dumm. 

2.  Du  bin  i  zum  Herr  Pfarrer  gange 

Und  ha  ne  g'frägt,  ob  i  dörf  nes  Meitschi  nä. 

Nei,  nei,  bi  miner  Seel! 

Wenn  nes  Meitschi  nimmst,  so  chunst  i  d'flöll. 


6')  Polka.    Vgl.  Archiv  VI,  151  und  285.  —  w)  Mehrzahl  von  „Gelf* 


Sprüche  und  Lieder  aus  dem  Entlebuch.  285 

.  3.  Du  bin  i  zum  Herrgott  gange, 

und  ba  g'frägt,  ob  i  dort  nes  Meitschi  nä. 
Ja,  ja,  bet  er  g'seit  und  bet  g'Iacht: 
Für  d'ßuebe  ban  i  d'&leitscbi  g'macbt.  ®*) 

Wenn  auch  etwas  weniger  stürmisch,  so  scheinen  doch  die 
Mädchen  ähnliche  Gefühle  in  ihrem  Busen  zu  tragen  und  pflegen 
daher  für  die  Schwächen  ihrer  jungen  Landsleute  nicht  ohne 
zartes  Yerständnis  zu  sein.  Früher  kamen  die  jungen  Bauern- 
mädchen  häufig  zum  Spinnen  zusammen,  yergassen  aber  trotz 
eifriger  Arbeit  nicht,  die  Strassen  und  Gässchen  zu  kontrollieren 
ond,  auf  eine  bestimmte  Mitarbeiterin  deutend,  zu  singen: 

Mir  wei  spinne  und  gizig  st, 
D'r  erst,  wo  chunt,  oba  dine  si. 

Kam  dann  etwa  ein  alter  Knabe  oder  der  Herr  Pfarrer  des 
VKoges    daher,    so    signalisierte    ein    schallendes    Gelächter    das 
fjEttAle  Ereignis.  —  Das    stille    Liebessehnen  der  Entlebucher- 
nn^n  wird  uns  auch  in  den  Sprüchlein  verraten: 

M^Zn  ist  kes  Lied  so  heilig,  Und  wenn  si  das  nid  täte, 

M^Ca  g'hört  nes  Tänzli  druf.  Es  würd'  ne  übel  ga. 

iMIDie  Meitschi  si   barmherzig,  D'r  Vater  tat  si  jätte  ^^ 

fc^i  töi  de  Buebe  uf.  Und  d'Mueter  gVüss  no  scbla. 

D'r  Lunzi  ebund,  d'r  Lunzi  obund, 
^  Me  g'hört  e  uf  de  Steine. 
Es  muess  e  si,  es  mness  e  si, 
Es  cbnnd  mer  süst  e  keine.  ^^) 

Auf  die  zukünftige  Verehelichung   spielen   die  folgenden 
^*"^e  an: 

Gan  i  wit  nsä,  so  ban  i  wit  hei. 
Gan  i  d'r  d's  Gänsli,  so  sticht  mi  d'r  Stei. 
Gan  i  d'r  d's  Mätili,  so  netzt  mi  das  Tau 
Und  blib  i  debeime,  so  krieg  i  kei  Frau. 

Sari  Holzöpfili  und  längi  Stiu  dra, 
Freu'  di'  Mariann ili !  muest  ou  ne  Ma  ba. 

Bei   der  Wahl    der    Zukünftigen    erhalten   junge  Mädchen 
'^^^     altem  Frauenzimmern,   wie    billig,  den  Vorzug,  wofür  aber 
^^^  Mädchen  Gegenrecht  üben. 


i 


**)  Der  gleiche  Stoff  ist  von  Roseg^cer  verwertet  in  seinem  bekannten 
J^  bin  jüngst  verwich'n'*.  —  "'»)  Mit  der  Rute  abstrafen.  —  "')  Auch  in 
^n^rwalden. 


286  Sprüche  und  Lieder  aus  dem  Entlebnch. 

Sibe  Sack  von  anti  Wiber,  Maeter,  ne  ante  Ma  mag  i  nid 

Bi  froh,  dass  i  kes  ha;  Weg  dem  stechege  Bart. 

Will  lieber  nes  jangs  Meitschi,  Ne  junge  Bneb  wot  i  de     [ahed. 

Da  chan  i  Freud  dra  ha.  Und  wenn  er  umme  näs  Paar  Hose 

SchwiDdet  aber  im  Herzen  einer  HeiratalaBÜgen  mit  der 
Zahl  der  Jahre  die  Hoffnung  auf  einen  Mann  immer  mehr,  dann 
macht  sie  einen  letzten  Versuch  und  ruft  im  Gebete  den  Himmel 
und  seine  Heiligen  an  um  ein  gnädiges  Einsehen.  Als  bevor- 
zugter Zufluchtsort'  für  solche  Bedrängte  gilt  im  Entlebuch  die 
St.  Annakapelle  auf  dem  Schwändelberg  bei  Esoholzmatt.  Dem- 
entsprechend geht  im  Yolke  die  Rede: 

D'Meitli  gai  ufä  Schwändu 
6a  hätte  um  ne  Idändu. 

Läutet  das  Glöcklein  des  abgelegenen  Wallfahrtskirchleins, 
so  heisst  es  wiederum  in  Escholzmatt  und  Umgebung: 

Es  81  Meitli  bi  dV  Sant  Anna 
Und  bätid  um  Manne. 

Um  die  Mädchen  zu  necken,  wird  hin  und  wieder  das  Glöck- 
lein auch  von  jungen  Burschen  gezogen. 

Mit  einem  bedeutend  realistischem  Mittel  als  die  Jungfrauen 
Entlebuchs  suchte  eines  Tages  der  kleine  Sohn  des  Melk  sein 
Schicksal  zu  korrigieren.  Ein  Bauer,  Melk  mit  Namen,  hatte 
zwei  Söhne,  einen  grossen  und  einen  kleinen.  Ein  Mädchen 
hatte  sich  den  grossen  zum  Bräutigam  gewünscht,  fand  aber 
keinerlei  Gegenliebe,  während  der  kleine  ein  Auge  auf  das 
Mädchen  geworfen  hatte.  Das  Mädchen  ging  in  seiner  Not  und 
Bedrängnis  in  die  St.  Jostkapelle  und  betete  daselbst  laut  und 
innig : 

Heiliger  Sant  Jost 

Schick  mer  d^s  Melke  der  Gross ! 

Das  hörte  einstmals  der  Kleine  und  sann  auf  eine  List. 
Sobald  sein  geliebtes  Mädchen  wieder  nach  St.  Jost  wallfahrtete, 
eilte  er  ebenfalls  dortbin,  versteckte  sich  hinter  dem  Altare  und 
als  Entgegnung  auf  die  obstehende  Bitte  der  Jungfrau  erscholl 
nun  vom  Heiligenbild  herab  die  Antwort : 

Hör  uf  mit  diner  Bitt, 
Wenn  d'r  Chli  nid  witt ! 

Ortsneckereien,  die  sich  auf  das  Heiraten  beziehen,  sind 
folgende : 


Sprüche  und  Lieder  aus  dem  Eotlebuch.  287 

Schärlig  ^^  ist  kei  Stadt,  Es  ist  kes  Öa  7^)  im  Dägili,  ?&) 

Es  ist  Dur  e  Flecke.  D'r  Da  ist  abe  bnmne. 

£s  n  99  Jampfere  dri;  Es  ist  kes  ledigs  Meitschi  me 

Es  hei  aoi  rüdig  Näcke.  ^^)  Im  ganze  Chröschebmnne.  ''^) 

Die  Frage,    ob  man    sich  vielleicht  nicht  einen  Korb  hole, 
wird  in  dem  Spruche  erörtert: 

Eine  oder  zwe.  Fünf  oder  säcbs. 

Wer  ist  bim  Annili  mehV  Wer  het  mit  em  Annili  G'späss? 
I  nid  aber  da  woa  Sachs  oder  sibe. 

G&nst  im  Annili  gäng  no  woa.  ^^)  Wer  hets  mit  em  Annili  gschribe? 

Zwe  oder  drelf.  Sibe  oder  acht. 

Wer  chocht  im  Annili  BreüV  Wer  het's  mit  d'm  Annili  gmacht? 

Drei  oder  vier.  Acht  oder  nun. 

Wer  zaat  im  Annili  Bier?  Wer  kännt  im  Annili  d'Lün?  ^^) 

Vier  oder  fttnf.  Nun  oder  zäh. 

Wer  bindt  d'm  Annili   d'Strümpf.  Wer  macht  d'm  Annili:  äh!^^) 

Wenn  auch  nicht  alle  sagen  müssen: 

Mis  Schätzili  ist  im  Entlibaech  binde, 
Z'hinderst  im  Ofe,  im  Aeschetaech  inne.  ^^) 

Bo  ist  der  Besuch  der  Oeliebten  noch  mit  genug  Hinder- 
niseen  yerbunden  und  ist  zuvor  nicht  selten  ein  heisser  Faust- 
kampf mit  den  Nachbarn  oder  Rivalen  zu  bestehen.  Oanz  melan- 
cholisch bekennen  daher  die  Marbacher  Burschen: 

I  Schärlig  übere  gan  i  nttmme  z'Chilt, 
Si  stehle  mer  süst  d'r  Hömlischilt.  ^^) 
Hömlischilt  ist  no  nid  gnue, 
Si  stehlit  mer  no  d*Strümpf  and  d'Schaeh. 

Nebst   diesen  Abenteuern   müssen  sich  die  Marbacher  auch 
noch  spitze  Stichelreden  gefallen  lassen,  wie  z.  B. 

Vo  de  Marbacher  Baebe  wiegt  keine  kes  Pfund. 
Der  Erst  wiegt  drei  Vieriig, 
Der  Zwöit  es  halb  Pfand. 
Der  Dritt  ist  nit  g'woge,  ^^ 
Der  Viert  ist  nit  g'sand. 


'•)  Weiler,  zu  Marbach  gehörig.  —  ")  Nacken.  --  '♦)  Oel.  —  "j  Lämp- 
chen.  —  ■'')  Zwischen  Wiggen  und  TnibBchachen,  Kt.  BerD.  —  ")  Diese 
letzten  zwei  Verse  werden  zweimal  gesungen  und  desgleichen  nach  jeder  de- 
folg^den  Strophen  wiederholt.  —  '^j  Die  Launen.  —  '^)  äh  machen  =  liebr 
kosen.  —  *•)  Vgl.  Bochholz  S.  311.  —  ***)  Der  sogenannte  Ilemdstock,  nich. 
etwa  der  Brustlatz.  —  wj  oder  auch:  Der  Dritt  ist  maladij^  (schagränig) 
Aehnlich  in  Nidwaiden. 


288  Sprüche  und  Lieder  aus  dem  Entlebuch. 

Zu  den  äussern  gesellen  sich  aber  gar  oft  noch  innere 
Schwierigkeiten,  da  es  zum  Heiraten  von  jeher  zweier  Per- 
sonen bedurfte  und  das  Mädchen  unter  Umständen  recht  wählerisch 
sein  kann.  Beweis  dessen  ist  uns  das  folgende  Selbstgespräch 
mit  den  yielen  Erwägungen  und  Gegenerwägungen.  ^^) 

1.  Wenn  eine  ne  schweri  Bnrdi  bet,  so  bet  er  gnueg  dra  z*lräge; 
Meitsebi,  nimm  ne  Barebaeb,  de  bet  de  Koss  und   Wäge. 
Wart  i  will  d'r,  wart  i  will  dV  i  d's  Cbämerli  ine  cbo! 

2.  Si  säge  gäng,  die  Bnrewiber  müessi  d'Ross  ispanne. 

Yil  lieber  will  i  ne  Kessler  näh,  er'bletzet  mer  de  mi  Pfanne. 
Wart  i  will  d'r,  u.  s.  w. 

3.  Si  säge  gäng,  die  Cbesslerwiber  mUessid  d'Nägu  spitze. 

Vil  lieber  will  i  ne  Cbrämer  näh,  de  bet  de  Band  und  Spitze. 

4.  Si  säge  gäng,  die  Cbrämerwiber  kriegid  vile  Kinder. 

Yil  lieber  will  i  ne  Metzger  näh,  de  bet  de  Scbiaf  und  Rinder. 

5.  Si  säge  gäng,  die  Metzgerwiber  müessid  d's  Fleisch  ibeitze. 
Vil  lieber  will  i  ne  Becker  näh,  de  tuet  mer  d's  Öfili  heize. 

6.  Si  säge  gäng,  die  Beckerwiber  müessid  d*r  Hebi  knätte. 

Vil  lieber  will  i  ne  Schnider  näh,   de  tuet  mer  d's  Jepli  blätze. 

7.  Si  säge  gäng,  die  Schniderwiber  mäessid  d'Nadle  fädne. 

Vil  lieber  will  i  i\e  Sobuester  näh,  de  tuet  mer  d'Schueb  laggiere. 

8.  Si  säge  gäng,  die  Sobuesterwiber  müessid  d'Schueb  verbändle. 
Vil  lieber  will  i  e  Dokter  nä,  de  tuet  mi  de  kuriere. 

9.  Si  säge  gäng,  die  Dokterwiber  machid  dräckigi  Händli. 

Vil  lieber  will  i  d'r  Jäggili  nä,  der  git  nes  tapfers  Mändli. 

Auf  gleiche  Weise  wird  noch  eine  Reihe  von  Bernfsarten 
zum  Vergleiche  herangezogen,  bis  schliesslich,  angesichts  der 
Schattenseiten,  die  jede  Lebensstellung  mit  sich  bringt,  das  Mäd- 
chen bescheidener  wird  und  sich  zum  Geständnis  herbeilässt: 

Vom  Stübili  i  d's  Gädili  ^)  Wenn  i  d'r  schmutzig  Joggili  hätt, 

Vom  Gädili  i  d's  Bett.  So  hätt  i,  was  i  wett.  ®^) 

Dass  die  Bräute  mit  dem  Jawort  nicht  immer  grosse  Eile 
haben,  beweisen  auch  folgende  Reime: 


^^)  Diese  Verse  lassen  sich  aber  auch  als  eine  Art  Zwiegespräch 
denken,  wob(M  ein  Bauernbursche  die  drei  ersten  Zeilen  als  Heiratsantrag 
spricht  und  im  Refrain:  Wart  i  will  d'r  etc.  sein  Vorhaben  bekannt  gibt. 
Das  Mädchen  antwortet  darauf  in  den  drei  nächsten  Versen  und  gebraucht 
den  Refrain  in  abwehrendem  Sinne.  Die  ferneren  f^in Wendungen:  Si  säge 
etc.  dürften  dem  abgewiesenen  Bauernhurschen  in  den  Mund  gelegt  werden, 
der  seine  Sache  noch  immer  nicht  t\lr  verloren  hält.  —  ^)  Schlafzimmer 
neben  der  Stube.  —  *••)  Y^\.  Archiv  V,  304. 


i 


Sprflche  und  Lieder  aus  dem  Entlebuch.  289 

Liseli,  was  denkist, 

Dass  s'Eöpfili  so  bänkist, 

D's  Mliatili  ^^)  so  spitzist, 

Keis  Wörtili  zu  mer  seist?  ®') 
;>*8  Aetüs,  Mietis  Chabismesser  Cblini  Cbügili  mness  mer  giesse, 

laut  nf  beide  Site.  Wenn  mer  cblini  Vögili  wiu  scbiesse. 

Ifeitsohüi,  wenn  mi  du  nid  wit,         D's  Sobwigermtteterli  mness  mer 
k>  säg  mers  de  bi  Zite.  griiesse, 

Wenn  mer  d's  Töcbterli  ba  win. 

unter  umständen  kann  aber  auch  die  Auswahl  den  Freier 
a    Verlegenheit  setzen. 

Yo  z'binderst  der  Hilfere  ®®)  Wenn  eine  zwei  Scbätzili  bet, 

£is  zVorderst  am  Spitz,  So  steit  er  i  d'r  Mitz. 

Die  erwiederte  Liebe  äussert  sich  nicht  selten  in  aus- 
^lassenen  Reimen. 

Lnstig  nnd  manter, 
Am  Sandig  d^s  Nacbt  cbont  er, 
und  wenn  er  nit  cbond, 
So  ist  er  nit  g'sond. 
und  wenn  er  de  obnnd^ 
So  tnet  er  wie  ne  Hand. 
X  wett,  es  war  Samstig  I  and  mis  Scbätzili 

TJnd  Sandig  z'  Nacbt  on,  Si  beidi  wobl  af. 

X!)e  gsäcbi  mis  Cbrasili  Wir  scblttfe  mitenandere 

TJnd  d's  Cbrasili  mi  ou.  D'r  d's  Ofelocb  uf.  ^») 

Nes  nigelnagelneüs  HüsH, 
Nes  nigelnagelneüs  Dacb, 
Nes  nigelnagelneüs  Scbätzili, 
Dem  alte:  Gnet  Nacbt! 
^    Scbätzili  vom  Selbelocb,  Wenn  mi  Schatz  e  Zackerstock  war, 

^^fcli  di  nit,  so  g'scbmöok  di  So  täti  d'rab  schlacke,    bis  ntt  me 

[doch.  »^)  [d'ra  war.  »^ 

Itz  ban  i  mis  Scbätzili  echo  lang  niime  gseb, 
Wenn  i's  de  finde,  so  klopf  i-n-is  de. 
Itz  bockets  dert  obe  am  Thunersee 
und  jättet  d*r  Klee.  Jähe!     (Tanzliedcben.) 
^f  i  Schatz  ist  vom  Wanis,  ^^       Und  i  am  Blamkobl. 
XZTDd  i  Yom  Tirol.  oder:  Mi  Schatz  het  d'r  Schiss 

£r  bandlet  am  Cbabis  Und  mir  ist  ganz  wohl. 

W)  Das  Mäulchen.  —  »')  Vgl.  Rochholz  S.  304.  —  ^s)  Alpengegend 
'•^«cben  Marbach,  Escholzmatt  und  FlUhli,  wo  die  Ilfis  (Bilfere)  entspringt. 
^  •^)  Oeffnung  in  der  Stubendecke  über  dem  Ofen,   in   alten   Häusern    ofk 

**"  einzige  Eingang  in  die  Schlafkammer.  —  ^®)  Eigentlich  von  einem  Arz- 
^^mittel  gebraucht.   Vgl.  Rochholz  S.  174.  —   «')  Auch  in  Unterwaiden.  — 

^)  Wallis.    Vgl.  Rochholz  S.  305. 


290  Sprüche  uod  Lieder  aus  dem  Entlebuch. 

Oegen  die  sittlichen  Oefahren,  welche  die  yielen  Eilt- 
gänge  mit  sich  bringen,  sind  die  Entlebucher  nicht  blind.  Die 
Barschen  selbst  gestehen  nicht  völlig  za  ihrem  eigenen  Böhme: 

Am  Meitsohili 

St  Schleipfili.  »3) 

Mis  ist  no  keis. 

I  wette  ne  Haabbatze, 

Bis  d's  Jahr  ist  aa  eis. 

Aber  nicht  bloss  der  Liebhaber,  sondern  auch  das  Mädchen 
kann  das  ruhige  Temperament  zeitweise  verlieren. 

Chrut  and  Uebercbrat 
lind  Chrut  im  (jarte, 
Uesers  Bäbili  ist  ne  Brut, 
Es  wot  nid  länger  warte.* 

Trotz  dieser  Ungeduld  bleibt  vielleicht  der  Besuch  des 
Bräutigams  das  eine  und  andere  Mal  aus. 

Eigili  guet  Oepfu  ^^)  Httt  ist  Chilbi  und  mom  ist  Chilbi, 

Git  eigili  guet  Schnitz.  Bis  am  Samstig  z'Abe. 

Meitili  mach  d's  Lädili  zue,           Wenn  da  zu  mim  Sohätzili  obunst, 

Hine  gits  nix!  So  säg  em:  Gueten  Abe! 

Wagt  aber  ein  anderer  in  die  Lücke  zu  treten  und  beim 
Schatze  einen  Besuch  zu  machen,  da  erwacht  sofort  die  Eifer- 
sucht. 

Gang  mer  nid  immer  d'r  d's  Mättiii, 

Gang  mer  nid  immer  d'r  d's  Gras, 

Gang  mer  nid  immer  zam  Sohätzili, 

Süst  sohlah  di  de  einist  ab.  ^^) 

Aber  auch  der  Spott  bleibt  zuweilen  nicht  aus. 

Mi  Schatz  ist  e  schöne  Wenn  i  emau  es  Sohätzili  ha, 

Vom  Faess  bis  zum  Chopf.  Beteli  muess'  mer  heisse. 

Am  Hals  het  er  nes  Dingli,  I  leg  em  de  nes  Schäuili  ^*)  a 

Das  nennt  mer  e  Chropf.  Und  schick  es  mit  de  Geisse. 

Wenn  i  emau  nes  Sohätzili  ha,  Wenn  i  einisoh  e  Alti  ha, 

I  weiss  de,  was  i  tue:  So  weiss  i  was  i  tue. 

I  g'heie  's  de  i  d' Schisse  abe  I  legge  're  de  e  Schelle  a 

Und  schlah  d'r  Deckel  zue.  Und  ha  si  für  ne  Chue  (Schwy^ 

Herztusigs  Sohätzili,  was  soll  i  tae, 
Es  wachst  mer  e  Chropf  am  andere  zue. 
Hauä-ne  ab,  so  tuets  mer  weh, 
La  ne  la  stah,  so  han  i  zwe. 


8*)  Leichtfertige  Weibspersonen.  —   ^^)  Ausserordentlich  gute  Aep^ 
-  9^)  Vgl.  Rochholz  S.  322.  -  9«)  Schelleli. 


Sprache  und  Lieder  aus  dem  Entlebuch.  291 

Die  Schärliger  singen  auf  ihre  Mitbürger  von  Marbach 
folgendes  von  Jodlern  begleitetes  Spottlied: 

Wenn  d'Marbacher  Buebe  wei  z'Chilbi  gab 
So  mttesse  si  z'erst  vor  e  Spiägu  stah.  ^^) 

£8  hei  irere  drei  nes  Meitschi  gba, 

Eine  ällei  hätte  nid  vermöge  z^ha. 

Si  säge  4'r  Frau  Wirti,  si  soll  bringe  ne  ohli  Fleisch, 

Kid  e  so  schmutzig  und  doch  e  chli  feiss. 

Und  wenn  si  keis  Gäld  i  de  Säcke  me  hei. 

So  frägid  si  d^s  Meitschi,  ob  es  ne  chli  heig, 

Si  sägit  d'r  Frau  Wirti,  si  sells  schribe  a  d'Wand. 

Ist  das  nid  e  Spott  und  e  ewigi  SchandV 

Am  Samstig  und  am  Sundig  z'Kacht, 

Da  gai  die  Buebe  durch  die  Gase. 

Si  legit  schöni  Hüetli  uf 

Und  sueohid  die  hübsche  Meitli  uf. 

Da  gai  81  de  vor  d's  Uns, 

und  ist  d's  Meitschi  nüme  uf: 

üfe  g'stige  und  d'Red  verkehrt, 

Abe  g'heit  und  d'Hose  verzert.  — 

Da  gai  si  de  uf  d'Stäge, 

Da  chunt  'ne  d's  Meitschi  scho  ätgäge. 

„Hest  nid  Schoaps,  so  best  doch  Wy, 

Dass  mer  chönit  e  chli  binenander  si''. 

I  d'r  Kutscha  ist  ne  Sack, 

Wo  mer  d'Liebi  zäme  packt. 

I  de  Chile  ist  ne  Tritt, 

Wo  mer  d'Liebi  zäme  git. 

Me  git  si  z'säme  Paar  um  Paar, 

Chumin-i  acht  ou  dethar? 

Rückt  der  Hochzeitstag  trotz  allen  Hindernissen  endlich 
beran,  so  kommt  auch  noch  die  Aussteuer  zur  Sprache.  Sie 
ist  im  Entlebuch  nicht  immer  sehr  umfangreich  und  wertvoll. 

Nes  rOdigs  Gitzi,  Ne  gläserne  Haubbatze, 

Ne  ghnzerigi  •*)  Geiss,  Ne  hölzerne  Kueh, 

Das  git  mer  d'r  Vater,  Das  git  mer  mi  Vater, 

Wenn  i  Eini  weiss.  Wenn  i  biirate  tue. 

Damit  es  lustig  hergehe,  werden  zur  Hochzeit  auch  Spiel- 

")  Diese  ersten  zwei  Verse  scheinen  {^ar  nicht  zum  Nachstehenden 
zusammenzupassen,  sondern  ursprünglich  zu  einem  andern  StUck  gehi')rt  zu 
haben.  Was  ihnen  zunächst  folgt,  bildet  eine  Variante  zu  dem  bereits  im 
Band  V  15  publizierten  Bernerlied.  Wie  die  Schärliger  auf  die  Marbacher, 
80  wenden  umgekehrt  die  Marbacher  das  gleiche  Spottlied  auf  die  Schärliger 
an.  — *  '•)  Struppige. 


292  Sprüche  und  Lieder  aus  dem  Entlebnch. 

lente  bestellt.  Bevor  aber  das  glückliche  Paar  zur  T 
geht  oder  beim  Hochzeitschmause  den  Reigen  der  Tänze  e 
pflegt  man  der  Braut  zu  Ehren  Yorerst  das  Lied  zu  sing 

Was  wei-mer  d'r  Brut  ufgige? 
D's  Eränzli  ab  und  d's  Httbli  nf, 
Chrütz  und  Lide  obe  dmf: 
Das  wei-mer  d*r  Brat  ufgige. 

Auf  die   Haushaltung   wird   folgende  Schnitzelba 
sungen :  *^ 

D*8  erst  Jahr,  wo-n-i  g'huset  ha, 
Het-mer  d'Goite  nes  Huen  gä. 
Huen  han  i  Name  gä: 
Hoppe  heisst  die  Henne, 
Am  Morge  frie  i  d's  Tenne,  ^^^) 
Si  sc^nipperlet  und  schnäpperlet  und  schnäbelet. 

D's  zweit  Jahr,  wo-n-i  g'huset  ha, 
Het-mer  d'Gotte  ne  Hahn  gä. 
Hahn  han  i  Name  gä: 
Sprigiligrau  heisst  d'r  Hahn, 
Hoppe  heisst  die  Henne, 
Am  Morge  frie  i  d^s  Tenne, 
Si  schnipperlet  und  schnäpperlet  und  schnäbelet. 

D's  dritt  Jahr,  wo-n-i  g'hoset  ha, 
Het-mer  d'Gotte  nes  Schaf  gä. 
Schaf  han  i  Name  gä: 
Wulezart  heisst  das  Schaf, 
Sprigiligrau  heisst  d'r  Hahn, 
Hoppe  u.  8.  w. 

D's  viert  Jahr,  wo-n-i  g'huset  ha, 
Het-mer  d'Gotte  ne  G^iss  gä. 
Geiss  han  i  Name  gä: 
Längbei  heisst  die  Geiss, 
Wullezart  u.  s.  w. 

D's  ftift  Jahr,  wo-n-i  g'huset  ha, 
Het-mer  d'Gotte  ne  Kue  gä, 
D'r  Koe  han  i  Name  gä: 
Tttrli  zue!  heisst  die  Kue, 
Längbei  u«  s.  w. 

D's  sächst  Jahr,  wo-n-i  g'huset  ha, 
Het-mer  d'Gotte  e  Frau  gä. 


99)  Vgl.  A.  ToBLER,  Sang  und  Klang  1899,  430 ;  Ders.,  Das  Volk 
Appenzellerlande  1903,  15.  —  *«^)  Der  Sinn  ist  offenbar  der:  Am 
früh  geht  die  Henne  in  die  Tenne,  um  dort  Fruchtkörner  zu  suchei 


Sprüche  und  Lieder  aus  dem  EDtlebiich.  293 

Fraa  han  i  Name  gä: 

Haberstroa  heisst  mi  Frou, 

Ttirli  zu!  heisst  die  Eue  a.  s.  w. 

D's  sibet  Jahr,  wo-n-i  g^huset  ha, 
Het-mer  d'G^tte  nes  Clhind  gä. 
Cbind  han  i  Name  gä: 
Chrusiligrind  heisst  das  Chind, 
Haberstroa  heisst  mi  Froa  u.  s.  w.  *^^) 

Auch  die  Enttäuschungen  im  Ehestand  werden  besungen, 
üriy  Schwyz  and  ünterwaade 
Wo  ist  die  Froa,  die  nit  cha  bauge?  ^®*) 

£  fingerlänge  Mända,  Si  hei  mitenandere  Hända, 

£  dammi,  dicki  Froa,  Chömit  luegit  oa !  ^^^) 

I  weiss  woo,  wenn-mer  d's  Singe  and  d's  Jutze  vergeit, 

Wenn  d'Chindswiege  i  d^r  Stabe  steit, 

Wenn  d'r  Wind  za  aune^^**)  Löchere  le  blast 

Und  d*r  Ma  mit  de  Füste  dri  sohlat. 

^o-n-i  bi  ledig  gsi  Sid  as-i  gVibet  ha, 

3t8-mer  am  wönste  gsi.  Han-i  längi  Zite. 

Vo-n-i  g'hüratet  ha,  D's  Bett  ist  von 

ÄD-i  g'meint,  i  mach  nes  Schickli.  Und  d'Wagle  *®*)  von, 

u   bin-i  da  i  d's  Elend  che  Jitz  han-i  nüme  d'Wite.  ^^^) 

^ie    im  Ongeblickli. 

D'r  Sattler  uf  em  Möösli, 
De  het  ne  Fron,   and  das  ne  bösi. 
Si  ist  die  bösist  ttberaa 
Und  an  die  böst  im  Emmetau. 
Si  het  g'seit,  si  chön  schön  singe. 
Si  hed-mer  g'seit,  si  wöa-mer  fiifzähni  *®^)  bringe ; 
Da  het-s'  mer  amme  fUfi  brange. 
Da  han-ere  da  d'r  Bagga  '^^)  g'schwange. 
Da  het-s'  mi  da  la  vor  d's  G'richt  zitiere, 
Doch  aber  nid  la  nsä  fdere. 

Sibe  Wache  bin-i  z'Trachsuwaud  **®)    im  Tarm  g'sesse, 
Ha  nttd  weder  Chmt  no  Rüebli  gässe. 
Und  jitzt  güi-mer  d'Lttt  no  d's  Lob  d'rbi: 
Keine  sig  so  lustig  gsi. 
Es  nahm  ou  d'r  Landvogt  grUsli  Wunder, 
Worum  die  G'fang'ne  hei  kei  Hunger. 
I  wett,  dass  er  dert  sitze  müesst 
Bis  em  d'Miesch  ^®^  am  Hinder  wiechs. 

*•*;  Vgl.  Rochholz  S.  163.  —  ««^j  ßalge  =  schelten.   —    »o3)  Aohnlich 
mBaseUaiid.  Areh.  VI,  290.  —  »«»•)  allen.  —  <♦>*)  Wiege.  —  »»^j  Nicht  mehr 
P\Ä  \^i  Kochholz  S.  314.  —  <««)  Fünfzebntausend  Franken.  -   »«')  Buckel. 
-  *•)  Trachselwald.  —  '^)  Moos. 


294  Sprüche  und  Lieder  aus  dem  £ntlebuch. 

üesi  anti  Sohwigere^  0  wenn  mi  Sohwigere  Ziger  war, 

Si  het  e  länge  Hans.  ^  '^)  Und  Hnnd  u.  Chatz  derhinter  ohäm, 

Si  mag  ne  strecke,  wie  si  wiu,  So  frässe  si  der  Ziger  ganz  und  gar, 

So  gseht  si  doch  nit  aus!  ^^^)  und  i  war  miner  Sohwigere  bar. 

Fast  ebenso  unpopulär  wie  die  Schwiegermütter  sind  die 
alten  Weiber. 

Offertorium ! 

Auti  Wiber  lanfit  chrnm. 
Paulus  schribt  de  Eorinthere, 
Me  söu  keini  auti  Wiber  überwintere. 
'  Si  houit  grossi  Stüokli  ab 
Und  essit  chlini  Mümpfli  drab. 
Si  hockit  mitts  vor'em  Für 
Und  wärmit  ihri  Schür,  "*) 
Und  drum  ist's  Brot  so  tür. 

RechnuDgsaufgabe : 

gSibe  anti  Wiber,  es  het  jedes  sibe  Köck;  jede  Rock  het  sibe  Sack; 
jede  Sack  het  sibe  Zopf;  jede  Zopf  het  sibe  Rappe.  Wi  vis 
git  da?« 

Fängt  der  Gefragte  an  zu  rechnen,  so  lacht  man  ihn  aus  ah 
einen,  der  den  alten  Weibern  die  Taschen  untersucht. 

Doch  sind  die  alten  Weiber  manchmal  besser  als  ihr  Ruf. 
Sie  können  zumal  für  ihre  verstorbenen  Männer  ein  recht  zart- 
fühlendes Herz  haben.  So  betete  eine  Entlebucherin  am  Grabe 
ihres  Gatten,  der  im  Leben  viel  Durst  gelitten: 

OeV  ihm  Gott  die  ewig  Rueh 
Und  es  Gläsli  Schnaps  derzue! 

Hiemit  haben  wir  einige  Zeilen  des  grössten  Buches  dei 
Welt,  des  Entlebuches,'*^)  entziffert  und  herausgeschrieben.  Mogei 
andere  das  begonnene  Werk  fortsetzen  und  nicht  rasten,  bis  allei 
kopiert  ist,  was  dieser  Riesenkodex  mit  dem  samtnen  Einbaue 
Yon  dunkelgrünen  Matten  und  den  Eck-  und  Randbesohlägen  yoi 
Felskuppen  auf  jenen  Blättern  enthält,  welche  durch  ein  ungeheorei 
Buchzeichen,  das  Silberband  der  Entle,  bereits  näher  bezeichne 
sind. 


"0)  Hals.  —  <")  Alles.    —    *")  Ihre  Bäuche  so  gross  wie  Scheunen 
"3)  Ein  bekanntes  Rätsel. 


Das  ,,Giritzenmoos^^  in  Dagmersellen  (Kt.  Luzern).  ^) 

Yon  J.  L.  Arnold  in  Dagmersellen. 

Das  OiritzenmooB  war  eine  Fastnachts- Belästigung,  die  im 

Kanton  Lozern,    vorzüglich  im  sog.  Hinterland    and    im    antern 

Wiggerthal,  heimisch  war.    Noch  vor  40  Jahren  warde  z.  B.  in 

Dagmersellen  dieser  Braach  alle  Jahre  am  „Hirsmontag^'  (Montag 

Dach  Invocavit),  später  am  ^Güdismontag^  (Montag  nach  Estomihi) 

aufgeführt.    In  den  1860er  Jahren   fiel   er    indessen    schon    das 

eine  oder   andere  Jahr  aas,   bis  er  um  Mitte    der  1870er  Jahre 

ganz  verschwand.    Der  Braach  bestand  in  einer  Art  Yolksjustiz, 

also,  ähnlich  der  heutigen  Fastnachtlitteratur,  in  Neckereien  ver- 

0cbiedener  Art,    meist  lokaler  Natur,    insbesondere    aber   gegen 

die  „alten   Jungfrauen"   gerichtet.    Unter    diesen    „alten    Jung- 

/jra.uen"  verstand  man  aber  nur  die  ledigen  Weibspersonen  zwi- 

sc^lien  24  und  35  Jahren.    Aeltere  blieben  unbehelligt^    oder    es 

iD«:s88te    schon    etwas  Besonderes    dahinter    stecken,    wenn    über 

d£^8e   Altersgrenze   hioausgegriifen    wurde.    Mit    dem    sittlichen 

It«:mf  sowolil   der  Spielenden,    als  der  Gefoppten,    nahm    man  es 

aolmr  streng.    Eine  Jungfrau  mit   irgendwie    anrüchigem  Wandel 

^w'va.xde  gänzlich   unberücksichtigt    gelassen.    Ebenso    musste    ein 

B^^^arsche  von  zweifelhaftem  Ruf  fernbleiben.    Es    lag    darin    für 

^s^xche  eine  Art  Entschädigung  und  ein  stilles  Lob,  das  ihr  die 

^■**"t^TiDter    argen  Neckereien  versüsste.    Dass  das  „Giritzenmoos" 

^^^^^  Kit  etwa   eine  bestimmte  Lokalität  bezeichnete,    sondern    eine 

-^^  ^«1-Oegend,    ein  gewisses  Jenseits,    in  das  die  alten  Jungfern 

**^*^  Leib  und  Seele  aufgenommen  werden,    um  in  alle  Ewigkeit 

^^^**t  tu  verbleiben,    unter  dem  Regiment  des  Giritzvaters,    geht 

^^•-^  dem  nun  zu  schildernden  Brauch  hervor. 

In  allen  Fällen  waren  es  die  jungen  Burschen  des  Dorfes, 

^^^    das  Spiel  anordneten.    War  man    über  das  «ob**  einig    und 

^^1*  es:  „d'Meitschi  uf's  Giritzemoos  z'näh*,  so  bestimmte  man 

^^**  allen  Dingen  den  „Giritzvater".  Wer  das  geläufigste  Mundwerk 

^^^  und  SU  den  tollsten  Streichen  fähig  war,  wurde  zu  diesem 


\ 


M  Kurze  SchilderuDgen  des  Brauches  im  Kanton  Luzern  s.  auch 
T^^^'Hw  I,  189  fg.  und  Wochestl.  Unterhaltixciex  (BtMlttj^e  z.  Luzernor  Ta^j- 
^^U)  1900  (Nr.  9)  S.  68. 


296  Das  „Giritzenmoos**  in  Dagmersellen  (Kt.  Luzern). 

Amte  ausersehen.  Ihm  war  ein  „Schreiber'^  und  gewöhnlich 
zwei  Mann  als  Scharwache  beigegeben.  Sodann  wurde  ein 
YerzeichniB  angefertigt  über  diejenigen  Jangfern,  die  „aufs  Moob^' 
kommandiert  werden  sollten.  Zum  Yoraus  wurde  bestimmt,  wer 
Yon  den  Burschen  die  und  jene  Dorfschöne  darstellen  solle.  In 
irgend  einer  Scheune  wurde  ein  möglichst  grosser  Leiterwagen 
hergerichtet,  mit  Bock  und  Sitzen  versehen  und  mit  Tüchern 
überspannt,  wie  sie  etwa  die  Wagen  des  fahrenden  Volkes  haben. 
War  dann  endlich  der  ^grosse  Tag^  nahe,  so  wurde  das  geplante 
Yorhaben  öffentlich  angezeigt,  gewöhnlich  durch  einen  Ausrufer. 
Am  Tage  selbst  begaben  sich  nach  Mittag  die  jungen  Burschen 
in  die  Scheune,  wo  der  Wagen  bereit  stand,  gewöhnlich  war  es 
n  Dagmersellen  die  Mühlescheune  zu  oberst  im  Dorf.  Dort 
wurden  die  letzten  Vorbereitungen  getroffen.  Oegen  4  Uhr  ging 
dann  das  Spiel  los.  Voran  kam  der  Giritzwagen,  Yon  Pferden 
oder  Ochsen  gezogen,  welche  der  Lenker  an  der  Hand  führte. 
Auf  hohem  Bock  thronte  der  GUritzvater,  als  steinalter  Mann  ver- 
kleidet, und  sein  Schreiber,  mit  einem  möglichst  grossen  Buch 
vor  sich.  Die  Scharwache  lief  nebenher.  Im  Wagen  und  hinter 
demselben  kamen  die  jungen  Burschen  als  Jungfern  maskiert. 
Auf  der  Dorfstrasse,  wo  der  Zug  stets  von  einem  zahlreichen 
Publikum  empfangen  wurde,  ward  Halt  gemacht  und  der  Giritz- 
vater  hielt  eine  Ansprache  an  das  „Volk^  und  insbesondere  an 
die  „alten  Jungfern".  Er  stellte  sich  als  Herr  und  Herbergs- 
vater vom  Giritzemoos  vor,  und  tröstete  die,  welche  abkomman- 
diert wurden,  damit,  dass  sie  es  bei  ihm  gut  haben  würden: 
gesprächige  Gesellschaft,  Hühner^  Katzen  und  überhaupt  alles, 
was  eine  alte  Jungfer  billigerweise  verlangen  dürfe.  Wollte  er 
sich  galant  zeigen,  so  bat  er  für  sich  und  seine  Kamaraden  zum 
Voraus  um  Nachsicht,  wenn  man  etwa  so  oder  anders  in  dem. 
Scherze  etwas  zu  weit  gehen  sollte. 

Sofort  begab  sich  der  Bursche,  welche  die  nächstwohnend^ 
Jungfer  (Nr.  1  des  Registers)  darstellte,  zu  deren  Wohnung  nn3> 
geberdete  sich  dort  etwa  in  der  Weise,  wie  das  Original  es  zu  türm 

pflegte.    War  das  Gefährt  —  immer  auf  der  Strasse  fahrend 

auf  der  Höhe  des  betr.  Hauses  angelangt,  so  wurde  wieder  E[al^ 
gemacht,  und  der  Giritzvater  rief  die  Jungfer  N.  N.  heran,  aber 
immer  ohne  Familienname.  Kam  sie  nicht  sofort,  so  liess  er  ei^ 
(d.  h.  den  sie  darstellenden  Burschen)  durch  die  Scharwache 
holen. 


Das  ffGiritzeamooB**  in  Dagmersellen  (^Kt.  Luzern).  297 

War  sie  dann  da,  so  kündigte  er  ihr  an,  dass  sie  jetzt 
aufs  „Moos^  kommen  müsse.  Er  begründete  seinen  Befehl  damit, 
dass  sie  schon  so  und  so  alt,  und  keiae  Aussicht  auf  eheliche 
Verbindung  mehr  habe.  Dann  erhielt  die  Kandidatin  das  Wort 
zur  Yerteidigung.  Diese  wurde  oft  sehr  geschickt  gefasst,  ihre 
Chancen  dargelegt  und  alles  vorgebracht,  was  nar  zu  sagen  war: 
Wer  mit  ihr  getanzt,  und  was  ihr  gesagt  worden  sei,  wie 
mancher  Freier  schon  yon  ihr  abgewiesen  worden,  Erbschaften, 
die  gefallen  oder  in  Aussicht,  neumodische  Kleider  u.  s.  w.  Da 
kam  manches  aufs  Tapet,  was  manche  sich  selbst  verheimlicht 
zu  haben  glaubte,  zum  grössten  Gaudium  des  Publikums. 

Aber  nur  selten  Hess  der  Giritzvater  Gnade  für  Recht  er- 
gehen; hin  und  wieder  gab  er  auch  etwa  ein  Jahr  Gnadenfrist. 
Die  Jungfer  wurde  in  diesem  mit  heilsamen  Ermahnungen  ent- 
lassen, und  beigefügt,  wenn  sie  nächstes  Jahr  noch  nicht  unter 
die  Haube  gekommen,  sei  ihr  Schicksal  besiegelt.  Im  andern 
Falle  wurde  sie  von  der  Scharwache  gepackt  und  in  den  Wagen 
geschoben. 

Dann  setzte  sich  das  Geiahrt  wieder  in  Marsch  bis  zu 
Nummer  Zwei  u.  s.  f.,  wo  dann  der  Spass  sich  mit  entspre- 
chenden Abänderungen  wiederholte.  Unter  dem  Gejohle  der 
Gassenjungen  und  mehr  oder  minder  Beifall  des  immer  zahl- 
reichen Publikums  wurde  das  Aufgebot  erlassen,  und  ein  Ver- 
hör mit  Jeder  durchgenommen,  deren  Namen  auf  dem  Register 
stand. 

Es  kam  aber  auch  vor,  dass  junge  Bursche  arg  durchge- 
hechelt wurden.  Der  Giritzvater  lenkte  oft  mit  scheinbarem 
Wohlwollen  die  Aufmerksamkeit  einer  Jungfer  auf  einen  Jüng- 
ling, wogegen  sie  dann  antwortete :  lieber  wolle  sie  gleich  mit- 
kommen als  den  heiraten ;  der  sei  eine  etwas  zweifelhafte 
Persönlichkeit  und  erzählte  dann  dem  erstaunten  Giritzvater 
haarklein  all  die  Dummheiten,  die  er  gemacht,  seine  Fehler, 
schlechten  Eigenschaften  u.  a.  m. 

War  das  Spiel  programmgemäss  mit  allen  Kandidatinnen 
beendet,  so  fuhr  der  Giritzwagen  mit  seiner  ganzen  Sammlung 
alter  Jungfern  auf  der  entgegengesetzten  Seite  zum  Dorf  hinaus, 
zu  einer  alten  Eaesgrube.  Dort  hiess  es:  „Alles  aussteigen!^ 
Die  Fräulein  wurden  in  Reih  und  Glied  gestellt  und  in  voriger 
Reihenfolge  auf  Mehrerlös  versteigert.  Wollte  Einer  aus  dem 
Publikum,    eine  Jungfer  ehren,    so    tat  er    ein    hohes  Angebot. 


298  MiszelleD.  —  M^langes. 

Hundert  Franken  waren  aber  schon  viel.  Oft  wurde  sogar  nur 
um  50  Rappen  Eine  losgeschlagen.  Diejenige,  auf  welche  gar 
kein  Angebot  gemacht  wurde,  warf  der  Giritzvater  einfach  in 
die  ELiesgrube  und  überliess  sie  dort  ihrem  Schicksal. 

Eür  die  Jungfern  war  dieser  Tag  immer  ein  wahrer 
Schreckenstag,  und  nicht  selten  suchten  sie  durch  Spenden  eines 
Abendtrunkes,  oder  etwa  einer  Flasche  „Chriesiwasser^'  und 
Aehnliches  die  Gunst  der  Spielenden  zu  gewinnen.  Oft  auch 
sorgte  aus  besondern  Gründen  der  eine  oder  andere  Bursche 
Yon  sich  aus  dafür,  dass  die  Sache  nicht  gar  zu  arg  herauskam. 

Das  Aergste  war  der  Jungfer  immer  die  fatale  ,,Gant^. 
Es  war  daher  begreiflich,  dass  diese  zuerst  dem  Untergang  ver- 
fallen musste.  Bald  darauf  aber  kam  auch  das  vorausgehende 
Einsammeln  der  Jungfern  in  Abgang.  Nun  ist  der  Brauch  seit 
mehr  als  einem  Yierteljahrhundert  —  wenigstens  in  Dagmersellea 
—  verschwunden,  und  die  junge  Generation  kennt  ihn  nur  noch 
vom  Hörensagen. 


Miszellen.  —  Melanges. 


Von  fünf  Leiden  Mari». 

Do  vnser  frow  ze  himel  was  gevarnett  hatt  sy  nant  iohans  gross  gird 
das  er  gern  vff  vnser  frowen  hett  gesehen   Dach   himelsches  ere.    Do  fugt 
es  sich  das  sant  iohans  verzuckt  ward  in  den   hiinel  vnd  bort  das  voser 
herre  vnd  sin  liebe  müter  mit  ain   andren  retten t  von    der  angst  vnd  der 
not  die  sy  off  ertrich  durch  in  erlitten  hett.    Do  fragett  vnser  bere  sin  liebe 
muter,   welles  das  grösst  liden  war,  das  sy  off  ertrich  durch  in  erlitten  hett 
Do  sprach  vnser  liebe  frow:  liebes  kind,  mini  liden  warent  gross  vnd  ma- 
nigfalt,  aber  fünf  liden  vnd  fünf  hertzlaid,  die  hattich  sunderlich  durch  dich. 
Die  tattent  mir  vnmässenklich  we  vnd  wirs  denn  alles,  das  ich  ie  erUud. 
Das  erst  hertzlaid,  das  was,  do  ich  dich  in  den  tempel  trüg  vnd  dich  opfrett        — 
vff  den  altar.    Do  enpfieng  dich  her  simion  ain  sinen  armen  vnd  wissaget  -^^^ 
mir,  das  ain  schwert  min   sei  durchschniden  sfilt.    Von   dines  todes  wegen  .^mr: 
ze  band  ain  derselben  stund  begraiff  das  schwert   min  hertz,   das  ich  voii^c= 
stund  bis  ain  minen  tod  niemer  fro  ward.   Do  sprach  vnser  here:  fipow  müter.  — ^ 
wer  sich  des  laides  ermainet  all  tag  mit  ainem  pr  nr  *)  vnd  mit  ainem  avi 
maria   dem   mentschen   wil  ich  helfen,   das  er   in   kainer   todsnnd    nieme 
verschaiden  sol  vnd  wil  in  behüten  vor  allem  hertzlaid  hie  vnd  d6rt 
fragt  vnser  liebe  herre  sin  liebe  müter,  weles  das  ander  hertzlaid  war. 
sprach  vnser  frow:   liebes  kind,   das  was  do  du   in   diner   kinthait   in  da 

')  pater  noster. 


Miszellen.  —  M^langes.  299 

schil  wärt,  do  hatt  ich  dich  verloren  VDd  sucht  dich  mit  betrübtem  hertzeD. 

Do  ich  dich  Dit  finden  kund,   do  gedacht  ich   an  das  schwert,   da  mir  her 

simion  von  hatt  gesait.    Das  durchgieng  min  hertz  zil  dem  andren  n)al  wen 

€la8  ich  sorge  hatt,   das  ich  allen  minen  trost  ain   diner  blUgenten  kinthait 

so  zitlich  an  dir  verloren  sölii  han   gehebt.    Do   sprach    vnser  liere;    frow 

mäter  wer  dich  des  laides  ennainett  alltag  mit  ainom  pr.  nr.  vnd  mit  aimun 

ave  maria,   das   du   mich  dry  tag  verlorn  hattest,   dem  mentschen   wil  ich 

geben  dry  tag  vor  sinem  end  an  dem  ersten  tag  rechti  rüw,  an  dem  andren 

tag  geware  bicht,   an   dem  dritten  tag  volkomnen  Ion,  als  ob  er  mir  allzit 

mit   volkomnem  leben  gedienett  hett.     Do  fragt  vnser  her  sin  liebe  möter, 

weles  das   dritt   hertzleid  war,   das  sy  vff  ertrich  durch  in  enpfangen  hett. 

Do  sprach  vnser  frowe :  liebes  kind,  das  was,  do  petrus  vnd  Johannes  koment 

vnd   mir   saitent,   das  du  gefangen  wärist.    Do  kaim   ich  geloffen  vmb  das 

hoss  kaypfas,   da  du  ingefttrt  ward  worden  vnd  ich  hört,   wie  sy  dich  ver- 

spuwtent  vnd  schltigent  vnd  stiessent  vnd  ain  geschray  umb  dich  was,  als 

ob  du   aller  der  weit   ain   vertäuter   mentsch  wärest.    Do   zerschnaid   das 

schwert  min  hertz  ze  dem   triden    mal  vnd  mir  wirs  beschach,  den  ob  ich 

aölte  gestorben  sin.    Do  sprach  vnser  here :  frow  müter,  wer  dich  des  laides 

ennainett  all  tag  mit  ainem  pr.  nr.  vnd  mit  ainem   ave  maria,  das  ich  ge- 

vangen  was,  den  mentschen  wil  ich  behflten  vor  aller  gevan^nust.    Do  fragt 

vnser  lieber  here  sin  liebe  muter.  weles  das  fiord  hertzlaid  war.    Do  sprach 

vnser  frowe:  sun  vnd  here  das  was,  do  du  off  das  krütz  gelait   wurt  vnd 

man  dich  naglett  durch  hend  vnd   durch   füss.    Do   was   das   getreng   also 

gross,  das  ich  zu  dir  nit  mocht  komen  vnd  do  ich  hört  die  handschleg  vnd 

nit  wissett,  wie  sy  dir  tattent,  bis  das  du  würt  vffgericht,  das  ich  dich  sach 

hangen  ain  dem  crütz  nackent  vnd    bloss   als   ain    vertalter   mentsch ,    do 

zerschnaid  dz  schwert  min  sei  ze   grund  vnd  sölt   ie  kaiii   niiiter  von   laid 

gestorben  sin,  so  war  min  hertz  ze  derselben  stund  zebrochen.    Do  sprach 

Vnser  here:   muter,    wer  dich    des   laides  ermaint  alitag   mit  ainem  pr.  nr. 

Vnd  mit  ainem  ave  marin,  vnd  war  ain  dem  mentschen  min  marter  erlöschen, 

Bo  wil  ich  im  sy  nflwren,  das  er  ir  niemer  me  vergist;  ist  aber  der  mentsch 

**«  kranck,  das  er  mit  miner  marter  nit  vmb  kan  gän,   so  wil   ich  im  den- 

«ielben  Ion  gen  ain  sinem  end,  als  ob  er   alle  sini  zit  mit  miner  marter  ver- 

tribeu  hett.    Do  fragt  vnser  here  sin  liebe  müter,  weles  das  fllnft  liden  vnd 

^las  iungst  hertzlaid  war.   Do  sprach  vnser  frow:   das  was,  do  du  von  dem 

Wtktz  genomen  wurt  vnd  mir  tott  ain  minen   armen  gelait  wurt  mit   offnen 

'^ninden.    Vnd  ich  sach,   das  du  sogar  ersigen  würt  vnd   ain    blütstropf  in 

Einern  Hb  nit  me  was,  do    zerschnaid   das   schwert  min  hertz,   das   ich  sin 

miemer  me  vergis,  dasselb  liden  müss  ich  sunderlich  bedencken.    Do  sprach 

^nser  here:    frow  muter,    wer  dich  des  laides  ennainett  all  tag    mit   ainem 

pr.  nr.  vnd  mit  ainem  ave  maria,  das  ich  dir  tott  ain  dinen  armen  gelait  ward 

mit  offnen  wunden,    dem  mentschen  wil  ich  vff  tun    all    min    erbärmd    vnd 

wil  im  nit  verziechen,    wes  er  mich  bitt  ain   sei  vnd  ain  lib,    vnd    wer  der 

mentsch  ist,   der  dich  diner  fllnf  hertzlaid  ennainett  alitag  mit  fünf  pr.  nr. 

vnd  mit  f&nf  ave  maria,   den  mentschen  wil  ich   dir  geben,    das  du  mit  im 

tüist,  was  du  wellist  amen. 

Obige   von  Herrn  Dr.  G.  Jenny   in    St.  Gallen    mitgeteilte  Legende 
findet    sich    in    einer    Papierhandschrift    des    XV.    Jahrhunderts    auf    der 


300  Miszellen.  —  Mölaoges. 

Vadiaoischen  Bibliothek  (Nr.  356)  in  St.  Gallen.  Auffallend  ist,  dass  hier 
von  nur  fünf  Schwertern  und  fünf  Leiden  die  Rede  ist: 

1.  Darbringung  im  Tempel; 

2.  Verlieren  im  Tempel; 

3.  Gefangennahme; 

4.  Kreuzigung; 

5.  Kreuzabnahme. 

Heute  spricht  man  allgemein  von  sieben  Schmerzen  und  sieben 
Schwertern  Mariens  und  im  brieflichen  Oftizium  (Brevier)  werden  zu  deren 
Ehre  jährlich  zwei  Feste  (Septem  dolorum  Beats".  Marise)  gefeiert.  Diese 
sieben  Schmerzen  werden  aber  im  Ofüzium  selbst  nicht  angegeben.  Nach 
Papst  Benedikt  XIV.  sind  diese  sieben  Hauptmomente  auf  die  sieben  Stifter 
des  Ordens  der  „Diener  Maria"  (Serviten)  zurückzuführen,  die  im  13.  Jahr- 
hundert gelebt  haben.  Oft  werden  zu  den  oben  angegebenen  fünf  Geheim- 
nissen die  zwei  andern  gerechnet:  Flucht  nach  Aeg>pten  und  Begräbnis 
(Christi.  Vgl.  Wetzer  &  Weites  Kirchenlexikon,  2.  Aufl.,  von  Kaulen,  Bd.  8 
(Freiburg  i.  Br.  1893),  S.  819-820.  Die  bildende  Kunst  hat  vielfach  die 
sieben  Schmerzen  darzustellen  versucht;  vielfach  sieht  man  Maria  mit  sieben 
Schwertern  in  der  Brust  oder  es  werden  die  sieben  oben  ei-wähnten  Szenen 
auf  einem  Bilde  dargestellt.  Beides  vereinigt  sehe  ich  in  einem  mir  vor- 
liegenden Pergamentband  in  4**  mit  dem  Titel :  Fasciculus  Myrrhae,  variis  ex 
tetrastichis,  in  dolores  deipane  virginis,  colligatus  a.  F.  Beato  Bishalin, 
Franciscano,  Fr.  M.  C.  P.  Friburg.    Helvetiorum  apud  Stephanum  Philot  1612. 

A.  V.  B. 

Storielle  tioinesi. 

Un  sindaco  gabbato. 

Un  tale,  scroccone  e  mariuolo  ad  un  tempo,   ando   un   giorno    a   far 

visita  al  sindaco  di il  quäle  era  conosciuto   come  il   piA  gran  bur- 

lone  del  paese  ma  aveva  il  debole  di  compiacersi  grandemente  che  altr 
niagniflcasse  la  roba  sua. 

Essendosi  lo  scroccone  qualiflcato  come  un  signore  invaghito  delle 
bellezze  naturali  del  pnese  e  de^ideroso  di  acquistare  la  casa  del  Sig.  Sindacv 
con  tutte  le  »ue  dipendenze  per  farne  una  villa,  il  sindaco  Taccolse  gentiU 
inente  e  depo  averne  sturato  un  pajo  di  bottiglio  di  ([uel  buono,  lo  condusae 
a  visitare  le  sue  possessioni. 

Naturalmente,  il  forastiero  diceva  nieraviglie  di  tutto  quauto  gli  veniva 
mostrato  ed  esaltava  la  oasa   <lel    Sig.  Sindaco  come  un  paradiso  terrestre. 

Arrivati  sulla  cortc,  11  forastiero  ifennossi  a  contemplare  una  fontana 
de  osciamo : 

—  Come  ('  st^ito  previggentc»,  Sig.  Sindaco,  qui  non  vi  manca  proprio 
nulla :  ecco  qui  una  bella  fontana  da  cui  spilla  un  bei  getto  d^acqua  pura 
vt  fresca. 

—  Ma  qiicsta  non  »i    chiama    fontana,    lo  interruppe    il  Sig.  Sindaco 

—  E  como  si  chiania  dunque,  di  grazia? 

—  Si  cliiania  ahhondnnza. 

—  Ha  ragium»,  Sig.  Sindaco :  abbondanza,  ecco  ud  nome  piü 
appropriato. 


Miszellen.  —  M^langes.  301 

Visitaroiio  di  poi  il  fienile  ed  anche  ({ui  il  forastiero  esclamo: 

—  Quanto  bei  fieno  ha  qui,  Sig.  Sindaco,  e  come  6  bone  ammontie- 
ehiato.    Come  stanuino  bene   quelle  bestie   che   maiigiano   di  questo   tieno. 

—  Ma  <|uesto  non  si  chiama  fieno,  interrappe  il  sindaco. 

—  £  come  lo  chiama,  di  grazia? 

—  Si  chiama  rniUe  erbe. 

—  Ben  pensato,  Sig.  Sindaco,  ben  pensato,  mille  erbe. 

Dopo  aver  visitato  Testeriore  con  tutte  le  dipendenze  rientrarono  in 
casa  e  visitarono  tutti  i  locali  ed  il  forastiero  non  si  stancava  di  magnificarne 
la  spanositA,  i  mobili  e  tutto  quanto  cadeva  sotto  gli  occhi. 

L'afißAre  fn  adunque  conchiuso  con  gran  contento  del  Sig.  Sindaco,  che 
vendeva  quella  roba  ad  nn  prezzo  doppio  del  valore  reale. 

Si  convenne  che  il  forastiero  avrebbe  passato  la  notte  ospite  del 
Sig.  Sindaco  ed  intanto  rientrarono  in  una  saletta  per  la  cena. 

Yicino  al  Camino  stava  accovacciata  una  grossa  gatta  ed  il  forastiero 
veggendola  esclamö: 

—  Che  bella  gatta  ha  Sig.  Sindaco ;  ma  questa  6  una  piccola  tigre  ed  i 
topi  dovran  stare  ben  lontani  da  una  si  terribile  divoratrice 

—  Ma  qnesta  non  si  chiama  gatta,  interruppe  ancora  il  Sig.  Sindaco. 

—  E  come  diamine  si  chiama  dunque? 

—  Si  chiama  miidre  degli  spasimi. 

—  Madre  degli  spasimi!  ben  detto  Sig.  Sindaco,  ben  detto,  nome  pin 
appropriato  non  si  poteva  trovare. 

Durante  la  cena,  alzando  gli  occhi,  lo  straniero  signore  fermö  lo 
s^ardo  au  dei  salumi  appesi  ad  una  trave,  ed  esclamö: 

—  Che  bei  salami  ha  qui,  Sig.  Sindaco  e  che  belle  luganighe  e  che 
bei  prosciutto! 

—  Vingannate,  signore,  riprcse  a  dire  col  suo  fare  burlone  il  Sig. 
Sindaco;  qnesti  non  sono  nö  salami,  n^  luganighe,  nö  prosciutti. 

—  £  che  sono  mai?  Come  chiama  questa  bella  e  buona  roba, 
Sig.  Sindaco? 

—  Ecco,  queste  alla  destra,  che  voi  chiamate  luganighe,  sono  gli 
angdi;  questi  alla  sinistra,  che  voi  chiamate  salami,  sono  gli  arcangdi  e 
qnesto  nel  mezzo,  che  voi  chiamate  prosciutto,  i>  Bio. 

—  Sig.  Sindaco,  mi  congratulo  proprio  di  vero  cuore  con  Lei  per  la 
flcelta  dei  nomi,  disse  il  forastiero,  e  tutti  e  due,  nn  p6  alticci,  diedero  in 
una  gran  risata. 

Terminata  la  cena,  preseru  una  tiaiiimata  al  caminetto  ed  il  forastiero 
saltu  SU  a  dire  di  nuovo: 

—  Che  bei  fuoco,  Sig.  Sindaco,  io  me  ne  staroi  qui  volontieri  per  tuttu 
la  notte;  con  un  boccale  di  vino  accanto,  che  ineglio  potrebbesi  dt^sidorare? 

—  Fate  come  meglio ;  credete,  signore,  potete  poi  riposarv'i  su  (juel 
traversoriOj  quando  avrete  sonno,  disse  il  nindaco,  additando  un  divano. 
l>evo  per6  farvi  osservare  che  questo  non  si  chiama  fuoco,  ma 

—  Ma  che  cosa,  Signor  Sindaco?  Mi  dioa  come  chiama  questa  fiamma 
ehe  arde,  che  riscalda,  che  consola? 

—  Questa  fiamma  io  la  chiamo  g audio. 


302  MiszelleD.  —  Mölanges. 

—  Bravo,  Sig.  Sindaco,  bravo,  si,  8i,  ud  vero  gaudio.  Cr  vada  pure  a 
letto  e  doima  pacifici  sonDi,   io  mi  rimango  qui  al  gaudio  come   Lei  dice 

—  Si,  rispose  11  signor  siDdaco,  buona  notte,  dod  vado  per6  a  letto, 
ma  mi  sdrajo  Del  mio  riposorio. 

£  barcoUando  ascese  le  Bcale  ed  entrö  nella  sua  stanza. 

II  forastiero  disse  allora  fra  s^  e  s^:  Ali!  sindaco,  ta  hai  voluto  bur- 
larti  di  me,  ma  io  mi  burlero  piü  bene  di  te.  £  piaii  piano,  preee  il  divano 
e  Io  pose  di  traverso  in  fondo  alla  scala.  Staecö  poi  le  luganighe  ed  i 
Salami  e  se  le  gettd  sulle  spalle.  Asperse  poi  la  gatta  di  petrolio  e  con  un 
tizzo  vi  appiccö  il  fuoco  si  clie  la  povera  bestia  fuggl  miagolando  ed  andö 
a  nascondersi  sal  fienile,  incendiaDdo  pur  quelle.  Allora  il  briccone  si  portö 
presso  la  scala  e  chiamö  ad  alta  voce  : 

—  Signor  Sindaco,  Signor  Sindaco,  si  levi  dal  suo  riposorio,  ma  si 
guardi  dal  traveraario.  Sappia  che  la  tniidre  degli  aptuimi  ha  portato  il 
gaudio  sul  müh  erbe  e  se  rabbondanza  non  l'ajuta,  la  sua  casa  brucierä  tutta. 
Intanto  io  me  ne  vado  cogli  angeli  ed  arcangeli,  e  Lei,  Signor  Sindaco  la 
lascio  solo  con  Dia.    £d  il  briccone  scese  frettoloso  le  scale  e  se  n*andö. 

Un  ragazzo  spiritoso. 

Grli  abitanti  del  paese  di in  Isvizzera  sono  rinomati  ovunque 

per  la  loro  prontezza  di  spirito. 

Un  signore  buontempone  volle  una  domenica  recarsi  coU  apposita- 
mente  per  persuadersene,  sembrandogli  che  si  esaltasse  un  p6  troppo  quegli 
ignoranti  contadini.  Arrivato  in  paese,  trovö  le  case  chiuse  e  le  strade 
deserte,  tutti  trovandosi  a  quell'ora  in  chiesa,  alle  sacre  funzioni. 

Si  reco  egli  pure  sul  piazzale  della  chiesa,  e,  di  fuori,  in  un  canto, 
vide  un  ragazzo  di  circa  10  anni  che  giuocava  da  solo  e  solo  con  dei  ciottoli. 

II  signore  Io  chiamö  a  se  onde  provare  se  pure  quel  ragazzo  avesse 
gia  4^1  Io  spirito.  II  ragazzo  accorse  a  lui,  e,  quando  gli  fu  vicino,  mostran- 
dogli  uno  scudo  gli  disse: 

—  Guarda,  ragazzo  mio,  vedi  questo  scudo  ?  Se  sei  capace  di  baciarmi 
sulle  guancie  senza  montare  n6  arrampicarti  su  checchessia,  Io  scudo  ^tuo. 

II  ragazzo  Ü8s6  in  volto  Io  straniero  e  pronto  risposegli : 

—  £d   io ,   0  signore ,   se   siete   capace  di   baciarmi   il  c  .  . .  senzaM 
curvavi,  vi  do  subito  non  uno  solo,  ma  due  seudi. 

n  signore  si  morse  le  labbra  e  senza  aspettare  che  la  gente   usciss^ 
di  chiesa,  ritom6  fiund'era  venuto.  ^ 

Arbedo-Taverne.  Vi  ttore  Pellandini. 

Passionsgebet. 

Unlängst  hörte  ich  von  einem  alten  Bettler  aus  Schemen  (Kt.  Schwy^z. 
folgendes  Gebet: 

Am  Palmtag  ist  er  dV  grösste  König,. 

am  Montag  ist  er  der  weise  Prophet, 

er  ist  weis  und  wohlgelehrt, 

am  Dienstag  ist  er  der  ärmste  Ma, 

hed-e  i  Hus  und  Herberg  niemer  wellä  ha, 

am  Mittwuche  habed-s'  ihn  verkauft  um  dryssg  Silberliog, 

sie  haben  ihn  ganz  wohl  fäll  [wohlfeil]  verkauft, 


Miszellen.  —  Mölanges.  303 

am  DoDDentag  hat  er  mit  seinen  zwölf  JOngeni  das  letzte  Mahl 

am  Freitag  habed-s'  ihn  an  das  Kreuz  genagelt,  [genossen, 

am  Samstag  habed-s'  ihn  auf  die  grosse  Erde  hingeworfen, 

daraus  ist  ein  weisses  Kömlein  *)  gesprungen, 

viel  tausend  und  tausend  FrQchte  und  noch  viel  mehr, 

am  österlichen  Tag  ist  er  de  stärkste  Ma, 

hed  möge  de  bittm  Tod  usgsta. 

Wer  das  Gebät  i  de  grosse  Wuche  all  Tag  drtt  mal  spricht 

nnd's  bittere  Lydä  und  Stürbe  nid  vergisst, 

däm  'wird  Gott  sendä  dry  Engel: 

der  erste  wird  er  selber  sy, 

der  zwent'  di  lieb'  heilig  Muetter  Gottes, 

der  dritt  de  heilig  sant  Michael, 

wird  gnädig  d'Seel  führe  us-'em  Paradys 

i  das  ewig  Himmebych. 

Vater  unser,  u.  s.  w. 

Ober-Aegeri.  A.  Ithen. 

Bauernregeln  aus  dem  Kanton  Zug. 

Mathis,  bricht's  Is, 

Hed  er  keis,  so  bringt  er  eis. 
Will  sagen,  dass  Sankt  Mathias,  der  24.  Februar,  ein  launischer  Patron 
ist,     cier  bald  Schnee  schmelze,  bald  erneuten  Winter  bringt. 

Geritrud,  Geritrud  [17.  März], 

Säet  Bollä  und  Chrut. 
Ebenso:    Geritrud  Mitte  Meerze,  « 

Löscht  d'Schnider  und  Schuemacher  Keerze. 

Wie  si'  de  Fraufaste-Mitwuehe  tuet  halte. 

So  wird  si'  's  Wätter  vier  Wuche  lang  gstalte. 

Sant  Jakob  mit  dem  Stab 

Schlad  de  Geis  di  halb  Milch  ab. 
Bedeutet,   dass  am   25.  Juli   die   besten   den   Ziegen    schmeckenden 
"^^Ä^er  schon  vorüber  seien. 

Ka  me  am  Jakebstag  d'Birrä  zellä, 

So  ka  me  im  Herbst  Zeine  Stella. 
Will  sagen,  dass  wenn  am  25.  Juli  die  Birnen   an   den    Bäumen   zu 
^*^*3  seien,  die  Obsternte  reichlich  ausfalle  und  die  Körbe  fttUe. 

Vil  a  de  Tanna, 

Vil  i  de  Wanna. 
Enthält  die  gleiche  hofinungsreiche  Aussicht  (tXr  einen   fruchtbaren 
'^^t,  wenn  die  Tannzapfen  zahlreich  gedeihen. 

Weniger  günstig  heisst  es  von  Sankt  Laurentius  |10.  August] : 

Schiächte  Wy  gits  hür, 

Wenn  Sant  Lorenz  ohne  Für. 
Sankt  Laurentius  sollte  Sonnenhitze  sein. 
Ober-Aegeri.  Anna  Ithen. 

^)  Vielleicht  Waizeukömlein. 


304  Miszellen.  —  ^l^laDges. 

Translationskostome. 

Im  XVII.  und  XVIII.  Jahrhundort  haben  in  allen  katliolischen  Gegen- 
den der  Schweiz  feierliche  Prozessionen  und  Festspiele  bei  Gelegenheit  von 
grossem  Reliquien- Uebertragungen  stattgefunden.  Dabei  wurde  häufig  lehr 
grosser  Aufwand  gemacht;  sowohl  die  BClhne,  als  die  Ehrenbogen  und  die 
Wagen  des  Festzuges  wurden  kostbar  hergerichtet,  die  Berittenen  und  Fuss- 
gänger  in  eigens  f&r  den  Anlass  hergestellte  KostQme  gesteckt. 

Bei  keinem  Translation sfest  fehlten  die  Engel;  sie  pflegten  meist  in 
grösserer  Zahl  an  der  Spitze  des  Umzuges  oder  am  Kopf  der  einzelnen  Ab- 
teilungen  einherzuschreiten.  Da  sah  man  nicht  nur  die  Erzengel,  sondern 
Gruppen  von  gewöhnlichen  Engeln,  wie  auch  die  besondern  Schutzengel  des 
Ortes,  der  Abtei,  des  Bistums ,  der  katholischen  Schweiz,  der  katholischen 
Kirche,  oder  des  Rosenkranzes.  Angetan  waren  diese  Engel  nach  der  Vor- 
stellung der  Zeit  mit  federgeschniUckten  Helmen,  glänzenden  Kleidern  und 
farbenprächtigen  Flügeln.  Seide,  Samt,  Spitzen  und  Borten  aus  Silber,  Gold 
und  Federn  spielten  eine  bedeutende  Rolle  in  ihrer  Ausstattung;  in  den 
Händen  trugen  diese  leuchtenden  Grestalten  glitzernde  Sehwerter,  vielleicht 
auch  brennende  Kerzen,  Palmzweige,  Kissen  mit  Reliquien  u.  a.;  am  Ann 
glänzte  der  Schild,  auf  dem  die  Wappen  o<ler  Farben  der  beteiligten  geist- 
lichen Stiftungen  und  Behörden  zu  sehen  waren. 

Fast  alle  TranslationskostQme  sind  untergegangen ;  Motten  und  Rost 
haben  das  Ihrige  getan,  um  die  Zerstörung  dieser  für  ephemeren  Gebrauch 
hergestellten  Trachten  zu  beschleunigen.  Nur  zwei  vollständige  StQcke  sind 
uns  bisher  zu  Gesicht  gekommen ;  sie  befinden  sich  in  <ier  KostflmsammliiDg 
des  t Malers  StUckelberg.  Sie  bestehen  je  ans  einem  Helm  aus  Papier-maehA 
mit  reicher  Vergoldung,  Versilberung  und  Bemalung ;  oben  sind  auf  Metall- 
drähte  montierte  FederbUscne  eingesteckt.  Die  Übrige  Tracht,  die  für  Knabei 
von  8  bis  10  Jahren  berechnet  ist,  besteht  aus  ehemals  fleischfarbenen,  jetit 
weissgewordenen,  enganliegenden  Trikothoseii,  eleganten ,  gelben  Leder- 
stiefeln  zum  SchnQren  und  einem  Rock.  Dieser  reicht  bis  zu  den  Knien, 
winl  hinten  zusammengeschnürt  und  enthält  an  jeder  Schulter  je  eine  eiserne 
Platte,  in  welche  der  Hacken  der  Flügel  eingesteckt  wird.  Um  die  Ver- 
schnürung auf  dem  Rücken  zwischen  den  Flügeln  zu  decken,  sind  dem 
Kostüm  kleine  Tüchlein,  als  eine  Art  Mäntelrhen,  beigc^geben.  Der  eine  Bock 
besteht  aus  gt^lbein  Brokat,  der  andere  aus  blauem  Damast ;  an  den  Aermeln, 
die  bei  beiden  bis  zum  Ellenbogen  otTen  sind,  hängen  beim  gelben  Kleid 
Quasten,  beim  blauen  ein  Futter  von  weisser  Gaze.  Das  letztere  KostOm 
hat  ausserdem  ein(>n  dreieckigen  Brusteinsatz  von  rotem,  gemustertem  Seiden- 
sanit ;  Silber-  und  Goldborten  säumen  die  Bestandteile  der  Röcke  ein.  Die 
Flügel  sind  ungemein  farbenprächti«? ;  sie  bestehen  aus  einem  Holzgerflste, 
über  welches  dicke  Lagen  von  federartig  ausgezogenen  und  ausgekämmten 
Seidenfaden  liegen.  i)as  eine  Flügel])aar  ist  ganz  in  mittelalterlichem  Styl 
gehalten  und  gleicht  den  Fittigen  de^  heraldischen  Adlers,  wie  er  im  XIII. 
und  XIV.  Jahrhundert  durgestellt  wird ;  das  andere  Paar  ist  in  horizontale 
Zonen  eingeteilt,  dit^  alle  Farben  des  Regenbogens  aufweisen.  Die  FIflgri 
HJnd  )»räclitig  erhalten  und  zeigen  solche  Farbenfrische ,  dass  man  glauben 
möchte,  tnie  seien  nie  den  Sonnenstrahlen  ausgesetzt  gewesen.  Unsere  Bilder 
veranschaulichen  die  beiden  Translationskostüme  und  ersparen  uns  eine  ^ 
Beschreibung. 


Miszellen.  —  M^langes.  305 

Die  beiden  StQcke  sind  Ueberbleibsel  von  der  Uebertragung  eines 
beiligeh  Leibes,  der  aus  den  Katakomben  stammte,  im  Kanton  Tessin.  Dan 
Datum  der  Anfertigung  und  ersten  Benützung  iiess  sich  bis  jetzt  nicht  eruieren. 

Basel.  E.  A.  Stückelberg. 

Mittfastenlied  aus  Oberwil  (Kt.  Basel-Land). 

An  Mittfasten  zog  die  DorQugend,  einen  Sack  und  einen  Strohmano 
mit  sich  ftihrend,  in  Gruppen  von  3—4  Kindern  von  Haus  zu  Haus,  indem 
sie  folgende  Verse  ,,absang''  : 

Heer,  Anneleis,  hat  ist  Mitteliaste; 
Mer  trette-d'r  in  d*Lache. 

Heer,  Anneleis! 
Wenn-dV  is  weit  kei  Mehl  ge, 
So  muss-ech  der  Müller  nim  [nicht  mehr]  mahle. 

Heer,  Anneleis! 
Wenn-d'r  is  weit  kei  Anke  ge, 
Muss-ech  [d']  Kueh  kei  Milch  me  ge. 

Heer,  Anneleis! 
Wenn-d'r  is  weit  keini  Eier  ge, 
Muss-ech  der  Iltis  d'Htiener  ne. 

Heer,  Anneleis! 
Tannerüs,  Tabneriis, 
Mer  chaufe  d'Chüechli  um  e  Priis. 

Heer,  Anneleis! 
Mer  hei  e  brennige  Ma  *)  gTange, 
Er  sig  e  Johr  im  Cheemi  g'hange. 

Heer,  Anneleis! 
Binningen  b.  Basel.  Fr.  Kestonholz,  Lehrer. 

In  die  BrOckenkette  beissen. 

Zur  Frage  des  Hm.  Pfr.  A.  Famt^r  in  Stammheim,  im  ersten  Heft 
dieses  Jahrgangs,  Seite  61,  ob  auch  noch  in  andeni  Gegenden  der  Brauch 
bestehe,  Kindern,  die  zum  ersten  Mal  über  eine  Brücke  gehen,  in  Aussicht 
zu  stellen ,  sie  müssten  dabei  in  eine  Krtte  beissen,  kann  ich  aus  eigener 
Erfahrung  folgendes  beibringen  :  Ich  bin  in  Wenslingen,  im  obem  Baselbiet, 
aufgewachsen.  Als  ich  als  kleiner  Bube ,  um  das  Jahr  1980,  mit  meinem 
Vater  zum  ersten  Mal  nach  Aarau  ging,  sagte  er  mir  selbst:  Jeder,  der 
zam  ersten  Mal  die  dortige  Kettenbrücke  überschreite,  müsse  tüchtig  in  die 
Kette  beissen,  dass  man  die  Spur  davon  sehe :  sonst  falle  er  unfehlbar  ins 
Wasser.  Und  so  haV  ich  denn  auch  tapfer  eingebissen ,  so  dass  es  einen 
Kritz  in  die  Kette  gab.  Ich  weiss  noch  die  Stelle,  wie  ich  auch  heute  noch 
den  Schauer  fühle,  mit  dem  ich  damals  die  Brücke  betrat.  Diese  Sitte  ist 
abrigens  auch  gegenwärtig  noch  ein  verbreiteter  Spass  im  obern  Baselbiet. 
Sie  gilt  als  eine  Art  Kraftprobe. 

Ganz  dasselbe  —  mit  der  Rheinbrückf  in  Basel  —  begegnet  in  den 
«Erzählungen  und  Bildern   aus  dem  Basolbiet"    von  B.  T.  Jonas^   wo  es  in 

^)  Damit  ist  der  Strohmann  gemeint. 

10 


906  Bflcheranzeigen.  —  Comptes  rendus. 

„der  Baselfahrt'',  cap.  ^11,  von  dem  kleioen  Christeli  also  heisst :  „Darüber 
machte  er  sich  noch  die  meisten  GManken,  dass  er  wie  Alle,  die  zam  ersten 
Mal  nach  Basel  kommen,  werde  mQssen  in  die  Kette  beissen.  Denn  das 
wurde  ihm  so  bestimmt  in  Aassicht  gestellt,  und  er  hatte  schon  so  oft  da- 
von reden  hören  .  . .  .,  dass  er  daran  nicht  mehr  zu  zweifeln  wagte  und 
schon  im  Stillen  fQr  seine  armen  Zähnlein  fürchtete  ....  Jedoch  ....  er 
dachte,  wenn  es  ihm  etwa  zu  heiss  und  schwer  werden  sollte :  „Äbba ! 
wenn  es  andere  haben  erleiden  mögen,  so  mag  ich  es  auch  erleiden ;  der 
Ätti  hat  auch  in  die  Kette  beissen  müssen  und  hat  doch  noch  ein  gutes 
Biss.* 

Etwas  verwandtes  ist  wohl  auch  der  Brücken  stein  in  Chr.  F.  Grelleres 
Gedicht:  „Der  Bauer  und  sein  Sohn**. 

B  e  n  k  e  n  (Baselland).  J.  W  i  r  z .  Pfarrer. 


Bücheranzeigen.  —  Comptes  rendus. 

P.  Sartori,  Die  Speisung  der  Toten.  Programm  des  GymnasiumB 
zu  Dortmund  1903.    70  doppelspaltige  S.  Gross-S^ 

Dass  der  Verfasser  auf  dem  Gebiete  der  vergleichenden  Volkskunde 
kein  Neuling  mehr  ist,  hat  er  schon  durch  verschiedene  einschlägige  Arbeiten 
bewiesen.*)  Auch  die  vorliegende  zeichnet  sich  durch  eine  umfassende 
Sach-  und  Litteraturkenntnis  aus.  Zum  ersten  Mal  finden  wir  hier  ein  grosses 
Material  über  diesen  Gegenstand  aus  allen  Himmelsrichtungen  zusammen- 
getragen. S.  fasst  den  Begriff  der  Totenspeisung,  wie  aus  der  folgenden  In- 
haltsübersicht hervorgeht,  möglichst  weit:  A.  Pflege  der  einzelnen 
Seele:  I.  Vor  der  Bestattung:  1.  Speisung  des  Toten,  2.  Schmausereien  der 
Hinterbliebenen;  H.  Die  Mitgabe  von  Speisen  an  Tote:  1.  Die  Speisen  wer- 
den ins  Grab  gelegt,  2.  Die  Speisen  werden  ausserhalb  des  Grabes  ange- 
bracht; lU.  Der  Leichenschmaus  der  Hinterbliebenen:  1.  unmittelbar  nach 
der  Bestattung :  a)  am  Grabe,  b)  im  Hause,  2.  Abschliessender  L.-Schm. 
erst  einige  Zeit  nach  der  BesUittung,  Wiederholung  des  L.-Schm ;  IV.  Fort- 
dauernde Speisung  des  Toten  :  1.  am  Grabe,  2.  im  Hause  oder  in  dessen 
Nithe.  B.  Die  Allersoelenpflege:  I.  Gelegentliche  Speisung;  II.  Speisung 
zu  bestimmten  Zeiten  und  Tagen.  C.  Das  Trauer  fasten.  D.  Wie  die 
Toten  essen.    K.  Uebergang  der  Gaben  an  Tote  in  Opfer  für  Tote. 

Der  reiche  Stoff  bringt  es  mit  sich,  dass  hin  und  wieder  Dinge  als 
Beweismaterial  angeführt  werden,  über  deren  Rubrizierung  man  vielleicht 
anderer  Ansicht  sein  könnte;  auch  dürfte  sich  der  Satz,  dass  es  kein  Volk 
ohne  Jenseitsglaube  gebe,  nach  den  Wedda-  und  Toalaforschungen  der  HH. 
Sarasin  nicht  mehr  aufrecht  erhalten  lassen.  Trotz  alledem  bedeutet  die  in- 
haltsreiche Arbeit  eine  grosse  Bereicherung  unserer  Wissenschaft,  und  ich 
möchte  es  fast  beklagen,  dass  sie  nicht  durch  den  Buchhandel  einem  grösseren 
Leserkreis  zugänglich  gemacht  worden  ist.  £.  Hoffinaun-Krayer. 

*)  Der  Schuh  im  Volksglauben.  ZfVk.  IV;  Sondersprachen.  Am 
Ubql-elI  V;  Zählen,  messen,  wägen.  Ib.  VI;  Glockensagen  und  Glocken- 
aberglaube. ZfVk.  VII.  Vlll;  üeber  das  Bauopfer.  ZfEthn.  XXX. 


i 


Bücheraozeigeu.  —  Comptes  rendun. 


307 


Jos.  B.  Zürcher,  St.  Weadelinsbuch.  Gebet-  and  Erbauungsbuch 
z.  Verehrung  d.  hl.  Wendelin  für  d.  Landvolk.  Menzingen, 
Et.  Zug   (Depot  kath.  Yolksschriften)   1903.     Preis:    1  Fr. 

Anno  1901  waren  300  Jahre  seit  der  Konsekration  der  Wendelins- 
kapelie  auf  dem  Stalden  bei  Menzingen  verflossen ;  dies  gab  dem  Verfasser 
des  vorliegenden  Büchleins  den  Anlass,  Nachforschangen  über  diesen  Volks- 


heiligen xat  iSoj^i^u  zu  veranstalten.  In  Abschnitt  II,  p.  47—113,  widmet 
er  der  Verehrung  des  hl.  Wendelin  in  der  Schweiz  eine  sorgfältige  und  ein- 
übende Erörterung;  jeder,  der  weiss,  wie  viel  Fleiss  and  Umsicht  dazu 
gehört,  um  das  Material  über  einen  Heiligen  zusammenzutragen,  wird  dem 
Verfasser  för  seine  Arbeit  Dank  wissen.  Auch  die  Verarbeitung  des  Mate- 
rials ist  durchaus  gediegen  und  getragen  von  Sachkenntnis.  Für  die  Volks- 
kunde wäre  es  überaus  wertvoll,  wenn  auch  andere  volkstümliche  Kulto  in 
ähnlicher,  erschöpfender  Weise  geschildert  würden.  £.  A.  S. 

0.  Ebermann,    Blut-  und  Wundsegen  in  ihrer  Entwicklung  dar- 
gestellt. (Palaestra  fid.  XXIY).   Berlin  (Majer  &  Müller) 
1908.    X  +  147  8.  8^    Preis  M.  4.80. 
Der  Zweck  dieser  verdienstvollen  Abhandlung  ist  die  Klarlegiiu^  i\vr 

entwickluDgsgeschichtUcheo  Verhältnisse    einer    bestimmten    Gattung    von 


308  Bücheranzeigen.  —  Comptes  rendus. 

Segensformeln  :  der  Blut-  und  Wundsegen.  Dass  nur  die  germanischen  Land 
Rücksicht  gefunden  haben,  hätte  im  Titel  angedeutet  werden,  sollen :. 
diesem  engem  Bereiche  aber  verfügt  R  über  ein  gewaltiges  Material. ')  Da 
selbe  hat  er  auf  die  typischen  Formeln  hin  geprüft  und  nach  diesen  in  b 
stimmte  Gruppen  eingeteilt,  die  er  dann  unter  Beiziehung  aller  zugängliche 
Varianten  entwicklungsgeschichtlich  untersucht.  Die  einzelnen  Gruppen  sii 
unter  folgenden  Titeln  untergebracht :  Der  zweite  Merseburger  Zaubersprue 
—  Jordan-Segen.  —  Drei  gute  Brüder.  —  Longin us-Segen.  —  Sie  quelh 
nicht.  —  Blut  und  Wasser.  —  Glückselige  Wunde.  —  Sanguis  mane  in  te. 
Adams  Blut.  —  Der  Blutsegen  von  den  3  Frauen.  —  Drei  Blumen.  —  E 
Baum.  — '  Der  ungerechte  Mann.  -  Scherzhafte  Wundsegen.  -  Die  beide 
Schlusskapitel  enthalten  allgemeinere  Bemerkungen  über  Geschichte  ur 
Prinzipien  des  Segensprechens. 

Künftige  Forscher  auf  diesem  Gebiete  werden  der  fördernden  Arbf 
E.'s  nicht  en traten  können.  £.  Ü.-K. 

William  Wells  Newell,  The  Legend  of  the  H0I7  Grail  and  tfa 
Perceval  of  Chrestien  of  TroyeB.  Cambridge,  Mass.  (Seyei 
and  Leipzig  (Harrassowitz)  1903.   94  Seiten  8^. 

Die  in  den  Jahrgängen  1897—1902  des  Journal  of  American  Foll 
Lore  erschienenen  Artikel  tlber  die  Graal-Sage  hat  der  Verfasser  in  vo 
liegender  Schrift  gesammelt.  Die  Arbeit  behandelt  in  leicht  fasslicher  Da 
Stellung  den  Ursprung,  die  verschiedenen  mittelalterlichen  Verzweigungc 
und  die  Bedeutung  der  Sage. 

Die  gut  informierende  Abhandlung  wird  jedem  willkommen  sein,  d( 
sich  über  diese  mysteriöse  Legende  Klarheit  zu  verschaffen"  sucht. 

E.  H.-K. 

Paul  Drechsler ,  Sitte ,  Brauch  und  Yolksglaube  in  Schlesien.  \ 
(Schlesiens  volkstümliche  Ueberlieferungen,  hrg.  v.  Friedric 
Vogt  Bd.  II  1.)  Leipzig  (B.  G.  Teubner)  1903.  XIV  +  3J 
Seiten.  8^     Preis:  M.  5.20. 

Nachdem  Friedrich  Vogt  mit  seinen  „Weihnachtsspielen"  (s.  Archiv 
132)  die  Sonderpublikationen  der  Schlesischen  Gesellschaft   fUr  Volkskun 
würdig  eröffnet  hat,    folgt  nun  in   gleich  gediegener  Behandlung  und  A~ 
stattung  die  zweite  nach. 

Was  uns  Drechsler  in  vorliegen<lem  Halbbande  liefert,  ist  BraK 
und  Glaube,    wie   er  sich   an  den  Kreislauf  des  Jahres   und  die  Festzei^ 

')  Weiteres  (von  ¥j.  unbenutztes)  Material  findet  sich  bei:  Schm- 
Saj^cn,  Volksfi^laubo  u.  s.  w.  aus  d.  Baulande.  Baden-Baden  (Progr.)  L  - 
S.  18" ff.;  MosKR,  Kine  Sammlun'::  Odenwälder  Se^en  in :  Zeitschr.  f  Kuk  ' 
geschichte  IV,  213  ;  Dikhl,  Aussagen  der  Protokolle  d.  hess.  Kirchenvisita.  ^ 
V.  1628  ebd.  VIIl,  299 :  Klkkijek(skr,  Volkskundliches  aus  Fischbach  i- 
Pfalz  1902,  S.  49;  Birlinükh,  Aus  Schwaben  I,  441;  Schitlknburo,  WendL»< 
Volkswagen  1880,  S.  217;  Witzsihel,  Sagen  u.  s.  w.  aus  Thüringen  lö' 
S.  295;  i.fioi.F,  Sagen  u.  s.  w.  Luzern  1862,  S.  540  ff. 


/ 


Bücheranzeigen.  —  Comptes  rendus.  30i> 

Wneraeito  and  den  Lebenslauf  des  Einzelnen  anderseits  anknQpft.    Ein  zweiter 

HaibtMmd   soll  das   häusliche  Leben   des  Schlesiers   darstellen.    Nach  dem, 

H-ita  xuaB  bis  jetzt  von  dem  Verfasser  geboten   worden  ist,   können  wir  der 

^aldi^en  Vollendung  des  Werkes  auf  das  Freudigste  entgegensehen.    Nicht 

mir    ein  reiches  und  fast  durchweg  bedeutendes  Material  tritt  uns  hier  ent- 

ire^c^n,  sondern    wir  gewinnen   aus  der  ganzen  Darstellung   den  Eindruck, 

<Jass    Dr.  wirklich  am  lebenden  Volke   geforscht  und  gelernt  hat.     Und  das 

l»t    nir  uns  bei  dem  Zusammenbruch  aller  Tradition  die  Hauptsache:   heute 

UIUSI0    geborgen  werden,  was  noch  zu  bergen  ist;  denn  morgen  schon  ist  oh 

vie'Uoicht  zu  spät.  E.  H.-K. 

Leo  Reinisch,  Die  Somali-Sprache.  III.  Orammatik.  Wien  (Holder) 
1903.  VIII  +  126  Seiten.  4^  M.  10.40. 
Von  dem  in  dieser  Zeitschrift  VI,  66  angezeigten  Werke  Beinischs 
***  n^inmehr  auch  der  3.  Band  erschienen.  Da  derselbe  jedoch  keine  volks- 
k u  11  dlichen  Gegenstände  enthält,  können  wir  hier  auf  eine  nähere  Besprech- 
»■^*C  ^nicht  eintreten.  Wir  gestatten  uns  nur,  unsere  Leser  auf  den  nunmehrigen 
A.l>a^*|jly8g  dieses  in  allen  Teilen  gleich  vortrett'lichen  Werkes  aufmerksam 
zu    -machen.  E.  H.-K. 

^^-^      F.  6.  Stehler,  Alp-  und  Weidewirtschaft.  Ein  Handbuch  für 

Viehzüchter  und  Alpwirte.  Mit  42  L  Textabbildungen.   Berlin 

(Paul  Parey)  1903.   XII  +  471  S.  8^    10  Mark. 

Die  Bewirtschaftung  der  Alpen  ist  mit  dem  schweizerischen  Volkstume 

'^^^     ^>»ige  verknüpft,   dass   sie   von  dem  Volksforscher   unmöglich  umgangen 

^^'***~*lpn  kann.    Nun  verlangt  aber  dieses  Gebiet  nicht  nur  eine  grosse  Ver- 

^«^m^^eit  mit  dem  täglichen  Leben  lier  Aelpler  und  den  äussert  verwickelten 

rj^^^^^itsverhältnissen,   sondern  auch  ausge<lehnte  botanische   und  zoologische 

'^^^^''^»itnisse.    Da  man  jedoch  eine  derartige  Vielseitigkeit  von  keinem  Volks- 

^*"'**<iher  verlangen  darf,  so  ist  eine  Publikation  wie  die  vorliegende»  als  Weg- 

^^'^'^^ng  durch  das  schwierige  GelHnde  von  grossem  Werte. 

Das  Unternehmen,  das  wir  hier  unsern  Lesern  empfehlen  möchten, 
*^*<"^-  in  den  besten  Händen.  Dr.  Stehler  hat  sich  nicht  nur  durch  seine  rein 
*^  ^.wirtschaftlichen  Arbeiten  einen  hervorragenden  Namen  gemacht,  sondern 
^^^'^^^i  durch  verschiedene  volkskundliche  Schriften  gezeigt,  dass  er  unserm 
^•^^^Ivolke  in  all  seinen  LebensUusserungen  ein  reges  Interesse  und  Ver- 
"'•■^^dnis  entgegenbringt.  Wir  dürfen  also  aus  seinem  Werke  auch  fllr  die 
/*^li8kunde  einen  reichen  (gewinn  erhoffen.  Und  dass  uns  diese  Hoffnung 
^.^^^*t  getäuscht  hat,  zeigt  der  Inhalt  der  bis  jetzt  erschienenen  6  Liefenuigen, 
**^      in  Text  und  Abbildmigen    zahlreiche    volkskundliche  Gegenstände   auf- 

..  Unter   den   22  Kapiteln    vermissen    wir    freilich    eines :    die  Aelpler- 

**  »^üche,  soweit  sie  ausserhalb  der  eigentlichen  Bewirtsohiifrnng  fallen. 
"**chon  ja  dieser  (Gegenstand  nicht  in  dem  Begriffe  ^Alp-  und  Weidewirt- 
^•ft*  eingeschlossen  ist,  würde  er  doch  dem  Buche  eine  besondere  Würze 
^^ ''liehen  haben.  Wir  wollen  jedoch  dem  Verfasser  daraus  keinen  Vorwurf 
^*^^hen,  da  ihm  vermudich  ganz  bestimmte  Grenzen  gesteckt  worden  sind. 
^**ffeD  wir,  dass  er  uns  in  einer  spätem  Arbeit  einmal  mit  einer  Schilderung 


310  Bttcheranzeigen.  —  Comptes  rendus. 

der  Sitten  und  Bräuche  auf  den  Alpen  beglücke.  Einstweilen  sind  wir  von 
Herzen  dankbar  für  das,  was  er  uns  in  diesem  gediegenen  Werke  geboten 
hat.  £.  Hoffmann-Erayer. 

F.  G.  Stehler,  Das  Goms  und  die  Gomser  (Beilage  zum  Jahrb. 
des  8.  A.  C.  Bd.  XXXVHI)  Zürich  (Amberger)  1908.  VIH 
+  112  Seiten.  Lex.-8.  Preis  3  Fr.  (für  Mitglieder  der 
Oesellschaft  f.  Volkskunde  2  Fr.). 

Das  frisch  geschriebene  und  vielseitig  anregende  Buch,  das  uns  Stehler 
vor  2  Jahren  geschenkt  hat  (^Ob  den  Heidenreben '^),  hat  mit  Recht  so  grossen 
Anklang  gefunden,  dass  der  Verf  sich  zur  Ausarbeitung  einer  zweiten  Mono- 
graphie aus  dem  Wallis  ermuntert  sah :  der  vorliegenden  Aber  das  Gombs. 
In  Bezug  auf  Inhalt  und  Ausstattung  steht  diese  Publikation  vollständig  autf~" 
der  Höhe  der  ersten.    Auch   sie   zeichnet  sich  wieder  durch  die  selbe  Le — 
bendigkeit  der  Darstellung,   den  gediegenen  Inhalt    und  den   Reichtum   ar^ 
schönen  Abbildungen  aus.    Man  vennute  in  dem  Buche  nicht  etwa  nttchtern^^ 
historische   oder  landwirtschaftliche  Daten:   es   schildert   uns  vielmehr  da-^ 
heutige  Land-  und  Aelplerleben  des  Gombsers,   wobei  besonders  auch   di^s 
volkskundliche  Seite  eingehende  Berücksichtigung  gefunden  hat. 

Die  Schriften  Stehlers  haben  eine  grosse  Eigenschaft:  sie  lehren  urü^ 
beobachten;  und  darum  wäre  es  zu  wünschen,  dass jeder  Schweizerwander«k= 
sieh  mit  ihnen  vertraut  machte.  Wir  können  es  bei  der  erschreckenden  Z  ^^ 
nähme  rein  turistischer  Litteratur  nicht  genug  wiederholen  :  weniger  Selb^=== 
verheiTlichung  turistischer  Heldenthaten  und  mehr  Beobachtung  von  Mens^  ^ 
und  Natur!  —  Schon  lange  empfinden  wir  es  als  eipen  Mangel,  dass  d^H 
8.  A.  C.  nicht  ein  billiges  illustriertes  Vereinsblatt  herausgiebt,  wie  etwa  ^k^ 
„Blätter  des  Schwäbischen  Albvereins**  oder  „Aus  dem  Schwarzwald  (Or^^^ 
dos  Württemb.  Schw^arzwaldvereins),  welches  Schilderungen  von  Land  l  ^^ 
Leuten  in  der  Schweiz  brächte  und  unseres  Krachtens  ftlglich  neben  A^  ^ 
ernst-ehrwürdigen  „Jahrbuch**  bestehen  könnte. 

Mit  suveräner  Verachtung  pflegen  wir  heute  auf  unsere  UrgrossvS^C 
herabzublicken,  die  für  die  wilde  Gebirgswelt  noch  gar  keinen  Sinn  hatfc.^^ 
flabei  vergessen  wir  aber,    welch  grosse  Verdienste   die  damalige  Zeit  * 

die  Beisebeschreibung  und  die  Sittenschilderung  hatte.  Allmählich  scbfc^^- 
nun  der  Sinn  fUr  die  Eigenart  unseres  Volkes  wieder  zu  erwachen.  MIZ 
beste  Zeugnis  liiefür  ist  die  freundliche  Aufnahme  der  Stebler'schen  Schrick-« 
Möchten  diese  eifrige  Nachahmer  finden  !  E.  Hoffmann-Kray  eir* - 

G.  Fient,     Das     St.    Antöniertal.      Chur    (Chr.  Meisser)     1904 

24  8.  8^  — 

Vorliegendes  reich  illustriertes  Schriftchen  stammt  aus  der  Feder  ^^^ 
ersten  Kenners  des  Prättigau  und  der  umliegenden  Täler.  Obschon  es  ^"^ 
nächst  als  rasch  informierender  Touristen-  und  Kurführer  gedacht  ist,  ^**^ 
hält  es  doch  auch  einige  volkskundliche  Notizen,  vor  allem  eine  anzieher^^ 
Beschreibung  der  Landsgemeinde  von  Luzein.  Ob  die  vortr^ •^ 
liehe,  aber  leider  schwer  zugängliche  Monographie  Prof.  Schröters  benim*^ 
worden  ist,  kann  ich  nicht  konstatieren.  E.  H.-K. 


BflcheranzeigeD.  —  Gomptes  rendus.  311 

EL  A.  StBckelberg,  Die  Sohweizerisohen  Heiligen  des  Mittelalters. 
Ein  Hand-  und  Naohsohlagebnch  für  Forscher,  Künstler 
und  Laien.  Mit  87  Text-Abbildungen,  1  Karte  und  1  Licht- 
dmoktafel.  Zürich  (Fritz  Amberger)  1903.  XYI  +  150  S. 
S\  Preis:  geb.  Fr.  10.—  (Mk.  8.—),  br.  Fr.  8. — 
(Mk.  6.  40).  — 

Die  hagiologischen  Arbeiten  St.'s  nehmen  deu  gedeihlichsten  Fortgang. 

Mit  ton  in  den  Vorbereitungen  zur  Drucklegung   eines   zweiten  Bandes   der 

Reliqiiiengeschichte   hat   der  Verfasser   Zeit   gefunden,   vorliegende,  jedem 

Volk. eiforscher' höchst  willkommene  Schrift  auszuarbeiten.    Was  er  uns  hier 

bietest,  ist  (nach  einer  allgemeinen  Einleitung  über  die  Kulte  überhaupt,  die 

Bil<]eiT  und  Attribute)  die  Lebensgeschichte,  die  Entwicklung  des  Kults  und 

^1^    bildliche  Darstellung  derjenigen  Heiligen,  die  in  der  Schweiz  eine  Grab- 

»tütte  gefunden  haben,  also  nicht  sHmtiicher  Heiligen,  die  in  unserem  Lande 

v*^reliirt  werden.    Wir  hoffen  aber,    dass  nach  Erledigung  dieses  wichtigsten 

B^ftt^cudteils  des  einheimischen  Heiligenkults  auch  die  übrigen,  importierten 

Kul  te?  mit  EinschluBS  der  Ikonographie  von  dem  Verfasser  behandelt  werden 

"»Öc^l:^ten.    Erst  auf  dieser  Grundlage  ist  es  dann  weiterhhi  möglich,  eine 

'wias^außchaftlich  zuverlässige  Darstellung  der  Heiligen  im  Volksleben 

anfÄKibauen. 

Diese  letztere  Aufgabe  halte  ich  für  eine  der  schönsten  und  lohnend- 
^terM.  4ier  gesamten  Volkskunde ;  denn  nur  durch  ihre  Lösung  vermag  endlich 
wc^^-f  in  die  bis  anhin  so  verworrenen  Anschauungen  über  die  „Mythologie" 
ona-^^jer  Vorfahren  zu  fallen.  Wie  mancher  anscheinend  „heidnische"  Glaube 
*^^^^*  Brauch  würde  dadurch  plötzlich  in  ein  christliches  Licht  gerückt! 

Die  Anlage  des  Stückelberg*schen  Buches  ist  vortrefdich.  Mit  strenger 
WisSA^eDschaftlichkeit  (Quellenstudium,  sorgfältig  benützte  Litteratur)  verbindet 
^^  ^^raktische  Handlichkeit  (Alphabethische  Anordnung  der  einzelnen  Heiligen, 
^•"^^^en-  und  Ortsregister,  Kultkarte).  Aber  auch  für  die  Ausstattung  haben 
^^'^^fasser  und  Verleger  weder  Mühe  noch  Kosten  gescheut:  die  Abbildungen 
**^^1  durchweg  klar  und  plastisch  schön,  Druck  und  Papier  tadellos. 

Wie  mit   der  Reliquiengeschichte,   so   wird   auch   mit   diesem  Buche 
w^-'s  jede  künftige  hagiologische  Arbeit  der  Schweiz  rechnen  müssen. 

E.  H.-K. 

Das  Bauernhaus  im  Deutschen  Reiche.     Hgb.  vom  Ver- 
bände Deutscher  Architekten  und  Ingenieur-Vereine.  Lief.  8. 
Dresden  (Eühtmann)  1903. 
Vorliegende  Liefenmg  des  unsern  Lesern  schon  mehrfach  empfohlenen 
Prachtwerks  enthält  wiederum  12  Tafeln,  von  denen  4  auf  Bayern  (Allgäu, 
Oberbayem,   Oberfranken,  Oberpfalz),   3  auf  Schleswig-Holstein  (Süder-  und 
Norder- Dithmarschen,  Insel  Fehmahrn),  je  2  auf  Brandenburg  und  Ostpreussen 
und  1  auf  Braunschweig  entfallen.    Auch  hier  wieder  ist  die  Reichhaltigkeit 
der  Blätter,  die  neben  den  Grundrissen,  Durchschnitten  und  Ansichten  auch 
maDches  interessante  Detail  enthalten,   rühmend  lu^rvorzuheben.    Hie  und  da 
vennisseD  wir  freilich  die  mundartliche  Bezeichnung  der  Räume  und  stellen- 
weise auch   die   nähere  Beschreibung   des  Dachstockgrundrisses.    Bei   dem 
Neakennither  Hause  bleibt  man  im  Unklaren,  ob  noch  weitere  vom  Wohn- 


312  Bücheranzeigen.  —  Comptes  rendus. 

haus  abgetrennte  Wirtschaftsgebäude  dazugehören.   Endlich  sollte  man  ni« 
unterlassen,  die  Lage  eines  Hauses  zur  Strasse  anzuführen. 

Im  Uebrigen  reiht  sich  diese  Lieferung  wQrdig  den  vorausgehenden  an 
Allgemeine  hausgeschichtliche  Betrachtungen   werden  wir   erst   nacl 
Abschluss  des  gans^en  Werkes,   einschliesslich   des  erklärenden  Textes,   an 
stellen  können.  E.  H.-K. 

W.  H.  Riehl,    WaDderbuch.    4.  Aufl.    Stuttgart  u.  Berlin  (Cotta] 

1903.  8^   Vni  +  402  Seiten.    Preis:  M.  5.—. 

Vorliegende  Reise-  und  Riüturschilderungen  deutscher  Gaue  bildet 
den  vierten  Band  der  „Naturgeschichte  des  Volkes  als  Grundlage  eine 
deutschen  Sozialpolitik*^,  sind  aber  inhaltlich  durchaus  selbständig.  Auf  di< 
Vielgestaltigkeit  des  Inhalts  und  die  überall  anregenden  Beobaehtungei 
braucht  man  bei  einem  Manne  wie  Riehl,  der  ja  einen  merkwürdig  scharfei 
Blick  für  alles  Charakteristische  besass,  nicht  eigens  aufinerksam  zu  machen 
Hingewiesen  sei  hier  nur  auf  den  reichen  volkskundlichen  Stoff  mu 
die  mannigfachen  nützlichen  Anweisungen  zum  Sammeln  eines  solchen,  di* 
sich  in  dem  schönen  Buche  finden.  E.  Hoffmann-Krayer. 

D.  Gempeler-Schletti,  Heimatkunde  des  Simmentais.  Mit  87  lUu 
strationen  und  einer  Karte  des  Simmentais.  Bern  (A.  Francke 

1904.  503  Seiten  8^    Preis:  br.  Fr.  6.—,  geb.  Fr.  7.50. 

Der  den  schweizerischen  Volksforschern  als  Sagensammler  des  Simmen 
tals  längst  bekannte  Verfasser  hat  in  vorliegendem  trefflichen  Werke  sein« 
Studien  auf  die  gesamte  Heimatkunde  des  Simmentais  ausgedehnt.  Wir  be 
grüssen  es  immer  mit  besonderer  Freude,  wenn  derartige  Monographien  voi 
Männeni  bearbeitet  werden,  die  schon  mit  einer  gewissen  volkskundlichei 
Schulung  an  ihren  Gegenstand  herantreten  ;  denn  weit  wichtiger  als  die  Orts 
geschieh  te  (deren  Dokumente  ja  zumeist  gesichert  sind),  ist  die  Darstelluni 
des  von  Jahr  zu  Jahr  sich  ausgleichenden  Volkstums.  G.  hat  diesem  letz 
tem  einen  erfreulich  grossen  Raum  gegönnt,  ohne  deswegen  die  übrigei 
heimatkundlichen  Gebiete  •  wie  Topographie,  Flora,  Fauna,  Greschichte,  In 
dustrie  u.  s.  w.  zu  vernachlässigen. 

Von  speziell  volkstümlichen  Stoffen  heben  wir  hervor :  Bauart  de 
Häuser,  Haussprüche,  Volksschlag,  Frauentracht,  Volks 
Charakter,  Mundart,  Sprichwörter,  sprichwörtliche  Kedensarten 
Sagen  (Auswahl  aus  den  bereits  veröffentlichten  Sammlungen  des  Ver 
fassers),  Aberglauben  (besonders  reichhaltig;  doch  vermissen  wir  die  Er 
wähnung  von  Zahlers  Abhandlung  [s.  Archiv  H,  310]),  Volkssitten  un< 
Gebräuehe  (etwas  zu  wenig  ausgebaut),  Volkssprüche.  Eine  reich» 
Auslese,  für  die  wir  dem  Verfasser  Dank  wissen. 

Möchte  durch  diese  schönen  Schilderungen  das  Interesse  an  der  Volks 
künde  auch  in  weitern  Kreisen  geweckt  werden  !  Die  Mitarbeit  gerade  de 
Lehrerschaft  ist  für  unsere  Bestrebungen  unentbehrlich. 

E.  Hoffmann-Krayer. 


f 


313 


Kleine  Chronik.  —  Chronique. 

Die  GemeiDdchroniken  des  Kantons  Zürich  und  die  Volks- 
ki&  Ddp.  In  einigen  Feuilletons  der  «Neuen  Zürcher-Zeitung»  hat  Prof.  Emil 
E^li  die  ersten  Resultate  des  vor  zwei  Jahren  erlassenen  Aufrufs  (s.  Ar- 
chi-^r  VI,  223)  zusammengestellt.  Die  Ausbeute  ist  wie  vorauszusehen  war, 
aa^li  für  die  Volkskunde  eine  reiche  und  mannigfaltige.  Von  volkskundliclien 
<^e»^engtänden  haben  wir  uns  gemerkt:  Bauernregel,  landwirtschaftliche 
(Gepflogenheiten,   Sprichwörter.   Volkslieder,   mundartliche  Spezialausdrücke, 

Sitten   und    Bräuche,    Spiele,    Aberglauben,    Tracht,    Sagen,    IlaussprUchts 

Bauemieben  überhaupt.    Eine  reiche  Blumen-  und  Ährenlese! 

Möchte  das  schöne  Unternehmen  auch  weiterhin  gedeihen  und  FrUchto 

tragen;   möchte  es  aber  auch  in  andern    Gauen    der   Schweiz   Nachahmung 

liiulen ! 

Volkskunde    der    Umgebung    Frankfurts.        Das    sUidtische 

iiistorische  Museum   hat   in   den   Schaükiisten    im   oberen  Gange  des  Lein- 

^Änclhauses    eine    neue   Ausstellung   von    Einzelblilttern    veranstaltet ,    mit 

<ier  Absicht,  die  Landes-  und  Volkskunde  der    Umgebung  Frank- 

^J^rt»    zu   fordeni.    Eine   stattliche   Reihe    von   Abbildungen    hessischer 

*  ^Ik  st  rächten,    sowie   von  Orts-  und  Landschaftsbihlern   der  Umgegend 

^^    zur  Auslage  gebracht.     Die   hessischen    Lande   sind   in  dem  Aufgeben 

^"^  Volkstrachten  nicht  so  schnell  vorgegangen   wie  viele  andere  deutsche 

'^^g'enden,   es  ist  daher  hier  noch  möglich,  eine  ziemlich  lückenlose  Samm- 

^^^^    zusammenzubringen.      Das  Direktorium    des  Museums  hat  die  Reihe 

(Kölner  Originaltraehtenstücke  dadurch  vervollständigt,  das»  es  eine  stattliche 

. '•^äIiI  von  Trachten  in    genügender  Grösse   nach    dem    Leben    aufnehmen 

1^*^**.     Der  Kunstmaler  Rudolf  Koch  hat  sich   dieser  Aufgabe   mit  vielem 

^^**<ihick    unterzogen.     Eine    Anzahl    von   Landschaftsbildern    aus    unserer 

l^^hei^p,,  imil  weiteren  Umgebung  erinnern  den  Beschauer  an  die  Harmonie, 

'•^    Uer  die   Bauerntrachten  koloristisch   zu   der   umgebenden    Landschaft  zu 

'•^<*ht>n  pflegen. 

Volkskunde-Museen.     In  einer  „Museen  und  Sammlungen"  (Berlin 

^^^j    betitelten  Schrift   redet   Rob.  Mielke   der  Schaffung  von  Museen,  dit^ 

^'^  Heimat-  und  Volkskunde  gewidmet  sind,  das  Wort.    Es  konstatiert,  dass 

**'it8ehland  bereits  91  öffentliche  uncl  private  Anstalten  dieser  Art  besitzt. 

„Volks-Ueberlieferungen"  und  Bauernmuseum  in  Mecklen- 

^^^'IJC.    Herr  R.  Wossidlo  schreibt  uns,  dass  das  Manuskript   des  3.  Bandes 

^**iuer  yMeckl.  Volksüberlieferungen **,  enthaltend  Teil  I  der  Kinder  r  e  i  m  t* 

^   ^ie  Redaktions-Kommission  abgegangen  sei    und  dass  das  im  Jahn»  1900 

*^^SiÜndete  Bauernmuseum  heute  iJSOö  Nummern  zähle. 


i 


314 


Maler  Ernst  Sfückelberg.  f 

1831-1903. 

Mit  dem  grossen  Schöpfer  der  Fresken  in  der  Telia* 
kapeile  ist  ein  Mann  von  uns  geschieden,  der  auch  in  unserer 
Zeitschrift  verdient,  ehrend  erwähnt  zu  werden ;  denn  nicht 
nur  seine  bekannten  fertigen  Bilder  oder  die  Studien  sn  seinen 
Teilfresken,  sondern  noch  viel  mehr  seine  Skizzenbttcher  und 
Sammlungen  haben  gezeigt,  welch'  reges  Interesse  der  Ver- 
storbene dem  Volksleben  entgegengebracht  hat.  Gbtns  besonders 
waren  es  die  religiösen  Volksfeste,  auf  die  er  immer  wieder 
seine  Aufmerksamkeit  lenkte.  Jedermann  kennt  seine  herrliche 
„Prozession  im  Sabinergebirge^  im  Museum  zu  Basel.  Was 
an  diesem  Bilde  neben  dem  rein  Künstlerischen  so  auff&llt, 
ist  die  absolute  Treue  im  Kostüm,  und  zwar  verstehen  wir 
hier  unter  „Kostüm^  nicht  nur  die  Trachten  des  Volkes  and 
der  Prozessionsbeteiligten,  sondern  auch  alle  dabei  zur  Ver- 
wendung kommenden  Geräte,  Kirchen fahnen,  Rauchfässer,  Gebet- 
bücher U.S.W.,  U.S.W.  Zu  air  diesen  einzelnen  Gegenständen 
existieren  sowol  erste  Vorstudien  in  den  Skizzenbüchem  als 
auch  mehr  oder  weniger  ausgeführte  Oelstudien.  Zumeist  frei- 
lich sind  diese  kirchlichen  Festszenen  dem  italienischen 
Volksleben  entnommen;  manches  andere  aber  wurzelt  auch  in 
unsern,  oder  wenigstens  benachbarten  Landen.  So  z.B.  eine  Kinds- 
taufe vor  der  Kirche,  die,  den  Trachten  nach,  in  der  Gegend 
von  Säckingen  sich  abgespielt  haben  muss ;  ferner  ein  Schwing- 
fest auf  der  Bälisalp  bei  Spiez,  eine  grössere  Anzahl  von 
Haustypen  aus  dem  Kt.  Tessin  (besonders  Maggiatal),  Studien 
zu- Säumung  und  Bepackung  von  Lasttieren  u.  A.  mehr,  der 
Trachten-  und  Volkstypenstudien  für  die  Tellskapelle  gar  nicht 
zu  vergessen.  —  Daneben  ruhen  in  Kästen  und  Schränken 
zahllose  Trachten-  und  Kostümstücke,  teilweise  aus  frühem 
Jahrhunderten  und  von  hohem  historischem  und  materiellem 
Werte. 

Stückelberg's  künstlerisches  Schaffen  lässt  uns  erkennen, 
welch'  bedeutende  Rolle  das  Volksleben   in  seiner  Kunst  gO' 
spielt  hat.    Möchten  sich  Andere  an  ihm  ein  Beispiel  nehmen 
denn  ein  unversiegbarer  Uuell  von  Poesie  und  warmem  Lebe 
entsprudelt  dem  heimatlichen  Boden. 

K.  H.-K. 


Aal  (77  XIV  15  */ 
J^berglaabe  (72  IIL  4) 
abstreifen   von   Krank- 
heiten 66 
^dleijagd  (75  XI  9) 
Advent  (B.  Bochseln,  Um- 

zOKe)  150 
^AgiSie,  hl.  183 
..AliDtwein  12b  A. 
^amJlouälea  161 
^^^IpeosinD  (75  XI  8) 
^tf^^lpdrack  (8.  a.  Doggeli) 

(77).  140  «»^  141»" 
.^^IpHhrt  214 
.jALiphon  65 
JL  Ipler  42  ff.  (74  X  7  ff.; 

X^l  8).  210  ff. 
-A.  Ijpsegen  (77  XIV  22).  216 
.A^lp^irtBcbaft  36.  (72  III 

3>-  (74).  210  ff.  (809) 
.A.lui.r  170 
A.nD^i8en  41t 
^xnulet  17. 50. 62.  (77  XIV 

2a  b).  138»»  w 
A.n<ljrea8tag  122 
An^lcdoten  i.  Schwanke 
A^ncbropologie  (72 III 4) 
A.nxtfblreim  274 
A.p€c^l  132^  189 
ApV^^Iraarr  119 
Ai>oIlinari8,  hl.  162 
A.pvnl8cherze  145.  282 
Art^,  Tante  173 
A.rt«i  12 

AnolHuatachatzen  146 
^^•••oM,  /.  L.  295  ff. 
-^^^enleiden  138»« 
»^»Weihen  196.  197 
^^»pirien  189.  194.  197 

^*ckende  Dämonen  174. 

g*nn  (Kirchenvont)  7.  18 
S^ubräache  158 
g*HenibiBchof  121 
^uernbaus  (68).  (811) 
***«iernregel  (s.a. Wetter- 
regel) (72  III  4).  (76) 
U*^  itf.  iK».  ut.  303 

^«omkult  171.  184  fg. 
^mamwinden  140"» 
«»ri  119 

»««Tilbnii  (8.  auch  Tote) 
172  III  3).  (74).  139  »«* 
^140««».  144 
BehexiiDg  140"* 
»•«»,  linkes  135^ 
^bteotag  124 


Register. 

Beschäftigung  (72  III  4) 
Besteck  139" 
Betteln  s.  Tm singen 
Biene  (77  XIV  16) 
Bilderschriften  (70) 
Bischofswahl,  panKÜerte 

119  ff  201  ff. 
Bittgang  (s.  auch  Kreuz- 
gang, Prozession)  (75  XI 

11.  12) 
blau  (77  XIV  15») 
Blitz  (77) 
Blumenorakel  h.  Orakel : 

Blumen 
Blut  (77).  132'.  139»^ 
Blutfest  (75  XI  12* ) 
Blutsegen  47.  48.  52 
Bochseln  104.  109  ff.  112. 

116 
Bolte,  J.  66 
Bonaparte  58 
Brandwunde  139  »2 
Branntwein  152 
Brot  163  A.  3,  Abergl. 

133" 
BrQcke   (s.   auch   Kette 

beissen)  (72  III  3) 
Bruderschaft  (75) 
Brumae  187.  195 
Brunnen suchen  10 
Brunner,  K.  (165) 
Bubenstacke  115 
Bundü  G.  165 
Butter:  Abergl.  134  3* 
Butzi  laufen  152 

Char-  8.  Kar- 
Chiromantie  136"  «' 
Christkind  151 
Columba,  hl.  179 

Dachtraufe  139  '^  •»' 
Dame  blanche  176 
Dämonen  (s.  auch  Doggeli) 

183.  185,  weibl.  172.  173 
danken  132  <<^ 
Daucourt,  ^.169  ff. 
De  Cock  (168) 
Dieb  47 
Diebszauber  11. 12.  14.  51 

(2  mal).  53 
Dienstag  24 
Dinkel  (74  X  5i 
Doggeli  (8.  auch  Alpdruck) 

(77   XIV    12).    133  w 

142  «" 
Donnerstag  24.  111.  113. 

114 


Drechsler,  P.  (308) 
drei  s.  Zahl 

drei  höchste  Namen  139 
92-  9»  ]4i  122 

Dreikönige  157 
Durrer,  R.  66 
Duses  185 
Üüsseli  119 

Eber  172 

Ebermann,  0.  (307) 

Ehe  s.  Orakel 

Ehrenstrafen  s.  Laster- 
stecken, aufgehobener 
Stab 

Ei:  Abergl.  135 ♦« 

Eibe  15b 

Eiche  184  fg. 

Eierweggen  124  A.  54 

Eindrücke  in  Steinen  180 

Einhorn  (77  XIV  15) 

Einreden  150.  155 

Einschlachten  106.  222 

Eisen  riege  182 

Engel  137*9 

Epiphanias  102 

Erbsen  werfen  114 

Emt(*mahl  155 

Ermordete  (vgl.  Hinge- 
richtete) 62 

Esche  50 

Esel  151 

Eselsharn  (77  XIV  16*) 

Esi'lsmilz  47 

Essen:    Abergl.     133  2" 
134  ♦» 

Eule  50.  139  »•*.  141  «^ 

^illes  161 

Farben  s.  d.  einzelnen 

Farfter.  A.  61 

Farm  61 

Fastnacht(75).152ffl61fg. 
179.  295  ff.,  alte  F.  154 

Fastnachtspiele  152  fg. 

„fest"  macnen  51.  62 

Feste,  kirchl.  s.  kirchl. 
Bräuche 

Festum  Iiinocentium,  Stul- 
torum  120  ff.  201  ff. 

Feuer:  Älpler  217,  Fast- 
nacht 161.  172.  179 

Feuersbrunst  s.  Orakel 

Feuerspritzen  fest  (75) 

Fient,  G.  (310) 

Fille  de  Mai  (77  XIV  13) 

Finger  135  ^\  136  " 

Fingernägel  (77).  133  »« 


316 


Kegister. 


Finkenhofer,  E.  269  ff. 
Fledei-maus  50.  51 
Fluch  (79) 

rrurnamen  (72  1114).  (79) 
Focke.  J.  36  ff. 
fouita  183  fg. 
Frau,  alte  135  ^^ 
Freikngeln  s.  Treffzauber 
Freitag  24.  139»* 
Froniund,    hl.    170.    171. 

Tafel 
Fronfastenkind  10.  20 
Fronleichnam  158 
Frosch  8.  Laubfrosch 
Fruchtbarkeitssvmbol  128. 

161.  162.  189 
FrühliDgsbräuche  161 
Furrery  P.  56  ff. 

Galrei  122  ff. 

GänsefÜsse  174 

Gebäck  (s.  a.  Neujahr)  61. 
(73).  180 

Gebet  (72  III  4).  Älpler 
215.  216.302,  b.  Schatz- 
graben 16 

Geburt  fs.  a.  Kinderglau- 
ben) 143 

Geburtsbaum  185 

Geburtstag  J4) 

Gegenzauber  (77).  140  "« 

141.  '21-  126  142.  »28   158 

Geister  s.  Gespenster 
Geld  8.  Orakel :  Reichtum 
Geldstück  47.  132  i^- »« 

138  8b 

GcMueindechroniken  (71  II 

2).  (313) 
Gempeler-Schletti  (312) 
Gerate  (71  III  3) 
Geniian,  hl.  173 
Geschenke  im  Advent  150, 

nn    Fastnacht    161,    an 

Weihnacht  und  Neujahr 

111.  187.  190.  191.  197 
Geschlechterverkehr  (s.  a. 

Kiltgang,     Liebschaft) 

148  i^.  15.>.  156 
Gespenster  11.  13  (3  mal). 

14.  15.  140.  "'>  141 '«8. 

119.   120.   122    142.  ^'*d 

Gestirnglaube  15 

Gewitter  139  a«-^» 

G feiler,  S.  50  ff. 

Giritzenraoos  295  ff. 

Glas :  Abergl.  140  »**',  z. 
Diebzauber  14,  z.  Schatz- 
tinden  13. 14  fg.,  19. 20. 21 

gleichzeitiges  Wort  1332^- 
136  ^« 


I  Gletscherbeschwörung  165 
Glockeninschriften  (79.  XV 

31.  32) 
Glockenschellenmann  1 19 
Glockensprache  272 
Glück  8.  Orakel 
Glucksen  137  '^-  '» 
Glücksrad  66 
GlungelM19 
„Goldene  Laus"  61 
Gräberpflege  144 
Grabin8chrift:en  (79  XV  30) 
Gral  (308) 
„Gred,  Arme«*  66 
Gregorstag  122 
Grob.  Heinr.  29  ff. 
Grünes  108.  130.  193 
Gurri  119 

Haar  134. »«  142  »»2  »33.  m 

Haarnadeln  135  "' 

Hnfliger  270 

Hahn  (s.  auch  Henne.  Huhn) 
51 

Hairodes  185 

Hakennase  119 

Hau,  Balth.  29  ff. 

Hanf  (74  XI  3a).  155 

Harn  49 

Hasel  21.  46.  154 

Hasen blut  52 

Hasenhirn  49 

Haus  (71  III  3).  (72).  212 

Hausindustrie  (s.  a.  Be- 
schäftigung) (74) 

Hausinschriften  (s.  a.  In- 
schriften) 53  ff. 

Hausmarken    36  ff.    39. 
(72  HI  4) 

Hauswurz  61 

Hechelgamppele  119 

Heidenhäuser  (77) 

Heiligenverehrung  (72  III 
3).  (77).  162  (311) 

Heischelieder:  Mittfasten 
307,Neujahr59.107.126, 
Wur8tlied(7811»).104ff. 

„heisser  Stein"   18 

Heizgeld  125  A. 

Heiuie  ^8.  a.  Huhn)  52 

Heraldik  73 

Herodias  s.  Hairodes 

Heerkuh  218 

Herrmesserin  218 

Heu  214 

Hexen  (s.  a.  Behexung, 
Gegenzauber)  (76).  141 

125-   12b 

Hexenmeister  169 
Himer,  hl.  170 


Himmelsbrief  (77) 

Hingerichtete   (s.  a.  Er- 
mordete) 47 

Hirschmaske  117  fg.  119  A. 
188  ff 

Hirsjagen  119  A.   . 

Hirtenleben  210  fg. 

Hochzeit  (72  III  4).  (74), 
Tag  24,  Abergl.  (s.  a. 
Orakel:  Ehe)  132  »»— »*^ 
133. 20  134.  •'  140.  »•»•  "• 
292 

Hoffmann-Krayer  E.  l  tT: 
58.  63.  66.  71  ff.  102  ff. 
187  ff.  315.  res.  69.  70. 
165.  167.  168.  224.  306. 
308-12) 

Höhenkult  181 

Höhlen  178.  179.  185 

„hübsche"  Frauen  124 

Huhn  (8.  a.  Hahn,  Henne) 
140»" 

Hühneraugen  139»* 

Hund  134.*«  141«»,  schwar- 
zer 2.141.  "»^  177,  weis- 
ser 12 

„Hütten"  213 

Hj-pokras  125  A. 

Jagd    (71    III    3).    (75), 

Abergl.  135  ♦» 
Jäger,  wilder  172.  177 
Januarskalenden  103.  130. 

187  ff. 
Jean  des  Cotes  169 
JeanjaqueL  J.  65 
Jenner,  J.  46 
Jenny,  G.  62  ff.  298  ff. 
Imesch,  D.  163  ff. 
Industrie  (s.Beschäftignng, 

Hausindustrie) 
Inschriften   (s.  a.  Hausio- 

8chr.)  (71  III  2.  3j.  (79) 
Johannes  d.  T.  (Tag)  49 
Johannesevangelium  7. 12. 

16.  18.  216 
John,  A.  (167) 
irreftlhren  61 
Irrlicht  184 

J«Äew,>l.  59.60. 163. 802fg. 
junge  Person  136** 
Jungfern,  alte  295  ff. 

Kaindl  (167) 
Kaminfeger  132.  *»  133  *» 
Kapuziner  19 
Karfreitag  137 '« 
KarHamstag  157.  158 
Kartenspiel  (76) 
Karwoche  145 
Kastanien  138^ 


Kegistor. 


317 


rz  51 

isik  (s.  a.  Länn- 

;)  115.  lül 

r5  XII  1) 

I.  a.  Lichter)  158 

z.  Fr.  305 

ssen  61.  305 

24.  149.  287 

prgl.  131  »-^  135 

17.  6S    138  88 

chof  119  ff. 
luben  (77).  143 
1er  (8.  a.  Keime) 

(70).  (72  III  4). 
)9  ff. 

igkeit  161 
el  25  fg.  (168) 
il  «.Orakel:  Kdz. 
?(75) 

iiache  (s.  a.  Hei- 
rehrg.  (75) 
1   155 

Hchwarze  135  *® 
rblittt.  132  8 
;r,  C.  (70) 

n\  134  «9 

\.  Bochseln 
Hnacht  111 
schof  8.  Bischofö- 

haften(75vl47ff. 
6 

146 

a.Doggeli)67.183 
18  Friedhofskreu- 

Advent  119.  122 

29 

74  X  5i 

;(79) 

fei)  (8.  a.  Volkg- 

ij  abstreifen  173. 

men  13b''',    ver- 

137'»,  übertragen 

'■®'*,weg8chwem- 

d  -waschen  137  •'' 


tsnamen  s.  Volks- ' 


Irankh.    u.   Tier; 

fl  III  3j,  Abergl. 

♦2  137  -« 

l?e  272 

C  52.  135  *3 

»-« 

fXIV  16).  138.^' 

A.  42  ff.  46  ff 


I  Küchlimaien  154 
,  KUchlisonntag  154 

■  Kugel  z.  Sehatztinden  10 

I 

Laienbischof  119  ff. 
Lampe  (73) 

Lamfsgemeinde  (76).  310 
Landwirtschaft  (74  X.  XI) 
Lärmumziige  103ff.  116  A. 

130.  189.  190.  196.  198. 

199.  200 
Lasterstecken  21.  22 
Laubfrosch  46 
Laus  135  ".  140  "^ 
.Ledige"  147  ff.  150 
Legende    170.    171.    173. 

180  ff.  298  ff 
Leiden  Maria,  ftlnf  298  ff. 
leihen  196 
Leintuch  139  »« 
Leseholz  221 
Lichter  b.  Schattheben  11 

fg.,  im  Abergl.  135  ^^ 
Lichterscheinungen  14 
Lichtmess  158 
LichtHtubeten  155 
Liebeszauber  51  (3  mal). 

132' 
Liebschaft  (s.  a.  Geschlech- 
terverkehr) (74) 
Linde  184 
linke  Seite    132.  «    134.  »» 

135.  ♦♦136.  ♦^137.'*  138.»» 

142.  ««>  165 
Lorenz,  hl.  48.  162 
Losholz  220  ff. 

nühWr  (72  III  3).  (75  XI 
18).  122  ff  129.  155.187. 
i89-U>l.  196  fg.  199.204 

Mahlzeiten  210 

Mai  (75).  175  fg. 

Maiensässe  211  ff. 

Maitau  138  ^' 

Miirchen  (72  III  4\  i78)      j 

Maria  Himmelfahrt  217 

Martin,  hl.  162 

Martinstag  (76  XHI  5).  121 

Masken :  im  Advent  u.  an 
Neujahr  104.  116  ff.,  121. 
187  ff.,  an  Fastn.    152, 
an  Silvester  119  A. 

Matronales  187 

Maulwurf  47 

Maus  137  -2 139  »^5 

Messe,  parod.  120 

Mesj*erl32.  »*^  139. 5^40  «♦♦ 

Milchmessen  215 

Milchrechnungen  36  ff. 

Milchwirtschaft  36  ff.  (74) 


Minorat  39 

Mistelzweig  174.  175.  184 
Mitleid  141  >»' 
MiUfasten  305 
Mittwoch  24 
Möbeln  (71  III  3) 
Mond  47.  62.  138.  "    142 
129.  13V  187  igg  194  200 

Montag  24 
Mörder  47 
Mosis,  Bacher  2 
Most,  Wolff  160 
Müller  25 

MUnze  s.  üeldstück 
Musik  (79».   109  A.  145 
Musikinstrumente  145. 150. 
210 

Nachtbuben  115.  150 

Nachtwächter  (75) 

Nadel  132  »^ 

Nägel  8.   Fingernägel 

Nahrung  (72  ül  3.  4).  (73) 

Namen  (s.  a.  Orts-  u.  Flur- 
namen^ «721113.  4).  (224) 

Namengebung  131  ^ 

Namenstag  (74) 

Napoleon  58 

Narr  125  A. 

Narrenbischoff  119  ff. 

Nase  133.  '»  134*» 

Neptun  67 

Neujahr  (75).  102  ff.  148. 
151  fg.  187  ff.,  Abergl. 
128.  136  «  Gebäck  107. 
124  A.  126,  Geschenke 
123  ff.  126  ff.  130.  152, 
Getränke  152,  Glück- 
wünsche 107.  130.  148. 

151.  152,    Karten    148. 

152,  Mähler  122  ff.  130, 
Masken  116  ff.,  Medaillen 
lOi) 

Neujahrswünsche59.1()7ff. 

l;^0 
Newell,  W.  W.  (308) 
Nikiaus,  St.  122. 126. 150  fg. 

•ii04.  207.  276 
Nussblätter  139 '^^ 
Nuton  67 

Ochsengalle  49 

Ohrenläuten  136  ^^-  ** 

Omen  s.  Orakel 

Omlin,J.  A.  42  A. 

Opfer  17,  an  Dämonen  174, 
ato  Donnergott  139  »"  »% 
an  Tote(JaTirzeitmähler) 
(72  HI  3),  an  wilden 
Jäger  172.  185 


318 


Register, 


Orakel  (s.  auch  Hochzeit) 
Abzählen  (s.  a.  Blumen) 
136  w  Alter  (s.  a.  Tod) 
136«',  Besuch  133« 
Blumen  126  =^««6,  Brief 
133  ",  Denken  an  Jmd. 
135".  136«»,  Ehe  132 
'•»  »*  1332«134*<'-  **-37 

135  WM  Erfolg  134.  w 
135**.  136  61  Feuere- 
brunst 134  ^,  Freudiges 
133  »8,  Freundschaft  132. 
««.  135*9,  Fund  133  «*. 
134«  Geschenk  133"« 
gleichzeitiges  Wort  1 33**. 

136  ^^  Glück  u.  Segen 
108.  132 »^  133 2^  134 
w»«,  Grashalme  133", 
graues  Haar  134  '^  Hand 
S.Chiromantie,  Kinder- 
zahl 136  6i-  w  Krankheit 
134.3«!  35*»,  Laune  135 
*♦,  Liebe  132.  «•  »• »»  184. 

33.  S5      135     55-57       136  59^ 

Koichtum  135",  Selig- 
keit 140  »«»,  Streit  134 
*2.  135*»,  Tod  61.  131. 
*  »♦  134.  ♦"  135  ^.  13«. 
100-112  165^  Traum  135 
♦6-51^  Wetter  (s.  auch 
Wetterregel)  133",  Wie- 
derholung l37*5,Wunsch- 
erfüllung  133  »«-«^ 

Ortsnamen  i72III4).  (79) 

Ortsneckereien  26.  (79).  88. 
90.  91.  271  flf.  286.  287. 
291 

Ostern  (75) 

Othmarstag  50 


Palmsonntag  (75).   158 
Passfonsgcbet  302 
Paten    74).  143.  152 
Polagius,  hl.  162 
lellandini,  V.  23  flf.  300  if . 
Pore  Challande  119 
Pest  114  A. 
Petrus  53.  162 
Pfarrer,  kath.  134  « 
Pfeifen  145 

Pferd  132  ^  133  >«.  139  ^^^ 
PferdtMuist  2.  6 
Pfingsten  (75) 
Pflanzen  (77) 
Pierre  A  Nitou  67 
plattlen  146 
Popanz  173 
Posterli  119 
Predigt  (77) 


Prozession  (s.  a.  Bittgang) 

272  304 
Psalm,  91ter:   2.  5.  7.  18 

Quacksalber  138  ^^ 
Quellenkult  171.  175.  179 

Raben  139  «»*.  140  »•• 

Rabenherz  50 

Rahm  154 

Rätsel  60.  (71  HI  2).  (72 

m  4).  (79) 
Rauten  19 
rechte  Seite  134  ".  136  •♦. 

142 »" 
Rechtsaltertümer  (76) 
Regenwurm    47.    49.   (77 

XIV  16) 
Reime  (s.  a.  Heischelieder, 

Kinderiieder)   23  ff.  63. 

72  m  4).  (78).  (79).  149. 

161.  269  ff. 
Reinhard,  M.  131  ff. 
Reinisch,  L.  (309) 
Reliquien  181 
Remigius,  hl.  162 
Reuschel,  K.  (69) 
Rezepte  (s.  a.  Zaubermittel) 

46  ff 
Rheumatismus  138  e*-  «173 
Riehl,  W.  H.  (168).  (312) 
Ringholz,  0  (225) 
Ringschlagen  147 
Ritter,  E.  165 
Rosenkranzsonntag  211 
Rossat,  A.  81  ff.  241  ff. 
Rotlauf  138«'« 
rückwärts  137".  184 
Ruf  (79) 

Sage  63.  (72  IE  3.  4).  (78). 

170  ff.  272 
Salz  12,  S.  segnen  157 
Sakramentalien  158 
Samstag  24.  134  "   135*' 
Sarazenen   (71  HI  3).  186 
Sargnägel  49 
Sartori,  P.  (306) 
Saturnalien  129  ff.  187  ff. 
Schabziger  218  ff. 
Schaf:  Abergl.  134" 
Schaer,  A.   29  ff .  159  fg. 
Schatzgraben    1  ff.     170. 

176  fg. 
Scheere  132'* 
Scheit  132  »• 
Schellen  211 
SchieB»zauber  s.  Trefft. 
Schiff  (72) 
Schimmel  132 '.  133" 


Schlange  176 
Schlangenkopf  51.  52 
Schlangenzunge  51 
Schlittenruf  (79  XVlü  2) 
Bchlittlen  144 
Schlucksen  137'»" 
Scbmutzli  119 
Schnabelgeisa  119 
Schnaderhttpfel  (69) 
Schnecke  47.  (77  XIV  lfc=^ 

137" 
Schnitzelbank  292 
SchöpfuDgssage  273 
Schuh  142  >w 
Schuhband  135»^ 
Schutz  s.  Gewitter,  Oeg^-^ 

Zauber 
Schützenausreden  29  ff. 
Schützenwesen  (75).  1 

160 

Schwalbe  139*«» 
Schwalbennest  (77  XIV        TSGj 
Schwalbenzunge  51 
Schwank  47  A.  (72  III^  3). 

(79..  300  ff. 
Schweiss  139  «« 
Schweisstuch  140"* 
Schwelle  141  «« 
Seelen  (s.  a.  Gespen 

l42  >»«•  •" 
Segen  47.  48  (2  mal^  ^ 

52   (3  mal).    63.  {^ 

133  ".  137  «.  (307> 
Seitenstechen  137 '• 
Sennengedicht  42  ff. 
Sevibaum  158 
Siedlung  (72)  _ 

Silvester   (s.  a.  Ncuhlj  .«hr  • 

(75).  119  A.  136*^»-    148 
Singer,  S,  61 
Socin,  A.  (224) 
Sommersprossen  1^^^    •' 
Sonntag  24.  135  ".     :l^  -40  '•• 
Sonntagskind  13 
Sonnwend  102 
Speckjagen  119  A. 
Speichel   (s.  a.  8pix<?keti; 

13890.91 

Speisen  (s.a.  Nahnin^T/ ^^ 
Spiel  is.  a.  Kindersp-  >  ^75). 

146  fg. 
Spielmannschilde  1^^ 
Spielmeister  156 
Spinnerinnen  174 
Sport  (75) 
Sprache  (80) 
Sprecher,  F.  W.  imSm 
Sprlchwörter28(71UIÄ<; 

(79).  274 
Spritzenprobe  (76  XI  W'j 


Kegister. 


319 


Heischelieder, 
^en 

er  159 

r  70 

tiobener  22 

fg. 

L  310) 

a.  Tiersteine) 
(77).  143. 170. 
7  fg.  180.  187, 
te  184.  Steine 
'8 
162 

pen  133" 
13 


E.Ä.  162.304, 

311) 
(Maler)Nekrol. 

19 

Silvester 

uoae  8.  Mähler 

r 

09  A.  155. 156, 
190.  194.  195. 
>00,  Tänze  157 
n  272. 281. 282. 

.  Turteltaube) 

Paten,  Unge- 
\i^\  143  fg. 
!f. 

»»«••  180.  253 
Len  117 

48.  49.  62  ff. 

I.  134 

(scherzh.) 


ikter  s.  Mähler 
3rakel)  (77) 
101 140  to6. 144. 

idel  V.  Toten- 
Reliquien  von 
Schweisstuch 

165 

51.  137" 

,  Dissentis  (72 

reiburg  64  fg., 


Translationskostüme  304 
Tratten  218 
Traum  135«-'^» 
Treflfzauber  52 
Turteltauben  herz  51 

Übernamen  siehe  Orts- 
neckereien 

Umsingen  (s.  a.  Heische- 
lieder) 107 

Umzüge  im  Adv.  u.  d. 
Zwölften  103  ff.,  Neu- 
jahr 125 

„unberufen«*  ISd^ 

ungetaufte  Kinder  135  ^ 

Unglück  8.  Orakel 

Unschuld.  Kindlein  Tag 
120.  204  ff. 

Unservater  5 

unsichtbar  51 

Urgeschichte  (72) 

Ursicinus,  hl.  170.  182 

Tenediger  12 

Verena:  im  Segen  56 

Verfassung  (76) 

Verlorenes  133  « 

Vermummung  s.  Masken 

Viehwirtschaft  (74) 

Vogel:  Abergl.  134" 

Volkskundemuseen  313 

Volkskunst  (73) 

Volkslied  58.  66.  (67).  (69). 
(71  in  2).  (77).  81  ff. 
163.  164.  241  ff.  269  ff. 

Volksmedizin  (s.  a.  die 
einzelnen  Krankheiten, 
Orakel:  Krankheit)  46  ff. 
50  ff.  62  ff.  66.  (72  Ifl 
3).  136  ff.  173.  182 

Vorbedeutung  s.  Orakel 

Vorgeschichte  (72) 

Votivalien  (71  III  3).  (225) 

Wachs  12 
Wachsgeld  125  A. 
Wahlbräuche  (76  XUI  5). 

163  fg. 
Wahrsagen  196.  198 
Wallfahrt  171.  181.  (225) 

286 
Wangen  137« 
Warzen  137  ^»-et 
Wasser  (s.  a.  Queiienkult) 

137  ",   schmutziges  W. 

135*8,  w.  segnen  157 


Wasserschmecker  10 
Wassertaufe  175 
Weber,  Veit  159 
Weibermasken  118 
Weihnacht  (s.  a.  Neujahr) 

151,    Abergl.  141.  123, 

Baum   128,    Geschenke 

127 
weisse  Jungfrau  13.  176 
Wendelin,  hl.  (307) 
Werwolf  142  ««c 
Wetterläuten  159 
Wetterregel  (s.  a.  Orakel) 

(72  UI  4> 
Widehopf  50.  52 
Wimper  133" 
Wind  142  "«« 
Windnamen  (80) 
Wirtschaftskunde  (78) 
Wirs,  J.  305 
Witz  (79).  81  ff.  241  ff. 
Wochentage  24 
Wolf  142  "«b 
Wolfsaugen,  -Zähne  52 
Wünschelrute  s.  Zauberr. 
Wurm  s.  liegen  wurm 
Wurätbetteln  104  ff. 
Würste  120 
Wurstmahl  v75) 


Zahlen:  S 138 »♦.  139 •«•  »• 
140«»«,  7  137".  188" 
8   133*«,    77  107,   99 
132».  287,  100  133" 
Zähne  135  ♦».  137"-" 
Zahnfisteln  138 »» 
Zahnschmerzen  137^*-" 
Zauber  (77).  140 »" 
Zauberbücher  12. 16.  17— 

19.  21 
Zauberkreis  9.  12.  19 
Zaubermittel  (s.  a.  Rezepte) 

öOff 
Zauberrute  7.  8.  11.  21 
Zauberspruch  s.  Segen 
Ziegenffalle   (77  XIV  16) 
Zigerfabrikation  218  ff. 
Zltwerwein  124 
Zunftbräuche  122  ff. 
Zürcher,  J.  B.  (307) 
Züricher,  G.  53  ff.  62.  (70). 

131  ff. 
Zweige  (s.  Grünes) :  Aber- 
glaube 135" 


320 


Verzeichnis  der  Mitarbeiter.  —  Liste  des  Coilaborateurt.' 


J.  L.  Arnold  Dairmeraellen 

H.  Balmer  Bem^ 

J.  BoLTB  Berlin 

A.  BoN?rARD  Lausanne 

E.  BovsT  Zärlch 

H.  BncrPACUER  Zollikon 

G.  BüNDi  Bern 

A.  BcROKHARDT  Fi:<«8LKa  Basel 

Auff.  BuRCKHARDT  Basel 

J.  BüRU  Zell  (Luzern) 

L.  C.  BütuüoxR  Kreuien 

E.  Büds  Glarus 
H.  Cavibel  Ühur 

F.  Chablos  SU  Aobln-le-Lac 
O.  Chambax  8erlx 

U.  CoRREYo:!  Genf 
L.  CoüRTUioN  Genf 
A.  Daitoürt  (alias  D^Aucoirt) 

[Midcourt 
K.  DvRRiR  Stans 
A.  Farker  Htamnihelm 
6.  Font  Chur 
K.  Fischer  Arosa 
U.  Fleisch  Char 
A.  Flubi  Muri  (Bern) 
.1.  Fooke  Bremen 
J.  Führer  Silcnen 
P.  FcKRER  Ilospontul 
O.  Oächter  8t.  Gallen 
P.  Ganz  Basel 
H.  GrELLER  Egfif  (Bern) 

A.  GoDLT  Neuenbürg 

J.  U1behun-8chaltcooer 

[Zürich 

E.  IlArFTER  Bern 

B.  Haller  Bern 

F.  IIeinemann  Luzern 
J.  Hess  £nf?elberg 
P.  UiRZEL  Zürich 


Die   H  e  r  r  e  D : 

M.  HOFLBR  Bad  Tölz 

K.  HonrMAKN-KRATBR  Basel 

R.  lioppSLSR  Zürich 

J.  HimsiKBR  Aaran 

.7.  Jeanjaqcet  Basel 

J.  Jboerlehner  Bern 

G.  Jenny  8t.  Gallen 

D.  Imesch  Brlg^ 
M.  KAlln  Schwyz 
H.  Kasser  Born 
G.  Kbüsler  Wil 

F.  Kbstxnhols  Binnlngen 

F.  Kluoe  Freiburgr  l.  B. 

A.  RUculer  Reros 

A.  Fjandad  Wien 

Th.  y.  LiEBENAO  Lozem 

R.  Martin  Zürich 

J.  Meier  Basel 

8.  Meiek  Jonen 

8.  MEI88BR  Chur 

A.  MiLLiocn  I^AOsanno 
R.  Morax  Morges 

J.  C.  MuoTii  Chur 

E.  MrRET  (ienf 

V.  PEU.ANDINI  Taverne 
E.  Peschier  Constanz 
Pfister  Zürich 

B.  RcBER  Genf 

R.  V.  REDiMO-BxBEREaa  8chwyz 
K.  E.  Reinle  Basel 
E.  RiBEAiTD  Luzern 
O.  RiNOuoLS  Klnsiedeln 
Ris  Thnn 
E.  RrrTBK  (^enf 
W.  Robert  Jongny 
A.  RosHAT  Basel 
J.  E.  RoTHENBACu  Küsnaoht 
(Zürich) 

E.  ROTHRNIliUBLER   BaSCl 


A.  ▼.  Ri'TTE  Bern 

Ph.  A.  RL'iTiMANN  Vali 

G.  Rthiner  Basel 

A.  ScHAER  Strsssbarg 

O.  SouuLTHESs  Zürich 

H.  SoHOPPu  Moskaa 

A.  SsiLBB  Basel 

8.  SiNOBR  Bern 

H.  8piLLBa  EIgg 

F.  W.  Speechbr  Kriegstetton 

A.  SPBENOEa  Grub 

F.  O.  8TBBLU  Zürich 
K.  V.  8TBIOEK  Bern 

H.  SncKXLBEBOKR  Burgdorf 
O.  Stoll  Zürich 

E.  A.  8TÜCULBIRO  Basel 
O.  STüCKBaT  Basel 

G.  SüTTBRLCf  Arl«aheUn 
A.  TATsaNBT  Lanaanne 
N.  W.  Thomas  London 
A.  ToBLER  Wolfhalden 
G.  ToBLiB  Bern 

J.  Ulrich  Zürich 

F.  Urech  Tübingen 
Th.  Vetter  Zürich 
A.  Vital  Chur 

J.  VoLMAR  E^stayayer 

K.  Waldis  Schw>'s 

O.  Wasbb  Zürich 

R.  Wbgbli  Zttrieh 

J.  WaairsR  Lenabnrg 

J.  Wbricu  Lanfenharg 

K,  Wibland  Basel 

J.  WimcLBR  Aarau 

J.  WiBs  Benken 

E.  WriiAMa  Zürich 

A.  Zinobl-Kbbssio  Schalt- 

[haiiien 


1)  i  e    Du  in  e  i) : 


Mm«  C£:R£tiOL£-Di:-Lo£ä  I  Frl.  M.  K.  Makkiaoe  lleidel- 

[Lausanuo  '  [berg 

Krau  E. Frick CR  Raden  (A.'ir^.)  i  Fruu  M.  Poxiltta  Locarnu 
Frl.  A.  Ituen  Oberägeri  ■  Frl.  M.  Rki.miakd  Bern 


Frau  A.  RimasHArs  Zürich  • 
Frl.  G.  Zl^CHKB  Bern 


Band  VII  lieft  4,   aus^-efcobt^n  28.  Dezember  1903. 


ä 


Soh'weizerische  Gesellschaft   fUr  Volkskunde. 
Soci^f^  Suisse  des  Traditions  Populaires. 


Sehweizerisehes 

Archiv  f tir  Volkskun  de. 


Viertelj  ahrsschrift 

UDter   Mitwirkung:    des   Vorstandes    herausgregreben 

von 

Ed.  Hoffmann-Krayer^  Jules  Jeanjaquef^ 

Redaktor  für  den  deutscheD  Teil.  Redaktor  Air  den  romanischen  Teil. 

r  tl,  B«mL  MlttelttrMt«  f,  B«ra. 


Aehter  Jahrgang. 

Mit  15  niuBtrationeo  im  Text  und  einer  Tafel. 


:i    I    :- 


ZÜRICH 
Druck  von  Juchli  &  Beck 

«onn.  Rmfl  CoCti 

idoSL 


INHALT. 


Seite 

Alfred  Tobler,  Der  Yolkstanz  im  Appenzellerlande  1.  100.  178 
Renward   Brandstetter,    Die    altschweizerische    Dramatik 

als  Quelle  für  yolkskundliche  Forschungen  .  24 
Onstay  Tobler,    Gedichte   aus  der  Zeit  des   Bemer  Ober- 
länder-Aufstandes  des  Jahres  1814  87 
S.  Meier,  Wettersegen          .......  47 

£.  Hoffmann-Krayer,   Enabeoschaften   und  Volksjustiz  in 

der  Schweiz                                                      .     81.  161 

Arthur  Rossat,  Les  Paniers                                  .116.  196.  282 

£•  Hoffmann-Erayer,  Yolksmedizinisches  141 

E.  A.  Stückelberg,  Die  Verehrung  des  h.  Morand  Mon.    .  220 

Vittore  Pellandini,  Usi  e  costumi  di  Bedano    .  241 
G.  Züricher  und  M.   Reinhard,    Allerhand  Aberglauben 

aus  dem  Kanton  Bern  .267 

J«  Ochsner,  Yolkstümliches   aus  Einsiedeln   und  Umgebung  296 

Miszellen. 

A.  Dauoourt,  Les  sobriquets  des  yilles  et  villages  du  Jura 

bemois 49 

£•  A.  Stück elb er g,  Notizen  aus  dem  Urserenthal  II  53 

A.  Zindel-Kressig,  Reime  und  Redensarten  aus  Sargans  57 
^*  A.  Stückelberg,  Schweizerische  Santiagopilger  61 

B.  Wymann,  Würgen  und  Würgeten  am  Namenstag  .  63 
E.  Wymann,  Feuerbüchsen  und  Pluderhosen  im  Tessin  1564  63 

A.  Eüchler,  Mitnehmen  junger  Leute  beim  ^Marchen^  64 
£•  Hoffmann -Kray  er.     Zum    Eingang     des    Weingartner 

Reisesegens 65 

B.  Hoffmann-Krayer,    Der   Kuhreihen    der  Schweizer   in 

preiXisisohen  Diensten  1756           ....  65 

B.  Haffter,  Nachträge 66 

8.  Gfeller,  Der  Schulgang  vnseres  Herren  vnd  Heylandes 

Jesu  Christi 154 

£.  Haffter,  Alte  Qalgen  in  der  Schweiz  .157 


IV 


Inhalt. 


Seite 

W.  Keller,  Yariante  zum  „Maartwybli**  ....  158 
A.    Augastin    und    A.    F  a  r  n  e  r ,     Zum    Kapitel    des 

Kettenbeissens 223 

J.  Jeanjaqnet,    Formules  traditionnelles  sut  la   oouTerture 

des  liyres 224 

J.  Jeanjaquet,  Mandement  neuchätelois  de  1596  interdisant 

de  ^barrer*'  les  äpouses 225 

G.  Kessler,  Schweizerische  Santiagopilger  ....  226 
A.  Daucourt,   L6gende   populaire   sur    les    armoiries   de 

Laufen,  Del6mont  et  Porrentruy  .  .315 

A.  Dauoourt,  Autre  legende  populaire  sur  Laufen  .316 

8.  Meier,  Ein  Freitagsgebet  aus  Jonen  .316 


BOcheranzeigen. 

(Wo  Dichta  BesoDderes  bemerkt  ist,  sind  die  Aozeigen  von  E.  Hoffmann-Krayer») 


Ettnger,  Schweizermärchen 

Meiche,  Sagenbuch  des  Königreichs  Sachsen 

Banmberger,    „  Juhu-Juuhu".    —    Baumberger,     St.    Galler 

Land  —  St.  Qaller  Volk     . 
Das  Bauernhaus  im  Deutschen  Reiche  . 
de  Cook  en  Tierlinck,  Kinderspel  en  Kinderlust  in 
de  Montenach,  L'Art  et  le  Peuple 
Ein  Trachtenbild  als  Zimmerschmuck 
Stephani,  Der  älteste  deutsche  Wohnbau.     (E.  A.  St.) 
Byffel,  Die  schweizerischen  Landsgemeinden 

Bundi,  Engadiner  Märchen 

Meier,  Kulturhistorisches  aus  dem  Kelleramt 

Zahler,  Ferien 

von  Greyerz,  Kleines  deutsches  Wörterbuch    . 
Kubier,  Aus  Berg  und  Tal     ..... 
Courthion,  Le  Peuple  du  Valais  (J.  Jeanjaquet)     . 
Das  Bauernhaus  in  der  Schweiz,  mit  Text  von  Probst 
Bibliotheca  Magica  et  Pneumatica 
Jegerlehner,  Das  Val  d'Anniviers  .... 
S4billot,  Le  Folk-Lore  de  France  .... 
Schwindrazheim,  Deutsche  Bauernkunst 
Brandstetter,  Der  Genitiv  der  Lazerner  Mundart  . 
Odermatt,  Die  Deminntion  in  der  Nidwaldner  Mundart 
Doncienx,  Le  Romancero  populaire  de  la  France  (A.  B.) 


67 

67 

68 

69 

69 

69 

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159— 
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Inhalt 

V 

Kleine  Chronik. 

Seite 

chliche  Volkskunde- 

70 

eindechroniken  im  Kanton  Baselland 

70     323 

nische  und  westfälische  Volkskunde 

.     160 

3tö  des  Traditions  valaisannes 

.     323 

iskunde  im  Kgr.  Württemberg 

.     323 

iographie  für  1903  (E.  Hoffmann-Krayer)    . 

71 

esbericht  1903 

.     227 

esrechnung  1903      

.     228 

cht  über  die  neunte  Generalversammlung 

.     229 

;liederverzeichnis 

.     230 

ister          ...... 

.     324 

besserungen 

329 

Der  Volkstanz  im  Appenzellerlande. 

Von  Alfred  Tobler  in  Wolfhalden. 

Der  Appenzeller  ist  ein  leidenschaftlicher  Tänzer  ').  Die 
azlust  war  in  unserem  Ländchen  schon  seit  Jahrhunderten  ein 
ikapfel  zwischen  Volk  und  Regierung.  Einschränkungen^ 
izliche  Verbote,  und  vom  Volke  jeweilen  wieder  erzwungene 
stattung  des  Tanzes  wechselten    fortwährend  miteinander  ab. 

Im  15.  Jahrhundert  wurde  bei  der  Linde  in  Appenzell  zu 
»mmeln  und  Pfeiffen  alle  Sonntage  getanzt.  Der  Tanz  war 
Qals  in  Innerrhoden  weit  weniger  verboten  als  in  Ausser- 
den, jedoch  bald  und  überall  an  Sonn-  und  Festtagen  unter- 
t,  ausser  an  den  Alpstuberten  ^). 

An  den  Alp-  oder  Wääd-  oder  Allmenweg-Stuberten^) 
rde  im  Freien  getanzt,  an  den  gewöhnlichen  Stöberten  oder 
berten  *)  in  Wirtschaften,  noch  mehr  aber  in  Privathäusern, 
jondere  Tanzanlässe  waren  der  Jahrmarkt,  „d'Rilbi'^,  die  Mu- 
rung,  das  Blockfest  und  der  Elösler  (St.  Nikolausfest)  ^). 

Nach  den  Mandatenbüchern  ii9  Landesarchiv  zu  Appenzell  *) 
rde  schon  im  Jahre  1570  verboten,  bei  Trommeln,  Pfeiffen 
1  Saitenspiel  zu  tanzen ;  die  Busse  wurde  auf  zwei  Pfund  fünf 
lilling  festgesetzt  für  den,  der  auf  seinem  Eigentum  spielen 
18  und  ein  Pfund  fünf  Schilling  für  den  Tänzer. 


»)  G.  Waijjek,  Neue  Appenzeller- Clironik.  St.  Gallen  1740.  S.  667; 
i.  Ebel,  Schildening  der  Gebirgsvölker  der  Schweiz.     1  (1798),    S.  169; 

NEUESTEN  Briefe  AUS  DEK  ScHWEiz,  iii8  väteHiche  Haus  nach  Ludwigsburg 
Zeller)  1807,  S.  373  flf. ;  J.  C.  Schäker,  Materialien  zu  einer  vaterländi- 
*n  Chronik  des  Kantons  Appenzell  A.-R.  (Herisau)  1811,  S.  56;  .1.  (\ 
-^wiER,    Geschichte    des    appenzellischen    Volkes.  Bd.  I  (1830),  S.  549; 

III  (1840),  S.  358;  G.  Ur^cH,  Der  Kanton  Appenzell.  1835,  S.  109.  110. 
;  T.  ToBLER,  Appenzell ischer  Sprachschatz.  1837,  S.  409;  Jon.  Koxu. 
-^WEOER,  Der  Kanton  Appenzell.  1867,  S.  88  ff.  —  *)  J.  R.  Steismiller, 
chreibung  der  schweizerischen  Alpen-  und  Landwirtschaft  u.  s.  w.  2.  Band- 
Ä  1804,  S.  192;  T.  Torleh,  a.  a.  0.  S.  409;  G.  RCsch,  a.  a.  0.  S.  109; 
'-  Zellweoer,  a.  a.  0.  Bd.  III,  2,  S.  365;  Ebel,  a.  a.  0.  I,  169.  —  »)  G. 
CH,  a.  a.  0.  S.  109.  —  *;  T.  Tobler,  a.  a.  0.  S.  409.  —  ^)  Alfr.  Tobler 
Appenzellißche  Jahrbücher  1897  S.  1  ff. ;  Alfr.  Tobler,  Das  Volkslied  im 
^enzellerlande  1903,  S.  106  ff.  —  ß)  .1.  C.  Zellweoer,  a.  a.  0.  Bd.  III,  2,  S.  358. 


2  Der  Volkstanz  im  Appenzellerlande. 

Im  Jahre  1574  wurde  erlaubt,  in  Wirtshäusern,  bei  den 
Kirchen,  an  Kirchweihen,  Jahrmärkten  und  Hochzeiten  zu  tanzen, 
jedoch  nur  nachmittags  und  bloes  drei  Tänze;  um  Yesporzeit 
aber,  und  wenn  es  zum  Gebete  oder  bei  Ungewittern  läutete, 
sollte  man  aufhören  zu  tanzen.  Im  Herbstmonate  des  nämlichen 
Jahres  wurde  der  Tanz  wegen  der  herrschenden  Pest  gänzlich 
untersagt,  im  folgenden  Frühjahre  aber  unter  den  erwähnten 
Einschränkungen  wieder  erlaubt.  Schon  im  darauffolgenden  Wein- 
monate erschien  abermals  ein  Tanz-Verbot,  das  jedoch  im  Früh- 
jahre 1576  auch  wieder  aufgehoben  werden  musste.  Im  Herbste 
bestimmten  erneuerte  Einschränkungen,  dass  am  Sonntag  Nach- 
mittag nur  bis  zur  Yesperzeit,  an  den  Werktagen  nur  bis  zum 
Ave  Maria  ^,  („Hofemaje")  getanzt  werden  dürfe. 

Im  Jahre  1577  wurde  das  Tanzen  abermals  gänzlich  ver- 
boten, aber  kurze  Zeit  daraufhin  auch  wieder  erlaubt^).  Die 
Alp-  oder  Weidstuberte  ^),  an  denen  nebst  dem  Tanz  namentlich 
auch  kraftstählende  Spiele  zur  Aufführung  kamen,  wurden  des- 
halb von  der  Obrigkeit  empfohlen.  Sie  sollen  dem  jungen  Yolke 
nach  der  Mittagspredigt  erlaubt  sein,  damit  sie  ihren  Mut  in 
Zucht  und  Ehrbarkeit  zeigen  könne  und  es  soll  desshalb  jeder 
Messmer  eine  Stunde  früher  einläuten,  damit  man  an  dieselbe 
gehen  könne  *®). 

Im    Jahre    1582    wurden    aber    nach    den    Berichten    der 
Mandaten-,   Rats-  und  Urphede  -  Bücher  in  Appenzell  diese  Stu-    - 
berten  schon  wieder  verboten,  weil  es  den  Leuten  wohl  im  Ge — 
dächtnisse  sei,  dass  Gott  der  Allmächtige  sie  zu  den  Zeiten  dieser*^ 

„Stubeten**  mit  Hagel  und  grossen  Wassergüssen  gestraft  habe  ") 

Ein  obrigkeitliches  Edikt  vom  Jahre  1590  lautet:  „Es  ist  auch^ 
menklichen  noch  unvergessen,  wie  uns  der  allmächtige  Gott^  ^ 
wenn  die  Stubeten  in  Alpen  und  Wähden  [Weiden]  sind  gsyn  ^ 
uns  wieder  mit  Hagel  und  Ungewitter  und  grossem  Wasser  har^ 
gestraft,  von  wegen  unserm  sündigen,  boshaften,  ruchen  Lebens 
desswegen  haben  wir  einhellig  uf  und  angenommen  und  verbotene 
dass  fürnhin  am  Sonntag  und  au  denen  Fyrtägen  in  Alpen  nnm^  - 
Wähden    die  gemeinen    grossen    Stubeten  verboten    sein    solleoB=i 


^)  Av(?-Maria-,  Feiorabend-,  ,,Hofemaje"-Läuteii :  morgens  bei  Tage^s^ 
anbnicb  und  ubendr*  bei  Einbrucb  der  Nacht  läuten;  s.  T.  ToBLt^jt,  a.  a.  C^ 
S.  271.  —  ^)  J.  r.  Zkllwkokh,  a.  a.  0.  Bd.  lll,  2,  S.  358.  —  9)  G.  Ko* 
a.  a.  0.  S.  109;  T,  Todlkk,  a.  a.  0.  S.  409.  —  »»)  J.  Konk.  Zkllwbgkr, 
Kt.  Appenzell.  S.  89.  —  ««)  J.  ('.  Zellwk<;ku,  a.  a.  0.  Bd.  III,  2,  S.  365. 


Der  Volkstanz  iiii  Appenzellerlande.  3 

hey    der  Baas,    der  etwa   würde  haben    10    Schilling   und    dem 
Setr     gieng  3  Schilling,  so  oft  es  beschicht^*)." 

Wegen  der  Tenrung    des    Heues    wurde    im    Jahre    1594 
noc^  Simals  ein  Tanzverbot  erlassen  ^%  worauf  aber  schon  im  Früh- 
jalm^K-  1597  den  jungen  Leuten  versprochen  wurde,  wenn  sie  sich 
zü^slitig  hielten,  würde  ihnen  das  Tanzen  wieder  gestattet  werden^^). 
581. csh  Gabriel  Walser  wurde  anno  1686  das  „Tantzen  und  aller- 
lejr     Spiel-Leute  verbotten**  ^^),  und  vom  Jahre  1726  bemerkt  er, 
da.^s  ^die  aus  dem   Heydenthum    herstammende ,    so    genannte 
W^^yd-  und  Alp-Stoberten,  da  sich  das  junge  Volk  gleichwie  in 
alt;^o  olympischen  Spielen  im  Lauffen  und  Ringen  uebte,    abge- 
stellt und  verbotten  worden"  *^).     So  ging  es  weiter    bis  in  die 
neiaeBten  Zeiten  ^^. 

Nach  Steinmüllers  Berichte  vom  Jahre  1804  '^)   waren  die 

Alpstubeten,  als  eigentliche  Alpenfeste,  nur  noch  in  Innerrhoden 

üblich  und  sie  wurden  folgenderweise  ausgeführt:     „Zu    Anfang 

^^8    Sommers,    bald    nachdem    die    Sennen    die  Alpeu    bezogen 

i^aben,  gehen  die  erwachsenen  jungen  Leute  paarweise  in  einige 

•^Jpen,  in  denen  eine  Alpstubeten  gehalten  wird  (denn   nicht  in 

*llen  Alpen    ist  das  der  Fall),  z.  B.  in    die  Botersalp,  Ebenalp, 

Sentis-  oder  Meglisalp,  in  Seil  und  Säntis.  —  Am  Schutzengels- 

föBt     hören    sie    zuerst    eine    Predigt    und    eine  Mess    im  Wild- 

'^ifchli,   und   erst   dann   eilt   man  völlig  nach  Ebenalp,  und  am 

^'^kobstag    geschieht   das    nämliche    zuerst    im    Cronbergskirchli 

^^im  Jakobsbrunnen,  worauf  man  erst  in  die  Botersalp  hiuunter- 

Btei^^   und    Hand    in    Hand,   unter    lautem    Jubelgeschrei    und 

öxit^j-    Johlen,    Zauren     und    Löcklen  *^)     den    Sennhütten    zu- 

^auft;.     Hier  bedient  jeder  Liebhaber   seine  Geliebte   mit  Alpen- 

^pBi^en  aiiej.  ^^t,  die  in  dieser  Gegend,   unter   frohen  Scherzen 

PX>elt    gut  schmecken.    Nach    diesem    wird    auf   dem    offenen 

®l^e,   teils  nach  der  Geige    und    dem  Hackbrett  getanzt,    teils 

®^^lit  man  sich  mit  Ringen,  Laufen  und  anderen  Spielen  zu  be- 

^^ttgen.    Des  Abends  spät    hüpft   jeder  Junggesell    mit    seinem 

^^cichen  über  Stock    und  Stein    ins  Tal    hinunter,    wo  er  denn 

*')  T.    ToBLER,    a.    a.   0.    S.  409.    Annierkunj?  ;    StkinmC i.lk«,    a.  a.  0. 

^-  ^33 ff.  —  «)  J.  C.  Zkllwfxjer,  a.  a.  0.  Bd.  111,  2,  S.  358.  —  »*)  Mandaten- 

^^^«r  im  Landesarchiv  zu  Appenzell;  s.  Zkllwk(;kr  a.  a.  O.  Bd.  III,  2,  An- 

^«^kg.  383.  —  »)  a.  a.  0.  S.  667.  -  »«)  a.  a.  0.  S.  740;  Ebel,  I,  174.  — 

^^  <^.RC8CH,  a.  a.  0.  S.  109.  —  «)  a.  a.  0.  S.  192  ff. ;  Khel,  a.  a.  0.  I,  172. 

^  ^•)  Alfr.  ToBLKR,  Kühreihen,  .Todel  und  Jodellied  in  Appenzell.  1890,  S.  19  ff. 


4  Der  Volkstanz  im  Appenzellerlande. 

gewöhnlich  die  Erlaubnis  erhält,    dasselbe  bis  in  ihr  väterliches 
Haus  begleiten  zu  dürfen/ 

Nach  dem  „Entwurf  zu  einem  Land -Mandat  für  den 
Kanton  Appenzell  der  äussern  Rhoden'^  vom  Jahre  1822  '^)  soll 
das  Tanzen  an  den  Musterungen  und  Nachtagen  derselben  und 
an  den  zwei  letzten  Tagen  in  der  Fastnachtzeit  erlaubt  sein,, 
jedoch  nicht  ohne  Yorwissen  der  Vorgesetzten  und  nicht  länger 
als  bis  10  Uhr  abends,  bei  der  Busse  von  zwei  Gulden  dem. 
Tänzer  und  vier  Gulden  für  den  Wirt.  Wer  ausser  diesen  er- 
laubten Tagen  tanzen  lässt,  soll  ebenfalls  der  erstere  um  zwei 
Gulden  und  der  letztere  um  vier  Gulden  in  den  Landseckel  ge- 
straft werden.  Auch  die  sogenannten  „Lichtspinnen^^*),  wo  junge 
Leute  beiderlei  Geschlechts  zusammenkommen,  sollen  bei  der 
Busse  von  zwei  Gulden  und  nach  Beschaffenheit  der  dabei  yor- 
kommenden  Umstände  höher  bestraft,  auch  von  Jedermann  ange- 
zeigt werden. 

Der  Landsgemeinde  vom  24.  April  1836  in  Trogen  wurden 
die  „Sitten-  und  Polizeigesetze''   zur  Annahme  empfohlen.    Der 
Tanz-Artikel  ^^)  wurde  als  allzu  beschränkend  vom  Volke  bei  der 
Abstimmung  verworfen,  aber  an   der   ausserordentlichen  Lands- 
gemeinde vom   25.  Herbstmonat  desselben  Jahres  in  Trogen  in 
bedeutend    erweiterter  Fassung    angenommen.    Die    sogenannter 
Tanz-  oder  Lichtspinnen  (Nacht-Stuberten)  und  Winkelstubertei 
sollen  gänzlich  untersagt  sein  (Art.  40).    Wer  dieselben  dulde 
soll  um  zehn  Gulden,    und    wer   an   denselben  Teil  nimmt,    u 
zwei  Gulden  in  den  Landseckel  gebüsst  werden.    Aehnliche  Z 
sammenkünfte  wurden  auch  im  Freien  bei  Busse  verboten. 

Im    Jahre    1894   endlich    wurde    vom   Regierungsrate    ( 
Regulativ  zu  den  §§  153  und  156    des  Strafgesetzes  betreffr 
Tanz-  und  Polizeistunde  erlassen,  welches  das  Tanzen  an  So 
und  kirchlichen  Festtagen,   sowie   an  deren  Vorabenden    in 
Regel  bei  einer  Busse  von  5  Franken   für   den  Tanzenden 
30 — 60  Franken    für  denjenigen,    welcher    in    seinen  Raum 
keiten   tanzen    lässt,    untersagt.    Ausnahmen    sind    gestattet 
Neujahrstag,  Fastnacht-Sonntag,  Ostermontag,  Pfingstmonta/ 
in  jeder  Gemeinde  an  einem  von  dem  betreffenden  Gemeii 
zu  bestimmenden  Oktobertag,  je  von  Mittag  an.    Personen 

*")  „Der  Neu-  und  Alt-Riithen-Vorsaramlung  vorzulegen"  §  38  } 
")  T.  ToBLKR,  a.  a.  0.  S.  299;  Alfk.  Toblkr,  in:  Appenzellische  Jal 
1896,  S,  6.   —   "I  Art.  21.  Aitknzellische«  Monatsülatt  1836.  S.  ö( 


Der  Volkstanz  im  Appenzellerlando.  5 

16  Jahren  dürfen  nicht  tanzen.  Wirte,  die  tanzen  lassen  wollen, 
«ind  bei  einer  Busse  von  10  Franken  verpflichtet,  dem  Polizeir 
•amte  hievon  Anzeige  za  machen. 

Heutzutage  werden  nur  noch  an  Werktagen  Alpstuberten 
auf  der  Ebenalp,  Meglisalp,  auf  dem  hohen  Kasten  und  auf  dem 
sogenannten  Soll  beim  hohen  Kasten  gefeiert.  An  den  Sennen- 
'Und  Schöttlerbällen  **)  in  und  ausserhalb  Innerrhodens  bereiten 
die  Alpstuberten-Auffuhrungen  immer  noch  den  Ausübenden  und 
Jftitwirkenden  Freude.  Im  Weissbad  geben  di^  Innerrhoder  den 
Kurgästen  alljährlich  die  Meglisalper  -  Stuberte  zum  Besten.^^) 
Die  Darstellung  der  Alpstuberte  wirkt  ergötzlich  und  zugleich 
l^el ehrend^  da  in  ihr  ein  gutes  altes  Stück  originellen  appen- 
2  ellischen  Yolkslebens  in  Tanz,  Spiel,  Musik,  Gesang,  Jodel, 
"Witz  und  bunter  Volkstracht  zu  mannigfaltiger  und  farbenreicher 
Erscheinung  kommt.  Sie  macht  auch  Arnold  Halders  „Säntis- 
^eise**  zu  einem  beliebten  Zugstücke  ^^). 

Rittmeier  hat  uns  in  seiner  prächtigen   ^  Alpstuberte  **    ein 
lebensvolles  und  wahres  Bild  dieses  Alpfestes  gemalt  ^^). 

Die  Innerrhoder  unterscheiden  bei  Hochzeiten  ein  soge- 
nanntes ^sitzigs^  und  ein  „tanzigs  Mohl"  *').  Dem  „sitzige  MohP 
sprechen  namentlich  die  Vermöglicheren  und  Reichen  zu.  Essen, 
Trinken,  Plaudern  und  Singen  sind  dann  Hauptsache  und  nur 
am  Schlüsse  des  Hochzeitschmauses  „weerid  no  wädli  e  paar 
Buuchryberli  gnoh".  Beim  „tanzige  Mohl"  aber  ist  der  Tanz  von 
Anfang  an  Trumpf  und  erst  gegen  den  Schluss  der  Feier  hin 
-<,weerd  no  näbes  off  d'Gable  gooh  ond  trunke^^ 

Von  den  im  Tanz  verböte  vom  Jahre  1570  erwähnten  Saiten- 
instrumenten bemerkt  Joh.  Caspar  Zellweger  ^^),  dass  dabei  wahr- 
scheinlich an  unser  jetzt  noch  gebrauchtes  „Hackbrett^  zu  denken 
sei.  —  Es  dürfte  jedoch  wohl  auch  an  die  Geige  oder  an  Geige 
^nd  Hackbrett  zugleich  gedacht  werden  ^^).  Heutzutage  besteht 
unsere  Tanzmusik,  wenn  anders  sie  origiaell  appenzellisch  sein 
.,ODd  au  näbes  glych  seche  soll""  aus  erster  und   zweiter  Geige, 


»)  T.  ToBLER,  a.  a.  0.  S.  398.  (SchöiÜer,  Molkonverkiiufer).  —  24)  Pro- 
framm  vom  28.  August  1898.  —  ")  Alfr.  Bkkthchen,  Ein  Nationalschauapiel 
^"8  Appenzell -Innerrhoden,  in:  Sönntagsblatt  des  „Bund*  1892,  No.  19; 
Alfr.  Toblbk,  Das  Volkslied  im  Appenzellerlande.  S.  26  flf.  —  ^ß)  Im  Museum 
'  '•  Gallen.  —  '')  Th.  Grünewald  u.  .T.  Nkff,  in  die  Berge  des  Appenzeller- 
^•iw^lchens  1881.  S.  70.  —  ")  Bd.  III,  2,  S.  358,  Anmerkg.  382.  -  ")  K.  Nkf, 
•f'^-rainand  Fürchtegott  Huber.    Kin  Lebensbild.    St.  Gallen  1898.  S.  9. 


G  Der  Volkstanz  im  Appenzellerlande. 

also  „088  zwoo  Chly-Gyge",  Hackbrett  ^^),  kurzweg  „'s  Brett"^ 
Cello,  „Zello*^  oder  „Chorz-Gyge*^  genannt  und  Bassgeige  „Pass'*. 
Die  Musikanten  beissen  „d'Spillüüt^,  „d'Spillmanne**,  ^d'Uf- 
macber*,  ^dTanzbodegyger**,  der  Hackbrett-Spieler  wird  aucb 
kurzweg  „Brettler^  genannt  und  dann  beisst  es  etwa  bei  Pia- 
zierung  der  Musikanten :  „Sälewie,  Brettler,  cbomm  gad  do  here 
mit  dimm  Brett,  tuescbt  e-n-Uustock  ringer  do,  's  gueng-dV 
ebe  ringer,  wenn-t'  gad  cbönntiscbt  ofF-ere  Tummibääre  **)  brettle,. 
statt  oiF-eme  so  e-n-ooringe  Tiscbli^. 

Szadrowsky   spricbt   in    seiner    Abbandlung  ^^)    namentlich 
aucb  von  der  appenzelliscben  Alpenmußik  und  gibt  uns  damit 
eine  interessante  und  wertvolle  Beschreibung  und  Gescbicbte  des 
Hackbrettes.    Darnach  ist  das  Hackbrett,  andernorts  auch  Cym- 
bal  genannt,    ausser   im  Appenzellerlande   noch    im  Wallis    und 
auf   den    südlichen  Abdachungen    der  Alpen  zu   Hause.    In  der 
Urschweiz  soll  es    bis   zum  Anfang    des    19.  Jahrhunderts    sehr 
verbreitet  gewesen  sein.    Ferdinand  Huber  fand  in  den  zwanziger 
Jahren  in  mehreren  Tälern    der  Urschweiz   noch   mehr  Cymbal- 
spieler,  als  selbst  im  Appenzellerlande.    Wenn  aber  Szadrowsky 
dazu  bemerkt,  dass  das  Hackbrett  früher   mehr   gepflegt  wurde, 
als  zu  seiner  Zeit,   weil  die  jüngeren  Leute    das  mühevolle  Er- 
lernen des  etwas  schwierig  zu  behandelnden  Instrumentes  scheuen, 
so  ist    zu    erwidern,     dass    diese    Befürchtung    glücklicherweise         ^ 
heutzutage  im  Appenzellerlande  nicht  mehr  ausgesprochen  werden       ^ 
muss.    Trachten,    Jodel,    Appenzellerlieder,   Appenzeller  Streich-       — 
musik  und  namentlich  auch  unser  Hackbrett  werden   neuerdings        ^ 
wieder  iu  Ehren  gehalten  und  sorgfaltig  und  eifrig  gepflegt.  Das   ^^ 
Hackbrett    ist  verschieden    beurteilt    worden.     Ein  Schriftsteller— ^ä' 
des  Jahres  1539^^)  empfand  ^den  ungeheuren  Lärm   der  Töne**  ^  "" 

sehr  unangenehm,  einem  andern  misfallt  der  helle,  spitzige,  durch -ä 

dringende  Metallton.     Das  Volk  aber  liebt    sein    „instrnmentun 
ignobile^,  und  ich  persönlich  habe,  so  oft  ich  es,  namentlich  als 
Solo-Instrument,  höre,  immer  eine  angenehme  Empfindung.  '*)  Ic 
der  Regel  ist  das  Hackbrett  ein  die  Violinen  begleitendes  Tanz. 


^®)   SzADRowHKY,   Die   Muslk   uiul   die   toiierzeugenden  Instrumente  de— ^— ^ 
Alpenbewobner,  in:   .Jahrb.  des  Schweiz.  Alpenklubs  IV  (1868)  S.  322. 
*')   An  den  Alpstubeten    spielt   der  Hackbrettler  statt  auf  einem  Tischche 
stets  auf  einer  umgekehrten  „Tummibääre*',  d.  h.  einem  einrädrigen  Dttngei 
Karren.   —    ^'')  S.  317  ft".  —  ^sj  S/.ai>rowskv,  a.  a.  0.  S.  319.   —   *♦)  Alfbc==^  ^*^ 
Bkktschkn,  a.  a.  ().  S.  149. 


Der  Volkstanz  im  Appenzcllerlande. 


Instrument.  Aber  es  ist  auch,  wie  bereits  bemerkt,  melodie- 
führendes Solo-Instrument;  alsdann  begleiten  die  Geiger  den  „Brett- 
^er^  Pizzicato,  oder  wie  die  Musikanten  sagen:  ^sü  töönd  dezue 
spicke,  spikle^.  Gute  Brettler  sind  selten.  Kann  es  aber  einer, 
60   übt  sein  Spiel  stets  eine  erfreuliche  Wirkung  aus. 

Szadrowsky  bemerkt  richtig,  dass  die  Musikstücke  auf  dem 
XIackbrett    meistens    lebhafte    Ländler    sind.     Von    dem   „häufig 
^erkünstelten**  des  Hackbrettes  aber,  von  dem  Szadrowsky  spricht, 
liabe   ich    nichts  entdecken  können.     .^Immerhin*^,   schreibt  Sza- 
drowsky, ^triflFt  man  oft  merkwürdige  und  unnachahmliche  Wei- 
sen, deren  Urform  weit    zurückreichen    mag.     Ich    hörte    gegen 
3Iitte  der  1850er  Jahre  in  Appenzell  Innerrhoden  einmal    einen 
^chon  älteren  Hackbrettspieler,  der  mich  immer  durch  das  eigen- 
t:  ümliche    Gepräge    seiner    Musikstücke    fesselte.       Es    lag    ein 
^^ewisser  Zug  Chopin'scher  Mazurken  in  den  kurzen,  nur  höchst 
selten    verzierten    Stückchen.     Ein    auffallendes    Beispiel    möge 
selber  sprechen.** 


Langsamts  Ländler- Tempo. 


Notation  vou  H.  Szadmwskv  1867. 

I  I  I  *f.         I 


Anfangs  einer  Chopinschen  Mazurka: 


^ta^^^^^ 


Auf  Szadrowsky  machte  diese  Musik  einen  Chopinschen, 
zigeunerhaften  Eindruck.  Er  hat  damit  wirklich  das  Richtige  ge- 
^i^oifen.  Aber  seine  sonderbare  Idee,  dass  diese  Hackbretttänze 
von  wandernden,  herumziehenden  Zigeunern  abstamme,  muss 
ganz  entschieden  zurückgewiesen  werden.  Wie  oft  kamen  Zi- 
geuQerbanden  zu  uns?  Wunderselten!  Und  wenn  sie  kamen, 
'^  hielt  sich  Alles  fern  von  ihnen,  man  behütete  und  besegnete 
«ich  'Vor  diesen  unheimlichen  braunen  Söhnen  des  Ostens,  und 
'^n  möchte  den  Appenzeller  gesehen  haben,  der  sich  von  einem 
2»igeviner  hätte  in  der  Musik  unterrichten  lassen.  Nein !  Die 
"^^kbretttänze  tragen  durchaus  appenzellischen  Charakter,   viel- 


Der  Volkstanz  im  Appenzellerlande. 


leicht,  dasa  die  Melodieen,  von  denen  Szadrowsky  spricht,  in  alte 
Zeiten  zurückgehen.  Das  Szadrowsky'sch-Zigeunerhafte  lässt 
sich  aas  der  Natur  des  Hackbrettes  erklären:  es  ist  etwas  zap- 
peliges, prickelndes,  unrahiges,  spriogendes,  das  sich  aus  der  Art 
herleitet,  wie  das  Instrument  gespielt  werden  muss.  Zigeunerhaft, 
wenn  man  so  sagen  will,  ist  auch  die  Art,  wie  das  Hackbrett 
(und  die  Geigen)  erlernt  werden:  zunächst  in  der  Regel  nicht 
nach  Noten,  sondern  traditionsgemäss  nach  dem  Gehör,  wobei 
dann  wohl  auch  später  hie  und  da  die  Noten  zu  Rate  gezogen 
werden  mögen.  Einem  von  Anfang  an  nur  nach  Noten  erlern- 
ten Tanze  fehlt  nach  der  Sprache  der  Musikanten  der  „Rank^, 
^LaDk*",  „Nack**,  „Zick**,  „Schabritz'',  „Kapritz*,  „Kaparitz"  d.h. 
der  bodenständige  Appenzeller-Charakter. 

Ramend,  der  fanzösische  Übersetzer  der  ersten  Reise  Coxe's 
durch  die  Schweiz,  vermutet,  dass  der  Eühreihen  eine  „Tanz- 
Arie*  sei,  deren  Tanzschritte  wegen  zu  hohen  Alters  verloren  ge- 
gangen seien.  ^^)  Dieser  Vermutung  tritt  jedoch  Ebel  überzeugend 
entgegen.  ^^)  Steinmüller  jedoch  scheint  Coxe's  Vermutung 
wahrscheinlich  zu  sein;  er  fügt  bei,  dass  alle  Jahre  die  jungen 
Leute  an  ihren  Alpstuberten  auf  den  Alpen  unter  freiem  Himmel 
und  an  den  Fassnachtstägen  im  Thal,  ^nach  dem  Kühreihen 
tanzen"".  ^^)  Gleich  darauf  aber  lässt  er  einen  seiner  Bekannten 
^mit  vieler  Selbstzufriedenheit:  den  geistlichen  Küh reihen 
«ingen!"  '*^) 

Szadrowsky  überliefert  uns^^)  einen  „Appenzellertanz^, 
den  er  einem  alten  Klarinettisten  in  Innerrhoden  nachgeschrieben 
hatte,  und  einen  „bekannten  tiroler  Tanz-Ländler*^ : 

Appenzeller  Tanz. 


^jgsig^^^i^^ 


i^^l^^i^i 


-Bekannter  tiroler  Tanz-Ländler* 


Pfa^^fe^i^^j^^^^f^ 


■y-j<— -^^ 


''j    W.  CoxK,  Lettresii  M.  W.  Melnioth  »iir  .  .  .  la  Suisse,  trad.  et  aiigiiu 
\K  JVI.  Ramond  de Carbuimion'».  Paris  1781—1782,  Bd.  II,  S.56  A.  11.  ~   «)  »-- 
a.  0.  I,  i:)3.  -  3')  a.  a.  O.  IL  129.  -  W)  a.  a.  0.  II,  130.  —  »»)  a  a.  0.  S.  279  (0^ 


Der  Volkstanz  im  Appenzellcrlando. 


\,>  P  i  jyp^m 


A — V 


1 


Nachdem  er  zunächst  einen  interessanten  Vergleich  zwischen 
m  Appenzeller-  und  dem  Tiroler-Tanz-Ländler  gezögen  hat, 
»ist  er  darauf  hin,  dass  die  Schweizeriche  Bevölkerung  nicht 
^entlieh  als  musikalisch  erfinderisch  zu  bezeichnen  sei:  „Ihr 
isizieren  ist  ein  mehr  reproduktives,  als  ein  eigentlich  prodnk- 
68 ;  sie  liebt  es,  das  einmal  gebräuchlich  gewordeniB  festzuhalten 
d  die  Tonweisen  unermüdlich  —  man  darf  wohl  sagen  unersätt- 
h  —  zu  wiederholen/  Ferdinand  Huber  machte  Szadrowsky 
r  eine  charakteristische  Erscheinung  an  der  appenzellischen 
»Iksmusik  aufmerksam,  die  aber  schon  damals  nicht  mehr  in 
auffälliger  Weise  hervorgetreten  sei,  nämlich:  auf  die  erhöhte 
larte,  (Fa)  **^).  Ein  in  C  gestimmtes  Alphorn  besitzt  z.  B.  für 
9  und  F  nur  einen  Tod,  der  nach  unsern  jetzigen  melodischen 
^griffen  bald  als  Fis  und  bald  als  F  aufgefasst  werden  muss,  z.  B.: 


^^^^^M 


^-jt^^^^^^^^^m 


In  diesen  Beispielen  müssen  mithin  die  mit  X  bezeichneten 
»ne  als  leitereigene  Töne,  das  heisst  als  F  aufgefasst  werden, 
«  Fis  in  den  Sechszehntel-Triolen  dagegen  als  Wechselnote, 
^o  als  wirkliches  Fis.  Diese  in  der  Natur  und  Beschaffenheit 
8  Alphorns  liegende  Eigentümlichkeit  übertrug  sich  auf  den 
del  und  die  Tanzmusik.  Irrtümlich  sind  solche  Stücke  we- 
ai  dieses  aus  der  Alphornweise  herübergenommenen  Zwischen- 
1-68  auch  schon  als  Moli- Weisen  aufgefasst  und  somit  der  zu 
miDde  liegende  tonische  Dur  -  Dreiklang  übersehen  worden, 
^em  entspricht  dem  fröhlichen  Appenzellerwesen  die  Molltonart 
ixeswegs  und  sie  muss  überall,  namentlich  in  den  Schulen, 
t  vieler  Mühe  künstlich  eingetrichtert  werden.  **) 

Diese  erhöhte  vierte  Leiterstufe,  diese  übermässige  Quarte, 
^sea  Alphorn-Fa,  wird  „eu  bbrochne*^  Ton  genannt  und  kommt 

der  Szadrowskyschen  Notatioa  des  Appenzeller -Walzers  vor. 

*•)  a.  a.  0.    S.  279  ff.    —    *M    Ai.hiku   Tohlek,    Kühreihon   S.  46  ff. 


10  Der  Volkstanz  im  Appenzollerlaiide. 

In  dem  modernen  appenzellischen  „Wälserli^  aber  werden  diese 
Alphorn-Zwischentone  nur  noch  höchst  selten  gehört  „oder  bim-e 
schlechte  Gyger  chaa-^s  eppe-n-emool  vorchoo,  dem-'s  eben-n-eso 
omm  en  halbe  Schue  uaf  oder  aab  off  sinner  Gyge  nüd  graad 
ase  droff  aachont!  Josoo!^  Wohl  aber  kommt  dieses  Alphorn- 
Fa  mit  ganz  besonderer  Vorliebe  in  einem  appenzellischen  Jodel 
stets  noch  zur  Anwendung,  den  man  wegen  dieses  ^bbrochne" 
Tones  ^e-n-Innerööderli"  nennt,  oder  auch  „e  Chüärähjerli**  und 
„e  Chüädräckerli**.  ^-) 

Die  Appenzeller  Streich-  oder  Tanz-Musik  bewegt  sich 
gleich  dem  Jodel  in  den  einfachsten  Ilarmoniefolgen,  nämlich 
im  tonischen  Dreiklang,  im  Ober-  und  Unter-Dominant-Dreiklang 
und  im  Dominant-Septimen-Akkord.  Der  beliebteste  Tanz  im 
Appenzellerlaude  ist  der  Walzer,  d.h.  „Ländler,  Ländlerli,  Appe- 
zeller,  Appezellerli,  e  Hierligs,  Hiesigs",  oder  auch  „e  Buuch— 
ryberli,*'  in  welchem  Musikanten  und  Tänzer  eine  bedeutende 
Fertigkeit  haben. 

Wenn    der    appenzellische    Dichter    J.  Merz*')    den  Tänze» 

sagen  lässt: 

E  Tänzli,  gelt,  no  möchtist  thuo? 
Jo  Schätzli,  lopf  no  d'Füessli! 
No  Gyger!  mach  du  wacker  zuo, 
Se  do  best  e  paar  Biessli. 

Ond  alle  Schwüngli  geb  der  äs, 
Mach  no  en  Appezeller! 
He,   Werth,  geb  her  no  Brod  ond  Chäs 
Ond  was  d'Gaots  hast  im  Cheller! 

so  ist  unter  dem  ^Appenzeller^*    eben    unser  Ländlerli    zu    ve —       J- 
stehen.     Bei  diesem  Ländlerli  drehen  sich  die  Päärchen  langSM  ^ 

und  bedächtig  kreisend  möglichst  ruhig  auf  einer  möglichst  klein        *^^p 

Fläche  herum  oder  sie  bewegen  sich  nur  äusserst  langsam  krfc g  '* 

send  vorwärts.  Man  sagt:  .,Bim  Länderli  gohd's  gaanz  gst^^Ä-^^ 
ond  manierli;    off-eme  Flääschtäller  sött-me'sch  chöne;  mit-      -^de 

Füesse  fascht  nütz  mache;  all  gad  am  glyche-n-Öörtli    blybe '^' 

ond  nüd  noichoo"  [nicht  vorwärts  kommen].  Die  Tanzend  -^^^ 
legen  einander  die  Hände  auf  die  Schultern  oder  am  den  L^^  -r»-»» 
.,wenn-'s  au  no  aaltfrääntsch  soll  zuegoh**.  Der  Raum  innerh^='^^  ^^ 


*^!    Alkki;i>  Tohi.kk,  ebd.  S.  46:  Der»,  Siinjj:  und  Klang  aus  Appens^  *•■ 
I891».  S.  XII.  —  ^3,  j  Mkkz.  Des  poetisch(Mi  Ap])enzeller8  sämtliche  Gediel 
.St.Gallrn  J83ti,  S.  13:5:  Aiiia/.ki.i.imhks  Munatsulatt.  1827,  S.  116;  1828,  S.l 


( 


Der  Volkstanz  im  AppenzellerlaDcle.  11 

luod  ausserhalb  der  tanzenden  Paare  soll  nie  betreten  werden. 
^Während  des  Tanzes  wird  ab wechslangs weise  „gstämpflet  ond 
£JQQchzet^.  Dieses  Stämpfeln  nennt  man  „mit  de  Bäane  appe- 
aellerle*",  „bääle^,  „schlötterle^,  ^doppeltere *". 

Das  ^Solo-Appezellerle  mit  de  Bääne''  ist  eine  Fertig- 

!keit,  die    bedeutende  Kraft   und  Ausdauer  verlangt.     Es  besteht 

^arin,  dass  ein  Tänzer   entweder  für   sich  allein,  oder  als  Inter- 

jmezzo    zum    Tanze    neben    seiner    im    Schritte   Hand    in    Hand 

^inhergehenden  Tänzerin  streng  im  Takte  der  Musik   und   ganz 

langsam  sich  vorwärtsbewegend   so    schnell    als  nur  möglich  mit 

^en  Absätzen   wirbelnd    stämpfelt.     ^Je   länger!  Qsätzli  as  Ann 

:inache    cha*",    d.  h.  je  länger  Einer  dieses   anstrengende  Stampf- 

gewirbel  anshält  und  je  feiner  und  ruhiger  im  Tone  er  es  macht, 

desto  mehr  wird  er  bewundert.    Das  Doppelieren  geschieht,  wie 

bemerkt,  nur   auf   den  Absätzen,    und  muss,    soll  es  recht  sein, 

„hell^,  d.  h.  leicht,  ohne  Getrampel  tönen. 

Das  korrekte  Solo-Doppelieren  des  Tänzers  ist  eine  seltene 
Kunstfertigkeit,  womit  sich  Einer  gelegentlich  auszuzeichnen 
Bucht:  „'s  nehd  aber  au  d'Bää  vyl  vetämpter  zweeg  as  'sTaanze! 
Seb  glob-i!"  Das  Doppelieren  wird,  wie  bemerkt,  wohl  auch 
mit  fröhlichen  Ausrufen  oder  mit  Jauchzen  begleitet  und  ge- 
schlossen. Zu  den  Pantomimen-  und  Spiel-Tänzen  wird  auch 
ab  und  zu  doppeliert.  Dies  aber  nur  als  momentaner  Ausbruch 
der  höchsten  Tanzbegeisterung,  nie  in  der  solistenmässigen  Weise, 
wie  das  beim  „Wälserli**  geschieht. 

Auch    die  Musikanten    begleiten    den  Rhytmus    des  Tanzes 
gewissenhaft  mit  diesem   leichthörbaren  Fussstämpfeln,  d.  h.  „sü 
^loppelierid'',  „sü  schlöönd  de  Doppel."     Dieses  Doppelieren    ist 
das    Zeichen    des    guten,    seriösen    Spielmannes    ^ond    andescht 
t^t-si-'s  halt  suuber  ond  glatt  nüüd.*"     Es    hat    einen  doppelten 
^weck:  einmal  sollen  durch's  hörbare  Doppelieren  die  Musikan- 
ten beim  „Ufmache'^  stramm  unter  sich  zusammengehalten  wer- 
ben, namentlich  dann,  „wenn-'s  ofF-'m  Taanzbode-n-onue  efange-n-e 
fietzeli  eerber  rääss  chnotterid  ond  ebe-n-au  efange  mit  de  Bääne 
Behlötterlid.''  Dann  aber  sollen  durch  das  Doppelieren  Spielleute 
Und  Tänzer  in  sicherem,  gegenseitigen  Takteinverständnisse   sein 
und  bleiben.  Das  Doppelieren  der  Musikanten  wird  auf  folgende 
XlV'eise  ausgeübt:    sie  klopfen    leicht  hörbar    mit    der  Spitze  des 
linken  Fusses  ganz  kurz,  gleichsam  ^Pizocato^  den  zweiten  Achtel 
des  ersten  Yiertels,  um  nach    diesem  sofort    den  vollen  zweiten 


12  Der  Volkstanz  im  Appenzellerlaixle. 

und  dritten  Viertel  mit  dem  Absätze  des  rechten  Fasses  su 
stämpfeln.  Beim  Schottisch  und  bei  andern  Tänzen  wird  nur  der 
volle  Takt  mit  dem  rechten  Fasse  gestampft.  Dies  Doppelieren 
soll  mit  Mass  geschehen. 

Es  kommt  vor,  dass  Spielleute,  die  ihrer  Sache  nicht  ganz  äicher 
sind,  durch  ein  allzu  lautes  Doppelieren  auch  etwa  das  Instrument 
^u  übertönen  suchen.     Von  einem  solchen  minderwertigen  Spieler 
sagt  man:  „Das  sönd  kä  rechti  Musikante!   Das  sönd    gad  nahes 
dere  strohlege  Chnotteri  ond  Rompier!  seu  stampfid  jo  lüüter,  das-si 
ufmachid!  Me  sött-ene  chöne-n-en  Sack  onder  dTüess  schoppe!  Das 
gsiäd  bim  Tonder  nütz  meh  glych!"^  Während  des  Spieles  haben 
die  Spielleute  das  unentbehrliche,  schwarze  silberbeschlagene  und 
mit  Silberkettchen  verzierte  Appenzeller  Tabakpfeifcheu,  das  söge-        — 
nannte  „Lendauerli^  und  zwar  meist  mit  abwärtsgerichtetem  Deckel,     ^  ^, 
d.  h.  „ondeschöbeschi  im  Muul.^    „Defryli  gueng's  mit  Zah'-Locke  <^^e 
nüd  ase  ring!**     Den  Tabak  bergen  sie  in  einem  weissledernen,  ^  mi^^ 
am  Boden  messingbeschlagenen  „Backseckel^  in  der  Seitentasche^^^c=tie 
der    roten    Weste.     „Aber    e-so    hie    ond    doo  thue-'s  au  e  Sa — m:m  nM- 
blootere**  [Schweinsblase],  wenn  gad  de  Strossborger  guett  ischt.^'^^  -^Jk." 
„Ond  denn  zletscht  no  en  Struuss  off-'m  Huett  —  seb    tued-'nncK  *  'm 
guett!     Josoo!"  — 

Geht   gelegentlich    einem    ^Spillmaa    's  Füür   uns   im  Leo  ^=b  ^o- 
dauerli^,  so  kann  man    wohl    auch  vergnüglich  zusehen,   wie  e:^»       er 
mit  wahrhaft  stoischer  Gelassenheit    sein  Tabakpfeifchen  wiede^^  JSer 
in  Ordnung  stellt  und  unterdessen  seine  Kumpanen  lustig  alleir^^ssio 
drauflos  fiedeln  und  brettein  lässt.  So  geigt  dann  etwa  gelegen#'.fl:xnt- 
lich  der  zweite  Geiger  interimistisch  die  erste  Geige,  „bis  der  erschf  ^ucht 
Gvger  's  Pfyfeli  wider  ausklopfet  ond    gstopft   ond    aazönt   hS^  mM 
ond    denn    ebe-n-au    ase-n-allsgmach    wider    aafoot    gyge-n-onc^K:  ^nd 
stämpfle  ond  bäckle." 

Neben  dem  eigentlichen  Appenzeller- Walzer  unterscheide  Jen 
die  Musikanten  noch  zwei  7»  Takt- Walzer,  nämlich:  den  „Schly  "^^f- 
Walser,  Schlyfer"  und  den  „Juck-  oder  Jock-Wals 
Jocker,  Jucker  oder  Gump-Walser,  Gumper*. 

Der  Schlyfer  wird  auch  langsam,  aber  stets  vorwärtskr* 
send  getanzt. 

Der  Gumper  dagegen  wird  in   sehr  schnellem  Tempo 
nommen.     Es  ist  der  bekannte  und  überall  getanzte  Walser. 

Von    diesem    Tanz    wird    gesagt:    „Er    gohd    gjocket    o»     ^^^^ 
ggumpet.  Die  Päärli  schüssid  im  Saal  omme  wie  Brieme  [Brems«.         "^^ 


Der  Volkstanz  im  Appenzellerlaode.  13 

in-ere  Laterne  ond  jockid  ond  gumpid  ond  pfuasid  omme,  dass-^ 
jiomme  wessid  wofaee!"^  Yon  diesem  V»  Takt -Walzern  sagt 
der  Spillmann:  ^Die  zwee  frönte  Täanz  gohnd  üüs  e-n-Aard 
nütz  aa;  me  nehd-s^  eso,  will  me-p-ebe-n-au  efange-n-eerber  vyl 
Schwoobe-n-im  Appenzellerländli  häd.^ 

Erst  in  neuerer  Zeit  aufgekommen  und  weniger  gebräuchlich 
sind  Mazurka  („MasoUke'*),  Polka  („BoIIke'^)  und  Polka- 
Mazurka  (^BoUke-Masollke'').  Diese  Tänze  werden  mehr  auf 
Verlangen,  als  ans  eigenem  Antrieb  gespielt:  „'s  ischt  ebe-n-au 
e  frönti,  ygwandereti  Sach,  die-me  e-so  weges  de  vyle  Frönte 
Bpillt,  wie  d'Sechsachtel-Täänz ;  aber's  Ländlerli  ischt  ond  blybt 
halt  äänzig  ond  elää  appezeliisch:  *s  lopft  ämm  gad  bschäädeli 
d'Bää  ond  ropft-di  hönder-'m  Tisch  hönne  vöre  ep-t'  welischt 
oder  nüüd.  Me  chönnt  nüd  rüebig  zuelose*'.  Ausser  diesen 
Tanzarten  giebt  es  noch  sechs  andere,  die  zum  Teil  vergessen 
sind  oder  nur  noch  selten  getanzt  oder  aufgeführt  werden.  Sie 
sollen  kurz  charakterisiert  werden. 

Der  ^Galopp er*"  oder  ^Hopser"  wird  wohl  auch  der 
Yon  Tituö  Tobler  erwähnte  „Hopper**  sein**),  von  dem  er  schreibt: 
„Der  Hopper  wird  vom  Walser  unterschieden.  Oft  klopfen  die 
jungen  Bursche  mit  ihren  plumpen  Schuhen  aus  allen  Kräften 
auf  den  Boden,  dass  dieser  ordentlich  zittert,  vorzüglich  dann, 
wenn  sie  einen  Sprung  nehmen,  und  der  Jüngling  und  das  Mäd- 
chen, neben  einander  gekettet,  sich  um  den  Kreis  bewegen.*' 

Der  Hierig,  Hierege,  Hierlig,  d.  h.  der  hier  im  Lande 
alte  Appenzeller- Pantomimen-Tanz,  wurde  seiner  Zeit  in  Inner-  und 
Aasserrhoden  getanzt,  ist  jedoch  leider  nicht  mehr  an  der  Tages- 
ordnung. Ich  begegnete  ihm  in  Ausserrhoden  ein  einziges  Mal,  und 
zwar  an  einer  theatralischen  Aufführung.     Auch   in  Innerrhoden 
wird  er  nur  noch  bei  festlichen  Anlässen  und  Aniführnngen  und 
xiamentlich  an  den  künstlich  arrangierten  Alpstuberten  mit  Virtuosi- 
tät  aufgeführt.  Er  ist  ein  anstrengender  Solo-Tanz,  wobei  Tänzer 
mid  Tänzerin  in  der  Tracht  eines  alten  Appenzeller-Paares  auf- 
treten und  als  altvaterisches,   komisches  Pas-de-deux    in  grottes- 
kor  Weise  darstellen,    wie    sich    zwei  Liebende  entzweien,    sich 
STög-enseitig  auf  alle  mögliche  Weise  necken,    sogar    lange  Nase 
'"»«.eben,  an  Nase  und  Ohren  zupfen  und  sich  verhöhnen. 

Der    Tanz    nimmt    ungefähr    folgenden   Verlauf:    Das  Paar 
^^^bt  zunächst  nebeneinander^  hält  sich    nach   alter  Appenzeller- 

**)  Appenzellischer  Sprachschatz.     S.  6.  2ß8. 


u 


Der  Volkstanz  im  Appenzellerlande. 


art  d.  b.:  Er  legt  seine  rechte  Hand  anf  ihre  linke  Schulter 
und  Sie  legt  ihre  linke  Hand  auf  seine  rechte  Schulter.  In 
dieser  Haltung  gehen  sie  etwa  zwei  sogenannte  ^Runden^  im 
Kreise  herum.  Die  Musik  beginnt  und  spielt  ein  flottes  Ländlerli 
und  das  Paar  tanzt  etwa  zwei  Runden  nach  folgender  Musik: 


i^^^j^üfea^fe^^ 


^^^^^f^^mnuunri^^^ 


gffrFrj^^ljr^jjzf-i^^^^EB 


2. 


fe^;£L±L£}£:^j^^l^p 


r^^^^^^^^m^^^^ 


^£gi£3 


^ 


33&C 


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Nach  diesen  Runden  trennt  sich  das  Paar  und  es  tan 
jedes  für  sich,  einander  aber  stets  mit  den  Augen  verfolgen 
Das  Tanzen  ist  nunmehr  in  ein  hüpfendes,  trippelndes  Fua 
wechseln  nach  dem  Takte  übergegangen.  Die  Hände  in  d. 
Hüften,  wird  abwechselnd  bald  die  rechte,  bald  die  linke  SchuH 
erhobeu,  bald  nähern  sie  sich,  bald  entfernen  sie  sich  von  eini 
der,  bald  hüpfen  sie  einander  nach,  kreisen,  reichen  sich 
Hände. 

Das  Paar  hält  sich  nun  wieder  wie  anfangs:  Hände  auf  c 
Schultern.     Seine    linke    Hand    und    ihre    rechte    sind    frei, 
dieser  Haltung  wird    vorwärts    getanzt,    dann    plötzlich   gedr 
und  der  Tanz  gebt  rückwärts.    Wiederum  trennt  sich  das  Pi 
Sie  tanzt  kreisend  Runden    und  Er    gleichsam   als  Zeichen 
Grolles  frei  in  stampfender  Bewegung  ihr  nach,   wobei   sie  i. 
neckische  Blicke  über  die  Schulter  zuwirft.    Dann  fasst  er  pl9 


9n 
er 

ie 


Der  Volkstanz  im  Appenzellerlande. 


15 


1  seine  Tänzerin  bei  der  linken  Hand  und  —  Häode  hoch  — 
list  sie  immer  aa  derselben  Stelle.  Er  jauchzt  and  doppeliert 
la  während  einigen  Takten,  aber  ohne  zu  kreisen.  Mit  eiaem 
jenseitigen  Umfassen  und  in  ursprünglicher  Tanzhaltung  wird 
;h  einigen  Runden  der  „Hierig^  geschlossen. 

Die  Bewegungen  bei    diesem  Tanze  sind  ziemlich    frei  und 

Q    gegenseitigen   Einverständnisse   des  Paares    anheimgestellt. 

Ein  anderer  Tanz  heisst:  „Der  Drei-lederni-Strömpf"  *^) 

Dieser   komische   Tanz    wird    im   SchottischTempo   getanzt 

1  hat  seinen  Namen  ^on  den  Anfangsworten  dei^  Textes,    der 

I  allen  Tänzern  und  Tänzerinnen  mitgesungen  wird.  z.  B.: 


pH-^^^^^^^^Yf^^^ 


Drei    le-  der-  niStrömpf,  zwee  de-zue  geed  fönf,  minu  Vat-ter  häd  e 


:|=^ 


'rf=f=--^ 


ä^ 


Char- te-gspiel,  ischt    baar    luu  -  ter  Trömpf! 

Die  tanzenden  Paare  stellen  sich  einander  gegenüber  mit 
die  Hüften  gestemmten  Armen  auf.  Die  Musik  beginnt  und 
\  Tanzlied  wird  gesungen,  dabei  sind  folgende  Abteilungen 
bemerken : 

1.  Auf  das  Wort  „drei"  schlägt  Jedes  für  sich  beide  Hände 

die  Hüfte.     Auf  das  Wort  „lederni"  klatscht  Jedes  für   sich 

die  Hände.    Auf  das  Wort  „Strömpf^  aber  klatscht  sich  jedes 

ar  kreuzweise  in  die  rechte  Hand   und    auf  das  Wort  „fönf** 

die  linke. 

Nach  dieser  Figur  folgt  jeweilen  ein  Schottisch,  aber  nur 
F  dem  Platze,  d.  h.  die  Tanzenden  bewegen  sich  nicht  vor- 
.rts.     Dieser  Schottisch  lautet: 


^^i^^ 


:t 


Nach  diesem  Schottisch  folgt  ein  Kreistanz,  d.  h.  ein  trippeln- 


**)  Vgl.  Rbiser,    Sagen,   Gebniuche    und    Sprichwörter   des   Allgäus.  II 
W),  42<);  HCbleb,  Bayrisch  Schwaben  und  Neuburg  1901  S.  172. 


16 


Der  Volkstanz  im  Appenzellerlande. 


des  Gehüpfe,  sodass  auf  den  letzten  Takt  die  Tanzenden  wieder 
beieinander  sind.     Gewöhnliche  Melodie  dazu: 


Bei  sämtlichen  folgenden  Touren  sind  die  Bewegungen  auf 
die  Worte  ^drei*"  und  ;,Iederni'^  die .  gleichen,  dagegen  bei 
„Strömpf*^   und  „fönf*  finden  folgende  Varianten  statt: 

2.  Strömpf:  Handschlag  rechts 

Fönf:  ^  links,  dann  wieder  Schottisch  und 

3.  Strömpf:  Fussspitzen  aneinander  rechts. 
Fönf:  „  „  links, 

4.  Strömpf:  Ellenbogen  „  rechts. 
Fönf:                „                      ^           links, 

5.  Strömpf:  Ohrläppchen  berühren  rechts. 
Fönf:  jf  „  liuks, 

6.  Strömpf:  Nasenspitze  fassen  m.  d.  r.  Hand. 


Föüf: 


1. 


7.  Strömpf:  Wange  kneifen  m.  d.  r.  Hand. 


Fönf: 


1. 


8.  Strömpf:  Rücken  links  kehren. 
Fönf:  y,         rechts     „ 

9.  Strömpf:  drohen  m.  d.  r.  Zeigefinger. 
Fönf:  ,        ,     ,   1. 

10.  Strömpf:  Kinn  m.  d.  r.  Hand  fassen. 
FöDf:  ,       ..!.'. 

11.  Strömpf:  Wange  au  Wange  rechts, 
Fönf:  .,         „         .,         links,  aber 

in  äusserst  zärtlicher  Weise, 

12.  Strömpf:  umarmen  und  küssen  rechts. 
Fönf:  ^  .,  ^        links, 

13.  Schluss-Buchrvberli : 


[Kreistanz, 
do. 

do. 

do. 

do. 

do. 

do. 

do. 

do. 

do. 
do. 


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^iSi^^i^üi^^ 


Der  Volkstanz  im  Appenzellerlanile. 


17 


^1  llJf^  lo^ 


{jHfTftrr^^^ 


Dieser  Tanz  ist  offenbar  mit  dem  im  Elsass  bekannten  so- 
nannten  Fischingertanz  identisch,  den  uns  Erk-Böhme  fol- 
ndermassen  überliefert :  *•) 


m 


^^ipq-jT:^;^ 


1 


Drei  led  -  ri-ge Strumpf,  drei  led  -  ri-  ge Strumpf,  und  drei  und  drei  gän 


^s^i^j-U±±:a±±M 


fDn  -fä.    Wer  da»  Lied  nicht  sin  >ge    ka,  der  fangt  wiedrum  vor-ne  a. 


Die  pantomimische  Beschreibung  dieses  Tanzes  stimmt  mit 
rjenigen  unseres  ^drei  lederni  Strompf^  bis  ins  Einzelnste 
erein.  Erk-Böhme  schliessen:  „Zu  dem  Tanze  singen  die  Zu« 
lauer  nach  obiger  Melodie  ein  Lied,  das  die  symbolische 
räche  der  Bewegungen  begleitet  und  erklärt,  indem  es  den 
erlauf  einer  Liebesgeschichte  erzählt  (Bavaria  II,  883).  Yen 
m  Liede  selbst  ist  nur  der  obige  Anfang  gerettet.  Jedenfalla 
dieser  pantomimische  Tanz  sehr  alt,  und  älter  als  all  unsere 
indtänze.*" 

Der  Aliwander  wurde  nur  in  Ausserrhoden  getanzt  und, 
e  der  Schicktanz,  gewöhnlich  erst  dann,  wenn  es  anfieng  etwas 
Bgelassen  herzugehen,  „wenn-s'  efange-n  e  Betzeli  Staub  in 
Chöpfe  gkaa  händ.*^ 


Im  Muottathal  wird  der  .Allenmandler'' 


,AIIemander'',  „AU 


♦♦)  Deutscher  Liederhort,  II  (1893)  775.  —   In  Basel  wird  ein  ähnlicher 
nm  zum  Zapfenstreich  gesprochen.     Hier  lautet  er: 

Drei  läderi  Strimpf 

Und  zwai  derzue  sind  fimf 

Und  wenn  i  ain  verlier. 

So  han  i  nur  no  vier  vier  vier 

So  han  i  nur  no  vier. 
Auch  in  der  Stadt  St.  Gallen  ist  dieser  Zapfenstreich-Keim  Üblich.  Siehe 
iraber:    K.  Alfb.  Toblkb,  „Nahes  oss  mine  Buebejohre."  St.  Gallen.  Zolli- 
>fer  Bacbdnickerei.  1903.    S.  38. 


18  Der  Volkstanz  im  Ap])enzellerlandc. 

maDdler^  oder  „Alliwander^  immer  noch  getanzt  ^^),  in  den  Kan- 
tonen Lnsern,  Zng,  Aargan  und  Zürioh^^)  ist  er  wenigstens  dem 
Namen  nach  noch  bekannt.  Dieser  Tanz  ist  nichts  anderes  als 
die  aus  Frankreich  nach  Deutschland  zurückgekehrte  „  AUemande'', 
die  seiner  Zeit  auch  in  den  höhern  Ständen  sehr  beliebt  war 
und  sich  heute  noch  als  Überrest  und  als  Erinnerung  an  die 
Tanzkunst  unserer  Urgrossväter  im  Muottathal  und  in  Appen- 
zell Ausserrhoden  erhalten  hat.  Rhythmisch  bewegte  sich  dieser 
Tanz,  wie  bei  uns,  im  V* -(Schottisch-)  Takte. 

NiM»h  der  Ueberlieferung  bildeten  im  Luzemischen  die  Paare 
einen  Kreis,  der  nach  einigen  Umgängen  sich  in  den  Ländler 
auflöste,  um  sich  nachher  wieder  zu  vereinigend^)  Im  Muotta- 
thal war  es  ein  Tanz,  bei  welchem  die  Tänzerinnen  der  Reihe 
nach  gewechselt  wurden  und  allemal  ein  Tänzer  leer  ausging.^ 
Dieser  Tanz  ist  im  Appenzell  der  sog.  „  Schicktanz  ^.  Bei  ont 
ging  es  beim  Aliwander  folgendermassen  zu:  y,Musi!  Der  Ali- 
wander!  Wer  will  Tanzmääschter  seeP^  Dieser,  der  sog.  „kenn- 
bare'' Führer  übernimmt  alsdann  die  Leitung  des  in  5  Abtei- 
lungen zerfallenden  Tanzes.  Die  Musik  spielte,  wie  bemerkt 
zum  Aliwander  jeweilen  eine  kleine  Anzahl  stereotyper  Schottisch- 
Formen. 

Nachdem  sich  schon  während  des  Spieles  Tänzer  und  Tän- 
zerinnen im  Kreise  Hand  in  Hand  aufgestellt  haben,  gehen  sie 
so  im  Kreise  herum.  Der  „kennbare^  Führer  klatscht  und  die 
Tänzer  stehen  still:  „d'Wyber  weerid  fortgschickt''  und  sie  winden 
oder  schlängeln  sich  händereichend  und  wieder  lösend  bald  an 
<ler  Vorder-,  bald  an  der  Rückseite  der  Tänzer  yorbei.  .Wah- 
rend dieses  sich  um  die  Tänzer  windenden  Rund-  oder  Schling- 
ganges,  „appezellerlid  diese  mit  de  Bääue  ond  löönd  e  so  zwü- 
schet-ine  eppe-n  emool  en  Juuchzer  aab*'.  Nach  etwa  2 — 3  Touren 
packt  der  Tanzmeister  seine  Tänzerin,  ^'s  Wibsbild'^,  und  klatscht, 
worauf  sich  Alle  wieder,  wie  anfangs,  ketteuartig  halten  und  in 
einer  Reihe  im  Kreise  herumgehen.  Auf  weiteres  Klatschea 
stehen  Alle  still.   Die  Tänzer  bilden  um  die  Tänzerinnen  herum 


*^J  ScHWEizEuiscHF^j  Idiotikox  I,  172.  —  ♦**)  Kt.  Zug  i  Archiv  1,  120;  Kt 
Luzern:  M.  A.  FEiERAnKSD,  Cber  Volksfeste  und  Volksspiele  im  Kt.  Luzem 
1843,  S.  103;  IVvkfkr,  Der  Kt.  Luzern  (Gemälde  der  Schweiz  Bd.  in,  1)  I 
(1858),  312;  Kt.  Aargau;  Schweizer  Freie  Pkessk  (Baden)  1897  Nr.  45.  — 
*^)  Stirnimaxn,  Volksbräuche  aus  dem  Kantou  Luzern.  Im  „Centralblatt  dea 
Zofinger- Vereins".  1898.  S  387.  —  •<>)  Schweiz.  Idiotikon  I,  172. 


i)er  Volkstanz  im  Appeuzellerlande.  19 

einen  Kreis  und  zwar  in  der  Weise,  dass  sich  die  Tänzer  so 
fest  als  möglich  die  Hände  reichen.  Nnn  setzt  sich  jeweilen 
eine  Tänzerin  auf  die  zusammengepressten  Fäuste  zweier  Tänzer 
und  wirft  ihre  Arme  diesen  über  die  Schulter.  In  dieser  leben- 
digen Schaukel  werden  die  Tänzerinnen  im  Kreise  herumgetragen. 

Eben  so  fest,  wie  sich  die  Tänzer  gegenseitig  aneinanderketten, 
haben  sich  auch  die  Tänzerinuen  an  die  Tänzer  zu  schmiegen: 
^botz  tuusi  tonder,  sös  woorid-s'  abikeje  ond  seb  wäär  letz!^ 
Auf  ein  gegebenes  Zeichen  bin  stellen  sich  Alle  wieder  in  Reih 
und  Glied  uud  verlassen  Hand  in  Hand  im  Gänsemarsch  das 
Tanzlokal,  um  durch  alle  möglichen  Räume  des  betreifenden 
Stockwerks  ^ond  eppe-n-emool  gad  au  vo  zonderischt  bis  zobe- 
rischt^  zu  wandern  uud  dann,  wo  immer  möglich,  zu  einer  an- 
deren Tür  wieder  herein^umarschieren.  Ist  dies  geschehen,  so 
seilt  sich  der  Tanzmeister  in  die  Mitte  des  Tanzraumes  und  es 
wird  der  sogenannte  ^Wendelbomm"^  gemacht,  d.  h.  die  ganze 
Gesellschaft  windet  sich  Hand  in  Hand  um  den  Taozmeister 
herum  auf,  wie  man  Faden  um  eine  sog.  Fadenseele  aufwindet, 
,80  e  das-es  Gatti  häd,  wie  en  Spuel  oder  e  Läärli  bim  Spuele'^. 

Nun  bricht  sich  der  Tanzmeister  Bahn  und  schlüpft  unter 
den  in  die  Höhe  gehaltenen  Arme  der  ihn  zunächst  einschliessenden 
Paare  hindurch  und  ihm  schliessen  sich  der  Reihe  nach  die 
Anderen  an,  bis  sich  der  Kneuel  aufgelöst  hat,  um  aufs  Neue 
wieder  Hand  in  Hand  im  Kreise  herumzugehen.  Der  Tanz- 
meister giebt  endlich  das  letzte  Zeichen,  worauf  sich  alle  los- 
lassen, einander  rücklings  übers  Kj*euz  die  Hände  reichen  und 
10  rückwärts  tanzend  den  Aliwaudor  beschliessen.  Dieser 
lustige  Tanz  wird  offenbar  nur  desshalb  nicht  mehr  getanzt, 
,wilI-8'  hüttigstags  efange  z'fuul  sönd,  Näbes  rechts  z'Ieerne  ond 
lieber  gad  wällserlid  oder  sös  efange  gad  lieber  vo  ämm  Egg  is 
ää  jockid,  wie  d'Hell  ond  de  Tüüfl**. 

Zu  Titus  Toblers  Zeiten^')  nannte  man  diese  oder  eine 
ähnliche  Tanzart  im  Mittel-  und  Hinterlande  „e  Schwööbli"*, 
welcher  Name  auf  unsere  ^Allemande"  hindeutet. 

Alte  Aliwander. 
1. 


**;  Appenzellischer  Sprachschatz.    S.  6. 


20 


Der  Volkstanz  im  Appenzellerlande. 


rfr"iftf    f^    m*f  4*?"*    '_  ^  i  ^        !1 


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Fon  Anfang. 


^^^^^JgMitgjHg^ 


Neuere  Aliwander. 
I. 


Der  Volkstanz   im  Appenzellerlande. 


21 


Der  Ballbierer-Tanz  ist  ein  Pantomimentanz,  der  sich  in 
an-  und  Ausser-Rhoden  bis  in  die  neuere  Zeit  stets  grosser 
»eliebtheit  erfreute.  Jetzt  aber  wird  er  nur  noch  selten  auf- 
efuhrt.  An  theatralischen  AiifTührungen  oder  bei  Abendunter- 
altungen  kann  man  ihn  gelegentlich  noch  zu  sehen  bekommen, 
simer  aber  amüsiert  er  das  Yolk,  „dae-s*  gad  d'  BüQch  habe 
loönd  vor  Lache^.  Zu  diesem  sehr  anstrengenden  Tanze  ge- 
oren  ein  Barbier,  dessen  Frau  und  ein  Kunde,  der  sich  den 
orschiedenen  immer  tänzelnd  ausgeführten  Operationen  geduldig 
nterzieht.  Als  Instrumente  figurieren:  Ein  Riesen-Rasiermesser, 
las  e  Gattig  häd  wie  e  Segess,^  eine  grosse  Seifenschüssel, 
pvie  's  grööscht  Milechbecki",  ein  grosser  Hammer,  ein  grosses 
temmeisen  zum  Aderlassen  und  endlich  eine  grosse  Zange  zum 
ahnziehen  „vom  Vechtoktr*".  Die  Musik  zu  dieser  Tanz-Opera- 
>ii  ist  der  Schottisch.  Zuerst  wird  der  ruhig  hereinkommende 
ctude  von  den  ihn  bis  zum  Schlüsse  dieser  Operation  unablässig 
■^tänzelnden  Rasierersleuten,  „vom  Ballbierer  ond  simm  Wyb* 
'  den  Operationsstuhl  geleitet.  Alsdann  wird  er  rasiert,  frisiert, 
'^  Kopf  gewaschen,  geschröpft  und  endlich  zur  Ader  gelassen. 
^Q  Schluss  bildet  das  Zahnziehen,  wo  bei  der  Patient  als  Schluss- 
^kt,  „no  en  Malioo-Schrää  ablood**.  — 

Der  Schicktanz^^)  ist  ein  Tanzspiel,  welches  sich  in  Inner- 

**)  T.  ToBLKB,  Sprachschatz  S.  386.  „Schicke,  en  guette  Schick  tue'', 
'^»J  guten  Kanf  oder  Verkauf  machen,  d.  h.  dabei  gewinoen".  Beim  „Vech- 
^ckle*  wird  der  Handel  durch  gegenseitiges  dreimaliges  klatschendes 
^^"»^gelübde  beteuert,  d.h.  „me  chlepft  y". 


22 


Der  V^ülkstanz   im  Appenzellerlande. 


und  Ausser-Rhoden  noch  immer  grosser  Beliebtheit  erfreut.  Er 
setzt  einen  überzähligen  Tänzer  voraus,  der  „Bletzbueb''  genannt 
wird.  Die  Tanzenden  stellen  sich  paarweise  auf.  Sowie  ge*^ 
rufen  wird:  ,,Schicktanz!  Bietzbueb,  (oder)  Bletzbuebe-n-ine ! 
Chlepfid!^  spielt  die  Musik  in  gemässigtem  Marschtempo  den 
Schicktanz  oder  Schickmarscb,  zu  welchem  die  Paare  Hand  in 
Hand  ruhig  im  Kreise  herumgehen.  Nun  beginnt  das  „Schicke^^ 
d.  h.  der  Bletzbueb,  oder  wenn  mehrere  Bletzboebe  da  sind, 
klatscht  der  vorderste  Bletzbueb  in  die  Hände,  „er  chlepft", 
worauf  sich  ihm  die  Tänzerin  des  zunächst  hinter  ihm  her- 
marschierenden Paares  sofort  anzuschliessen  hat.  So  klatscht 
der  Reihe  nach  Einer  nach  dem  Andern,  solange  bis  die  Musik 
plötzlich  und  an  ungeahnter  Stelle  den  Schicktanz  verläast  und 
einen  Walzer  spielt.  Wer  bei  diesem  Übergange  vom  Schick- 
tanz zum  Walzer  keine  Tänzerin  erwischt  hat,  bleibt  Bletzbueb 
„ond  taar  gad  wider  nebet-usi  stoh**.  Sind  einige  Walzer-Run- 
den getanzt  worden,  so  geht  die  „Bletzbuebegeschichte''  wieder 
von  vorne  an.  Gewöhnlich  leitet  der  erste  Geiger  das  Ganze, 
sodass  er  gelegentlich  einem  Tänzer  oder  einer  Tänzerin  übel 
mitspielen  oder  aber  auch  „vyl  z'Lieb  thue  chaa".  „Säle wie,  ^Dor- 
nessler*^  oder  „Guscht,  machid  de  Jokeb  zom  Bietzbuebe,  i  möcht 
emool  mit  Syner  taanze;  Myni  ischt-mer  vetläädet". 

An  einer  Hochzeit  kam  einmal  ein  Bauer  direkt  aus  dem 
Euhstall  in  den  Tanzsaal,  also  „gad  ase  n-in  Holzbodeschuje  ond 
im  Stallhääs'^.  Die  Musikanten  Hessen  solange  schicken,  bis  der 
Senne  in  seinem  duftigen  Stallkleide  die  Braut  erschickt  hatte 
und  zu  allgemeiner  Freude  „e-n-eebegi  Längi"*  mit  ihr  tanzen 
durfte.  Als  der  Tanz  endlich  aus  war,  meinte  sie:  i  hätt-*8  ehe 
no  lang  uusghaalte  mit-'m  Haastoni;  i  cha  denn  Minn  scho  no 
lang  gnueg  aaluege  dehääme!^ 

Schicktanz. 


Der  Volkstanz   im  Appenzellerlande. 


23 


oder: 


Appezeller-Wälserli  oder  Bncbryberli 
nach  dem  Schicktanz. 


^lj:L^L^tLfe-^tt£jL^I^^ 


i^^P^S 


Der  „Cheerab"  ^^)  endlich  ist  der  Schlusstans  des  Tane- 
ends.  So  wie  die  Musik  den  Kehrab  spielt,  spazieren  Tänzer 
d  Tänzerinnen,  sich  an  der  Hand  führend,  paarweise  im  Kreise 
rum  und  singen  dazu: 

Jetz  ma-chid-mer  no    deCheer-ab,  deCheer-ab,  deCheer-ab,  jetz 


^hrii-g^sj^^^g^gi 


ma-chid-nier  do    de  Cheer-ab,  de    Oheer  -  ab,  de  Cheer! 

Nachdem  der  Kehrab  einigemal  gespielt  und  berumgesungen 

irde,  ,,heenkt  d'Musi  wädli  e  National- Buchryberli  aa  ond  denn 

eppe-n-ääs,    bis    de  Pflaanz    e-so    eppe-n-em    morge-n-omme 

ea  oder  vieri  oder  foöfi  omme-n-uus  ischt,  wenn's  guett  gohd 

d  8ÖS  fangt-me  gad  no  emool  e  Betzeli  vo  vorne-n-aa;  's  ischt 

all  no  Zyt  ond  früe  gnueg  zom  häägoh!^  — 

(Fortsetzung  folgt.) 

")  Anderwärts  Id  der  Schweiz  auch  Cherüs;  s.  Schw.  Id.  I,  32.  557. 


24 


Die  altschweizerische  Dramatik  als  Quelle  für 
volkskundliche  Forschungen. 

Von  Renward  Braudstetter  in  Luzern. 

(Vortrag,    gehalten    an    der   VIII.   Generalversamnihing   der  Schweizer. 
Gesellschaft  filr  Volkskunde,  Sonntag  den  7.  Juni  1903,  in  Winterthur.) 

Qrossartig,  glanzYolI,  märchenhaft  waren  die  AoffQhrungen 
der  altschweizerischen  Dramen  im  16.  und  im  Anfang  des  17.  Jahr- 
hunderts. Versetzen  wir  uns  in  die  Stadt  Luzern,  am  Oster- 
montag und  Osterdienstag  des  Jahres  1597!  Zweimal  zwölf 
Stunden  lang,  von  morgens  6  bis  abends  6,  zieht  eine  unendliche 
Reihe  prunkvoller  Bilder  an  unsern  Augen  vorüber,  rauschen 
die  Lieder  von  drei  Gesangchören  in  unser  Ohr,  dampft  be- 
täubender Weibrauch  gen  Himmel.  Wenn  z.  B.  das  alte  Testa- 
ment fertig  gespielt  ist  und  das  neue  beginnen  soll,  so  verkündet 
ein  Kirchenlehrer,  als  Papst  verkleidet,  den  Anbruch  der  Gnaden- 
zeit;  aUe  Anwesenden,  Schauspieler  wie  Zuschauer,  sinken  auf 
die  Kniee,  Posaunen  und  Harsthörner  ertönen,  die  Donner- 
maschine  tritt  in  Funktion,  in  sämtlichen  Kirchen  der  Stadt  wer- 
den alle  Qlocken  geläutet,  und  von  den  alten  Türmen  der  Ring- 
mauer erdröhnen  Böllerschüsse  gegen  den  Spielplatz  hin. 

Da  das  altschweizerische  Drama  eine  solche  Fülle  pracht- 
voller Bilder  bietet,  so  hat  es  schon  seit  längerer  Zeit  die  Auf- 
merksamkeit der  Forscher  auf  sich  gezogen.  Die  bisherige  Forsch- 
ung hat  allerdings  fast  ausschliesslich  die  litterarhistorische  and 
die  dramaturgische  Seite  des  Themas  ins  Auge  gefasst.  Nun 
hat  aber  unser  altschweizerisches  Schauspiel  noch  eine  dritte 
Seite,  die  ebenso  sehr  Berücksichtigung  verdient,  es  ist  dies  das 
volkstümliche  Element,  das  ihm  innewohnt. 

Das  altschweizerische  Drama  ist  einmal  ein  nationales  ur- 
wüchsiges Produkt  unseres  Landes.  Unsere  Dichter  sind,  wie 
Altmeister  Baechtold  nachweist,  meist  originell,  Anlehnungen  an 
ausländische  Spiele,  Übersetzungen  lateinischer  Stücke  kommen 
selten  vor.  Luzerner  Autoren  wählen  wohl  eine  lateinische  Le- 
gende des  Surius  als  Grundlage,  aber  diese  Legende  umfasst  nur 
1 — 2  Seiten,   und   unser  Dichter   macht  daraus  einen  Folianten. 


Die  altschweizer.  Dramatik  als  Quelle  für  volkskundl.  Forschungen.      25 

Das  altschweizeriscbe  Schauspiel  ist  dann  auch  in  dem 
inn  national  und  volkstümlich,  dass  es  seine  Stoffe  und  An- 
3hauungen  zum  grössten  Teil  aus  dem  Kreise  des 
olkes,  des  schweizerischen  Volkes  nimmt.  Dies  findet  sogar 
ei  den  so  zahlreichen  religiösen  Dramen  statt.  Diese,  die  selbst- 
arstlndlich  ihre  Ideen  aus  Bibel  und  Legende  beziehen,  haben 
Imlich  fast  immer  populäre  Einlagen,  Gastmähler,  Streitszenen, 
;c.,  welche  von  den  Autoren  mit  sichtlichem  Behagen  sehr  weit- 
ufig  ausgesponnen  und  recht  volkstümlich  durchgeführt  werden. 
3  werden  bei  den  biblischen  Gastmählern  der  Centralschweiz 
üechle  und  Krapfen,  die  jetzt  noch  so  beliebten  Lecker- 
ssen  unserer  bäuerlichen  Bevölkerung,  aufgetischt  und  es  wird 
)r  jetzt  noch  so  geschätzte  Yeltliner  getrunken;  hiebei  wollen 
ir  uns  erinnern,  dass  auch  C.  F.  Meyer  in  seinem  „Engelberg*^ 
m  Feuerwein  vom  Yaltellin  kredenzen  lässt.  —  Der  Tenor  der 
»Ikstümlichen  Dramen  und  der  volkstümlichen  Einlagen  in  den 
nst-religiösen  Spielen  ist  nun  meist  ein  derber.  Im  Roten- 
irger  Drama  „Isaaks  Opferung'',  ruft  Abraham  Gottvater  zu: 
^enn  Du  mich  nicht  erhörst,  so  soll  Dich,  Gottvater,  das  noch 
if  dem  Todbett  ängstigen.^  Diese  Derbheit  ist  zwar  allgemeine 
»itrichtung,  aber  ein  grosser  Teil  derselben  wird  doch-  auf  das 
ezifisch-schweizerische  Konto  zu  setzen  sein.  Wir  können  zum 
argleich  und  Beweis  auf  Gotthelf  hindeuten,  wir  können  daran 
nken,  dass  unsere  beiden  begabtesten  Minnesänger  Steinmar 
id  Hadlaub  vom  feinen  höfischen  Sang,  den  sie  in  der  Jugend 
(lernt,  bei  erwachter  Selbständigkeit  zur  grobkörnigen  Dorf- 
>e6ie  übergegangen  sind. 

In  unserm  alten  Drama  ist  drittens  auch  die  Szenerie, 
ie  Landschaft  echt  schweizerisch.  Hans  von  Räte  begnügt  sich 
icht,  zu  schildern,  wie  die  Arche  auf  irgend  einem  hohen  Berg 
:ehen  geblieben,  sondern  sie  ist  auf  einer  „Alp"  festgefahren, 
riebei  fallt  mir  ein,  dass  auch  in  Zwingiis  Psalmenübersetzung 
ie  Landschaft  ein  heimelig  schweizerisches  Kolorit  hat:  Die 
sbafe  weiden  nicht  auf  den  Fluren  Galiläas,  sondern  im  „Gäu^, 
Weht  nicht  ein  heisser  Wüstenwind,  sondern  der  Föhn,  u.  a.  m. 

Und  endlich  spricht  sich  in  unsern  alten  Dramen  nicht 
Iten  ein  kräftiges  Schweizerbewusstsein  aus.  Wenn  im 
^arbali**,  jenem  bekannten  Stück  unseres  grössten  altschwei* 
i'iBchen  Dramatikers,  des  Nikiaus  Manuel,  die  Heldin  ihre 
i^ersacher  durch  die  Wucht  ihrer  Argumente  niedergerungen. 


26       Die  altschweizer.  Dramatik  als  Quelle  ftlr  volkskundl.  Forschungen. 

80  ruft  die  Matter,    falls  die  Gegner  es  noch  einmal  aufnehmen 

sollten : 

Da  solt  du  sie  aber  ^)  wol  usfegen 
Grad  wie  ein  polierter  schwyzertegen. 

Im  Rotenburger  Drama  lobt  am  Schluss  Abraham  den  Gott* 
vater  mit  den  Worten: 

De  hast  dih  ghaltä  wienä  Thäll. «) 

Ich  habe  Ihnen  hiemit  einleitend  in  einigen  Zügen  die 
Volkstümlichkeit  der  altschweizerischen  Dramatik  bewiesen.  Da- 
mit sind  wir  beim  Kernpunkt  unserer  Betrachtung  angelangt: 
Was  ich  nur  im  allgemeinen  angedeutet,  muss  ich  nun  im  ein- 
zelnen ausführen,  und  ich  muss  Ihnen  zeigen,  wie  diese  volks- 
tümlichen Momente  für  die  volkskundliche  Forschung  verwertbar 
sind.  Und  da  sage  ich,  dass  uns  dieses  volkstümliche  Wesen 
der  alten  Dramatik  in  dreifachem  Strahl  entgegensprudelt,  in 
Sachen,  in  Worten,  in  Gebärden. 

Erstens  also  in  Sachen!  Es  ist  nämlich  einmal,  wie  Hoff- 
mann-Krayer  in  seiner  Schrift  ^die  Volkskunde  als  Wissenschaft '^ 
so  treffend  auseinandersetzt,  Aufgabe  der  Volkskunde,  die  gei- 
stigen, moralischen,  rechtlichen  Anschauungen  des  Volkes,  seine 
Mythen  und  Sagen,  seine  Sitten  und  Gebräuche,  u.  a.  zu  er- 
forschen und  darzustellen.  Verweilen  wir  gleich  einen  Augen- 
blick bei  den  alten  Sagen. 

Es  ist  bekannt,  dass  der  reiche  Schatz  an  alten  deutsche» 
Sagen,  der  uns  in  der  mittelalterlichen  Litteratur  so  glänzend 
entfaltet  entgegentritt,  in  der  nachhohenstaufischen  Zeit  allmäh- 
lich und  zum  Teil  sehr  rasch  vergessen  wurde.  Aber  gerade 
diesseits  des  Rheins  blieb  das  Andenken  daran,  wenn  auch  immer 
trümmerhafter,  so  doch  noch  recht  lange  lebend.  Baechtold  weist 
nach,  dass  die  Gestalt  Dietrichs  von  Bern  noch  um  1600  bei 
uns  bekannt  war.  Und  Dietrichs  Residenz  Verona  heisst  in  de» 
Luzerner  Verhörprotokollen  noch  im  Jahre  1578  Dietrichs  Bern. 
Von  Karl  und  Roland  und  der  UnglQcksstätte  Ronceval  weis» 
die  Russ'ische  Chronik^)  und  wissen  andere  volkstümliche  Chro- 
niken der  Schweiz  noch  allerlei  zu  berichten.  —  Aus  dem  Volks- 
bewusstsein  sind  nun  die  Ausklänge  der  alten  Sagen  auch  in 
unser  Drama  hineingerankt.     Ich  betone,  aus  dem  Volksbewusst- 


*)  Noch  einmal.  —  *)  Wie  ein  Teil.  —  ')  Der  einzige  Abdruck  dieser 
Chronik  ist  mangelhaft  und  veraltet.  Rektor  HQrbin-Luzern  bereitet  eine 
neue  Ausgabe  vor. 


Die  altschweizer.  Dramatik  als  Quelle  für  volkskundl.  Forschungen.      27 

«ein,  nicht  aus  gelehrten  BQchern,  denn  alle  diese  Anspielungen 
finden  sich  nur  in  ganz  volkstümlichen,  urwüchsigen  Scenen. 
Im  Rotenburger  Spiel  beklagt  sich  Gottvater  darüber,  dass  die 
Engel  ihm  nicht  gehorchen  wollen,  er  will  sein  Amt  niederlegen 
und  fügt  bei: 

ich  hab  gschworä,  seg's  noh  ä  mahl 
ä  so^)  kam  ih  föUig  in  runtzifahl. 

Hier  ist  der  Name  des  Engpasses  Ronceval  figürlich  ver- 
wendet im  Sinn  von  „Klemme^.  Als  Berg  gedacht  ist  Ronceval 
am  Schluss    von  Manuels  Stück   „Ecks  und  Fabers  Badefahrt^ : 

Do  Egg  und  sin  gsell  Faber  log, 
dass  sich  der  berg  Runzefal  bog. 

Auf  ähnliche  Weise  hat  sich  bei   uns  auch  das  Andenken 

an    Eriemhildens    Rosengarten    erhalten,    im    volkstümlichen 

Drama,  wie  im  Volkslied.     Ein  altes  Volkslied  von  der  ,,  ewigen 

Richtung^,  das  uns  Tobler  registriert,  sagt  von  einem  ungetreuen 

freund : 

Von  dem  du  wandest  *)  trost  erwarten, 
der  schlenzt  *)  dir  selbs  din  rosengarten. 

Und  in  den  Luzerner  Osterspielen  murren  die  von  Hunger 
^nd  Durst  gequälten  Juden  wider  Moses: 

Schow,  wie  sind  wir  jm  rosen  gartten! 
Müessend  Lang  vmbzien  vnd  wartten. 

Wir  stossen  in  der  Dramatik  sogar  auf  Reminiszenzen,  die 
weit   hinter  die  hoheustaufische  Zeit,    bis  ins  alte  Germanentum 
zurückreichen.    Die  Werke  über  altgermanische  Mythologie  reden 
auch  davon,  dass  dem  germanischen  Heidentum  die  Zahl   Neun 
eine   heilige    oder    eine    ominöse  Zahl   war.     Hievon  finden  wir 
noch  mannigfache  Spuren  im  Volksbewusstsein  der  alten  Schweiz. 
Die  Luzerner  Gerichtsprotokolle  aus  den  Zeiten  der  Schlacht  von 
Sempach  registrieren,    dass  man   sich  damals  unter  dem  Volke, 
um  dem  Haas  oder  Zorn  Ausdruck  zu  verleihen,   die  Epilepsie, 
^das  vallende  Übel"^,    anwünschte;    nicht   selten    finde    ich  aber 
protokolliert,    dass    „das    nun  vallende  Übel^  angewünscht  wor- 
-den  war.     In  derben  Partien  der  Dramatik  findet  sich  diese  omi- 
nöse Zahl  ebenfalls,  so  im  Luzerner  Spiel  vom  hl.  Leodegar: 


*)  ä  80  =  mhd.  ie  s6,  verstärktes  so.  —    *)  wähntest.  —  •)  verwüstet. 


28      Die  altBchweizer.  Dramatik  als  Quelle  für  volkskundl.  ForschuDgeo. 

Fort,  fort '')  dan  ^)  in  seckellärs  orden, 
Ein  junger  Man  *)  nun  mal  verdorben 
Sol  dennocht  nimmer  sin  verzagt. 

Es  ist  nun  interessant,  dass  das  Schweizerische  Idiotikon 
ein  ganz  ähnliches  Sprichwort  noch  lebend  aus  einer  schweize* 
rischen  Mundart  verzeichnet:  ^En  junge  Ma  cha  nun  Mol  z'Grund 
go  und  doch  wider,  z'weg  chu/  ^^) 

Selbstverständlich  treffen  wir  auch  spezifisch  schweize- 
rische Mythen-  und  Sagenstoffe  in  reichem  Masse  in  der 
Dramatik.  Die  Sage  vom  verruchten  Spieler  von  Willis- 
au, der,  aus  Unmut  wegen  fortwährenden  Verlustes,  sein  Schwert 
gen  Himmel  warf,  um  Qottes  Seite  zu  treffen,  worauf  Bluts- 
tropfen aus  der  lichten  Höhe  herunterfielen,  diese  Sage  hat  auch 
Aufnahme  in  die  alte  Dramatik  gefunden,  sie  wird  im  Bigandus, 
der  1679  in  Ölten  aufgeführt  wurde,  erzählt.  Ferner  berichtet 
die  schweizerische  Eirchengeschichte  oder  Lütolf  in  seiner  Sagen- 
sammlung, man  habe  den  Wiedertäufern  in  Art  Yorgeworfen,. 
dass  sie  statt  der  Hostie  eine  Hummel  zur  Kommunion  genössen, 
welche  Hummel  aber  eigentlich  der  Teufel  sei.  Auf  diese 
krause  Volksmeinung  spielt  das  Luzerner  Stück  von  der  Kreuz* 
erfindung  an,  in  der  Stelle,  wo  der  fanatische  Romelias  den 
andersdenkenden  Isachar  anschreit: 

Ein  Humel  hast  gfressen  on  Zwyffel, 
Das  gsägno  dir  der  schwertzist  Tttffel. 

Werfen  wir  unsern  Blick  auf  ein  anderes  Gebiet,  das  des- 
volkstümlichen Rechtslebens,  so  erweist  sich  die  alte  Dramatik 
als  wahres  Dorado  für  den  Folkloristen.  Betrachten  wir  z.  B. 
einen  der  am  meisten  volkstümlichen  Rechtsbränche,  das  Friede- 
trinken  und  das  Friedeabtrinken,  ein  Rechtsbranch,  der 
u.  a.  in  Segessers  Rechtsgeschichte  oder  im  Schweizerischen  Idio- 
tikon ausführlich  geschildert  ist.  Weon  irgendwo  ein  Streithandel 
ausbrach,  so  hatte  jeder  ehrliche  Bürger,  der  dazu  kam,  Recht 
und  Pflicht,  Frieden  zu  bieten.  Die  Formel,  die  dabei  zur  An- 
wendung kam,  war  in  Luzern  nach  dem  Statut  von  1484:  „gib 
Prid!**,  in  Unterwaldea:  „Ich  büt  üch  miner  Herre  Prid**.  Oe* 
horchen  die  Beteiligten  dem  Friedebieter,  so  folgt  gemeinig- 
lich noch  ein  Yersöhnungstrunk.     Wollen  sie  aber  den  Frieden 


')  Auf  und  davon  in  die  Fremde !  —  ^)  denn.  —  ')  EÜn  junger  Mann 
aus  dem  Orden,  der  Zahl  derjenigen,  deren  Beutel  leer  ist,  die  ihr  Geld  ver- 
lumpt haben.  —  '*')  wiederhergestellt  werden. 


Die  altschweizer.  Dramatik  als  Quelle  für  volkskundl.  ForschoDgen.      29 

^geben^,  so  eotsteht  daraus  das  positive  mit  öffentlicher 
B  bedrohte  Vergehen  des  Friedversagens.  Wird  der 
le  gegeben  und  dann  dessenungeachtet  mit  Worten  oder 
ken  gebrochen,  so  resultiert  daraus  sogar  ein  Verbrechen, 
ies  Fried bruchs.  In  unsern  Dramen  also  kommt  dieses 
lebieten  sehr  oft  vor.  In  den  Luzerner  Osterspielen  bietet 
Schreiber  des  Pilatus,  der  zufällig  vorbeigeht,  den  sich  bal- 
en  Wächtern  Friede,  im  Weinspiel,  das  von  Rudolf  Manuel, 
Sohne  des  Nikiaus  Manuel  verfasst  ist,  tritt  der  Narr  als 
lebieter  auf,  ebenso  in  Peter  Spichtigs  Dreikönigspiel  von 
^ern,  welches  kürzlich  von  Bibliothekar  Franz  Heinemann 
isgegeben  worden  ist.  —  Nach  einiger  Zeit  dürfen  die  Be- 
ten dieses  besondere  Friedensverhältnis  wieder  lösen,  da- 
1  kehren  sie  unter  das  gewöhnliche  Recht  zurück.  Dies 
lieht  gemeiniglich  durch  einen  Trunk,  und  das  ist  das  Friede- 
oken,  welches  uns  u.  a.  das  Luzerner  Drama  vom  hl.  Leo- 
r  vorführt:  Die  zwei  Henkersbuben  Servus  und  Sorbet,  die 
gezankt  hatten,  gehen  ins  Wirtshaus    zum  Friedeabtrinken: 

Holla,  württ,  schow  vns  schlacker  ann 
Die  mttesäend  httt  gesoffen  han; 
Drnm  trag  winn  bar,  dir  on  schad, 
Das  triben  möcht  ein  müli  rad.    ^') 

Hospes  bringt  den  Wein. 
Ich  bann  gwys  win  den  aller  besten, 
Der  machett  freUd  den  lieben  gesten. 

Servas  trinkt  dem  Sorbet  zu. 
Sorbett,  an  mich  kein  vnmnott  hab; 
Bring  dir  des  trancks  den  friden  ab. 

Sorbet  antwortet. 
Schon  ^^)  ich  der  streichen  dencken  sott, 
So  gsegne  dirs  recht  dennocht  Gott. 

Das  Motiv  des  Friedebietens  hat  auch  ausserhalb  der 
latik  in  der  älteren  volkstümlichen  Litteratur  Verwendung 
iden.  Im  „Paradies'',  einem  humoristischen  Produkt  des 
ten  Luzerner  Dialektdichters,  des  Pfarrers  Ineichen,  bietet 
Serr  dem  Adam  und  der  Eva,  welche  beide  sofort  nach 
Erschaffung  Zank  angefangen  haben,  Friede: 

Stille,  stille,  i  bUte  Fried, 

Schreit  do  der  Herr,  sind  doch  an  g'schyd. 


')  Diese  gleiche  Hyperbel  verwertet  auch  unser  Minnesänger  Steinmar. 
ObschoD. 


30       Die  altscbweizer.  Dramatik  als  Quelle  ftlr  volkskundl.  Forschungen. 

Adam  will  nicht  sofort  einwilligen,  er  droht,  er  gehe  in 
fremde  Kriegsdienste,  wenn  Eva  ihr  Maul  nicht  halte,  aber  end- 
lich gelingt  die  Versöhnung. 

Über  ein  ferneres  Objekt  der  folkloristischen  Forschung, 
die  alten  Spiele  und  Volksbelustigungen,  welche  wir  auch 
aus  den  so  zahlreichen  Luxusedikten  der  alten  Zeit  studieren 
können,  giebt  uns  auch  unser  Drama  eine  ebenso  reiche,  aber 
viel  lebendigere  Auskunft.  Im  jüngsten  Gericht  des  Zugers  Za- 
charias  Bletz  werden  auch  die  Lehrer  zur  Hölle  verdammt,  weil 
sie  die  heiligen  Pflichten  ihres  hehren  Standes  vernachlässigt 
und  nur  an  eitle  Vergnügungen  gedacht: 

Gluckeren  *'),  stöcklen  war  ir  leer, 
würfflen,  kartten  tribeos  seer, 
platten  schiessen  vnnd  derglichen, 
klotz  werfen,  keglen 

Im  Rotenburger  Drama  „Isaaks  Opferung^  gehen  Gott- 
vater und  Abraham,  nachdem  sie  am  Ende  des  Spieles  aufs 
neue  Freundschaft  geschlossen,  zu  einer  Kaiserpartie;  das 
Kaisern  war  aber  das  altschweizerische  nationale  Kartenspiel, 
das  jetzt  durch  den  Jass  fast  verdrängt  ist.  —  Wie  populär 
die  dramatischen  Aufführungen  in  der  alten  Schweiz  waren, 
geht  übrigens  auch  daraus  hervor,  dass  sie  auch  zu  den  Kin. 
derspielen  gehörten,  wovon  uns  der  jüngere  Platter  in  seiner 
Autobiographie  ein  reizendes  Beispiel  vorführt. 

Recht  amüsant  ist,  dass  man  aus  unserer  Dramatik  ein 
ganzes  Lehrbuch  der  volkstümlichen  Gastronomie  erstellen 
könnte.  Es  kommen  in  derselben  viele  Gastmäler  vor,  so  enthält 
die  „Belagerung  der  Stadt  Babylon^  von  Jos  Murer,  der  in  der 
gleichen  Stadt  wirkte  und  dichtete,  die  uns  heute  so  gast- 
freundlich empfangt,  ein  grosses  Bankett,  und  da  figurieren  denn 
stets  und  ausschliesslich  die  Leckerbissen,  welche  damals  recht 
populär  waren,  und  die  zum  grössten  Teil  jetzt  noch  zur 
Gourmandise  unseres  Landvolks  gehören:  Küechle,  Krapfen, 
bachner  Imper**),  Schlottermilch  *^)  etc.  In  der  „armes 
Gret^,  dem  volkstümlichsten  Produkt  des  oben  erwähnten  In- 
eichen, erzählt  die  Heldin,  die,  um  einen  Mann  zu  ergattern,  den 
Kanton  durchwandert,  sie  sei  auch  nach  Neuenkirch  gekommen, 
wo  man  das  Spiel  vom  hl.  Pius  aufgeführt,  und  sie  habe  gesehen, 


")  Das  Schweizerische  Idiotikon  erklärt  alh»  diese  Ausdrücke.  —  *♦)  Ing- 
wer. —  *^)  Gestockte,  saure  Milch. 


Die  altechweizer.  Dramatik  als  Quelle  flUr  volkskundl.  ForBchuDgen.       31 

wie  der  Heilige  zusammen  mit  dem  Teufel  eine  Schussel  Schlot- 
termilch geschmaust: 

Bi  Barfis  ^^  so  nf  Neüechilch, 
s'iscb  nf  d'Kuomedi  ^^  gsy, 
Der  Tüfel  hed  e  Scblottermilch 
Schön  knanslet  ^^)  mit  Sant  Py. 

Zum  Schluss  dieses  Abschoittes  sei  noch  ein  Kuriosum  er- 
wähnt, das  damals  seinen  Einzug  in  die  Yolksphantasie  gehalten 
und  sich  auch  in  der  Dramatik  niedergeschlagen  hat.     Der   Lu- 
zerner Leopold   Cysat  hat   im  Jahre  1661    eine   für   seioe   Zeit 
ganz  annehmbare  Beschreibung  des  Yierwaldstättersees  geliefert: 
»BeschreibuDg   dess  Berühmbten  Luceruer-  oder  4.  Waldstätten 
Sees,    vnd    dessen   FQrtrefSichen    Qnaliteten    vnd    sonderbaaren 
Hygenschafften*".     Das  24.  Kap.  dieser  Schrift  handelt  ^von  den 
lahmen  vnnd   wilden  Thieren,  so  vmb  disen  See  gefunden  wer- 
den*^, und  hierbei  berichtet  Cysat,  wie  einst  zu  Einsiedeln  beim 
^est  der  Engelweihe  ein  Ochse  geschlachtet  worden  sei,  der  2250 
I^fand  gewogen.  Das  Andenken  an   diesen  Ochsen   hat  nun   die 
V^olksphantasie  lange  bewahrt,  denn  noch   im  Rotenburger  Spiel 
^Isaaks  Opferung''    Yom  Jahre  1743  ist  von  ihm  die  Rede,  von 
grosser  Kraft  heisst   es   da:    ^so   stark   wie  der  Ochse   auf  der 
^^ngelweihe'^. 

Die   Volkskunde    beschäftigt    sich    zweitens    auch   mit    der 

Sprache    des  Volkes,    nicht  mit  Grammatik  und  Syntax,   denn 

dieses  Gebiet  gehört  ihrer  Schwester,  der  Philologie,  wohl  aber 

Xftiit  vielen  andern  Dingen,  als  da  sind:  Bildliche  Redensarten, 

Sprichwörter,  Fluch   und  Schwur,   Witz   und  Wortspiel, 

C^russ  und  Anrede,  Euphemismen  u.  s.  w.    Hier  nun   liefert 

^ns  die  altschweizerische  Dramatik  den  allerreichsten  und  aller- 

dchtesten  Stoff  und  ich  will  gleich  eine  Beobachtung   vorfuhren, 

^6  uns  schlagend  zeigt,  dass  hier  echt    volkstümliches  Material, 

:xiicht    etwa    willkürliche  Erfindung    der  Dichter    vorliegt:     Die 

^ten    Dramatiker    schütten    in    ihren    derberen  Elaboraten    ein 

wahres  Füllhorn  von  Fluch-   und  Schimpfwörtern    aus;    und  die 

ganz  gleichen  Ausdrücke  treffen  wir  auch   in  den  gleichzeitigen 

Oerichtsprotokollen  als  Blasphemien  und  Injurien,  die  unter  dem 


")  barfass.  —  ")  Noch  jetzt  gebräuchliche  humoristische  Wortverdreh- 
log,  unter  AolehouDg  an  „Kuh*',  mhd.  kuo.  Das  mundartliche  Komedi  be- 
seicbnet  jede  Art  Drama.  —  ^^)  schmausen. 


^2      Die  altschweizer.  Dramatik  als  Quelle  für  volkskundl.  Forsch iin|i^en. 

Yolke    gebräuchlich    wareo,    eingeklagt    und    bestraft    wurden. 
Manche  leben  übrigens   auch  noch  in    den    heutigen  Mundarten. 

Es  ist  nun«  um  gleich  bei  der  Materie  des  Fluchens  und 
Schwörens  ein  wenig  zu  Ter  weilen,  nicht  auffallig,  dass  hier 
unser  echt  nationales  Eeib  ^^  die  Hauptrolle  spielt.  In  Rufs 
Telldrama  führt  Gessler  dieses  Wort  im  Munde,  er  nennt  den 
Teil  „der  keib  vnd  gross  vnflat^;  in  dem  Drama  ^Adam  und 
Heya^  vom  nämlichen  Autor  schimpft  Eain  seinen  Bruder  einen 
Keib.  Recht  derb  klingt  es  unserm  modernen  Ohr,  wenn  es  im 
Luzemer  Drama  „Martyrium  Apostolorum"  bei  Anlass  der  Kreu- 
zigung des  Andreas  heisst:  „das  Crütz  ist  schon  gerüst,  daran 
der  arm  keib  hanngen  muoss^. 

Yiel  Stoff  zur  Betrachtung  liefern  die  Euphemismen. 
Religiöse  Scheu  lässt  es  bedenklich  erscheinen,  den  Namen  Gottes, 
der  Madonna,  heiliger  Dinge  leichtsinnig  zu  verwenden,  daher 
werden  solche  Namen  durch  ähnlich  klingende  ersetzt.  Ein  in 
den  Gerichtsprotokollen  vom  14.  Jahrhundert  an  oft  belegter 
Ausruf  oder  Fluch  war  Gotts  Lyden.  Diese  Wendung 
konnte  man  nun  mildern,  indem  man  entweder  für  den  ersten 
Bestandteil  oder  für  den  zweiten  oder  für  beide  Surrogate  der 
geschilderten  Art  einsetzte;  für  Gott:  Bott,  für  Lyden:  Kryden; 
so  entstanden  die  Phrasen  Botts  Lyden,  oder  Gotts  Kryden 
oder  endlich  Botts  Kryden.  Diese  und  ähnliche  Yerschleiernn- 
gen  sind  in  den  Gerichtsprotokollen  genugsam  belegt,  und 
ebenso  in  volkstümlichen  Dichtungen  wie  in  Wittenweilers  „Ring*, 
der  3  c  32  Götz  plunder  für  Gottes  Wunder  sagt,  und  natür- 
lich auch,  im  reichsten  Mass,  in  unseren  Dramen.  Zuerst  ver- 
steht man  den  Sinn  des  Wortes  Bott  =  nuntius  noch  und  orthogra- 
phiert  den  Gen.  demgemäss  mit  is  oder  tts^  so  noch  in  Binders 
^Acolastus*",  Vers  663,  wo  „bots  armuot*  steht.  Aber  allmäh- 
lich verdunkelte  sich  der  Sinn  dieses  Wortes,  und  von  da  an 
schrieb  man  botz  und  potz.  Als  so  der  erste  Bestandteil  an- 
verständlich geworden  war,  musste  sich  der  zweite,  „Lyden*, 
resp.  „Kryden*^,  oder  was  es  für  ein  Ausdruck  war,  die  mannig- 
fachsten  Umformungea  gefallen  lassen,  so  ist  z.B.  potz  Chride- 
mähl  daraus  erwachsen,  das  in  Luzern  noch  gebräuchlich  ist 
und  auch  in  einem  modernen  Dialektdrama,  in  Kneubühlen 
„Es  gflausigs  Jlocheig"  Aufnahme  gefunden  hat.  Solche  Wort- 
verdrehungen treffen   wir  nun    in    der  Dramatik   zu  Hunderten. 

*^)  Eigentlich:  Aas,  beisuiulors  PferdeaaB. 


J 


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I>io  altschweizer.  Dramatik  als  tiuelle  ftlr  volkskiiiidl.  Forscliungen.      33 

Radolf  Manuel  sagt  in  seinem  Weinspiel:  botz  tuft  für  Gotts 
Tonf,  botz  blnost  für  Ootts  Bluot,  Spichtig  in  seinem  Drei- 
konigenspiel  hat  sogar:  botz  hundert  hüender  hauss. 

Unter  den  böswilligen  Anwünschungen  steht  der  Ritt 
im  Vordergrund.     Ritt  ist  die  echt    deutsche  Bezeichnung  jener 
Krankheit,  für    die   wir   jetzt   das    Lehnwort   Fieber    brauchen. 
Dieser   Ritt   nun   erscheint  in   den  Dramen  meist   personificiert, 
als  ein  mythisches  Wesen,  als  Rivale  des  Teufels.     In  Wendun- 
gen, wie  „Schutt  dich  der  Ritt,*"   die  so  ziemlich  in  allen  Dramen 
vorkommt,    oder  „dass  im    der  ritt    das  Herz    abschitt"    iu  Ru- 
dolf Manuels  Weinspiel  blickt  zwar  die  ursprüngliche  Bedeutung: 
das  Fieber  mit  seinen  Schüttelfrösten  noch  durch;    aber   in  Zu- 
sammenhängen    wie    .,Hol    dich    der    Ritt;    ins    Ritten    Namen; 
Hat    mich    der    ritt    vnd    teufel    bschisseu^,    bei    Spichtig;     ^Du 
schnöde  kutt,  sehend  dich  der  ritf",   im  Luzerner  Leodegar,    ist 
der  Ritt  das  mythische  Wesen  geworden.  Wir  wollen  uns  hier- 
bei erinnern,  dass  der  Ritt  auch  bei  Boner,  den  Baechtold  einen 
<lurch  und  durch  volkstümlichen  Erzähler  nennt,  eine   allerdings 
i^nders  geartete  Personifizierung  gefunden  hat,  in  der  bekannten 
lsabel  vom  Fieber  und  vom  Floh. 

Als  Grussformel  figuriert  überall  das  bekannte  Gottwill- 
Icomm,  oft  in  abgeschwächter  mundartlicher  Form  als  „Qott- 
^vrilchen*^  erscheinend.  Eine  eigenartige  Begrüssung  habe  ich  bei 
Salat,  bei  Rudolf  Manuel  und  im  Luzerner  „Wilhelmus"  ge- 
funden. Der  Ankömmling  begrüsst  die  zechende  Gesellschaft 
xnit  den  Worten:  „Gott  eer's  Gloch**.  So  steht  in  Rudolf 
IManuels  Weinspiel: 

Gott  eer's  gloch,  ir  lieben  brüeder. 

Was  soll  dieses  ^Gloch^?  Das  Dictionarium  latioogermani- 
cum  des  Johann  Fries  giebt  für  ^Geloch''  die  Bedeutung  ^Ürte" 
an'^),  also  meint  ^Gott  eer's  Gloch*^  so  viel  als  .,Gott  ehre  das 
Zechen''  oder  wohl  eher  die  „ Zechgesellschaft ". 

In  reichem  Masse  verwenden  unsere  alten  Dramatiker 
figürliche  Redensarten  und  zwar  solche,  die  offensichtlich 
aas  dem  Ansohauungskreis  des  Volkes  herausgewachsen  oder 
besser  gesagt,  die  von  den  Dichtern  dem  Yolksmund  abgelauscht 
sind.  Es  ist  zum  Beispiel  recht  amüsant,  zu  beobachten,  wie 
gerade  die  obenerwähnte  volkstümliche  Gastronomie  in  die   dra- 


^)  J.  Baechtold,  Nikiaus  Manuel,  S.  451. 


34      Die  altseliweizcr.  Dramatik  als  Quelle  für  volkskundl.  Forschungeu. 

matische  Bildersprache  hineinreicht.  In  den  Luzerner  Osterspielea 
will  Veronika  Christus  auf  seinem  Gang  nach  Golgatha  einea 
stärkenden  Trunk  reichen,  einer  der  Henkersknechte  stösst  sie 
aber  zurück  mit  den  höhnenden  Worten: 

Ja  frylicb,  man  muoss  im  kUecblin  bachen. 

In  Nikiaus  Manuels  Stück  ^die  Krankheit  der  Messe^   sagt; 
Doktor  Lügegk: 

Wer  kan  küechlen  on  für  und  anken? 

Im  Luzerner  Leodegarspiel  beklagt  sich  die  Meretrix,   man. 
müsse    den    Männern    immer    Honigkrapfen    backen,    d.  li. 
Schmeichelworte  geben.  —  Diese  Bildersprache  ist  überhaupt  bc 
den  schweizerischen  Schriftstellern   des    16.  Jahrhunderts,    auel 
in  den  Produkten  einer  ganz  verstand esmässigen  Prosa  sehr  b^  — 

liebt,  yiel  mehr,  als  bei  den  gleichzeitigen   reichsdeutschen  Ai^b.     - 

toren.     So  sagt  Yadian  in  einem  geschäftlichen  Brief:    Man  w^i^Sl 

maynen,  die  sach  werd  on  ainen  blast  ^^)  nit  zergon.     Ich  find     e 

es    bezeichnend,   dass    das    Grimmsche   Wörterbuch    ,,Bla8t*'     m      _n 
dieser  figürlichen  Verwendung  nicht  kennt. 

Von    besonderm    Interesse    für    den   Kulturhistoriker,    ab^^^r 
auch    für    den    Folkloristen   ist    das  Lehnwort   einer  Spractm ■      c, 
einer  Mundart,  denn  dasselbe    legt  davon  Zeugnis  ab,    wie    äL^^^r 
Handel  und  Wandel  zwischen    einem  Lande   und    seinen  Na<3^Hi- 
bargebieten  sich  hin  und   her   bewegte.     Nun   hat   die  Schw^^f  z, 
vor  allem  der  gegen  die  Alpenpässe  hin  gelegene  Teil  derselb^sr-   n, '^ 
stets  regen  Verkehr   mit  Italien    unterhalten,   daher   die   gras  -^e 
Zahl  italienischer   Lehnwörter    in    unsern  Mundarten.     t>    '^r 
Kaufherr  brachte  Wörter   heim   wie  Bolete  „Billet**    oder  K  j^- 
barre,  dessen  Verwendung  sich  mit  dem  des  schriftdeutschen  „Ml  Mo- 
neten** deckt;    der    Viehtreiber    führte    die    Hundenamen  Car"    o, 
Belle,  Fido,    Fino    ein,    dem  Reisläufer   verdanken    wir  M '«a- 
statz  „Ohrfeige^,  italienisch  niostaccio.     Nun  findet  sieh  dieses 
Wort  nur  in  den  Luzerner  Dramen,  und  nur  um  1600,  z.  B.    "Am 
„Wilhelmus'':  Ein  mustatz  gib  ich  dir  zum  grind^').  Den  and^  ^fl 
alten  Dokumenten  ist  es  unbekannt,  ebenso  den  heutigen  schw  ^i- 
zerisohen  Mundarten.  Und  doch  muss  dieses  nur  durch  die  D«"^- 
matik   belegte  Wort   einst   wirkliche,   lebende  Mundart  gewe»^n 
sein,    denn    die    Dramatiker   nehmen,    offensichtlich,    nur    solc  I^ö 
Fromdwörter  auf,  die  zugleich  Eigentum  des  Volksmundes  ware^^f 

-'y  Für:  puliti.scho   L'nrühe.  —   --)  Schädel. 


Die  altschweizer.  Dramatik  als  Quelle  fllr  volkskundl.  Forschungen.       35 

was,  nebenbei  bemerkt,  ein  noch  nicht  genanntes  Moment  an  ihrer 
Volkstümlichkeit  ist. 

Da  also  die  alte  Dramatik  den  mundartlichen  Sprachschatz 
in  so  reichem  Masse  yerwendet,  so  drängt  sich  die  Frage  auf: 
Sind  denn  die  Dramatiker  nicht  auf  die  Idee  gekommen,  ihre 
Stücke  gerade  in  der  Mundart  zu  schreiben?  In  der  Blüte- 
zeit, im  16.  und  im  beginnenden  17.  Jahrhundert,  ist  das  noch 
keinem  Autor  eingefallen,  die  Stücke  sind  in  der  damaligen  Schrift- 
sprache, die  man  gewöhnlich  als  Kanzleisprache  bezeichnet,  ge- 
schrieben. Dagegen  weisen  das  ausgehende  17.  und  das  18.  Jahr- 
hundert Stücke  auf,  die  in  der  Mundart  verfasst  sind,  allerdings 
in  einer  ungeschickt  gehandhabten  und  besonders  ungeschickt  or- 
thographierten  Mundart.  So  ist  das  oben  erwähnte  Rotenbnrger 
Spiel  „Isaaks  Opferung^  in  das  Gewand  der  Mundart  gehüllt, 
das  Luzemer  Dorfspiel  von  der  hl.  Magdalena  enthält  sogar  zwei 
Mundarten:  Die  Luzerner  reden  luzernerisch,  der  Berner  Freier 
handhabt  die  Mundart  seiner  Heimat,  in  Spichtigs  Dreikönigenspiel 
brauchen  die  Tomehmen  Personen,  Gottvater,  Herodes  die  Schrift- 
sprache, die  Hirten,  Vers  1776  flF,  sprechen  Mundart  und  zwar 
erkennbare  Nidwaldner  Mundart,  z.  B.Vers  1996:  „ysers  ase  liebe 
Kind"^  (unser  so  liebes  Kind). 

Der  dritte  volkstümliche  Bestandteil  der  altschweizerischen 
Dramatik  sind  die  Gebärden.  Es  ist  eine  Errungenschaft  der 
Qeuesten  Zeit,  das  Gebärdenspiel  in  den  Bereich  strengwissen- 
96haftlichen  Studiums  einzubeziehen.  Wundt,  Delbrück  u.  a.  Ge- 
lehrte wenden  ihre  Aufmerksamkeit  dieser  Materie  zu,  allerdings 
ron  der  hohen  Warte  der  Sprachphilosophie  aus  darauf  hin- 
blickend. Dass  aber  dieser  Gegenstand  auch  zum  Arbeitsfeld 
ies  Folkloristen  gehört,  lässt  sich  unschwer  zeigen,  ein  einziges 
Moment  beweist  das  zur  Genüge:  Wo  es  sich  um  ernste,  rein 
religiöse,  fremdartige  Szenen  handelt,  da  wissen  die  altschweize- 
rischen Dramaturgen  sozusagen  keine  Vorschriften  über  das  Ge- 
bärdenspiel zu  geben,  es  heisst  etwa  bloss,  ^der  Apostel,  der 
Seiligo  solle  die  Hände  falten,  gen  Himmel  blicken,  sich  de- 
mütiglich  verneigen'^,  etc.;  bei  den  derben  Einlagen  und  in  den 
Pastnachtspielen,  wo  Stoff  und  Sprache  volkstümlich  sind,  da 
iiessen  auch  die  Angaben  betreffend  die  Gesten  reichlicher  und 
lie  Gebärden  sind  volkstümlich-  urwüchsig:  in  der  Luzerner 
,Kreuzerfindung^  verleiht  der  Kaiser  seinem  Zorn  gegenüber 
lem  Pilatus  so  Ausdruck,  dass  er  ihn  anspuckt. 


36      Die  altschweizer.  Drauiatik  als  Quello  für  volkskundl.  Forschungen. 

Oft  geben  die  Dramaturgen  nur  die  Stimmung  der  Per- 
sonen an,  nicht  aber  die  Aktion,  welche  eine  solche  Stimmung 
verkörpern  kann.  In  Bullingers  ^Lucretia*"  heisst  es,  Brutus  solle 
^herrlich  dapffer,  ernsthafft,  ruch,  ghrecht,  oder  der  Bauer  solle 
„trurig  vnd  bekümmert"  sein.  Oder  aber  die  Dramaturgen 
schreiben  beides  vor,  die  Stimmung  und  die  sie  verlebendigende 
Gebärde.  So  heisst  es  in  einem  zentralschweizerischen  Stück 
vom  Tyrannen:  „er  ist  vnwillig,  schütt  den  Grind *".  Auf  ähn- 
liche Weise  heisst  es  in  der  „Kreuzerfiodung*  von  Pilatus,  der 
die  Meldung  von  seiner  Absetzung  erhält:  ^So  er  den  brief  gla- 
sen, bysst  er  dryn,  schüttlet  den  köpf,  spricht  zornig**.  Und 
wenn  in  den  Luzerner  Osterspielen  Judas  den  Verräterlohn  em- 
pfangen hat,  so  „gschouwet''  er  das  Geld  und  ^gschouwets*" 
abermals,  zählt  es  und  zählt  es  abermals,  schnalzt,  ruft  froh- 
lockend aus: 

Da  da  ^^)  nun  bin  ich  ein  stoltzer  Knab 

Dz  ^*)  ich  ein  sömlicbs  ^*)  güettlin  hab.  —  — 

Wir  sind  am  Schluss  unserer  Betrachtung  angelangt.  Ich 
darf  wirklich  behaupten,  und  ich  glaube,  Sie